Internationale Bauausstellung 1984

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Die Internationale Bauausstellung 1984 (IBA), deren offizieller Katalog Internationale Bauausstellung Berlin 1987 heißt,[1] war eine Architekturausstellung und ein städteplanerisches Konzept des Berliner Senats, um die West-Berliner Innenstadt als Wohnstandort zurückzugewinnen.

Die Idee stammte von dem damaligen Berliner Senatsbaudirektor Hans-Christian Müller. Führende Architekten der IBA waren Josef Paul Kleihues für den Schwerpunkt Kritische Rekonstruktion, der sich mit der Neuerrichtung innerstädtischer Gebiete beschäftigte, und Hardt-Waltherr Hämer für den Schwerpunkt Behutsame Stadterneuerung, der auf die Sanierung von Altbaugebieten ausgerichtet war.

Im Rahmen des Schwerpunkts Behutsame Stadterneuerung entstanden die 12 Grundsätze der Stadterneuerung, die zur Grundlage des Berliner Stadterneuerungsprozesses geworden sind. Die Projekte entstanden in den damaligen Ortsteilen Tiergarten (südliches Tiergartenviertel), Kreuzberg (südliche Friedrichstadt – früher Luisenstadt – und SO 36) sowie vereinzelt in Tegel und Wilmersdorf (Prager Platz).

Hintergrund und Ziel der IBA: Anerkennung des Bestandes[Bearbeiten]

Der frühe Städtebau der Nachkriegszeit in Deutschland lehnte die historischen Baustrukturen (hoch verdichtete Blöcke mit Hinterhäusern, teilweise noch mittelalterliche Bebauung) ab. In den hoch verdichteten Innenstädten war es unmöglich, dem Inferno des Bombenkrieges zu entkommen und die hygienischen Verhältnisse waren mangelhaft. Gesundes und gutes Leben war also nur mit einer völlig neuen Stadt möglich. Dazu war tabu la rasa nötig: Die alte Stadt musste komplett weichen. Ganze Stadtteile wurden abgerissen um durch völlig neue Strukturen ersetzt zu werden (z. B. um das Kottbusser Tor in Berlin-Kreuzberg). Andere bestehende Gebäude – auch guter Qualität – wurden bewusst dem Verfall preisgegeben, um alsbald durch Büro-Hochhäuser ersetzt zu werden (z. B. Frankfurt-Westend). Die Stadtentwicklung der 1960er und 1970er Jahre (in Westdeutschland) war also durch weitgehende Ignoranz gegenüber dem historischen Bestand geprägt.

Gegen diese Praxis regte sich ab Ende der 1960er Jahre Widerstand zunächst der ehemaligen Bewohner, dann auch bei Studenten und an den Universitäten. So sandte der Professor für Entwerfen der Berliner Hochschule für bildende Künste Hardt-Waltherr Hämer seine Studenten in die gefährdeten Gebiete und machte diese zum Gegenstand seiner Arbeit.

Schließlich verbreitete sich auch auf politischer Ebene die Einsicht, dass auch der historische Bestand, die dichte Blockbebauung, Qualitäten haben kann. Ihre völlige Zerstörung also abgewendet und statt dessen Konzepte für deren Zukunft (und die der Bewohner) entwickelt werden sollten. Dies sollte Ziel der IBA 1977–1987 sein.

Damit stellte die neue IBA einen Kontrast zur Interbau von 1957 (Berlin-Hansaviertel) dar. Erstmals in der Geschichte der Bauausstellung war das zentrale Anliegen die Erneuerung der Altbaubestände und das Einfügen von Neubauten in den Bestand (also die Reparatur der Stadt). Die Bauausstellung Berlin GmbH wurde 1979 vom Senat von Berlin gegründet. Kern der IBA Berlin 1977–1987 waren dabei zwei Ansätze zur Stadtentwicklung:

  1. die IBA-Neubau (IBA-Neu) und
  2. die IBA-Altbau (IBA-Alt)

Kritische Rekonstruktion (IBA-Neubau)[Bearbeiten]

Im Rahmen von Wettbewerben mit internationalen Architekten wurden zwischen 1979 und 1987 eine Vielzahl an Neubauprojekten umgesetzt, hauptsächlich in der südlichen Friedrichstadt, dem südlichen Tiergartenviertel und dem Tegeler Hafen. 1979–1987 war der Berliner Architekt Josef Paul Kleihues Planungsdirektor für die Neubaugebiete der Internationalen Bauausstellung (IBA) Berlin.

Behutsame Stadterneuerung (IBA-Altbau)[Bearbeiten]

Abriss und Wohnungsnot führten zu massiven Protesten, die 1977 den Wettbewerb Strategien für Kreuzberg und ab 1979 die illegale ‚Instand(be)setzung‘ zahlreicher leerstehender Häuser im Ortsteil zur Folge hatten. Dies war Ausgangspunkte für die IBA-Altbau. Zu ihren wesentlichen Anliegen zählt die Erhaltung, Stabilisierung und Weiterentwicklung der vorhandenen sozialen und funktionalen Strukturen der Stadt sowie die Durchsetzung von Prozessen wie Selbsthilfe- und Mietermodernisierung. Planungsdirektor war von 1979 bis 1985 der Berliner Architekt, Stadtplaner und spätere Ehrensenator der Universität der Künste Hardt-Waltherr Hämer.

Der zuständige Senator für Bau- und Wohnungswesen war von 1975 bis Januar 1981 Harry Ristock.

