Athos

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Athos (Begriffsklärung) aufgeführt.
Αυτόνομη Μοναστική Πολιτεία
Άγιον Όρος
(gr.)
Aftonomi Monastiki Politia
Agion Oros
(gr.)
Autonome Mönchsrepublik Heiliger Berg
Autonome Mönchsrepublik Athos
Flagge Griechenlands Flagge der Mönchsrepublik Athos
(Details) (Details)
Amtssprache Koine und Kirchenslawisch als Sprachen im Gottesdienst sowie Griechisch, Russisch, Serbisch, Bulgarisch.
Hauptstadt Karyes
Staatsform Autonome Mönchsrepublik
Staatsoberhaupt Andonis Samaras und das Außenministerium Griechenlands in politischen Aspekten
und
Bartholomäus I. und das Ökumenische Patriarchat von Konstantinopel in religiösen Aspekten
Fläche 335,637 km²
Einwohnerzahl 2 262 Einwohner (2001[1])
Bevölkerungsdichte 6,73 Einwohner pro km²
Nationalfeiertag Orthodoxes Osterfest
Währung Euro
Zeitzone UTC+2
Nationalhymne Ymnos is tin Eleftherian
(„Ode an die Freiheit“)
Internet-TLD .gr
Vorwahl +30
Offizielle Webseite www.mountathos.gr
Lage der Mönchsrepublik Athos in Griechenland

Der Heilige Berg Athos (griechisch Άθως, Àthos; im Griechischen meist Άγιον Όρος, Ágion Óros, „Heiliger Berg“) ist eine orthodoxe Mönchsrepublik mit autonomem Status unter griechischer Souveränität in Griechenland. Er befindet sich auf dem gleichnamigen östlichen Finger der Halbinsel Chalkidikí in der Verwaltungsregion Zentralmakedonien in der Region Makedonien. Das Territorium umfasst rund 336 km² und zählt 2262 (mönchische) Einwohner, zuzüglich von Verwaltungsangestellten, Polizisten, Geschäftsbesitzern und einer saisonal wechselnden Zahl von zivilen Arbeitern. Im allgemeinen Sprachgebrauch steht der Begriff „(Berg) Athos“ entweder für die ganze Halbinsel Athos mit dem Mönchsstaat oder auch nur für den eigentlichen Berg an der Südost-Spitze der Halbinsel, der 2033 Meter hoch ist.

Geschichte[Bearbeiten]

Wenn auch gelegentlich der Beginn der Geschichte der Klöster und Mönchsrepubliken auf dem Athos bis weit in die frühchristliche Zeit zurückverfolgt wird, so lassen sich die ersten sicheren Hinweise auf mönchisches Leben auf dem Athos wohl erst zu Beginn des 9. Jahrhunderts, in byzantinischer Zeit, nachweisen.[2]

Die Geschichte der Athos-Klöster ist eng mit dem Streit um das rechte mönchische Leben verbunden, der in der Orthodoxie immer wieder – und eben auch auf dem Athos – heftig aufflammte: Der Hesychasmus-Streit zwischen Hesychasten und byzantinischen Humanisten. Der Wortführer der hesychastischen Seite war der Athos-Mönch Gregorios Palamas (1296/1297–1359), der die vollkommene innere Ruhe (griech. ἡσυχία, hēsychía) in eremitenhafter Einsamkeit durch ständiges Beten des Jesusgebets als Voraussetzung sah, um das Licht der Verklärung Jesu, das sog. „Taborlicht“ zu sehen. Seine Theologie verschaffte der hesychastischen Praxis ihre theoretische Begründung und Rechtfertigung. Palamas verteidigte den Hesychasmus gegen die Kritik Barlaams von Kalabrien, der im Sinne eines nominalistischen Humanismus Kritik an der mystischen Praxis und ihrer Begründung durch die Schriften von Gregorios Palamas übte. Auf mehreren Konzilien in Konstantinopel fiel im Zeitraum von 1341 bis 1351 die Entscheidung der byzantinischen Kirche, zunächst die Gegner des Hesychasmus zu verurteilen und dann die theoretische Begründung des Hesychasmus durch Gregorios Palamas („Palamismus“) zur verbindlichen Kirchenlehre zu erheben.[3]

Bemerkenswerterweise wiederholte sich 550 Jahre später, um die Wende zum 20. Jahrhundert, auf dem Berge Athos diese theologische Auseinandersetzung zwischen Realisten und Nominalisten, zwischen rationalistischen Theoretikern und den an der mystischen Praxis orientierten Theologen und ging als Streit um die Imjaslavie-Bewegung, die Verehrung des Namens Gottes, in die Geschichte des Athos und der Orthodoxie ein.

Weltkulturerbe[Bearbeiten]

Die 20 Großklöster der orthodoxen Mönchsrepublik sind Teil des UNESCO-Welterbes. Das erste Kloster, die Große Lavra, wurde 963 vom byzantinischen Mönch Athanasios Athonites gegründet. Bis zu diesem Zeitpunkt siedelten auf dem Athos bereits Mönche, die sich an den Vorbildern der asketischen Mönche im Alten Ägypten orientierten. Bald gründeten bulgarische, rumänische, russische, georgische und serbische Mönche weitere Großklöster auf dem Berg Athos. Es gab auch italienische Gemeinden, z.B. die der so genannten Amalfitaner (nach der Stadt Amalfi) südlich des Klosters Karakallou, welche jedoch im 12. Jh. aufgelassen wurden. Heute gibt es 20 Großklöster, davon sind 17 griechisch, eines serbisch (Kloster Chílandar), eines bulgarisch (Kloster Zografou) und eines russisch (Kloster Panteleímonos).

Neben den Klöstern gibt es auf dem Athos die Siedlungsform der Skiten (gr. σκήτες), die jeweils von ihrem Mutterkloster abhängen, somit keine eigenständigen Rechte in Regierung und Verwaltung der Mönchsrepublik besitzen. Skiten, rund um einen klösterlichen Zentralbau angelegt, der in Gebäuden und Funktionen den größeren Klöstern gleicht, sind dörfliche Siedlungen, deren Bauten in Kalívia (gr. καλύβια ‚Hütten‘), Wohnbauten für mehrere Mönche, und Kelliá (gr. κελλιά ‚Zellen‘), Hütten für einen Bewohner, unterschieden werden. Außerdem siedeln an den schwer zugänglichen Hängen des eigentlichen Berges Athos Mönche in Eremitagen (gr. ησυχαστήρια, Hesychasterien), zumeist Kleinstbauten und Höhlen.

Berühmt sind die Malerwerkstätten des Athos, deren große Tradition der Ikonenmalerei bis ins Hochmittelalter zurück reicht.

Karte der Klöster auf dem Berg Athos
Diamonitirion (Einreiseerlaubnis)

Siedlungen, Klöster, Skiten und ihre Bewohner[Bearbeiten]

Die folgende Statistik (Zensus 2001) zeigt, dass nach langem Niedergang in den letzten Jahren wieder verstärkter Zuzug auf den Heiligen Berg festzustellen ist. Darüber hinaus sind Umschichtungen zwischen Klöstern und Skiten erkennbar.

Klöster[Bearbeiten]


Kloster (geordnet nach Hierarchie) 1903 1959 1968 1978 1988 1992 2000
Kloster Megisti Lavra (Μονή Μεγίστης Λαύρας) 1187 459 406 348 309 345 362
Kloster Vatopedi (Μονή Βατοπεδίου) 966 129 83 60 55 75 142
Kloster Iviron (Μονή Ιβήρων) 456 101 68 52 53 61 78
Kloster Chilandar (Μονή Χιλανδαρίου) 385 63 55 69 45 50 75
Kloster Agiou Dionysiou (Μονή Αγίου Διονυσίου) 131 53 40 35 59 60 58
Kloster Koutloumousiou (Μονή Κουτλουμουσίου) 214 107 68 66 73 77 95
Kloster Pantokratoros (Μονή Παντοκράτορος) 548 118 84 63 57 50 70
Kloster Xiropotamou (Μονή Ξηροποτάμου) 106 43 36 22 38 34 40
Kloster Zografou (Μονή Ζωγράφου) 155 21 15 13 11 11 20
Kloster Dochiariou (Μονή Δοχειαρίου) 60 29 16 11 31 32 27
Kloster Karakallou (Μονή Καρακάλλου) 130 42 30 13 16 26 37
Kloster Filotheou (Μονή Φιλοθέου) 133 44 36 81 82 74 70
Kloster Símonos Petras (Μονή Σίμωνος Πέτρας) 108 27 18 61 78 78 73
Kloster Agiou Pavlou (Μονή Αγίου Παύλου) 250 115 111 87 85 85 104
Kloster Stavronikita (Μονή Σταυρονικήτα) 219 35 26 43 40 33 45
Kloster Xenofontos (Μονή Ξενοφώντος) 195 66 43 39 50 46 48
Kloster Osiou Grigoriou (Μονή Οσίου Γρηγορίου) 105 53 34 57 72 77 86
Kloster Esfigmenou (Μονή Εσφιγμένου) 91 46 25 41 40 56 101
Kloster Agiou Panteleimonos (Μονή Αγίου Παντελεήμονος) 1928 61 27 30 32 40 53
Kloster Konstamonitou (Μονή Κωνσταμονίτου) 65 29 17 16 26 27 26
Gesamtzahl 7432 1641 1238 1217 1255 1337 1610

Skiten und Siedlungen[Bearbeiten]

Berg Athos (Luftbild)
Skiti/Siedlung 2001
(gemeldet)
2001
(real)
1991
(gemeldet)
1991
(real)
Karyés (Καρυές, auch: Karies oder hochsprachlich Karyä, Καρυαί) 242 233 223 216
Vígla – Agios Nílos (Βίγλα – Άγιος Νείλος) 12 12 0 0
Vouleftiria (Βουλευτήρια) 11 11 0 0
Dafni (Δάφνη) 33 38 11 16
Karoúlia (Καρούλια) 4 4 0 0
Katounákia (Κατουνάκια) 36 36 0 0
Kapsála (Καψάλα) 19 19 0 0
Kerasiá – Agios Vasílios (Κερασιά – Άγιος Βασίλειος) 27 27 0 0
Metóchion Chourmítsa (Μετόχιον Χουρμίτσης) 10 12 9 11
Néa Skíti (auch: Skiti Theotokou) (Νέα Σκήτη) 44 48 0 0
Prováta-Morfonoú (Προβάτα-Μορφονού) 29 29 0 0
Skiti Agías Annis (Σκήτη Αγίας Άννης) 87 94 126 126
Skiti Agías Triádos (Σκήτη Αγίας Τριάδος) 40 40 29 29
Skiti Agíou Andréou Vatopedíou (Σκήτη Αγίου Ανδρέου Βατοπεδίου) 87 89 0 0
Skiti Agíou Dimitríou Vatopedíou (Σκήτη Αγίου Δημητρίου Βατοπεδίου) 16 16 0 0
Skiti Agíou Dimitríou (Σκήτη Αγίου Δημητρίου) 9 9 0 0
Skiti Agíou Panteleímonos (Σκήτη Αγίου Παντελεήμονος) 12 16 23 24
Skiti Evangelismós tis Theotókou (Σκήτη Ευαγγελισμός της Θεοτόκου) 9 10 14 26
Skiti Theotókou (Σκήτη Θεοτόκου) 1 1 35 35
Skiti Profítou Ilíou (Σκήτη Προφήτου Ηλíου) 0 0 2 2
Skiti Timíou Prodrómou Ivíron (Σκήτη Τιμίου Προδρόμου Ιβήρων) 7 7 6 6
Skiti Timíou Prodrómou Megístis Lávras (Σκήτη Τιμίου Προδρόμου Μεγίστης Λαύρας) 15 15 13 13

Lebensform[Bearbeiten]

Kloster Dochiariou
lili rere
Mönch mit Motorboot und Mobiltelefon... holt sich Proviant-Lieferung vom Ausflugsschiff (2002)

Waren die meisten Klöster früher idiorhythmisch organisiert, sind seit 1980 auch die letzten Klöster wieder zum koinobitischen Lebensstil zurückgekehrt, ebenso wie die klosterähnlichen Skiten (zum Beispiel Skíti Prophíti Ilíou, Skíti Agíou Andréou u. a.). Demgegenüber leben aber die Mönche in den dorfähnlichen Skiten (zum Beispiel Néa Skíti, Skíti Agías Annis u. a.) idiorhythmisch.

