Internationale Filmfestspiele von Cannes/Beste Regie

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Der dreimalige Preisträger Joel Coen in Cannes (2001)

Der Preis für die beste Regie (Prix de la mise en scène) honoriert bei den jährlich veranstalteten Filmfestspielen von Cannes die beste Leistung eines Regisseurs oder einer Regisseurin in einem Wettbewerbsfilm (Langfilm). Die Auszeichnung wurde erstmals bei der Premiere des Filmfestivals im Jahr 1946 verliehen. Über die Vergabe des Preises, der dem Gewinner in Form einer Urkunde überreicht wird, stimmt die Wettbewerbsjury ab, die sich meist aus internationalen Filmschaffenden zusammensetzt.

Preisträger[Bearbeiten]

Am häufigsten mit dem Regiepreis ausgezeichnet wurden französische und US-amerikanische Regisseure (je 12 Siege), gefolgt von ihren Kollegen aus der ehemaligen Sowjetunion (6), Großbritannien sowie Mexiko (je 3). Dreimal triumphieren konnte der US-Amerikaner Joel Coen (1991, 1996 und 2001), gefolgt von den beiden Franzosen René Clément (1946 und 1949) und Robert Bresson (1957 und 1983), dem sowjetischen Regisseur Sergei Jutkewitsch (1956 und 1966) und dem Briten John Boorman (1970 und 1998) mit je zwei Siegen.

Mehrfach in der Vergangenheit konnte sich die Jury nicht auf einen Sieger einigen. Regisseure aus dem deutschsprachigen Kino waren 1982 und 1987 erfolgreich, als sich Werner Herzog (Fitzcarraldo) und Wim Wenders (Der Himmel über Berlin) gegen die Konkurrenz durchsetzen konnten.

In der Vergangenheit hatten Jurys die Möglichkeit, den Regiepreis mit weiteren Auszeichnungen zu kombinieren. Dies geschah zuletzt im Jahr 1993, als der britische Beitrag Nackt auch den Darstellerpreis für Hauptdarsteller David Thewlis zugesprochen bekam. Mittlerweile untersagt das Reglement, dass der Regiepreis (ebenso wie die Goldene Palme und der Große Preis der Jury) mit weiteren Auszeichnungen kumuliert werden kann. Dieser Umstand wurde wiederholt kritisiert, zuletzt im Jahr 2012, als der Jurypräsident Nanni Moretti in der abschließenden Pressekonferenz zugab, dass er dem Goldene-Palme-Gewinner Liebe von Michael Haneke ohne Reglement auch den Darsteller- und Drehbuchpreis zuerkannt hätte.[1]

