St. Peter (Velden)

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Außenansicht der Pfarrkirche St. Peter

Die römisch-katholische Pfarrkirche St. Peter in Velden an der Vils, einem Markt im niederbayerischen Landkreis Landshut, ist eine spätgotische Staffelhallenkirche. Das Gotteshaus ist ein nach der Haager Konvention geschütztes Kulturgut und als Baudenkmal mit der Nummer D-2-74-183-7 beim Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege eingetragen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bereits im Jahr 773 wird ein Kirchlein in Feldin, dem heutigen Markt Velden, erstmals erwähnt. Es war Teil einer Schenkung an den Bischofsstuhl in Freising. Diese Kapelle schenkte Aspert von Velden, Kanzler des Frankenkönigs Arnulf, um 890 wiederum dem Kloster Sankt Emmeram und damit dem Bistum Regensburg. In den folgenden Jahrhunderten bis zur Säkularisation 1803 war Velden stets Spielball zwischen den Diözesen Freising und Regensburg und den bayerischen Herzögen. Heute gehört es kirchlich gesehen zum Erzbistum München und Freising.[1]

Die heutige Kirche wurde in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts - vermutlich in mehreren Abschnitten - erbaut. Ein Schlussstein im Gewölbe weist auf das Jahr 1489 hin. Nach einer Barockisierung wurde die Ausstattung in der Zeit zwischen 1850 und 1860 regotisiert. Die neugotischen Altäre und die Kanzel, die allesamt heute noch erhalten sind, stammen von dem Münchener Bildhauer Anselm Sickinger. Als Abschluss der Regotisierung wurden in den Jahren 1900 bis 1902 unter Pfarrer Simon Unterauer die bemalten Glasfenster im neugotischen Stil eingesetzt. Die letzte große Renovierungsmaßnahme wurde von 1987 bis 1992 durchgeführt.[2][3]

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gewölbekonfiguration im rechten Seitenschiff
Hochaltar
Linker Seitenaltar (Marienaltar)
Rechter Seitenaltar (Sebastiansaltar)
Westempore mit Orgel

Architektur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Pfarrkirche ist eine dreischiffige, spätgotische Staffelhalle mit Ostchor und 64 Meter hohem Turm auf der Westseite. Letzterer besitzt einen quadratischen Grundriss und umfasst fünf Geschosse, obenauf ein Achteckaufsatz mit aufwändigem Strebewerk und hohem Spitzhelm. Der gegenüber dem Mittelschiff nicht eingezogene Chor ist durch Strebewerk und Spitzbogenfries am Dach gegliedert. Die Kirchenfenster sind ebenfalls spitzbogig und weisen aufwändiges Maßwerk und neugotische Glasgemälde auf. Im Innenraum, bestehend aus dem vierjochigen Langhaus und dem einjochigen Chor mit dreiseitigem Schluss, ist das spätgotische Netzrippengewölbe noch vollständig erhalten.

Die Kirche ist von der ehemaligen Friedhofsmauer aus Ziegelstein umgeben. Diese wurde bereits vor 1800 errichtet und steht ebenfalls unter Denkmalschutz.

Ausstattung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Hochaltar zeigt an zentraler Stelle eine figurenreiche Szene der Schlüsselübergabe an den Kirchenpatron Petrus. Diese Szene ist von einem Bogen aus sieben Einzelfiguren umgeben. An oberster Position thront Jesus Christus; auf der linken Seite erkennt man von oben nach unten Maria, Petrus und den Erzengel Michael; auf der rechten Seite sind von oben nach unten Johannes der Täufer, Paulus und Laurentius dargestellt. Unterhalb der Schlüsselübergabeszene befindet sich der Tabernakel mit einem von zwei Engeln flankierten Kruzifix. Links und rechts des Tabernakels befinden sich zwei Bildtafeln mit Szenen aus dem Neuen Testament: die wundersame Brotvermehrung und die Hochzeit zu Kana. Am Stipes befinden sich drei weitere Bildtafeln, welche von links nach rechts folgende Begebenheiten aus dem Alten Testament zeigen: den Priesterkönig Melchisedek, die eherne Schlange und die Opferung Isaaks. An den Seitenwänden des Chorraumes wurden bei der letzten Innenrenovierung Figuren angebracht, die den ursprünglichen spätgotischen Seitenaltären gehörten. Links des Hochaltares werden die Heiligen Sebastian, Apollonia, Wolfgang und Ursula gezeigt; rechts sind es die Heiligen Lucia, Florian und Erasmus. In einer Matrikel aus dem Jahr 1585 werden für die Veldener Kirche sechs Seitenaltäre zu Ehren der Heiligen Petrus, Maria, Sebastian, Katharina und Ursula sowie der zwölf Apostel genannt.[4]

Ihren Volksaltar erhielt die Veldener Pfarrkirche ebenfalls bei der letzten Renovierungsmaßnahmen. Er ist aus Teilen der in den 1960er Jahren abgebauten neugotischen Kanzel gefertigt und passt sich daher gut der übrigen Ausstattung an. Wegen der ursprünglichen Verwendung als Kanzel zeigt er Bildtafeln der vier Evangelisten. Zum Chorraum, der spitzbogig vom Mittelschiff abgetrennt, leitet das große Chorbogenkreuz über.[5]