Die Klöster folgen weiterhin dem julianischen Kalender, der gegenüber dem ab 1582 in Westeuropa eingeführten gregorianischen Kalender mittlerweile um 13 Tage nachläuft. Die Stundeneinteilung orientiert sich ebenfalls am byzantinischen Vorbild: Der Tag beginnt also mit Sonnenuntergang (Null Uhr); allein das Kloster von Iviron zählt die Stunden ab Sonnenaufgang.

Pilgerreisen[Bearbeiten]

Eremitenbehausungen an der Steilküste
Grenze zu Athos bei Ouranoupolis

Auf dem Berg war die Fortbewegung lange Zeit nur zu Fuß oder per Maultier möglich. Im Jahr 1963 wurde zur 1000-Jahr-Feier die erste Schotterstraße zwischen Dafni, dem Hafen von Athos, den man per Schiffsverbindung von Ouranopolis aus erreicht, und der Hauptstadt Karyes gebaut. Inzwischen sind alle 20 Klöster des Athos an das Straßennetz angeschlossen und werden regelmäßig von Geländewagen oder Bussen angefahren. Einige Skiten im gebirgigen Südteil der Halbinsel sind nur über Maultierpfade oder per Schiff erreichbar. Die Halbinsel ist für männliche Pilger, jedoch nicht für Touristen zugänglich. Wenn man gewisse Regeln einhält und die maximal erlaubte Besucherzahl noch nicht ausgeschöpft ist, wird man problemlos als „Pilger“ anerkannt.

Zutrittsverbot für Frauen („Ávaton“)[Bearbeiten]

„Aus diesem Paradiese ist das Weib verstoßen, damit der Mann nicht jenes Paradieses verlustig gehe.“[4]

„Die Athoniten verwehren den Frauen den Zutritt zum Heiligen Berg, weil sie die Frauen wahrhaft lieben. Alle Frauen sind auf dem Athos abwesend, und doch wieder, durch die Gottesmutter, Maria, sind alle anwesend.“

Pater Mitrophan[5]

Der Athos heißt auch to perivóli tis Panagías‚ der Garten der Gottesmutter‘ und ist im theologischen Sinne einzig und allein der obersten Heiligen der orthodoxen Kirche, Maria, vorbehalten. So ist der Zutritt zum Berg Athos Frauen grundsätzlich untersagt. Ein pragmatischer Grund dafür ist wohl der Wunsch der Mönche, von optischen sexuellen Reizen unbeeinflusst zu leben und sich somit ungestörter der Gottesverehrung widmen zu können.

Selbst weibliche Haustiere sind von dem Verbot betroffen. Außer den allgegenwärtigen Katzen, die einen gewissen Schutz vor Mäusen, Ratten und Schlangen gewähren und den zahlreichen Bienenvölkern, wird auf dem Athos keine Viehzucht betrieben. Als Lasttiere werden (männliche) Esel, Pferde und Maultiere von außerhalb bei Bedarf eingeführt. Die immer wieder kolportierte Geschichte von den Hühnern, die Eidotter für Ikonenmaler liefern, ist in den heutigen Zeiten eines gut organisierten und motorisierten Warenverkehrs auf dem Athos obsolet.

Die Frau auf dem Berg Athos war im 19. Jahrhundert ein beliebtes literarisches Motiv, so in der Oper Der heilige Berg (1914) des norwegischen Komponisten Christian Sinding. Bei der Aufnahme Griechenlands in die Europäische Gemeinschaft im Jahr 1981 wurde der politisch-rechtliche Sonderstatus der Mönchsrepublik anerkannt, dennoch hat in jüngster Zeit das Ávaton wiederholt zu Kontroversen mit der Europäischen Union geführt; so forderte das Europaparlament zuletzt 2003 in einem nicht bindenden Beschluss mit knapper Mehrheit dessen Abschaffung.

Immer wieder wurde das Avaton von Frauen übertreten. 1969 betraten fünf griechische Urlauberinnen eigenmächtig das Gebiet des Athos; 1989 verirrte sich eine deutsche Touristin in das Mönchsterritorium. Schlagzeilen machten zuletzt sechs griechische Frauen, die im Januar 2008 vor laufender Kamera die Grenze zum Mönchsstaat übersprangen, um gegen Gebietsansprüche der Mönche außerhalb des Athos zu protestieren.[6]

Verwaltung[Bearbeiten]

Kloster Simonos Petras

Die Mönchsrepublik gehört völkerrechtlich zu Griechenland, genießt staatsrechtlich jedoch einen Autonomiestatus. Dadurch obliegen ihr einige innenpolitische Entscheidungen und die Verwaltung des Berges. Ebenso gehört der Berg Athos nicht zum steuerlichen Gebiet der Europäischen Union. Jedes Kloster ist innerhalb der Mönchsrepublik autonom und wird von einem auf Lebenszeit gewählten Abt geleitet. Die Macht liegt bei den 20 Großklöstern, von denen Kleinklöster (Metóchia), Mönchsdörfer (Skiten) und Einsiedeleien (Kelliá) abhängen.

In dem kleinen Hauptort Karyes befindet sich die Kirche des Protaton sowie das Gebäude der Hierá Sýnaxis (‚Heilige Versammlung‘), die aus den Äbten der 20 Klöster besteht und legislative und judikative Funktionen wahrnimmt. In Karyes gibt es 19 Kellia (‚Zellen‘), in denen die Äbte untergebracht sind. Eine Ausnahme hierzu bildet das Kloster Koutloumousiou, da es in der Nähe von Karyes angesiedelt ist und demzufolge eine eigene Zelle nicht benötigt. Karyes ist der Sitz der Hierá Koinótis (‚Heilige Zusammenkunft‘), des „Parlaments“, in das jedes Großkloster einen Vertreter (Antiprósopos, Nominativ) entsendet. Der Prótos (‚der Erste‘), der jährlich neugewählte Vorsitzende der Exekutive, hat seinen Sitz ebenfalls dort.

Der staatliche Gouverneur Griechenlands auf dem Athos untersteht dem griechischen Außenministerium und ist zusammen mit einigen Beamten und Polizisten für die Einhaltung der Verfassung des Athos und die Wahrung von Sicherheit und Ordnung zuständig.

Post[Bearbeiten]

Postalisch gehört Athos zu Griechenland, auf dem Gebiet befinden sich zwei Postfilialen, die durch die Griechische Post ELTA betrieben werden. Mit Autorisierung durch den Weltpostverein werden seit 2008 für Athos eigene Briefmarken verausgabt, diese sind nur für Sendungen gültig, die dort aufgegeben werden.

Kfz-Kennzeichen[Bearbeiten]

Seit 1983 vergab Athos Kfz-Kennzeichen für die wenigen Fahrzeuge, die innerhalb deren Gebiets im Einsatz waren. Diese waren jedoch außerhalb nicht gültig oder anerkannt. Seit 2004 gibt es eine neue Serie. Diese Kennzeichen tragen links das griechische Banner mit GR-Kennzeichnung, aber eine eigene Nomenklatur (AO 999 99) und die in Griechenland nicht verwendete FE-Schrift. Sie sind weltweit gültig und unterscheiden sich von den übrigen griechischen Kennzeichen, da die Mönchsrepublik nicht zum steuerlichen Gebiet der EU gehört.

Interne Konflikte[Bearbeiten]

