Fußball in Portugal

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Logo des portugiesischen Fußballverbandes

Fußball ist in Portugal wahrscheinlich die beliebteste Sportart. Während die portugiesische A-Nationalmannschaft bisher nur wenige Erfolge erzielen konnte, waren die Vereinsmannschaften, namentlich der FC Porto, Sporting und Benfica Lissabon, sowie die Junioren, wesentlich erfolgreicher. Die erfolgreichsten Jahre des portugiesischen Fußballs waren die 1960er und die 1990er bis heute.

Nationaler Fußballverband ist die Federação Portuguesa de Futebol, die am 31. März 1914 gegründet wurde.

Das Land richtete die Fußball-Europameisterschaft 2004 aus.

Neben dem "normalen" Fußball hat Futsal in Portugal eine große Verbreitung, so werden reguläre Turniere und Meisterschaften ausgetragen, 2007 wurde die Europameisterschaft in Porto und Matosinhos ausgetragen.

Die Ligen[Bearbeiten]

Die 1. portugiesische Profiliga (Primeira Liga)[Bearbeiten]

Hauptartikel: Primeira Liga

Die 2. Liga – Segunda Liga[Bearbeiten]

Hauptartikel: Segunda Liga

Die 3. Liga – Campeonato Nacional de Seniores[Bearbeiten]

Seit 2013[Bearbeiten]

Seit der Saison 2013/14 heißt die dritte Liga Campeonato Nacional de Seniores (dt. etwa: Landesmeisterschaft der Senioren bzw. Erwachsenen) und wird in den acht, nach Breitengraden regional zusammengestellten Gruppen Série A bis Série H mit je zehn Mannschaften ausgespielt. Vereine aus Madeira werden den nördlichen Serien, Vereine der Azoren den südlichen Serien zugeordnet. Die frühere, darunter liegende vierte Liga IIIª Divisão wurde aufgelöst und mit dem Campeonato Nacional de Seniores zusammengefasst. Der Campeonato Nacional de Seniores ist somit die niedrigste landesweit ausgetragene Spielklasse in Portugal, oberhalb der Spielklassen der Distriktverbände. In der ersten Gruppenphase spielen die jeweils zehn Mannschaften in Hin- und Rückspiel eine Abschlusstabelle aus. Die jeweils zwei bestplatzierten qualifizieren sich für die Aufstiegsrunde, die verbleibenden acht der einzelnen Gruppen werden in acht neuen Gruppen zu je acht Mannschaften in der Abstiegsrunde gruppiert.

Die Aufstiegsrunde wird in zwei Gruppen zu je acht Mannschaften in Hin- und Rückspiel ausgespielt, an deren Ende die jeweils Erstplatzierten direkt in die Segunda Liga aufsteigen, während die jeweils Zweitplatzierten in einem weiteren Hin- und Rückspiel den dritten Aufsteiger ermitteln.

In den acht Gruppen der Abstiegsrunde stehen nach Hin- und Rückspiel die jeweils zwei untersten, also die acht- und siebtplatzierten Mannschaften jeder Gruppe als Absteiger in die spielhöchste Klasse der Distriktverbände fest, während die jeweils Sechstplatzierten eine weitere Abstiegsrunde ausspielen, um die vier weiteren Absteiger zu bestimmen. Diese Neuerung soll die Kosten der Vereine durch die kürzeren Wege im Spielbetrieb weiter reduzieren.[1]

Vor 2013: IIª Divisão als 3. Liga[Bearbeiten]

Die dritte Liga hieß bis 2012/13 IIª Divisão und war in drei Gruppen eingeteilt, Norte, Centro, und Sul. In den Gruppen waren jeweils 16 Mannschaften, die in einer Hin- und Rückrunde die Meisterschaft austrugen. Die jeweiligen Erstplatzierten der drei Gruppen spielten anschließend jeder gegen jeden in Hin- und Rückspiel. Der so ausgespielte Erstplatzierte war Meister der Segunda Divisão, und stieg zusammen mit dem Zweitplatzierten in die Segunda Liga auf. Vor der Gründung der eingleisigen Segunda Liga 1990 war die Segunda Divisão in dieser Form die zweite Liga Portugals und spielte die Aufsteiger in die erste Liga aus.

