Justinuskirche (Höchst)

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Justinuskirche in Frankfurt-Höchst
Kirchhof und Nordfassade der Justinuskirche

Die karolingische Justinuskirche in Frankfurt-Höchst ist das älteste erhaltene Gebäude von Frankfurt am Main und eine der ältesten Kirchen in Deutschland.

Die dreischiffige Basilika stammt aus der Zeit um 830, der spätgotische Hochchor entstand ab 1441. Die Kirche steht am östlichen Ende der gut erhaltenen Höchster Altstadt hoch über dem Main. Zur Stadt hin besitzt sie einen Vorplatz, zum Main hin einen großen Blumen- und Kräutergarten, dessen Begrenzung die erhaltene Höchster Stadtmauer bildet.

Die große Bedeutung der Justinuskirche gründet sich einerseits auf ihre bedeutende Bauplastik (v.a. die karolingischen Kapitelle und das spätgotische Nordportal), andererseits darauf, dass sie eine der wenigen fast vollständig erhaltenen frühmittelalterlichen Kirchen ist – und seit rund 1150 Jahren ununterbrochen als Kirche genutzt wird.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Geschichte

Die Bauherren der Justinuskirche: Erzbischof Otgar von Mainz (rechts) und sein Nachfolger Rabanus Maurus (links) – Darstellung aus manuscriptum Fuldense um 830
Nordportal der Justinuskirche in Frankfurt-Höchst mit den Figuren des Paulus von Theben und Antonius des Großen
Karolingisches Kapitell in korinthischer Ordnung

Die Geschichte der Kirche hängt eng mit der der Stadt Höchst zusammen. Die fränkische Siedlung, rund 25 Kilometer östlich von Mainz auf einer Anhöhe über der Mündung der Nidda in den Main gelegen, wurde im Lauf des Mittelalters von den Erzbischöfen von Mainz als Tochterstadt aufgebaut. Die erste bekannte urkundliche Erwähnung der Stadt stammt aus dem Jahr 790.

Erzbischof Otgar von Mainz (826–847) ließ in Höchst eine für die damalige Zeit recht große, dem Bekenner Justinus geweihte Kirche errichten, dessen Gebeine er aus Italien mitgebracht hatte.[1] Die Kirche, die für die Siedlung Höchst viel zu groß war, sollte als Machtsymbol gegen den Königshof in Frankfurt stehen. Rabanus Maurus, Otgars Nachfolger, nahm um 850 die Schlussweihe der Justinuskirche vor. Sie diente zunächst als Pfarrkirche. Die Gebeine des Namenspatrons St. Justinus wurden in die neue Kirche gebracht, wo sie etwa 450 Jahre lang blieben.

1024 fand in Höchst eine Synode des Mainzer Erzbischofs Aribo und der zahlreichen Mainz unterstellten Bistümer statt. 1090 ging die Kirche als Schenkung an die Benediktiner von St. Alban in Mainz über. Die Kirche wurde in Schriften des Stifts gezielt als einsturzgefährdet bezeichnet; St. Alban erhielt auf diese Weise als Dreingabe weitere Ländereien und Privilegien in Höchst. Renovierungsarbeiten an der angeblich baufälligen Kirche fanden jedoch nicht statt.[2] St. Justinus war seitdem Pfarr- und Klosterkirche.

Das Kloster verbrachte die Justinusreliquien 1298 nach St. Alban. Die Höchster Kirche wurde daraufhin der Hl. Margarethe als neuer Patronin geweiht, damit war und ist die Justinuskirche eigentlich eine Margaretenkirche. Die bis 1961 gefeierte Höchster Kirchweih hieß seit dem Mittelalter folgerichtig Margaretenkerb, daran änderte sich auch mit Einweihung der neuen Pfarrkirche St. Josef im Jahr 1909 nichts. Die vergessene Name Justinuskirche wurde durch historische Forschungen im 18. und 19. Jahrhundert wieder in der Fachwelt und der Öffentlichkeit bekannt. Dass die Margaretenkirche heute wieder nach ihrem ursprünglichen Namenspatron benannt wird, geht auf eine Initiative des Höchster Pfarrers Emil Siering (1841–1899) zurück.

