Arthur Nebe

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Arthur Nebe (1942)

Arthur Nebe (* 13. November 1894 in Berlin; † vermutlich 3. März 1945 in Berlin-Plötzensee) war seit 1937 als Reichskriminaldirektor der Chef des Reichskriminalpolizeiamtes (RKPA) (Amt V des Reichssicherheitshauptamtes (RSHA)), zunächst im Rang eines SS-Sturmbannführers, seit 1941 als SS-Gruppenführer. In der Weimarer Republik verriet er Amtsgeheimnisse an die NSDAP und förderte so ihren Aufstieg.

Seine spätere Haltung zum NS-Regime war widersprüchlich: Einerseits war er als Kommandeur der SS-Einsatzgruppe B verantwortlich für zahlreiche Massaker an russischen Juden und anderen Zivilisten, erprobte die Massentötung durch Giftgas, beschaffte das Giftgas für die Tötung von Behinderten z. B. bei der Aktion T4, verfolgte den Hitlerattentäter Georg Elser, verantwortete die Deportation und Vernichtung von Sinti und Roma und Menschenversuche an KZ-Häftlingen. Gleichzeitig unterhielt er Kontakte zum deutschen Widerstand. Nach dem Attentat auf Adolf Hitler am 20. Juli 1944 wurde Nebe vom Volksgerichtshof zum Tode verurteilt und hingerichtet.

Lange Zeit war das von seinem Freund Hans Bernd Gisevius zuerst 1946 entworfene Bild von Nebe als Widerstandskämpfer das in der Öffentlichkeit dominante Bild. Die jüngere historische Forschung belegt dagegen die aktive Rolle Nebes bei Kriegs- und NS-Verbrechen.

Leben[Bearbeiten]

Der Sohn eines Volksschullehrers machte 1914 das Notabitur am Leibniz-Gymnasium in Berlin, nachdem er zuvor am Gymnasium zum Grauen Kloster durchs Abitur gefallen war und meldete sich als Freiwilliger zum Kriegsdienst.[1]

Während des Ersten Weltkrieges kämpfte er beim Pionier-Bataillon 17, wurde zweimal verwundet und am 30. März 1920 als Oberleutnant a. D. entlassen. 1918/19 gehört er zum Freikorps Grenzschutz Ost.[1] Er versucht erfolglos bei der Glühlampenfabrik Osram und der Freiwilligen Feuerwehr Berlin eine Stelle zu bekommen.[1] Am 1. April 1920 wurde er Kriminalkommissar-Anwärter bei der Polizeiverwaltung Berlin und studierte zudem einige Semester Medizin und Volkswirtschaft. In den Jahren 1920 bis 1923 organisierte er die „Deutschnationale Jugendgruppe Prenzlauer Berg“.

Er war seit 1924 mit Elise Schaeffer verheiratet und hatte eine Tochter, Gisela (* 1926).

Karriere in der Kriminalpolizei und SS[Bearbeiten]

Besuch der ungarischen Polizeiabordnung im Februar 1939, von links nach rechts: SS-Standartenführer Arthur Nebe, Boor und SS-Oberführer Werner Best (Foto aus der Sammlung Adolf von Bomhard)

Nebe bildete – nach eigener Aussage – zusammen mit anderen Polizeibeamten eine völkische Gruppe, die sich mit Propaganda gegen Juden und Freimaurer innerhalb der Polizeibeamtenschaft befasste und wurde Verbindungsmann der NSDAP zur Kriminalpolizei Berlin.[2] Am 1. Juli 1931 wurde Nebe Mitglied der NSDAP (Mitgliedsnr. 574.307) und der Sturmabteilung (SA). Außerdem wurde er zunächst förderndes Mitglied der SS.[2]

Den Grundstein für seine Karriere legte er, indem er im Frühjahr 1932 zusammen mit anderen höheren Kriminalbeamten die Fachschaft Kriminalpolizei innerhalb der NS-Beamtenarbeitsgemeinschaft organisierte und Dienstinterna des Polizeipräsidiums Berlin an den NSDAP-Abgeordneten im Preußischen Landtag Kurt Daluege weitergab.[3]

Nach der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten 1933 rekrutierte Hermann Göring den zum Kriminalrat aufgestiegenen Nebe zunächst für die Gestapo.

