Daniel Auteuil

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Daniel Auteuil (2011)

Daniel Auteuil (* 24. Januar 1950 in Algier) ist ein französischer Theater- und Filmschauspieler. Er zählt zu den bedeutendsten französischen Charakterdarstellern der Gegenwart.

Leben[Bearbeiten]

Auteuil kam 1950 in Algier zur Welt, wo seine Eltern, die Opern- und Operettensänger Henri und Yvonne Auteuil, gerade Station im Rahmen einer Tournee mit der Opera de Paris gemacht hatten und wo Auteuil die ersten sechs Monate lebte. Er wuchs jedoch in Avignon auf und sammelte bereits im Kindesalter als Statist erste Bühnenerfahrung, so übernahm er als Vierjähriger seine erste Theaterrolle als Sohn in Madama Butterfly.[1][2] Im Alter von 16 Jahren trat er mit der Theatergruppe von André Benedetto in Avignon in einer Nebenrolle in Anton Tschechows Heiratsantrag auf, wodurch sich sein Wunsch, Schauspieler zu werden, festigte.[3] Auteuil arbeitete zunächst als Landvermesser in der Provence[4][5] und ging 1969 nach Paris, wo er sich im Theaterkurs der privaten Schauspielschule Cours Florent einschrieb.[4] Er bewarb sich in der Folge drei Mal vergeblich um die Aufnahme am Conservatoire national supérieur d'art dramatique,[6] war aber dennoch in kleineren Theaterrollen zu sehen.

Auteuil gab sein eigentliches Schauspieldebüt 1970 am Pariser Théâtre national de Chaillot im Stück Early Morning von Edward Bond. Einen ersten größeren Erfolg verbuchte er 1972, als er unter 1500 Mitbewerbern einer von zehn französischen Schauspielern war, die für das amerikanische Musical Godspell gecastet wurden. In Godspell spielte Auteuil zwei Jahre fest in Paris. Seine erste Fernsehrolle übernahm er 1974 in der Serie Les Fargeot, sein Kinofilmdebüt gab er 1975 in Gérard Pirès' Die Entfesselten. Weitere kleinere Theater- und Filmrollen folgten; sein größter Theatererfolg wurde 1979 Coup de chapeau in einer Inszenierung von Pierre Mondy am Théâtre de la Michodière, für die Auteuil 1979 mit dem Prix Gérard-Philipe als bester Theaterschauspieler des Jahres ausgezeichnet wurde.

Zunächst hauptsächlich in Komödien zu sehen – er spielte unter anderem 1980 in Claude Zidis Teenagerkomödie Glückwunsch … mal wieder sitzengeblieben sowie in der Fortsetzung Glückwunsch II – Die Lümmel machen Ferien aus dem Folgejahr die Rolle des Bebel – schaffte Auteuil bereits nach wenigen Jahren den Sprung ins Charakterfach. Mit der Rolle des ambivalenten Bauern Ugolin in Claude Berris Pagnol-Verfilmungen Jean Florette und Manons Rache gelang Auteuil über die Landesgrenzen hinaus der Durchbruch als Schauspieler. „Diese legendäre Figur, geboren aus französischer Dorfwirklichkeit und Pagnolscher Dichtung, hat Daniel Auteuils Leben verändert“, so prisma.de.[7] Auteuil selbst bekannte in einem Interview, dass er durch die Rolle „zu [sich] gefunden und festgestellt [hat], wie wichtig und wunderbar es ist, das tun zu können, was man wirklich will.“[7] Für seine darstellerische Leistung in Jean Florette wurde er 1987 mit einem César als Bester Hauptdarsteller ausgezeichnet.

Auteuil 2013 als Mitglied der Jury der Internationalen Filmfestspiele von Cannes

Für kurze Zeit war Auteuil 1985 als Sänger aktiv, auch wenn er nach eigener Aussage kein Rhythmusgefühl besitzt.[4] Er veröffentlichte im Frühjahr 1985 die Single Que la vie me pardonne (B-Seite T’es pas la femme du boulanger), die im gleichen Jahr das Titellied des Films Der Filou wurde, in dem Auteuil eine Hauptrolle innehatte. Die Single hielt sich fünf Wochen in den französischen Charts und erreichte Platz 35.[8] Die Folgesingle Où elle est (B-Seite Tu m’as larqué Florence) konnte sich 1985 nicht in den Charts platzieren.[9] Nach eigener Aussage widmete sich Auteuil in dieser Zeit nur der Musik, weil er als Schauspieler in einer Sackgasse angekommen war und darauf wartete, dass etwas passiert („c’était en attendant qu’il se passe un truc“[4]). Der große Erfolg von Jean Florette führte schließlich dazu, dass er die Musik aufgab. Er spielte in späteren Jahren jedoch in Musikvideos mit, so in Maxime Le Forestiers L’homme au bouquet de fleurs (2002) und Pascal Obispos Arigatô (2014).

Auteuil festigte nach Jean Florette und Manons Rache seinen Ruf als Charakterdarsteller und übernahm immer wieder Rollen, die Gefühlsstörungen thematisierten, seien es psychische Probleme wie Teilnahmslosigkeit (Einige Tage mit mir, 1988) oder die Unfähigkeit, zu lieben oder sich zu binden (Ein Herz im Winter, 1992; Meine liebste Jahreszeit, 1992). Als Filmschauspieler international bekannt wurde Auteuil 1994 durch seine Darstellung des protestantischen Königs Heinrich von Navarra in Patrice Chéreaus Die Bartholomäusnacht. Für seine Darstellung des Karrieremenschen Harry im Film Am achten Tag, der sich mit Georges, Heimbewohner mit Downsyndrom, anfreundet, wurde Auteuil bei den Filmfestspielen von Cannes mit dem Preis als Bester Darsteller ausgezeichnet. Seinen zweiten César als Bester Hauptdarsteller gewann er 2000 für seine Rolle des erfolglosen Messerwerfers Gabor in Die Frau auf der Brücke, der in der selbstmordgefährdeten Adèle (Vanessa Paradis) eine Muse und unerreichbar scheinende Geliebte findet. The Lost Son aus dem Jahr 1999 und unter der Regie von Chris Menges wurde Auteils erster englischer Film, während er in Ein Mann sieht rosa als vermeintlich homosexueller Angestellter 2001 ins Komödienfach zurückkehrte. Dabei stand er nach Jean Florette und Manons Rache erneut mit Gérard Depardieu vor der Kamera.

Häufig ist Auteuil in der Rolle des Außenseiters zu sehen, bedient dabei jedoch sowohl das dramatische, als auch das komödiantische Fach.[3] „Gequält, unwohl in der eigenen Haut, oft schäbig und verschlagen: Die Männer, die Daniel Auteuil spielt, sind nicht die typischen Sympathieträger“, so die Kritik, die zudem den „beinahe autistischen Zug, der Auteuils Leinwandpersona zu eigen sein kann“, hervorhebt.[10] Er gilt als „vielseitiger Charakterdarsteller mit einem beständigen Wechsel zwischen Komödie und Drama, zwischen Kunstkino und Mainstreamhits“,[6] wobei ihm in Komödien „fulminant die optimistische Umkehrung der Sinnkrisen, die er in seinen ‚ernsten‘ Filmen durchlebt“, gelingt.[10] Der Spiegel nannte ihn 2000 den „Mann mit dem wohl markantesten Gesicht im europäischen Film.“[11]

Auteuil veröffentlichte 2004 sein erstes Buch Il a fait l’idiot à la chapelle mit Illustrationen von Sempé.[1] Im Jahr 2010 gab er sein Debüt als Regisseur und realisierte das Filmdrama La fille du puisatier nach einem Roman von Marcel Pagnol; im Film übernahm er auch eine Nebenrolle. Zudem verfilmt er die Trilogie marsaillaise Pagnols; Marius und Fanny liefen 2013 in den Kinos an, César wird 2014 in die französischen Kinos kommen, wobei Auteuil in allen drei Filmen die Rolle des César übernimmt. Unter der Präsidentschaft von Steven Spielberg war Auteuil 2013 Mitglied der Wettbewerbsjury bei den 66. Filmfestspielen in Cannes.

Bereits 2008 war Auteuil nach längerer Bühnenabstinenz in Molières Die Schule der Frauen wieder am Theater aktiv gewesen und ging 2009 mit dem Stück auch auf Theatertournee. Nos femmes von Eric Assous, das unter der Regie von Richard Berry von September 2013 bis Februar 2014 lief,[12] wurde 2013 zu einer der erfolgreichsten Aufführungen am französischen Privattheater. Auteuil erhielt für seine Rolle des Mediziners Paul 2014 eine Molière-Nominierung als Bester Hauptdarsteller.[13]

Privates[Bearbeiten]

Auteuil ist Vater zweier Töchter, die aus seinen Beziehungen mit der Schauspielerin Anne Jousset und der Schauspielerin Emmanuelle Béart hervorgingen. Auteuil war mehrere Jahre mit der Schauspielerin Marianne Denicourt liiert, bevor er im Juli 2006 in erster Ehe[1][14][15] die korsische Bildhauerin Aude Ambroggi heiratete. Der gemeinsame Sohn wurde im September 2009 geboren.