1441 siedelte das Antoniterkloster aus Roßdorf bei Hanau nach Höchst um, die seit 1419 nur noch als Pfarrkirche genutzte Justinuskirche diente seitdem auch wieder als Klosterkirche. Das Antoniterkloster erlosch 1802. Die Antoniter gaben als Chorherren 1442 den Bau eines spätgotischen Chors und zahlreicher anderer Erweiterungen in Auftrag. Der ältere karolingische Bauteil der Justinuskirche diente als Pfarrkirche für die Gemeinde, während der durch einen Lettner abgeteilte Chor den Antonitern vorbehalten war.

Nach der Einweihung der großen neuromanischen Josefskirche in der Hostatostraße übernahm diese die Funktion der katholischen Pfarrkirche der inzwischen stark gewachsenen Industriestadt Höchst. Die Justinuskirche wird inzwischen nur noch zu besonderen Anlässen für Gottesdienste verwendet. Sie dient heute wegen ihrer Akustik vor allem als Konzerthalle.

Die Bausubstanz der Justinuskirche wurde 1930 bis 1932, die Ausstattung der Kirche in den 1980er Jahren umfassend restauriert. Seit dem Frühjahr 2009 findet eine Komplettsanierung des Daches statt. In diesem Zusammenhang wurde festgestellt, daß der gotische Chor erneut von Wassereinbrüchen im Untergrund bedroht wird. Der Chor wird durch Abpumpen des Wassers und Stablisierung des Untergrundes gesichert.[3]

Die Justinuskirche gehört heute als Filialkirche zur Pfarrei St. Josef im Bezirk Frankfurt des Bistums Limburg.

[Bearbeiten] Der Justinuskirchhof

Garten der Justinuskirche

Der Platz um die Justinuskirche war seit dem Mittelalter der Höchster Friedhof. Auch in der Kirche fanden Bestattungen statt. Dort wurden insbesondere Generalpräzeptoren und Chorherren des Antoniter-Ordens beigesetzt. Die Familien von Dalberg und von Kapp hatten Familiengrüfte in der Justinuskirche.

Nachdem bereits 1804 das Beinhaus an der Justinuskirche abgerissen worden war, wurde der Kirchhof 1810 aufgegeben. Er wurde in den Jahren 1930 bis 1932 im Rahmen der Renovierung der Kirche abgetragen und der Platz vor der Kirche gepflastert. Nur noch eine Pietà an der Nordfassade der Kirche, acht Grabplatten im Inneren der Kirche und einige verwitterte Grabsteine im Garten auf der Mainseite erinnern an die Begräbnisstätte.

Der auf der Mainseite gelegene Garten der Justinuskirche wurde in seiner Bepflanzung zu Beginn der 1990er Jahre angelegt. Hier werden von den Antonitern verwendete Heilkräuter kultiviert. Für die Öffentlichkeit ist der Garten seit 2004 vom Frühjahr bis zum Herbst zugänglich.

[Bearbeiten] Architektur

[Bearbeiten] Die karolingische Basilika

Mittelschiff
Grundriss der Justinuskirche im 9. Jh.

Die ursprüngliche Kirche war eine dreischiffige, sechsjochige Basilika mit drei Altarräumen (Sanktuarien) und drei halbrunden Apsiden. Der Zugang befand sich an der Westseite des Mittelschiffs, im Bereich des heutigen Kirchgärtchens.

Das Westportal ist heute bis auf ein ovales Ochsenauge vermauert, der Eingang befindet sich auf der Nordseite der Kirche, die man über das nördliche Sanktuarium betritt. Die Seitenschifffenster im nördlichen Obergaden sind heute zugemauert. Im Norden wurden spätgotische Kapellen angefügt, im Süden die karolingischen Fenster durch gotische ersetzt. Auch die Apsiden fielen der Erweiterung im 15. Jahrhundert zum Opfer. Anstelle des südlichen Altarraums befindet sich heute die Sakristei.

Der Rest der karolingischen Anlage ist jedoch erhalten: die beiden anderen Altarräume, das Mittelschiff mit seinen kleinen Rundbogenfenstern, die flache Decke, die Seitenschiffe und vor allem die zwei mal fünf Rundsäulen mit ihren korinthisierenden Kapitellen, die zu den bedeutendsten Werken karolingischer Bildhauerkunst gehören.

[Bearbeiten] Spätgotische Erweiterungen

Bis zum Ende der Zugehörigkeit zum Benediktinerkloster St. Alban 1419, also fast sechs Jahrhunderte lang, wurde die Kirche baulich kaum verändert.

Zwischen 1420 und 1430 wurde der südliche der drei karolingischen Altarräume abgerissen und durch eine gotische Heiligkreuzkapelle, die heutige Sakristei, ersetzt. An das nördliche Seitenschiff wurden drei weitere Kapellen angefügt.

Aufgrund der Verlegung des Zugangs von der Westseite zum heutigen Justinusplatz auf der Nordseite der Kirche entstand dort um 1442 ein reich geschmücktes Nordportal, ein Spitzbogen-Portal mit krabbenbesetztem Kielbogen und Kreuzblume, das zu beiden Seiten von Statuen (Hl. Paulus von Theben sowie der Ordenspatron Hl. Antonius Abbas) begleitet wird. Da bei der Bauausführung des Nordportals nicht sehr sorgfältig gearbeitet wurde und das Tor entgegen der Planung zu weit nach Westen gesetzt wurde, behalf man sich kurzerhand, indem man die Westwand der Kirche in einem Winkel von gut 12 Grad abknicken ließ, um den Baufehler auszugleichen. Da die Stelle heute von Bäumen zugewachsen ist, ist diese Besonderheit nur schwer zu erkennen.

[Bearbeiten] Der Hochchor

Südostwärts geneigter Chor
Grundriss der Justinuskirche nach dem Umbau im 15. Jh.

Die Antoniter, seit 1441 Hausherren der Kirche, benötigten, den Regeln der Augustiner-Chorherren entsprechend, einen größeren Chor. Bald nach der Übernahme der Kirche wurde dieser in Auftrag gegeben. Es entstand ein einschiffiger, hoher Chorraum mit sieben Maßwerkfenstern, zwei Jochen und einem 5/8-Chorschluss. Der Chor war deutlich höher als die bestehende Basilika, dieser Gegensatz bestimmt bis heute den Anblick der weithin sichtbar über dem Mainufer gelegenen Kirche.

Da der Erweiterungsbau der Justinuskirche auf unsicherem Untergrund geschah, waren dafür umfangreiche Vorarbeiten notwendig, da dort auch eine Quelle mit Sickerwasser des Liederbachs, das Röhrbrünnchen, im Untergrund entspringt. Durch Absenkung des Grundwasserspiegels begannen die in den Untergrund getriebenen Stützbalken zu faulen, hinzu kamen Schäden durch ein schwaches Erdbeben. Dadurch senkte sich der Chor, so dass der Anbau in sich seitdem eine leichte Neigung südostwärts zum Main hat. Dies ist insbesondere im Inneren der Kirche beim Blick auf den Hochaltar zu erkennen. Bereits 1523 musste das ursprüngliche Netzgewölbe des Chors wegen Einsturzgefahr abgetragen und durch eine provisorische Bretterdecke ersetzt werden. Diese wurde erst bei der Renovierung 1930 entfernt.

Die ab 1441 entstandenen Bauteile sind Werke der sogenannten Frankfurter Schule im Umfeld des Frankfurter Stadt- und Dombaumeisters Madern Gerthener. Wichtigster Baumeister in Höchst war der in vielen Orten am Mittelrhein tätige Steffan von Irlebach, ein Schwiegersohn Gertheners, sowie der Steinmetz Peter Wale, der mit Gerthener am Frankfurter Domturm arbeitete.

[Bearbeiten] Innenausstattung

Der Kreuzaltar von 1485
Die Figur des Augustinus von 1485

Der sitzende, hölzerne Augustinus (Worms 1485) stammt noch vom alten Hochaltar.

Die Bildtafeln des Kreuzaltars (1485), der als Gemeindealtar vor dem 1812 entfernten Lettner stand, befinden sich heute in der mittleren der drei nördlichen Seitenkapellen. Auf dem Mittelteil wird die Kreuzigung Jesu dargestellt. Auf den vier Tafeln der Seitenflügel wird die Auffindung des Kreuzes durch die heilige Helena und die triumphale Überführung des Kreuzes durch Helenas Sohn Kaiser Konstantin dargestellt. Auf dem Frontbild des Altarfußes wird Jesus als Weltenherrscher im Kreis der Apostel gezeigt.

Wichtige Ausstattungsstücke sind barock. Der Hochaltar entstand 1726 in Mainz (Johann Wiess), die Statuen von Josef und Augustinus in Frankfurt. Zwei weitere, barocke, Altäre wurden 1812 aus dem aufgehobenen Kloster Gottesthal im Rheingau nach Höchst gebracht. Beide Seitenaläre sind Maria gewidmet. Der nördliche Altar ist eine Pietà, er zeigt Maria als „Schmerzensreiche Mutter“, die den toten Jesus im Arm hält. Auf dem südlichen Altar wird Maria als Königin mit dem Jesuskind auf dem Arm dargestellt.

In den barocken Orgelprospekt (Josef Anton Onimus, Mainz 1738) wurde 1988 eine neue Konzertorgel der Fa. Kuhn, Männedorf (Schweiz) eingebaut. Sie dient regional bedeutsamen Orgelkonzerten mit internationalen Künstlern, z. B. im „Höchster Orgelsommer“.

[Bearbeiten] Einzelnachweise

  1. Eintrag im Ökumenischen Heiligenlexikon
  2. Wolfgang Metternich: Höchst erstaunliche Geschichte. Frankfurt am Main 1994: Kramer. ISBN 3-7829-0447-8
  3. Annegret Schirrmacher: Zeitbombe unter der Justinuskirche. Frankfurter Rundschau vom 27. April 2009 (online)
    Brendan Berk: Infraserv legt Justinuskirche trocken. Frankfurter Rundschau vom 8. Mai 2009 (online)
    Danijel Majic: Hilfe für ein undichtes Kleinod. Frankfurter Rundschau vom 8. Mai 2009 (online)

[Bearbeiten] Literatur

  • Ernst-Dietrich Haberland: Madern Gerthener „der stadt franckenfurd werkmeister“. Baumeister und Bildhauer der Spätgotik. Frankfurt am Main 1992: Josef Knecht, ISBN 3-7820-0654-2
  • Bernd Hänßler: Prestel Städteführer Frankfurt. München 1990: Prestel, ISBN 3-7913-0967-6
  • Friedrich Jakob: Die Orgeln der Justinuskirche in Frankfurt am Main-Höchst. Frankfurt am Main 1992: Stiftergemeinschaft Justinuskirche e.V.
  • Bernd Kalusche, Wolf-Christian Setzepfand: Architekturführer Frankfurt am Main. Reimer, Berlin 1992, ISBN 3-496-01100-9
  • Wolfgang Metternich: Justinuskirche Frankfurt/Höchst. Schnell Kunstführer Nr. 1215. München/Zürich 1980: Schnell und Steiner
  • Wolfgang Metternich: Im Wandel der Generationen. Ausstattung und Restaurierung der Justinuskirche in den letzten Jahrhunderten. Frankfurt am Main 1986: Stiftergemeinschaft Justinuskirche e.V.
  • Wolfgang Metternich: Die Justinuskirche in Frankfurt am Main. Ein Bauwerk von nationaler Bedeutung.'. Frankfurt am Main 1987: Waldemar Kramer, ISBN 3-7829-0352-8
  • Wolfgang Metternich: Die Orgel der Justinuskirche. Festschrift zur Wiederherstellung der Orgel durch die Hoechst AG aus Anlaß des 125jährigen Firmenjubiläums. Frankfurt am Main 1988: Hoechst AG und Stiftergemeinschaft Justinuskirche e.V.
  • Rudolf Schäfer: Die Kirche St. Justinus zu Höchst am Main. Höchster Geschichtshefte 18/19. Frankfurt-Höchst 1973: Verein für Geschichte u. Altertumskunde.

[Bearbeiten] Weblinks

Commons Commons: Justinuskirche – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

50.0986111111118.5488888888889Koordinaten: 50° 5′ 55″ N, 8° 32′ 56″ O

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