Für internationale Schlagzeilen sorgte im Dezember 2005 die Besetzung des Konáki (Sitz des Vorstandes der Mönchsrepublik) durch 20 Mönche des Klosters Esfigménou. Damit protestierten sie gegen den Beschluss der übrigen 19 Klöster, die Vertretung ihres Klosters in den Gremien der Mönchsrepublik nicht mehr anzuerkennen. Ausgelöst wurde der Eklat nach jahrzehntelang schwelender Krise 2003, als die Mönche von Esfigménou dem Oberhaupt der orthodoxen Kirche, Patriarch Bartholomäus I. von Konstantinopel „Verrat an der Orthodoxie“ vorwarfen, weil er mit der römisch-katholischen Kirche Gespräche aufgenommen hatte. Daraufhin hatte der Patriarch die Rebellen zum Verlassen der Mönchsrepublik aufgefordert. Die Mönche von Esfigménou ignorierten die Forderung. Im Dezember 2006 kam es zu einer gewalttätigen Auseinandersetzung, als gemäßigte Mönche versuchten, den besetzten Verwaltungskomplex zu räumen. Es gab eine Handvoll Verletzte, aber die Besetzung dauert an. Die griechische Regierung bot Polizei- und Militärhilfe an, was vonseiten der Mönche abgelehnt wurde. Im August 2008 drohten die Mönche damit, sich und ihr Kloster in die Luft zu sprengen, falls die Polizei versuche, es zu räumen.[7]

Klosterbrand am 3./4. März 2004[Bearbeiten]

Kloster Chiliandarí

Bei einem Feuer in der Nacht vom 3. zum 4. März 2004 im serbischen Kloster Chiliandarí (serb. Hilandar) wurden zwei Drittel der Klosteranlage ein Raub der Flammen. Ursache des Feuers war möglicherweise ein Schwelbrand in einem Kamin einer Mönchszelle, von wo aus der Brand zuerst auf den Gästetrakt, dann auf den Wohnbereich der Mönche übergriff. Der gesamte Gästetrakt (das sog. Archondaríki), die Magazine, Vorratsräume des Klosters und etwa 100 Mönchszellen wurden zerstört. Vor dem Wehrturm des Klosters, in dem alle wertvollen Handschriften, Ikonen und liturgischen Geräte untergebracht sind, kam das Feuer zum Stillstand. Die zentrale Klosterkirche (das sog. Katholikón) und der Speisesaal (die sog. Trápeza) blieben vom Feuer verschont. In Medienberichten wurden auch andere Brandursachen, darunter auch Brandstiftung, diskutiert. Der materielle Schaden wird auf bis über 20 Millionen Euro geschätzt.

Obwohl immer noch kleinere Brände von den Feuerwehren bekämpft werden mussten, konnten die Mönche schon ab dem Abend des 5. März wieder ihre Gottesdienste im Katholikón feiern.[8] Schon wenige Wochen nach dem Brand konnten auch wieder Pilger beherbergt werden. Der ehemalige serbische Ministerpräsident Vojislav Koštunica rief in seinem Land zu Spenden für die Wiederherstellung des Klosters auf, aber auch die serbisch-orthodoxe Kirche sammelte Mittel zur Restaurierung.

Der Berg Athos im alpinistischen Sinne[Bearbeiten]

Die Kapelle auf dem Gipfel des Athos
Die Kapelle Panagia in ca. 1500 Metern Höhe

Die höchste Erhebung der Athos-Halbinsel ist der Berg Athos im engeren Sinne, ein kegelförmiges und auf allen Seiten steiles Bergmassiv mit nur einem einzigen deutlich ausgeprägten Gipfel (2033 m). Es ragt am südöstlichen Ende der Athos-Halbinsel direkt aus dem Meer auf und erreicht somit einen für nichtvulkanische Gebirgsmassive bemerkenswerten Höhenunterschied von über 2000 Metern auf kürzester horizontaler Distanz.

Während der Berg Athos nach Norden hin mit schroffen Wänden abbricht, bietet die Südflanke eine gute Aufstiegsmöglichkeit. Von einer der Skiten im südlichen Teil der Halbinsel oder vom Kloster Megistis Lavras her kommend, führt ein durchgehend gut erkennbarer Pfad von der Wegkreuzung Stavrós über die bunkerartige Kapelle Panagía (1.500 m) zum Gipfel hinauf. Er bietet keine technischen Schwierigkeiten und ist aufgrund der unterschiedlichen Vegetationszonen und der weiten Ausblicke aufs Meer hinaus abwechslungsreich und landschaftlich sehr reizvoll.

Auf dem Gipfel befindet sich eine kleine Kapelle, Metamórfosis Sotíros („Verklärung des Heilands“), in der einmal im Jahr, am Festtag der Verklärung Christi (am 6. August nach julianischem Kalender, am 19. August nach gregorianischem) eine Nachtwache (Agrypnía) gefeiert wird.

Pilger, die den Berg besteigen wollen, können sowohl in der Panagía als auch in der Gipfelkapelle eine Notunterkunft finden. Auch wenn eine Besteigung des Athos keine besonderen alpinistischen Fähigkeiten erfordert, sei doch darauf hingewiesen, dass die bis zu 2000 Höhenmeter Aufstieg bei mediterranen Temperaturen zu einer großen konditionellen Herausforderung werden können und beste Vorbereitung erfordern.

40.15722222222224.3263888888892033Koordinaten: 40° 9′ N, 24° 20′ O

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Volkszählung 2001, Quelle: Nationaler Statistischer Dienst Griechenlands (ΕΣΥΕ), (PDF 875 KB)
  2. Vgl. Andreas Müller: Berg Athos: Geschichte einer Mönchsrepublik. C.H.Beck, München 2005, S. 12.
  3. Die Darstellung des Hesychasmus-Streits erfolgt hier z. T. in wörtlicher Übereinstimmung mit dem Wikipedia-Artikel Hesychasmus
  4. Fredrich 1915, S. 10.
  5. Pater Mitrophan, in: Günther 1996.
  6. Festnahmen: Frauen stürmen Mönchsrepublik Athos. auf: Spiegel online. 9. Januar 2008.
  7. Meldung auf dem Nachrichtenportal von t-online, 31. August 2008
  8. http://www.andreas-bote.de/Archiv/2004/sab200407.pdf

Literatur[Bearbeiten]

