Dar ul-Ulum Deoband

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دارالعلوم دیوبند
Dar ul-Ulum Deoband
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Gründung 1866
Trägerschaft privat
Ort Deoband, Indien
Leiter Mufti Abul Qasim Nomani
Studenten ca. 3500 (2004)
Mitarbeiter über 400
davon Professoren 250
Jahresetat ca. eine Million Euro (2004)
Website darululoom-deoband.com

Dar ul-'Ulum Deoband (Urdu ‏دارالعلوم دیوبندHaus der Gelehrsamkeit in Deoband), kurz Darul Uloom ist eine 1866 gegründete islamische Hochschule in der Kleinstadt Deoband im indischen Bundesstaat Uttar Pradesh.

Die einzige islamische Hochschule mit vergleichbarem Einfluss ist die al-Azhar-Universität in Kairo; die Dar ul-'Ulum Deoband gilt nach der al-Azhar als das zweitgrößte theologische islamische Zentrum der Welt.

Die von der islamischen Hochschule in Deoband ausgehenden Lehren haben sich zu einer Bewegung formiert, deren Anhänger meist Deobandis genannt werden. Die Deobandis selbst lehnen diese Bezeichnung ab, sie nennen sich selbst einfach „Muslime“ oder Ahl as-Sunna (Volk der Tradition und der Einheit der Muslime). Ein bedeutender Teil der pakistanischen und indischen Bevölkerung fühlt sich mit dieser Bewegung verbunden, sie strahlt nach Bangladesch, Afghanistan, Malaysia, Südafrika und Indonesien[1][2] ab, außerdem hat sie unter den meist aus Südasien stammenden Muslimen in Großbritannien großen Einfluss.

Lehre[Bearbeiten]

Die Ansichten der Deobandis gelten als dogmatisch, orthodox und puritanisch. Eine stark negative Haltung gegenüber allem Westlichen, Vorislamischen und Nicht-Islamischen ist zu erkennen.

Rechtslehre[Bearbeiten]

Die Deobandi-Bewegung ist sunnitisch, gehört zur hanafitischen Rechtsschule, lehnt jedoch im Gegensatz zu den Barelwis in Pakistan die Gräber- und Heiligenverehrung ab. Sie steht für eine strenge und klassische Auslegung des sunnitisch-hanafitischen Islam und strebt die Rückkehr zu dessen „Wurzeln“ an.

Bei der Rechtsfindung wird kein taqlid zwingend vorausgesetzt, jedoch wird im Regelfall das hanafitische Recht befolgt. Es wird die Meinung vertreten, dass alle vier Rechtsschulen (Madhhab) rechtens seien, entsprechend der Meinung von Taqi Usmani und Muhammad ibn Abidin solle ein Laie, dem die Fähigkeit und Kenntnis zu analysieren und zwischen den Argumenten und Belegen zu unterscheiden fehlen, sich besser an einer der Rechtsschulen orientieren. Dass jemand aufgrund seiner persönlichen Wünsche zwischen den Rechtsschulen das „passende“ Urteil heraussuche, wird als nicht zulässig erklärt. Als Beispiel führt Taqi Usmani in seinem Werk Contemporary Fatawa das Wuduʾ an, die islamische rituelle Waschung: Das Bluten zerstöre den Wudu nach Ansicht der Hanafiten, nicht aber der Schaafiten. Das bloße Berühren einer Person des anderen Geschlechtes zerstöre den Wudu nach Ansicht der Schaafiten, aber nicht der Hanafiten, hier erst bei sexueller Absicht. Folglich werde ein „Wunschdenker“ seinen Wudu auch im Zusammentreffen beider Situation als nicht zerstört ansehen, was rechtlich fraglich sei. Es wird bei Zustimmung für dieses Urteil auch auf Gelehrte anderer Rechtsschulen wie den Hanbaliten Ibn Taimiyya verwiesen. Es kann gesagt werden, dass die Deobandis grundsätzlich zum Taqlid raten.[3] Das Bilderverbot im Islam legen zahlreiche Gelehrte der Deobandis sehr streng aus, so seien auch Fotografien unzulässig.[4]

Orthodoxe Haltung[Bearbeiten]

Die Deobandis lehnen die Feier des Mawlid an-Nabi (Geburtstag des Propheten) streng ab,[5] da dieser eine Bid'a, eine unzulässige theologische Neuerung, sei. Der Deobandi-Mufti Muhammad Kadwa gibt an, dass es keinerlei Belege in Sunna oder Koran gebe, die eine Feier des Mawlid an-Nabi stützen würden. Daher sei es eine unerlaubte Einführung eines Feiertages, der somit als bida gilt.[6] Aus diesem und anderen Gründen, wie dem Ablehnen der Gräber und der Heiligenverehrung, werden sie von einigen sufistischen Gruppierungen, wie z. B. den Barelwis, als Wahhabiten „beschimpft“. Die teils von Sufis und Schiiten praktizierte Ehrbezeugungen in Form von Schmuck an Heiligengräbern und volkstümliche Praktiken wie das Schreiben von Wunschzetteln und ihr Anhängen an Bäumen gelten für die Deobandis als Unglaube(schirk) und Heidentum (kufr)[7] Auch die Anrufung von „Vermittlern“ zu Gott gilt für sie als schwerer Unglaube, hierbei wird kein Unterschied zwischen einem Pir, Imam, Propheten oder Heiligen gemacht. Gott alleine dürfe angerufen und angebetet werden, alles andere laufe gegen den Tauhid. Das Bauen eines Mausoleums (Qubba/Türbe) oder von übermäßig großen und auffälligen Gräbern, wie es im Sufismus und bei den Schiiten üblich ist, lehnen die Deobandis ab. Gelehrte des Islam hätten dies basierend auf einen Hadith verboten. Das Anbringen eines kleinen Grabsteins mit den Daten des Verstorbenen für den Zweck der Erhaltung der administrativen Aufgaben auf einem Friedhof wird für zulässig erklärt.[8] Das Küssen von Gräbern und Grabsteinen betrachten sie als Makruh. Sie verwerfen die Verehrung von Heiligen (Walis), Gräberkult (Besuchen) (Ziyāra) und gesprochenes oder schweigendes Gedenken Gottes (Dhikr) der Sufis.

Das Erbitten von direkter Fürsprache bei Toten, seien es Heilige, Propheten oder sonstige lehnen die Deobandis strikt ab. Unter dem Begriff des „Tawassul“ verstehen sie eine Form der Anbetung, während der man versucht, mit einem Mittel Gott näher zu kommen. Erlaubte Formen sind laut den Deobandis, dass man sich mittels guter Taten, mit den Namen und Eigenschaften Gottes und mit dem Bittgebet eines rechtschaffenen lebendigen Menschen Gott zu nähern versucht, nicht jedoch über die Anrufung toter Menschen, mittels ihrer „Stufe“ und ihrer „Wertschätzung“ bei Gott oder dergleichen. Jemand, der einen toten Menschen als Vermittlergestalt zu Gott zu benutzt, z. B. „O Ali“, „O Muhammad“, habe sich der Beigesellung von Göttern, dem schirk schuldig gemacht. Das Verbot wird in der Deobandi-Literatur unter anderem in dem Werk Fataawa Mahmudiya Faruqiya (Band 1 Seite 345) erwähnt, hier werden die Erbitter von Fürsprache als Polytheisten (Muschrikkun) bezeichnet.

Die Anwendung des dhikr sehen die Deobandi als zulässig, solange sich dieser auf gottesdienstliche Handlungen beschränkt, die sich direkt auf Belege in Koran und Sunna stützen. Zulässige Handlungen sind beispielsweise zusätzliche Gebete, Bittgebete(Dua), Rezitieren des Korans oder Aufzählen der 99 Namen Allahs. Gruppendhikr in Form von Tänzen (Semah), Einsatz von Musik (Qawwali) und desgleichen, wie sie im Bereich des Sufismus, der Aleviten und der Schia vorkommen lehnen sie als verwerfliche Innovation (Bida) ab.

Glaubensrichtung[Bearbeiten]

Die Deobandis gehören wie die Mehrheit der Hanafiten der Maturidiyya an. Damit glauben sie gemäß der „Marifetullah“ (Kenntnis über Gottes Existenz)-Lehre entsprechend der Maturidi-Theologie, dass jeder Nicht-Muslim, einschließlich Christen und Juden, für ewig mit dem Höllenfeuer bestraft werde, falls er als Nicht-Muslime sterbe, egal ob er in seinem Leben vom Islam gehört habe oder nicht. So seien auch die Eltern des Propheten Muhammad in der Hölle. (siehe Propheteneltern-Problem) Auch müsse ein Mensch alleine mit seinem Verstand erkennen, dass im Islam als verboten geltende Dingen wie Alkohol und Glücksspiel schlecht sind. Ebenfalls glauben die Deobandis gemäß der Maturidi-Theologie nicht an die „Erschaffenheit des Koran“ – der Koran sei „Gotteswort“. Der ʿIlm al-kalām ist fester Bestandteil der Deobandi-Lehre, seine Anwendung wird aber entsprechend Imam Maturidis Meinung auf das absolut Notwendige begrenzt.

