Großer Arber

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Großer Arber
Blick von Norden zum Großen Arber mit Skianlagenund zwei markanten Radomen

Blick von Norden zum Großen Arber mit Skianlagen
und zwei markanten Radomen

Höhe 1455,5 m ü. NHN [1]
Lage nahe Bayerisch Eisenstein; Landkreise Landkreis Regen und Cham; Bayern (Deutschland)
Gebirge Bayerischer Wald
Dominanz 150 km → Schafberg
Schartenhöhe 1031 m ↓ 8 km S Letohrad[2]
Koordinaten 49° 6′ 45″ N, 13° 8′ 9″ O49.11252777777813.1359444444441455.5Koordinaten: 49° 6′ 45″ N, 13° 8′ 9″ O
Großer Arber (Bayern)
Großer Arber
Gestein Gneis
Besonderheiten – höchster Berg im Bayerischen Wald
– zwei Gebäude mit Radomen
Hauptgipfel mit einem Radom

Hauptgipfel mit einem Radom

Großer Arber aus der Vogelperspektive

Großer Arber aus der Vogelperspektivebdep2

pd3
pd5

Der Große Arber (tsch. Velký Javor) ist mit 1455,5 m ü. NHN[1] der höchste Berg des Bayerischen Waldes und von Niederbayern. Außerdem stellt ein Felsriegel westlich vom Gipfelkreuz mit 1439,6 m Höhe den höchsten Punkt der Oberpfalz dar. Daher wird der im niederbayerischen Landkreis Regen und im oberpfälzischen Landkreis Cham gelegene Berg als „König des Bayerischen Waldes“ bezeichnet. Seine Gipfelregion besteht aus Paragneis.

Name[Bearbeiten]

In einer Urkunde von 1279 trägt er den Namen Adwich, Johannes Aventinus nennt ihn 1500 Hädweg und 1540 Ätwa. Bei Philipp Apian trägt er die Bezeichnung Aetwha m., also Aetwha mons (mons, montis: lat. Berg), 1720 ist er auf einer Karte als Aidweich bezeichnet. Im Jahr 1740 findet sich in einer Urkunde erstmals die Bezeichnung Arber.

Geographie[Bearbeiten]

Lage[Bearbeiten]

Der Großen Arber erhebt sich im Hinteren Bayerischer Wald auf der in gipfelnähe verlaufenden Grenze der Naturparks Oberer Bayerischer Wald im Norden und Bayerischer Wald im Süden. Sein Gipfel liegt im Gemeindegebiet von Bayerisch Eisenstein und die Südwestflanke in jenem von Bodenmais – beide im Landkreis Regen. Seine Westflanke gehört zur Gemeinde Lohberg im Landkreis Cham.

Felsen des Richard-Wagner-Kopfes mit dem Großen Rachel im Hintergrund
Der "Große Seeriegel"

Der Große Arber hat vier Gipfel: den Hauptgipfel mit dem 1913 errichteten Gipfelkreuz, den Bodenmaiser Riegel mit dem charakteristischen, oft abgebildeten Richard-Wagner-Kopf, sowie den Kleinen und Großen Seeriegel. Zu seiner Berggruppe gehört unter anderem auch der Kleine Arber mit 1384 m Höhe.

Naturräumliche Zuordnung[Bearbeiten]

Der Große Arber gehört in der naturräumlichen Haupteinheitengruppe Oberpfalzer und Bayerischer Wald (Nr. 40), in der Haupteinheit Hinterer Bayerischer Wald (403) und in der Untereinheit Arber-Kaitersbergzug (403.5) zum Naturraum Arbermassiv (403.51).

Gewässer[Bearbeiten]

Auf der Südostflanke des Großen Arbers liegt der Große Arbersee und nordwestlich von ihm bzw. nordnordöstlich des Kleinen Arbers der Kleine Arbersee, die beide jeweils in einem Naturschutzgebiet liegen. Zu den auf dem Berg entspringenden Fließgewässern gehören: zwei Arberbäche (jeweils einer im Osten und Süden), Geigenbach, Hirschaubach, Schwellbach, Seebach, Steinbach, Teufelsbach und Weidenbach. Nordöstlich vorbei fließt der Große Regen, der in Bergnähe durch den Arbersee- und Teufelsbach gespeist wird, und auf der Nordwestflanke entfließt dem Kleinen Arbersee der Weiße Regen, in den am Berg der Weidenbach mündet.

Naturparks[Bearbeiten]

Seit dem Sommer 1995 ist im Naturpark Bayerischer Wald im Gebiet des Großen Arbers eine hauptamtliche Naturschutzwacht tätig. Die Gebietsbetreuerin steht schwerpunktmäßig für den Arber-Gipfelbereich, aber auch für die Schutzgebiete des Berges als Ansprechpartnerin für Naturschutzfachfragen und für Führungen zur Verfügung. Neben Besucherinformation und Öffentlichkeitsarbeit zählt auch die Überwachung der Schutzgebietsvorschriften zu ihren Aufgaben. Für den benachbarten Naturpark Oberer Bayerischer Wald ist seit 1999 eine weitere Gebietsbetreuung für den Großen Arber (Schwerpunkt: Gipfelplateau und NSG „Kleiner Arbersee“) im Einsatz.

Schutzgebiete[Bearbeiten]

Von der Gipfelregion des Großen Arbers in Richtung Südosten erstreckt sich das Naturschutzgebiet (NSG) Großer Arbersee und Arberseewand (CDDA-Nr. 163348; 1939 ausgewiesen; 1,4857 km² groß) und von der Gipfelregion nach Nordwesten das NSG Kleiner Arbersee (CDDA-Nr. 164117; 1998; 4,1059 km²); in Bergnähe liegt bei den Rieslochfällen das NSG Riesloch (CDDA-Nr. 318989; 1939; 33,4 ha). Auf dem Berg erstrecken sich Teile der Landschaftsschutzgebiete Bayerischer Wald (CDDA-Nr. 396098; 1983; 2310,1276 km²) und Oberer Bayerischer Wald (CDDA-Nr. 396128 1308,5616 km²), des Fauna-Flora-Habitat-Gebiets Großer und Kleiner Arber mit Arberseen (FFH-Nr. 6844-373; 22,952 km²) und des Vogelschutzgebiets Großer und Kleiner Arber mit Schwarzeck (VSG-Nr. 6844-471; 35,4624 km²).[1]

Fauna und Flora[Bearbeiten]

Die baumfreie Gipfelzone des Großen Arbers ist von subalpinen Magerrasen, Felsfluren und Latschengebüschen geprägt, wie sie in dieser Ausdehnung im Bayerischen Wald sonst nirgends auftreten. Zu den charakteristischen Vogelarten dieser Zone gehören Wiesenpieper, Alpenbraunelle, Bergpieper, Ringdrossel und Steinschmätzer. Im Norden Richtung Lam herrscht bäuerlich bewirtschafteter Plenterwald vor, im Süden gegen Bodenmais Staatswald.

Klima[Bearbeiten]

Überblick[Bearbeiten]

Der Gipfel des Großen Arbers weist im Durchschnitt 160 Frosttage und eine Schneedeckendauer von 150 Tagen auf. Wegen der Spät- und Frühfröste hat die Vegetationsperiode eine Dauer von wenig mehr als 100 Tagen. Die Julitemperatur liegt in den Kammbereichen bei 11 Grad. Von den etwa 1950 mm Jahresniederschlägen fallen 40 % als Schnee.

Arbermandl[Bearbeiten]

Im Winter bildet der Ostwind zusammen mit Eisschnee die so genannten Arbermandl. Die Latschen und Bergfichten des Großen Arbers erstarren dabei zu bizarren und oft skurril wirkenden Gestalten. Der Kameramann Martin Lippl drehte 1985 einen Film darüber. Die Aufnahmen entstanden eher zufällig in einer kurzen Pause mit Sonnenschein während eines Schneesturms. Elfie Pertramer unterlegte diese Aufnahmen später mit einem mystischen Gedicht. Unter dem Titel Stimmen aus dem Zauberwald wird der Film jeweils um Jahresbeginn im Bayerischen Fernsehen in der Sendung Zwischen Spessart und Karwendel ausgestrahlt.

Geschichte[Bearbeiten]

Der größte Teil des Großen Arbers und die umliegenden Waldgebiete befinden sich im Besitz der Fürsten von Hohenzollern-Sigmaringen. Diese erwarben 1852 die Besitzung des Glashüttenmeisters Hafenbrädl in Böhmisch Eisenstein, später Markt Eisenstein, heute Železná Ruda, und 1872 die in Bayerisch Eisenstein. Das Jahr 1884 brachte die Errichtung einer hölzernen Schutzhütte durch den Bayerischen Wald-Verein. 1903 entstand das erste Schutzhaus auf dem Gipfel. Das jetzige mit Schindeln beschlagene Arberschutzhaus wurde 1936 errichtet und 1985 erweitert.

Arberkirchweih[Bearbeiten]

Die Arberkapelle auf dem Gipfel

Bei der dem heiligen Bartholomäus geweihten Arberkapelle wird alljährlich am vorletzten Sonntag im August auf dem Gipfel des Großen Arbers die Arberkirchweih gefeiert. Nach der Bergmesse trifft man sich zum Mittagessen im Arberschutzhaus, anschließend zeigen Volkssänger und Musikanten im gesamten Gipfelbereich ihre Darbietungen.

Die Kapelle wurde 1806 von dem Glashüttenherrn Freiherr von Hafenbrädl erbaut und seither viermal erneuert, die jetzige entstand 1957. Am Bartholomäustag 1906 zelebrierte Abt Willibald Adam von Kloster Metten in Gegenwart von 2000 Teilnehmern anlässlich des hundertjährigen Bestehens der Arberkapelle die erste Bergmesse. Am 29. August 1965 feierte Arberpfarrer Josef Kufner hier erneut eine Messe, womit die erste eigentliche Arberkirchweih begründet wurde.