Seit einem Unfall in der Jugend trägt Auteuil eine Doppelnarbe über der Oberlippe.[10] Auteuil lebt mit seiner Frau und seinem Sohn auf Korsika.

Synchronisation[Bearbeiten]

Seit Einige Tage mit mir (1988) wird Auteuil in Filmsynchronisationen überwiegend von Gudo Hoegel gesprochen (16 Filme; Stand Dezember 2013). Weitere Sprecher waren unter anderem Martin Umbach und Wolfgang Condrus (je drei Filme) sowie Arne Elsholtz, Stephan Schwartz, Bodo Wolf und Joachim Tennstedt (je zwei).[16]

Filmografie[Bearbeiten]

  • 1974: Les Fargeot (TV-Serie)
  • 1975: Adieu Amédée (TV)
  • 1975: Die Entfesselten (L’agression)
  • 1976: Schinken mit Ei (Attention les yeux!)
  • 1976: La folle de Chaillot (TV)
  • 1976: Assassinat de Concino Concini (TV)
  • 1976: Les mystères de Loudun (TV)
  • 1977: Rendez-vous en noir (TV-Serie, sechs Folgen)
  • 1977: La nuit de Saint-Germain-des-Prés
  • 1977: Monsieur Papa
  • 1977: Le chevalier d’Harmental (TV-Mehrteiler)
  • 1978: Das Ende der Nacht (L’amour violé)
  • 1979: Les héros n’ont pas froid aux oreilles
  • 1979: Allein zu zweit (À nous deux)
  • 1979: Le petit théâtre d’Antenne 2: L’incompris (TV-Reihe)
  • 1979: Die Schlafmütze (Bête, mais discipliné)
  • 1979: Rien ne va plus
  • 1980: Au théâtre ce soir: Bataille de dames (TV-Reihe)
  • 1980: Glückwunsch … mal wieder sitzengeblieben (Les sous-doués)
  • 1980: Die Bankiersfrau (La banquière)
  • 1981: Société amoureuse à responsabilité limitée (TV)
  • 1980: Clara und die tollen Typen (Clara et les chics types)
  • 1980: Verführung wider Willen (Le calvaire d’un jeune homme impéccable) (TV)
  • 1981: Les hommes préfèrent les grosses
  • 1982: Glückwunsch II – Die Lümmel machen Ferien (Les sous-doués en vacances)
  • 1982: T’empêches tout le monde de dormir
  • 1982: Du kannst mich mal (Pour 100 briques, t’as plus rien!)
  • 1982: Merci Bernard (TV-Serie, zwei Folgen)
  • 1982: Emmenez-moi au théâtre: Apprends-moi Céline (TV-Reihe)
  • 1982: Que les gros salaires lèvent le doigt!
  • 1983: Der Spitzel (L’indic)
  • 1984: Kleiner Spinner (P’tit con)
  • 1984: Großstadthölle – Gehetzt und gejagt (Les fauves)
  • 1984: Der Linkshänder (L’arbalète)
  • 1985: Die Dame vom Palace-Hotel (Palace)
  • 1985: Der Filou (L’amour en douce)
  • 1986: Der Tölpel (Le paltoquet)
  • 1986: Jean Florette (Jean de Florette)
  • 1986: Manons Rache (Manon des sources)
  • 1988: Einige Tage mit mir (Quelques jours avec moi)
  • 1989: Milch und Schokolade (Romuald et Juliette)
  • 1990: Lacenaire
  • 1991: Mein Leben ist die Hölle (Ma vie est un enfer)
  • 1992: Ein Herz im Winter (Un cœur en hiver)
  • 1992: Meine liebste Jahreszeit (Ma saison préférée)
  • 1994: Die Bartholomäusnacht (La reine Margot)
  • 1994: Trennung (La séparation)

Theaterrollen[Bearbeiten]

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Auteuil 2000 mit dem César als Bester Hauptdarsteller für Die Frau auf der Brücke
  • 1979: Prix Gérard-Philipe als Bester Nachwuchsdarsteller des Jahres für Coup de chapeau
  • 1987: César, Bester Hauptdarsteller, für Jean Florette
  • 1988: BAFTA, Bester Nebendarsteller, für Jean Florette
  • 1988: Molière-Nominierung, Bester Hauptdarsteller, für La double inconstance
  • 1989: Césarnominierung, Bester Hauptdarsteller, für Einige Tage mit mir
  • 1991: Césarnominierung, Bester Hauptdarsteller, für Lacenaire
  • 1991: Molière-Nominierung, Bester Hauptdarsteller, für Les Fourberies de Scapin
  • 1993: Europäischer Filmpreis, Bester Darsteller, für Ein Herz im Winter
  • 1993: David di Donatello, Bester ausländischer Darsteller, für Ein Herz im Winter
  • 1993: Césarnominierung, Bester Hauptdarsteller, für Ein Herz im Winter
  • 1994: Césarnominierung, Bester Hauptdarsteller, für Meine liebste Jahreszeit
  • 1995: Césarnominierung, Bester Hauptdarsteller, für Trennung
  • 1996: Internationale Filmfestspiele von Cannes, Bester Darsteller, für Am achten Tag
  • 1997: Césarnominierung, Bester Hauptdarsteller, für Am achten Tag
  • 1998: Césarnominierung, Bester Hauptdarsteller, für Duell der Degen
  • 1999: Nominierung British Independent Film Award, Bester Darsteller, für The Lost Son
  • 2000: César, Bester Hauptdarsteller, für Die Frau auf der Brücke
  • 2001: Nominierung Chlotrudis Award, Bester Hauptdarsteller, für Die Frau auf der Brücke
  • 2001: Prix Lumière, Bester Darsteller, für Sade
  • 2001: Internationales Filmfestival Shanghai, Goldener Pokal als Bester Schauspieler, für Ein Mann sieht rosa
  • 2001: Sant Jordi Awards, Sant Jordi als Bester ausländischer Darsteller, für Die Frau auf der Brücke und Die Witwe von Saint-Pierre
  • 2002: Nominierung Chlotrudis Award, Bester Hauptdarsteller, für Die Witwe von Saint-Pierre
  • 2003: Césarnominierung, Bester Hauptdarsteller, für L’adversaire
  • 2004: Césarnominierung, Bester Hauptdarsteller, für Après vous … Bitte nach Ihnen
  • 2004: Étoile d’Or, Bester Hauptdarsteller, für Petites coupures und Après vous … Bitte nach Ihnen
  • 2005: Chevalier des Arts et Lettres, Officier des Arts et Lettres
  • 2005: Europäischer Filmpreis, Bester Darsteller, für Caché
  • 2005: Césarnominierung, Bester Hauptdarsteller, für 36 Tödliche Rivalen
  • 2007: Nominierung Chlotrudis Award, Bester Hauptdarsteller, für Caché
  • 2014: Molière-Nominierung, Bester Hauptdarsteller, für Nos femmes

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c Clara Géliot: Les toutes premières fois de Daniel Auteuil.Le Figaro, 8. April 2011.
  2. Vgl. Daniel Auteuil auf festival-de-cannes.cineday.orange.fr, abgerufen am 13. September 2013.
  3. a b Auteuil, Daniel in Munzinger Online/Personen – Internationales Biographisches Archiv, abgerufen am 13. September 2013.
  4. a b c d Eric Libiot: Daniel Auteuil: „La concurrence, je m’en fous“. L’Express, 20. April 2011.
  5. Stephan Maus: Daniel Auteuil: „Ich war immer sehr auf Verführung aus“, stern.de, 24. Juni 2006.
  6. a b Das Erste: Daniel Auteuil zum 60. Geburtstag: Der französische Star in einer Filmreihe ab Januar 2010 im Ersten. presseportal.de, 11. Dezember 2009.
  7. a b Vgl. Daniel Auteuil auf prisma.de, abgerufen am 13. September 2013.
  8. Vgl. Que la vie me pardonne auf lescharts.com
  9. Vgl. Diskografie von Daniel Auteuil auf discogs.de
  10. a b c Gerhard Midding: Der Zweifel als Triebfeder. filmpodium.ch, abgerufen am 13. September 2013.
  11. Jörg Böckem: Daniel Auteuil. In: KulturSpiegel, Nr. 12, 2000, S. 52.
  12. Sandrine Blanchard: Daniel Auteuil: „Je viens du théâtre, j’y suis né, j’y suis attaché“. lemonde.fr, 27. Dezember 2013.
  13. Les Molières reviennent, et les nommés sont … lexpress.fr, 12. Mai 2014.
  14. Anne-Laure Barret: Auteuil: „Pour se séparer, il faut avoir les moyen“. In: Le Journal du Dimanche, 19. Mai 2009.
  15. Le joyeux mariage de Daniel Auteil. Pour la premiere fois a 56 ans, le seducteur a dit „oui“ . Il a craqué pour Aude, 29 ans. In Paris Match, Nr. 2984, Juli/August 2006, Titel.
  16. Daniel Auteuil in der Deutschen Synchronkartei