Kiesen

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Zum gleichnamigen Autor siehe Michael Kiesen.
Kiesen
Wappen von Kiesen
Staat: Schweiz
Kanton: Bern (BE)
Verwaltungskreis: Bern-Mittellandw
BFS-Nr.: 0611i1f3f4
Postleitzahl: 3629
UN/LOCODE: CH KIE
Koordinaten: 611254 / 18540746.8197187.58611547Koordinaten: 46° 49′ 11″ N, 7° 35′ 10″ O; CH1903: 611254 / 185407
Höhe: 547 m ü. M.
Fläche: 4.7 km²
Einwohner: 864 (31. Dezember 2012)[1]
Einwohnerdichte: 155 Einw. pro km²
Website: www.kiesen.ch
Schloss Kiesen

Schloss Kiesen

Karte
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Kiesen ist eine politische Gemeinde im Verwaltungskreis Bern-Mittelland des Kantons Bern in der Schweiz.

Geographie[Bearbeiten]

Kiesen liegt auf 547 m ü. M., 8 km nordnordwestlich der Stadt Thun (Luftlinie). Das Dorf erstreckt sich beidseits der Chise (Kiese) auf der Schwemmebene am östlichen Rand des breiten Aaretals.

Die Fläche des 4.7 km² grossen Gemeindegebiets umfasst einen Abschnitt der Aareniederung zwischen Bern und Thun. Die westliche und südwestliche Grenze verläuft entlang der Aare, die hier von einem Waldgürtel begleitet wird. Auf dem Gemeindeboden münden nur rund 1 km voneinander entfernt die Chise und die Rotache in die Aare. Von der Aare erstreckt sich der Gemeindebann ostwärts über die breite Ebene des Aaretals bis auf die angrenzenden Hügel. Auf dem Deiberg wird mit 593 m ü. M. die höchste Erhebung von Kiesen erreicht. Im äussersten Südosten reicht das Gebiet über den ausgedehnten Chisenwald (586 m ü. M.) bis an den Rand der Senke des Ägelmooses. Von der Gemeindefläche entfielen 1997 17 % auf Siedlungen, 28 % auf Wald und Gehölze, 52 % auf Landwirtschaft und etwas weniger als 3 % war unproduktives Land.

Zu Kiesen gehören die Siedlung Aarhus (540 m ü. M.) an der Aarebrücke sowie verschiedene Hofgruppen und Einzelhöfe. Nachbargemeinden von Kiesen sind Wichtrach, Oppligen, Heimberg, Uttigen und Jaberg.

Geschichte[Bearbeiten]

Die erste urkundliche Erwähnung des Ortes erfolgte 1236 unter dem Namen Chisun.[2] Später erschienen die Bezeichnungen Chison (1250), Kison (1253), Kyson (1305) und Kisen (1313). Der Ortsname geht ursprünglich auf einen Gewässernamen zurück. Chise hat die Bedeutung von die Kiesige, die Kiesführende.[3]

Seit dem Mittelalter bildete Kiesen eine eigene Herrschaft, über die im 13. Jahrhundert das Kloster Interlaken, ab dem frühen 14. Jahrhundert verschiedene Berner Burgerfamilien Vogteirechte innehatten. Die hohe Gerichtsbarkeit lag beim Landgericht Konolfingen. Nach dem Zusammenbruch des Ancien Régime (1798) gehörte Kiesen während der Helvetik zum Distrikt Steffisburg und ab 1803 zum Oberamt Konolfingen, das mit der neuen Kantonsverfassung von 1831 den Status eines Amtsbezirks erhielt.

Schon früh bildete Kiesen einen Verkehrsknotenpunkt am Kreuz der Strassen von Bern nach Thun und vom Emmental über die Aare ins Schwarzenburgerland. Nachdem die Aare im Gebiet von Kiesen 1826 korrigiert und begradigt worden war, wurde die alte Aarefähre 1839 durch eine Brücke ersetzt.[4]

Bevölkerung[Bearbeiten]

Mit 864 Einwohnern (Stand 31. Dezember 2012) gehört Kiesen zu den kleineren Gemeinden des Kantons Bern. Von den Bewohnern sind 95.4 % deutschsprachig, 1.2 % albanischsprachig und 0.9 % sprechen Serbokroatisch (Stand 2000). Die Bevölkerungszahl von Kiesen belief sich 1850 auf 437 Einwohner, 1900 auf 433 Einwohner. Im Verlauf des 20. Jahrhunderts nahm die Bevölkerungszahl kontinuierlich zu. 1980 wurden 627 Einwohner gezählt.

Politik[Bearbeiten]

Die Stimmenanteile der Parteien anlässlich der Nationalratswahlen 2011 betrugen: SVP 27,9 %, BDP 21,2 %, SP 12,9 %, glp 6,8 %, FDP 6,6 %, EDU 6,4 %, GPS 5,9 %, EVP 4,8 %, CVP 2,5 %, PPS 1,4 %.[5]

Wirtschaft[Bearbeiten]

Kiesen war bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts ein vorwiegend durch die Landwirtschaft geprägtes Dorf. Noch heute haben der Ackerbau, der Obstbau sowie die Milchwirtschaft und die Viehzucht einen wichtigen Stellenwert in der Erwerbsstruktur der Bevölkerung. Zahlreiche weitere Arbeitsplätze sind im lokalen Kleingewerbe und im Dienstleistungssektor vorhanden. In Kiesen sind heute ein Kieswerk, eine Spielwarenfabrik, eine Möbelfabrik sowie Betriebe des Baugewerbes, der Informatik, der Nahrungsmittelverarbeitung und des Weinhandels vertreten. In den letzten Jahrzehnten hat sich das Dorf zu einer Wohngemeinde entwickelt. Viele Erwerbstätige sind deshalb Wegpendler, die hauptsächlich in den grösseren Ortschaften des Aaretals, im Raum Thun und in der Agglomeration Bern arbeiten.

Verkehr[Bearbeiten]

Die Gemeinde ist verkehrstechnisch sehr gut erschlossen. Sie liegt an der alten Hauptstrasse von Bern nach Thun. Der nächste Anschluss an die Autobahn A6 (Bern-Thun), welche 1971 eröffnet wurde und das Gemeindegebiet durchquert, befindet sich rund 2 km vom Ortskern entfernt. Die Eisenbahnlinie von Bern nach Thun wurde am 1. Juli 1859 mit einem Bahnhof in Kiesen in Betrieb genommen. Am 23. September 1941 ereignete sich ein schwerer Eisenbahnunfall.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Auf der Anhöhe östlich des Dorfes steht das so genannte Schloss Kiesen, ein Landsitz, der 1669 an der Stelle einer mittelalterlichen Burg errichtet wurde. Das Gebäude wurde 1794 umgestaltet und ausgebaut. 1815 wurde unter Rudolf Emanuel Effinger auf dem Schlossgut die genossenschaftliche Dorfkäserei eröffnet, in der sich seit 1974 das Nationale Milchwirtschaftliche Museum befindet. Kiesen besitzt keine eigene Kirche, es gehört zur Pfarrei Wichtrach.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Kiesen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Literatur[Bearbeiten]

  •  Heinrich C. Waber, Einwohnergemeinde Kiesen (Hrsg.): Kiesen – Texte und Bilder aus Vergangenheit und Gegenwart einer kleinen bernischen Gemeinde. Stämpfli + Cie AG, Bern 1986.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistik Schweiz – STAT-TAB: Ständige und Nichtständige Wohnbevölkerung nach Region, Geschlecht, Nationalität und Alter (Ständige Wohnbevölkerung)
  2. Waber: Kiesen. 1986, S. 14
  3. Waber: Kiesen. 1986, S. 11
  4. Waber: Kiesen. 1986, S. 63
  5. http://www.wahlarchiv.sites.be.ch/wahlen2011/target/NAWAInternetAction.do@method=read&sprache=d&typ=21&gem=611.html abgerufen am 18. Januar 2013