İlham Əliyev

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İlham Əliyev (2010)

İlham Heydər oğlu Əliyev (auch Ilham Aliyev; * 24. Dezember 1961 in Baku, Aserbaidschanische SSR) ist ein aserbaidschanischer Politiker. Er ist amtierender Präsident Aserbaidschans.

Leben[Bearbeiten]

Nach seinem Schulabschluss studierte Əliyev von 1977 bis 1982 am Staatlichen Moskauer Institut für Internationale Beziehungen und nahm dort anschließend an einem Graduierten-Studium teil. 1985 schloss er seine Studien mit dem Grad eines Magisters in Geschichte und Internationalen Beziehungen ab. Von 1985 bis 1990 lehrte er an diesem Institut. Von 1991 bis 1994 war er in Moskau und Istanbul in Wirtschaftsgeschäften tätig.

Seit Mai 1994 ist Əliyev Erster Vizepräsident der Staatlichen Ölgesellschaft der Aserbaidschanischen Republik (SOCAR). Seit 1995 ist er Parlamentsabgeordneter der Republik Aserbaidschan. Im Dezember 1999 wurde er zum Stellvertretenden Vorsitzenden und 2001 zum Ersten Stellvertretenden Vorsitzenden der Partei Neues Aserbaidschan gewählt.

Seit 1997 ist er zudem Präsident des Nationalen Olympischen Komitees Aserbaidschans. Für seine Verdienste um den Ringersport wurde er im September 2007 in die FILA International Wrestling Hall of Fame aufgenommen.[1]

Im Januar 2003 wurde Əliyev zum Vizepräsidenten der Parlamentarischen Versammlung des Europarats gewählt. Am 4. August 2003 wurde er zum Premierminister Aserbaidschans ernannt. In den Wahlen vom 15. Oktober 2003 wurde er, als Nachfolger seines Vaters Heydər Əliyev, zum Präsidenten Aserbaidschans gewählt. Die Wahl wurde von der OSZE und weiteren Organisationen nicht als frei und fair bezeichnet.

Əliyev wurde im Oktober 2008 im Amt bestätigt. In den von mehreren Oppositionsparteien boykottierten Präsidentschaftswahl errang Əliyev 87.3% der Stimmen. Die OSZE bezeichnete die Wahl als Fortschritt gegenüber den vorigen Wahlen, sie entspräche aber weiterhin nicht den internationalen Standards.[2] Eine Verfassungsänderung im Jahr 2009 ermöglichte Əliyev, am 9. Oktober 2013 erneut zur Wiederwahl anzutreten. Hochrechnungen zufolge gewann er die Präsidentschaftswahl mit 84.6 % der Stimmen. Die Opposition sprach von Wahlbetrug, die OSZE berichtete von der Verletzung grundlegender Freiheiten bei der Wahl.[3]

İlham Əliyev spricht neben Aserbaidschanisch auch Englisch, Französisch, Türkisch und Russisch. Er ist verheiratet mit der Parlamentsabgeordneten und UNESCO-Sonderbotschafterin Mehriban Arif qızı Əliyeva (* 1964 als Mehriban Arif qızı Paşayeva), hat zwei Töchter – darunter die Autorin und Aktivistin Leyla Əliyeva – und einen Sohn.

Korruption[Bearbeiten]

Im Dezember 2012 ernannte das „Organized Crime and Corruption Reporting Project“ (OCCRP) Ilham Əliyev zum „korruptesten Mann des Jahres“. Es war der bis dato erste jemals verliehene Titel dieser Art.[4][5]

Əliyev wurde auf Grund von Enthüllungen für diesen Titel ausgewählt, die erstmals gut dokumentiert aufzeigen, wie seine Familie große Anteile der lukrativsten Branchen Aserbaidschans übernommen hat, einschließlich der Banken, Telefongesellschaften, Mineral- sowie Bauindustrie, und dass diese Angebote oft im Zusammenhang mit der aserbaidschanischen Regierung standen. Weiterhin wurde bekannt, dass innerhalb von zwei Wochen im Jahre 2009 sein zu dieser Zeit 11-jähriger Sohn Besitzer von insgesamt neun Strandhäusern in Dubai mit einem Gesamtwert von 44 Millionen Dollar wurde.[6] In diplomatischen US-Depeschen wurde Ilham Əliyev mit einem „Mafia Gangsterboss“ verglichen und wird von vielen Analysten als Diktator bezeichnet.[4][7][8]

Dokumente des im April 2013 veröffentlichten Offshore-Leaks zeigen, dass Ilham Əliyevs Töchter seit 2008 drei Firmen auf den Britischen Jungferninseln besitzen.[9] Direktor aller drei Unternehmen ist der iranische Unternehmer Hassan Gozal, der Staatsaufträge erhalten hat.[9] Deshalb besteht im Falle der Firmen Korruptions-Verdacht.[9] Die Tochter Arzu Əliyeva besitzt das Unternehmen „Arbor Investment“ und ihre ältere Schwester Leyla Əliyeva die Firmen „LaBelleza Holdings Limited“ und „Harvard Management Limited“.[10][11]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. FILA Class of 2007, abgerufen am 21. Juli 2010 (englisch)
  2. Azerbaijan's presidential poll marked considerable progress, but did not meet all election commitments, Pressemitteilung der OSZE vom 16. Oktober 2008.
  3. Die Zeit: Opposition protestiert gegen Wiederwahl von Präsident Alijew, 10. Oktober 2013.
  4. a b OCCRP names Aliyev „Person of the Year“. OCCRP. 31. Dezember 2012. Abgerufen am 21. Januar 2013
  5. Azerbaijani President Aliyev Named Corruption's 'Person Of The Year'. Radio Free Europe. 2. Januar 2013. Abgerufen am 22. Januar 2013
  6. Pricey real estate deals in Dubai raise questions about Azerbaijan's president. The Washington Post. 5. März 2012. Abgerufen am 21. Januar 2013
  7. Azerbaijani President's Daughters Tied To Fast-Rising Telecoms Firm. Radio Free Europe. 27. Juni 2011. Abgerufen am 21. Januar 2013
  8. AZERBAIJAN: President Aliyev compared unfavorably to hot-headed mobster in WikiLeaks cable. Los Angeles Times. 3. Dezember 2010. Abgerufen am 22. Januar 2013
  9. a b c http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/steuerparadies-hollandes-wahlkampfmanager-investierte-in-steueroasen-1.1639789
  10. http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/laxe-gesetze-in-steueroasen-kriminelle-willkommen-1.1640081
  11. Offshore companies provide link between corporate mogul and Azerbaijan’s president. ICIJ. Abgerufen am 14. Mai 2013

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: İlham Əliyev – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien