St. Ulrich und Afra (Augsburg)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
St. Ulrich und Afra in Augsburg, Südseite
St. Ulrich und Afra, Nordseite

Die Basilika St. Ulrich und Afra ist eine katholische Stadtpfarrkirche in Augsburg und mit ihrem Turm weithin sichtbares Wahrzeichen ihrer südlichen Altstadt. In der Kirche werden die Sarkophage mit den Gebeinen der Bistumsheiligen Ulrich, Afra und Simpertus aufbewahrt.

Geschichte[Bearbeiten]

Die heutige Kirche steht auf einem Gelände, das bereits vom 8. bis 15. Jahrhundert mehrere Kirchenbauten aufwies. Diese entstanden aus Wallfahrten zur Verehrung der Hl. Afra († 304). Die anfangs außerhalb der Stadt gelegenen Bauten wurden bei den Ungarn-Einfällen zerstört oder fielen Bränden zum Opfer. Der Augsburger Bischof Ulrich wurde 973 in der Nähe Afras beigesetzt. Seit 1012 wurde die heilige Stätte vom Benediktinerkloster St. Ulrich und Afra Augsburg betreut.

Als Ursprung ist eine spätrömische Kirche nachgewiesen, die im 7. Jahrhundert durch eine merowingische Anlage ersetzt wurde. Um 800 folgte ein karolingisches Gotteshaus, das 1064/71 einer frühromanischen Kirche Platz machte. Die hochmittelalterliche Klosterkirche war eine zweischiffige Halle mit Ostapsiden, die etwa ein Drittel kürzer als die heutige Kirche war. Das Süd- war etwas breiter als das Nordschiff, die Gesamtbreite entsprach dem Nachfolgebau. Die baufällige Vorgängerkirche musste unter Abt Melchior von Stannheim 1466 abgerissen werden. 1467 begann der Neubau in spätgotischen Formen. Baumeister war der Straßburger Valentin Kindlin, der wohl Entwürfe des Hans von Hildesheim ausführte. Der Rohbau fiel jedoch teilweise 1474 einem Sturm zum Opfer.

Im Jahr 1474 wurde der Bau des bestehenden Gotteshauses als Backsteinbau begonnen und im Jahr 1500 durch Burkhart Engelberg abgeschlossen. Engelberg hat sich mit der Errichtung des Ulmer Münsterturms ein beeindruckendes Denkmal gesetzt. Die Gewölbe des nördlichen Seitenschiffes waren 1489 vollendet, 1499 war auch das Langhaus eingewölbt. Der römisch-deutsche König und spätere Kaiser Maximilian I. (HRR) hat im Jahr 1500 den Grundstein für den Chorbau seines „Reichsgotteshauses“ gelegt. 1537 kam es zu einem vorübergehenden Stillstand der Bauarbeiten. Wegen der Glaubensauseinandersetzungen im 16. Jahrhundert kam es erst im Jahr 1603/04 zum Abschluss dieser Baumaßnahme (1300-jähriges Afra-Jubiläum). Die Kirche gehörte zum gleichnamigen Benediktinerkloster, das von 1643/44 bis 1802 Reichsabtei war. Kloster und Reichsstift wurden dann im Zuge der Säkularisation aufgehoben und sein Besitz dem bayerischen Staat zugeschlagen. 1810 widmete man das Gotteshaus zur Pfarrkirche um. Seit dem 4. Juli 1937 ist die Kirche päpstliche Basilika.

Im Zweiten Weltkrieg beschädigten Luftangriffe 1944/45 die Turmkuppel und die Fenster. Wiederaufbau- und Renovierungsmaßnahmen folgten von 1946 bis 1950. Die Unterkirche mit den Grufträumen der Heiligen wurde 1962 gestaltet. Die originale Farbigkeit des Innenraumes konnte 1988 zurückgewonnen werden.

Architektur[Bearbeiten]

Außenbau[Bearbeiten]

Blick vom Hotelturm

St. Ulrich und Afra ist eine steile dreischiffige Backsteinbasilika mit Querschiff und lang gestrecktem Ostchor. An den älteren Bauteilen wurde für die Portale, Strebepfeiler und Maßwerke Haustein verwendet.

