Friedrich Torberg

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Friedrich Torberg (* 16. September 1908 in Wien als Friedrich Ephraim Kantor-Berg; † 10. November 1979 ebenda) war ein österreichisch-tschechoslowakischer Schriftsteller, Journalist, Publizist, Drehbuchautor und Herausgeber. Zu seinen bekanntesten Werken zählen die Romane Der Schüler Gerber und Die Mannschaft sowie als Spätwerk die Anekdotensammlung Die Tante Jolesch. Bekannt ist er auch als Übersetzer der Bücher Ephraim Kishons sowie als Herausgeber der Zeitschrift FORVM und als Literaturkritiker im Österreich der Nachkriegszeit.

Sein Pseudonym „Torberg“ bildete er um 1930 bei seinen ersten Veröffentlichungen aus der letzten Silbe seines Nachnamens „Kantor“ und dem Geburtsnamen seiner Mutter „Berg“.

Leben[Bearbeiten]

Kindheit und Jugend[Bearbeiten]

Geburtshaus von Friedrich Torberg in der Porzellangasse 7a.

Friedrich Torberg entstammte einer deutsch-jüdischen Prager Familie. Sein Vater Alfred Kantor (1874–1931) ging als leitender Angestellter einer Prager Schnapsfabrik nach Wien, wo Therese Berg eine Filiale der elterlichen Selchwarenproduktion leitete und wo sie Ende des Jahres 1900 heirateten. Seine ältere Schwester Sidonie („Sidi“) (1902–1941) und die Mutter wurden am 3. November 1941 in das Ghetto Litzmannstadt deportiert, wo sie umgekommen sind. Die jüngere Schwester Ilse Daus („Sili“) konnte 1939 nach Palästina emigrieren, wo sie als Kinderbuchillustratorin reüssierte und mit dem Komponisten Avraham Daus zwei Töchter hatte.

Friedrich kam im neunten Bezirk Alsergrund, in der Porzellangasse, zur Welt. Er besuchte die Volksschule in der Grünentorgasse und das Realgymnasium Wasagasse. In Wien trat Torberg der Wasserballsektion des jüdischen Sportvereins SC Hakoah Wien bei, nachdem in die Fußballmannschaft aufgrund der großen Erfolge und des daraus resultierenden regen Andrangs keine Spieler mehr aufgenommen wurden.

Als der Vater 1921 zum Prokuristen seiner Firma befördert worden war, kehrte die Familie nach Prag zurück. Dort erhielt Torberg 1924 die tschechoslowakische Staatsbürgerschaft, die er bis 1945 innehatte.[1] Torberg litt sehr unter dem dortigen Schulsystem, das noch aus der untergegangenen Monarchie stammte. In Wien hatte Torberg Schulen besucht, an denen die Schulreform des Reichsratsabgeordneten Otto Glöckel bereits durchgeführt worden war. Da Torberg in dieser Zeit auch in verschiedenen Varietés auftrat und Gedichte verfasste, nahm es nicht wunder, dass er 1927 die Reifeprüfung am Deutschen Realgymnasium in Prag-Smíchov nicht bestand. Erst ein Jahr später kam er durch.

Journalismus und Studium[Bearbeiten]

Seit 1927 arbeitete Torberg beim Prager Tagblatt u. a. als Sportreporter und Theaterkritiker. Er freundete sich mit Egon Erwin Kisch, Alfred Polgar und Joseph Roth an. Auch André Malraux, Bertrand Russell und Ernst Toller lernte er in dieser Zeit kennen. In Wien war er Stammgast im Café Herrenhof, in dem auch die Schriftsteller Hermann Broch, Robert Musil und Franz Werfel verkehrten. Ebenso war er im Café Rebhuhn und im Café de l’Europe, einem Treffpunkt der Halbwelt, anzutreffen.

1928 begann Torberg an der Universität Prag zuerst Philosophie, später Rechtswissenschaften zu studieren. Als nach drei Semestern eine erste Prüfung anstand, brach er das Studium kurz entschlossen wieder ab. Im selben Jahr wurde er als Mitglied der Mannschaft Hagibor Prag tschechoslowakischer Meister im Wasserball. Er schoss beide Tore zum 2:0-Sieg. Seine Begeisterung für den Sport zeigt sich auch in der Schilderung einer Ski-Reise im Schüler Gerber. 1935 erschien Die Mannschaft, Roman eines Sportlebens, der von den Erlebnissen des jungen Harry und seiner Wasserballmannschaft handelt. Als regelmäßiger und begeisterter Besucher von Fußballspielen des SC Hakoah Wien schrieb er 1959 im Essay Warum ich darauf stolz bin anekdotenreich seine Erinnerungen an diese Mannschaft und ihre Spiele nieder.

1929 absolvierte Torberg beim Leipziger Tageblatt ein einjähriges Volontariat. In diesem Jahr war er ständig zwischen Wien, Leipzig und Prag unterwegs. U. a. schrieb er in Prag für die Wochenzeitschrift Selbstwehr und kam so mit radikalen Zionisten in Kontakt. 1935 schrieb Torberg eine Zeit lang für den von deutschsprachigen Emigranten in der Tschechoslowakei gegründeten Prager Mittag, der ihn mit dem Angebot Sportberichte und Theaterkritiken schreiben zu können, lockte. Seine Anstellung dort endete wenig später, als Torberg nach einem Weltrekord des Schwimmers Peter Fick seinen Artikel unbekümmert mit der Überschrift Neuer Fick-Rekord versah.[2]

1930 konnte Torberg mit Hilfe seines Prager Mentors Max Brod als Romanautor debütieren. Brod sandte das Manuskript von Der Schüler Gerber hat absolviert (Titel der Erstausgabe, später nur noch Der Schüler Gerber) an den Verlag Paul Zsolnay mit der Maßgabe, bei Annahme Torberg direkt zu verständigen, bei einer Ablehnung jedoch ihn, Brod. In diesem ersten und zugleich erfolgreichsten Roman machte Torberg seine schlechten Erfahrungen in der Schule zum Thema. Er schildert darin den Abiturienten Kurt Gerber, einen Einzelgänger und Schwärmer, der unter den Zwängen des Schulsystems, vor allem aber unter seinem ungerechten und scheinbar allmächtigen Mathematiklehrer („Gott“ Kupfer), leidet. Die Erstauflage betrug 5.000 Stück.[3] Innerhalb eines Jahres wurde das Werk in sieben Sprachen übersetzt.[1] Dieser Erfolg bedeutete nicht nur eine materielle Absicherung sondern auch die Aufnahme in die „legendäre Prager deutsche Dichterszene“.[1]

Emigration in die Schweiz und nach Frankreich[Bearbeiten]

Im „Dritten Reich“ wurden Torbergs Bücher ab 1933 von den Nationalsozialisten verboten. In Österreich nahm er 1937 aus Geldnot ein Angebot an, das bekannte Volksstück Der Pfarrer von Kirchfeld von Ludwig Anzengruber als Drehbuch zu adaptieren. Die anfänglich vorgesehenen Partner Otto und Egon Eis sagten wegen Verhinderung bzw. Desinteresse die Mitarbeit ab, stimmten aber zu, gegenüber dem Produzenten als Mitarbeiter in Erscheinung zu treten. Das Drehbuch schrieb Torberg schließlich mit einem anderen Drehbuchautor unter dem gemeinsamen Pseudonym „Hubert Frohn“, einem „steirischen Heimatdichter aus Judenburg“.[4] Das Pseudonym war nötig, da in Deutschland Filme mit jüdischer Mitwirkung nicht mehr aufgeführt werden durften, österreichische Filme jedoch vom deutschen Markt abhängig waren und an eine Filmherstellung in Österreich ohne jüdische Mitarbeiter kaum zu denken war – waren doch viele bedeutende Filmschaffende in Österreich Juden, zu denen 1933 zahlreiche Flüchtlinge aus Deutschland hinzukamen. Als Beispiel für „die Weise, […] auf welche damals Filme entstanden sind“[4], beschrieb Torberg diese Anekdote in Die Erben der Tante Jolesch.

