Bosnien und Herzegowina

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Dieser Artikel behandelt den Staat. Zu weiteren Bedeutungen siehe Bosnien (Begriffsklärung).
Bosna i Hercegovina (bosn./kroat./serb.-lat.)

Босна и Херцеговина (serb.-kyr.)
Bosnien und Herzegowina

Flagge von Bosnien und Herzegowina
Wappen von Bosnien und Herzegowina
Flagge Wappen
Amtssprache Bosnisch, Serbisch, Kroatisch
Hauptstadt Sarajevo
Staatsform parlamentarische Bundesrepublik
Regierungssystem parlamentarisches System
Staatsoberhaupt Vorsitzende des Staatspräsidiums
Bakir Izetbegović
Nebojša Radmanović
Željko Komšić
Regierungschef Ministerpräsident
Vjekoslav Bevanda
Fläche 51.197[1] km²
Einwohnerzahl 3.791.622 (2013)[2]
Bevölkerungsdichte 74 Einwohner pro km²
Bevölkerungs­entwicklung −0,141 %[3] pro Jahr
Bruttoinlandsprodukt
  • Total (nominal)
  • Total (KKP)
  • BIP/Einw. (nominal)
  • BIP/Einw. (KKP)
2011[4]
  • 18,2 Milliarden USD
  • 32,1 Milliarden USD
  • 5.050 USD
  • 8.251 USD
Human Development Index 0,735 (81.)[5]
Währung Marka (BAM)
Unabhängigkeit 1. März 1992 (von Jugoslawien)
Nationalhymne Intermeco
Nationalfeiertag in den Entitäten unterschiedlich, siehe Abschnitt „Feiertage und Feste“
Zeitzone UTC+1 MEZ
UTC+2 MESZ (März bis Oktober)
Kfz-Kennzeichen BIH
ISO 3166 BA, BIH, 070
Internet-TLD .ba
Telefonvorwahl +387
Österreich Belgien Bulgarien Republik Zypern Tschechien Deutschland Dänemark Dänemark Estland Spanien Finnland Frankreich Frankreich Vereinigtes Königreich Vereinigtes Königreich Griechenland Griechenland Ungarn Irland Italien Italien Italien Litauen Luxemburg Lettland Niederlande Polen Portugal Rumänien Schweden Slowenien Slowakei Island Montenegro Mazedonien Kroatien Türkei Türkei Malta Serbien Grönland Färöer Norwegen Norwegen Isle of Man Guernsey Jersey Andorra Monaco Schweiz Liechtenstein Vatikanstadt San Marino Albanien Kosovo Bosnien und Herzegowina Moldawien Weißrussland Russland Ukraine Autonome Republik Krim Kasachstan Abchasien Südossetien Georgien Aserbaidschan Aserbaidschan Armenien Iran Libanon Syrien Israel Jordanien Saudi-Arabien Irak Russland Tunesien Algerien MarokkoBosnia and Herzegovina in Europe.svg
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Bosnien und Herzegowina (in den Landessprachen Bosna i Hercegovina/Босна и Херцеговина [ˌbɔsnaixɛrʦeˈɡoːvina], kurz BiH/БиХ, Bosnien-Herzegowina oder nur Bosnien) ist ein Staat in Südosteuropa. Das Staatsgebiet liegt östlich des Adriatischen Meeres und befindet sich nahezu komplett im Dinarischen Gebirge. Hauptstadt und größte Stadt des Landes ist Sarajevo.

Überblick[Bearbeiten]

Der Staat ging aus der Republik Bosnien und Herzegowina hervor, die unmittelbar nach einem Referendum anfangs 1992 gegründet wurde und besteht seit dem Abkommen von Dayton (1995) aus zwei Entitäten, der Föderation Bosnien und Herzegowina und der Republika Srpska sowie dem Sonderverwaltungsgebiet Distrikt Brčko.

An Bosnien und Herzegowina grenzen insgesamt drei Staaten. Im Osten Serbien, im Südosten Montenegro, sowie im Norden, Westen und Südwesten Kroatien. Des Weiteren hat der Staat bei Neum in einem ca. 20 Kilometer langen Küstenstreifen Zugang zur Adria.

Bosnien und Herzegowina ist Mitglied des Mitteleuropäischen Freihandelsabkommens, der Vereinten Nationen, der Organisation für Islamische Zusammenarbeit (Beobachterstatus), des Europarates, Teilnehmer der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa und des Kooperationsrates für Südosteuropa. Des Weiteren ist das Land seit 2010 offizieller Beitrittskandidat für eine NATO-Mitgliedschaft und potentieller Beitrittskandidat der Europäischen Union.

Geographie[Bearbeiten]

Bosnien und Herzegowina liegt im westlichen Teil der Balkanhalbinsel und ist in weiten Teilen durch eine bewaldete Mittelgebirgslandschaft geprägt, wobei die höchsten Berge Höhen von fast 2400 Meter über dem Meeresspiegel erreichen. Ein Teil des Berglandes, insbesondere in den westlichen Landesteilen und der Herzegowina, ist verkarstet. Das hier anfallende Oberflächenwasser gelangt nicht in die großen Flusssysteme, sondern versickert größtenteils. Im Süden sowie in der nördlich gelegenen Save-Niederung gibt es auch flachere Regionen, die landwirtschaftlich genutzt werden. Ebenfalls im Süden befindet sich die 20 Kilometer lange Adria-Küste bei Neum.

Panorama der nordwestlichen Landschaft Bosniens bei Bihać (Blick von Brekovica)

Grenzen[Bearbeiten]

Bosnien und Herzegowina hat eine insgesamt 1538 Kilometer lange Außengrenze zu seinen drei Nachbarstaaten. Davon entfallen 932 Kilometer auf Kroatien, welches das Land in einem Bogen nördlich und westlich umgibt, 357 Kilometer auf Serbien im Osten und 249 Kilometer auf Montenegro im Südosten.[6] Die 20 Kilometer lange Adriaküste bei Neum grenzt im Osten sowie im Westen an Kroatien und unterbricht auf diese Weise die kroatische Küste. Die kroatische Stadt Dubrovnik ist über das Festland nur mit zweifacher Überschreitung der Grenze zu Bosnien-Herzegowina zu erreichen.

Geomorphologie[Bearbeiten]

Der höchste Punkt des Landes: Maglić.

Die höchstgelegenen Gebiete des Landes befinden sich im Südosten, an der historischen Grenze zwischen Bosnien und der Herzegowina. Der Gipfel des südlich von Foča an der montenegrinischen Grenze gelegenen Maglić-Massivs ist mit 2386 Metern der höchste Punkt. Der Rest des Landes ist vorwiegend von Mittelgebirgslandschaft geprägt.

Klima[Bearbeiten]

Bosnien und Herzegowina liegt im Übergangsgebiet zwischen mediterranem und kontinentalem Klima. Die Winter können sehr kalt werden und Temperaturen bis zu -20 Grad Celsius sind keine Seltenheit. Die Sommer sind überwiegend sehr heiß und es kann mit üblichen Temperaturen von 40° bis zu 50° gerechnet werden. Waldbrände können somit nicht ausgeschlossen werden.

Landschaftszonen[Bearbeiten]

Das Land lässt sich nach den Klimazonen in drei Landschaftszonen einteilen[7]. Diese spiegeln sich teilweise in der Kultur und den Lebensgewohnheiten der Menschen wider.

Die pannonische Tiefebene

An der Nordgrenze hat Bosnien und Herzegowina Anteil an der Pannonischen Tiefebene, die sich hier im Bereich der Save-Niederung erstreckt.

Die dinarische Gebirgsregion

Die Dinarische Gebirgsregion, auch „Bosnische Dinariden“ genannt, erstrecken sich von Südosten des Landes quer über die Mittelregion bishin zum Nordwesten. Geprägt wird diese Landschaft von zahlreichen Bergen, die weniger verkarstet, sondern mit Waldoberflächen bedeckt sind. In dieser Landschaftszone befinden sich unter anderem Städte wie Sarajevo, Zenica und Bihać. Diese Gebiete sind im Sommer meist sehr warm mit bis zu 35 °C und im Winter kalt, wobei die Temperatur auch auf -15 °C sinken und viel Schnee fallen kann.

Die adriatische Küstenregion

Die Herzegowina ist zumeist Teil der adriatischen Küstenregion. Die von mediterranen Einflüssen geprägte Herzegowina, besteht hauptsächlich aus Karst bzw. verkarsteten Gebirgszügen. In diesem Gebiet gibt es kaum Gewässer. Der Fluss Neretva, der aus Nordherzegowina durch Mostar in Richtung Adriaküste fließt, ist der größte und bekannteste dieser Region.

Landschaft im südwestlichen Teil Bosniens (bei Donji Vakuf)

Gewässer[Bearbeiten]

Una und Unac bei Bihać

Die wichtigsten Flüsse des Landes sind Save und Drina, die Bosnien und Herzegowina im Norden und Osten begrenzen, sowie die Bosna, welche im Landesinneren entspringt und in die Save mündet. Fast das gesamte Gebiet Bosniens gehört zum Einzugsgebiet der Save bzw. des Schwarzen Meeres, während die Flüsse der Herzegowina – zum Teil unterirdisch – in die Adria entwässern.