Der Außenbau ist weiß verputzt und wegen der umliegenden Bebauung nur teilweise auf Sicht berechnet. Die schlichte Monumentalität der ehemaligen Klosterkirche wird durch den Verzicht auf ein offenes Strebesystem gesteigert. Die Giebel wurden als Schaufronten mit Eselsbogen und Fialen reicher verziert. Im Norden ist dem Chor die Marienkapelle (unten Sakristei) in der Art eines Nebenchores vorgelagert.

Die Choransicht vom Fuß des Milchberges wird zu den eindrucksvollsten mittelalterlichen Architekturbildern Deutschlands gezählt. Hohe Spitzbogenfenster sitzen zwischen vierkantigen Strebepfeilern. Die Maßwerke sind in der Mitte unterteilt und lassen teilweise bereits Renaissanceformen erahnen. Im nördlichen Chorwinkel steigt der hohe Turm empor, dessen achteckige Obergeschosse von der bekannten Kupferkuppel abgeschlossen werden. Die Gliederung aus Okuli und Ovalfenstern wirkt in den Details bereits eher barock und steht in deutlichem Kontrast zur nüchternen Strenge der Basilika.

Auch die „kahle“ Erscheinung der mächtigen Westfassade weist auf die frühere Funktion als Klosterkirche hin. Das romanisch wirkende Westportal ist vermauert und wohl unvollendet. Das darüber liegende Rundbogenfenster wurde erst 1873 eingebrochen. Reicher gestaltet sind nur das Maßwerk des großen spätgotischen Mittelfensters und der Schmuckgiebel, die von kräftigen Strebepfeilern eingefasst werden.

Ein ungewöhnliches Motiv sind die dreikantigen, stabwerkbesetzten Strebepfeiler am Obergaden des Langhauses, zwischen denen die kurzen, breiten Maßwerkfenster sitzen. Das heutige Erscheinungsbild geht allerdings auf die Restaurierung um 1970 zurück, als die Hausteinteile der Kirche vollständig erneuert wurden.

Seit 1594 zeigt der 93 m hohe „Zwiebelturm“ der katholischen Basilika ins schwäbische Land. Nur dieser – auch Afraturm genannte – Bau auf der Nordseite des Langhauses wurde Realität. Ein auf der Südseite geplanter Turm wurde wegen Geldmangels nie ausgeführt.

An der Südseite des Gotteshauses befindet sich das Regimentsdenkmal für die im Ersten Weltkrieg gefallenen Angehörigen des 4. Bayerischen Chevauleger-Regiments „König“. Der Bildhauer war Georg Pezold.

An der Nordostseite der Kirche grenzt das Pfarrhaus der katholischen Gemeinde an. An der Südostseite befindet sich eine öffentlich nicht zugängliche Grünfläche mit Resten der Kapelle St. Godehard aus Merowinger- und vorromanischer Zeit. An der Südseite der Basilika grenzen die modernen Baulichkeiten der Tagungs- und Fortbildungsstätte Haus St. Ulrich an. Auch die Westseite der Kirche ist von Gebäuden umgeben.

Außerhalb des Langhauses ist das Ensemble mit der evangelischen Kirche St. Ulrich beeindruckend, ein gerne gewähltes Fotomotiv, das auch die Augsburger Parität symbolisiert. Die evangelische Kirche mit ihrem niedrigen Giebelbau war vor der Reformation Eingang und auch Sakristei der katholischen Stadtpfarrkirche. Sie entstand aus einem 1457 erbauten Predigtsaal, welcher 1710 den Protestanten zur Verfügung gestellt wurde.

Innenraum[Bearbeiten]

Innenansicht

Das Innere wird vollständig von reichen Netz- und Sterngewölben überspannt. In den Seitenschiffen finden sich komplizierte Figurationen. Besonders malerisch wirkt das Südschiff mit der angefügten Kapellenreihe und dem vorspringenden Baldachin der Simpertuskapelle.

Das Mittelschiff umfasst sieben rechteckige Joche mit Sternnetzgewölben. Wegen der hochgeführten Dächer über den Seitenschiffen setzen die Fenster des Obergadens erst weit oben an, sind aber nischenartig nach unten weitergeführt und mit Maßwerk verblendet. Die drei Gewölbejoche des Chores werden von fünf Seiten des Achtecks abgeschlossen und von zentralisierenden Sternnetzgewölben überdeckt.

