Spital am Pyhrn

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Spital am Pyhrn
Wappen Österreichkarte
Wappen von Spital am Pyhrn
Spital am Pyhrn (Österreich)
Spital am Pyhrn
Basisdaten
Staat: Österreich
Bundesland: Oberösterreich
Politischer Bezirk: Kirchdorf an der Krems
Kfz-Kennzeichen: KI
Fläche: 108,86 km²
Koordinaten: 47° 40′ N, 14° 20′ OKoordinaten: 47° 39′ 55″ N, 14° 20′ 27″ O
Höhe: 640 m ü. A.
Einwohner: 2.230 (1. Jän. 2017)
Bevölkerungsdichte: 20 Einw. pro km²
Postleitzahl: 4582
Vorwahl: 07563
Gemeindekennziffer: 4 09 18
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Spital a.P. 350
4582 Spital am Pyhrn
Website: www.spital-pyhrn.at
Politik
Bürgermeister: Aegidius Exenberger (SPÖ)
Gemeinderat: (2015)
(25 Mitglieder)
13
7
5
13 
Insgesamt 25 Sitze
Lage der Gemeinde Spital am Pyhrn im Bezirk Kirchdorf an der Krems
EdlbachGrünburgHinterstoderInzersdorf im KremstalKirchdorf an der KremsKlaus an der PyhrnbahnKremsmünsterMicheldorf in OberösterreichMollnNußbachOberschlierbachPettenbachRied im TraunkreisRosenau am HengstpaßRoßleithenSt. PankrazSchlierbachSpital am PyhrnSteinbach am ZiehbergSteinbach an der SteyrVorderstoderWartberg an der KremsWindischgarstenOberösterreichLage der Gemeinde Spital am Pyhrn im Bezirk Kirchdorf an der Krems (anklickbare Karte)
Über dieses Bild
Vorlage:Infobox Gemeinde in Österreich/Wartung/Lageplan Imagemap
Blick auf Spital am Pyhrn
Blick auf Spital am Pyhrn
Quelle: Gemeindedaten bei Statistik Austria

Spital am Pyhrn ist eine Gemeinde in Oberösterreich im Bezirk Kirchdorf an der Krems im Traunviertel, Österreich, mit 2230 Einwohnern (Stand 1. Jänner 2017).

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Spital am Pyhrn liegt auf 640 m Höhe im Traunviertel. Die Ausdehnung beträgt von Nord nach Süd 16 km und von West nach Ost 12,3 km. Die Gesamtfläche beträgt 108,9 km². 47,6 % der Fläche sind bewaldet und 19,3 % der Fläche sind landwirtschaftlich genutzt.

Gemeindegliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Gemeindegebiet umfasst folgende fünf Ortschaften (in Klammern Einwohnerzahl Stand 31. Oktober 2011[1]):

  • Fahrenberg (28)
  • Gleinkerau (293)
  • Oberweng (267)
  • Seebach (245)
  • Spital am Pyhrn (1377)

Die Gemeinde besteht aus den Katastralgemeinden Fahrenberg, Gleinkerau und Spital am Pyhrn.

Spital am Pyhrn gehört zur Tourismusregion Pyhrn-Priel.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kaiser Heinrich II. schenkte das Land am Pyhrn dem Bistum Bamberg. Der Ort zählte seit dem 12. Jahrhundert zum Herzogtum Österreich.

Bischof Otto II. von Bamberg übergab 1190 das Spital am Pyhrn einer Laienbruderschaft. Das Hospital wurde 1418 in ein Kollegiatstift umgewandelt. Das Stift Spital am Pyhrn erlangte in den folgenden Jahrhunderten einigen Reichtum. Das Kollegiatstift wurde durch Papst Paul V. im Jahr 1605 zu einer Propstei erhoben. 1714 bis 1730 wurde von Johann Michael Prunner die Kirche mit Fresken von Bartolomeo Altomonte und Stuckarbeiten von Domenico Antonio Carlone barock gestaltet. Sie erhielt dann vier vorzügliche Altarbilder von Kremserschmid und zwei von Michelangel Unterberger.

Während der Napoleonischen Kriege war der Ort mehrfach besetzt.

Die Benediktinermönche des im Jahre 1806 aufgehobenen Klosters St. Blasien im Schwarzwald zogen mit dem gesamten Inventar des Klosters und den Särgen der frühen Habsburger zunächst nach Spital am Pyhrn. Da ihnen das Kollegiatstift zu klein und das Klima zu rau war, übersiedelte der Konvent bereits 1809 nach Stift St. Paul im Lavanttal. Das Kollegiatstift durfte nicht wieder errichtet werden und die Stiftskirche wurde Pfarrkirche. In der Nacht vom 25. auf den 26. Oktober 1841 beschädigte ein Brand den Ort und die Stiftsgebäude.

