Englisberg

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Zum Ritter des Johanniterordens siehe Peter von Englisberg.
Englisberg
Wappen von Englisberg
Basisdaten
Staat: Schweiz
Kanton: Bern (BE)
Verwaltungskreis: Bern-Mittellandw
Gemeinde: Wald BEi2w1
Postleitzahl: 3086
Koordinaten: 602292 / 19405046.8975557.468715815Koordinaten: 46° 53′ 51″ N, 7° 28′ 7″ O; CH1903: 602292 / 194050
Höhe: 815 m ü. M.
Südwestliche Blickrichtung

Südwestliche Blickrichtung

Karte
Englisberg (Schweiz)
Englisberg
ww
Gemeindestand vor der Fusion am 1. Januar 2004

Englisberg ist eine ehemalige politische Gemeinde in der Gemeinde Wald BE im Verwaltungskreis Bern-Mittelland des Kantons Bern.

Geographie[Bearbeiten]

Die Gemeinde Englisberg liegt am nördlichen Ende des Längenbergs, auf einem aussichtsreichen Hochplateau auf durchschnittlich 815 m.ü.M. Das 436 ha umfassende Gemeindegebiet erstreckt sich von 630 m.ü.M. im Düstiwald über dem Köniztal (Grenze zur Gemeinde Kehrsatz) bis auf 940 m.ü.M. im Allmidhölzli an der Grenze zur Gemeinde Zimmerwald. Im Osten ist Belp und im Westen Köniz die Nachbargemeinde. Die Nähe zur Stadt – Bern liegt ca. 10 km nördlich – bringt es mit sich, dass Englisberg ein beliebtes Ausflugsziel ist. Der Längenberg gilt als Wander- und Naherholungsgebiet, das in Urzeiten vom Aaregletscher (an der Ostseite) und vom Rhonegletscher (auf der Westseite) geschaffen wurde.

Geschichte[Bearbeiten]

Das heutige Dorf Englisberg ist vermutlich aus dem alten, ursprünglich keltischen Ort Kühlewil (Cullenwil, Cullewilare) hervorgegangen. Englisberg erhielt seinen Namen vom heute ausgestorbenen alt-bernischen Feudalgeschlecht, jener von Englisberg, welches seit mitte des 12. Jahrhunderts (um 1166 Endlisperc) urkundlich nachweisbar ist. Allgemein liegt die Vermutung nahe, dass dasselbe als Ministerialadel von den Herzögen von Zähringen, den Gründern der Städte Bern und Fribourg, mit der Herrschaft Kühlewil/Englisberg belehnt wurde. Seit dem 13. Jahrhundert ist auch eine Burg urkundlich nachweisbar, die aber bereits im angehenden 14. Jahrhundert aufgegeben wurde und allmählich zerfiel. Deren Reste sollen laut zeitgenössischen Augenzeugenberichten noch bis Anfang des 19. Jahrhunderts existiert haben, bevor diese gänzlich von den ortsansässigen Bauern zum Zweck der Beschaffung von Baumaterial abgetragen wurden. Ursprünglich gehörte Englisberg, wie die übrigen Dörfer des vorderen Längenbergs, kirchenrechtlich zu Belp. Mit der Gründung der Kirche zu Zimmerwald im Jahre 1699 wurde Englisberg zusammen mit Obermuhlern und Niedermuhlern zur neuen Kirchgemeinde Zimmerwald vereinigt. Im 16. Jahrhundert erwarben einheimische Bauern die Herrschaftsrechte von Englisberg und sicherten sich somit die niedere Gerichtsbarkeit und eine gewisse Autonomie. Aus ihren Reihen wurde auch der jeweilige Gerichtsherr gewählt. Im ausgehenden 18. Jahrhundert wurden die bis auf 70 Anteile aufgesplitterten Anteilrechte nach und nach vom Berner Patrizier Beat Emanuel von Tscharner im Lohn käuflich erworben, um diese 1798, nach dem Untergang des Ancien Régime, endgültig zu verlieren. Wirtschaftlich sicherten sich die Englisberger bereits im Jahre 1649 mit dem Loskauf der Zehntpflicht ihre Unabhängigkeit, welche das Aufblühen mehrerer begüteter Bauerndynastien erzeugte. Hochgerichtlich gehörte Englisberg bis 1798 zum Landgericht Seftigen. Englisberg zählte 1764: 223 Einwohner, 1850: 275, 1900: 567, 1950: 564 und 2000: noch 214. Die relativ hohe Bevölkerungszahl ab 1900 ist auf die Miteinbeziehung der Heiminsassen des 1890-92 in Kühlewil erbauten stadtbernischen Alters- und Pflegeheimes zurückzuführen. Seit 1996 zählen diese jedoch steuerrechtlich als Einwohner der Stadt Bern. Die alteingesessenen, landbesitzenden Geschlechter von Englisberg sind die Familien Balsiger, Guggisberg, Hosmann, Hossmann, Streit und Zimmermann, zum Teil bis zurück ins 15. Jahrhundert dokumentierbar. Mit Zimmerwald teilt Englisberg die Schule und Gemeindeverwaltung. Verkehrsmässig ist Englisberg mit der Postautolinie Bern-Riggisberg erschlossen.