Jahr Preisträger Filmtitel Deutscher Titel
1946 René Clément La Bataille du rail Schienenschlacht
1947
Preis nicht vergeben
1948
Filmfestspiele nicht veranstaltet
1949 René Clément Le mura di Malapaga Die Mauern von Malapaga
1950
Filmfestspiele nicht veranstaltet
1951 Luis Buñuel Los Olvidados Die Vergessenen
1952 Christian-Jaque Fanfan la Tulipe Fanfan, der Husar
1953
1954
Preis nicht vergeben
1955 Jules Dassin Du rififi chez les hommes Rififi
Sergei Wassiljew Героите на Шипка (Geroite na Schipka) nicht bekannt
1956 Sergei Jutkewitsch Отелло (Otello) Der Mohr von Venedig
1957 Robert Bresson Un condamné à mort s'est échappé Ein zum Tode Verurteilter ist entflohen
1958 Ingmar Bergman Nära livet Nahe dem Leben
1959 François Truffaut Les Quatre cents coups Sie küssten und sie schlugen ihn
1960
Preis nicht vergeben
1961 Julija Solnzewa Повесть пламенных лет (Powest plamennych let) Flammende Jahre
1962
1964
Preis nicht vergeben
1965 Liviu Ciulei Pădurea spânzuraţilor Der Wald der Erhängten
1966 Sergei Jutkewitsch Ленин в Польше (Lenin w Polsche) Lenin in Polen
1967 Ferenc Kósa Tízezer nap nicht bekannt
1968
Filmfestspiele aufgrund der Mai-Unruhen abgebrochen
1969 Vojtěch Jasný Vsichni dobří rodáci Alle guten Landsleute
Glauber Rocha O Dragão da Maldade contra o Santo Guerreiro Antonio das Mortes
1970 John Boorman Leo the Last Leo der Letzte
1971
Preis nicht vergeben
1972 Miklós Jancsó Még kér a nép Roter Psalm
1973
1974
Preis nicht vergeben
1975 Michel Brault Les Ordres Ausnahmezustand
Constantin Costa-Gavras Section spéciale Sondertribunal – Jeder kämpft für sich allein
1976 Ettore Scola Brutti sporchi e cattivi Die Schmutzigen, die Häßlichen und die Gemeinen
1977
Preis nicht vergeben
1978 Nagisa Ōshima 愛の亡霊 (Ai no borei) Im Reich der Leidenschaft
1979 Terrence Malick Days of Heaven In der Glut des Südens
1980
1981
Preis nicht vergeben
1982 Werner Herzog Fitzcarraldo Fitzcarraldo
1983 Robert Bresson L'Argent Das Geld
Andrei Tarkowski Ностальгия (Nostalgija) Nostalghia
1984 Bertrand Tavernier Un dimanche à la campagne Ein Sonntag auf dem Lande
1985 André Téchiné Rendez-vous Rendez-Vous
1986 Martin Scorsese After Hours Die Zeit nach Mitternacht
1987 Wim Wenders Der Himmel über Berlin Der Himmel über Berlin
1988 Pino Solanas Sur Süden (Sur)
1989 Emir Kusturica Dom za vesanje Time of the Gypsies
1990 Pawel Lungin Такси-блюз (Taksi-bljus) Taxi Blues
1991 Joel Coen Barton Fink Barton Fink
1992 Robert Altman The Player The Player
1993 Mike Leigh Naked Nackt
1994 Nanni Moretti Caro diario Liebes Tagebuch…
1995 Mathieu Kassovitz La Haine Hass
1996 Joel Coen Fargo Fargo
1997 Wong Kar-Wai 春光乍泄 (Cheun gwong tsa sit) Happy Together
1998 John Boorman The General Der General
1999 Pedro Almodóvar Todo sobre mi madre Alles über meine Mutter
2000 Edward Yang 一一 (Yi yi) Yi Yi – A One and a Two
2001 Joel Coen The Man Who Wasn't There The Man Who Wasn't There
David Lynch Mulholland Dr. Mulholland Drive – Straße der Finsternis
2002 Paul Thomas Anderson Punch-Drunk Love Punch-Drunk Love
Im Kwon-taek 취화선 편집하기 (Chihwaseon) Im Rausch der Farben und der Liebe
2003 Gus Van Sant Elephant Elephant
2004 Tony Gatlif Exils Exil
2005 Michael Haneke Caché Caché
2006 Alejandro González Iñárritu Babel Babel
2007 Julian Schnabel Le scaphandre et le papillon Schmetterling und Taucherglocke
2008 Nuri Bilge Ceylan Üç maymun Drei Affen
2009 Brillante Mendoza Kinatay Kinatay
2010 Mathieu Amalric Tournée Tournée
2011 Nicolas Winding Refn Drive Drive
2012 Carlos Reygadas Post Tenebras Lux nicht bekannt
2013 Amat Escalante Heli Heli
2014 Bennett Miller Foxcatcer nicht bekannt

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Video-Aufzeichnung der abschließenden Pressekonferenz der Jury vom 27. Mai 2012 bei festival-cannes.fr, 19:10 min ff. (Italienisch/Französisch/Englisch mit französischer und englischer Übersetzung; abgerufen am 28. Mai 2012).