Vor 2013: IIIª Divisão als 4. Liga[Bearbeiten]

Nach Abschluss der Saision 2012/2013 wurde die IIIª Divisão aufgelöst und mit der bisherigen dritten Liga (IIª Divisão) zum Campeonato Nacional de Seniores zusammenfasst. Diese dritte Liga ist nun die unterste landesweite Spielklasse des Landes.

Bis dahin war die vierte Liga in die Gruppen A, B, C, D, E, F, Azoren und Madeira aufgeteilt. In den Gruppen Kontinental-Portugals (A bis F) und Madeira spielten zwölf Mannschaften, während in der Azoren-Gruppe zehn Mannschaften antraten.

Nach einer Hin- und Rückrunde wurde in jeder Gruppe Kontinental-Portugals (A–F) aus den sechs Erstplatzierten eine Aufstiegsrunde, und aus den sechs Letztplatzierten eine Abstiegsrunde gebildet, wobei die Mannschaften mit der halbierten Punktezahl des Saison-Endstands in die Aufstiegsrunde starteten. Nach Hin- und Rückspiel stieg der so ausgespielte Erste der Aufstiegsrunde in jeder der sechs Gruppen in die Segunda Divisão auf, während der Letztplatzierte der Abstiegsrunde in die höchste regionale Spielklasse des Verbandes im jeweiligen Distrikt (Campeonato Distrital) abstieg. Aus jeder der Gruppen A-F stieg demnach zum Ende jeder Saison eine Mannschaft auf, und eine ab.

In der Madeira-Gruppe der IIIª Divisão wurde nach der Hin- und Rückrunde unter den sechs Erstplatzierten ebenfalls eine Aufstiegsrunde ausgespielt (ebenfalls mit halbiertem Punktestand zu Beginn), deren Gewinner nur direkt in die IIª Divisão aufstieg, wenn dort nicht schon sechs Mannschaften aus Madeira spielten. In dem Fall spielte der Aufstiegskandidat der Madeira-Gruppe der IIIª Divisão in einem Relegationsspiel gegen den am schlechtesten platzierten Vertreter Madeiras der IIª Divisão in Hin- und Rückspiel. Der Gewinner trat in der folgenden Saison in der IIª Divisão an. Die Anzahl der Aufsteiger aus der IIIª Divisão in die IIª Divisão bestimmte auch die Absteiger aus der Madeira-Gruppe der IIIª Divisão: nachdem die sechs am Schlechtesten platzierten Mannschaften der IIIª Divisão am Ende der Saison in einer Abstiegsrunde Hin- und Rückspiele ausgetragen hatten, stiegen mindestens die beiden am Schlechtesten Platzierten ab, mit jedem Absteiger aus der IIª Divisão in die Madeira-Gruppe der IIIª Divisão stieg dazu ein weiterer Verein in die oberste regionale Spielklasse in Madeira ab.

In der Azoren-Gruppe spielten nach Hin- und Rückrunde die vier Bestplatzierten eine Aufstiegsrunde aus (mit der Übernahme der vollen Punktezahl am Saisonende), deren Gewinner in die IIª Divisão aufstieg, sofern dort nicht schon sechs Mannschaften von den Azoren spielten. Es galten hier die gleichen Regeln, wie im Falle Madeiras. Die sechs am Schlechtesten Platzierten spielten die Abstiegsrunde aus, und auch hier galten die Regeln wie im Falle Madeiras: es stiegen die beiden am Schlechtesten Platzierten ab, zuzüglich einer weiteren Mannschaft für jeden Absteiger aus der IIª Divisão in die Azoren-Gruppe der IIIª Divisão.

Mit dem Ende dieser vierten landesweiten Liga und der Einführung des Campeonato Nacional de Seniores als dritte Liga und unterste landesweite Spielklasse strebte man eine weitere Reduzierung der Kosten für die Vereine im Ligabetrieb an.

Junioren[Bearbeiten]

Schon fast traditionell betreibt Portugal eine erfolgreiche Nachwuchsarbeit, die sich zum Einen in gewonnenen Titeln bei großen Turnieren, zum Anderen durch das Hervorbringen von, auch international, gefragten Einzelspielern äußert.