Bei der Frage des Einklangs der Lehre des wahdat al-wudschūd (Lehre von der Einheit des Seins) nehmen die Deobandis eine Position zwischen dem Gegner der Lehre Ibn Taimiyya und ihrem Ersteller ibn Arabi ein, wobei die Meinung ibn Arabis nicht als „wortwörtlich“ genommen, sondern interpretiert wird. Entsprechend der Maturidi-Glaubensdoktrin geben die Deobandis zwar an, dass Gott nicht an einem „bestimmten Ort“ existiere, aber auch in keiner „Einheit“ mit seiner Schöpfung, vielmehr sei die Existenz Gottes mit nichts anderem vergleichbar. Nicht einmal eine „Richtung“, Grenze oder Abgrenzung sei möglich. Gott sei erhaben über externe und interne Existenz, Zeit und Ort, die Mutmaßung über seine Existenz„art“ solle besser vermieden werden, da sie unter Umständen die Gültigkeit der Scharia und des islamischen Glaubens infrage stellen könne, es bestehe die Gefahr, Gott menschliche Eigenschaften (dhat) zuzuordnen.[9] Die Korrektheit von Ibn Taimiyyas Glaubensvorstellungen wird bejaht, wobei darauf hingewiesen wird, dass er ebenfalls wie ibn Arabi in manchen Fragen von der Mehrheit der Gelehrten abweicht.[10] Tendenziell zitieren die Deobandis bei Glaubensthemen (Aqida) ibn Arabi nicht, während ibn Taimiyya gelegentlich zitiert wird.[11] Die Glaubensauffassung ibn Taimiyyas, gewisse Verse aus dem Koran ohne jegliche Interpration (Tafsir) und Tawil (die Bevorzugung einer von mehreren Möglichkeiten ohne kategorische Schlussfolgerung oder Zeugnis) zu akzeptieren, sei absolut korrekt, nicht korrekt dagegen sei es, jeden, der einen Tawil anwende ohne gegen die Scharia zu verstoßen, als irregegangen zu erklären.[12] Letzteres bezieht sich vor allem auf Abu Mansur al-Maturidi und Abū l-Ḥasan al-Aschʿarī, die in ihrer Zeit versuchten, mit Hilfe des Tawil und des Ilm al Kalam Ansichten der Muʿtazila zu widerlegen. Letzteres bezieht sich traditionell auf die Anwendung des Tafwid (Akzeptanz ohne Interpretation) von sogenannten „mehrdeutigen Versen“ aus dem Koran. Die Deobandis sehen den Tafwid als zulässig an, solange man die „Bedeutung“ der Verse Gott überlässt und sie nicht mit der Schöpfung vergleicht oder Gott menschliche Eigenschaften zuschreibt. Neben ihrer eigenen Glaubensauffassung sehen sie die Athari und Aschari ebenfalls als korrekt an.[13][14]

Politische Ausrichtung[Bearbeiten]

Inspiriert wurden die Gründer der Deobandi-Bewegung im Wesentlichen von dem eher als Hanafiten geltenden, jedoch tendenziell keiner Rechtsschule angehörenden Šāh Walīyullāh ad-Dihlawī. Er war auch eine wichtige Inspiratoren für die in Pakistan verbreitete, aber wesentlich kleinere Strömung der salafistischen Ahl-i Hadîth. Das Gedankengut der Tariqa-yi muhammadiya findet Bedeutung in der Deobandi-Bewegung.

Die Deobandis vertreten die Meinung, dass der Grund, dass die Muslime heutzutage hinter den Westen zurückgefallen und unterentwickelt sind, darin zu suchen sei, dass sie sich von den Erneuerungen und Abweichungen sowie unmoralischen Einflüsse fremder Religionen und der westlichen Kultur beeinflussen und damit von den ursprünglichen unberührten Lehren des Propheten Mohammed haben abbringen lassen. Daher sei es wichtig, den Islam ohne fremde Ablagerungen und Einflüsse zu leben und die Rückkehr zu dessen „Wurzeln“ anzustreben.

Die Deobandi-Interpretation besagt, dass ein Muslim vor allem der Loyalität seiner Religion gegenüber verpflichtet sei und erst dann dem Land, in dem er lebt. Ein Muslim müsse die Grenzen und Taten seines Handelns für die ganze Umma (islamische Gemeinschaft) sehen und nicht nur die nationalen Grenzen. Ein Muslim müsse wissen, dass es seine heilige Pflicht ist, den Dschihad überall dort zu führen, wo Muslime bedroht und getötet werden.[15] Von terroristischen Vereinigungen wie der Al-Qaida und Osama bin Laden distanziert sich die Schule öffentlich. Es sei nicht mit dem Islam vereinbar, Zivilisten zu töten und Züge zu sprengen. Bin Laden habe nicht als „Teil der islamischen Gemeinschaft“ gehandelt.[16] Es wird ferner behauptet: […] die Amerikaner führen einen Krieg gegen den Islam; Osama bin Ladin und Saddam Hussein seien von Amerika erst erschaffen und benutzt, dann zu Terroristen erklärt worden; Amerika arbeite für die Juden, die mit Hilfe der Globalisierung die Könige der Welt werden wollen […]

Bei der Verbreitung ihrer Ideologie und Lehre setzen die Deobandis neben dem Internet und Fernsehen auf die Madrasa. Die Idee der Schule sei es, Lehrer auszubilden. Daher sind die Deobandis auch „auffälliger“ als ihre Konkurrenten auf Seiten der Barelwi, obwohl diese zahlenmäßig zumindest in Pakistan im Vorteil sind.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Schule wurde 1866 in den nordwestlichen Provinzen (heute Uttar Pradesh) von Nanautavi, der Teilnehmer des großen indischen Aufstandes im Jahr 1857 gewesen sein soll, und Rashid Ahmad Gangohi gegründet. Die Provinz hat eine blutige Geschichte von Kämpfen zwischen indischen Muslimen und Hindus. Die Reste des einstigen, von sunnitischen Herrschern geführten Mogulreiches gingen im von den Briten niedergeschlagenen Aufstand unter, und die bis dahin indirekte britische Herrschaft durch die britische Ostindien-Kompanie in Britisch-Indien wandelte sich zu einer direkten Form.

Nanotvi und Rashis Gengohi beabsichtigten mit der Schulgründung eine islamische Erweckungsbewegung, die Deobandis, zu erschaffen, um gegen die britische Kolonialherrschaft zu widerstehen und den in Britisch-Indien praktizierten Islam auf seine „Wurzeln“, wie von Abu Hanifa und seinen Schülern gelehrt, zurückzuführen. So versuchten sie den weit verbreiteten Heiligenkult und die Gräberverehrung, die vom Iran bis weit nach Bengalen hinein reichte, zu zerstören.

Die Deobandis hatten bei ihrer Gründung folgende theologische Grundvorstellungen:

  1. Striktes Anwenden von Rechtsfragen gemäß hanefitischer Rechtsschule
  2. Anwendung des Dschihad, sowohl als Militärischer Kampf als auch als „Kampf des Herzens“ (dschihad bi l-qalb) als innerer, spiritueller Kampf gegen Untugend, Verführung zu moralisch verwerflichen Taten und Ignoranz
  3. Ablehnung des Heiligenkultes und mystischer Praktiken, die eine andere Verehrung als die Gottes anzeigten (aber keine Ablehnung des Mystizismus in seiner Gesamtheit)
  4. Strenge Ablehnung schiitischer Richtungen des Islams
  5. Strenge Ablehnung der Ahmadiyya und der britischen Kolonialmacht

Im Jahr 1926 gründeten Anhänger der Dar ul-Ulum die Tablighi Jamaat.

Im Jahr 1915 gründete der Rektor der Dar ul-'Ulum, Mahmood-ul-Hasan, mit 200 Gefolgsleuten eine bewaffnete Gruppe, die allerdings bald von der britischen Besatzungsmacht gefangen genommen und in das Gefängnis auf Malta gebracht wurde. Während der Kalifat-Bewegung um 1920 unterstützten die Deobandis Mohandas Gandhis Kongresspartei, um den Untergang des Osmanischen Reichs zu verhindern. Des Weiteren war die 1919 von den Deobandis gegründeten Partei Jamiat-ul-Ulama-i-Hind (JUH) strikt für ein unabhängiges Indien, für Hindus und Muslime gemeinsam. So veröffentlichte der Rektor der Dar ul-'Ulum, Rashid Ahmad Gangohi, eine Fatwa, in der er in weltlichen Dingen ein Zusammengehen mit den Hindus erlaubte. 1945 spaltete sich dann die Jamiat-ul-Ulama-i-Islam (JUI) unter der Führung von Shabir Ahmad Usmani von der JUH ab. Diese plädierte für einen von Indien unabhängigen Staat Pakistan, war seit der Gründung Pakistans an mehreren Provinzregierungen beteiligt und hat im nationalen Parlament von Pakistan einige Sitze gewonnen.

Es kam 1982 zu einer Absplitterung von der Dar ul-'Ulum Deoband, da der vorherigen Rektor Qari Mohammad Tayyib die Dar ul-'Ulum Waqf Deoband gründete.

2006 wurden ca. 65 % der Madrasa in Pakistan von den Deobandis geleitet. Schätzungen zufolge fühlen sich 25 % der Bevölkerung Pakistans den Deobandis zugehörig.

Im Fall Shah Bano bewirkten die Deobandis eine Verfassungsänderung seitens der indischen Regierung.

Rektoren[Bearbeiten]

  • 1866–1880: Muhammed Qasim Nanotwi
  • 1880–1905: Rashid Ahmad Gangohi
  • 1905–?000: Mahmood Hasan
  • 1922–1982: Qari Mohammad Tayyib
  • 1982–0000: Marghubur Rahman

Studium[Bearbeiten]

Das Studium dauert mindestens acht Jahre und kann mit verschiedenen Master-Studiengängen ergänzt werden. Unterrichtssprachen sind die arabische Sprache, Urdu und in Teilen Englisch. Der Unterrichtsstoff schließt keine weltlichen Themen ein, das Ausbildungsziel ist, Mullah (Molla) in einer Madrasa in Indien, Pakistan oder Afghanistan zu werden. Erst im Master können seit kurzem auch praktische Abschlüsse zum Lehrer, Journalisten oder Computerfachmann erworben werden.

Bei den Deobandis im Vordergrund stehen religiöse Erziehung und Bildung, insbesondere folgende Grundsätze:

  • Säuberung des Islam von „rituellen Unreinheiten“ (siehe Bidʿa)
  • Ablehnung jeglicher Hierarchie (genauer des Adels) unter Muslimen
  • Fortführung des Idschtihad (persönliche, schariakonforme Findung von Rechtsnormen oder Darlegung im Geiste der hanafitischen Rechtsschule)
  • Geschlechtertrennung, strenge Auslegungen in Rechtsfragen (fiqh)
  • Dschihad (Anstrengung gegen die eigenen Leidenschaften, gegen Häresie und Ungläubige)
  • Zurückweisung der Schiiten, Aleviten und aller Nichtmuslime
  • Bekämpfung der Ahmadiyya

Die Lehrbereiche und Methode der Deobandi basiert auf 6 Grundlagen:

Genaueres unter: The Track (Maslak) of Darul Uloom

Haltung zu anderen Gruppen[Bearbeiten]

Ahmadiyya[Bearbeiten]

Die Deobandis betrachten die Ahmadiyya ausnahmslos als Kuffar (Ungläubige), die bekämpft werden müssen und vor denen permanent gewarnt werden muss[17], sogar eine Ehe mit einem Angehörigen der Ahmadiyya wird nicht gestattet.[18] Ein weiterer Grund zur Verfolgung ist, dass die Ahmadiyya angeblich in Kooperation mit Großbritannien Muslime bekämpft haben soll.[19] Den Wechsel zur Ahmadiyya-Religion betrachten die Deobandis als Ridda.

Gelehrte Deobands setzten zur Zeit des Präsidenten Zulfikar Ali Bhutto durch, dass die Ahmadiyya vom pakistanischen Staat als Ungläubige (Kuffar) betrachtet werden: Am 21. September 1974 willigte Bhutto ein, und die Ahmadiyya wurde vom pakistanischen Parlament zu einer „nicht-muslimischen Religionsgemeinschaft“ erklärt.[20] Formal wurden sie damit auf eine Stufe mit Juden, Christen, Buddhisten, Sikhs und Hindus gestellt. Des Weiteren durften sich die Ahmadis nicht mehr als Muslime bezeichnen.

Den Gelehrten Deobands ging der Beschluss von 1974 nicht weit genug, so dass die pakistanische Regierung zu weiteren Verschärfungen der Gesetze gedrängt wurde. Unter Mohammed Zia ul-Haq wurde 1984 die „Ordinance XX“[21] verabschiedet, wodurch den Ahmadis Missionstätigkeiten einschließlich des Verbreitens von Schrifttum verboten wurde. Ahmadis durften ihre Gebetshäuser nicht mehr als Moscheen bezeichnen. Von ihren Moscheen wurden Schilder mit der Aufschrift „Moschee“ entfernt, Schriftzüge übermalt. Ahmadis wurde die Begrüßungsformel Salām sowie der Gebetsruf (Adhan) und die Bismillah untersagt, Zuwiderhandlungen werden mit Haftstrafen geahndet.

Siehe: Ahmadiyya Gegenpositionen

Schiiten[Bearbeiten]

Die Schiiten werden als abtrünnige Sekte betrachtet, der eine Reihe von Vergehen, Fehler und Irrglauben vorgeworfen wird.[22] Die Ehe mit Schiiten wird ebenfalls als verboten angesehen.[23] Die Lehre der Vierzehn Unfehlbaren lehnen die Deobandis ab, kein Imam könne frei von Fehlern sein.[24] Schiiten werden im Regelfall als Ungläubige (Kuffar) angesehen, womit auch das Beten in deren Moscheen strikt untersagt wird. Wobei die Meinungen Ausnahmen zulassen, so werden einige Minderheiten unter den Schiiten als „irregegangen“ (Dhāl, Fāsiq), aber noch als Muslime betrachtet, in der Regel diejenigen, die nur das Kalifat leugnen. Die gängige Masse der Schiiten, darunter auch die größte Gruppe der Imamiten und auch die Aleviten werden als „Nicht-Muslime“ bzw. als „Ungläubige“ betrachtet. Den Wechsel zur Schia-Religion betrachten die Deobandis als Ridda (Apostatie)[25] In einer von Mufti Ebrahim Desai abgesegneten Fatwa heißt es: „Eine Person sollte sich von Versammlungen dieser Personen der Erneuerungen (Bid'a) und Abweichungen fernhalten, um seinen Glauben (Aqida) zu sichern. Die überwiegende Mehrheit der Schiiten heute wurden von unseren Gelehrten als Ungläubige eingestuft, die durch ihren Glauben des kufr und schirk den Islam verlassen haben.“[26] Falls man sich sicher ist, dass man einen derartigen Schiiten vor sich habe, solle man gemäß dem Umgang mit Nicht-Muslimen (darunter Teile der Sufi-Gemeinde, Ahmadiyya, Aleviten, Christen, Juden, Hindus usw.) den islamischen Gruß des Salam verweigern.

Salafiten und Wahhabismus[Bearbeiten]

Aus der anfänglichen Kooperation mit den salafistischen Ahl-i Hadîth in Pakistan ist im Laufe der Jahre eine Rivalität entstanden, Streitpunkte gibt es vor allem im Bereich des fiqh. Während die Deobandis den Salafiten eine teilweise kontextlose Sichtweise des islamischen Rechtes vorwerfen, werfen die Salafiten und Wahhabiten ihnen einen blinden taqlid des hanafitischen Rechtes vor. Eine weitere Streitfrage ist die Zulässigkeit des ʿIlm al-kalām. Absolute Einigkeit herrscht im Bereich der strikten Auslegung des Tauhīd, der Einheit Gottes. Der salafische Prediger Muhammad Salih al-Munajjid aus Saudi-Arabien lobt in einem Gutachten den Einsatz der Deobandis gegen die Britische Besatzungsmacht, bestätigt grundsätzlich die „Rechtleitung“ der Deobandis, stellt jedoch fest das sie im Bereich Aqida (Glaubensinhalt) teils auch falsche Ansichten vertreten. Gemeint ist hier die Interpretation einiger Koranverse im Sinne der Maturiddiya, die laut salafistische Ansicht keine Interpretation zulassen. Vor den Deobandis müsse „gewarnt“ werden, sobald sie ihre Erneuerung des Maturiddiya-Glaubens verbreiten. Ob sie zur Gemeinschaft der rechtgeleiteten Sunniten (ahl as-sunna) gehören, lässt Munajjid offen, tendiert aber eher zu Nein. Ein weiterer Kritikpunkt der Salafiten ist die angebliche Nähe der Deobandis zum Sufismus, teilweise seien sie sogar selbst Befolger von Tariqa oder wiesen diese nicht entschlossen genug zurück.[27] Der größte Teil der Deobandi-Gelehrten wiederum betrachtet die salafistische Strömung als Randgruppe mit „gefährlicher Nähe“ zum Anthropomorphismus. Allerdings wird darauf verwiesen, dass Meinungsverschiedenheiten in solchen Themen kein Vorwand für Missachtung jeglicher Art gegeinander sein dürfen.[28] Im Gegensatz zu den Barelwis und den Sufi-Tariqa stehen die Deobandis nicht negativ zu Muhammad ibn Abd al-Wahhab (dem Begründer des Wahhabismus). Es wird lediglich gesagt, dass dieser in manchen Angelegenheiten „zu extreme und kontextlose“ Ansichten vertreten habe.[29] Grundsätzlich war spätestens seit der Gründung Pakistans eine Zunehmende Kooperation zwischen Wahhabiten und Anhänger der Deobandis Bewegung zu erkennen.[30]

Sufis[Bearbeiten]

Trotz ihrer orthodoxen Haltung stehen die Deobandis nicht grundsätzlich in Feindschaft zum Sufismus. Die Deobandis wandten sich insbesondere gegen synkretistische Praktiken wie Heiligenverehrung und Gräberkult, die laut ihrer Ansicht in Indien unter dem Einfluss des Hinduismus entstanden waren. Der Sufismus wird nicht im „ganzen grundsätzlich abgelehnt“, aber von „falschen Praktiken“ gereinigt. Er wird akzeptiert solange er der „Scharia entspricht“, heißt es.[31][32]

Die von manch Sufis praktizierte Gräberverehrung, Errichtung von Kuppeln und den Heiligenkult lehnen die Deobandis strikt ab. Seit ihrer Gründung stehen sie in Opposition zur sufistischen Barelwi-Bewegung in Pakistan.[33] Wie stark die Rivalitäten teilweise sind, belegt eine Fatwa von dem Barelwi-Sufi-Gelehrten Ahmed Raza Khan aus dem Jahre 1900, in der er Ashraf Ali Thanwi und mehrere andere Deobandi-Ulema zu Ungläubigen erklärt, da sie u. a. keine „Liebe für den Propheten“ empfinden, den Propheten beleidigt haben und dadurch kufr begangen haben sollen. Außerdem seien auch alle Menschen, die die Deobandis nicht zu Ungläubigen erklären (den takfir sprechen) und diese so ansehen, ebenfalls Ungläubige.[34]

Fundamentale Streitpunkte im Glauben[Bearbeiten]

Für die Sufis der Barelwi-Bewegung ist Mohammed eine Art übermenschlicher Gestalt, deren Anwesenheit überall ist, um alles herum, in allen Zeiten, er ist lebendig in der Gegenwart und bestehe nicht aus Fleisch, sondern aus einer Art „Licht“. Die Deobandis dagegen vertreten die Meinung, Mohammed war insan-i-kamil (ein perfekter von Gott geleiteter Mensch), jedoch ein sterblicher wie jeder andere Mensch auch, der nun tot sei, sein Tod sei ausdrücklich durch Belege in der Sunna gesichert. Auch die Ansicht, Mohammed könne einem die Zukunft vorhersagen, indem man ihm „Liebe“ zukommen lässt, lehnen die Deobandis strikt ab. Die Auffassung Mohammed sei „Hazir“ (in vielen Orten zugleich) und ilm-e-Ghaib (Wissen über das Verborgene) lehnen sie ebenfalls ab. Die Deobandis werfen den Barelwis vor, Mohammed als ein „übernatürliches“, „gottähnliches“ Wesen anzusehen, dies sei unzulässig und falle in den Bereich des schirk. Die Barelwis hätten Mohammed, Eigenschaften Gottes zugeschrieben.

Die Barelvis folgen vielen Sufi-Praktiken, die den Deobandis zuwider sind, einschließlich der Verwendung von Musik (Qawwali) und Fürbitte von ihren Autoritäten. Ein wesentlicher Unterschied zwischen den Barelwi und den Deobandi ist, dass die Barelvi an die Fürsprache eines anderen Menschen (auch Toten) bei Gott glauben. Diese besteht aus der Intervention eines aufsteigenden, vernetzten und ununterbrochenen Kette von heiligen Persönlichkeiten (Scheichs, Sahabas, Imame, pirs) und erreicht schließlich Mohammed, der die Fürsprache bei Gott einreicht. Dies ist ein mehr abergläubischer, aber auch seit langem tolerierter Bestandteil des Islam in Indien und Pakistan. Die Deobandis behaupten, dass die Barelvis sich dadurch der Einführung einer schweren Innovation (Bid'a) schuldig gemacht und vom rechten Weg der Sunna abgewichen seien. Das Erbitten von Fürsprache sehen die Deobandis allgemein als schirk.[35]

Sonstige[Bearbeiten]

Weitere Randgruppen, wie die Aleviten, Jesiden und Drusen, betrachten sie als Nicht-Muslime (Ungläubige).[36]

Finanzierung[Bearbeiten]

Die Schule erhält keine staatliche Unterstützung und wird durch Spenden und Mitgliedsbeiträge finanziert. Beginnend in den 1980er Jahren bis ins Jahr 2000 bekam die Deobandi Bewegung in Indien und vor allem Pakistan größere Spenden aus Saudi-Arabien. Später konzentrierten sich die saudischen Spenden ausschließlich auf die salafitsch-sunnitische Strömung der Ahl-i Hadîth.

Dar ul-'Ulum, weltweit[Bearbeiten]

Weltweit soll es mehrere zehntausend Ableger der Dar ul-'Ulum Deoband geben. Ihnen wird eine islamistische und fundamentalistische, in Teilen extremistische Theologie vorgeworfen. Die Führung der Schule dagegen dementiert dies und verurteilte außerdem stets Aktionen von extremistischen Gruppen wie der Al-Qaida. Der größte Ableger ind Bangladesch ist die Al-Jamiatul Ahlia Darul Ulum Moinul Islam, die bis zu 50 Tausend Studenten besitzt.

In Pakistan[Bearbeiten]

Eine dieser islamistischen Ableger soll die Dar ul-'Ulum Haqqania in Pakistan sein, wo der ehemalige Staatschef von Afghanistan, Mohammed Omar (Mullah Omar) ausgebildet wurde und die Bewegung der Taliban gegründet worden sein soll.