Der Ort gehörte zum Kronland Österreich ob der Enns, das 1918 zum Bundesland Oberösterreich wurde.

Nach dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich am 13. März 1938 gehörte der Ort zum Gau Oberdonau.

„Fremdvölkisches Kinderheim Lindenhof“

Im ehemaligen Gasthof „Lindenhof“ wurde im März 1943 ein „Fremdvölkisches Kinderheim“ für Kinder von ausländischen Zivilarbeiterinnen eröffnet. Bis zum Jahr 1945 starben dort 38 von 97 eingewiesenen Kindern an der schlechten Ernährung und Versorgung, bei sechs weiteren Kindern ist das Schicksal unbekannt.[2] Im Mai 2014 wurden am Friedhof in Spital zwei Gedenktafeln zur Erinnerung an diese Opfer des NS-Regimes enthüllt.[3] Noch im Jahr 2011 hatte ein Vorschlag der oberösterreichischen Grünen zur Anbringung einer Gedenktafel bei der heutigen Jugendherberge zu Konflikten geführt. Der Hausbesitzer, Landtagsabgeordneter Wolfgang Schürrer, befürchtete, man verschrecke damit Schulklassen. Er habe aber nichts gegen eine Aufarbeitung.[4]

Anfang 1945 war in der Gruft unter dem Presbyterium der Stiftskirche die gesamte Goldreserve der ungarischen Nationalbank (33.000 kg) eingelagert. Nach 1945 (Ende des Zweiten Weltkriegs) erfolgte die Wiederherstellung Oberösterreichs und die Stiftsgebäude kamen in den Besitz der Österreichischen Bundesforste, die sie 2009 an die Gemeinde Spital am Pyhrn verkauften. Eine Außenrestaurierung des Stifts erfolgte 1964–1967. Von 1989 bis 1997 war der Forstbetrieb Spital/Pyhrn im Stift ansässig. Seit 2015 befindet sich das Museum Zwischen Himmel und Erde – Gerlinde Kaltenbrunner und die Welt der 8000er" in 400 m2 barocken Gewölberäumen im Erdgeschoß des Stiftes.

Spital gehörte bis 2012 zum Gerichtsbezirk Windischgarsten und ist seit dem 1. Jänner 2013 Teil des Gerichtsbezirks Kirchdorf an der Krems.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1991 hatte die Gemeinde laut Volkszählung 2.197 Einwohner, 2001 dann 2.274 Einwohner.

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Gemeinderat mit 25 Mitglieder.

  • Mit den Gemeinderatswahlen 2003 hatte der Gemeinderat folgende Verteilung: 13 SPÖ, 11 ÖVP und 1 FPÖ.
  • Mit den Gemeinderatswahlen 2009 hatte der Gemeinderat folgende Verteilung: 13 (+0) SPÖ, 10 (–1) ÖVP und 2 (+1) FPÖ.
  • Mit den Gemeinderatswahlen 2015 hat der Gemeinderat folgende Verteilung: 13 (+0) SPÖ, 7 (–3) ÖVP und 5 (+3) FPÖ.
Bürgermeister
  • seit 2003 Aegidius Exenberger (SPÖ)[5]

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blasonierung: Geteilt; oben in Gold ein schwarzer, wachsender Löwe, unten in Blau eine goldene, gestürzte Mondsichel, besteckt mit einem goldenen Kreuz. Die Gemeindefarben sind Blau-Gelb-Blau.

Der Löwe ist das "geminderte" Wappentier des Hochstiftes Bamberg, dessen Bischof Otto II. aus dem Hause Andechs-Meranien im Jahre 1190 an der Nordseite des Pyhrnpasses eine Herberge für Pilger gründete. Die mit dem Kreuz besteckte, abwärts gekehrte Mondsichel war das Wappen des 1418 aus dem Hospiz hervorgegangenen, 1807 aufgehobenen Kollegiatstiftes weltlicher Chorherren.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch: Liste der denkmalgeschützten Objekte in Spital am Pyhrn
  • Stiftskirche: (Pfarrkirche) 1199 Einweihung der Kirche; prunkvolle Erweiterung und Ausgestaltung 1714–1730 durch den Barockarchitekten Johann Michael Prunner, Fresken von Bartolomeo Altomonte, Stuckarbeiten von Domenico Antonio Carlone, vier Altarbilder von Martin Johann Schmidt, genannt Kremser Schmidt, und zwei Altarbilder von Michael Angel Unterberger, weiters ein schmiedeeisernes Abschlussgitter in der Stiftskirche von Andreas Ferdinand Lindemayr, das zu den schönsten Schmiedearbeiten in Österreich zählt. Die Stiftskirche ist Teil des ehemaligen Stiftes.
  • Museum "Zwischen Himmel und Erde – Gerlinde Kaltenbrunner und die Welt der 8000er": 2015 eröffnetes multimediales Museum in den ehemaligen Stiftsräumlichkeiten, in denen man in die höchsten Berge entführt wird. Ein Multimediaraum lässt Besucher die Wetterlage auf einem Achttausender miterleben und spüren, welche Gefahren auf die Bergsteiger in größten Höhen warten. Vor dem Eingang steht ein Modell des K2 als Kletterturm zu dessen Besteigung es als Sicherung ein Klettersteig braucht.
Sehenswertes
Blick vom Pacherkogel
Außenfassade der Stiftskirche im Winter
In der Stiftskirche
Felsenbild in der Höll
Ehemaliges Herrenhaus Hofschmiede
Bahnhof
Nordportal Bosrucktunnel
Ochsenwaldkapelle
Arlingsattel
Brunnsteinersee
Schmiedalm