Radaranlage[Bearbeiten]

Großer Arber mit Radom von Süden

Auf dem Gipfel befinden sich zwei Gebäude der Luftwaffe mit Radomen. Die Anlage wurde während des Kalten Krieges gegen erhebliche Proteste von Naturschützern so nahe an der tschechoslowakischen Grenze errichtet, um den Flugverkehr im Ostblock überwachen zu können. Die Einrichtung wurde 1983 in Dienst gestellt, ursprünglich mit zwei Radarantennen. 1996 wurde sie umgerüstet und mit einem Großraumradargerät RRP 117 bestückt. Der zweite Turm beinhaltet seitdem die Sende- und Empfangsantennen für den Funkverkehr. Die Luftverteidigungsanlage Großer Arber wird als Teil des Integrierten NATO-Luftverteidigungssystems betrieben.[3]

Freizeit und Sport[Bearbeiten]

Wanderwege[Bearbeiten]

Von Bodenmais aus führt ein Wanderweg zum Gipfel. Er beginnt am Wandererparkplatz Rissloch und zieht sich dann vorbei an den Rieslochfällen hinauf. Der Abstieg kann am Gipfel des kleinen Arbers vorbeiführen, geht dann an den Wasserfällen vorbei und endet am Ausgangspunkt. Des Weiteren verlaufen dort auch die „8-1000er Tour“ und die „12-1000er Tour“. Dies sind Touren, bei denen man über den Europäischen Fernwanderweg E6 zum Berggipfel gelangt und dabei über acht bzw. zwölf Berge wandert, die mehr als 1000 m hoch sind.

Arber-Bergbahn und Wintersport[Bearbeiten]

Die Liftanlagen auf dem Großen Arber werden als Arber-Bergbahn bezeichnet. Durch mehrere Skipisten ist der Berg als Wintersportgebiet erschlossen. Am 17. September 1949 wurde der erste Sessellift des Berges eröffnet. Durch eine konsequente Erneuerung der Liftanlagen in den letzten Jahren, mit dem Bau einer 6er-Umlaufgondelbahn und dem Bau von zwei Sechser-Sesselliften ist das Skigebiet des Berges zum modernsten im Bayerischen Wald aufgestiegen. Im Sommerbetrieb befördert die Gondelbahn Wanderer und Ausflugsgäste auf den Gipfelbereich.

Seit 1973 finden hier Slalom- und Riesenslalomwettbewerbe um den Europacup und seit 1976 um den Skiweltcup statt. Dieses Rennen wird vom Deutschen Skiverband im Wechsel zwischen Ofterschwang, Zwiesel und Berchtesgaden vergeben.

Weltcup Damen
Datum Siegerin Riesenslalom Siegerin Slalom Bemerkung
4./5. Februar 2011 Deutschland BundesrepublikBundesrepublik Deutschland Viktoria Rebensburg OsterreichÖsterreich Marlies Schild
2./3. März 2008 Wegen Schlechtwetter abgesagt
10./11. März 2007 FinnlandFinnland Tanja Poutiainen OsterreichÖsterreich Marlies Schild
7./8. Februar 2004 SchwedenSchweden Anja Pärson SchwedenSchweden Anja Pärson
17.- 19. Januar 1997 ItalienItalien Deborah Compagnoni
ItalienItalien Deborah Compagnoni
SchwedenSchweden Pernilla Wiberg Zwei Riesenslalom-Weltcuprennen
9. Februar 1991 OsterreichÖsterreich Anita Wachter
27./28. Februar 1987 SchweizSchweiz Maria Walliser SchweizSchweiz Corinne Schmidhauser
20./23. März 1984 Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Tamara McKinney LiechtensteinLiechtenstein Hanni Wenzel
3./4. Februar 1981 Deutschland BundesrepublikBundesrepublik Deutschland Maria Epple SchweizSchweiz Erika Hess Kombination:LiechtensteinLiechtenstein Hanni Wenzel
Abfahrtslauf in Pfronten
Weltcup Herren
Datum Sieger Riesenslalom Sieger Slalom Bemerkung
8./9. Januar 1978 SchwedenSchweden Ingemar Stenmark SchwedenSchweden Ingemar Stenmark Zweites und letztes Herrenrennen
27. Januar 1976 SchwedenSchweden Ingemar Stenmark Erstes Weltcuprennen am Arber

Daneben finden am Fuße des Großen Arbers Biathlon und Langlauf-Europacup-Rennen statt.

Blick vom Großen Arber nach Norden. Man erkennt u. a. im Mittelgrund Bayerisch Eisenstein und darüber den tschechischen Ort Železná Ruda.
Panoramablick vom Großen Arber nach Süden und Westen. Man erkennt u. a. den Ort Bodenmais, am Horizont die Gipfel des unteren Bayerischen Waldes sowie (ganz fern im Dunst) Schneefelder der Alpen.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c Kartendienste des Bundesamtes für Naturschutz (Hinweise)
  2. Dominanzen und Prominenzen, auf highrisepages.de
  3. Luftwaffe "Großer Arber" (Radarstation), auf grosser-arber.org

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Großer Arber – Sammlung von Bildern