Die Sterngewölbe der Vierung und der Querarme sind nachgotisch. Das Gewölbe der Vierung wird von einem rechtwinkeligen Rippenmuster durchdrungen. Die unter dem Fußboden liegende Unterkirche ist modern und beherbergt die Grabkapellen der Kirchenpatrone Ulrich und Afra. Die Ulrichskapelle entstand bereits 1762/65, wurde aber 1962 rechtwinklig versetzt.

Das Langhaus ist 93,50 m lang, 27,50 m breit und 30 m hoch.

Barbara-Denkmal[Bearbeiten]

Ansicht des Barbara-Denkmals

Zum Gedenken an das 100. Gründungsjubiläum des 4. Feldartillerieregiments „König“ wurde an der westlichen Kirchhofmauer ein Denkmal installiert. Die Gestaltung des Denkmals erfolgte durch Jakob Rudolph. Das Denkmal zeigt eine Figur der Heiligen Barbara und wurde am 5. Dezember 1959 geweiht.[1]

Ausstattung[Bearbeiten]

Die Kirche wurde von den Bilderstürmen im 16. Jahrhundert nicht verschont. Der Großteil der Einrichtung wurde danach neu in den hohen und lichten Raum eingebracht. Im Mittelschiff fällt der Blick unwillkürlich auf die von Hans Reichle modellierte und von Wolfgang Neidhardt gegossene Kreuzigungsgruppe. Die bronzene Szene mit Christus am Kreuz, Maria Magdalena, Maria und dem Apostel Johannes am Fuß des Kreuzes wurde 1605 aufgestellt.

Altäre[Bearbeiten]

Altarraum mit drei Hochaltären

Kanzel und Choraltäre stammen vom Weilheimer Holzschnitzer Johannes Degler. Die 1604 bis 1607 entstandenen Altäre haben das Pfingstwunder, Christi Geburt und Christi Auferstehung als Motiv und erinnern somit an die drei höchsten christlichen Festtage.

Der Hochaltar soll auf einen Entwurf Hans Krumpers zurückgehen. Der fünfgeschossige Holzaufbau trägt zahlreiche gefasste (bemalte) Schnitzfiguren und nahezu freiplastische Skulpturengruppen. Im Mittelschrein ist die Geburt Christi in der Art einer Krippe dargestellt. Im Auszug (Oberteil) erkennt man die Krönung Mariae, seitlich die Hll. Petrus und Paulus. Die Altarrückseite ist wie die der Seitenaltäre ornamental bemalt.

Zusammen mit den beiden gleichartigen Seitenaltären ist der Hochaltar ein „hervorragendes Beispiel der Neuinterpretation eines spätmittelalterlichen Kirchenraumes im Geiste der Gegenreformation (Dehio-Handbuch) und eines der bedeutendsten Schaustücke der süddeutschen Renaissance. Die Altäre lassen bereits zahlreiche frühbarocke Tendenzen erkennen, einiges ist allerdings auch eher volkstümlich gotisierend gestaltet. Das Altarensemble der Spätrenaissance und des Frühbarock fügt sich aus diesem Grunde gut in den spätgotischen Raum ein, dessen Ausstattung sich sonst auf einige wenige, aber hochrangige Stücke beschränkt.

Die Seitenaltäre sind nur viergeschossig aufgebaut und stehen auf wirkungsvollen Stufenpodesten mit Marmorbalustraden von 1712.

Der nördliche Altar ist der Hl. Afra geweiht. In der Predella verweigert die Heilige das Götzenopfer (Ergänzung: Johann Evangelist Stiefenhofer, 1873). Der Mittelschrein birgt das Pfingstwunder. Seitlich flankieren die Hll. Rochus und Sebastian die Szene. Im Auszug ist die Heilige auf dem Scheiterhaufen zu sehen. Oben thront Maria als Königin der Märtyrer.

Der Ulrichsaltar im Süden zeigt in der Predellanische den Heiligen mit Diakonen und Engeln. Die Auferstehung Christi im Mittelschrein wird von den Skulpturen der Hll. Ambrosius und Augustinus begleitet.

Auf die Altäre abgestimmt ist Deglers imposante Kanzel aus Eichenholz (1608), die vielleicht gleichfalls nach einem Entwurf Krumpers gearbeitet wurde. Der polygonale Korb wird von zwei korinthischen Säulen getragen, der Schalldeckel von zwei Engeln gestützt. Oben wird der Jesusknabe von Engelshermen umgeben.

Kapellen[Bearbeiten]

Simpertuskapelle mit Baldachin
Grabmal des Hl. Simpertus

An das Südschiff sind vier Kapellen angefügt. Die Benediktuskapelle im Westen besitzt ein Sterngewölbe, dessen Schlussstein das Wappen der Stammler von Ast trägt. 1590 baute Veit Rieger die Kapelle zur Grablege für Oktavianus Secundus Fugger aus. Der Rotmarmor-Wappenstein Fugger-Kirchheim-Weißenhorn entstand im gleichen Jahr. Der Altar in der Art eines Triumphbogens stammt von Wendel Dietrich, das Altarblatt malte Peter Candid um 1592. Unter der Darstellung der Verehrung der Muttergottes durch die Hll. Benedikt und Franziskus erkennt man eine Ansicht der Stadt Augsburg.

Vor der Simpertuskapelle mit einem Maßwerkbogen von 1496 stehen auf den Arkadenschranken vom Florentiner Carlo Pallago 1582 geformte Terrakottastatuen Christi und der Apostel. Die Kapelle wurde bereits 1479 gestiftet. Der „barocke“ Reichtum des spätgotischen Baldachins entstand wohl als bewusster Kontrast zur nüchternen Strenge der Architektur. Der Schlussstein des Sterngewölbes zeigt das Wappen des Abtes Johannes von Gültlingen. Das Grabmal des Hl. Simpertus wird Jakob Herkommer zugeschrieben. Hinter der Tumbafigur wurden Hilfesuchende und die Erweckung eines toten Kindes durch den Heiligen dargestellt. Die Gebeine des Hl. Simpertus werden in einem Schrein im Altar aufbewahrt. Über der Simpertuskapelle lag ehemals die Abtskapelle, deren reiche Maßwerkbrüstung das Bild zusätzlich bereichert.

Die Andreaskapelle geht ebenfalls auf eine Stiftung der Familie Fugger (1480) zurück und wurde von 1578 bis 1584 als Grabkapelle für Markus Fugger ausgebaut. Der dreigeschossige Flügelaltar aus marmoriertem und vergoldeten Holz zeigt die Kreuzigung und Passion Christi (Entwurf Friedrich Sustris, ausgeführt um 1580 durch Wendel Dietrich). Die Kapelle wird gemeinsam mit der Simpertuskapelle durch die Arkadenschranke von 1582 abgeschlossen.

Auch die um 1480 errichtete Georgskapelle wurde 1563 zur Grabkapelle Georg Fuggers umgewidmet. Das Epitaph für Johann Jakob Fugger und Ursula von Harrach entstand um 1554/58 ursprünglich für die Dominikanerkirche. Auf dem Altarblatt ist Maria mit Engeln und den Hll. Ulrich und Afra dargestellt (Peter Candid, 1594 nach Entwurf von Christoph Schwartz). Unten erkennt man wiederum eine Stadtansicht. Der Altar selbst entstand erst 1629.

Auf der Südseite befindet sich auch der Eingang zur Heiltumskammer mit ihren bemerkenswerten Kirchenschätzen.

Die von Anton Fugger 1589 erworbene Bartholomäuskapelle an der Nordostecke ließ Philipp Eduard Fugger von 1596 bis 1602 als Grablege für sich und seine Frau ausgestalten.

Die Marien- oder Schneckenkapelle über der Sakristei aus dem Jahr 1600 beherbergt den früheren Hochaltar, eine 1570 entstandene Schnitzerei im Stile posthumer Gotik.

Die Pieta-Kapelle unter dem Turm ist mit einer spätgotischen Pietà in goldenem Rahmen und Magnificatfenster ausgestattet.

Orgeln[Bearbeiten]

Orgelempore

An der Westseite des Mittelschiffes befindet sich die Ulrichsorgel, deren Gehäuse aus dem Jahr 1608 stammt. Ihr Werk wurde mehrmals erneuert, zuletzt 1982/1998 von der Orgelbaufirma Sandtner aus Dillingen. Mit ihren 68 klingenden Registern auf vier Manualen (mechanische Spieltraktur) und Pedalwerk orientiert sich ihre Disposition an verschiedenen Strömungen und Höhepunkten in der Geschichte des Orgelbaus. Die Orgelempore stammt von 1606 und geht auf eine Stiftung Jakob III. Fuggers zurück. An den Gönner erinnert ein Relief vor den Pfeifen. Den Prospekt schuf Paulus III. Mair (1608) nach einem Entwurf Matthias Kagers. Mair bemalte auch die beiden Flügel mit den Himmelfahrten Christi und der Gottesmutter. Die Außenseiten der Orgelflügel wurden abgespalten und hängen jetzt an der Südwand des Chores.

Etwas versteckter – in der Schneckenkapelle über der Sakristei – befindet sich die Marienorgel (II/18, erbaut 1925 durch die Gebrüder Hindelang, Ebenhofen/Allgäu). Die Orgel wurde 2010 von Robert Knöpfler (Orgelbaufirma Rudolf Kubak) generalüberholt[2].

Im Hochchor der Basilika steht zusätzlich noch ein fahrbares Portativ (I/6).

Glocken[Bearbeiten]

Das Monumentalgeläut der Basilika besteht seit dem Jahr 2002 aus insgesamt zehn Glocken. Zu den vorhandenen sieben Glocken, darunter das Totenglöckchen aus dem 12. Jahrhundert, wurden drei neue von der Glockengießerei Rudolf Perner gegossen. Damit besitzt die Basilika das umfangreichste Geläute der Diözese Augsburg.

Nr.
Name
Gussjahr
Gießer, Gussort
Durchmesser
(mm)
Gewicht
(kg)
Nominal
(16tel)
1 Ulrich und Afra 1948 Kuhn-Wolfart, Lauingen 1980 4420 as0 −2
2 Simpertus 1948 Kuhn-Wolfart, Lauingen 1765 2990 b0 –3
3 Muttergottes 1948 Kuhn-Wolfart, Lauingen 1560 2128 c1 –4
4 Antonius 1948 Kuhn-Wolfart, Lauingen 1305 1271 es1 –4
5 Josef 1948 Kuhn-Wolfart, Lauingen 1148 844 f1 –8
6 Franziskus Xaverius 1923 Hahn, Landshut 940 470 as1 –4
7 Versöhnung 2001 Perner, Passau 879 393 b1 –2
8 Crescentia 2001 Perner, Passau 778 292 des2 ±0
9 Hl. Jahr 2000 1999 Perner, Passau 630 176 f2 –2
10 Totenglöckchen Ende 12. Jh.  ? 630 257 b2 –7

Heiltumskammer[Bearbeiten]

Hauptartikel: Heiltumskammer (Augsburg)

In fünf Vitrinen ist hier der mittelalterliche Reliquienschatz des ehemaligen Benediktinerklosters und Reichsmünsters gesammelt. Die Heiltumskammer wurde am 23. April im Afra-Jubiläumsjahr 2004 in der ehemaligen Gregorkapelle feierlich eingeweiht.

Ort der Ikonen in der Bartholomäuskapelle[Bearbeiten]

Seit dem Jahr 2007 sind aufgrund einer Stiftung in der Bartholomäuskapelle der Kirche 30 Ikonen aus dem 17. bis 19. Jahrhundert als „Ort der Ikonen“ zu sehen. Die Ikonen stammen vor allem aus dem Malerdorf Palech, aber auch aus Moskau und Jaroslawl.[3][4]

Übrige Ausstattung[Bearbeiten]

Muttergottes
Sarkophag der Hl. Afra

An den Wänden der etwa 15 m hohen Seitenschiffe befinden sich beeindruckende Kreuzwegstationen, von Januarius Zick 1788 angefertigte Ölgemälde. Die reich verzierten Beichtstühle sind ebenso wie ein prächtiges Eichenholzgitter unter der Orgelempore, dessen geschmiedete Eisenteile optisch Laubengänge vortäuschen, 1712 aus den Händen von Ehrgott Bernhard Bendel entstanden.

