Wall Street (1987)

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Filmdaten
Deutscher Titel Wall Street
Originaltitel Wall Street
Produktionsland USA
Originalsprache Englisch
Erscheinungsjahr 1987
Länge 122 Minuten
Altersfreigabe FSK 12
Stab
Regie Oliver Stone
Drehbuch Stanley Weiser,
Oliver Stone
Produktion Edward R. Pressman
Musik Stewart Copeland
Kamera Robert Richardson
Schnitt Claire Simpson
Besetzung

Wall Street ist ein Kinofilm aus dem Jahr 1987, der von Oliver Stone produziert und inszeniert wurde.

Handlung[Bearbeiten]

Der Film spielt im Jahre 1985 in New York City. Der aus einfachen Verhältnissen stammende, aufstrebende Yuppie und Börsenmakler Bud Fox arbeitet bei dem Unternehmen Jackson Steinem & Co. Er verbringt den Arbeitstag damit, Kunden für Börsengeschäfte am Telefon zu akquirieren. Als einer der Kunden bei einem Deal kalte Füße bekommt, lässt ihn sein Chef die Verluste tragen. Im Privatleben hat der ständig überarbeitete Bud keine funktionierende Beziehung und bewohnt eine winzige Wohnung in Manhattan. Neben seiner Tätigkeit versucht er permanent einen Termin bei Gordon Gekko, einem bekannten „Corporate Raider“, zu bekommen. Mit sehr viel Hartnäckigkeit gelingt es ihm schließlich, fünf Minuten vorgelassen zu werden. Im Verlauf der ersten Begegnung versucht er Gekko zum Kauf bestimmter Aktien zu bewegen, was dieser jedoch ablehnt. Fox lässt sich schließlich dazu hinreißen, vertrauliche Informationen über die Fluggesellschaft „Bluestar“ weiterzugeben. Über diese verfügte er durch seinen Vater Carl, der als Monteur bei dem Unternehmen arbeitet und die Belegschaft der Firma gewerkschaftlich vertritt. Durch diese Informationen gelingt es Gekko, mittels des Kaufs von Bluestar-Aktien schnell viel Geld zu verdienen. Gekko belohnt ihn mit etwas Geld, einem weiteren Auftrag und einem Callgirl. Als der nächste Deal scheitert, sagt Gekko Bud, dass er keine Basis für eine Zusammenarbeit sehe. Bud bittet Gekko um eine zweite Chance und dieser bittet ihn, illegale Insiderinformationen zu sammeln.

Fortan kooperiert Fox mit dem Finanzhai und gerät dabei gleichsam in die Rolle seines Zöglings. Vor allen Dingen lernt Fox, dass der Schlüssel zum Erfolg an der Börse in der Beschaffung von Insiderinformationen und deren illegaler Verwendung liegt. So spioniert Fox unter anderem Larry Wildman aus, einen Konkurrenten Gekkos. Die Ergebnisse der Überwachung nutzt Gekko, um ein erhebliches Vermögen auf Kosten Wildmans zu machen. Dadurch zieht sich Gekko die Feindschaft Wildmans zu. Durch Gordon Gekkos Vermittlung lernt Fox die mit Gekko befreundete Innenarchitektin Darien Taylor kennen, in die er sich verliebt. Der neu erworbene Reichtum erlaubt es Bud Fox, eine luxuriöse Penthousewohnung in Manhattan zu erwerben, die von Darien Taylor eingerichtet wird, bevor beide dort zusammen einziehen. Fox setzt Roger Barnes, einen befreundeten Anwalt, als Strohmann für Aktienkäufe ein und steigt innerhalb seines Unternehmens auf. Die Geschäfte entwickeln sich blendend – bis Fox schließlich seinen „Mentor“ an einer Übernahme von „Bluestar Airlines“ in der Annahme zu interessieren sucht, Gordon Gekko folge seinem Plan, die wirtschaftlich angeschlagene Fluglinie zu sanieren. Durch die Kooperation mit Gekko kommt es zwischen Vater und Sohn Fox zum Zerwürfnis.

Das Geschehen wendet sich in dem Augenblick, da Bud Fox durch einen Zufall erfährt, dass Gekko „Bluestar Airlines“ aufgrund der durch Fox vermittelten Informationen aus reinem Gewinnstreben zu zerschlagen beabsichtigt. In einem Gespräch in Gekkos Büro stellt Fox Gekko zur Rede. Gekko erklärt Fox, dass es „nur um die Kohle gehe“ und dass er das Geldverdienen auf Kosten anderer als ein Spiel betrachte. Moralische Bedenken würden für ihn in keiner Weise existieren. Fox’ Vater erleidet einen Herzinfarkt. Am Krankenbett kommt es zur Versöhnung zwischen Bud und seinem Vater. Fox beschließt, Rache zu nehmen, und verbündet sich mit Larry Wildman, mit dessen Hilfe er es schafft, Gekkos Pläne zu vereiteln. Wildman erwirbt die Mehrheit an Bluestar und verspricht, das Unternehmen weiterzuführen und die Arbeitsplätze zu schonen. Gleichzeitig rächt er sich an Gekko, da dieser große Summen verliert. Dieser entdeckt erst zu spät, dass er von Fox überlistet wurde. Daraufhin wird Fox von Polizei und Börsenaufsicht wegen Insiderhandels festgenommen. Eine Schlüsselszene kurz vor Ende des Films zeigt eine letzte Begegnung zwischen Gekko und Fox auf einer Wiese im Central Park, bei der Gekko im Verlauf eines Wutausbruchs die Namen von Unternehmen nennt, die offenbar in früheren gemeinsamen Insider-Geschäften eine Rolle spielten. Gekko ist nicht nur aus wirtschaftlichen Gründen von Bud enttäuscht, da er auch väterliche Gefühle für ihn entwickelt hat. Gekko weiß jedoch nicht, dass Fox sich zur Kooperation mit den Behörden entschlossen hat und ein Aufnahmegerät am Körper trägt.

