Erich von dem Bach-Zelewski

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Erich von dem Bach-Zelewski (1944)

Erich von dem Bach-Zelewski (* 1. März 1899 in Lauenburg in Pommern als Erich von Zelewski; seit 1925 „von dem Bach-Zelewski“; seit 1940 „von dem Bach“; † 8. März 1972 in München) war ein deutscher SS-Obergruppenführer und General der Waffen-SS und der Polizei. Er war als Höherer SS- und Polizeiführer Russland-Mitte und später als „Chef der Bandenkampfverbände“ maßgeblich an den Massenmordaktionen in der Sowjetunion beteiligt. Im August 1944 befehligte er die Niederschlagung des Warschauer Aufstandes. Wegen seines Befehls zur Ermordung des SS-Offziers Anton von Hohberg und Buchwald 1934 wurde er 1961 zu lebenslanger Haft verurteilt.

Leben[Bearbeiten]

Erich von dem Bach-Zelewski entstammte verarmten kaschubischem Landadel. Er war der Sohn des Versorgungsbeamten und Landwirts Otto Johannes von Zelewski (* 20. Mai 1859; † 17. April 1911 in Dortmund) und dessen Ehefrau Amalia Maria Eveline, geborene Schimanski (* 16. April 1862 in Thorn). Nach dem Tod seines Vaters wurde Bach-Zelewski als Pflegesohn vom Rittergutsbesitzer von Schickfuß in Trebnig aufgenommen. Er war Neffe von Emil von Zelewski, der als Kommandeur der Schutztruppe für Deutsch-Ostafrika 1891 im Kampf gegen die Hehe bei Iringa ums Leben kam. Laut Philip W. Blood soll diese Niederlage gegenüber einem als minderwertig betrachteten afrikanischen Gegner in der Familie als Schande empfunden worden sein und zusammen mit der slawischen Abstammung, die Bach-Zelewski später durch zweimalige Namensänderung zu überdecken suchte, ein Grund für sein späteres radikales Agieren als SS-Führer gewesen sein.

Nach dem Besuch des Gymnasiums meldete er sich im Dezember 1914 als Freiwilliger zur Armee im Ersten Weltkrieg; tatsächlich drängte ihn wohl sein Onkel Oscar, der nach dem Tod des Vaters die Vormundschaft für Bach-Zelewski übernahm, zum Kriegsdienst, dem er selbst ebenfalls beitrat. Bach-Zelewski erlangte einige Bekanntheit als damals jüngster Kriegsfreiwilliger im Heeresdienst. Für seine Einsätze im Ersten Weltkrieg erhielt er diverse Auszeichnungen, so das Eiserne Kreuz II. und I. Klasse sowie das Kreuz für Verdienste im Kriege. Für zwei Verwundungen wurde er mit dem Verwundetenabzeichen in Schwarz dekoriert. Weitere Auszeichnungen kamen später (insbesondere zwischen 1919 und 1923) hinzu. Bei Kriegsende 1918 war Bach-Zelewski zum Leutnant und Kompanieführer avanciert.

Nach 1918 schloss Bach-Zelewski sich zunächst verschiedenen Freikorps an, mit denen er überwiegend in Schlesien gegen polnische Milizen kämpfte. Er erhielt dafür den Schlesischen Adler 1. und 2. Stufe für Tätigkeiten im Grenzschutz Ost. Die Reichswehr musste er 1924 als Leutnant im 4. Infanterie-Regiment wegen „nationalsozialistischer Umtriebe“ verlassen. Danach verrichtete er Tagelöhnerarbeiten, bis er 1928 den elterlichen Hof erbte. 1930 wurde er Mitglied der NSDAP (Mitgliedsnr. 489.101). Am 15. Februar 1931 trat er hauptberuflich der SS (SS-Nr. 9.831) bei. 1932 wurde er Abgeordneter im Reichstag der sechsten Wahlperiode. In den Reichstag zog er erneut 1933 in der 8. Wahlperiode ein; dem fortan nationalsozialistischen Reichstag gehörte er bis Kriegsende an. 1934 war er bereits SS-Führer in Ostpreußen. In der Wehrmacht erhielt er noch 1937 die Beförderung zum Hauptmann. Im Juni 1938 wurde er Höherer SS- und Polizeiführer (HSSPF) im SS-Oberabschnitt Süd-Ost (Schlesien) wo er bereits SS-Abschnittsleiter Südost war.[1]

Zweiter Weltkrieg[Bearbeiten]

Bach-Zelewski bei Abnahme einer Parade der Ordnungspolizei auf dem Lenin-Platz in Minsk (ca. 1943), Aufnahme aus dem Bundesarchiv

Mit Beginn des Krieges gegen die Sowjetunion wurde von dem Bach-Zelewski von Himmler am 22. Juni 1941 zum Höheren SS- und Polizeiführer Russland-Mitte mit Sitz in Mahiljou ernannt. Auf diesem Posten organisierte er die Tätigkeit von Polizei und SS im rückwärtigen Bereich der Heeresgruppe Mitte (umfassend Weißrussland, Ostpolen und Teile der nördlichen Ukraine). Am 9. November 1941 wurde Bach-Zelewski zum SS-Obergruppenführer und General der Polizei befördert. Aufgrund einer Erkrankung, die eine Operation durch den Reichsarzt-SS Ernst-Robert Grawitz notwendig machte, musste er sich von Ende Januar bis Anfang Mai 1942 vertreten lassen. Nach Christopher Browning spielten dabei auch psychische Probleme bei der Verarbeitung von Erinnerungen an die von ihm selbst befohlenen Judenerschießungen eine Rolle.[2] die Im Oktober 1942 ernannte ihn Himmler, nachdem Hitler in seiner „Weisung Nr. 46 für die Kriegführung“ vom 18. August 1942 die Bekämpfung des „Bandenunwesens“ zur vordringlichen Aufgabe erklärt und deren Durchführung Himmler übertragen hatte, zum „Bevollmächtigten des Reichsführers-SS für die Bandenbekämpfung“. Aufgrund der damit verbundenen Ausweitung seines Aufgabenbereichs wurde er in der Folge als HSSPF Russland-Mitte zunächst von Georg-Henning von Bassewitz-Behr und anschließend Gerret Korsemann (bis zu dessen Strafversetzung in die Waffen-SS) vertreten. Unterstützung bei seinen Aufgaben unterhielt er unter anderem von SS-Brigadeführer Curt von Gottberg mit der berüchtigten „Kampfgruppe von Gottberg“.

Am 21. Juni 1943 wurde er unter erneuter Erweiterung seiner Kompetenzen zum „Chef der Bandenkampfverbände“ ernannt und so zum Organisator des Kampfes gegen Partisanen mit nomineller Zuständigkeit für alle „Bandenkampfgebiete“ in ganz Europa. Dabei machte er sich mit den ihm unterstellten Einsatzgruppen der Sicherheitspolizei und des SD sowie NSKK- und Schuma-Einheiten, Kosaken-Regimentern, Heeres- und Luftwaffeneinheiten des Völkermords an Juden sowie an zehntausenden russischen Zivilisten schuldig, die vielfach als „Bandenverdächtige“ liquidiert wurden. Weitere Zivilisten, darunter Frauen und Kinder, wurden als Zwangsarbeiter dem Apparat Sauckels übergeben. Ein übliches Vorgehen war, Dörfer in Listen zu erfassen, die als „bandenhörig“ galten oder mit der Zwangsablieferung landwirtschaftlicher Güter im Rückstand waren. Dann folgte die Durchkämmung: die Häuser wurden zerstört und die Einwohner zum großen Teil ermordet, es sei denn, sie wurden an Sauckels Zwangsarbeitssystem weitergereicht.

Am 5. August 1944 beauftragte ihn Hitler mit der Niederschlagung des Warschauer Aufstandes. Dabei wurden in 64 Tagen über 170.000 polnische Zivilisten getötet.

Im Oktober 1944 wurde er von Hitler nach Budapest gesandt, wo er die militärische Gesamtführung beim Sturz des Reichsverwesers Miklós Horthy im Unternehmen Panzerfaust innehatte, worauf eine Pfeilkreuzler-Regierung unter Ferenc Szalasi die Macht übernahm. Vor allem wirkte er an der Vernichtung der dort lebenden Juden mit.