Wirtschaft[Bearbeiten]

Trotz des überproportionalen Dienstleistungssektors (Alters- und Pflegeheim Kühlewil als grösster Arbeitgeber der Gemeinde) spielt die Landwirtschaft mit 11 aktiven Betrieben unter Teilnahme von über 40 % der Bevölkerung nach wie vor eine grosse Rolle in Englisberg. 253 ha oder 58,8 % der Gesamtfläche stehen unter landwirtschaftlicher Nutzung.

Im Jahre 1890 begann der Neubau des stadtbernischen Alters- und Pflegeheimes Kühlewil, mit eigenem landwirtschaftlichen Gutsbetrieb. Von 1982 bis 1988 wurde der Altbau saniert und ein Neubau errichtet. Das Alters- und Pflegeheim Kühlewil stellt den grössten Arbeitgeber der Gegend und bewirkt eine nicht unbeträchtliche Anzahl von Zupendlern.

Im Industrie- und Gewerbebereich ist die Gemeinde Englisberg stark mit der Nachbargemeinde Zimmerwald verbunden. Es bestehen diverse Gewerbe- und Dienstleistungsbetriebe, wie Holzbau AG, Käserei, Karateschule, Lebensmittelgeschäft, Mechanik GmbH, Metallbau/Schlosserei, Podologie-Praxis usw. Zusätzlich werden Ferien auf dem Bauernhof angeboten.

Sonstiges[Bearbeiten]

Gemeinsam mit der Nachbargemeinde Zimmerwald besteht ein Angebot von Freizeitbeschäftigung. Dreizehn Vereine bieten musikalische, sportliche oder kulturelle Veranstaltungen an. Die gemeinsame Schule “im Wald” trägt den freiwilligen Schulsport.

Am 1. Januar 2004 fusionierte Englisberg mit der Nachbargemeinde Zimmerwald zur neubenannten Gemeinde Wald BE.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  •  Johann Jacob Leu: Allgemeines Helvetisches, Eydgenössisches, Oder Schweitzerisches Lexicon. Zürich 1746-1765.
  •  Heinrich Albert Jahn: Der Kanton Bern. Bern 1783.
  •  Ludwig F. König: Historische, geographische und physikalische Beschreybung des Schweizerlandes. 2, Bern 1853.
  •  Anonymus, Kanton Bern (Hrsg.): Fontes Rerum Bernensium. Bern's Geschichtsquellen. Bern 1883-1956.
  • Charles Knapp, Maurice Borel, Victor Attinger, Heinrich Brunner, Société neuchâteloise de géographie (Herausgeber): Geographisches Lexikon der Schweiz. Band 2: Emmenholz – Kraialppass. Verlag Gebrüder Attinger, Neuenburg 1904, S. 25 f., Stichwort Englisberg  (Scan der Lexikon-Seite).
  •  Heimatkunde des Amtes Seftigen. Bern 1906.
  •  Historisch-Biographisches Lexikon der Schweiz. 3, Neuchâtel 1927.
  •  Daniel Guggisberg: Feuerstättenzählung 1558 in der Kirchgemeinde Belp. In: Mitteilungen der Genealogisch-Heraldischen Gesellschaft Bern. 19, 2000, S. 14-27.
  •  Fritz Brönnimann-Glaser, Gemeinde Zimmerwald (Hrsg.): Beiträge zur Geschichte und Heimatkunde des Längenberges, Wie entstand unsere Gemeinde. 1 u. 2, 1988.
  •  Heinz Weilenmann: Die Herrschaft Englisberg. In: Berner Zeitschrift für Geschichte und Heimatkunde. Bern 1961.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Englisberg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien