Komitat Ung

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Komitat Ung
(1910)
Wappen von Ung
Verwaltungssitz: Ungvár
Fläche: 3.230 km²
Bevölkerung: 162.089[1]
Volksgruppen: 38 % Ruthenen
33 % Magyaren
22 % Slowaken
5 % Deutsche[2]
Komitat Ung

Das Komitat Ung (ungarisch Ung vármegye, slowakisch Užská župa/stolica oder Užský komitát, lateinisch comitatus Unghvariensis) ist eine historische Verwaltungseinheit (Gespanschaft/Komitat) im Königreich Ungarn und dann kurzzeitig in der Tschechoslowakei. Das Gebiet liegt heute zu 1/3 in der Ostslowakei und zu 2/3 in der Westukraine (in der heutigen Oblast Transkarpatien).

Lage[Bearbeiten]

Karte des Komitats Ung um 1890

Das Komitat grenzte im Norden an das österreichische Kronland Galizien (bzw. vor 1772 an Polen), im Osten und Südosten an das Komitat Bereg, auf einem kleinen Stück im Süden an das Komitat Szabolcs und im Westen an das Komitat Semplin (Zemplén).

Es lag zwischen dem Gebirgszug der Karpaten im Norden, den Flüssen Theiß und Latorica im Süden und dem Fluss Laborec im Westen.

Das Gebiet wurde von den Flüssen Latorica und Usch (ungarisch Ung, daher der Name des Komitats) durchflossen und hatte 1910 162.089 Einwohner auf einer Fläche von 3.230 km².

Verwaltungssitze[Bearbeiten]

Der Verwaltungssitz des Komitats war ursprünglich auf der Ungburg, später dann die Stadt Ungvár (jetzt Uschhorod (Ужгород) in der Ukraine).

Geschichte[Bearbeiten]

Das Komitat Ung ist eines der älteren im Königreich Ungarn; es entstand im 11. Jahrhundert. Im 16. und 17. Jahrhundert war das Gebiet mehrmals vorübergehend Bestandteil Siebenbürgens (vor allem 1547–1551, um 1600, 1622–1629 (siehe Gabriel Bethlen) und kurz nach 1645).

1918 kam es fast zur Gänze zur neuentstandenen Tschechoslowakei, lediglich die Stadt Záhony und deren Umland verblieben bei Ungarn und kamen zum neu erschaffenen Komitat Szabolcs-Ung.

Infolge des Ersten Wiener Schiedsspruchs wurde das Gebiet 1938 bis auf einen kleinen Teil im Westen von Ungarn besetzt, und in Ungarn wurde das Komitat Ung wiedererrichtet, bekam aber noch einige Gebietsteile des bis 1918 bestehenden Komitats Semplin hinzu.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs kam der größte Teil des Gebietes zur Sowjetunion (Ukrainische SSR, Oblast Transkarpatien), der westlichste Teil wurde wieder Teil der Tschechoslowakei. Nachdem die Sowjetunion sich 1991 aufgelöst hatte, wurde die Oblast Transkarpatien Teil der Ukraine. Nachdem sich 1993 auch die Tschechoslowakei aufgelöst hatte und der tschechoslowakische Gebietsteil nun zur Slowakei kam, wurde er 1996 Teil des Košický kraj.

Das Gebiet des Komitats wurde in der Tschechoslowakei bzw. Slowakei chronologisch wie folgt administrativ eingegliedert:

  • 1918–1922: Zemplínska župa (Sempliner Gespanschaft; in der Slowakei) + Užská župa (Gespanschaft Ung; in Karpatenrussland), CS
  • 1923–1928: Košická župa (Kaschauer Gespanschaft; in der Slowakei) + Užská župa (Gespanschaft Ung; in Karpatenrussland), CS
  • 1928–1939: Slovenská krajina/zem (Slowakisches Land) + Podkarpatoruská zem (Subkarpatisches Land), CS
  • 1940–1945: Šarišsko-zemplínska župa (Scharosch-Sempliner Gespanschaft), SK
  • 1945–1948: Slovenská krajina (Slowakisches Land), CS
  • 1949–1960: Prešovský kraj (Preschauer Landschaftsverband) + Košický kraj (Kaschauer Landschaftsverband) – mit den heutigen nicht zu verwechseln, CS
  • 1960–1990: Východoslovenský kraj (Ostslowakischer Landschaftsverband), CS
  • seit 1996: Košický kraj (Kaschauer Landschaftsverband), SK

Bezirksunterteilung[Bearbeiten]

Im frühen 20. Jahrhundert bestanden folgende Stuhlbezirke (nach dem Namen des Verwaltungssitzes benannt):

Stuhlbezirke (járások)
Stuhlbezirk Verwaltungssitz
Ungvár Ungvár, heute Ужгород/Uschhorod
Nagykapos Nagykapos, heute Veľké Kapušany
Szobránc Szobránc, heute Sobrance
Nagyberezna Nagyberezna, heute Великий Березний/Welykyj Beresnyj
Perecseny Perecseny, heute Перечин/Peretschyn
Szerednye Szerednye, heute Середнє/Serednje
Stadtbezirk (rendezett tanácsú város)
Ungvár, heute Ужгород/Uschhorod

Die Städte Veľké Kapušany und Sobrance liegen in der heutigen Ostslowakei, alle anderen in der Ukraine.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten]

  1. A magyar szent korona országainak 1910. évi népszámlálása; Budapest 1912, Seite 12 ff.
  2. A magyar szent korona országainak 1910. évi népszámlálása; Budapest 1912, Seite 22 ff. – umstrittene Volkszählung von 1910