  • Efraim Archimandrit: Das Große Kloster Vatopaedi: Ein Handbuch für den Pilger. Edition Hagia Sophia, Straelen, 2010.
  • Costas Balafas: A photographic itinerary on Mount Athos. 1969–2001. Agion Oros u. a. 2006.
  • Peter Bamm: Frühe Stätten der Christenheit. München 1955.
  • Katarina Beta, Semen I. Antonov: Eine Flamme erfüllte sein Herz. Das Leben des Starez Siluan auf dem Athos. Wien u.a. 1987.
  • Rudolf Billetta: Der Heilige Berg Athos in Zeugnissen aus sieben Jahrhunderten. Fünf Bände, Mosaic-Publications, Wien-New York-Dublin, 1992 - 1994.
  • Rudolf Billetta: Athos. Europa erlesen. Wieser Verlag, Klagenfurt/Celovec 2000.
  • Mathis Bischof: Erlebnis Athos. Im Banne der Stundentrommel
  • Robert Byron: Phoenix: The Station: Athos: Treasures and Men. Weidenfeld & Nicholson history 2000
  • Massimo Capuani, Maurizio Paparozzi: Athos. Die Klostergründungen; ein Jahrtausend Spiritualität und orthodoxe Kunst. München 1999.
  • Dimitri E. Conomos: Mount Athos, the sacred bridge. The spirituality of the Holy Mountain. Oxford u. a. 2005
  • P. Chrysostomus Dahm: Athos. Berg der Verklärung. Burda, Offenburg 1959.
  • Freddy Derwahl, Hans-Günther Kaufmann: Athos. Das Heilige berühren. Augsburg 1997.
  • Franz Dölger: Mönchsland Athos. München 1943
  • Karl Dühmig: Der Berg Athos. München 1892.
  • Hartmut Engel, Ulrike Engel: Chalkidiki mit Insel Thasos. 40 ausgewählte Wanderungen und Sonderteil zum Berg Athos. Ottobrunn 2000.
  • Carl Fredrich: Vor den Dardanellen, auf altgriechischen Inseln und auf dem Athos. Berlin 1915.
  • Jakob Philipp Fallmerayer: Hagion-Oros oder der heilige Berg Athos. Wien 1949.
  • Samir Girgis, Andreas Knoche, Karl-Heinz Knoche: Athos – Pilgerreisen zum Heiligen Berg, Bingen 2014, 155 Seiten, 29 Fotos, ISBN 9783939154105.
  • Alexander Golitzin: The living witness of the Holy Mountain. Contemporary voices from Mount Athos. South Canaan, Pa. 1996
  • René Gothóni, Graham Speake (Hrsg.): The monastic magnet. Roads to and from Mount Athos. Oxford 2008. Inhaltsverzeichnis
  • Johann Günther u. a.: Athos-Impressionen. Unterweitersdorf 1996.
  • Elen Hastaba u. a.: Der heilige Berg Athos. Bozen 2002.
  • Paul Huber: Athos. Wundertätige Ikonen. Stuttgart ca. 1979.
  • Antonis Iordanoglou: Mount Athos. Road Editions, Greece 2005
  • Emil Ivanov: Das Bildprogramm des Narthex im Rila-Kloster in Bulgarien unter besonderer Berücksichtigung der Wasserweihezyklen. Dissertation. Erlangen 2002. (mit vergleichenden Beispielen zu den Athosdenkmäler auf dem Athos)
  • Emil Ivanov: Apokallypsedarstellungen in der nachbyzantinischen Kunst. In: Das Münster. 3, 2002, 208-217.
  • Sotiris Kadas: Me théa to Àgion Òros. Thessaloniki 2003
  • Erhart Kästner: Die Stundentrommel vom heiligen Berg Athos. 1. Auflage. Insel Verlag, Wiesbaden 1956. (14. Auflage. Frankfurt 2004, ISBN 3-458-31756-2)
  • Rolf Kuhlmann: Der Athos. Auf den Spuren einer Faszination. Frankfurt am Main 1998.
  • Andreas A. Müller: Berg Athos. Geschichte einer Mönchsrepublik. München 2005.
  • Heinz Nußbaumer: Der Mönch in mir. Erfahrungen eines Athos-Pilgers für unser Leben. Styria Verlag, Wien 2006.
  • Reinhold Pabel: Athos der heilige Berg. Begegnung mit dem christlichen Osten. Münster (Westfalen) 1940.
  • Panteleimon (Mönch): Briefe vom Heiligen Berg Athos. 1989–1999. Hauzenberg 2000.
  • Volker Reichert: Athos. Reisen zum Heiligen Berg 1347–1841. Stuttgart 2001.
  • Hans-Dieter Rose, Martin Rose: Die Welt ist 13 Tage weit. Erlebnisse, Beobachtungen und Gedanken rund um den Berg Athos. Frankfurt am Main 1994.
  • Herbert Rosendorfer: Die Gespensterrepublik oder Drei Tage auf dem Heiligen Berg Athos. Bozen 2003.
  • Sofronij Sacharov: Starez Siluan, Mönch vom Heiligen Berg Athos. Leben – Lehre – Schriften. Düsseldorf 1959
  • Rainer Schildberger: Wo der Himmel redet. An Europas heiligen Orten. Ein Pilgerbuch. Freiburg u. a. 2004.
  • Claudia Schneider: Starez Siluan (1866–1938). Mönch vom Berg Athos. Wien 2000.
  • Philip Sherrard: Athos. Der Berg des Schweigens. Lausanne/ Freiburg 1959
  • Günter Spitzing: Athos. Der Heilige Berg des östlichen Christentums. Köln 1990.
  • Staretz Siluan: Mönch vom Berg Athos. Sein Leben und seine Lehre. Mystische Schriften. 1999.
  • Helmut Starrach: Der Ruf des Athos. Erfahrungen und Begegnungen auf dem Heiligen Berg. Freiburg 2002.
  • Walter Babington Thomas: Dare to be free. London 1977
  • Hans Vorbach: Begegnung mit Ikonen vom Heiligen Berg Athos. Salzburg (?) 1999.
  • Georg Wunderle: Aus der heiligen Welt des Athos. Studien und Erinnerungen. Würzburg 1937.
  • Georgios Zografakis: Athos. Athen ca. 1960.
  • (ohne Autorenangabe): Ritualbuch des Heiligen Berges. Athos-Typikon. Evangelische Verlagsanstalt, Leipzig 2005.
  • zwei kleine französische Athos-Bibliographien:
  • Erich Diefenbach: Unter den Schwingen des Doppeladlers. Erinnerungen an meine Athos-Reisen. Ostfildern 2009.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Athos – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikisource: Berliner Vertrag, Artikel 62 – Quellen und Volltexte