Während der Ermordung der SA-Führung Ende Juni/Anfang Juli 1934, in der NS-Propaganda als Röhm-Putsch bezeichnet, wurde Nebe laut Hans Bernd Gisevius als Görings Leibwächter befohlen und sicherte ihn mit Polizei ab.[4]

Mit Datum vom 1. Januar 1935 wird er mit der Leitung des preußischen Landeskriminalamtes (LKPA) beauftragt.[5]

Am 2. Dezember 1936 wechselte er mit dem Dienstgrad „Sturmbannführer“ von der SA zur SS (SS-Nr. 280.152) unter gleichzeitiger Ernennung zum „SS-Führer im SD-Hauptamt“. Im Juli 1937 wurde Arthur Nebe zum Leiter des späteren Amtes V des Reichssicherheitshauptamtes, das kriminalpolizeiliche Aufgaben wahrnahm. Als Reichskriminaldirektor war Nebe Chef der deutschen Kriminalpolizei.

Besprechung der Ermittlungsergebnisse über den Bombenanschlag im Bürgerbräukeller in München am 8. November 1939 durch Georg Elser, von links nach rechts: SS-Obersturmbannführer Franz Josef Huber, SS-Oberführer Arthur Nebe, Reichsführer-SS Heinrich Himmler, SS-Gruppenführer Reinhard Heydrich und SS-Oberführer Heinrich Müller

Nach dem Attentat auf Hitler im Bürgerbräukeller am 8. November 1939 leitete Nebe die Ermittlungen, die zur Identifizierung von Georg Elser als Attentäter führten.[6] Nach Aussage Adolf Würths beauftragte Nebe den Rassenhygieniker Robert Ritter von der Rassenhygienischen Forschungsstelle am Reichsgesundheitsamt, mit dem er ohnehin eng zusammenarbeitete, mit der Untersuchung der Frage, ob Elser „Zigeuner“ sei. Würth und Eva Justin kamen dabei zu einem negativen Ergebnis.[7]

Von 1938 bis 1944 war Nebe zudem Direktor der Internationalen kriminalpolizeilichen Kommission (IKPK) heute Interpol und von 1942 bis 1943 mit der Wahrnehmung der Geschäfte des Präsidenten der IKPK beauftragt.

Nebe war zusammen mit Gottlob Berger für die Rehabilitierung von Wilddieben der SS-Sondereinheit Dirlewanger zuständig.[8]

Kontakt zum Widerstand[Bearbeiten]

1938 unterstützte Nebe den Richter am Reichskriegsgericht und späteren Widerstandskämpfer Karl Sack in seinem Bestreben, Hitlers Versuche zum Sturz des der Homosexualität beschuldigten Chefs der Heeresleitung Werner von Fritsch zu verhindern. Von Hans Oster wurde Nebe in die Pläne zu einem Putsch gegen Hitler im September 1938 eingeweiht und unterstützte die Verschwörer mit wichtigen Informationen. Der Ausgang der Sudetenkrise verhinderte jedoch die Ausführung dieser Pläne.

Aus einem Treffen im Jahr 1941 von Nebe mit Henning von Tresckow in der überfallenen Sowjetunion machte Gisevius zusammen mit Fabian von Schlabrendorff, beide Ordonanzoffiziere von Tresckows, nach dem Zweiten Weltkrieg eine informelle Widerstandsgruppe. Den Grund für die tatsächliche Zusammenarbeit und das Treffen unterschlägt von Schlabrendorff in Offiziere gegen Hitler: Tresckow verhandelte mit dem SS-Brigadeführer Kurt Knoblauch[9] und Nebe über den Einsatz von SS-Brigaden zur Säuberung und Sicherung des rückwärtigen Frontgebietes.[10]

Beitrag zur Massentötung durch Giftgas in Gaswagen bzw. Gaskammern[Bearbeiten]

Viktor Brack von der Kanzlei des Führers (KdF) beauftragte Nebe in der Planungsphase der Aktion T4 mit der Entwicklung einer Methode zur Massentötung durch Giftgas. Nebe gab den Auftrag an Albert Widmann, der zum ihn unterstellten Kriminaltechnische Institut der Sicherheitspolizei (KTI) gehörte, weiter.

Widmann fragte zurück ob Menschen oder Tiere getötet werden sollten, Nebe antwortete: weder Menschen noch Tiere, sondern „Tiere in Menschengestalt“. Nebe sicherte zu, dass Widmann keine Verantwortung trage. Es folgte eine Besprechung in der KdF, bei der Brack, Hans Hefelmann, Richard von Hegener sowie Nebe und Widmann anwesend waren.[11]

Nachdem Heinrich Himmler am 15. August 1941 in Minsk an einer Massenexekution teilgenommen hatte, die Nebe – zu dieser Zeit Kommandeur der SS-Einsatzgruppe B – auf seine Bitte eigens für ihn organisiert hatte, verlangte er von Nebe die Suche nach geeigneteren Mordmethoden.[12] Nebe forderte über seinen Berliner Stellvertreter Paul Werner den Sprengstoffexperten Helmut Hoffmann und Widmann, der zuvor im Tierversuch die Tötung mit Giftgas erprobt und 1940 eine „Probevergasung“ im Zuchthaus Brandenburg begleitete hatte, von seiner Dienststelle an. Wohl Mitte September 1941 trafen die beiden bei Nebe ein, der ihnen sein Vorhaben darlegte, eine Gruppe russischer Geisteskranker in einem Bunker in die Luft sprengen zu lassen. In einem Wald in der Nähe von Minsk wurden 25 Insassen einer Minsker Anstalt in einen Holzunterstand gesperrt, an dem Sprengladungen angebracht wurden. Nachdem etwa die Hälfte der Opfer die erste Sprengung überlebt hatte, wurde eine zweite mit mehr Sprengstoff durchgeführt. Nebe verwarf daraufhin diese Art der Tötung als unwägbar. Die Gruppe fuhr weiter nach Mogilew, wo man den Laborraum einer Heilanstalt durch Zumauern der Fenster und Abdichten zu einer provisorischen Gaskammer umbaute. In den Raum wurden einige Anstaltsinsassen gesperrt und anschließend über Rohre die Abgase eines PKW eingeleitet. Als dies zunächst nicht die gewünschte Wirkung zeigte, wurde auf Anordnung Nebes über einen zweiten Schlauch zusätzlich der Auspuff eines LKW der Ordnungspolizei angeschlossen. Die Motoren liefen, bis man sicher war, dass die Opfer tot waren. Die Gruppe, zu der auch Karl Schulz und Hans Battista gehörten, kam zu dem Schluss, dass die Tötung durch Abgase vorzuziehen sei.[13] Nach Aussage Widmanns vor der Staatsanwaltschaft Düsseldorf hat Nebe den zweiten Schlauch selbst angeschlossen.[14]

Kommandeur der SS-Einsatzgruppe B[Bearbeiten]

Als Nebe vorübergehend eine SS-Einsatzgruppe führen sollte, wollte er angeblich seine Position als Chef des Reichskriminalpolizeiamtes aufgeben, um den Auftrag, den hohe SS-Führer wie er ausführen sollten, nicht annehmen zu müssen. Nach – heute umstrittenen – Angaben von Hans Bernd Gisevius bat jedoch Generaloberst Ludwig Beck Nebe, eine Einsatzgruppe zu führen, damit er als Chef des Reichskriminalpolizeiamtes weiterhin Informationen aus der SS-Führung an den Widerstand liefern könne. Beck: „Wir brauchen Sie; wir hoffen, Sie lassen uns nicht im Stich.“[15] So leitete Nebe ab Juni 1941, während der ersten Monate des Krieges gegen die Sowjetunion, die Einsatzgruppe B, die unter seinem Kommando in der Sowjetunion mehr als 45.000 Zivilisten, meist Juden, ermordete.

Am 22. Juli 1941 meldete Nebe: „In Minsk gibt es keine jüdische Intelligenz mehr“..[16] Im Oktober 1941 bat Nebe erfolgreich um seine Ablösung und Rückversetzung nach Berlin.

Erschießung von Gefangenen des Stalag Luft III[Bearbeiten]

Ende März 1944 gelang 87 britischen Soldaten und Offizieren die Flucht aus dem deutschen Gefangenenlager Stalag Luft III, alle außer drei wurden aber bald darauf wieder gefasst. Hitler gab den Geheimbefehl, 50 von ihnen exekutieren zu lassen. Nebe beteiligte sich an diesem Kriegsverbrechen, indem er durch seine Untergebenen die Selektion durchführen ließ. Ein Kommando der Gestapo erschoss dann in der Zeit von 6. bis 18. April 1944 die Selektierten angeblich „auf der Flucht“. Wegen dieses Vorfalls wurde von den Briten noch Monate nach dem Krieg nach Nebe gefahndet, da sie den Angaben nicht trauten, dass er Anfang März 1945 nach einem Urteil durch den Volksgerichtshof wegen Beteiligung am Umsturzversuch des 20. Juli 1944 hingerichtet worden war.[17]

Mitwirkung am Porajmos[Bearbeiten]

Am Porajmos wirkte Nebe mit. Unter seine Verantwortung fiel auch die Reichszentrale zur Bekämpfung des Zigeunerunwesens, die ab 1936 in mehreren Zwischenschritten Schritten zur Abteilung V A 2 b des RKPA wurde.[18]

1939 hatte Nebe eine Massendeportation der Berliner „Zigeuner“ zu erreichen versucht, er telegraphierte an Adolf Eichmann in Wien, „wann er die Berliner Zigeuner schicken kann“. Eichmann schlug vor: „Bezüglich Abtransport Zigeuner wird mitgeteilt, daß am Freitag, den 20.10.39, der 1. Judentransport von Wien abgeht. Diesem Transport können 3-4 Waggon Zigeuner angehängt werden.“[19][20]

Nebe machte 1944 den Vorschlag an „asozialen Zigeunermischlingen im Konzentrationslager Auschwitz“ Versuche zur Trinkbarmachung von Meerwasser durchzuführen. Diese Versuche wurden nach dem Krieg als Verbrechen beim Nürnberger Ärzteprozess verurteilt. Aus praktischen Gründen waren sie statt in Auschwitz im KZ Dachau durchgeführt worden.[21]

Weitere Förderung von Euthanasieverbrechen[Bearbeiten]

Im Januar 1943 ließ Nebe den öffentlich nie aufgeführten „KulturfilmDasein ohne Leben, der die Tötung von Kranken legitimiert vor hunderten von SS-Offizieren, die den Film begeistert aufnahmen, vorführen.[22]

Die für den Mord an Kranken erforderlichen Gifte wurden über das Nebe unterstellte KTI beschafft.

Verwicklung in den Umsturzversuch vom 20. Juli 1944[Bearbeiten]

Nebe stand in Kontakt mit dem deutschen Widerstand gegen Hitler und soll Hans von Dohnanyi und Hans Oster vor Verhaftungen durch die Gestapo gewarnt haben. Er soll dem Widerstand Informationen übermittelt haben über Geheimkonferenzen unter dem Vorsitz von Heinrich Himmler, bei denen die „Endlösung der Judenfrage“ diskutiert wurde.

Am 20. Juli 1944 stellte Nebe 15 Kriminalräte und Kriminalkommissare des Amtes V bereit, unter deren Leitung Truppen des Ersatzheeres während des Umsturzes wichtige Reichsminister festnehmen sollten. Zusammen mit Paul von Hase wartete Nebe auf den Befehl aus dem Bendlerblock zum Einsatz dieser Einheiten, der allerdings nie gegeben wurde. Durch Aussagen des nach dem Attentat verhafteten Leiters des „Amtes Mil“ wurde er belastet, am Umsturzversuch teilgenommen zu haben. Am 24. Juli 1944 tauchte er ab. Zur Irreführung täuschte er zwei Mal seinen Selbstmord vor und versteckte sich mit Hilfe von Hans Bernd Gisevius an verschiedenen Orten.[23][24] Seine Nachfolge in der Funktion des Reichskriminaldirektors trat am 15. August 1944 der SS-Obersturmbannführer und Oberregierungsrat Friedrich Panzinger an. Am 16. Januar 1945 verriet eine langjährige Geliebte in einem Verhör durch die Gestapo Nebe. Er wurde am selben Tag von einer Sonderkommission der Gestapo unter Willy Litzenberg verhaftet und durch den Volksgerichtshof am 2. März 1945 zum Tode verurteilt.

