Bösewicht

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Als Bösewicht (Plural Bösewichte oder Bösewichter) bezeichnet man in fiktionalen Geschichten, in der Literatur, im Film oder in Computer- und Videospielen den Widersacher des oder der Helden (vgl. Antagonist (Literatur)). Der Bösewicht ist in vielen Geschichten der Urheber des Geschehens. Des Weiteren ist der Typus des Bösewichts jeglicher fiktionalen oder non-fiktionalen Narration zu eigen, die polare Werturteile beinhaltet oder andeutet.

Im Alltag wird der Begriff eher verharmlosend oder ironisch für Regelbrecher jeglicher Art gebraucht, zum Beispiel mit strafrechtlicher (Verbrecher), religiöser (Häretiker) oder anderer Konnotation. Es existieren zahlreiche Synonyme, darunter: Gauner, Halunke, Schuft, Schurke, Strolch, Übeltäter oder Spitzbube. Personifizierend werden auch nichtmenschliche Lebewesen oder Objekte als Bösewichte oder Bösewichter bezeichnet, etwa Krankheitserreger.

Geschichte der Schurken[Bearbeiten]

Antike Darstellung[Bearbeiten]

In Homers Ilias und dem Folgewerk Odyssee gibt es keinen echten Bösewicht. Sowohl die Griechen als auch die Trojaner und ihre jeweiligen Gottheiten werden mit positiven und weniger guten Charakterzügen ausgestattet. Wie die Launenhaftigkeit der Götter in verschiedenen Mythen und Sagen zeigt, entscheidet vielmehr die jeweilige Situation darüber, ob man einer Person feindlich gesinnt war oder nicht. Verbündete und nahe Freunde konnten sich schnell zu Widersachern entwickeln. Als eindeutig als Böse im heutigen Sinne zu sehen wären die Tartarossbewohner Ixion, Sisyphos und Tantalos. Die Frage nach Gut oder Böse wird indirekt in Die Orestie gestellt, wo nach dem Muttermord die Erinyen über Orestes herfallen.

Mittelalter und frühe Neuzeit[Bearbeiten]

Im mittelalterlichen Theater treten oft der leibhaftige Teufel oder der Antichrist als Verkörperungen des Bösen auf. Diese Symbolfiguren erfahren seit dem Spätmittelalter eine zunehmende Vermenschlichung. Im 16. Jahrhundert ist der Vice eine populäre Figur des englischen Theaters. Auch Johann Faust ist in frühen literarischen und theatralischen Versionen des Fauststoffs ein ausgesprochener Bösewicht. Die Fähigkeit, unter bestimmten Bedingungen Tiergestalt anzunehmen, ist hierbei häufig vertreten.

In der Literatur[Bearbeiten]

Bereits in der frühen neuzeitlichen Literatur existieren Ansätze zu einer Reflexion der Problematik. Als Beispiel lässt sich William Shakespeares Macbeth anführen. Die Titelfigur wird zunächst als mutiger, heldenhafter Krieger und Anführer des schottischen Heers dargestellt, der eine Vielzahl von Tugenden in sich zu vereinen scheint. Nach einer Begegnung mit drei Hexen, die ihm eine spätere Regentschaft als schottischer König prophezeien, und nicht zuletzt durch den tatkräftigen manipulativen Einfluss seiner Frau werden Ambitionen in ihm wach, die ihn dazu verleiten, den unschuldigen, großherzigen König Duncan im Schlaf zu ermorden. Macbeth verstrickt sich in eine Mordserie, da es nun gilt, potenzielle Zeugen und Thronfolger aus dem Weg zu räumen. Nach seiner Krönung zum Staatsoberhaupt übt er eine willkürliche Gewaltherrschaft aus, um die Erhaltung seiner Macht zu sichern. Insgesamt hat sein Handeln die Züge eines typischen, wahnsinnigen Bösewichts angenommen.

