Pescara

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Pescara
Wappen
Pescara (Italien)
Pescara
Staat Italien
Region Abruzzen
Provinz Pescara (PE)
Koordinaten 42° 28′ N, 14° 13′ OKoordinaten: 42° 28′ 0″ N, 14° 13′ 0″ O
Höhe m s.l.m.
Fläche 33,6 km²
Einwohner 119.217 (31. Dez. 2017)[1]
Bevölkerungsdichte 3.548 Einw./km²
Postleitzahl 65100
Vorwahl 085
ISTAT-Nummer 068028
Volksbezeichnung Pescaresi
Schutzpatron San Cetteo
Website www.comune.pescara.it
Klimadiagramm von Pescara
Einer der wenigen Trabocchi, im Hafen von Pescara
Der Hauptbahnhof von Pescara
Die Altstadt von Pescara
Piazza Salotto Pescara
Der Flughafen von Pescara
Der Hafen von Pescara
Der neue Jachthafen von Pescara und „Die schlafende Schöne“ („la bella addormentata“) (die Gran-Sasso-Berge im Hintergrund)

Pescara [pesˈkaːra] ist eine italienische Stadt in der Region der Abruzzen, 208 km östlich von Rom, mit 119.217 Einwohnern (Stand 31. Dezember 2017). Sie ist die Hauptstadt der Provinz Pescara.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Pescara liegt an der Mündung des Flusses Pescara in die Adria.

Die Nachbargemeinden sind Chieti (CH), Francavilla al Mare (CH), Montesilvano, San Giovanni Teatino (CH) und Spoltore.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Ursprünge Pescaras reichen in die Zeit vor seiner Eroberung durch die Römer zurück. Die Vestiner bauten nämlich an der strategisch günstigen Lage im Mündungsbereich des Flusses Aternus (Pescara) in die Adria den gleichnamigen Hafenort namens Aternum. Es war die einzige Stadt der Vestiner an der Meeresküste und ein bedeutender Handelsplatz, den auch die Marrukiner und Paeligner als Emporium nutzten.[2] Unter Kaiser Augustus wurden hier Veteranen angesiedelt und unter ihnen das Territorium der Stadt aufgeteilt.[3] Aternum war durch die Via Claudia Valeria mit Rom verbunden. Bedeutsam war der Vicus als Überfahrtshafen nach Salonae in Dalmatien.[4] 538 n. Chr. wurde Aternum vom oströmischen Heermeister Johannes erobert.[5]

Aternum wurde 597 beim Einfall der Langobarden zerstört. Der Bischof von Amiternum, Cetteo, der später Schutzpatron von Pescara wurde, soll damals von den Langobarden in Amiternum hingerichtet worden sein, indem er mit einem schweren, um den Hals gebundenen Stein von einer Brücke gestürzt wurde, woraufhin sein Leichnam nach Aternum getrieben sei.[6]

Im Hochmittelalter wurde die Stadt unter dem Namen Piscaria neu gegründet. Sie gelangte in den Besitz der Montecassino, als Hochzeitsgeschenk an die griechische Gattin Theophanu des Kaisers Otto II. und an die Normannen. 1137 drang Kaiser Lothar in seinem Kampf gegen König Roger II. von Sizilien über Pescara vor, das sich ihm wie die übrigen Küstenstädte halb gutwillig, halb gezwungen ergab.[7] 1209 wurde Pescara von Kaiser Otto IV. in Besitz genommen und sein Kastell zerstört.[8] Kaiser Friedrich II. verweilte hier am 15. März 1226 und am 22. März 1240. König Konrad IV. landete hier Anfang Januar 1252 nach glücklicher Fahrt, und im Juli 1259 schlug König Manfred bei Pescara sein Lager auf.[7]

König Ladislaus von Neapel baute das alte Kastell 1409 wieder auf. Im 15. Jahrhundert stand Pescara im Zentrum der zwischen dem Haus Anjou und den Aragonesen ausgetragenen Erbfolgekämpfe und kam unter die Herrschaft der d’Avalos. 1435 und 1439 wurde die Stadt vom italienischen Kondottiere Jacopo Caldora erobert. Sie gelangte dann in den Besitz Kaiser Karls V., der sie in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts zu einer Militäranlage ausbaute. 1566 griffen 105 türkische Galeeren Pescara an, doch konnten die Osmanen die Stadt nicht erobern und mussten sich mit der Verwüstung des umliegenden Geländes begnügen.[8]

Im Rahmen des Spanischen Erbfolgekriegs attackierten österreichische Truppen unter dem Kommando von Georg Olivier Graf von Wallis Pescara, das von Giovan Girolamo II. Acquaviva verteidigt wurde und sich nach zweimonatiger Belagerung im September 1707 ergeben musste.[8][9]

Im Dezember 1798 wurde Pescara vom französischen General Guillaume Philibert Duhesme genommen.[7] Es gehörte dann kurzzeitig zur Parthenopäischen Republik, wurde aber bereits 1799 von dem pro-bourbonischen Giuseppe Pronio für das Königreich Neapel zurückerobert. Als der französische General Lechi im Feldzug des Jahres 1806 in die Abruzzen eingedrungen war, besetzte er am 19. Februar auch Pescara.[7] Die Stadt fungierte dann während der Regierung von Joseph Bonaparte als bedeutender Militärstützpunkt.

1814 revoltierten die Carbonari von Pescara gegen König Joachim Murat. Nach der am 2. und 3. Mai 1815 ausgefochtenen Schlacht bei Tolentino nahm Murats Armee Stellungen am Tronto und der Pescara. In der Konvention, die bald darauf am 20. Mai Baron Michele Carrascosa in Casalanza mit dem österreichischen General Neipperg abgeschlossen hatte, durch welche alle neapolitanische Festungen den Alliierten für König Ferdinand IV. übergeben wurden, waren nur Gaeta, Pescara und das Kastell von Ancona ausgenommen.[7] Die Österreicher blockierten aber damals Pescara, das am 25. Mai beschossen und am 28. Mai durch Kapitulation genommen wurde.[10] In den folgenden Jahren wurde Pescara ein Symbol der gewalttätigen bourbonischen Restauration, da es dort eines der berüchtigtsten bourbonischen Gefängnisse gab.1860 eroberte Clemente de Caesaris, ein Kollaborateur Giuseppe Garibaldis, die Stadt. Das Kastell wurde 1867 dem Erdboden gleichgemacht, da sich Pescara nach dem Bau der Eisenbahn 1866 schnell ausdehnte und der Platz benötigt wurde.

Das heutige Pescara wurde 1927 aus dem ursprünglichen Pescara südlich des gleichnamigen Flusses und der Stadt Castellammare Adriatico nördlich desselben gebildet und stieg zur Hauptstadt einer neu geschaffenen eigenen Provinz auf. Mussolini plante, die Stadt zu einem wichtigen Zentrum ausbauen zu lassen und die ungünstig gelegene Hauptstadt der Abruzzen L’Aquila durch Pescara zu ersetzen. Noch heute künden einige Bauten von diesem Plan.

Bei alliierten Luftangriffen am 31. August sowie am 14., 17. und 20. September 1943 wurden große Teile der Stadt zerstört. Bei den Bombardierungen starben über 3.000 Zivilisten, einige Quellen geben sogar ca. 6.000 Tote an.

Am 10. Juni 1944 befreiten die Alliierten die Stadt, nachdem die Wehrmacht den Hafen und die letzten intakten Fabrikanlagen zerstört hatte.

Nach dem Krieg wurde Pescara in moderner Form wieder aufgebaut.

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr 1861 1881 1901 1921 1936 1951 1971 1991 2001 2016
Einwohner 9.449 12.561 16.165 26.073 45.445 65.466 122.470 122.236 116.286 120.420

Quelle: ISTAT

Tourismus und Kultur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Pescara ist ein Bade- und Winterkurort; am beliebtesten ist er jedoch während der Sommermonate, da er für seine mehr als 20 km langen Strände, die unter anderem von römischen Touristen genutzt werden, bekannt ist. Im August bieten einige Fischer für Touristen Ausfahrten an, und nutzen auf diese Weise ihre Leerzeit, die durch das Fangverbot für viele Fische in der Adria entstanden ist. Per Schnellboot sind die Inseln Tremiti mit Zwischenstopp in Vasto in ca. 2½ Stunden erreichbar. Am ersten oder zweiten Wochenende im August findet das Fischerfest im Hafen und vor der Küste statt.

Der Schriftsteller Gabriele D’Annunzio wurde am 12. März 1863 hier geboren, sein Geburtshaus steht seit einer Renovierung in den 1930er Jahren der Öffentlichkeit offen. Nach ihm ist auch die örtliche Universität benannt. Seit 1973 werden die Premi Internazionali Flaiano, internationale Auszeichnungen in den Kategorien Literatur, Theater und Film, benannt nach dem ebenfalls in Pescara geborenen Schriftsteller Ennio Flaiano, vergeben.

Jeden Juli findet ein internationales Jazz-Festival statt.

  • Konzerte:

Im Sommer lädt die Stadt Pescara und das Touristikbüro zu kostenlosen Konzerten ein. Es gibt drei Austragungsorte dafür, „Station del Mare“, direkt am Strand dicht an der Nordseite des Hafens und Beginn der Straße „Lungomare Giacomo Matteotti“, und die „Piazza Salotto“, frei übersetzt der „Wohnzimmerplatz“, wie die Piazza „della Rinascita“ im Volksmund und auch auf Plakaten, als Beispiel sei das Konzert am 27. August 2006 von Angelo Branduardi erwähnt, genannt wird. Begründet ist dieser Name durch die bis zum Jahre 1996 vorhandenen Sitzgelegenheiten auf dem Platz. Sie waren so bequem, dass sich die Menschen auf diesem Platz wie in einem großen Wohnzimmer fühlten.

Museen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Museo Casa Natale di Gabriele D’Annunzio, das Geburtshaus des Dichters mit vielen Gegenständen, Bilder und Briefen aus seinem Leben.
  • Museo Civico Basilio Cascella, das Städtische Museum für den Künstler Basilio Cascella mit über 500 Gemälden, Skulpturen und Keramiken sowie Grafiken von ihm und seinen Söhnen und Enkeln.
  • Museo d’Arte Moderna Vittoria Colonna, ein Museum, in dem wechselnde, zeitlich begrenzte und international bedeutende Ausstellungen gezeigt werden.
  • Museo delle Genti d’Abruzzo, im ehemaligen Gefängnis der Bourbonen wird die archäologische Vergangenheit sowie das Leben in ländlichen Abruzzen gezeigt.
  • Museo di Antiche Maioliche di Castelli, in einer Villa im neuen Stadtzentrum wird eine kostbare Sammlung von Castelli-Keramiken gezeigt.
  • Museo Ittico Meraviglie del Mare, ein Museum am nördlichen Ende des Fischereihafens, es wird zurzeit renoviert. Es war und wird dem Leben im Meer gewidmet sein. Neben Aquarien mit Fischen und Pflanzen der Adria wird es verschiedene Skelette und Versteinerungen ehemaliger Bewohner der italienischen Meere sowie die Zusammenhänge der verschiedenen Lebenszyklen und das Zusammenspiel der Meeresbewohner zeigen.

Sport[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Radsport

Am 19. Mai 2001 war Pescara Ziel des Prologs des Giro d’Italia. Sieger war Rik Verbrugghe.

  • Fußball

Der Fußball-Club Pescara Calcio spielt in der Saison 2017/18 in der Serie B, der zweithöchsten italienischen Spielklasse.

  • Motorsport:

Von 1924 bis 1961 wurden auf dem Straßenkurs Circuito di Pescara die Coppa Acerbo veranstaltet. Im Debüt-Jahr 1924 siegte Enzo Ferrari auf Alfa Romeo RL. Danach gehörte das Rennen zwar nicht zur Grand-Prix-Europameisterschaft, war aber dennoch bis zum Zweiten Weltkrieg von internationaler Bedeutung. So trugen sich Größen wie Giuseppe Campari, Tazio Nuvolari und Luigi Fagioli für Alfa Romeo, Achille Varzi und Bernd Rosemeyer für Auto Union oder Rudolf Caracciola für Mercedes-Benz in die Siegerlisten ein. 1957 wurde hier der Große Preis von Pescara zur Formel 1 ausgetragen.

Wirtschaft und Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadt besitzt ein Handelszentrum, eine Wirtschaftshochschule sowie eine Universität, die Universität Chieti-Pescara. Größter Arbeitgeber der Stadt ist das Montagewerk der Compagna Italiana Rimorchi, einer Tochtergesellschaft des polnischen Nutzfahrzeugherstellers Wielton SA.

Ein Flughafen (Aeroporto di Pescara), zwei Bahnhöfe (Pescara Centrale und Porta Nuova) sowie mehrere Buslinien bilden die Verkehrsanbindung der Stadt. Pescara ist ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt in der Region Abruzzen. Die Autobahn und die Bahnlinie führen nicht nur an der Adria entlang, sondern auch durch den Apennin nach Rom. Es gibt Busverbindungen zum Bahnhof Roma Tiburtina mit Anschluss an die Metro in die Innenstadt und zu den Flughäfen. Eine direkte Zugverbindung zum Bahnhof Roma Termini wurde 2007 wieder eingeführt, die Fahrzeiten betragen mit der Bahn etwa dreieinhalb Stunden, mit dem Bus etwa zweieinhalb Stunden nach Tiburtina und etwa dreieinhalb zu den Flughäfen (Stand: Sommer 2011).

Pescara ist mit dem Flugzeug direkt vom Flughafen Frankfurt-Hahn und vom Flughafen Niederrhein zu erreichen. Außerdem sind unter anderem regelmäßige Flüge nach Barcelona, Eindhoven, London, Mailand, Paris, Tirana und Toronto möglich.

Städtepartnerschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Pescara – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Statistiche demografiche ISTAT. Monatliche Bevölkerungsstatistiken des Istituto Nazionale di Statistica, Stand 31. Dezember 2017.
  2. Strabon, Geographika 5, 271 f.
  3. Liber coloniarum p. 253.
  4. Christian Hülsen: Aternus. In: Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft (RE). Band II,2, Stuttgart 1896, Sp. 1923–1924, hier: Sp. 1924.
  5. Marcellinus Comes, Chronik, p. 105 ed. Mommsen.
  6. San Ceteo (Peregrinus) di Amiterno, in der Enciclopedia dei Santi
  7. a b c d e G. F. Schreiner: Pescara 1), in: Johann Samuel Ersch, Johann Gottfried Gruber: (Hrsg.): Allgemeine Encyclopädie der Wissenschaften und Künste, 3. Sektion, 18. Teil (1843), S. 257.
  8. a b c Pescara in der Enciclopedia Treccani.
  9. Oscar Criste: Wallis, Georg Olivier Graf von. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 40, Duncker & Humblot, Leipzig 1896, S. 749–751 (hier: 749).
  10. Pescara, in: Heinrich August Pierer: Universal-Lexikon der Gegenwart und Vergangenheit, 4. Auflage, 1857-65, Bd. 12, S. 887.