Nebes Todesdatum ist umstritten: Am wahrscheinlichsten ist der 3. März 1945, da diese Angabe aus einem Faksimile des offiziellen Hinrichtungsbescheids an Nebes Ehefrau hervorgeht.[25][26] Davon abweichend werden allerdings genannt der 2. März 1945,[27] der 4. März 1945,[28] der 21. März 1945[29] und der 23. März 1945.[30] Es ist wahrscheinlich, dass das Urteil im Gefängnis Plötzensee in Berlin durch den Strang vollstreckt wurde.

Deutungen[Bearbeiten]

Der im Widerstand gegen Hitler stehende Fabian von Schlabrendorff war im Generalstab der Heeresgruppe Mitte, in deren rückwärtigem Bereich die Einsatzgruppe B eingesetzt war. Schlabrendorff schrieb: „Als die Heeresgruppe Mitte in Smolensk vor Moskau festlag, war unser Blick auch auf unser Hinterland gelenkt. Es war gelungen, den SS-Terror auf ein Minimum herabzudrücken. Das war nicht unser Verdienst, sondern das Verdienst des SS-Gruppenführers Nebe.“[31]

Der Historiker Christian Gerlach spricht in diesem Zusammenhang von „Vernebelungen vor allem durch die Beteiligten am 20. Juli“ wie v. Schlabrendorff, v. Gersdorff und Gisevius. Die Version eines „widerstrebenden Nebes“ sei unter Historikern umstritten. Nebe trage die Verantwortung für 45.000 von der Einsatzgruppe B ermordete Juden, er sei an der Entwicklung von Gaswagen und Tötungsversuchen mit Sprengstoff beteiligt gewesen und bot 1944 „asoziale Zigeunermischlinge“ für medizinische Experimente an. Nach Gerlach war Nebe ein „gewissenloser Massenmörder“; seine vorzeitige Ablösung habe er nicht aus humanitären Bedenken erbeten. Auch nach seiner Rückkehr nach Berlin „entfaltete [Nebe] weiter verbrecherische Initiativen“, so zum Beispiel zur massenhaften Verschleppung von „Bandenfrauen und Bandenkindern“ oder zur Entwicklung von Giftmunition und Gas-Handgranaten zum Zweck der Partisanenbekämpfung.[32]

Michael Wildt weist darauf hin, dass die Informationen über Nebe in den Anfangsjahren des NS-Regimes überwiegend auf den Berichten von Gisevius fußen und diese nur „mit äußerster Vorsicht“ zu behandeln seien.[33] Fraglos sei Nebe ein Antisemit gewesen und habe einer „völkisch-rassenbiologischen Definition des Verbrechertums“ das Wort geredet.[34] Nebe habe „zwischen Ehrgeiz, Opportunismus und Unsicherheit“ laviert und seine Kontakte zum Widerstand gegen Hitler seien „viel zu vorsichtig, distanziert, absichernd“ gewesen, um ihn zum Kreis der Widerständler zählen zu können. Seine persönliche Beteiligung an den Verbrechen des Regimes sei indessen vielfach erwiesen.[35]

Gerald Reitlinger stellte bereits 1953 fest, die zugunsten Nebes getätigten Aussagen stünden in vollkommenem Widerspruch zu denen von dem Bach-Zelewskis. Reitlinger kommt zu dem Urteil, Nebes Rolle „als Held der Widerstandsbewegung könne nicht mehr als ein Versuch zu einem Alibi“ gewesen sein.[36]

Beförderungen[Bearbeiten]

