Fußball in den Niederlanden

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Fußball in den Niederlanden gilt als Nationalsport. Der Vorläufer des Fußball-Verbands KNVB wurde bereits im Jahr 1889 gegründet.

Die niederländische Fußballnationalmannschaft, kurz Nederlands elftal (nicht wie in Deutschland häufig zu lesen „Elftal“) oder „Oranje“ genannt, ist eine Nationalmannschaft im internationalen Fußball. Nationaltrainer ist seit 2014 der ehemalige Abwehr- und Mittelfeldspieler Guus Hiddink, der bereits von 1995 - 1998 die Nationalmannschaft trainierte. Er ist Nachfolger von Louis van Gaal, der nach der WM 2014 als Trainer zum englischen Erstligisten Manchester United wechselte.

Die Niederlande haben seit 1976 neun Mal an den Fußball-Europameisterschaften teilgenommen und gewannen 1988 den Titel. Bei der Fußball-Weltmeisterschaft waren sie seit 1934 neun Mal vertreten und wurden 1974, 1978 und 2010 jeweils Zweiter.

Der niederländische Fußballmeister wird seit der Saison 1956/57 in der Eredivisie im Ligamodus ausgespielt.

Der Fußball-Verband und seine Geschichte[Bearbeiten]

Logo des KNVB

Der bei der FIFA und UEFA angeschlossene Fußball-Verband heißt Koninklijke Nederlandse Voetbal Bond (deutsch: Königlicher Niederländischer Fußball Bund, abgekürzt: KNVB). Er hat seinen Sitz in Zeist.

Als der Sportpionier Pim Mulier aus Haarlem, der auch Leichtathlet war und Langstrecken-Eisläufer, im Jahre 1889 den ersten Verband errichtete, war der noch ein kombinierter Fußball- und Leichtathletik-Verband. Sechs Jahre später löste sich der Fußball-Verband NVB daraus. Im Jahre 1929 wurde ihm das Prädikat Königlich verliehen.

Ähnlich wie in Deutschland zur gleichen Zeit begann auch der niederländische Fußball als Sportart der Gymnasiasten und Studenten. Die ersten Fußballklubs gingen aus Schulmannschaften hervor, wie z. B. HBS Den Haag, der Klub der Hogere Burger School oder VV Quick aus Haarlem. Andere Vereine entstammen ebenfalls dem studentischen Milieu, was – ebenfalls wie in Deutschland – an den lateinischen, griechischen oder englischen Vereinsnamen erkennbar ist (Ajax Amsterdam, Sparta Rotterdam, Concordia Rotterdam, Go Ahead Deventer). Erst später wurde Fußball ein Sport, den auch Arbeiter betrieben, z. B. Werftarbeiter (Feyenoord Rotterdam) oder Bergleute (Limburgia Brunssum, Roda Kerkrade).

In den 1950er Jahren ging das Spielniveau im Vergleich zu England, Italien und anderen Ländern, wo schon Profi-Fußballer aktiv waren, immer mehr zurück. Niederländische Stars wie bspw. der Stürmer Faas Wilkes spielten im Ausland. Nach vielen – auch ethischen – Diskussionen wurde der bezahlte Fußball 1954 eingeführt. Für ein relativ kleines Land wie die Niederlande bedeutete der Schritt zum Profifußball hohe finanzielle Anstrengungen der einzelnen Klubs. Einige Vereine spalteten sich oder gründeten sich neu, um am Profifußball teilzunehmen. Daher haben viele Vereine der beiden Profiligen als Gründungsjahr das Jahr 1954, während die Vorläuferklubs weiterhin im Amateurbereich existieren.

Ab 1970 erreichte der niederländische Fußball das im Allgemeinen ziemlich hohe Niveau, das er bis heute (mit einigen Höhen- und Tiefpunkten dazwischen) immer noch hat.

Hallenfußball oder „futsal“ wurde 1969, Frauenfußball 1971 eingeführt.

Die Profi-Vereine[Bearbeiten]

Logo der Eredevisie

Die höchste Spielklasse im niederländischen Fußball ist die 1956 gegründete Eredivisie (deutsch: Ehrendivision), in der 18 Mannschaften spielen. In der zweithöchsten Spielklasse, der Eerste Divisie (deutsch: 1. Division), spielen weitere 20 Mannschaften (bis 2013: 18 Mannschaften). Gespielt werden 34 bzw. 38 Spieltage. Der Meister der Eerste Divisie steigt automatisch auf, der letzte der Eredevisie steigt automatisch ab. Die verbliebenen Aufstiegsplätze werden in mehreren Relegationsrunden ausgespielt, an denen acht weitere Mannschaften der Eerste Divisie sowie der 16. und 17. der Eredevisie teilnehmen. Die Topklasse ist seit der Saison 2010/11 die dritthöchste Fußballliga im niederländischen Ligasystem. Sie bildet die Verbindung zwischen den beiden Profiligen sowie der bis dahin höchsten Amateurliga, der Hoofdklasse.

Rekordmeister in der Eredivisie ist Ajax Amsterdam mit 25 Titelgewinnen (zuletzt in der Saison 2013/14).

In der Eredivisie sind in der Saison 2014/15 folgende 18 Mannschaften vertreten: AZ Alkmaar, Heracles Almelo, Ajax Amsterdam, Vitesse Arnheim, NAC Breda, SC Cambuur-Leeuwarden, ADO Den Haag, Go Ahead Eagles Deventer, FC Dordrecht, PSV Eindhoven, Twente Enschede, FC Groningen, SC Heerenveen, Feyenoord Rotterdam, Excelsior Rotterdam, Willem II Tilburg, FC Utrecht und PEC Zwolle.