Im März 1938, zur Zeit des Anschlusses, hielt sich Torberg gerade in Prag auf. Am 20. Juni desselben Jahres emigrierte er nach Zürich. Anfangs schien er in Sicherheit zu sein. Torberg wurde bald Stammgast im Grand Café Odeon. Im Frühjahr 1939 wurde seine Aufenthaltsgenehmigung von den Schweizer Behörden nicht mehr verlängert. Torberg kam seiner Ausweisung zuvor und ging nach Paris. Den Sommer 1939 verbrachte er noch in Frieden an der Côte d'Azur; als tschechoslowakischer Staatsbürger wurde er bei Kriegsausbruch auch nicht interniert. Im Oktober schloss er sich der tschechoslowakischen Exilarmee an, die sich gerade formierte.

Bereits die Grundausbildung überforderte Torberg wegen eines Herzfehlers. Anfangs noch zu Büroarbeiten eingeteilt, wurde er nach sieben Monaten als untauglich wieder entlassen. Die tschechische Exilarmee in Frankreich kam während des gesamten Krieges nicht zum Einsatz, Torberg erhielt aber wieder gültige Ausweisdokumente. Am 12. Juni 1940, zwei Tage vor der Besetzung der Stadt durch deutsche Truppen, konnte Torberg mit Oskar Karlweis Paris verlassen und gelangte über Bordeaux und Bayonne an die spanische Grenze. 20 Stunden vor Schließung durch deutsche Truppen entkam Torberg nach Spanien. In überfüllten Zügen kam Torberg bis Porto und schlug sich mehrfach illegal nach Lissabon durch. Nur in der Hauptstadt gab es Visa für die USA, doch Ausländern war der Aufenthalt in der überfüllten Stadt untersagt.

Nur durch Vermittlung von Freunden wurde Torberg offiziell vom P.E.N.-Club als einer von zehn Outstanding German Anti-Nazi-Writers erfasst. Das angekündigte Visum ließ allerdings auf sich warten, „möglicherweise deshalb“, erklärte sich Torberg in Die Erben der Tante Jolesch, „weil meine Reisedokumente mich vor dem Konsul nicht als German und nicht einmal als Austrian legitimierten; vermutlich mußte er erst in Washington rückfragen, ob man auch mit tschechoslowakischem Paß ein Anti-Nazi-Writer sein konnte.“[5] Er erhielt das Einreisevisum schließlich am 11. September 1940, womit er am 9. Oktober 1940 auf der „Exeter“ der American Express Company endlich Portugal verlassen konnte.

Die Briefe Torbergs aus dieser Zeit an seinen Freund Willi Schlamm wurden von David Axmann herausgegeben.

Emigration nach Übersee[Bearbeiten]

Nach seiner Ankunft in New York zog Torberg bald nach Hollywood.