An der nördlichen Querhauswand befinden sich zwei um 1455 entstandene Gemälde eines namentlich nicht bekannten Meisters mit Szenen aus der Ulrichslegende, dazwischen ein spätgotisches Madonnenbild. Die Muttergottesstatue am nordwestlichen Vierungspfeiler wird auf das Jahr 1495 geschätzt und Gregor Erhart zugerechnet.

In der Unterkirche hat der spätantike Steinsarkophag mit den Gebeinen der Hl. Afra in der Grabkapelle Platz gefunden. Gegenüber liegt die Grabkapelle des Hl. Ulrich, welche 1762 im Rokokostil gestaltet wurde.

Papstbesuche[Bearbeiten]

  • Am 4. Mai 1782 feierte Papst Pius VI. in der Basilika eine Messe.
  • Papst Johannes Paul II. kehrte am 4. Mai 1987 in das Gotteshaus ein.

Bedeutung[Bearbeiten]

Die Basilika St. Ulrich und Afra zählt zu den letzten großen spätgotischen Kirchenbauten in Schwaben. Da Augsburg als führend galt wurde die Turmkuppel zum Vorbild für barocke Kirchen in Bayern, mit ihren typischen „Zwiebeltürmen“.

Die Kirche erfüllte und erfüllt verschiedene Funktionen: Wallfahrtskirche für die Augsburger Bistumsheiligen Ulrich, Afra und Simpertus, Abteikirche für ein Benediktinerkloster, Münster eines bedeutenden Reichsstiftes, Garnisonkirche für das 4. Bayerische Chevaulegers-Regiment, Glaubensdenkmal für das Augsburger Großbürgertum.

Anfang Oktober 1808 wurde in Augsburg einer der ersten telegrafischen Posten eingerichtet: von der Galerie der Ulrichskirche gab man Zeichen in weißen, blauen und roten Fahnen und konnte so über weite Strecken in kurzer Zeit mit anderen Posten/Städten kommunizieren. In Norddeutschland wurde dieses System erst in den 1830er-Jahren genutzt. Augsburg war somit eine der ersten Städte in Deutschland, die dieses aus Frankreich importierte Medium nutzte.[5]

Literatur[Bearbeiten]

  • Georg Dehio: Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler. Bayern III: Schwaben. Bearb. von Bruno Bushart und Georg Paula, München 1989.
  • Bernt von Hagen, Angelika Wegener-Hüssen: Denkmäler in Bayern, Band 83: 7, Schwaben, Landkreise und kreisfreie Städte. Stadt Augsburg (Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland). München 1994, ISBN 3-87490-572-1.
  • Norbert Lieb: Augsburg St. Ulrich und Afra. 24. Auflage. Schnell & Steiner Kunstführer 183, Regensburg 2003, ISBN 3-7954-4171-4.
  • Barnabas Schroeder: Die Aufhebung des Benediktiner-Reichsstiftes St. Ulrich und Afra in Augsburg 1802–1806. ein Beitrag zur Säkularisationsgeschichte im Kurfürstentum Bayern. München 1929.
  • Monika Soffner Loibl, Franz Wolf: Augsburg, Basilika St. Ulrich und Afra. Peda-Kunstführer 569, Passau 2004, ISBN 3-89643-569-8.
  • Joachim Werner, Aladár Radnóti: Die Ausgrabungen in St. Ulrich und Afra in Augsburg 1961–1968. Münchner Beiträge zur Vor- und Frühgeschichte, 2 Bde., München 1977.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Basilika St. Ulrich and St. Afra – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Artikel zum Barbara-Denkmal im Augsburger Stadtlexikon
  2. Bericht zur Neu-Einweihung der Marienorgel aus der AZ
  3. siehe Seite über das Buch dazu http://www.icons-art.com/2009/?page_id=428
  4. Quelle: Faltblatt „Ort der Ikonen“, hrsg. Katholisches Stadtpfarramt St. Ulrich und Afra
  5. Augsburgische Ordinari Postzeitung, Nro. 239, Freytag, den 6. Okt. Anno 1809, S. 4.

48.3615510.90025Koordinaten: 48° 21′ 42″ N, 10° 54′ 1″ O