In der Eerste Divisie spielen 2014/15: Almere City FC, Jong Ajax Amsterdam, FC Den Bosch, VBV De Graafschap Doetinchem, FC Eindhoven, Jong PSV Eindhoven, FC Emmen, Jong FC Twente Enschede, Achilles '29, Helmond Sport, Telstar Ijmuiden, Roda JC Kerkrade, MVV Maastricht, NEC Nijmegen, FC Oss, Sparta Rotterdam, Fortuna Sittard, VVV-Venlo, FC Volendam und RKC Waalwijk,.

Aus der 1. Division konnte bis 2010 ein Verein nur absteigen, indem er sich, z. B. aus finanziellen Gründen, selbst in die Amateurligen zurückzog, oder wenn der Fußballverband KNVB den Verein dazu zwang. Der KNVB konnte dies anordnen, wenn der Verein kein ausgeglichenes Budget vorzeigen konnte und er auch keine Sponsoren hatte, die das Defizit decken wollten. Reiche Amateurvereine aus den höchsten zwei Ligen konnten bei dem KNVB einen Antrag auf den Aufstieg in die 1. Division stellen. Dieser wurde nur selten gewährt. AGOVV Apeldoorn (2002) und der FC Omniworld (aus Almere) (2005) waren die einzigen in den letzten zehn Jahren. Seitdem steigt der Tabellenletzte ab, es sei denn, beide Finalisten der Topklasse verzichten auf den Aufstieg.

Der niederländische Pokalwettbewerb wird seit 1899 ausgetragen. Rekordsieger ist Ajax Amsterdam.

Wie in anderen Ländern auch, haben viele Vereine Schwierigkeiten, gute Sponsoren zu finden und so gute Spieler anzuziehen oder zu behalten. In den Niederlanden werden daher verstärkt junge Talente aus Afrika, Asien und Südamerika herangeholt, weil diese sich mit einem niedrigeren Gehalt zufriedengeben. Diese Entwicklung erschwert es jedoch den jungen Spielern aus den Niederlanden selbst, den Durchbruch in den Spitzenfußball zu schaffen. Auffällig ist, dass viele junge Talente in den Niederlanden aus den niedrigeren Sozialschichten und aus „allochthonen“ (deutsch: ausländischen) Bevölkerungsgruppen stammen. Das trägt nicht wenig dazu bei, dass, vor allem, wenn diese Spieler die niederländische Staatsbürgerschaft bekommen und dann in der Nationalelf spielen, diese Bevölkerungsgruppen von den „Autochthonen“, den Einheimischen, besser akzeptiert werden. Ein gutes Beispiel dafür sind Ruud Gullit und Frank Rijkaard, die ursprünglich aus Suriname kommen.

Die Amateure[Bearbeiten]

Vor der Einführung des bezahlten Fußballs war der Meister der Amateure auch der Landesmeister. Nach wie vor gibt es in den Niederlanden zwei Amateur-Meisterschaften: jene der Sonntag-Amateure, die größere: die A-Mannschaften spielen am Sonntag-Nachmittag, und jene der Samstag-Amateure, welche meist aus religiös geprägten, prinzipiellen Gründen nicht am Tage des Herrn spielen. Der Meister der Samstag-Amateure und Sonntag-Amateure ermitteln in zwei Spielen den nationalen Meister der Amateure. Die höchsten Klassen beider Gruppen bestehen aus jeweils drei Gruppen zu je 14 Mannschaften, also insgesamt 84 Vereinen.

Ein Problem in den Niederlanden ist, dass Spiele bei den Amateuren vielfach abgesagt (niederländisch: „afgelast“) werden müssen, wegen des oft schlechten Wetters. Viele Amateurvereine mieten eine Spielanlage von den Lokalbehörden, die zu wenig Geld haben, die Plätze jedes Mal erneut mit neuem Gras zu versehen. Darum haben inzwischen viele Amateurmannschaften Kunstrasen legen lassen. Der KNVB erlaubt dies den A-Mannschaften (niederländisch: „eerste elftallen“), unter der Voraussetzung, der Kunstrasen habe vorher eine Tauglichkeitsprobe bestanden.

Frauenfußball[Bearbeiten]

Der Frauenfußball ist in den Niederlanden dem Amateure-Stadium noch nicht entwachsen. Einige Talente spielen in Deutschland und anderswo als Halbprofi (NL: semi-prof), das heißt sie haben neben dem Fußball noch einen Teilzeit-Job. Das entspricht etwa der Lage des Männer-Fußballs in den Niederlanden um 1952. Die Frauen-Nationalmannschaft konnte sich 2009 erstmals für die Europameisterschaft qualifizieren und dort bis ins Halbfinale vorstoßen. Bei der Bewerbung als Ausrichter der EM 2013 unterlag man Schweden. Für eine Weltmeisterschaftsendrunde konnte sich die Mannschaft noch nicht qualifizieren.

Höchste Spielklasse ist die Eredivisie mit sieben Mannschaften. Der SV Saestum erreichte 2006 als erste niederländische Mannschaft das Viertelfinale des UEFA Women’s Cup.

Weblinks[Bearbeiten]