Nach 1945[Bearbeiten]

Nach dem Krieg sagte er als Zeuge der Anklage in den Nürnberger Prozessen aus. 1951 wurde er von der Münchner Hauptspruchkammer zu zehn Jahren Arbeitslager und Vermögensentzug verurteilt. Er stand jedoch anschließend nur unter Hausarrest und wohnte zunächst in Laffenau, Franken. Ab 1954 lebte er in Eckersmühlen bei Roth und arbeitete in Nürnberg als Nachtwächter für 400 Mark monatlich, was etwas über dem damaligen Durchschnittsentgelt lag. Im Dezember 1958 wurde er in Eckersmühlen verhaftet und wegen eines 1934 erteilten Befehls zur Ermordung von Anton von Hohberg und Buchwald angeklagt. Der Prozess begann erst im Januar 1961 in Nürnberg. Wegen der Ermordung von Hohberg und Buchwald, während des so genannten "Röhm-Putsches" im Jahre 1934, wurde er zu lebenslanger Haft verurteilt. Für seine Rolle bei der Verfolgung und Ermordung von Juden wurde er nie zur Rechenschaft gezogen. Anfang März 1972 erhielt er schwerstkrank Haftverschonung; am 8. März 1972 – kurz nach seinem 73. Geburtstag – starb er im Gefängniskrankenhaus München-Harlaching.

Familie[Bearbeiten]

Bach-Zelewski hatte sich am 21. September 1921 mit Ruth Apfeld (* 22. August 1901 in Neisse) verheiratet. Aus der Ehe gingen sechs Kinder, drei Söhne und drei Töchter, hervor.

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Andrej Angrick: Erich von dem Bach-Zelewski - Himmlers Mann für alle Fälle. in: Ronald Smelser, Enrico Syring (Hrsg): Die SS: Elite unter dem Totenkopf. Schöningh, Paderborn 2000. ISBN 3-506-78562-1[3]
  • Philip W. Blood: Hitler's Bandit Hunters. The SS and the Nazi Occupation of Europe, Washington: Potomac Books, 2006, ISBN 1-59797-021-2
  • Heinz Höhne: Der Orden unter dem Totenkopf, Goldmann, München 1978, ISBN 3-442-11179-X
  • Helmut Krausnick / Hans-Heinrich Wilhelm: Die Truppe des Weltanschauungskrieges, Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart 1981, ISBN 3-421-01987-8
  • Michael Wildt: Generation des Unbedingten, Hamburger Edition, Hamburg 2003, ISBN 3-930908-87-5
  • Dermot Bradley (Hrsg.), Andreas Schulz, Günter Wegmann: Die Generale der Waffen-SS und der Polizei. Die militärischen Werdegänge der Generale, sowie der Ärzte, Veterinäre, Intendanten, Richter und Ministerialbeamten im Generalsrang. Band 1: Abraham–Gutenberger. Biblio Verlag. Bissendorf 2003. ISBN 3-7648-2373-9. S. 29–39.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Erich von dem Bach-Zelewski – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Horst Adler: Schweidnitz in den Jahren 1934–1939 Materialien zu einer Stadtgeschichte ....schwingt ab 14 Uhr die Sammelbüchse in Schweidnitz. (PDF; 387 kB), Seite 14, abgerufen am 28. Februar 2013
  2. Christopher R. Browning: Ganz normale Männer. Das Reserve-Polizeibataillon 101 und die „Endlösung“ in Polen. Übersetzt von Jürgen Peter Krause, Rowohlt, Reinbek 1993, S. 46.
  3. Diese Sammlung von SS-Biographien wurde in verschiedenen Zusammenstellungen, bei unterschiedlichen Verlagen (u. a. Wissenschaftliche Buchgesellschaft) und mit wechselnden Titeln wiederholt verlegt. Die sinnvollste Recherche erfolgt nach den Namen der beiden Hgg.
  4. dort falsche Schreibweise Zalewski