Ein weiterer bekannter Ableger in Pakistan ist die Jamia Darul Uloom Karachi in Karachi.

Im Westen[Bearbeiten]

Im Westen wurde die Darul Uloom Al Arabiya Al Islamia in Bury (Greater Manchester) im Jahr 1973 als erster Ableger gegründet. Sie wurde durch eine Spende der saudi-arabischen Botschaft von etwa 40 Millionen Pfund 1976 dauerhaft gesichert.

In Großbritannien wird etwa die Hälfte aller Moscheen von Deobandis kontrolliert.[37] Laut einem Bericht der Times sind etwa 600 der ca. 1500 Moscheen in Großbritannien unter wesentlichem Einfluss der Deobandis, des Weiteren 80 % aller ausgebildeten Imame.[38]

Ebenfalls nennenswert ist die Darul Uloom Islam University in Kanada.

In Afrika[Bearbeiten]

Nennenswerte Ableger in Südafrika sind die Darul ifta, Madrasah In'naamiyah und die Darul Uloom Zakariyya. Hier werden Studenten aus ganz Afrika aufgenommen.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Annemarie Schimmel: Der Islam im indischen Subkontinent. Sonderausgabe, 3. unveränderte Auflage. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1995, ISBN 3-534-12992-X.
  • Willi Germund: Allahs Missionare. Ein Bericht aus der Schule des Heiligen Krieges. Dumont Buchverlag, Köln 2010, ISBN 978-3-8321-9524-3.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Indien: Gute Muslime, böse Muslime, FAZ am 1. März 2005.
  2. Pakistan: Lernen für den Kampf, Die Zeit am 3. Juli 2008.
  3. http://www.askimam.org/public/question_detail/14938 askimam.org:14938
  4. Maktoobaat vol. 1
  5. ask.imam:#14177 beantwortet durch Mufti Muhammad Kadwa (Version vom 28. September 2007 im Internet Archive)
  6. askimam.org:14177
  7. warnews.com:The Deobandi-Wahhabi Lust for Control Over Personal Life
  8. http://www.askimam.org/public/question_detail/18634 askimam:org:18634
  9. Deoband.org: Wahdat al-Wujud, Wahdat al-Shuhud and the Safest Position
  10. albalagh:Articles of Faith: Are Maturidies Ahlus-Sunnah?
  11. The Issue of the Ambiguous Attributes of Allah
  12. albalagh.net:Articles of Faith: Are Maturidies Ahlus-Sunnah?
  13. Taqi Usmani: Tozeeh-ul-Quran (Urdu Version, Deoband 1999)
  14. darulifta.com: Answer of Aqida
  15. Global-Security:Deobandi Islam
  16. ZDF Reportage
  17. islam.tc #5941
  18. ask.imam: #3839
  19. islam.tc: #441
  20. http://www.pakistani.org/pakistan/constitution/amendments/2amendment.html
  21. http://www.thepersecution.org/50years/paklaw.html
  22. islam.tc: #17292.
  23. islam.tc: #12713t
  24. ask-imam.org:Fatwa#: 19870
  25. euro-sunni.com:Are Shia Kafir?
  26. askimam.org:Fatwa#: 24530
  27. islam-qa.com:Are Deobandis part of Ahlus Sunnah? Are they within the folds of Islam?
  28. askimam.org:Fatwa#: 17951
  29. Deoband.org.: Muhammad Wahhab and the Sufis
  30. Globalsecurity
  31. http://www.deoband.org/2013/02/history/biographies-of-scholars/the-valiant-imam-sayyid-imam-ahmad-ibn-irfan-al-barelwi/ Deoband.org:The Valiant Imam: Sayyid Imam Ahmad ibn 'Irfan al-Barelwi
  32. http://www.deoband.org/2013/01/aqida/allah-and-his-attributes/the-peak-of-comprehension-on-the-categories-of-polytheism/ deoband.org:The Peak of Comprehension on the Categories of Polytheism
  33. Sunni Barelvi (Sufi Muslims) Struggle with Deobandi-Wahhabi Jihadists in Pakistan – by Arif Jamal
  34. sufimanzil.org:Arabic Fatwa against Deobandis
  35. Global-Security: Barelvi Islam
  36. Hastings, James (2003). Encyclopedia of Religion and Ethics Part 18. Kessinger. ISBN 0-7661-3695-7, S. 769.
  37. Radikale Sekte regiert britische MoscheenVorlage:Webarchiv/Wartung/Nummerierte_Parameter, Financial Times Deutschland am 7. September 2007.
  38. Hardline takeover of British Masjid, The Times, 7. September 2007.

29.69222825308377.677459716667Koordinaten: 29° 41′ 32″ N, 77° 40′ 39″ O