Die Junioren erzielten folgende Erfolge:

  • U20 Weltmeister (2) – 1989, 1991
  • U18 Europameister (2) – 1994, 1999
  • U17 Europameister (1) – 2003
  • U16 Europameister (4) – 1989, 1995, 1996, 2000

Siehe auch:

Frauenfußball[Bearbeiten]

Nachdem seit 1985 die Taça Nacional (dt.: Landespokal) ausgespielt wurde, führte man 1993 den landesweiten Ligabetrieb ein. Seither ist der Campeonato Nacional (dt.: Landesmeisterschaft) die höchste Spielklasse des Vereinsfußballs der Frauen in Portugal.

Die Portugiesische Fußballnationalmannschaft der Frauen konnte sich seit ihrer Gründung Anfang der 1980er Jahre noch nicht für die Endrunde einer Welt- oder Europameisterschaft qualifizieren. Siehe hierzu auch die Liste der Länderspiele der portugiesischen Fußballnationalmannschaft der Frauen.

Nationale Titel[Bearbeiten]

Typische Tonfiguren in einem portugiesischen Geschäft, die die traditionelle Rivalität zwischen den drei großen Vereinen verdeutlichen

Vereine[Bearbeiten]

Die drei Vereine FC Porto, Sporting Lissabon und Benfica Lissabon sind die beherrschenden Vereine im Fußballgeschehen des Landes. Belenenses Lissabon (1946) und Boavista Porto (2001) gelang als einzigen Vereinen neben den dreien der Gewinn der Landesmeisterschaft seit Einführung der ersten Liga 1934. Das Lissabon-Derby (Benfica-Sporting) und das Derby FC Porto-Benfica gelten als die brisantesten Derbys im portugiesischen Vereinsfußball. Doch auch Sporting-Porto und Derbys zwischen Nord-Vereinen, insbesondere aus Braga, Guimarães und Porto, gelten als besonders spannungsgeladen, ebenso die Begegnungen zwischen Vereinen aus Madeira und Kontinentalportugal, und den Lokalderbys von Funchal, besonders zwischen Nacional Funchal und Marítimo Funchal.

Académica Coimbra gewann 1939 den erstmals ausgespielten Landespokal, und konnte dies 2012 wiederholen. Neben den fünf Vereinen, die auch Meistertitel errangen, haben außer der Académica nur sechs weitere Vereine bisher (Stand: 2013) den Landespokal gewinnen können: Vitória Setúbal (3x), Leixões SC (1961), SC Braga (1966), CF Estrela Amadora (1990), SC Beira-Mar (1999), und Vitória Guimarães (2013).

Siehe auch: Übersicht portugiesischer Fußballvereine

Luís Figo

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Zu den bekanntesten Namen unter den zahlreichen, international bekannt gewordenen Spielern in der Geschichte des portugiesischen Fußballs gehören Eusébio als Torschützenkönig der WM 66, Luís Figo als Weltfußballer 2001, und der als Weltfussballer 2008 und als Dauergast der Klatschspalten bekannt gewordene Cristiano Ronaldo.

Siehe auch: Übersicht zu portugiesischen Fußballspielern

Der polarisierende Erfolgstrainer José Mourinho und der internationale Schiedsrichter Pedro Proença sind weitere international bekannte Namen des portugiesischen Fußballs.

Kultur[Bearbeiten]

Bücher und Filme[Bearbeiten]

Eine Vielzahl von Buchveröffentlichungen des Themenbereichs Fußball sind auf dem portugiesischen Markt erhältlich. Zu den zahlreichen portugiesischen Titeln gesellen sich dabei auch regelmäßig brasilianische Titel.

Neben den DVD-Veröffentlichungen vor allem der drei großen Vereine zu ihrer Geschichte, und einzelnen Saisonrückblicken und Aufzeichnungen bedeutender Spiele, widmet sich auch das Portugiesische Kino immer wieder dem Fußball. Unter den zahlreichen Filmen können beispielhaft genannt werden:

Zeitungen[Bearbeiten]

In Portugal erscheinen drei tägliche Fußballzeitungen. Die Benfica nahestehende A Bola ist die auflagenstärkste Zeitung im Land, und unterhält mit der Website abola.pt auch eine wichtige Internetpräsenz. Die Sporting nahestehende Record und die dem FC Porto zuzurechnende O Jogo sind die weiteren täglichen Fußballzeitungen. Daneben unterhalten auch alle regionalen und überregionalen Zeitungen teils umfassende redaktionelle Berichterstattungen über das Fußballgeschehen im Land.