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Franz von Schmidt: Mord im Zwielicht. Erlebte Kriminalgeschichte. Verlag Deutsche Volksbücher, Stuttgart 1961.
  • Alexander Harder: Kriminalzentrale Werderscher Markt: die Geschichte des deutschen „Scotland Yard“. Hestia, Bayreuth 1963.
  • Hans Bernd Gisevius: Wo ist Nebe? Erinnerungen an Hitlers Reichskriminaldirektor. Droemer, Zürich 1966.
  • Lutz Hachmeister: Der Gegnerforscher. Die Karriere des SS-Führers Franz Alfred Six. C. H. Beck Verlag, München 1998, ISBN 3-406-43507-6.
  • Ronald Rathert: Verbrechen und Verschwörung. Arthur Nebe, der Kripochef des Dritten Reiches. (Anpassung, Selbstbehauptung, Widerstand, Band 17). Lit-Verlag, Münster 2001, ISBN 3-8258-5353-5.
  • Niels Weise: Reichskriminaldirektor Arthur Nebe – Dissident und Opportunist. In: Matthias Stickler (Hrsg.): Portraits zur Geschichte des deutschen Widerstands. (Historische Studien der Universität Würzburg, Band 6). Verlag Marie Leidorf, Rahden/Westfalen 2005, ISBN 3-89646-838-3, S. 245–260.
  • Walter Kiess: Der Doppelspieler. Reichskriminaldirektor Arthur Nebe zwischen Kriegsverbrechen und Opposition. Gatzanis, Stuttgart 2011, ISBN 978-3-932855-17-7.[37]
  • Peter Black: Arthur Nebe – Nationalsozialist im Zwielicht. In: Ronald Smelser, Enrico Syring (Hrsg.): Die SS: Elite unter dem Totenkopf. Schöningh, Paderborn 2000, ISBN 3-506-78562-1.
  • Heinz BoberachNebe, Arthur. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 19, Duncker & Humblot, Berlin 1999, ISBN 3-428-00200-8, S. 12 f. (Digitalisat).

Fiktive Bezüge[Bearbeiten]