Freizeit und Sport[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Dr.-Vogelgesang-Klamm: 1906 erschlossen; sie ist die größte Felsklamm in Oberösterreich und ein beliebtes Wanderziel. Zahlreiche Wege und Treppen aus Holz ermöglichen das Durchwandern der Klamm.
  • Panoramahallenbad: 1971 eröffnet, umgebaut 1991
  • Golfanlage Pyhrn-Priel: 2006 eröffnete 18-Loch Golfanlage mit angeschlossener Golfschule

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gedenktafel für Alois Rohrauer, Naturfreunde 1963

Söhne und Töchter der Gemeinde

Personen mit Bezug zur Gemeinde

Ehrenbürger

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dana-Türenindustrie GmbH, der größte Türproduzent Österreichs mit 520 Mitarbeitern (Stand 2013) ging mit Jahresbeginn 2005 von Stift Admont an den dänischen Türproduzenten Vest-Wood A/S. Vest-Wood, seinerseits seit 2002 Teil der Door Holding A/S, geht 2006 als größter europäischer Türproduzent an Jeld-Wen aus Oregon, USA.[7][8]

Die in Spital produzierende Firma nennt sich heute Jeld-Wen Türen GmbH – als Teil des internationalen Konzerns Jeld-Wen.[9] Die Marke DANA bleibt erhalten, sie entstand als Firmenname bei der Gründung 1973 aus den Danibius Holzplattenwerken (Furnier- und Sperrholzwerke) und dem Stift Admont, das sich als holzliefernder Waldbesitzer beteiligte. 1975 lief die erste industrielle Fertigtürenproduktion Österreichs in Spital-Gleinkerau mit 70 Beschäftigten an.[10]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hans Krawarik: Dorf im Gebirge. Spital am Pyhrn 1190–1990. Linz, 1990.
  • Roland Girtler: Aschenlauge. Die alte Kultur der Bauern. Böhlau Verlag, Wien 2012, ISBN 978-3-205-78858-4.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Spital am Pyhrn – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Statistik Austria, Registerzählung vom 31. Oktober 2011
  2. Gabriella Hauch, Ostarbeiterinnen – Vergessene Frauen und ihre Kinder, in: Fritz Mayrhofer und Walter Schuster (Hg.), Nationalsozialismus in Linz (Band 2), Linz 2001, S. 1292 ff.
  3. Kirchen Zeitung: Die vergessenen Kinder von Spital, 14. Mai 2014.
  4. Der Standard: Streit um Gedenktafel in NS-Säuglingsheim Lindenhof, 17. November 2011.
  5. "Bei uns muss noch viel mehr weitergehen" meinbezirk.at, 18. August 2015.
  6. Alois Rohrauer, in: Webpräsenz von Regiowiki.at
  7. http://www.polarisequity.dk/default.aspx?pageId=101 Vest-Wood A/S acquires 100% of the shares in the largest door manufacturer in Austria, DANA-Türenindustrie, as part of a targeted expansion in Europe. Polarisequity.dk vom 11. Jänner 2005, abgerufen am 10. September 2013, nicht mehr abrufbar 26. Dezember 2017.
  8. http://www.polarisequity.dk/default.aspx?pageId=95 JELD-WEN to acquire Vest-Wood. Polarisequity.dk vom 30. November 2005, abgerufen am 10. September 2013, nicht mehr abrufbar 26. Dezember 2017.
  9. http://www.jeld-wen.com/about/company/history History, Jeld-Wen, abgerufen am 10. September 2013.
  10. Unsere Geschichte dana.at, abgerufen 26. Dezember 2017.