Die Täler der größeren Flüsse Bosniens erstrecken sich fast ausschließlich in Nord-Süd-Richtung, was für die Siedlungs- und Verkehrsgeschichte des Landes von Bedeutung ist. Zu den größeren Flüssen zählen die Una und Sana, der Vrbas und die Neretva. Abgesehen von der Save an der Grenze zu Kroatien ist kein Fluss in Bosnien und Herzegowina schiffbar.

Bosnien hat wenige bedeutende Seen. Die meisten großen Stillgewässer wurden künstlich angestaut. Große Stauseen gibt es an Drina, Neretva, Vrbas und Trebišnjica.

Landnutzung[Bearbeiten]

Nur ein knappes Fünftel der Landesfläche ist für den Ackerbau geeignet. Diese Flächen befinden sich vor allem entlang der Save, am Unterlauf der Neretva und in den Poljen der Herzegowina.

Natur[Bearbeiten]

Die Tier- und Pflanzenwelt von Bosnien und Herzegowina ist artenreich und vielfältig. Die Flora und Fauna des Landes profitiert von der geringen Bevölkerungsdichte und den unbewohnten Landstrichen. Um die 60 Prozent der Fläche von Bosnien und Herzegowina ist bewaldet, besonders das Gebirge ist sehr waldreich. Durch die schwere Zugänglichkeit ist die Natur auch wenig bedroht. So konnte der Lebensraum vieler seltener Tiere und Pflanzen erhalten werden.

Flora[Bearbeiten]

In Bosnien und Herzegowina finden viele bedrohte Pflanzenarten in den Hochgebirgen einen Lebensraum. Im Nationalpark Sutjeska befindet sich der Perućica-Urwald – einer der größten, die noch in Europa erhalten sind. Im Bereich des Dinarischen Gebirges gilt eine Höhe von 500 bis 1000 Metern als Niedrigzone. In diesem Bereich sind Eichen- und Buchenbewaldung typisch. In der Höhe von 1500 Metern kommt eine Buchen-, Fichten-, Tannen- und Kieferbewaldung vor. Ein Baum, der in fast allen Gebirgen des Landes vorkommt, ist die Waldkiefer. Eine Mischung aller dieser Baumarten findet man vor, wenn bewaldete Bereiche schon in niedriger Höhe beginnen und sich nach oben fortsetzen. In diesem Falle spricht man von einem illyrischen Floragebiet.

Man kann in allen Bereichen der Hochzone Gebirgsgewächse wie beispielsweise Windröschen, Thymian und Katzenkraut antreffen. Sie sind wie die klassische Alpenflora auf Bergen des Landes zu finden. Eine Besonderheit sind die durch Höhleneinbrüche entstandenen Dolinen. Auf den großen Flächen der Dolinen findet man typische Pflanzen einer kälteren Gebirgslandschaft, während auf den Rändern mittelmeertypische Pflanzen wachsen. Ein gutes Beispiel für die Flora des Landes ist das Gebirge Bjelašnica. Man trifft am Fuße des Berges verschiedene Laubbaumarten wie Eichen, Trauben- bzw. Wintereichen, Weißdorn und Schwarzbuchen an. In den höheren Regionen herrscht ein Mischwald mit Buchen und Tannen.

Der Walnussbaum ist in Südosteuropa heimisch und in der Niedrigzone weit verbreitet. Die Hochgebirge weisen überwiegend Wacholder auf, welcher außerordentlich widerstandsfähig gegen Kälte ist. Im Frühling kann man eine große Zahl an Blumen finden. Typische Vertreter sind Veilchen, Enziane, Narzissen, Kamille, Bärlauch, duftende Schlüsselblumen, Natternköpfe und Stiefmütterchen. Viele bereits weiträumig ausgestorbene Blumen haben sich in Bosnien und Herzegowina eingebürgert, wie beispielsweise die Orchideengewächse am Prokoškosee. Manche kalkhaltige Böden bieten ideale Bedingungen für Orchideengewächse wie z. B. für das rote Waldvöglein oder die Berghyazinthe. Wegen des warmen Klimas wachsen auch Liliengewächse in dieser Region. Zum Beispiel wachsen in Bosnien und Herzegowina einige seltene Vertreter der Gattung Tulipa, wie z. B. die Tulipa biflora, die von Kroatien bis Albanien verbreitet ist oder die Tulipa orphanidea, welche eine Seltenheit ist und von der unberührten Natur profitiert.

Zudem weist das Land eine beachtliche Anzahl an Endemiten auf. Das Lilium carniolicum var. bosniacum ist im zentralen Bosnien auf kalkhaltigen Böden endemisch. Lange war ihre Klassifikation unklar, was dazu führte, dass man sie als Unterart bzw. Varietät zu den Pyrenäen-Lilien oder als Synonym zu den Lilium chalcedonicum zählte. Erst nach molekulargenetischen Untersuchungen wurden sie schließlich der Krainer Lilie zugeordnet. Eine Pflanze, die auch lange ohne eindeutige Zuordnung war und in Bosnien gedeiht, ist Lilium jankae. Das Vorkommen reicht bis hin zu den Rhodopen.

Fauna[Bearbeiten]

Aale kann man z. B. in Hutovo Blato antreffen. Hutovo Blato ist ein Naturpark, zu dem viele kleine Seen und Sümpfe gehören. Auch zahlreiche andere Wassergetierarten, besonders zahlreiche Krebsarten, kommen vor.

Von vielen verschiedenen Schlangenarten, die man in Bosnien und Herzegowina antreffen kann, sind zwei giftig. Zu den giftigen gehört die Europäische Hornotter und die Kreuzotter. Die Vierstreifennatter ist eine der ungiftigen Arten. Neben Schlangen leben auch eine große Anzahl anderer Reptilien wie z. B. Echsen in Bosnien und Herzegowina.

Die faszinierende Vogelwelt hat sich in den bosnischen Gebirgen gut erhalten. Der Grünspecht ist in den Laubwäldern und der Schwarzspecht in den Nadelwäldern des Landes heimisch. Gänsegeier sind in einigen Bergen wie z. B. der Bjelašnica beheimatet. Zu den wichtigsten Greifvögeln des Landes gehören die Steinadler sowie die Falkenarten. Der Steinadler ist in Küstennähe und in den vielen vorkommenden Gebirgen beheimatet. Der Turmfalke ist in ganz Bosnien und Herzegowina beheimatet. Der Lannerfalke kommt in einigen wenigen Brutpaare in Herzegowina vor. Auch sind unzählige Insekten- und Käfergattungen im Land vertreten.

Das größte Tier des Landes ist der vom Aussterben bedrohte Braunbär, von dem rund 2800 Exemplare in Bosnien und Herzegowina leben.

Bevölkerung[Bearbeiten]

Die Staatsbürger Bosnien und Herzegowinas werden als Bosnier bezeichnet. Damit sind Serben und Kroaten wie auch Bosniaken gemeint, die in Bosnien und Herzegowina beheimatet sind. Dagegen werden mit dem Begriff Bosniaken ausschließlich die bosnisch-stämmigen Muslime bezeichnet.

Ethnien[Bearbeiten]

Von den etwa 3,8 Millionen Einwohnern des Landes bezeichnen sich etwa 48 Prozent als Bosniaken, 37,1 Prozent als Serben und 14,3 Prozent als Kroaten. Minderheiten wie Roma und Juden stellen 0,6 Prozent der Gesamtbevölkerung dar.[8] Die Zuordnung der Bosnier zu ihrer ethnischen Herkunft erfolgt hauptsächlich über ihre Religionszugehörigkeit und der teils damit verbundenen kulturellen Unterschiede. Sprachlich gab es bis zu den Jugoslawienkriegen innerhalb Bosniens keine Trennung, da alle Volksgruppen (dem restlichen Jugoslawienteil entsprechend) die von ihnen gesprochene Sprache als Serbokroatisch bezeichneten und mit ijekavischen Akzenten sprachen. Aufgrund der Hingezogenheit vor allem der bosnischen Serben zu Serbien und zum Teil der bosnischen Kroaten zum benachbarten Kroatien, sprechen die genannten Ethnien heutzutage teilweise mit dem serbischen bzw. kroatischen Dialekt, wodurch sich eine zwar sehr geringfügige aber dennoch weitere Unterscheidung ergibt, wonach die jeweiligen Bosnier in ihre Ethnien untergeordnet werden.

Sprachen[Bearbeiten]

Die Einwohner Bosniens und der Herzegowina sprechen meist ijekavische Varietäten der Štokavischen Dialektgruppe, die sich untereinander kaum unterscheiden. In der geschriebenen Form werden gemäß der offiziellen Aufteilung der Bevölkerung in drei sogenannte Staatsvölker – Bosniaken, Kroaten und Serben – die eng miteinander verwandten Standardsprachen Bosnisch, Serbisch und Kroatisch verwendet. Je nach Sichtweise werden diese Sprachen auch zusammenfassend als Serbokroatisch bezeichnet.

