Abitur

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Dieser Artikel behandelt den deutschen Schulabschluss; zum jüdischen Gelehrten und Dichter siehe Josef ibn Abitur.

Das Abitur (aus dem veralteten Abiturium; von neulat. abiturire, abgehen wollen)[1][2] bezeichnet den höchsten deutschen Schulabschluss. Mit ihm wird die Befähigung zum Studium an einer europäischen Hochschule (Universitäten und gleichgestellte Hochschulen, Fachhochschulen) nachgewiesen. Mit dem Zeugnis wird die allgemeine Hochschulreife (früher Reifeprüfung, Zeugnis der Reife) zuerkannt.

Im Unterschied dazu beschränkt das sogenannte Fachgebundene Abitur (mit dem „Zeugnis der fachgebundenen Hochschulreife”) den Hochschulzugang auf bestimmte, in der Regel fachgebundene, Hochschulstudiengänge.
Mit einem „Zeugnis der Fachhochschulreife“ – umgangssprachlich auch als „Fachabitur“ bezeichnet – wird die Befähigung für das Studium an einer Fachhochschule nachgewiesen.

Ein Hochschulzugang ist über verschiedene Schul- und Studienformen (→ Sekundarstufe II) und seit dem ersten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts durch die Gleichstellung inländischer beruflicher Qualifikation und die Feststellung der Gleichwertigkeit ausländischer Berufsqualifikationen[3] erreichbar.

In Österreich und der Deutschschweiz sowie in einer Vielzahl anderer Länder spricht man statt von „Abitur“ von Matura (von lat. examina matura, ‚Reifeprüfungen‘; zu lat. maturitas, ‚Reife‘). In Teilen der Deutschschweiz wird auch die Kurzform Matur verwendet.

Geschichte[Bearbeiten]

Im 18. Jahrhundert bestimmten die Universitäten noch alleine über die Aufnahme von Studenten. Als erster deutscher Staat regelte Preußen die Hochschulzugangsberechtigung mit dem Abiturreglement von 1788, die der Kultusminister Karl Abraham von Zedlitz gegen kirchlichen Widerstand durchsetzte. Dieses Reglement geht auf Carl Ludwig Bauer zurück, der am Lyceum Hirschfeld 1776 zum ersten Mal ein besonderes Examen einführte, mit dem Schulabgänger auf ihre Hochschulreife geprüft wurden.[4] Auch Johann Heinrich Ludwig Meierotto wirkte zu dieser Zeit als Rektor des Joachimsthalschen Gymnasiums Berlin in dieselbe Richtung.

Wilhelm von Humboldt und Johann Wilhelm Süvern versuchten die Vereinheitlichung einer verbindlichen Reifeprüfung durch die Direktive von 1812 mit Prüfungen in beiden alten Sprachen, also Latein und Griechisch, ferner in Deutsch, Mathematik, den „historischen Fächern“ sowie Französisch und Naturlehre, die in Preußen aber noch bis 1834 durch Eingangsprüfungen der Universitäten umgangen werden konnte. Diese Möglichkeit nutzten vor allem Heranwachsende aus vermögenden Kreisen. Am 25. Juni 1834 genehmigte dann der preußische König Friedrich Wilhelm III. mit allerhöchster Kabinettsorder ein Reglement für die Prüfung der zu den Universitäten übergehenden Schüler. Danach musste sich „jeder Schüler – vor seinem Abgange zur Universität, er mag eine inländische oder auswärtige Universität besuchen wollen, einer Maturitätsprüfung unterwerfen“. Zweck dieser Prüfung war, „auszumitteln, ob der Abiturient den Grad der Schulbildung erlangt hat, welcher erforderlich ist, um sich mit Nutzen und Erfolg dem Studium eines besonderen wissenschaftlichen Faches widmen zu können.“[5]

1896 konnten erstmals sechs Frauen in Preußen am Luisengymnasium Berlin ihr Abitur machen.

Seit 2005 findet an deutschen Auslandsschulen die sogenannte Deutsche Internationale Abiturprüfung Anwendung.

Wege zum Abitur[Bearbeiten]

Allgemeinbildende Schulen[Bearbeiten]

Gymnasien und Gesamtschulen mit gymnasialer Oberstufe bereiten in Deutschland mit ihrer zwei- bis dreijährigen Oberstufe auf das Abitur vor. Die gesamte Schulzeit bis zum Abitur beträgt 12 oder 13 Jahre: Primarstufe Klassen 1–4, Sekundarstufe I Klassen 5–10 (beim Abitur nach zwölf Jahren (G8) teilweise auch: Klassen 5–9) und Sekundarstufe II Jahrgangsstufen 11–13 (G8: Jahrgangsstufen 10–12 oder 11–12). Wenn die Schulzeit bis zum Abitur auf zwölf Jahre verkürzt wird, gilt in vielen Bundesländern die 10. Klasse zugleich als erstes Jahr der gymnasialen Oberstufe.

Berufliche Gymnasien und Berufskollegs[Bearbeiten]

Das allgemeine Abitur wird auch an Beruflichen Gymnasien bzw. Berufskollegs mit gymnasialer Oberstufe (Höhere Berufsfachschule) erworben. Dies sind zum Beispiel das Wirtschaftsgymnasium (WG), Technische Gymnasium (TG), Ernährungswissenschaftliche Gymnasium (EG), Sozialpädagogische Gymnasium (SG), Agrarwissenschaftliche Gymnasium (AG) oder auch das Biotechnologische Gymnasium (BTG). In manchen Ländern werden sie auch Fachgymnasium genannt, weil ein berufliches Fach verbindlich ist. Die Jahrgangsstufe 13 der Fachoberschule oder die Berufsoberschule führen ebenfalls zur allgemeinen Hochschulreife. Neben der allgemeinen Hochschulreife erwerben die Abiturienten zusätzlich eine berufliche Vertiefung.

Zweiter Bildungsweg[Bearbeiten]

Staatliche und private Schulen bieten Lehrgänge des sogenannten Zweiten Bildungsweges an, die über sämtliche Schulabschlüsse bis zum Abitur führen.

In Baden-Württemberg sowie in den meisten anderen Bundesländern können Erwachsene mit einem mittleren Bildungsabschluss und einer abgeschlossenen Berufsausbildung an den Berufsoberschulen ihr Abitur machen.

Das Abitur kann für Erwachsene mit einer abgeschlossenen Berufsausbildung oder gleichgesetzten Tätigkeiten und Zeiten auch an Abendgymnasien und Kollegschulen, in einigen Regionen auch an Volkshochschulen erworben werden.

Einige dieser Schulen bieten das sogenannte „Abitur online“ an. Hierbei besucht der Schüler nur an zwei Abenden die Schule und wird an den übrigen per Internet (online) unterrichtet. Tagsüber übt er weiterhin seinen Beruf aus.

Privatschulen[Bearbeiten]

Unter den Privatschulen sind die staatlich anerkannten Ersatzschulen von den staatlich nur zugelassenen Ergänzungsschulen zu unterscheiden. Die meisten Privatschulen, besonders die zahlreichen kirchlichen und die Waldorfschulen, sind staatlich anerkannt, sodass es möglich ist, die Hochschulreife regulär im Rahmen interner Prüfungen zu erlangen, die allerdings von der Schulaufsicht des jeweiligen Landes wie an staatlichen Schulen kontrolliert werden.

Andere nur staatlich zugelassene private Schulen mit einem Oberstufenzweig bereiten – tagsüber oder am Abend – auf das Abitur vor, das allerdings erst nach einer externen staatlichen Prüfung (Nichtschülerabiturprüfung, Schulfremdenreifeprüfung oder auch Schulfremdenprüfung) zuerkannt wird.

Weiterhin ist es möglich, sich nach selbst organisierter Vorbereitung für eine Nichtschülerprüfung anzumelden, um das Zeugnis der allgemeinen Hochschulreife zu erwerben (siehe unten).

Waldorfschulen führen in zwölf Schuljahren zu einem eigenen Abschluss, dem Waldorfschulabschluss, mit starkem Gewicht auf künstlerischen Fächern und sozialen Kompetenzen. Der Waldorfabschluss kann als gleichwertig mit einem staatlichen Hauptschul- oder Realschulabschluss anerkannt werden. Auf das Abitur bereiten die Waldorfschulen in einem zusätzlichen 13. Schuljahr vor, dieses wird dann dem staatlichen Abitur gleichgehend in acht Fächern unter Aufsicht einer Staatsschule abgelegt. Eine Ausnahme bildet Hessen, wo die Sekundarstufe II der Waldorfschulen meist als gymnasiale Oberstufe anerkannt ist. Das Prozedere unterscheidet sich damit nicht von staatlichen Schulen. Auf die Fachhochschulreife wird in der 12. Klasse vorbereitet, wobei dann der künstlerische Abschluss wegfällt. An einigen Waldorfschulen kann dies mit einem Abschluss in einem anerkannten Ausbildungsberuf verbunden werden. Dadurch kann man die Schule nach 14 Schuljahren mit Lehrberuf und Abitur verlassen.

Fernlehrgänge[Bearbeiten]

Auch Fernschulen (zum Beispiel ILS, SGD oder HAF) bereiten in etwa 30 bis 42 Monaten – je nach Vorkenntnissen – auf die staatliche Externenprüfung zum Abitur vor. Dieser Weg wird vor allem von Erwachsenen genutzt, die parallel zu ihrem Berufsalltag ihr Abitur nachholen möchten.

Hochschulabschluss[Bearbeiten]

Mit einem Hochschulabschluss (Bachelor, Diplom usw.) verbunden ist die allgemeine Hochschulreife, die Zugangsberechtigung für sämtliche Hochschulstudiengänge, wenn das Studium zuvor mit einem Zeugnis der fachgebundenen Hochschulreife oder der Fachhochschulreife aufgenommen wurde. Rechtsgrundlage hierfür sind die Hochschulgesetze der Länder (zum Beispiel § 10 Abs. 3 Berliner Hochschulgesetz, Art. 43 Abs. 3 S. 2 Bayerisches Hochschulgesetz).

Mit Bestehen der Vordiplomprüfung bzw. dem Erlangen von 90 ECTS an einer Hochschule wird in einigen Ländern Inhabern des Zeugnisses der Fachhochschulreife die fachgebundene Hochschulreife zuerkannt (vgl. Hessisches Hochschulgesetz § 63 Abs. 3 Satz 2). Je nach Land unterscheidet sich unter anderem die Zahl der mit ihr möglichen Studienfächer.

Nichtschülerprüfung[Bearbeiten]

Beim Abitur für Nichtschüler (auch: Begabtenabitur, Nichtschülerabitur, Fremdenprüfung oder außerschulisches Abitur) wird die allgemeine Hochschulreife durch eine Prüfung ohne vorangegangenen Besuch einer entsprechenden Schule erworben. Die Prüfungsvorbereitung erfolgt autodidaktisch oder mithilfe externer Anbieter, die Zulassung zur Prüfung durch das Kultusministerium des Landes, in dem die Prüfung abgelegt werden soll.

Abiturprüfung[Bearbeiten]

In den Abitur- oder Reifeprüfungen werden die in der Oberstufe erworbenen Kompetenzen in ausgewählten vier oder fünf Fächern geprüft. Die Prüfungsnoten fließen in die Durchschnittsnote des Reifezeugnisses mit ein.

Die Abiturprüfungen erfolgen schriftlich und mündlich, das Verfahren unterscheidet sich in Deutschland von Land zu Land deutlich.

In 15 von 16 Bundesländern wird in den schriftlichen Prüfungen ein sogenanntes Zentralabitur abgelegt, lediglich in Rheinland-Pfalz werden sie dezentral durchgeführt. Alle Abiturklausuren werden von einem Erst- und einem Zweitgutachter bewertet. Das Verfahren zur Festlegung der Note unterscheidet sich wieder von Bundesland zu Bundesland.

In welchen und wie vielen Fächern eine mündliche Prüfung abgelegt wird, ist ebenso unterschiedlich geregelt. Mindestens eine mündliche Prüfung ist obligatorisch. Möglich ist bisweilen auch eine Präsentation (z. B. in Hessen). In manchen Ländern können auf Wunsch des Schülers in einem oder mehreren Fächern zusätzliche mündliche Prüfungen stattfinden, wenn er bei schlechter schriftlicher Leistung auf eine Verbesserung hofft. In einigen Ländern sind auch Gruppenprüfungen von bis zu drei Schülern möglich, die Prüfungsdauer verdreifacht sich in diesem Fall. Die mündliche Prüfung wird von einer Prüfungskommission, bestehend aus mindestens drei Lehrkräften, abgenommen. In Privatschulen kann ein staatlicher Beauftragter den Vorsitz der Prüfung übernehmen oder der Prüfung beiwohnen.

Oft ist es möglich, eine Besondere Lernleistung, zum Beispiel die Teilnahme an einem Bundeswettbewerb oder eine Facharbeit, in die Abiturnote mit einzubringen. In manchen Bundesländern kann sie das vierte oder fünfte Prüfungsfach ersetzen.

Abiturientenzahlen und -quoten[Bearbeiten]

Im Jahr 2012 beendeten 498.408 Schulabsolventen in Deutschland die Schule mit der Fachhochschul- oder allgemeinen Hochschulreife.[6]

2007 erwarben 432.500 (2006: 412.800) Schüler in Deutschland die Hochschul- oder Fachhochschulreife (4,2 Prozent plus seit 2006).[7] Davon erreichten 302.200 Schüler die allgemeine Hochschulreife (= 69,9 Prozent), und zwar meist (258.900) an allgemeinbildenden Schulen. In Sachsen, Thüringen und Berlin war ein Rückgang der Abiturientenzahl zu verzeichnen.

2004/2005 erwarben erst 244.000 Abgänger allgemeinbildender Schulen die allgemeine Hochschulreife oder Fachhochschulreife (allgemeine Hochschulreife 24,1 Prozent; Fachabitur 1,3 Prozent; Realschulabschluss 41,6 Prozent; Hauptschulabschluss 24,8 Prozent; ohne Abschluss 8,2 Prozent).[8] Dazu müssen die etwa 155.000 Absolventen der beruflichen Schulen mit allgemeiner Hochschulreife oder Fachhochschulreife (89,3 Prozent) gerechnet werden.[9]

Der Anteil der Schüler, die in Deutschland eine allgemeine Hochschulzulassung erlangten („Abiturientenquote“), betrug 2005/2006 43,1 Prozent und lag im internationalen Vergleich damit unter dem Durchschnitt. Große Unterschiede gibt es zwischen den deutschen Ländern, ebenso zwischen Stadt und Land. Den geringsten Wert erreicht Mecklenburg-Vorpommern mit 32,2 Prozent, den höchsten Nordrhein-Westfalen mit 53,4 Prozent. Lehrerverbandsvertreter kritisieren den Druck zur Erhöhung der Quote, der wegen internationaler Vergleiche auf Eltern und damit auf Schülern lastet.[10]

In Deutschland korreliert der Schulabschluss des Kindes sehr stark mit dem seiner Eltern. Im Jahre 2010 hatten demnach 60 % der Gymnasiasten Eltern mit Abitur, aber nur 8 % Eltern mit Hauptschulabschluss.[11]

53,3 Prozent (2007) der Abiturienten sind weiblich.[12]

Die Abiturientenquote in Deutschland wird gemessen als Anteil der Hochschulzugangsberechtigten an den 18- bis 20-Jährigen, also den Abgängern aus den allgemeinen und beruflichen Schulen mit und ohne Abschluss.

Historisch ist ein langsames Anwachsen der Abiturientenzahl seit Anfang des 19. Jahrhunderts zu verzeichnen. Für 1820 wird ihre Zahl in Preußen mit 590 angegeben, für 1829 mit 1409. Die Zahl der deutschen Studenten stieg von 1815 bis 1830 von etwa 5000 auf über 16.000. Danach ging auch durch das Abiturreglement die Zahl wieder zurück, bevor sie in den 1850ern erneut anstieg. Die Abiturientenzahl lag damit dauerhaft vor dem Jahr 1900 unter ein Prozent des Altersjahrgangs.[13] Um 1900 schwankte sie zwischen ein und zwei Prozent, auch weil einige Mädchen dazukamen.[14] Ein Großteil der Gymnasiasten machte keinen Abiturabschluss.

Die deutsche Studentenzahl stieg von 1860 bis 1914 rasant von 11.901 auf 60.235.[15] Noch in den 1950er Jahren lag die Abiturientenquote in Deutschland bei unter 5 % eines Altersjahrgangs.[16] 1960 lag die Abiturientenquote in Deutschland bei 6,1 % des Altersjahrgangs, danach wurde im Zuge der Bildungsexpansion der Besuch von Gymnasien stark gefördert und die Abiturientenzahlen stiegen an. Noch Anfang der 1980er Jahre lag die Abiturientenquote in Deutschland aber bei unter 22 % des Altersjahrgangs.[17]

Unterschiede im Abitur in den Ländern[Bearbeiten]

Da die Bildung in Deutschland im Kompetenzbereich der Länder liegt, gibt es hier von Land zu Land Unterschiede im Abitur. Für alle verbindlich sind aber die von der Kultusministerkonferenz (KMK) vereinbarten „Einheitlichen Prüfungsanforderungen in der Abiturprüfung“ (EPA), die bundesweit für alle Fächer in der Abiturstufe dienen.[18]

Aus den unterschiedlichen Regelungen resultieren unterschiedliche Notendurchschnitte der Abiturprüfungen in den Ländern. So weisen die Länder Thüringen (2,30) und Baden-Württemberg (2,33) einen wesentlich besseren Notendurchschnitt auf als die Länder Berlin (2,71) oder Nordrhein-Westfalen (2,67). Der niedrigste Notendurchschnitt ergibt sich mit 2,72 in Niedersachsen (Stand 2005).[19]

Relativiert werden diese Unterschiede dadurch, dass der Anteil der Schüler an den einzelnen Schularten zwischen den Ländern stark variiert. So erwerben in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen mehr als ein Viertel der Schüler die Hochschulreife, in Bayern dagegen nur 19 Prozent.[20]

Zudem gewichten die Bundesländer die einzelnen Noten bei der Berechnung der Durchschnittsnote unterschiedlich. In einem von der tageszeitung veröffentlichten Fallbeispiel erhält ein Schüler - bei identischen Noten in allen Klausuren und Prüfungen - in Hamburg die Abitur-Durchschnittsnote 1,9, in Thüringen die Durchschnittsnote 2,3 und in Sachsen-Anhalt erhält er kein Abitur.[21]

Abitur-Bräuche[Bearbeiten]

Ein an Wikipedia angelehntes Abi-Thema

Das Abitur geht seit Jahrzehnten einher mit diversen Bräuchen, die zum Teil regional unterschiedlich stark ausgeprägt sind. Oft erfolgt etwa die Übergabe der Zeugnisse im Rahmen einer festlichen Abiturfeier. Immer häufiger nehmen die Abiturienten an einer gemeinsamen Abireise teil, ähnlich der amerikanischen Spring Break. Nach außen hin zeigen die Abiturienten anhand eines Abishirts, dass sie ihr Abitur bestanden haben.

Abistreich[Bearbeiten]

Abiturienten veranstalten oft einen Abistreich, in Norddeutschland als Nulltagefeier bekannt, bei dem sie die Schule für einen Schultag „erobern“ dürfen und in Absprache mit dem Lehrerkollegium Lehrer-Schüler-Spiele oder sonstige Unterhaltung für die anderen Schüler durchführen. Seit den achtziger Jahren entwickeln viele Schüler der Abitur-Jahrgangsstufen sogenannte „Abi-Logos“, die oftmals auf selbst kreierten Slogans mit Abiturbezug basieren. Die Dokumentation dieser Bräuche kann zudem – neben einer Rückbetrachtung der gewöhnlichen Schulzeit – Teil der Abiturzeitung sein. An einigen Schulen „verewigen“ sich die Schüler mit der Gestaltung einer Wand.

Vorfinanzierungspartys[Bearbeiten]

Um Abiball und andere mit dem Abschluss verbundene Events oder die Abizeitung finanzieren zu können, werden teilweise Partys veranstaltet. Diese werden zum Teil Vorfinanzierungspartys oder Stufenpartys genannt.

Abiball[Bearbeiten]

Aus Anlass des Abiturs werden auch Abibälle veranstaltet, oft finden diese am Sonnabend nach der Zeugnisvergabe statt. In der Regel organisieren die Abiturienten den Ball und laden ihre Eltern und Lehrer ein.

Abifahrt oder Abireise[Bearbeiten]

Nach den Abiturprüfungen fahren die Abiturienten teilweise gemeinsam in den Urlaub. Ziel ist oft eine günstige Partymetropole. Aufgrund des lukrativen Marktes gibt es spezialisierte Reiseagenturen, die mit zahlreichen Zusatzleistungen und niedrigen Preisen werben.[22]

Literatur[Bearbeiten]

  • Rainer Bölling: Kleine Geschichte des Abiturs, Schöningh, Paderborn / München / Wien / Zürich 2010. ISBN 978-3-506-76904-6.
  • Andrä Wolter: Das Abitur. Eine bildungssoziologische Untersuchung zur Entstehung und Funktion der Reifeprüfung. In: Schriftenreihe der Universität Oldenburg, Holzberg, Oldenburg 1987. ISBN 3-87358-286-4 (Zugleich Dissertation an der Universität Oldenburg 1986).
  • Kai S. Cortina, Arbeitsgruppe Bildungsbericht am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung (Hrsg.): Das Bildungswesen in der Bundesrepublik Deutschland: Strukturen und Entwicklungen im Überblick [der neue Bericht des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung]. Strukturen und Entwicklungen im Überblick. Originalausgabe, vollständig überarbeitete Neuausgabe. Rowohlt-Taschenbuch (rororo-Sachbuch 62339), Reinbek bei Hamburg 2008, ISBN 978-3-499-62339-4.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Wikiquote: Abitur – Zitate
 Wiktionary: Abitur – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Commons: Abitur – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Duden – Das große Wörterbuch der deutschen Sprache: etymologische Angaben zu den Stichwörtern „Abitur“ und „Abiturient“.
  2. Friedrich Kluge: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache 22. Aufl. Walter de Gryter, Berlin 1989, Lemma Abitur: Reifeprüfung, Abgangsexamen, also eigentlich: "Prüfung für den, der (von der Schule) abgehen will".
  3. Gesetz über die Feststellung der Gleichwertigkeit von Berufsqualifikationen (Berufsqualifikationsfeststellungsgesetz - BQFG)
  4. Adolf Schimmelpfennig: Bauer, M. Karl Ludwig. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 2, Duncker & Humblot, Leipzig 1875, S. 145 f.
  5. Vgl. zum Beispiel Amtsbl. d. Königl. Preuß. Regierung zu Arnsberg 1834, (S. 284–304).
  6. Der Aufstieg der Hochschulreife Abgerufen am 14. Juni 2013.
  7. Statistisches Bundesamt, Wiesbaden, Pressemitteilung vom 20. März 2008; Ausnahmewert wegen Abitur in zwei Jahrgängen in Sachsen-Anhalt
  8. Statistisches Bundesamt, Wiesbaden
  9. Statistisches Bundesamt, Wiesbaden
  10. „Wir erziehen eine unmündige Generation.“, Interview mit Josef Kraus, faz.net vom 12. Mai 2012, abgerufen am 12. Mai 2012
  11. Statistisches Bundesamt, Wiesbaden
  12. Statistisches Bundesamt, Wiesbaden, Pressemitteilung vom 20. März 2008
  13. Franzjörg Baumgart, Zwischen Reform und Reaktion. Preußische Schulpolitik 1805–1859, Darmstadt 1990, S. 106
  14. Herwig Blankertz, Die Geschichte der Pädagogik, Wetzlar 1992, S. 197
  15. Konrad H. Jarausch, Deutsche Studenten 1800–1970, Frankfurt/M. 1984, S. 24 ff u. 72 ff
  16. Neue Jugend – neue Ausbildung (PDF-Datei; 116 kB), aufgerufen am 13. Mai 2011
  17. wohlstandsbilanz-deutschland.de, aufgerufen am 13. Mai 2011
  18. Vgl. www.kmk.org.
  19. Abiturnotenschnitt aller Länder im Vergleich (PDF; 31 kB)
  20. Verteilung der Schüler auf die Schularten (PDF-Datei; 183 kB)
  21. Abiturnoten: Koordination klappt nur beim Geschwafel taz.de vom 19. Juli 2013.
  22. Christoph Scheuermann: „Wir feiern nicht, wir eskalieren“, Spiegel-Online, am 13. Juli 2009