Folgen der IBA 1984[Bearbeiten]

Die in Nachfolge der IBA gegründete private S.T.E.R.N. GmbH führte von Januar 1986 bis Dezember 1992 mit derselben Mannschaft den Erneuerungsprozess weiter. Das Land Berlin wurde 1994 für die außergewöhnlichen Leistungen im Rahmen der Behutsamen Stadterneuerung in Kreuzberg mit dem European Urban and Regional Award ausgezeichnet. Insgesamt führte vor allem die IBA-Altbau die Planung in eine neue Epoche: Der Neubau tritt zurück hinter die Sicherung und Modernisierung der Bestände. Mit ihren Pilotprojekten war sie der Auslöser von Förderprogrammen zur Stadterneuerung und von Änderungen der Gesetzespraxis für Sanierung und zum Milieuschutz.

Beteiligte bekannte Architekten[Bearbeiten]

An der Internationalen Bauausstellung 1984 haben unter anderem folgende Architekten teilgenommen:

Projekte[Bearbeiten]


Auswahl einzelner Projekte[7]

  • Wohnhaus, G. Peichl, 1984–1989
  • Ritterstraße Nord und Süd, R. Krier, 1978–1980, 1982–1989
  • Mehrfamilienhaus mit Wohnturm, J. Hejduk, 1988
  • Wohn- und Geschäftshäuser Südliche Friedrichstadt Block 10, J. Johnson, A. Rossi, G. Braghieri, C. Stead, 1981–1988
  • Wohnanlage am Tegeler Hafen, C. Moore, Urban Innovations Group, 1987
  • Wohnbebauung, O. M. Ungers, 1987
  • Wohnen Am Karlsbad, G. Heinrichs, 1986/1987
  • Wohnen Am Karlsbad, Hilmer & Sattler, 1986/1987
  • Seniorenwohnheim, Steidle & Partner, 1985–1987
  • Wohnen Am Karlsbad, J. Sawade, 1984–1987
  • Wohnbebauung am Luisenplatz, H. Kollhoff, A. Brandt, G.-P. Mügge, H. Hielscher, K.-M. Koch, P. Kahl, W. Böttcher, A. Uffelmann, 1983–1987
  • „Schinkelplatz“, R. Krier, 1977–1987
  • IBA-Wohnungsbau (Wohnpark am Berlin Museum), A. Isozaki, 1982–1986
  • Wohn- und Geschäftshaus Block 5, Eisenman/Robertson Architects, –1986, 1982–1984
  • Wohnen am Berlin Museum Haus F Block 33 – Wohnpark Victoria, H. Kollhoff, A. A. Ovaska, A. Geier, –1986, 1982–1984
  • Wohnhaus, Kammerer & Belz, 1984/1985
  • Stadtvilla an der Rauchstraße, A. Rossi, 1983–1985
  • Stadtvilla an der Rauchstraße, Haus 8, H. Hollein, H. Strenner, W. Fritsch, U. Liebl, K. Matuschek, F. Madl, D. Nehnig, E. Pedevilla, –1985, 1983/1984
  • Stadtvillen an der Rauchstraße, R. Krier, 1983–1985
  • Städtebauliches Gutachten und Vorentwürfe, T. Herzog, M. Bunge, R. Streckebach, M. Elsner, F. Nakhaei, 1983–1985 (Projekt)
  • Stadtvilla an der Rauchstraße, K. T. Brenner, B. Tonon, 1983–1985
  • Phosphat-Eliminationsanlage PEA, G. Peichl, 1979–1985
  • Stadtvilla an der Rauchstraße, Haus 3, N. Di Battista, G. Grassi, E. Guazzoni, G. Zanella, 1982–1984
  • Südliche Friedrichstadt Block 606, G. Valle, M. Groggi, M. Burckhardt, M. Rossin, A. Nulli, 1983 (Projekt ?)
  • Wohnhaus Schlesisches Tor („Bonjour Tristesse“), Á. Siza, 1982/1983
  • Vier Stadtvillen, Bangert, Jansen, Scholz, Schultes, 1978–1982

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Sally Below, Moritz Henning, Heike Oevermann: Die Berliner Bauausstellungen – Wegweiser in die Zukunft? Regioverlag, Berlin 2009, ISBN 978-3-929273-72-4
  • Internationale Bauausstellung Berlin 1987, Projektübersicht. Offizieller Katalog 1987. Hrsg. Bauausstellung Berlin GmbH. Beschreibungen, Pläne, Fotos von allen, teilweise bereits realisierten Projekten.
  • Harald Bodenschatz, Cordelia Polinna: Learning from IBA – die IBA 1987 in Berlin. (PDF; 6,0 MB)
  • Dame, Herold, Salgo: Re-Vision-IBA – 25 Jahre Internationale Bauausstellung 1987 Ausstellungskatalog, TU Berlin, 2013

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: IBA 84 – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Hrsg.: Bauausstellung Berlin GmbH, Carlheiz Feye, Berlin, 1987
  2. a b Fotos auf architecture in berlin.comPeter Eisenman, Rem Koolhaas/OMA – Häuser am Checkpoint Charlie
  3. Fotos auf architecture in berlin.comZaha Hadid and Will Alsop on Stresemannstrasse
  4. Fotos auf architecture in berlin.comJohn Hejduk, Kreuzberg Tower
  5. Fotos auf architecture in berlin.comJohn Hejduk, Tegel
  6. Fotos und Zeichnungen auf housingprototypes.orgLindenstrasse Apts. Kollhoff, Hans & Arthur Ovaska
  7. Quelle: Internationale Bauausstellung 1984. In: archINFORM. Abgerufen am 14. Dezember 2009