Der Film endet damit, dass Carl Fox seinen Sohn zum Gericht fährt. Bud Fox äußert, dass er damit rechnet, ins Gefängnis zu müssen. Der Vater rät ihm etwas zu schaffen, anstatt Illusionen hinterherzujagen. Er stellt ihm für die Zeit nach dem Gefängnis einen Job bei Bluestar in Aussicht. Die Schlussszene zeigt, wie Bud Fox das Gebäude des New York County Supreme Courts (Foley Square) betritt.

Hintergrund[Bearbeiten]

Vorbilder für Gordon Gekko waren die beiden Wallstreet-Millionäre Ivan Boesky und Carl Icahn. Ihre Machenschaften sind Thema in den Büchern „Mr. Diamond“ von Douglas Frantz und „Club der Diebe“ von James B. Stewart. Ivan Boesky hatte 1986 kurz vor seiner Verhaftung wegen Insidergeschäften bei einer Abschlussfeier der „Berkeley Business School“ eine Rede gehalten, die zum Vorbild von Gordon Gekkos „Gier ist gut“-Rede wurde. Wörtlich sagte Boesky unter Applaus und Lachen der Absolventen:[1] „Greed is all right, by the way. I want you to know that. I think greed is healthy. You can be greedy and still feel good about yourself.“ (Übrigens ist Gier in Ordnung. Ich will, dass ihr das wisst. Ich denke, Gier ist gesund. Man kann gierig sein und dennoch mit sich im Reinen.) Außerdem war Michael Robert Milken, der „Erfinder“ der Junk-Bonds, Vorbild. Oliver Stone dreht den Film 1987 und ließ ihn 1985 spielen, da 1985 und 1986 die Skandale um die Insiderinformationen ihren Höhepunkt erreichten[2]. Dies führte zum Anachronismus, dass sich die Protagonisten 1985 über die Challenger-Katastrophe unterhalten, die sich erst 1986 ereignete.

Kritiken[Bearbeiten]

Das Lexikon des internationalen Films schrieb, der Film warte mit schauspielerischen Glanzpunkten auf und thematisiere die moralische Verkommenheit skrupelloser Spekulanten an der New Yorker Börse.

Roger Ebert schrieb in der Chicago Sun-Times vom 11. Dezember 1987, der Film sei eine radikale Kritik der kapitalistischen Mentalität (Stone's „Wall Street“ is a radical critique of the capitalist trading mentality). Er kritisierte die Leinwandpräsenz von Charlie Sheen und schrieb, die Rolle von Bud Fox sollte mit einem Darsteller besetzt werden, der habgieriger (rapacious) wirken würde – wie James Spader.

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Für seine Darstellung der Figur des skrupellosen Corporate Raiders Gordon Gekko wurde Michael Douglas für die beste männliche Hauptrolle mit dem zweiten Oscar seiner Karriere ausgezeichnet; seinen ersten Oscar hatte er als Produzent von Einer flog über das Kuckucksnest erhalten.

Daryl Hannah hingegen bekam für diesen Film die Goldene Himbeere als schlechteste Nebendarstellerin. Regisseur Stone bedauerte später, die wichtige Rolle der Darien mit Hannah besetzt zu haben.

Oliver Stone widmete den Film seinem verstorbenen Vater, der an der Börse als Broker tätig war. Die Figur des eher besonnenen älteren Brokers Lou Mannheim hat er nach dem Vorbild seines Vaters gestaltet.

Fortsetzung[Bearbeiten]

Unter erneuter Regie von Oliver Stone begannen am 9. September 2009 die Dreharbeiten zur Fortsetzung Wall Street: Geld schläft nicht. Michael Douglas spielt erneut die Rolle des Gordon Gekko, weitere Rollen übernahmen Shia LaBeouf, Josh Brolin und Carey Mulligan. Charlie Sheen absolvierte einen Cameo-Auftritt. Der Film lief am 21. Oktober 2010 in Deutschland an und ist mittlerweile als DVD und Blu-Ray erhältlich.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. "True Greed", Newsweek vom 1. Dezember 1986, S. 48.
  2. Scott, Jay (December 4, 1987). "Stone Gets Down to Business on Wall Street". Globe and Mail.