Film[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Arthur Nebe – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c Ronald Rathert: Verbrechen und Verschwörung. Arthur Nebe der Kripochef des Dritten Reiches. LIT Verlag, Münster 2001, ISBN 3-8258-5353-5, S. 21.
  2. a b Ronald Rathert: Verbrechen und Verschwörung. Arthur Nebe der Kripochef des Dritten Reiches. LIT Verlag, Münster 2001, S. 23.
  3. Ronald Rathert: Verbrechen und Verschwörung. Arthur Nebe der Kripochef des Dritten Reiches. LIT Verlag, Münster 2001, S. 23f.
  4. Ronald Rathert: Verbrechen und Verschwörung. Arthur Nebe der Kripochef des Dritten Reiches. LIT Verlag, Münster 2001, S. 46.
  5. Ronald Rathert: Verbrechen und Verschwörung. Arthur Nebe der Kripochef des Dritten Reiches. LIT Verlag, Münster 2001, S. 47.
  6. Ronald Rathert: Verbrechen und Verschwörung. Arthur Nebe der Kripochef des Dritten Reiches. LIT Verlag Münster 2001, S. 100–105.
  7. Benno Müller-Hill: Tödliche Wissenschaft. Reinbek 1988, S. 153. Interview mit Adolf Würth
  8. Hans Buchheim: Anatomie des SS-Staates. Bd. 1. München 1989, S. 304.
  9. richtiger Knobloch?
  10. Ronald Rathert: Verbrechen und Verschwörung. Arthur Nebe der Kripochef des Dritten Reiches. LIT Verlag, Münster 2001, S. 116f.
  11. Urteil des Landgericht Stuttgart gegen Widmann nach Ernst Klee: Euthanasie im NS-Staat. Frankfurt am Main 1991, S. 84f.
  12. Ronald Rathert: Verbrechen und Verschwörung. Arthur Nebe der Kripochef des Dritten Reiches. LIT Verlag, Münster 2001, S. 120f.
  13. Andrej Angrick: Besatzungspolitik und Massenmord. Die Einsatzgruppe D in der südlichen Sowjetunion 1941–1943. Hamburger Edition, Hamburg 1993, S. 368–372.
  14. Aussage Widmanns und weiterer Augenzeugen bei der Staatsanwaltschaft Düsseldorf AZ: 8 Js 7212/59 nach Eugen Kogon (Hrsg.): Nationalsozialistische Massentötungen durch Giftgas. Frankfurt am Main 1989, S. 81f.
  15. Hans Bernd Gisevius: Wo ist Nebe?: Erinnerungen an Hitlers Reichskriminaldirektor. Droemer, Zürich 1966, S. 239–242.
  16. Ernst Klee: Das Personenlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945. 2., aktualisierte Auflage. Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main 2005, ISBN 3-596-16048-0, S. 430.
  17. Ronald Rathert: Verbrechen und Verschwörung. Arthur Nebe der Kripochef des Dritten Reiches. LIT Verlag, Münster 2001, S. 135–137.
  18. Dieter Schenk: Die braunen Wurzeln des BKA. Frankfurt am Main, S. 49, S. 162, 204.
  19. Nach: Sybil Milton: Vorstufe zur Vernichtung. Die Zigeunerlager nach 1933. In: Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte. 43. Jahrg., 1. H. (Jan., 1995), S. 115–130, hier S. 127.
  20. Dieter Schenk: Die Braunen Wurzeln des BKA. Frankfurt am Main 2003, S. 161, Telegramme wiedergegeben in: Romani Rose: Bürgerrechte für Sinti und Roma. Heidelberg 1980, S. 16.
  21. Mitscherlich/Mielke 1949 63-81, Zitat S. 71.
  22. Karl Heinz Roth: Filmpropaganda für die Vernichtung der Geisteskranken und Behinderten im 'Dritten Reich'. In: Reform und Gewissen. Euthanasie im Dienst des Fortschritts. 2. Auflage. Berlin 1989, S. 125–196 hier S. 178.
  23. Das Spiel ist aus - Arthur Nebe. Glanz und Elend der deutschen Kriminalpolizei. In: Der Spiegel. Heft 16/1950, 20. April 1950. Der anonyme Autor des Spiegel Artikel ist laut: Ronald Rathert: Verbrechen und Verschwörung. Arthur Nebe der Kripochef des Dritten Reiches. LIT Verlag, Münster 2001. (Auszug online) Bernhard Wehner, ehemaliger Leiter der „Reichszentrale zur Ermittlung von Kapitalverbrechen“ im Amt V des RSHA.
  24. Nebe hüpfte von Pfütze zu Pfütze: Hans Bernd Gisevius über die Flucht des deutschen Kripo-Chefs im Juli 1944. In: Der Spiegel. Heft 13/1966, 21. März 1966.
  25. Ronald Rathert: Verbrechen und Verschwörung. Arthur Nebe der Kripochef des Dritten Reiches. LIT Verlag, Münster 2001, S. 186f.
  26. Michael Wildt: Die Generation des Unbedingten. Das Führungskorps des Reichssicherheitshauptamtes. Hamburger Edition, Hamburg 2002, ISBN 3-930908-75-1, S. 709.
  27. Gedenkstätte Plötzensee - Hinrichtungen nach dem 20. Juli 1944
  28. Ernst Klee: Das Personenlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945. Fischer Taschenbuch, Frankfurt am Main 2005, ISBN 3-596-16048-0, S. 430.
  29. Robert Harris in der „Nachbemerkung“ seines auch auf authentischen Quellen basierenden Romans „Vaterland“
  30. Biographie bei www.olokaustos.org
  31. Fabian von Schlabrendorff: Offiziere gegen Hitler. 3. Auflage. Fischer, Frankfurt am Main/ Hamburg 1961, S. 61.
  32. Christian Gerlach: Kalkulierte Morde. Die deutsche Wirtschafts- und Vernichtungspolitik in Weißrussland 1941 bis 1944. Studienausgabe. Hamburg 2000, ISBN 3-930908-63-8, S. 641f.
  33. Michael Wildt: Generation der Unbedingten. Das Führungskorps des Reichssicherheitshauptamtes. 2. Auflage. Hamburg 2008, ISBN 978-3-930908-87-5, S. 305–306 mit Anm. 74.
  34. Michael Wildt: Generation der Unbedingten. Das Führungskorps des Reichssicherheitshauptamtes. 2. Auflage. Hamburg 2008, ISBN 978-3-930908-87-5, S. 310 und S. 36.
  35. Michael Wildt: Generation der Unbedingten. Das Führungskorps des Reichssicherheitshauptamtes. 2. Auflage. Hamburg 2008, ISBN 978-3-930908-87-5, S. 301.
  36. Gerald Reitlinger: Die Endlösung - Ausrottung der Juden Europas 1939–1945. Kindler-Taschenbuch Nr.57-59, München 1964, S. 172.
  37. Kurzrezension: Unwürdig. Kriminalist Arthur Nebe. In: FAZ. 30. Januar 2012, S. 8.
  38. Siehe Fernsehserie Das Kriminalgericht, Folge 3/4