Die zehn Outstanding German Anti-Nazi-Writers wurden je zur Hälfte von MGM und Warner Brothers unter Vertrag genommen, „für 100 Dollar wöchentlich, die uns in Portugal wie eine Fantasiesumme vorkamen (und sich an Ort und Stelle als knapp bemessenes Taschengeld erwiesen).“[6] Torberg selbst kam gemeinsam mit Leonhard Frank, Alfred Neumann, Heinrich Mann und Wilhelm Speyer zu Warner Brothers. Es gab eine Benefiz-Veranstaltung für den International Film Fund, an der alle zehn Autoren einer interessierten Öffentlichkeit vorgestellt oder nach Ansicht Torbergs vielmehr „vorgeführt“ wurden. Alfred Polgar, einer der zehn, äußerte ihm gegenüber: „vielleicht hätten wir unrasiert und in abgerissenen Gewändern erscheinen sollen, um so recht zu dokumentieren, daß wir gerettete Flüchtlinge wären.“[7] Dass die Anstellung der zehn Autoren bei den beiden Filmstudios mehr zu Publicity-Zwecken denn zu tatsächlicher Arbeit an Drehbüchern gedacht war, offenbarte sich rasch in der Tatsache, dass die Autoren, die häufig kaum englisch konnten, täglich acht Stunden im Büro zu sein hatten, jedoch mit keiner Arbeit bedacht wurden. Kaum einer der zehn erhielt nach Ablauf des Jahres eine Vertragsverlängerung, so auch nicht Torberg. Sein Versuch sich nützlich zu machen, scheiterte insofern, als er zwar mit der Ausarbeitung eines Drehbuch-Treatments zu einem bestimmten Filmprojekt beauftragt wurde, dieses zwei Monate später nach „schweißtreibender Arbeit“ fertigstellte und seinem Vorgesetzten, dem Produzenten Mark Jacobs vorstellte, der ihm daraufhin lediglich mitteilte, die Sache längst fallen gelassen zu haben.[8]

Er verkehrte in den Emigrantenkreisen von Hollywood, wo auch Lion Feuchtwanger, Heinrich und Thomas Mann, Bertolt Brecht und andere Zuflucht gefunden hatten. Besonders freundschaftliche Beziehungen unterhielt er mit Franz Werfel und Alma Mahler-Werfel (der Briefwechsel mit letzterer liegt in Buchform vor). 1944 zog Friedrich Torberg nach New York, um zusammen mit seinem Freund William S. Schlamm am Projekt Umlaut, einer deutschen Ausgabe des Time Magazine zu arbeiten. Mit diesem Projekt für Emigranten scheiterte er bereits im Dezember 1944 und so verdiente er seinen Lebensunterhalt als Übersetzer, freier Journalist und Theaterkritiker. Im November 1945 heiratete er Marietta Bellak. Im selben Jahr erhielt er die US-Staatsbürgerschaft.

Rückkehr nach Wien[Bearbeiten]

1951 kehrte Torberg nach Wien zurück, behielt aber die US-Staatsbürgerschaft. Er schrieb für die Wiener Zeitung Die Presse und für den Radiosender Rot-Weiß-Rot. In München schrieb Torberg für die Süddeutsche Zeitung, und 1954 gründete er, mit der Unterstützung des Kongresses für kulturelle Freiheit (CCF), einer von der CIA finanzierten Organisation, eine eigene Kulturzeitschrift mit dem Titel FORVM (er wurde durchgängig in dieser lateinisch-typographischen Urfassung verwendet). Dass der CCF von der CIA Gelder erhielt, wurde allerdings erst in der zweiten Hälfte der 1960er Jahre von US-Journalisten aufgedeckt und nach dem Ende des Kalten Krieges auch dokumentiert[9] Mitherausgeber des FORVM waren Friedrich Hansen-Loeve, Felix Hubalek und Alexander Lernet-Holenia. Später kamen dann Günther Nenning und Franz Willnauer als Redakteure hinzu. In der damals durch das 1951 entstandene Österreichische Wörterbuch ausgelösten Diskussion, ob das Österreichische Deutsch eine Berechtigung zur Eigenständigkeit habe, bezog Torberg eine klar pro-österreichische Stellung und trat für eine selbstbewusste Verwendung der nationalen Sprachvarietät ein. 1960 stellte er sogar in einer Glosse die polemische Frage „Wie verpreußt sind wir?“[10]

In diesen Jahren edierte er das Werk von Fritz von Herzmanovsky-Orlando, das auf diese Weise erstmals der Öffentlichkeit zugänglich wurde, übersetzte Ephraim Kishon und versuchte sich an einer eigenen Werkausgabe. Torberg engagierte sich massiv gegen den Kommunismus und dessen Anhänger und Sympathisanten.[11] Im Wien der Nachkriegsjahre und des Kalten Kriegs gelang es ihm, zusammen mit Hans Weigel einen Boykott der Aufführung der Werke von Bertolt Brecht an den österreichischen Bühnen durchzusetzen, der bis 1963 anhielt (Wiener Brecht-Boykott). 1962 wurde seine Ehe mit Marietta geschieden, und es folgte eine kurze Liaison mit Johanna von Koczian. Nach mehreren kurzen Affairen begann Torberg eine Beziehung zur Burgschauspielerin Paola Löw, die bis zu seinem Tod andauerte. Allerdings unterhielt er auch weiterhin gute Beziehungen zu seiner Ex-Ehefrau Marietta, die auch zu seiner ersten Nachlassverwalterin wurde. Der heutige alleinige Verwalter des Torberg-Nachlasses ist David Axmann.

Immer wieder wurde Torberg auch von Rundfunk und Fernsehen zu Diskussionen eingeladen, und zwar als „Jud vom Dienst“, wie er einmal selbstironisch bemerkte. Legendär wurde Torberg insbesondere durch seine pointierten Polemiken und persönlichen Feldzüge gegen Menschen, die er kommunistischer Sympathien bezichtigte und Fellow Travellers nannte. Hier sind etwa Thomas Mann, Günther Anders, Robert Jungk, Karl Paryla und Hilde Spiel zu nennen. Einen anderen Grund gab Torberg für seine heftige Auseinandersetzung mit Salcia Landmann an, nämlich seine Überzeugung, Landmann habe in ihrem Buch den jüdischen Witz grob missverstanden und teilweise sogar in antisemitischer Weise entstellt. Torberg setzte sich auch für junge literarische Talente ein – zum Beispiel für Peter Handke und Brigitte Schwaiger.

1966 gab er die Leitung des FORVM an Günther Nenning ab (der es bis zu Torbergs Tod als NEUES FORVM, danach sogleich wieder als FORVM weiterführte). Torberg zog sich in sein Haus in Breitenfurt bei Wien zurück. Hier entstand auch die Werkausgabe von Peter Hammerschlag.

Torbergs Grab, Wiener Zentralfriedhof

1975 veröffentlichte er die Sammlung Die Tante Jolesch oder der Untergang des Abendlandes in Anekdoten, in der er mit selbst erlebten und von anderen erzählten Geschichten aus seiner Jugendzeit dem jüdischen Leben im Wien und Prag der Zwischenkriegszeit ein Denkmal setzte.

Im Alter von 71 Jahren starb Friedrich Torberg am 10. November 1979 in Wien. Er liegt in einem Ehrengrab auf dem Wiener Zentralfriedhof, auf eigenen Wunsch in der Israelitischen Abteilung (Tor 1), neben Arthur Schnitzler begraben.

Postum erschien 1984 mit Auch das war Wien, einer in der Emigration verfassten Auseinandersetzung mit Wien zur Zeit des Anschlusses an das nationalsozialistische Deutschland, das letzte Werk Torbergs. Wie schon wenige Jahre zuvor Der Schüler Gerber (1981) wurde auch dieses Werk wenig später unter dem Titel 38 – Auch das war Wien (1987) vom Regisseur Wolfgang Glück erfolgreich verfilmt. Der Film erhielt eine Nominierung für den Oscar als bester fremdsprachiger Film.

Anekdoten[Bearbeiten]

In seinen Spätwerken, den Anekdotensammlungen Die Welt der Tante Jolesch und Die Erben der Tante Jolesch berichtet Torberg in seinen Erinnerungen auch immer wieder über sich selbst. So entstanden auch Anekdoten, in denen die Pointe auf seine Kosten geht:

In folgendem Zitat erzählt Torberg von Ernst Polak, dem Literaturagenten eines Schweizer Verlages, bei dem Torberg 1937 veröffentlichte:

„Mein Roman ‚Abschied‘ erschien 1937 im Humanitas-Verlag Zürich […] und Ernst Polak bekam von mir das übliche Pflichtexemplar. […] Ich sah seinem Urteil mit Angst entgegen, denn schon der ‚Schüler Gerber‘ hatte vor seinem strengen, monokelbewehrten Kritikerauge nur bedingte Gnade gefunden (und damals durfte er mir noch zugutehalten, daß es das Erstlingswerk eines Einundzwanzigjährigen war).
An einem der folgenden Nachmittage erwartete mich Ernst Polak, den ‚Abschied‘ vor sich auf dem Tisch, im Café Herrenhof. In banger Erwartung setzte ich mich ihm gegenüber, sah ihn das Monokel einklemmen und das Buch aufschlagen, welches vollständig ‚Abschied, Roman einer ersten Liebe‘ hieß, als Motto ein Zitat aus einem Gedicht von Hölderlin trug und meinem väterlichen Freund Max Brod gewidmet war.
‚Der Titel‘, hob Ernst Polak an, ‚ist nicht schlecht.‘ Er blätterte weiter und deutete auf das Hölderlin-Zitat. ‚Das hier ist sogar hervorragend. Hier‘ – er war bei der Widmung an Max Brod angelangt – ‚wird's schon etwas schwächer. Und der Rest taugt überhaupt nichts.‘
Damit klappte er das Buch wieder zu. Die Kritik war erledigt. Ich auch.“

Friedrich Torberg, Die Erben der Tante Jolesch[12]

In Die Tante Jolesch zitiert Torberg Egon Erwin Kisch, der im Pariser Exil, „kurz vor Kriegsausbruch“, „über die täglich wachsende Unsicherheit [seines] Emigrantendaseins“ zu Torberg gesagt haben soll: „Weißt du […] mir kann eigentlich nichts passieren. Ich bin ein Deutscher. Ich bin ein Tscheche. Ich bin ein Jud. Ich bin aus einem guten Haus. Ich bin Kommunist … Etwas davon hilft mir immer.“ Dieses Zitat wandelte Torberg an selber Stelle für sich wie folgt ab:

„Ich bin ein Jud. Ich lebe in Österreich. Ich war in der Emigration. Ich hab was gegen Brecht … Etwas davon schadet mir immer.“

Friedrich Torberg, Die Welt der Tante Jolesch [13]

Auszeichnungen und Ehrungen[Bearbeiten]

Werke[Bearbeiten]

  • Der ewige Refrain (1929) – Gedichtband
  • Der Schüler Gerber hat absolviert (Titel der Erstausgabe 1930, später nur noch Der Schüler Gerber). Wien, Zsolnay.
  • …und glauben, es wäre die Liebe. Roman. (1932). Wien, Zsolnay.
  • Die Mannschaft. Roman eines Sport-Lebens. (1935). Wien, Molden. 560 S.
  • Abschied. Roman. (1937). Zürich, Humanitas.
  • Auf den Tod eines Fussballspielers. Gedicht (1939, gewidmet dem Fußballer Matthias Sindelar, Wiederabdruck in Lebenslied)
  • Der letzte Ritt des Jockeys Matteo – Novelle aus dem Nachlass, (in den 1940er Jahren geschrieben, 1985 erstveröffentlicht), 117 S.
  • Mein ist die Rache (1942), Pazifische Presse Los Angeles, 1942
  • Hier bin ich, mein Vater (1948)
  • Die zweite Begegnung (1950)
  • Nichts leichter als das (1956)
  • Lebenslied. [45] Gedichte aus 25 Jahren [40 davon zwischen 1933–1945]. München 1958, Langen-Müller; Wien 1983, Medusa, 80 S.

Gesammelte Werke[Bearbeiten]

Gesammelte Werke in Einzelausgaben, München 1962–1991, Langen Müller

  • 1. Hier bin ich, mein Vater. Roman. (1962), 340 S.
  • 2. Die zweite Begegnung. Roman. (1963), 355 S.
  • 3. P P P – Pamphlete, Parodien, Post Scripta. (1964), 416 S.
  • 4. Das fünfte Rad am Thespiskarren 1. Theaterkritiken. (1966), 445 S.
  • 5. Das fünfte Rad am Thespiskarren 2. Theaterkritiken. (1967), 528 S.
  • 6. Golems Wiederkehr und andere Erzählungen. (1968), 188 S. Enthält Mein ist die Rache (1942); Nichts leichter als das (1954); Der Mann, der nie über Kafka schrieb (EA 1968); Golems Wiederkehr (EA 1968).
  • 7. Süsskind von Trimberg. Roman. (1972), 320 S.
  • 8. Die Tante Jolesch oder der Untergang des Abendlands in Anekdoten. (1975), 336 S., Neuauflage DTV, München 1996, ISBN 3-423-01266-8
  • 9. Die Erben der Tante Jolesch. (1978), 320 S., Langen-Müller, München, ISBN 3-7844-1693-4
  • 10. Und glauben, es wäre die Liebe. Roman unter jungen Menschen. (1978), 506 S.
  • 11. Apropos. Nachgelassenes, Kritisches, Bleibendes. (1981), 416 S.
  • 12. In diesem Sinne. Briefe an Freunde und Zeitgenossen. (1981), 464 S.
  • 13. Kaffeehaus war überall. Briefwechsel [1941–1949] mit Käuzen und Originalen. (1982), 280 S.
  • 14. Pegasus im Joch. Briefwechsel mit Verlegern und Redakteuren. (1983), 288 S.
  • 15. Auch das war Wien. Roman. (1984), 384 S., verfasst während der Emigration
  • 16. Auch Nichtraucher müssen sterben. Essays – Feuilletons – Notizen – Glossen. (1985), 288 S.
  • 17. Wo der Barthel die Milch holt (1983)
  • 18. Liebste Freundin und Alma. Briefwechsel mit Alma Mahler-Werfel. (1987), 288 S.
  • 19. Eine tolle, tolle Zeit. Briefe und Dokumente aus den Jahren der Flucht 1938–1941. (1989), 186 S.
  • 20. Voreingenommen wie ich bin. Von Dichtern, Denkern, und Autoren. (1991), 212 S.
  • 21. Wien oder der Unterschied. Ein Lesebuch (Kein Erscheinungsdatum), 286 S.

Verfilmungen[Bearbeiten]