Die drei Standardsprachen lassen sich insbesondere hinsichtlich ihrer Schrift unterscheiden. So verwenden die Serben in Bosnien und Herzegowina vorwiegend die kyrillische und in geringerem Maße die lateinische Schrift, während die Bosniaken und Kroaten ausschließlich in lateinischer Schrift schreiben. Im zeitlichen Umfeld des Bosnienkrieges kam die kyrillische Schrift bei den bosnischen Serben immer mehr zum Einsatz (vor allem auf Ortsschildern und innerstädtischen Wegweisern), was vor allem in der gewünschten Abgrenzung von den anderen beiden Bevölkerungsgruppen begründet liegt. So war die kyrillische Schrift in der Republika Srpska zwischenzeitlich konsequenter in Gebrauch als in Serbien selbst.

Sprachlich lassen sich nur noch geringere Unterschiede aufweisen, wie etwa die Wortwahl. So enthält die bosnische Standardsprache mehr Wörter von osmanischer bzw. türkischer Herkunft, wie etwa Akšam (Abend).

Neben den štokavischen Dialekten sind bei den kleineren Volksgruppen, z. B. den Roma, eigene Sprachen in Gebrauch.

Religionen[Bearbeiten]

Die Kaisermoschee in Sarajevo

In Bosnien und Herzegowina gibt es seit Jahrhunderten ein Nebeneinander verschiedener Religionen und Glaubensrichtungen. Die meisten Einwohner werden formell einer der zwei großen monotheistischen Religionsgemeinschaften (Christentum und Islam) zugerechnet: Muslime (nach dem Zensus 1991 ca. 43,7 %, meist ethnische Bosniaken), serbisch-orthodoxe Christen (1991 ca. 31,4 %) sowie mehrheitlich kroatische römisch-katholische Christen (ca. 17,3 %). Für viele Einwohner ist diese Zuordnung aber seit der jugoslawischen Zeit eher Ausdruck einer kulturellen, historischen oder familiären Verbundenheit als einer tatsächlichen Religiosität. Nach der Volkszählung von 1991 gehörten 7,6 % der Gesamtbevölkerung des Landes anderen Religionen an oder waren Atheisten.

2009 waren 45 % der Bevölkerung Muslime, 34 % serbisch-orthodoxe, 15 % katholische, 1 % protestantische Christen, 3 % waren Juden oder gehörten anderen Gruppen an.[9] Im Jahr 2008 lebten rund 1000 Juden in Bosnien und Herzegowina, etwa 900 Sephardim und 100 Aschkenasim. Die größte Gemeinde ist die von Sarajevo mit zirka 700 Mitgliedern.[10]

Christ-Erlöser-Kathedrale (Banja Luka), einzige Kirche der Balkanhalbinsel mit Kuppeln aus Echtgold

Schulwesen und Bildung[Bearbeiten]

Es besteht Schulpflicht bis zur neunten Schulklasse. Die Absolventen können sich im Anschluss daran für eine dreijährige Berufsausbildung oder für eine drei- bis vierjährige Sekundarschulausbildung an Gymnasien, kirchlichen Schulen, Kunstschulen, technischen Schulen oder Lehrerbildungsinstituten entscheiden. Der Zugang zu den Universitäten steht nach Bestehen einer Aufnahmeprüfung den Absolventen einer Sekundarschule sowie – eingeschränkt – Absolventen von Berufsschulen offen.

Die Zuständigkeit der Kantone (innerhalb der Föderation) und der Republika Srpska für die Kultur- und Bildungspolitik führt zu einem zersplitterten Bildungssystem mit teilweise ethnozentrisch bestimmten Lehrplänen. In Gebieten mit ethnisch gemischter Bevölkerungsstruktur werden Schüler häufig nach Volksgruppen getrennt unterrichtet.[11] Universitäten gibt es in Sarajevo, Ost-Sarajevo (Pale), Banja Luka, Mostar (die kroatisch dominierte Sveučilište Mostar und die bosniakisch dominierte Universität „Džemal Bijedić“), Tuzla, Zenica und Bihać.

Geschichte[Bearbeiten]

Ausweitung des bosnischen Königreichs im Mittelalter
Flagge des Paschaliks Bosnien
Die Lateinerbrücke, Ort des Attentats von Sarajevo 1914
Die Altstadt von Mostar
Flagge der Republik Bosnien und Herzegowina (1992–1995)

Mittelalter[Bearbeiten]

Bosnien und Herzegowina besteht aus zwei historischen Regionen, die aber keine Beziehung zu der heutigen Einteilung in Entitäten haben: Bosnien und die Herzegowina. Der Landesname Bosnien leitet sich vom Fluss Bosna ab, der nahe der Hauptstadt Sarajevo entspringt. Der Name Herzegowina geht auf den Herrschertitel Herceg = Herzog (Hercegovina=Herzogsland) zurück. In der Antike lange Teil des Römischen Reiches (Provinz Dalmatia), wurde die Region um 600 slawisch besiedelt.

Osmanisches Reich[Bearbeiten]

Hauptartikel: Paschalik Bosnien

1463 wurde Bosnien von den Osmanen (Türken) erobert. Durch die Einwanderung der Osmanen nach Bosnien entstanden viele Moscheen und es kam vermehrt zu Konversionen der christlichen Bevölkerung zum Islam, was dazu führte, dass Bosnien aufgrund des höheren Anteils an muslimischer Bevölkerung einen Sonderstatus im Osmanischen Reich genoss. Im Jahre 1527 wurde das Eyalet Bosnien gegründet, welches das Gebiet des heutigen Gesamtstaates Bosnien-Herzegowina, Teile Kroatiens, Montenegros, sowie den Sandschak von Novi Pazar umfasste, woraus um 1580 letztendlich das Paschalik Bosnien resultierte.

Habsburgermonarchie und Erster Weltkrieg[Bearbeiten]

1878 stellte der Berliner Kongress nach dem Sieg der Russen über die Osmanen die osmanischen Provinzen Bosnien, Herzegowina unter österreichisch-ungarische Verwaltung, zusätzlich erhielt Österreich-Ungarn Garnisonsrecht im Sandschak von Novi Pazar. Die formale Annexion durch die Habsburger Doppelmonarchie im Jahre 1908 löste die Bosnische Annexionskrise aus. Selbständigkeitsbestrebungen hatten es auch wegen der ethnischen und religiösen Mischung schwer. Das darauf beruhende Attentat auf den österreichisch-ungarischen Thronfolger Franz Ferdinand 1914 in Sarajevo durch den bosnisch-serbischen Studenten Gavrilo Princip wird als ein wesentlicher Auslöser des Ersten Weltkrieges angesehen. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde das Land Bestandteil des Königreichs der Serben, Kroaten und Slowenen (Jugoslawien).

Königreich Jugoslawien (1918–1941)[Bearbeiten]

Hauptartikel: Königreich Jugoslawien

Unmittelbar nach dem Ersten Weltkrieg wurde Bosnien und Herzegowina Teil des Königreichs Jugoslawien. In dem neu gegründeten südslawischen Vielvölkerstaat herrschte der aus Serbien stammende König Petar I.(Petar Karađorđević). In dem Gesamtstaat selbst war die Stimmung der Bevölkerung angespannt, weil vor allem Slowenien und Kroatien nach einer eigenen politischen Unabhängigkeit strebten und die Serben den neu gegründeten Staat ausschließlich serbisch prägen wollten. In Bosnien-Herzegowina war die Situation dementsprechend, allerdings zwischen den Bosniaken, Kroaten und Serben.

Der Staat zeichnete sich durch Zentralismus aus; der Autonomiegedanke hinsichtlich nichtserbischer Ethnien und nichtchristlicher Religionen blieb weitgehend unterdrückt, die ethnischen und die konfessionellen bzw. religiösen Spannungen blieben bestehen und verschärften sich zum Teil noch.

Im Frühjahr 1941, während des Zweiten Weltkrieges, wurde das Land von Truppen des Deutschen Reiches und Italiens besetzt. Man unterteilte den Staat in Einzelrepubliken; Bosnien-Herzegowina wurde mit Kroatien zu einem faschistischen Vasallenstaat namens Unabhängiger Staat Kroatien erklärt.

Der erfolgreiche Widerstand der von Josip Broz Tito geführten jugoslawischen Partisanen gegen die Besatzer und ihre Verbündeten gipfelte in den AVNOJ-Beschlüssen vom 29. November 1943 in Jajce, in denen der Grundstein für eine neue Föderation südslawischer Völker unter der Führung der Kommunistischen Partei Jugoslawiens KPJ gelegt wurde.

Jugoslawien[Bearbeiten]

Hauptartikel: Jugoslawien

Nach dem Zweiten Weltkrieg entstand mit der Gründung der Sozialistischen Föderativen Republik Jugoslawien ein Bundesstaat mit den sechs Teilrepubliken Slowenien, Kroatien, Bosnien und Herzegowina, Montenegro, Mazedonien und Serbien mit den Autonomen Provinzen Kosovo und Vojvodina. Die Sozialistische Republik Bosnien und Herzegowina war flächenmäßig die drittgrößte Teilrepublik. Ökonomisch betrachtet lag Bosnien-Herzegowina in Jugoslawien hinter den Teilrepubliken Slowenien, Kroatien, sowie Serbien, da es hauptsächlich auf den Industriellen Sektor und teils auf Landwirtschaftlichen Betrieb ausgelegt war, im Kontrast zu Slowenien und Kroatien, die vor allem auf den Tourismus ausgelegt waren.

Unabhängigkeitserklärung[Bearbeiten]

Nach dem Fall des „Eisernen Vorhanges” in Europa Anfang der 1990er Jahre endete auch die Zeit des Kommunismus in Jugoslawien. Am 29. Februar/1. März 1992 stimmten in Bosnien und Herzegowina bei einem von Serben weitgehend boykottierten Referendum, bei 63 % Wahlbeteiligung, 99,4 % für eine staatliche Souveränität.[12] So erklärte das Land am 2. März 1992 seinen Austritt aus dem Staatsverband Jugoslawien und war zunächst eine Republik unter dem offiziellen Namen Republik Bosnien und Herzegowina (Republika Bosna i Hercegovina), die fast dieselben Grenzen hatte, die das österreichisch-ungarische Okkupationsgebiet Bosnien und Herzegowina 1878 auf dem Berliner Kongress erhielt. Die internationale Anerkennung erfolgte am 17. April 1992. Es folgten drei Jahre Krieg zwischen serbischen, kroatischen und bosniakischen Einheiten. Am Ende des Bosnienkrieges stand der 1995 in Dayton (USA) paraphierte und in Paris am 14. Dezember unterzeichnete Dayton-Vertrag, der aus einer einheitlichen die föderale Republik Bosnien und Herzegowina schuf, die allerdings noch unter den Folgen des Krieges und den anhaltenden Auseinandersetzungen zwischen den Volks- und Religionsgruppen leidet (siehe Internationale Konflikte der Nachfolgestaaten Jugoslawiens). Zwar bestehen keine Konflikte zwischen den bosnischen Normalbürgern, allerdings steckt das Land weiterhin in einer politischen Krise, da die bosniakischen Politiker den Gesamtstaat nach den EU-Forderungen zentralisieren möchten, die kroatischen Politiker sich für ein neues Wahlrecht einsetzen und die Serben eine weitere Dezentralisierung des Staates fordern oder gar mit der Abspaltung der Republika Srpska drohen.[13][14][15]

Im Februar 2014 kam es zunächst in Tuzla und später in zahlreichen weiteren Städten des Landes zu teils gewalttätigen Protesten, die sich gegen die schlechte wirtschaftliche Situation und die Korruption in Politik und Verwaltung richteten.

Politik[Bearbeiten]

Politisches System[Bearbeiten]

In Bosnien und Herzegowina besteht ein Mehrparteiensystem. Die Abgeordneten werden für vier Jahre gewählt. Das dreiköpfige Staatspräsidium setzt sich aus Vertretern der drei konstitutiven „Völker“ – Bosniaken, Kroaten und Serben – zusammen, die sich alle acht Monate mit dem Vorsitz abwechseln.

Parteien[Bearbeiten]

Die Parteienlandschaft von Bosnien und Herzegowina ist durch die innere Spaltung zersplittert. Während die Regierungsparteien relativ überschaubar sind, befinden sich viele unterschiedliche Parteien in der Opposition.

Zu den stärksten bosniakischen Parteien zählen die SDA und SBIH, wobei die SBIH sich als einheitliche Partei Bosnien-Herzegowinas bezeichnet. Auf serbischer Seite dominiert die Partei des Sozialdemokraten Milorad Dodik SNSD, während bei den Kroaten die HDZ 1990 und HDZ BIH bei den meisten Wahlen ins Parlament gewählt worden sind.

Wahlen 2006 und Beitrittsverhandlungen mit der Europäischen Union[Bearbeiten]

Die Wahlen am 1. Oktober 2006 galten als zukunftsweisend, weil die internationale Gemeinschaft 2007 den Hohen Repräsentanten abziehen und Bosnien und Herzegowina in die volle Souveränität überführen wollte. Im Nachhinein wurde dieses Vorhaben zunächst um ein weiteres Jahr verschoben. In das Staatspräsidium wurden der Bosniake Haris Silajdžić von der Partei für Bosnien und Herzegowina (SBiH), der Serbe Nebojša Radmanović vom Bund der Unabhängigen Sozialdemokraten (SNSD) und der Kroate Željko Komšić von den multi-ethnischen Sozialdemokraten gewählt. Komšić schlug in einem Kopf-an-Kopf-Rennen seinen Kontrahenten von der nationalistischen Kroatischen Demokratischen Union in Bosnien und Herzegowina (HDZ BiH). Nationalistische kroatische Gruppen hatten daraufhin protestiert, Komšić könne nicht kroatische Interessen vertreten, da in erster Linie Mitglieder anderer Volksgruppen für ihn gestimmt hätten. Die bosnisch-serbische Partei Bund der Unabhängigen Sozialdemokraten hatte vor den Wahlen erneut ein Referendum für die Unabhängigkeit der Teilrepublik Srpska gefordert, falls die Forderungen nach einer stärkeren Zentralisierung nicht aufhörten. Silajdžić setzte sich für eine Verfassungsänderung ein, die ein Zusammenwachsen Bosniens in einen „funktionsfähigen“ Staat ermöglichen solle. Dies wird teilweise so interpretiert, dass er die Existenz der Entitäten infrage stellte. Im Januar 2008 bekräftigte der Vorsitzende des SNSD, Milorad Dodik, die Zugehörigkeit der Republika Srpska zum Gesamtstaat und seinen Willen, diesen aufrechtzuerhalten. Im Jahr 2010 hatte Dodik jedoch mehrfach von einer möglichen Abspaltung der serbischen Landeshälfte gesprochen beziehungsweise davon, dass er dem Fortbestand Bosniens keine Chancen einräume.

Ende Februar 2008 beschlossen EU-Vertreter gemeinsam mit Gesandten der USA und Russlands, den Hohen Repräsentanten auf unbestimmte Zeit im Land zu lassen. Am 16. Juni 2008 wurde das Stabilisierungs- und Assoziierungsabkommen mit der Europäischen Union abgeschlossen, das als wichtige Vorstufe für den angestrebten Beitritt zur EU gilt.[16] Die Unterzeichnung wurde von einer Polizeireform abhängig gemacht. Die Polizei beider Landesteile wurde aufgerufen intensiver miteinander zu kooperieren, insbesondere um weitere Kriegsverbrecher zu überführen. Seit 2003 agiert die EUPM in Bosnien und Herzegowina. Primär ist sie für die Bekämpfung des organisiertem Verbrechens und für die Beratung hinsichtlich der Polizeireform zuständig. Eine EU-Vollmitgliedschaft wäre noch vor 2020 möglich, sofern Bosnien-Herzegowina kontinuierlich die wirtschaftliche Situation verbessert, demokratische Strukturen stärkt und ethnische Spannungen abbaut.[17]

Vorsitzender des Ministerrats und damit Regierungschef ist seit Januar 2012 Vjekoslav Bevanda (HDZ BiH).

Wahlen 2010 und verhinderte Regierungsbildung[Bearbeiten]

Bei den allgemeinen Wahlen am 3. Oktober 2010 wurden zu Mitgliedern des Staatspräsidiums gewählt: Željko Komšić (bosnisch-kroatisches Mitglied), Bakir Izetbegović (bosnisch-bosniakisches Mitglied) und Nebojša Radmanović (bosnisch-serbisches Mitglied). Bei dieser Wahl bestanden jedoch Zweifel, ob der Sieg in zwei Fällen nicht durch Wahlbetrug zustande kam.[18] Die Wahlkommission hatte eine Neuauszählung der ungewöhnlich vielen als ungültig gewerteten Stimmen bei der Wahl des serbischen und des bosniakischen Mitglieds des Staatspräsidiums angeordnet.[19] Nach Neuauszählung wurden alle drei gewählten Mitglieder des Staatspräsidiums bestätigt und in der konstituierenden Sitzung am 10. November 2010 wurde Nebojša Radmanović zum ersten Vorsitzenden des Staatspräsidiums gewählt.[20]

Neben dem Staatspräsidium wurden das aus zwei Kammern bestehende gesamtstaatliche Parlament, die Parlamente der Bosniakisch-Kroatischen Föderation und der Republika Srpska, der Präsident des serbischen Teilstaates, seine beiden Vizepräsidenten sowie in der Föderation die Parlamente der zehn Kantone gewählt.