An den Stirnwänden der Seitenschiffe befinden sich die beiden Seitenaltäre, die als Flügelaltäre ausgeführt sind. Der linke Seitenaltar ist ein Marienaltar, an zentraler Stelle ist eine Marienfigur mit stehendem Jesuskind zu sehen. Im oberen Aufbau befinden sich Figuren der Heiligen Joachim und Anna, die als Eltern Marias bekannt sind. Links und rechts der Madonna sind der heilige Dominikus und die heilige Katharina von Siena dargestellt. Außerdem sind am Marienaltar fünfzehn Bildtafeln verteilt, die die Geheimnisse der drei klassischen Rosenkränze (freudenreich, schmerzhaft, glorreich) darstellen. Das Glasgemälde an dem Fenster direkt neben dem Marienaltar gehört thematisch mit diesem zusammen. Es wurde von der wahrscheinlich 1562 gegründeten Rosenkranzbruderschaft in Velden gestiftet und zeigt die Seeschlacht von Lepanto. Darüber steht Maria mit dem Jesuskind, das dem heiligen Dominikus einen Rosenkranz überreicht. Der rechte Seitenaltar ist dem heiligen Sebastian geweiht, dessen Martyrium hier dargestellt ist. Darüber befinden sich Figuren der Heiligen Barbara und Katharina, links und rechts davon sind der heilige Kaiser Heinrich II. und der heilige Georg zu sehen. Auf den Flügel befinden sich Reliefs der heiligen Agnes mit dem Lamm (links) sowie der heiligen Thekla mit dem Löwen (rechts). Auch hier greift das benachbarte Fenster, das von einer 1450 gegründeten Sebastianibruderschaft gestiftet wurde, die Thematik des Altares auf. In mehreren bildlichen Darstellungen am Altar und am Fenster wird die Heiligenlegende erzählt.[6]

Überhaupt sind die neugotischen Glasfenster in der Kirche von großer Bedeutung. Die beiden Chorfenster sind den Aposteln Petrus (rechts) und Paulus (links) gewidmet. Die übrigen Fenster im Kirchenschiff (mit Ausnahme der bereits beschriebenen Fenster neben den Seitenaltären) zeigen die Patrone der umliegenden Filialkirchen. Auf der rechten Seite sind dargestellt: die heilige Dreifaltigkeit (Kreuz), der heilige Andreas (Schlegelsreith), der heilige Paulus (Pauluszell), die heilige Margaretha (Jettenstetten) und der heilige Leonhard (Erlach). Auf der linke Seite sieht man: den heiligen Georg (Georgenzell, Münster), den heiligen Nikolaus (Niklashaag), den heiligen Ulrich (Gebensbach) und den heiligen Lantpert (Kleinvelden). In den beiden hintersten Fenstern sind ehemalige Pfarrer von Velden abgebildet und namentlich erwähnt. Zwischen den seitlichen Fenstern sind die vierzehn neugotischen Kreuzwegtafeln der Mayer’schen Kunstanstalt angebracht.[7]

Im rückwärtigen Bereich des Mittelschiffs befindet sich die Westempore mit Orgel. Im Zuge der Regotisierung wurde hier ab 1899 eine Doppelempore errichtet, wobei die im oberen Geschoss untergebracht wurde. Dieses wurde allerdings in den 1960er Jahren wieder entfernt. Auf der Emporenbrüstung sind Relief des Papstes und Kirchenvater Gregor des Großen, des heiligen David mit der Harfe und der heiligen Cäcilia als Patronin der Kirchenmusik zu sehen. Die Orgel wurde 1901 von Franz Borgias Maerz errichtet und 1969 renoviert. Der Orgelprospekt wurde 1899 nach einem Entwurf von Joseph Elsner senior gefertigt.[8]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Kath. Pfarramt Velden (Hrsg.): Pfarrkirche Velden — Ein Rundgang. Verfasst von Wendelin Bless, Bilder von Edi Poschinger und Wendelin Bless. Jahr unbekannt.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: St. Peter (Velden) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Geschichte des Marktes Velden. Online auf www.vg-velden.info. Abgerufen am 10. April 2016.
  2. Pfarrkirche Velden — Ein Rundgang, S. 2.
  3. Pfarrverband Velden: Pfarrei Velden. Online auf rother-tobias.jimdo.com. Abgerufen am 10. April 2016.
  4. Pfarrkirche Velden — Ein Rundgang, S. 3-10.
  5. Pfarrkirche Velden — Ein Rundgang, S. 17f.
  6. Pfarrkirche Velden — Ein Rundgang, S. 17f.
  7. Pfarrkirche Velden — Ein Rundgang, S. 21-26.
  8. Pfarrkirche Velden — Ein Rundgang, S. 18f.

Koordinaten: 48° 21′ 58″ N, 12° 15′ 16″ O