Tonträger[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

chronologisch

  • Joseph P. Strelka (Hrsg.): Der Weg war schon das Ziel. Festschrift für Friedrich Torberg zum 70. Geburtstag. München 1978, Langen Mueller.
  • Franz Heinrich Hackel: Zur Sprachkunst Friedrich Torbergs. Parodie, Witz, Anekdote. Mit einem Anhang unbekannter Arbeiten aus der Frühzeit Torbergs. Frankfurt am Main u. a.: Lang. 1984. (= Europäische Hochschulschriften; Reihe 1; 769) ISBN 3-8204-7170-7.
  • Frank Tichy: Friedrich Torberg. Ein Leben in Widersprüchen. Salzburg u.a.: Otto Müller. 1995, ISBN 3-7013-0915-9.
  • David Axmann (Hrsg.): Und Lächeln ist das Erbteil meines Stammes. Erinnerung an Friedrich Torberg, mit Beiträgen von Klaus Maria Brandauer u. a., Wiener Journal, Wien 1988, ISBN 3-900379-23-8.
  • Helga Abret: Zwischen Realität und Legende – Zu Friedrich Torbergs Erzählung „Golems Wiederkehr“. In: Hinauf und Zurück/in die herzhelle Zukunft. Deutsch-jüdische Literatur im 20. Jahrhundert. Festschrift für Birgit Lermen. Bonn: Bouvier-Verlag 2000, S. 521–542.
  • Anne-Marie Corbin-Schuffels: L'image de l'Europe à l'ombre de la guerre froide. La revue forum de Friedrich Torberg à Vienne, 1954–1961. Paris u.a.: L’Harmattan. 2001, ISBN 2-7475-1674-1.
  • Klaus Maiwald: Literatur lesen lernen. Begründung und Dokumentation eines literaturdidaktischen Experiments. Baltmannsweiler: Schneider-Verl. Hohengehren. 2001. (= Deutschdidaktik aktuell; 10) ISBN 3-89676-361-X.
  • Michael Howard Rice: Nazis and Jews. A thematic approach to three exile works by Friedrich Torberg. Cincinnati, Ohio: Univ. Diss. 2001.
  • Marcel Atze, Marcus G. Patka (Hrsg.): Die „Gefahren der Vielseitigkeit“. Friedrich Torberg 1908–1979. Katalog zur gleichnamigen Ausstellung im Jüdischen Museum Wien. Wien: Holzhausen 2008. ISBN 978-3-85493-156-0.
  • David Axmann: Friedrich Torberg. Die Biographie, Langen Müller, München 2008, ISBN 978-3-7844-3138-3.
  • Marcel Atze (Hrsg.): „Schreib. Nein, Schreib Nicht“. Marlene Dietrich, Friedrich Torberg; Briefwechsel 1946–1979. Synema, Wien 2008.
  • [Eintrag] Friedrich Torberg. In: Heinz Ludwig Arnold (Hrsg.): Kindlers Literatur Lexikon. 3., völlig neu bearbeitete Auflage. 18 Bde. Metzler, Stuttgart/Weimar 2009, ISBN 978-3-476-04000-8, Bd. 16, S. 367f. [Biogramm und Werkartikel zu Der Schüler Gerber hat absolviert von Irena Zivsa].
  • Daniela Vergud: „Friedrich Torbergs täglich Brod.“ Der Briefwechsel zwischen F. T. und Max Brod 1943–1968. Magisterarbeit, Neuere deutsche Literatur, Lehrstuhl Karl Müller (Germanist), Universität Salzburg 2009.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c Anneke Müller: „Glück, dass gleich mein erster Roman ein Erfolg wurde“. Prager Tagblatt, 25. September 2008, S. 7
  2. Friedrich Torberg: Die Erben der Tante Jolesch. Deutscher Taschenbuch-Verlag, München 1981, S. 199 f.
  3. Friedrich Torberg: Der Schüler Gerber hat absolviert. Wien, Zsolnay, Erstausgabe, Seite 4.
  4. a b Friedrich Torberg: Die Erben der Tante Jolesch Deutscher Taschenbuch-Verlag, München 1981, S. 119–123
  5. Friedrich Torberg: Die Erben der Tante Jolesch Deutscher Taschenbuch-Verlag, München 1981, S. 168
  6. Friedrich Torberg: Die Erben der Tante Jolesch Deutscher Taschenbuch-Verlag, München 1981, S. 169 f.
  7. Friedrich Torberg: Die Erben der Tante Jolesch. Deutscher Taschenbuch-Verlag, München 1981, S. 173
  8. Friedrich Torberg: Die Erben der Tante Jolesch. Deutscher Taschenbuch-Verlag, München 1981, S. 177
  9. Frances Stonor Saunders "Wer die Zeche zahlt..." Seite 201f und Seite 291, Siedler Verlag, Berlin ISBN 3-88680-695-2.
  10. Ulrich Ammon: Die deutsche Sprache in Deutschland, Österreich und der Schweiz Walter de Gruyter, 1995, ISBN 3-11-014753-X; Seite 187 und 209
  11. Frank Tichy: Friedrich Torberg. Ein Leben in Widersprüchen. Salzburg 1995, 202–250
  12. Friedrich Torberg: Die Erben der Tante Jolesch Deutscher Taschenbuch Verlag, München 1981, S. 63
  13. Friedrich Torberg: Die Welt der Tante Jolesch, 1975; Zitiert nach: Die Tante Jolesch und Die Erben der Tante Jolesch, Doppelband, LangenMüller, München 2008, S. 256