Nach den Wahlen im Oktober 2010 verhinderten Konflikte unter den führenden bosniakischen, serbischen und kroatischen Parteien die Bildung einer Regierung.[21] Erst nach fast 15 Monaten, in denen u. a. der Internationale Währungsfonds und die Europäische Union ihre Kreditzahlungen ausgesetzt hatten, einigten sich die sechs großen Parteien der drei Volksgruppen Ende Dezember 2011 auf eine neue Regierung. Wäre die Einigung nicht vor dem 1. Januar 2012 zustande gekommen, hätten sämtliche Zahlungen aus dem Staatshaushalt eingestellt werden müssen.[22] Medienberichten zufolge sollen sich die politischen Vertreter auch auf den Haushalt 2012 und einige EU-konforme Gesetze geeinigt haben.[23] Anfang Januar 2012 wurde Vjekoslav Bevanda von der Kroatischen Demokratischen Union in Bosnien und Herzegowina (HDZ BiH) vom Parlament zum neuen Ministerpräsidenten gewählt.

Menschenrechtssituation[Bearbeiten]

Bosnien und Herzegowina hat die UN-Frauenrechtskonvention und das Zusatzprotokoll zur Frauenrechtskonvention ratifiziert. Die Todesstrafe ist abgeschafft. Die Internationale Helsinki-Föderation für Menschenrechte stellte in seinem Bericht 2008 fest, dass Diskriminierung in einigen Lebensbereichen wie bei der Beschäftigung stattfindet. Auch sei die Situation der Verteidiger der Menschenrechte alarmierend. Attacken gegen Journalisten seien eskaliert. Bei dem ersten Queer Festival zum Thema Menschenrechte und Sexualität im September 2007 sei einer Organisatorin mit dem Tod gedroht und acht Teilnehmer seien geschlagen worden. Vor dem Festival hätten Politiker, Geistliche und einige Medien eine Kampagne gegen die Veranstaltung gestartet.

Unter Berufung auf BH Journalists sprach der Report 2008 von 54 Fällen, in denen die Rechte von Journalisten oder die Pressefreiheit verletzt worden waren. Es seien 25 Fälle registriert worden, in denen Journalisten angegriffen oder bedroht wurden, auch mit dem Tod.[24]

Militär[Bearbeiten]

Bis Ende 2005 lag die Verteidigungspolitik bei den beiden Entitäten. Seit 2006 unterstehen die Streitkräfte der Staatspräsidentschaft und dem 2004 geschaffenen Verteidigungsministerium der Staatsebene. Die gemeinsame Armee besteht aus bis zu 10.000 aktiven Berufssoldaten und einer etwa halb so starken „aktiven Reserve“. Neben den formal integrierten operativen Strukturen bestehen jeweils ein bosniakisches, serbisches und kroatisches Regiment, die die Traditionen der drei Teilstreitkräfte ABiH, HVO und VRS fortführen sollen.[25] Die allgemeine Wehrpflicht wurde am 1. Januar 2006 aufgehoben. Angestrebt wird die Integration der Streitkräfte in europäische und euroatlantische Strukturen und die Beteiligung an UN-Einsätzen. 2006 trat Bosnien und Herzegowina der NATO-„Partnerschaft für den Frieden“ bei.[26] Im Oktober 2010 wurde ein aus 45 Mitgliedern bestehendes militärisches Kontingent zur Unterstützung der International Security Assistance Force (ISAF) nach Afghanistan entsandt.[27] Die Truppenstärke hat sich bis 2012 auf 53 Soldaten erhöht.[28]

Verwaltung[Bearbeiten]

Politische Gliederung von Bosnien und Herzegowina: Föderation BiH (blau) mit ihren Kantonen (verschiedene Schattierungen), die Republika Srpska (rot), der Brčko-Distrikt (gelb)

Gliederung des Staates[Bearbeiten]

Die politische Gliederung des Staates ist komplex. Seit dem Dayton-Vertrag (auch bekannt als Dayton-Friedensabkommen) besteht Bosnien und Herzegowina aus zwei Entitäten: der Föderation Bosnien und Herzegowina (Federacija Bosne i Hercegovine) mit 2.371.603 Einwohnern (62,55 %) und der Republika Srpska mit 1.326.991 Einwohnern (35 %). Beide Entitäten verfügen jeweils über eine eigene Exekutive und Legislative. Der Distrikt Brčko um die gleichnamige nordbosnische Stadt mit 93.028 Einwohnern (2,45 %) untersteht als Kondominium beider Entitäten direkt dem Gesamtstaat.[29] Die Föderation Bosnien und Herzegowina setzt sich aus zehn Kantonen zusammen, die über eigene Zuständigkeiten verfügen.

Die Kantone der Föderation Bosnien-Herzegowina
Nr. Name Fläche[30] Einwohnerzahl[31] Dichte Hauptstadt
1. Kanton Una-Sana (Unsko-sanski kanton) 4.125,0 299.343 72,6 Bihać
2. Kanton Posavina (Posavski kanton/Posavska županija) 324,6 48.089 148,1 Orašje
3. Kanton Tuzla (Tuzlanski kanton) 2.649 477.278 180,2 Tuzla
4. Kanton Zenica-Doboj (Zeničko-dobojski kanton) 3.343,3 385.067 115,2 Zenica
5. Kanton Bosnisches Podrinje (Bosansko-podrinjski kanton) 504,6 25.336 50,2 Goražde
6. Kanton Zentralbosnien/Mittelbosnien (Srednjobosanski kanton/Srednjobosanska županija) 3.189,0 273.149 85,7 Travnik
7. Kanton Herzegowina-Neretva (Hercegovačko-neretvanski kanton/Hercegovačko-neretvanska županija) 4.401,0 236.278 53,7 Mostar
8. Kanton West-Herzegowina (Zapadno-hercegovački kanton / Zapadno-hercegovačka županija) 1.362,2 97.893 71,9 Široki Brijeg
9. Kanton Sarajevo (Sarajevski kanton) 1.276,9 438.443 343,4 Sarajevo
10. Kanton 10 (Hercegbosanska županija/Livanjski kanton/Zapadnobosanski kanton) 4.934,9 90.727 18,4 Livno
gesamt 26.110,5 2.371.603 90,8

Der gesamtstaatlichen Ebene waren zunächst nur die Außenpolitik, die Geldpolitik sowie die Außenwirtschaftsbeziehungen zugeordnet. In den vergangenen Jahren wurden die Kompetenzen des Zentralstaats um weitere Aufgaben ergänzt (Verteidigung, Zoll und indirekte Steuern, Verfolgung und Aburteilung von Kriegsverbrechern und Bekämpfung der Schwerkriminalität).

Präsidentenpalast in Sarajevo

Neben den Regierungen und Parlamenten der beiden Entitäten gibt es eine gemeinsame Regierung und ein gemeinsames Parlament (Abgeordnetenhaus mit 42 Sitzen und Kammer der Völker mit 15 Sitzen) für den Gesamtstaat. Die drei Volksgruppen haben je einen Vertreter in einem dreiköpfigen Staatspräsidium. Die Bosniaken und Kroaten wählen ihre beiden Vertreter in der Föderation, die bosnischen Serben ihren in der Republika Srpska. Der Vorsitz des Staatspräsidiums wechselt alle acht Monate. Die Einschränkung, dass nur Angehörige der drei konstituierenden Völker für das Staatspräsidium kandidieren dürfen, wurde vom EGMR als Verstoß gegen das Diskriminierungsverbot und das Recht auf freie Wahlen gewertet.[32]

Faktisch übt einen Teil der Staatsgewalt jedoch der Hohe Repräsentant als Vertreter der internationalen Gemeinschaft aus, was damit begründet wird, dass infolge des im Krieg entstandenen gegenseitigen Misstrauens unter den Verantwortlichen der Volksgruppen nach wie vor eine Blockadehaltung vorherrsche. Außerdem sind nach wie vor rund 1000 ausländische Soldaten im Rahmen der EUFOR-Operation "Althea" in Bosnien und Herzegowina stationiert.

Städte[Bearbeiten]

Sarajevo bei Nacht
Banja Luka

Große Landesteile sind nur dünn besiedelt. Vereinfacht dargestellt konzentriert sich der Großteil der Bevölkerung im Raum Sarajevo sowie in den Tälern der größeren Flüsse, v. a. der Bosna.

Die größten Städte in Bosnien und Herzegowina sind (Einwohnerzahlen für die Großgemeinden):

Großstädte in Bosnien und Herzegowina (Einwohnerzahlen ohne Agglomeration)
Rang Name Einwohner Verwaltungseinheit
lateinisch kyrillisch Zensus 2013 Zensus 1991 Zensus 1981
1. Sarajevo Сарајево 291.422 361.735 303.702 Kanton Sarajevo
2. Banja Luka Бања Лука 199.191 143.079 123.937 Republika Srpska
3. Tuzla Тузла 120.441 83.770 65.091 Kanton Tuzla
4. Zenica Зеница 115.134 96.027 63.569 Kanton Zenica-Doboj
5. Bijeljina Бијељина 114.663 37.216 31.124 Republika Srpska
6. Mostar Мостар 113.169 75.865 63.427 Kanton Herzegowina-Neretva

Wirtschaft[Bearbeiten]

Allgemeines[Bearbeiten]

Im früheren Jugoslawien gehörte Bosnien und Herzegowina zu den wirtschaftlich schwächeren Regionen. Nach dem Ende des Bosnienkriegs kam es zunächst zu einem kontinuierlichen Wirtschaftswachstum. Die strikte Geldpolitik, die einen festen Wechselkurs der Konvertiblen Mark zum Euro beinhaltet, trug zur Stabilität der Währung bei. Das Bankwesen wurde reformiert, wobei ausländische Banken 85 Prozent der Banken kontrollieren. Die offiziell angegebene Arbeitslosenrate liegt bei 40 Prozent, wobei diese Rate durch einen großen grauen Wirtschaftssektor reduziert wird. Die Einführung einer Mehrwertsteuer im Jahr 2006 hat die Staatseinnahmen erhöht.[33]

Die Exporte sind noch wenig diversifiziert; Mineralien und Holz machen 50 Prozent aller Exporte aus. Das hohe Leistungsbilanzdefizit konnte bisher durch Transferleistungen von Bosniern, die im Ausland leben, ausgeglichen werden. Haupthandelspartner von Bosnien und Herzegowina ist die Europäische Union mit einem Anteil von etwa 50 Prozent. Österreich ist wertmäßig der größte ausländische Investor vor Slowenien. Als problematisch für die wirtschaftliche Entwicklung werden der große und ineffiziente öffentliche Sektor, bürokratische Hindernisse für Unternehmer und der fragmentierte Arbeitsmarkt, der die ethnische Teilung des Landes widerspiegelt, angesehen.[34]

Nach Transparency International befindet sich Bosnien und Herzegowina auf dem Korruptionswahrnehmungsindex für 2010 im unteren Viertel der europäischen Länder, mit einem weltweiten Rang von 91. Der Wert von 3,2, von 10 möglichen Punkten, weist auf eine weit verbreitete Korruption hin.[35]

Die globale Finanzkrise wirkt sich in einer starken Rezession aus. Sie betraf zunächst den Rückgang bei den Exporten und nachfolgend einen drastischen Einbruch auch bei der Inlandsnachfrage. Einige große Industriebetriebe mussten ihre Produktion vorläufig einstellen. Im ersten Quartal 2009 wurden aus der Föderation Rückgänge der Industrieproduktion um 10 Prozent gemeldet, während in der Republika Srpska noch ein Anstieg um 13 Prozent registriert wurde (begünstigt hauptsächlich durch die Inbetriebnahme eines großen erdölverarbeitenden Betriebes). Viele bedeutende industrielle Bereiche in beiden Entitäten berichteten über Rückgänge in der Größenordnung von 20 Prozent.[36]

Währung[Bearbeiten]

Die Konvertible Mark (Abkürzung KM, im internationalen Zahlungsverkehr Abkürzung BAM (nach ISO 4217)) ist seit 22. Juni 1998 in ganz Bosnien und Herzegowina gültiges Zahlungsmittel. Die KM steht im festen Verhältnis 1,95583:1 zum Euro, an den sie gebunden ist, und entspricht somit dem Wert der früheren D-Mark.

Es gilt als gesetzeswidrig, mit einer anderen Währung im Gesamtstaat zu bezahlen. Laut Gesetz müssen alle Rechnungen im Inland mit der Konvertiblen Mark ausgewiesen werden. Dennoch gibt es vereinzelt Geschäfte, die den Euro annehmen, und auch die kroatische Kuna sowie den serbischen Dinar, allerdings bemüht man sich, diesen Vorgang zu unterbinden.

Staatshaushalt[Bearbeiten]

Laut Schätzungen der CIA umfasste der Staatshaushalt 2011 Ausgaben von umgerechnet 9,101 Mrd. US-Dollar, dem standen Einnahmen von umgerechnet 8,542 Mrd. US-Dollar gegenüber. Daraus ergibt sich ein Haushaltsdefizit in Höhe von 3,1 % des BIP.[37] Die Staatsverschuldung betrug 2011 nach Schätzungen der CIA 44 % des BIP.[37]

Die Staatsausgaben (in % des BIP):

Tourismus, Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Herzegowinische Adria bei Neum

Der Tourismus konnte sich auch kriegsbedingt nur langsam entwickeln, seit einigen Jahren kommen immer mehr Touristen nach Bosnien und Herzegowina – insbesondere nach Mostar und Sarajevo.

Wichtige Reiseziele

Weitere sind die Burg und Festungsmauern von Počitelj, das mittelalterliche Schloss von Travnik, die Befestigungsanlage und das Amphitheater von Banja Luka, die Seen Blidinjsko jezero, Prokoško jezero und Šatorsko jezero, die Raftingangebote auf den Flüssen Neretva, Una und Drina, der Adria-Küstenort Neum mit der höchsten durchschnittlichen Jahrestemperatur des Landes, sowie die von US-Präsident Bill Clinton eingeweihte Gedenkstätte in Potočari, für die Opfer des Massaker von Srebrenica.

Sarajevo

In Sarajevo und Umgebung befinden sich zahlreiche Sehenswürdigkeiten. Die Lateinerbrücke etwa war Ausgangspunkt des Ersten Weltkrieges, da hier das Attentat auf Franz Ferdinand von Österreich und dessen Frau verübt wurde. Das Bosmal City Center (118 m) und der Avaz Twist Tower (142 m) wurden 2001 bzw. 2009 fertiggestellt und sind aktuell die höchsten Gebäude auf der Balkanhalbinsel. Weiters sehenswert sind die komplette Altstadt Baščaršija mit dem türkischen Wasserbrunnen Sebilj und die Nationalbibliothek von Bosnien und Herzegowina. Weiters gibt es in der Stadt viele prächtige historische Kirchengebäude und Moscheen (z. B. Gazi-Husrev-Beg-Moschee, größte historische Moschee des Landes).

In der näheren Umgebung liegen zudem die Wintersportgebiete Bjelašnica und Jahorina, wo auch schon die Olympischen Winterspiele 1984 ausgetragen wurden.

An die Belagerung der Stadt während des Bosnienkrieges, erinnern der Sarajevski ratni tunel (Sarajevo-Tunnel), das Historijski muzej Bosne i Hercegovine (Historisches Museum von Bosnien und Herzegowina), die „Rosen von Sarajevo“ und die noch zahlreich vorhandenen Zerstörungen und Einschusslöcher an Gebäuden, vornehmlich am Stadtrand.

Die Stadt bietet darüber hinaus noch weitere Museen, die sich der geschichtlichen Aufarbeitung der Stadt und des ganzen Landes widmen. Dazu zählen etwa das Nationalmuseum und das Museum von Sarajevo.

Minenlage[Bearbeiten]

Minenwarntafel in der Herzegowina (Gemeinde Čapljina)

Beim Verlassen befestigter Wege ist die Gefahr von Landminen zu bedenken. Bosnien-Herzegowina ist neben dem Kosovo und Kroatien das am stärksten verminte Gebiet in Europa. Selbst 2009 galten noch rund 1573 Quadratkilometer der Staatsfläche – vor allem in den Wäldern und Gebirgsgegenden – als minengefährdet, während die Siedlungen und landwirtschaftliche Flächen in der Regel bereits beräumt wurden. Von Kriegsende 1996 bis 2012 wurden 592 Menschen bei Minenunfällen getötet und 1095 verletzt. Für die Beseitigung bekannter Minenfelder sind die bosnische Armee sowie zivile Räumfirmen verantwortlich.[38]

Infrastruktur[Bearbeiten]

Energiesektor[Bearbeiten]

Beide Entitäten besitzen in der Energiepolitik wie in vielen anderen Bereichen eine weitgehende Autonomie. So gibt es zwei Energieministerien die jeweils unterschiedliche Gesetze und Verordnungen erlassen. Die landesweite Stromregulierungsbehörde DERK hat auf Entitätsebene jeweils eine Regulierungskommission. Der Markt wird unter drei Stromkonzernen aufgeteilt. Die EP RS beliefert die Republika Srpska, die EP BiH das ehemals ABiH-kontrollierte und die EP HZHB das ehemals HVO-kontrollierte Gebiet. Dabei gibt es keine Trennung zwischen der Stromerzeugung und -verteilung. In der Föderation Bosnien und Herzegowina sind die Unternehmen EP BiH und EP HZHB für beides zuständig und in der Republika Srpska arbeiten Gesellschaften, die zum Konzern EP RS gehören, an der Stromverteilung. Zur Stromübertragung gibt es den gesamtstaatlichen unabhängigen Netzbetreiber NOS BiH und das für den Elektrizitätstransfer zuständige Unternehmen Elektroprenos-Elektroprijenos Bosne i Hercegovine a.d., das ebenfalls landesweit tätig ist.[39]

Elektroenergie wird in Bosnien und Herzegowina primär durch Kohle- und Wasserkraftwerke erzeugt. Die Kohlereserven belaufen sich auf ca. 4 Mrd. Tonnen, das Wasserkraftpotenzial wird auf 6800 MW geschätzt, wovon bisher nur 35 % ausgeschöpft werden. Die geplanten Investitionen im Energiesektor bis 2020 belaufen sich auf 3,9 Mrd. Euro.[40]
Die Primärenergieerzeugung in Bosnien und Herzegowina wurde 2007 zu 9,4 % durch erneuerbare Energien gedeckt.[41] Etwa 50 % der gesamten Landesfläche ist mit Wald bedeckt, was auf ein großes Biomassepotenzial hinweist. Expertenschätzungen zufolge könnten 9.200 GWh aus Biomasse erzeugt werden. Derzeit beschränkt sich die Nutzung der Biomasse auf etwa 4,2 % und ausschließlich auf die Beheizung von Haushalten. In Gebieten, in denen kein Fernwärmenetz vorhanden ist, beläuft sich der Verbrauch von Biomasse, in Form von Holz und Holzkohle, auf bis zu 60 % des gesamten Energieverbrauchs.[40]

