Alboin

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Das Reich der Langobarden (blau) um 572 n. Chr.

Alboin (* vor 526; † 28. Juni 572 oder 573 in Verona) entstammte wie sein Vorgänger Audoin der Familie der Gausen. Alboin war ein König der Langobarden und der Gründer des Langobardenreichs in Italien.

Leben[Bearbeiten]

Alboin folgte zwischen 560 und 565 seinem Vater Audoin auf den Thron.[1] Er schlug 567 an der Spitze der Langobarden, die damals als oströmische Verbündete an Drau und Donau siedelten, die Gepiden, deren König Kunimund er tötete. 568 drangen die Langobarden, nachdem sich Alboin mit den Awaren unter Khagan Baian verständigt hatte, in das von den Oströmern gerade erst befriedete Italien ein. Dabei handelte es sich nicht nur um einen Feldzug, sondern um die Verlegung nahezu der gesamten langobardischen Bevölkerung. Grund war angeblich ein Hilferuf des Narses, des oströmischen Statthalters Italiens; in Wirklichkeit wollte Alboin wohl vor dem awarischen Druck ausweichen. Mit Alboin zogen Teile zahlreiche anderer Völkerschaften, darunter auch Romanen, Gepiden und Sachsen, während Teile der Langobarden sich an dem Zug nicht beteiligten.

In kürzester Zeit eroberten die Langobarden den nördlichen und mittleren Teil des von den vorangegangenen Gotenkriegen Justinians verwüsteten Italiens, außer Rom, Ravenna und den Seestädten.[2] In Cividale del Friuli setzte Alboin seinen Neffen Gisulf I. als dux ein; 569 fiel Verona und die Langobarden stießen bis nach Trient vor; 569 fiel auch Mailand. Anfang 572 nahmen sie Pavia nach dreijähriger Belagerung ein. Die Stadt entwickelte sich im Laufe der Zeit zum wichtigsten Hauptort des Langobardenreiches. Insgesamt richteten die Langobarden erheblich schwerere Verwüstungen an als zuvor die Goten, die sich relativ schnell in die Strukturen des Römischen Reiches eingefügt hatten.

Alboin hatte noch vor seiner Thronbesteigung Chlodoswinth, eine Tochter des Frankenkönigs Chlothar I., geheiratet, die aber wohl bereits (vor) 567 gestorben war. Seine nächste Ehe schloss er mit Rosamunde, der Tochter des von ihm erschlagenen Gepidenkönigs Kunimunds. 572 (oder vielleicht erst 573) fiel Alboin einer Verschwörung Rosamundes zum Opfer und wurde ermordet, wobei die Quellen diese Tat legendenhaft ausschmücken.[3]

Wichtigste Quelle ist die (nicht immer zuverlässige) Historia Langobardorum des Paulus Diaconus. Nachfolger Alboins als König der Langobarden wurde Cleph. Unter ihm war die Königsherrschaft allerdings wesentlich schwächer. Die langobardischen Herzöge, insbesondere die von Friaul, Spoleto und Benevent regierten weitgehend unabhängig vom König. Die Aufteilung Italiens in den langobardischen Norden, die starken Herzogtümer der Mitte und den byzantinischen Süden, die sich während Alboins Herrschaft und kurz nach seinem Tod herausbildete, legte den Grundstein für die Aufteilung Italiens, die bis ins 19. Jahrhundert anhielt.

Rezeption[Bearbeiten]

Eine Gedenktafel für ihn fand Aufnahme in die Walhalla bei Regensburg.

1962 gab es in Italien eine Verfilmung von Carlo Campogalliani unter dem Titel Alboin, König der Langobarden (im Original Rosmunda e Alboino). Sie konzentriert sich auf die Auseinandersetzungen mit den Gepiden und stellt die Beziehung zu einer Königstochter in den Mittelpunkt. Als Schauspieler sieht man Jack Palance, Eleonora Rossi Drago, Guy Madison und Mirella d'Angelo.[4]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Zur Frühzeit siehe Menghin, Die Langobarden, S. 85ff.
  2. Menghin, Die Langobarden, S. 94ff.
  3. Menghin, Die Langobarden, S. 99ff.
  4. Alboin, König der Langobarden in der Internet Movie Database (englisch)
Vorgänger Amt Nachfolger
Audoin Herzog und König der Langobarden
560/568–572
Cleph