JFK – Tatort Dallas

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Filmdaten
Deutscher Titel JFK – Tatort Dallas
Originaltitel JFK
Produktionsland Vereinigte Staaten
Originalsprache Englisch
Erscheinungsjahr 1991
Länge Kinofassung: 189 Minuten
Director’s Cut: 206 Minuten
Altersfreigabe FSK 12
Stab
Regie Oliver Stone
Drehbuch Oliver Stone,
Zachary Sklar
Produktion A. Kitman Ho,
Oliver Stone
Musik John Williams
Kamera Robert Richardson
Schnitt Joe Hutshing,
Pietro Scalia
Besetzung

JFK – Tatort Dallas (Originaltitel JFK) ist ein US-amerikanisches Filmdrama aus dem Jahr 1991 des Regisseurs Oliver Stone. Erzählt wird der Versuch des Staatsanwalts Jim Garrison, gespielt von Kevin Costner, die genauen Umstände der Ermordung des US-Präsidenten John F. Kennedy im Jahr 1963 aufzudecken. Dabei stützt der Film sich auf das Buch von Garrison und dessen Theorie, nach der Lee Harvey Oswald kein Einzeltäter war, sondern nur das Rädchen einer weitverzweigten Verschwörung im Staatsapparat.

Handlung[Bearbeiten]

Der Zuschauer befindet sich im Jahr 1963 am Tag des Attentats auf John F. Kennedy. Zunächst folgt ein kurzer Rückblick auf die Jahre, bevor Kennedy Präsident wurde. Dann ist der „Zapruder-Film“ zu sehen, jener Film, der als einziger die Ermordung Kennedys aus einigen Schritten Entfernung zeigt. (Weitere Filme, die den Tod John F. Kennedys zeigen, wurden von Marie Muchmore und Orville Nix gemacht.) Als die Schüsse gefallen sind, wechselt der Handlungsort nach New Orleans, wo Jim Garrison (Kevin Costner) Bezirksstaatsanwalt ist. Zunächst werden sämtliche Kontakte Oswalds in New Orleans überprüft und schließlich wird die Untersuchung eingestellt.

Drei Jahre später, im Jahr 1966, rollt Garrison den Fall mit seinen Ermittlern wieder auf. Detailgenau geht Garrison zahlreichen Hinweisen nach, deren Aufklärung einerseits das Puzzle zu vervollständigen scheinen, andererseits etliche neue Fragen aufwerfen. Doch man bekommt ein wesentlich besseres Bild von dem, was damals geschehen ist, und warum. „Wer hat Kennedy getötet? Wer profitierte davon? Wer hat die Macht, ein solches Verbrechen zu decken? Wer?“; „Oswald, Ruby, Kuba, die Mafia, damit sind die Leute beschäftigt, und niemand kommt mehr auf die Idee, zu fragen wieso!“ Außerdem werden Unternehmen und ihre wirtschaftlichen Hintergründe in Frage gestellt und Bezüge zum Vietnamkrieg hergestellt. Entscheidend ist eine längere Sequenz bei der „Mr. X“ Garrison unter anderem Folgendes sagt:

„Wie sieht der Verteidigungsetat aus, seit dem der Krieg begonnen hat? 75 Milliarden Dollar (1966), demnächst werden es 100 Milliarden sein – bis der Krieg zu Ende ist, werden es fast 200 Milliarden sein; 1949 waren es 10 Milliarden. Gibt's keinen Krieg, gibt's kein Geld.
Das organisierende Prinzip einer jeden Gesellschaft, Mr. Garrison, heißt, man führt Krieg. Die Autorität eines Staates über seine Bürger liegt in seiner Macht, Krieg zu führen.“

Am Ende des Films führt Garrison einen Gerichtsprozess gegen Clay Shaw/Clay Bertrand (Tommy Lee Jones) mit der Anklage wegen Verschwörung zur Ermordung des Präsidenten. Er illustriert dabei, wie unwahrscheinlich der Weg der „Magischen Kugel“ war und zeigt der Öffentlichkeit erstmals den Film von Abraham Zapruder, der bis dato im TimeLife-Gebäude in New York lag. Man erfährt viele Details und Garrison stellt alles in einen sinnvollen Zusammenhang, abgeschlossen von einem allerdings weitschweifenden Plädoyer über politische Moral. Am Ende gelingt es ihm nicht, die Geschworenen von Shaws Schuld zu überzeugen und dieser wird freigesprochen.

Kritiken[Bearbeiten]

„28 Jahre nach dem Attentat an Präsident John F. Kennedy rührt Oliver Stone (‚Platoon‘) am kollektiven Gewissen einer Nation, die sich vom Schock der Ermordung nie mehr ganz erholt hat. In monatelanger Recherchearbeit trug er Beweise zusammen, um in einer dreistündigen Tour de Force seine Version der Ereignisse vorzulegen. Mit einem furiosen Feuerwerk an Schnitten und der Montage von authentischem und eigenem Filmmaterial (zwei Oscars waren der Lohn) sorgt Stone in diesem Politthriller par excellence für Hochspannung pur. Superstar Kevin Costner steht an der Spitze einer Besetzung, die ihresgleichen sucht. 2,9 Millionen Kinozuschauer ließen sich von der Bilderflut mitreißen.“

VideoWoche

„Der Film ist eine engagierte und involvierende Kombination aus Dokumentation und Dramatisierung, die Zweifel an den offiziellen Untersuchungsergebnissen und an der Integrität der damit beauftragten Staatsorgane erhärtet, selbst wenn man den Schlüssen, die er daraus ableitet, nicht immer folgen will. Auch für nichtamerikanische Zuschauer ein ebenso aufregender Film wie eine frustrierende historische Lektion.“

Lexikon des internationalen Films (CD-ROM-Ausgabe, Systhema, München 1997)

„[…] während der authentische Garrison bei Stone wie eine erfundene Figur erscheint, wirken die fiktiven, mit einem Kennedy-Double gedrehten Bilder des Attentats auf verstörende Weise „echt“: grobkörnige, unscharfe, sekundenkurze Scheindokumente, Wahrheitsfiktionen, die den Unterschied zwischen Realität und Inszenierung virtuos und skrupellos verwischen.“

Die Zeit[1]

„Oliver Stones Film ist ein Tier mit drei Köpfen. Da er auf das Gewicht echter Namen und beglaubigter Fakten nicht verzichten will, fehlt ihm die geschlossene Spannung, die spielerische, bösartige Brillanz von Verneuils Kennedy-Thriller "I wie Ikarus". Für ein Dokudrama andererseits ist die Beweislage nach wie vor dünn.“

Der Spiegel[2]

Die Filmbewertungsstelle Wiesbaden verlieh der Produktion das Prädikat besonders wertvoll.

Anekdoten[Bearbeiten]

  • Kritiker warfen dem Regisseur vor, durch Vermengung von geschichtlichen Fakten und fiktionalen Ereignissen zu polemisieren und den Zuschauer zu manipulieren. Stone veröffentlichte daraufhin eine Version des Drehbuches mit Quellenverweisen, um der Kritik zu begegnen.
  • Jim Garrison hat im Film einen Gast-Auftritt: Er spielt Earl Warren, der einst Vorsitzender der Warren-Kommission war, die zur Aufklärung des Attentates auf John F. Kennedy ins Leben gerufen wurde. In diesem Cameo-Auftritt zitiert er Earl Warren, dass es keinerlei Hinweise darauf gibt, dass das Ergebnis der Warren-Kommission widerlegt werden könnte und dass Oswald der alleinige Attentäter auf John F. Kennedy war - und "widerspricht" sich somit 24 Jahre später.

Filmmusik[Bearbeiten]

Wegen seiner umfangreichen Verpflichtungen für Steven Spielbergs Hook, der im gleichen Zeitraum wie JFK – Tatort Dallas entstand, konnte der Komponist John Williams aus Zeitgründen nicht wie üblich die Filmmusik für den gesamten Film komponieren. Stattdessen komponierte er sechs Musiksequenzen, bevor er überhaupt den Film in voller Länge gesehen hatte. Kurz nach der Einspielung und Aufnahme dieser Sequenzen reiste er an den Drehort New Orleans, wo der Regisseur Oliver Stone noch an der Fertigstellung des Films arbeitete. Williams sah sich dort ungefähr eine Stunde des bereits gedrehten Materials an, um einen ersten eigenen Eindruck von der Atmosphäre des Films zu gewinnen. Nachdem Williams zusätzlich zu den bereits zuvor eingespielten Sequenzen weitere Teile der Filmmusik komponiert und aufgenommen hatte, schnitten Stone und sein Team dann den Film tatsächlich so, dass er zu der Musik passte.[3]

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Academy Award[Bearbeiten]

1992 gewann der Film zwei Oscars.

Weitere Oscar-Nominierungen:

  • Bester Film
  • Beste Regie
  • Bestes adaptiertes Drehbuch
  • Bester Nebendarsteller (Tommy Lee Jones)
  • Beste Filmmusik
  • Bester Ton

Oliver Stone wurde in drei Kategorien gleichzeitig nominiert, gewann aber keine Auszeichnung.

Golden Globe Award[Bearbeiten]

Oliver Stone wurde für seine Einzelleistung als Regisseur mit dem Globe in der Kategorie Beste Regie ausgezeichnet.

Weitere Golden-Globe-Nominierungen :

  • Bester Film/Drama
  • Bester Hauptdarsteller/Drama (Kevin Costner)
  • Bestes Filmdrehbuch

Oliver Stone war, wie auch bei den Oscars, in drei Kategorien gleichzeitig nominiert.

Japanese Academy Award[Bearbeiten]

1993 gewann der Film den Japanese Academy Award als bester ausländischer Film. Nach Platoon war J.F.K. bereits der zweite Film von Oliver Stone, der diese Auszeichnung gewann.

British Academy Film Award[Bearbeiten]

Tommy Lee Jones wurde als bester Nebendarsteller nominiert.

Weitere[Bearbeiten]

Der Film wurde 1991 für drei Political Film Society Awards nominiert.

Literatur[Bearbeiten]

  • Jim Garrison: Wer erschoss John F. Kennedy? Auf der Spur der Mörder von Dallas. Das Buch zum Film (Originaltitel: On the trail of the assassins). Deutsch von Uwe Anton, bearbeitet von Heike Rosbach. Bastei-Verlag Lübbe, Bergisch Gladbach 1992, 411 S., ISBN 3-404-13412-5
  • Jim Marrs: Crossfire: The Plot That Killed Kennedy

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Andreas Kilb: Abrahams Wahrheit, in: Die Zeit vom 24. Januar 1992, online abgerufen am 12. November 2013
  2. Matthias Matussek: Die Spur der Königsmörder, in: Der Spiegel Nr. 51/1991, online abgerufen am 12. November 2013
  3. ‘Hook,’ ‘JFK’ are Latest Hits with the John Williams Touch (1992). In: The Boston Globe, 19. Januar 1992. Abgerufen am 14. Oktober 2013. (englischsprachiger Artikel)

Weblinks[Bearbeiten]