Verkehr[Bearbeiten]

Karte mit eingezeichneter Infrastruktur
Die Autobahn A1 von Visoko

Straße[Bearbeiten]

Seit 2001 ist mit der Autobahn 1 von der Adria bis nach Budapest die erste von derzeit fünf geplanten Autobahnen in Bosnien und Herzegowina im Bau. Diese soll von Ploče in Kroatien über Mostar, Sarajevo, Zenica und Doboj in die ungarische Hauptstadt führen und einen Teil des europäischen Verkehrskorridors 5C bilden. Insgesamt wird diese Autobahn auf ca. 360 km durch Bosnien und Herzegowina führen. Das Jahr der vollständigen Fertigstellung ist jedoch unbekannt. Weitere vier Autobahnverbindungen befinden sich in der Planungsphase, bei denen die Nummerierung nicht festgelegt sind. Politische Differenzen zwischen den zwei Entitäten von Bosnien und Herzegowina, der Föderation Bosnien und Herzegowina und der Republika Srpska, über die Nummernvergabe verhindern eine Einigung.

Eisenbahn[Bearbeiten]

Es gibt in Bosnien und Herzegowina zwei Bahngesellschaften: einerseits die Eisenbahngesellschaft der Föderation Bosnien und Herzegowina und andererseits die Eisenbahngesellschaft der Republika Srpska.

Der Eisenbahnverkehr findet im Wesentlichen auf zwei Hauptachsen statt:

  • Eine Nord-Süd-Strecke verläuft vom kroatischen Knotenbahnhof Strizivojna-Vrpolje an der Bahnstrecke Zagreb-Belgrad über Šamac, Doboj, Sarajevo und Mostar in die kroatische Hafenstadt Ploče.
  • Die wichtigste Ost-West-Strecke verläuft vom kroatischen Sisak über Novi Grad und Banja Luka nach Doboj und mündet dort in die vorgenannte Strecke ein.

Diese Hauptachsen werden ergänzt durch die von Novi Grad über Bihać und Martin Brod nach Knin verlaufende Una-Bahn sowie eine von Doboj nach Tuzla führende Strecke, die einst über Brčko weiter nach Kroatien führte.

Daneben gibt es eine Reihe von Werks- und Minenbahnen, die zum Teil noch mit Dampf betrieben werden.

Das Eisenbahnnetz von Bosnien und Herzegowina wurde im Bosnienkrieg stark beschädigt. Seit einigen Jahren gibt es wieder eine Bahnverbindung von Zagreb nach Sarajevo, im Februar 2010 wurde wieder eine tägliche Verbindung zwischen Belgrad und Sarajevo aufgenommen.

Alle der noch von der k.u.k.-Monarchie errichteten Schmalspurstrecken („Bosnische Schmalspur“) wurden schon um 1970 aufgelassen und größtenteils abgebaut. Eine Ausnahme bildet die Werksbahn der Kohlenmine Banovići – hier standen noch im Jahr 2011 Dampflokomotiven im gelegentlichen Einsatz.

Im Jahr 2005 wurde ein Erneuerungsprogramm beschlossen. Unter anderem sollen spanische Talgo-Schnellzüge sowie eine größere Anzahl von Güterwaggons beschafft werden.

Luftfahrt[Bearbeiten]

Flughafen in Sarajevo

Zurzeit gibt es vier internationale Flughäfen, und zwar in Sarajevo, Mostar, Banja Luka und Tuzla.

Kultur[Bearbeiten]

Die Stari Most in Mostar, 1566 erbaut, 1993 zerstört, 2002–2004 wieder aufgebaut.

Musik[Bearbeiten]

Ein traditioneller Musikstil ist die Sevdalinka – bosnische Volksmusik, deren Charakter stark von osmanischen Einflüssen geprägt wurde. Die Volksmusik enthält darüber hinaus Merkmale der Musik der Sinti und Roma und anderer Volksgruppen. Ein bekannter Vertreter der Sevdalinka war bis zu seinem Tod Safet Isović. Die Sevdalinka kommt generell allerdings nur bei der älteren bosnischen Bevölkerung und teilweise der in Montenegro und Serbien wohnenden älteren Bosniaken gut an. Besser kommt dagegen die sogenannte Narodna muzika an, die eine Mischung aus der ehemaligen jugoslawischen Volksmusik, Pop und teilweise Techno-Musik bildet. Diese ist generell in den serbokroatisch-sprachigen Ländern seit ihrer Entstehung (ca. 1980) die Beliebteste.

Bekannte Musiker im internationalen Raum aus Bosnien-Herzegowina sind neben Goran Bregović und seiner ehemaligen Band Bijelo dugme, die Sänger Zdravko Čolić und Dino Merlin sowie die Rapper Edo Maajka und Frenkie. Die Rock/Pop-Gruppen Zabranjeno Pušenje, Plavi orkestar, Indexi und Crvena jabuka und Hari Mata Hari gehörten neben Bijelo dugme zu den bekanntesten und beliebtesten Jugoslawiens. Das musikalische Zentrum dieser modernen bosnischen Musik war Sarajevo.

Film[Bearbeiten]

In jüngster Vergangenheit haben bosnisch-herzegowische Filme einige Preise bekommen. Darunter waren Ničija Zemlja (deutsch Niemandsland, englisch No Man’s Land) aus dem Jahr 2001, der einen Golden Globe Award und einen Oscar erhielt, sowie der Film Grbavica, der auf der Berlinale 2006 einen Goldenen Bären bekam. Des Weiteren erntete der Film Welcome to Sarajevo mit Woody Harrelson großes Kritikerlob. Der Film befasst sich mit der Belagerung Sarajevos Anfang der 1990er Jahre. Der Regisseur Emir Kusturica (Schwarze Katze, weißer Kater; Das Leben ist ein Wunder) stammt aus Sarajevo.

Das Sarajevo Film Festival ist jedes Jahr im August filmischer und kultureller Höhepunkt und zieht immer mehr Touristen aus dem Ausland an.

Medien[Bearbeiten]

Die drei wichtigsten Tageszeitungen in Bosnien und Herzegowina sind Dnevni avaz (deutsch Tagesstimme) und Oslobođenje (deutsch: Befreiung), die beide in bosnischer Sprache in Sarajevo erscheinen, und Nezavisne novine (dt. Die unabhängige Zeitung), die in Banja Luka in serbischer Sprache und lateinischer Schrift erscheint. Zudem gibt es eine Reihe von politischen Wochenzeitungen wie Slobodna Bosna (dt. Freies Bosnien) oder Dani (dt. Tage). Beliebt sind auch Zeitschriften, die über aktuelle Affären oder Stars der Volksmusik berichten, wie Express oder Svet (dt. Die Welt; eine gleichnamige und gleichformatige Zeitung erscheint auch in Serbien).

Bosnien und Herzegowina hat ein dreigliedriges öffentliches Rundfunk- und Fernsehsystem, mit einem nationalen Fernseh- und Radiosender der Anstalt BHRT (BHTV 1 und BH Radio 1) und je einem Entitäts Fernseh- und Radiosender, der RTVFBiH (FTV und Radio F.) in der Föderation und der RTRS (RTRS TV und RTRS RRS) (kyrillisch: PTPC) in der Republika Srpska. Einige private Sender wie OBN oder NTV Hayat sind im ganzen Land zu empfangen. Sehr beliebt ist Kabelfernsehen, das Sender aus den Nachbarländern und dem deutschsprachigen Raum einspeist. Seit dem 11. November 2011 sendet der neue Fernsehsender Al Jazeera Balkan aus Sarajevo, zunächst sechs Stunden täglich in der Landessprache.[42]

Sport[Bearbeiten]

In Sarajevo und Umgebung wurden 1984 die Olympischen Winterspiele ausgetragen. In Bosnien und Herzegowina sind Fußball und Basketball die beliebtesten Sportarten. Im Fußball hat sich das Land stetig weiterentwickelt und verbessert. Für die Fußball-Europameisterschaft 2004 hätte sich das Land beinahe qualifiziert, im letzten Spiel gegen Dänemark fehlte nur ein Sieg gegen den direkten Konkurrenten, aber schließlich ging das Spiel 1:1 aus, damit war Dänemark bei der Euro 2004. Bei der WM Qualifikation 2014 hat sich die Nationalmannschaft dann durchgesetzt und wird an der Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien teilnehmen. Die Basketball-Nationalmannschaft hat sich für bislang sechs Europameisterschaften qualifizieren können, zuletzt 2011.

Bei den Paralympischen Spielen 2004 in Athen gewann die bosnisch-herzegowische Volleyballmannschaft die Goldmedaille.

Einen Erfolg auf internationaler Ebene für Bosnien erreichte die Schach-Nationalmannschaft mit dem zweiten Platz bei der Schacholympiade 1994 in Moskau.[43]

Essen und Trinken[Bearbeiten]

Bosnischer Eintopf (Lonac)
Baklava

Die bosnisch-herzegowinische Küche hat viele Spezialitäten zu bieten, z. B. Bosanski Lonac, Ćevapi, Lokum (Türkischer Honig), Pita (Pide) in allen Variationen von Gemüsearten. Daneben gibt es Sogan Dolma, Somun, Japrak, Baklava, Halva, Burek, Sarma und vieles mehr. Die bosnische-herzegowinische Küche ist stark von der Türkischen Küche beeinflusst. Türkischer Kaffee, der in einem speziellen Kaffeekännchen aufgekocht wird, sowie selbstgebrannter Pflaumenschnaps (Šlivovic) sind verbreitete Getränke.

Feiertage und Feste[Bearbeiten]

Neben religiösen Feiertagen wie Weihnachten und Ostern (bei den Kroaten und Serben), und den islamischen Festen Ramazanski Bajram (am Ende des Ramadan) und Kurban Bajram (zur Zeit der Pilgerfahrt nach Mekka), gelten folgende Feiertage in Bosnien und Herzegowina:

  • Neujahr (Nova Godina): Der 1. und 2. Januar sind Nationalfeiertage, Silvester wird prächtig gefeiert und der 13. Januar (Serbisches Neujahr nach dem julianischen Kalender)
  • Unabhängigkeitstag (Dan nezavisnosti): 1. März – erinnert an den Abschluss des Referendums zur Unabhängigkeit am 29. Februar/1. März 1992
  • Tag der Arbeit (Prvi maj): Der 1. und 2. Mai sind nationale Feiertage, der Tag der Arbeit wird als Anlass für große öffentliche Feiern genutzt
  • Nationalfeiertag (Dan državnosti): 25. November – erinnert an die Ausrufung der Volksrepublik Bosnien und Herzegowina in Mrkonjić Grad am 25. November 1943

In der Republika Srpska werden der 1. März und der 25. November nicht gefeiert, dafür der 9. Januar als Tag der Republik (Dan Republike) sowie der 21. November (Tag des Dayton-Abkommens). Es ist geplant, ein einheitliches Feiertagsgesetz für ganz Bosnien und Herzegowina zu verabschieden.[44]

Daneben gibt es in den verschiedenen, hauptsächlich von Kroaten bewohnten Gemeinden und Dörfern lokale Feiertage, die sich am christlichen Kalender orientieren (z. B. Namenstage Heiliger, „kleine Ostern“, etc.). Ein besonderer Feiertag ist der Namenstag des Schutzpatrons eines jeden Ortes. Neben einer sehr gut besuchten Messe und evtl. einer Prozession gibt es in den meisten Häusern und auf Plätzen Feierlichkeiten, zu denen auch die Einwohner der Nachbarorte kommen.

Siehe auch[Bearbeiten]

 Portal: Bosnien und Herzegowina – Übersicht zu Wikipedia-Inhalten zum Thema Bosnien und Herzegowina

Literatur[Bearbeiten]

  • Erich Rathfelder: Schnittpunkt Sarajevo. Bosnien und Herzegowina zehn Jahre nach Dayton: Muslime, Orthodoxe, Katholiken und Juden bauen einen gemeinsamen Staat. Berlin 2006. ISBN 3-89930-108-0
  • Ernst Klaus Schmidt: Bosnien-Herzegowina: eine politisch-wirtschaftsgeographische Analyse der Entwicklungsmöglichkeiten, Dissertation Tübingen 2009 (Digitalisat; PDF; 7,1 MB)
  • Steven W. Sowards: Moderne Geschichte des Balkans. Der Balkan im Zeitalter des Nationalismus, BoD 2004, ISBN 3-8334-0977-0
  • Dominik Tolksdorf: Die EU und Bosnien-Herzegowina. Außenpolitik auf der Suche nach Kohärenz, Baden-Baden 2012. ISBN 978-3-8329-7408-4

Literarische Würdigungen finden sich im Gesamtwerk des Literaturnobelpreisträgers Ivo Andrić, besonders in seinem Hauptwerk Die Brücke über die Drina. Zsolnay 2011. ISBN 978-3-552-05523-0

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Bosnien-Herzegowina – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Commons: Bosnien und Herzegowina – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikisource: Bosnien und Herzegowina – Quellen und Volltexte
 Wikimedia-Atlas: Bosnien und Herzegowina – geographische und historische Karten

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. https://www.cia.gov/library/publications/the-world-factbook/geos/bk.html
  2. Vorläufige Ergebnisse der Volkszählung 2013 (PDF; 752 kB)
  3. http://www.wolframalpha.com/input/?i=Bosnien und Herzegowina
  4. http://www.auswaertiges-amt.de/DE/Aussenpolitik/Laender/Laenderinfos/01-Nodes_Uebersichtsseiten/BosnienUndHerzegowina_node.html
  5. Human Development Index, abgerufen am 10. Oktober 2013
  6. CIA The World Factbook
  7. Landschaftszonen auf Hagel.at
  8. Die hier genannten Daten werden im CIA World Factbook für das Jahr 2000 angegeben (Daten des CIA World Factbook für Bosnien und Herzegowina). Es ist zu beachten, dass die letzten verfügbaren Volkszählungsergebnisse aus dem Jahr 1991 stammen.
  9. State.gov: Internationaler Bericht über Religionsfreiheit 2009 – Bosnien und Herzegowina, abgerufen am 15. Juli 2011
  10. Swissinfo.org: Schweiz und die Welt
  11. http://www.auswaertiges-amt.de/DE/Aussenpolitik/Laender/Laenderinfos/BosnienUndHerzegowina/Kultur-UndBildungspolitik_node.html
  12. Jürgen Elvert (Hrsg.): Der Balkan. Steiner Verlag, Stuttgart 1997, ISBN 3-515-07016-8, S. 256.
  13. http://derstandard.at/1308680841485/Nachlese-Dodik-Wir-trauen-den-guten-Absichten-der-Muslime-nicht
  14. http://www.katholisches.info/2012/01/25/die-ignorierte-diskriminierung-der-katholischen-kroaten-in-bosnien-herzegowina/
  15. http://www.n-tv.de/politik/Bosnien-zerfaellt-article7396756.html
  16. EU-Erweiterung: Bosnien darf in den Warteraum der Union, Die Presse, 16. Juni 2008
  17. Bosnien-Herzegowina und Europa
  18. http://oe1.orf.at/artikel/260214
  19. http://www.balkaninsight.com/en/article/bosnia-s-election-commission-orders-recount-of-void-votes
  20. http://www.predsjednistvobih.ba/hron/?cid=74,1,1
  21. Jauch, Kathrin: Bosnien-Herzegowina: Auf neue Regierung geeinigt bei finanzer.de, 29. Dezember 2011 (abgerufen am 29. Dezember 2011).
  22. Einigung: Bosnien-Herzegowina bekommt nach 14 Monaten eine neue Regierung bei Spiegel Online, 28. Dezember 2011 (abgerufen am 29. Dezember 2011).
  23. Bosnien: EU begrüßt Einigung auf neue Regierung bei orf.at, 29. Dezember 2011 (abgerufen am 29. Dezember 2011).
  24. Situation der Menschenrechte schlecht. In. Der Standard, 12. Februar 2009
  25. Zakon o službi u Oružanim snagama Bosne i Hercegovine
  26. Fokus Ost-Südost der Deutschen Welle
  27. http://www.rttnews.com/Content/GeneralNews.aspx?Id=1446460&SM=1
  28. ISAF-Truppenstärke von Bosnien und HerzegowinaVorlage:Webarchiv/Wartung/Nummerierte_Parameter
  29. Vorläufiges Ergebnis der Volkszählung 2013
  30. Federacija Bosne i Hercegovine. Federalni zavod za statistiku: Federacija Bosne i Hercegovine u brojkama, Sarajevo 2008 (PDF; 278 kB), S. 11.
  31. Volkszählung 2013, Quelle: Vorläufige Ergebnisse der Volkszählung 2013 (PDF)
  32. Keine hohen Staatsämter für Juden und Roma, Juridicum Journal, 8. Januar 2010
  33. http://globaledge.msu.edu/countryInsights/economy.asp?countryID=14&regionID=2
  34. http://www.cofacecentraleurope.com/CofacePortal/ShowBinary/BEA%20Repository/AT/de_DE/documents/countryreports2008/CR08_BA_DE
  35. www.transparency.de
  36. Zentralbank von Bosnien und Herzegowina, Quartalsbericht 1/2009 (PDF; 9,9 MB)
  37. a b c d e The World Factbook. Abgerufen am 6. April 2012.
  38. BOSNIA AND HERZEGOVINA, Landmine Monitor Report 2005
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44.117.966666666667Koordinaten: 44° N, 18° O