Shakespeare zeigt so, dass die Entstehung unmoralischer Tendenzen in einem Individuum nicht zwangsläufig die Folge einer selbstständigen Entscheidung zum unmoralischen Handeln ist, sondern dass durch unkontrollierte Ambition und manipulative äußere Einflüsse selbst ein besonders tugendhafter Mensch vor dem Verderben nicht bewahrt ist.

Im Film[Bearbeiten]

Neben stereotypen, klischeehaft gezeichneten oder gar karikaturhaften Vertretern gibt es viele herausragende Beispiele für Filmbösewichter, die den jeweiligen Helden ebenbürtig sind oder deren Motivlage nachvollziehbar ist. Berühmte Beispiele sind der Kannibale Hannibal Lecter in Das Schweigen der Lämmer, der schizophrene Frauenmörder Norman Bates in Psycho, der von der „Dunklen Seite der Macht“ verführte Darth Vader in Krieg der Sterne, der psychopathische Schriftsteller Jack Torrance in Shining, der sadistische Zahnarzt Dr. Szell in Der Marathon-Mann oder der Joker in The Dark Knight. „Hannibal Lecter den Inbegriff des Bösen zu nennen, hilft den Menschen, sich moralisch einzusortieren auf eine Weise, die den Geschäftsinteressen von McDonald’s oder Burger King nicht zuwider läuft“, so Murray Pomerance.[1] KZ-Kommandant Amon Göth (Schindlers Liste) oder Serienmörder Fritz Haarmann (Der Totmacher) sind dagegen nicht erfunden.

Darstellung von Bösewichten[Bearbeiten]

Es gibt verschiedene Arten der Darstellung von Bösewichten. Oft wird ein Bösewicht als ein dunkler Herrscher dargestellt, der ein pompöses Anwesen bewohnt. Ein Beispiel dafür ist J. R. R. Tolkiens Der Herr der Ringe, in dem der Bösewicht Sauron ein dunkler Herrscher ist, der in seinem schwarzen Turm (Barad-dûr) residiert.

Häufig werden Bösewichte aber nicht als menschliche Wesen, sondern als Monster, Dämon oder sogar als Maschinen dargestellt. Besonders in der Fantasy ist zu beobachten, dass das Auftreten von tierischer Gestalt (vor allem bei ansonsten anthropomorphen Gestalten) häufig mit der Charakterisierung als Bösewicht einhergeht.

Nicht sehr häufig ist es, dass die Bösewichte körperlich überhaupt nicht in Erscheinung treten, sondern nur ihr Wirken gezeigt wird, wie zum Beispiel die Menschen im Film Bambi von Walt Disney. Manche treten zwar in Erscheinung, werden aber bedrohlicher dargestellt, indem man das Gesicht nicht sieht (Sylar aus Heroes und Blofeld)

Typen von Bösewichten[Bearbeiten]

Böser Doppelgänger/Zwilling[Bearbeiten]

Viele Helden haben ein böses Spiegelbild, welches das Gegenteil von ihm darstellt, oder werden mit einem schlechten Zwillingsbruder gestraft. Beispiele dafür sind Superman (Bizarro) und Spiderman (Venom).

Diktator/Kriegsherr[Bearbeiten]

Es gibt Bösewichte, die aus Machtgier zum Beispiel Königreiche an sich reißen und darüber herrschen wollen. Beispiele dafür sind Sauron (aus Herr der Ringe). Imperator Palpatine (aus Star Wars) und Freezer (aus Dragon Ball). Oftmals kommt auch real existierenden Diktatoren wie Adolf Hitler (zum Beispiel Sein oder Nichtsein) und Josef Stalin die Rolle des Bösewichts zu. Manche gehen so weit wie Lex Luthor und sammels Büsten und Skulpturen an andere historisch prominente Herrscher wie Alexander der Große, Julius Caesar, Attila der Hunenkönig, Dschingis Khan,

Gegenpol zum Helden[Bearbeiten]

Die Figur des Jokers im Film The Dark Knight macht sich über die Suche nach dem Grund für sein bösartiges Verhalten lustig, indem er immer wieder andere Geschichten und Gründe für sein eigenes Verhalten erzählt. Letztendlich sieht er seine Rolle und das von ihm verursachte Chaos als Gegengewicht zu Helden wie Batman. In der Matrix (Film)-Filmtrilogie wird die Figur des Agent Smith ähnlich beschrieben, da dessen Kräfte parallel zu denen des Helden Neo wachsen, um ein Gleichgewicht der Mächte herzustellen.

Geisteskranker/Soziopath[Bearbeiten]

Es gibt eine Reihe von Bösewichten, die überhaupt keinen Grund für ihre Taten haben, bzw. der Grund wird in den erzählten Geschichten nicht offenbart. In solchen Fällen hat es der Held anfangs überaus schwer, einen Ansatzpunkt für das Handeln gegen den Bösewicht zu finden. Er kennt die Gründe für die Taten (insbesondere Morde oder andere Zerstörungsakte) des Bösewichtes nicht. Beispiele für solche Bösewichte sind Pennywise (aus Es) und Edward Hyde (aus Der seltsame Fall des Dr. Jekyll und Mr. Hyde).

Einige Serien wie Smallville, Charmed oder Buffy speziellen sich auch auf die Darstellung von 1-Episoden-Mutanten. Diese in der Regel einfachen Menschen (manchmal Jugendliche mit vorbelasteten Problemen), welche durch einen Unfall/Experiment oder durch Magie, Ausbruch aus der Hölle etc plötzlich unerwartet limitierte Superkräfte erhalten (die Auswahl an Fähigkeiten reicht von Verwandlung in einen Wassergeist bis hin zu Tiermerkmalen). Daraufhin werden die meisten zu Psychopaten, welche ihre Kräfte so gewalttätig an ihre Umwelt verwenden, dass sie in den meisten Fällen an sich selbst zugrunde gehen. Der Vorteil dieser Freaks für die Zuschauer ist der Überraschungseffekt und die unerwartete Auflösung. Der Nachteil ist eine etwas dürftige Charakterisierung und die Gefahr von Unglaubwürdigkeit (Freaks werden oft der Grundatmosphäre der Episode angepasst).

Handlanger[Bearbeiten]

Oft sind diese Bösewichte nur Handlanger einer weiteren, viel mächtigeren Figur (Ober- oder Hauptbösewicht). Dieser Charakter tritt oft lange Zeit hinter seinen Handlanger zurück und tritt erst gegen Ende der Geschichte auf, beispielsweise die meisten Gegner in James-Bond-Filmen. In manchen Filmen wird der Handlanger zuerst als Hauptbösewicht verstanden. Beispiele dafür sind Darth Vader (aus Star Wars), wobei dieser nur als Handlanger dient, weil er seinem Leben keinen anderen Sinn abgewinnen kann, und Beruga (aus Terranigma), welcher nur ein Gehilfe des Teufels ist.

Es kommt auch vor, dass solche Handlanger in der Geschichte zunächst als böse dargestellt werden, es sich aber im Lauf der Zeit herausstellt, dass sie noch einen guten Kern besitzen. Beispiele sind Darth Vader (aus Star Wars) sowie Severus Snape (aus Harry Potter).

Allerdings gibt es auch Fälle, in denen lediglich der Handlanger als Bösewicht dargestellt wird, der die Macht des Herrschenden für seine eigenen Zwecke ausnutzt. In dem mehrfach verfilmten Roman Jud Süß wird der Jude Joseph Süß Oppenheimer ebenso als trickreicher Helfer im Zeichen des Bösen dargestellt. Ganz bewusst versucht dieser den Herzog Karl Alexander von Württemberg gegen das eigene Volk auszuspielen.

Rächer[Bearbeiten]

Es gibt ebenso Bösewichte, die durch eine Person, die dem Helden gleicht oder selbst der Held ist, in ihrer Vergangenheit schlecht behandelt wurden oder ein anderes schreckliches Schicksal erlitten. Beispiele wären hier General Grievous aus einem Star-Wars-Film oder Nero aus Star Trek, deren Planeten nicht gerettet wurden, oder das Phantom der Oper, welches von der Welt in sein Versteck unter der Oper verbannt wurde. Manche wollen auch den Tod einer geliebte Person (Vater, Ehefrau, Sohn) durch die Hand des Helden vergelten. Dabei macht es keinen Unterschied, ob der Verstorbene selbst ein Schurke war oder ob er mit der Vergeltung einverstanden wäre. Zu diesen Charakteren gehört Zira aus König der Löwen, Mr. Freeze aus Batman und Harry Osborn aus Spiderman.

Verrückter Wissenschaftler[Bearbeiten]

Klischee des verrückten Wissenschaftlers

Der verrückte Wissenschaftler (engl.: „Mad scientist“) gehört zu den Figuren in Film und Literatur, die leicht dazu neigen, dem Bösen zu verfallen. Oftmals liegt das Miss- oder Nichtverstehen einer „weltbewegenden“ Erfindung vor, was ihn dazu zu bringt, die „Banausen“ gewaltsam vom Gegenteil zu überzeugen. Bei dieser Art Überzeugungsarbeit geht der verrückte Wissenschaftler auch über Leichen. Oft hält sich der verrückte Wissenschaftler für so genial, dass er die Weltherrschaft erlangen will – natürlich nur zum Wohl aller Menschen (die das aber gar nicht schätzen und ihn erfolgreich bekämpfen).

Verschiedene tragische „verrückte Wissenschaftler“, wie zum Beispiel „Dr. Jekyll“ oder „Victor Frankenstein“, schufen in ihrer Besessenheit Monster, die entweder an ihrer Stelle morden oder gegen ihren Willen mordend durch die Gegend ziehen. Im Endergebnis wird sowohl der Wissenschaftler als auch die von ihm erschaffene Kreatur vom Helden der Geschichte getötet – oder der Wissenschaftler erkennt doch noch seine Verfehlung und tötet sich und/oder die Kreatur selbst.

Liste von Bösewichten (Auswahl)[Bearbeiten]

Comic[Bearbeiten]

Computeranimationsfilme[Bearbeiten]

Computerspiele[Bearbeiten]

Film[Bearbeiten]

Das American Film Institute veröffentlichte im Jahr 2003 eine Liste der „50 größten Filmschurken“, die durch eine Umfrage erstellt worden war und in einer CBS-Show von Arnold Schwarzenegger vorgestellt wurde.

Literatur[Bearbeiten]

Fernsehserien[Bearbeiten]

Telenovelas[Bearbeiten]

  • Sophie von Bramberg, Richard von Bramberg, Paolo Amendola (Verliebt in Berlin)
  • Katja Polauke, Annett Darcy, David Darcy, Steve Welder, Carla Rhonstedt, Frank Müller, Kai Kosmar, Armin Müller (Anna und die Liebe)
  • Alexandra Lohmann, Julian Götting, Helena Schmidt-Heisig, (Hand aufs Herz)
  • Maximilian von Altenburg, Isabelle Reichenbach (Alles was zählt)

Zeichentrickfilme[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1.  Murray Pomerance: Bad: Infamy, Darkness, Evil, and Slime on Screen. State University of New York Press, Albany 2004, ISBN 0791459403, S. 7 (Calling Hannibal Lecter an epitome of evil is a way to help people organize themselves morally in a way that doesn't jeopardize the plans of MacDonald's and Burger King., http://books.google.com/books?id=Po5Z4wDu8rgC).