Fernsehen[Bearbeiten]

Je nach aktuellem Zuschlag für die Übertragungsrechte sind die wichtigsten Ligaspiele und internationalen Mannschafts- und Nationalmannschaftspiele auf einem der vier landesweit frei zu empfangenden Kanäle zu sehen. Dazu zeigt der Kabelsender Sport TV auf seinen Kanälen eine Vielzahl Sportübertragungen mit deutlichem Schwerpunkt auf Fußball.

Auf allen vier landesweiten Fernsehsendern ist Fußball wesentlicher Teil der Berichterstattung in den täglichen Nachrichtensendungen, die am Abend bis zu zwei Stunden lang sind. Dazu werden insbesondere nach Spieltagen Fußballdiskussionen mit wechselnden Prominenten und festen Kommentatoren gezeigt.

Fankultur[Bearbeiten]

Spätestens seit den 1930er Jahren (Esquadrão Azul e Branco des FC Porto, 1934) sind organisierte Fangruppen in Portugal bekannt. Insbesondere ab Mitte der 1980er bis Mitte der 1990er Jahren kam es zu häufigen Ausschreitungen von Hooligans im Ligabetrieb. Vor allem beim Lissabonner Derby und dem Aufeinandertreffen unter den großen Vereinen aus Porto und Lissabon, aber auch verschiedene Nordderbys, etwa bei Beteiligung von Vitória Guimarães, machten diese von sich reden. Die organisierten Fangruppen der Ultra-Bewegung, aus deren Reihen zeitweise viele Hooligans stammten und stammen, sind jedoch der bis heute dominierende Faktor in der Fankultur des Landes. Sie erlangten mit wachsenden Mitgliederzahlen und durch eigene Mitgliedsbeiträge, Merchandise-Verkäufen und Publikationen wirtschaftlich und vereinspolitisch inzwischen einigen Einfluss in den Vereinen, wenn auch nicht so stark, wie in einigen anderen Ländern, etwa in Italien.

Als älteste Ultragruppierung Portugals gilt die 1976 gegründete Juventude Leonina (dt.: Jugend der Löwen, unter Bezugnahme auf das Wappentier von Sporting Lissabon), kurz Juve Leo genannt. Als mitgliederstärkste Gruppierung gelten die Super Dragões (dt.: Super-Drachen, in Anspielung auf das Wappentier des FC Porto) mit über 5.000, nach anderen Quellen bereits 10.000 Mitgliedern. Diese Gruppierungen werden in Portugal Claque genannt, gleichwohl auch der aus Brasilien stammende Begriff der Torcida bekannt ist. Der 1984 von Sporting-Ultras gegründete Fanclub Torcida Verde dürfte das bekannteste Beispiel im Land sein. Das Phänomen politisch rechtsradikaler Fußballfans in den Fangruppen ist auch in Portugal bekannt. Besonders unter den gewaltbereiten Fans der drei großen Vereine und einiger nordportugiesischer Klubs ist es präsent. Unter den Anhängern von Vitória Setúbal sind indes überdurchschnittlich viele linksgerichtete Fangruppen bekannt.

Die portugiesische Polizei führte 2010 in ihrer Kartei der gewaltbereiten Fußballfans 4.150 Namen, von denen mindestens 600 als besonders gewalttätig eingestuft wurden.[2]

Auswahl bekannter Fanclubs (nach Vereinen)
  • Académica Coimbra: Mancha Negra
  • Belenenses: Fúria Azul
  • Benfica Lissabon: Diabos Vermelhos, No Name Boys
  • Boavista Porto: Panteras Negras - Ultras 84
  • FC Porto: Super Dragões, Força Azul, Esquadra Azul, Colectivo Ultras 95
  • Salgueiros: Alma Salgueirista
  • Sporting Lissabon: Juve Leo, Torcida Verde, Directivo Ultras XXI
  • Vitória Guimarães: Insane Guys, White Angels, Galáticos do Minho
  • Vitória Setúbal: VIII Exército

Zu den bekanntesten rein weiblichen Fangruppen zählen:

  • Benfica Lissabon: Cheers Benfica
  • Sporting Lissabon: Leoa Verde
  • Nacional Madeira: Claque Feminina

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Reguliaren der Liga (PDF; 607 kB) auf der Website des Verbandes, abgerufen am 15. September 2013
  2. Kurzartikel vom 31. März 2010 des Nachrichtenmagazins Visão, abgerufen am 2. Dezember 2013