Bertha Benz Memorial Route

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Bertha Benz Memorial Route
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Berthabenzmemorialrouteschild.jpg
Land: Deutschland
Länge: 194 km
Bundesland: Baden-Württemberg
Region: Nordbaden
Verlaufsrichtung: Nord-Süd, Süd-Nord
Beginn: Mannheim
Weitester Punkt: Pforzheim
Ende: Mannheim
Höhenlage: 89 m bis 359 m ü. NN

Die Bertha Benz Memorial Route ist eine deutsche Touristik- bzw. Ferienstraße mit kulturhistorischem Hintergrund. Sie ermöglicht heute jedem, die Strecke selbst nachzufahren, die Bertha Benz 1888 für die erste automobile Fernfahrt in der Geschichte wählte.

Geschichte[Bearbeiten]

Cäcilie Bertha Benz

1886 erfand der in Karlsruhe geborene Carl Benz in Mannheim das Automobil (Reichspatent 37435 vom 29. Januar 1886), das aber anfangs kein wirtschaftlicher Erfolg war.

Anfang August 1888 bewies seine Ehefrau Bertha Benz in Begleitung ihrer 15 und 13 Jahre alten Söhne Eugen und Richard durch eine heimliche Fahrt mit dem Benz Patent-Motorwagen Nummer 3 von Mannheim in ihre Geburtsstadt Pforzheim und zurück die Alltagstauglichkeit der pferdelosen Kutsche, was dem Automobil zum Durchbruch verhalf.

In der Stadt-Apotheke in Wiesloch mussten als Kraftstoff einige Liter Ligroin gekauft werden, das damals als Reinigungsmittel diente. So wurde diese Apotheke zur ersten Tankstelle der Welt. Eine dort angebrachte Gedenktafel sowie ein Denkmal erinnern daran.

Während der Fahrt mussten auch mehrere Reparaturen durchgeführt werden, von denen Bertha Benz zwei selbst auf offener Strecke erledigen konnte: „Das eine Mal war die Benzinleitung verstopft – da hat meine Hutnadel geholfen. Das andere Mal war die Zündung entzwei. Das habe ich mit meinem Strumpfband repariert.

Trägerschaft[Bearbeiten]

Die private gemeinnützige Initiative für die Einrichtung der Bertha Benz Memorial Route gründete 2007 zwei Vereine, den Bertha Benz Memorial Route e. V. und den Bertha Benz Memorial Club e. V. Letzterer ist in den Bereichen Bildung, Denkmalspflege und Heimatpflege als gemeinnützig anerkannt und will die historische Leistung der Bertha Benz bekannt machen.

Am 25. Februar 2008 genehmigte das Regierungspräsidium Karlsruhe offiziell die Bertha Benz Memorial Route als Touristik- beziehungsweise Ferienstraße, ein 194 Kilometer langes dynamisches Denkmal badischer und somit auch deutscher Industriegeschichte. Die Bertha Benz Memorial Route ist Mitglied im ERIH (European Route of Industrial Heritage).[1]

Verlauf[Bearbeiten]

Hinweisschild an der B10 am Ortseingang von Wilferdingen. Ab hier weicht die Bertha Benz Memorial Route von der historischen Strecke ab.
Verlauf der Bertha Benz Memorial Route

Hinfahrt[Bearbeiten]

Die Hinfahrt führt in südlicher Richtung über etwa 104 Kilometer von Mannheim nach Pforzheim:

Mannheim, Feudenheim, Ilvesheim, Ladenburg, Schriesheim, Dossenheim, Heidelberg, Rohrbach (Heidelberg), Leimen, Nußloch, Wiesloch, Mingolsheim, Langenbrücken, Stettfeld, Ubstadt, Bruchsal, Untergrombach, Weingarten, Grötzingen, Berghausen, Söllingen, Kleinsteinbach, Wilferdingen, Königsbach, Stein, Eisingen, Pforzheim.

Der oben genannte und auch ausgeschilderte Streckenverlauf entspricht soweit irgend möglich der von Bertha Benz gefahrenen Originalstrecke. Einzige Ausnahme: Ab Wilferdingen fuhr sie entlang der heutigen Bundesstraße 10 nach Pforzheim.[2] Der Streckenabschnitt zwischen Wilferdingen und Pforzheim, welcher der historisch von Bertha Benz befahrenen Strecke entspricht, ist seit November 2012 mit Hinweisschildern "Bertha Benz Memorial Route (hist.)" ausgezeichnet.

Rückfahrt[Bearbeiten]

Die Rückfahrt führt auf alternativer Strecke in nördlicher Richtung über 90 Kilometer von Pforzheim zurück nach Mannheim:

Pforzheim, Bauschlott, Bretten, Gondelsheim, Helmsheim, Heidelsheim, Bruchsal, Forst, Hambrücken, Wiesental, Kirrlach, Reilingen, Hockenheim, Talhaus, Ketsch, Schwetzingen, Friedrichsfeld, Seckenheim, Mannheim.

Landschaften[Bearbeiten]

Die authentische Fahrtroute der Bertha Benz verknüpft nicht nur fast vergessene Originalschauplätze ihrer Fahrt, sondern führt auch durch das Weinbaugebiet Baden.

Diese Route der Industriekultur folgt im Bereich der Oberrheinischen Tiefebene mehreren Römerstraßen, unter anderem der Bergstraße, führt an Odenwald und Kraichgau entlang, um kurz vor Karlsruhe Richtung Pforzheim in den nördlichen Schwarzwald abzubiegen.

Auf der Rückfahrt führt sie dann durch den Kraichgau, erneut durch die Oberrheinische Tiefebene, diesmal den Rheinauen folgend Richtung Start- und Zielort Mannheim.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Bertha Benz Challenge[Bearbeiten]

Die Bertha Benz Memorial Route wurde bereits Ende 2008 eröffnet, das baden-württembergische Staatsministerium regte jedoch an, die offizielle Einweihungsfahrt im Rahmen des Automobilsommers 2011 zu veranstalten, der offiziellen Veranstaltung zur Erinnerung an die Erfindung des Automobils durch Carl Benz vor 125 Jahren.

Die Deutsche Welle berichtete am 25. Januar 2011 weltweit in einem TV-Vorabbericht in mehreren Sprachen über die Bertha Benz Challenge. Im Rahmen der Sendung „Made in Germany“ wurde nicht nur die Erfindung des Automobils beleuchtet, sondern auch dessen Zukunft.[3]

Tesla Roadster vor dem Start der Bertha Benz Challenge 2011 im Ehrenhof des Schlosses Mannheim.

Am 10. und 11. September 2011 fand dann die erste Bertha Benz Challenge[4] statt, offen nur für zukunftsgerechte Fahrzeuge: Alle Fahrzeuge mit alternativem Antrieb – Elektro- und Hybridantrieb, Wasserstoffantrieb und Brennstoffzelle – aber auch extrem verbrauchsarme, sehr umweltfreundliche Fahrzeuge. Denn Bertha Benz fuhr 1888 keinen Oldtimer, sondern das innovativste Fahrzeug ihrer Zeit. Und an der offiziellen Einweihungsfahrt sollten daher die innovativsten Fahrzeuge unserer Zeit teilnehmen.

Ministerpräsident Winfried Kretschmann übernahm die Schirmherrschaft, Staatsministerin Silke Krebs und Wissenschaftsministerin Theresia Bauer fuhren persönlich mit, um das Engagement des Landes Baden-Württemberg für zukunftsgerechte Mobilität zu dokumentieren. Mit 43 angemeldeten alternativ angetriebenen Fahrzeugen war die 1. Bertha Benz Challenge bereits eine der größten e-Mobilitätsveranstaltungen[5].

Das Motto lautete: „Nachhaltige Mobilität auf der ältesten Automobilstraße der Welt!“

Mit dabei war auch der Nachbau des Flocken Elektrowagens von 1888, der beweist, dass Elektromobilität in Deutschland bereits eine lange Tradition hat.

Die zweite Bertha Benz Challenge fand vom 14. bis 16. September 2012 statt, startete aber im Rahmen der Automechanika vom Gelände der Messe Frankfurt, und schloss zwei Runden auf dem Motodrom des Hockenheimrings ein, der sich so sichtbar der Elektromobilität öffnete[6].

Die dritte Bertha Benz Challenge fand vom 13. bis 15. September 2013 statt, und startete erstmals von der Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA) in Frankfurt. Schirmherren waren Bundesumweltminister Peter Altmaier, Ministerpräsident Volker Bouffier, und Ministerpräsident Winfried Kretschmann.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bertha Benz Memorial Route: Deutschlands neueste Ferienstraße ehrt eine Legende. Pressemitteilung vom 14. Mai 2009 (PDF; 57 kB)
  2. Rudolf Vögele: 1997 Ersingen, unsere Heimat – Ein Teil seiner Geschichte. Geiger-Verlag, Horb am Neckar, ISBN 3-89570-292-7
  3. DW-TV (Langversion auf YouTube): Geschichte des Automobils inkl. Bertha Benz Challenge
  4. Webseite der Bertha Benz Challenge
  5. Die Bertha Benz Challenge 2011 auf YouTube
  6. 5-seitiger Bericht über die Bertha Benz Challenge in der Zeitschrift EMobile plus solar (PDF; 2,1 MB)

Literatur[Bearbeiten]

  • Karl Volk: Carl Benz. Lebensfahrt eines Erfinders. Koehler und Amelang, München 2001, ISBN 3-7338-0302-7 (unveränderter Nachdruck der Auflage von 1925).
  • Angela Elis: Mein Traum ist länger als die Nacht. Wie Bertha Benz ihren Mann zu Weltruhm fuhr. Hoffmann und Campe, Hamburg 2010, ISBN 978-3-455-50146-9.
  • Benz & Cie. (Hrsg.): Die Benzwagen. Wellhöfer, Mannheim 2008, ISBN 3-939540-19-6 (Nachdruck der Unternehmensschrift von 1913).
  • Hans-Erhard Lessing: Mannheimer Pioniere. Wellhöfer, Mannheim 2007, ISBN 978-3-939540-13-7.
  • Winfried A. Seidel: Carl Benz. Eine badische Geschichte. Edition Diesbach, Weinheim 2005, ISBN 3-936468-29-X.
  • Rudolf Vögele: 1997 Ersingen, unsere Heimat – Ein Teil seiner Geschichte. Geiger-Verlag, Horb am Neckar, ISBN 3-89570-292-7
  • Anna Schnekker, Dietmar Stanka, Edgar Meyer: "Bertha Benz Memorial Route - Geschichte und Kultur entlang der ersten automobilen Fernfahrt." Grebennikov Verlag, Berlin 2013, ISBN 978-3-941784-37-6

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Bertha Benz Memorial Route – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien