Latina (Latium)

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Latina
Wappen
Latina (Italien)
Latina
Staat: Italien
Region: Latium
Provinz: Latina (LT)
Koordinaten: 41° 28′ N, 12° 54′ O41.46722222222212.90333333333321Koordinaten: 41° 28′ 2″ N, 12° 54′ 12″ O
Höhe: 21 m s.l.m.
Fläche: 277 km²
Einwohner: 119.426 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 431 Einw./km²
Stadtviertel siehe Bezirke
Angrenzende Gemeinden Aprilia, Cisterna di Latina, Nettuno, Pontinia, Sabaudia, Sermoneta, Sezze
Postleitzahl: 04100 (Innenstadt, Borgo Isonzo),
04013 (Latina Scalo), 04010 (Latina Lido und Borghi, außer Borgo Isonzo)
Vorwahl: 0773
ISTAT-Nummer: 059011
Volksbezeichnung: Latinensi
Schutzpatron: Santa Maria Goretti
San Marco
Website: Latina
Der Palazzo Comunale (Rathaus) von Latina
Der Palazzo Comunale (Rathaus) von Latina

Latina ist die Hauptstadt der gleichnamigen Provinz und die zweitgrößte Stadt der Region Latium in Italien mit 119.426 Einwohnern (Stand 31. Dezember 2012). Latina ist die erste während des Faschismus realisierte Planstadt in Italien.[2] Sie wurde ab 1932 erbaut.

Geografie[Bearbeiten]

Lage von Latina in der Provinz Latina
Im Botanischen Garten von Fogliano

Latina liegt 67 km südöstlich von Rom und 159 km nordwestlich von Neapel in der Pontinischen Ebene, die sich vom Monte Circeo bis an die Stadtgrenze Roms erstreckt. Mit den Stadtteilen Lido di Foce Verde, Lido di Latina und Lido di Capo Portiere besitzt die Stadt drei Seebäder am Tyrrhenischen Meer. Das Stadtgebiet erstreckt sich im Norden bis an den Fuß der Monti Lepini.

Der Küstensee Lago di Fogliano ist Teil des Nationalparks Circeo. Dazu gehören auch der botanische Garten von Borgo di Villa Fogliano und das Landgut der Caetani aus dem 18. Jahrhundert.

Das Gemeindegebiet erstreckt sich über eine Höhe von 0 bis 75 Metern über dem Meeresspiegel.

Die Gemeinde liegt in der Erdbebenzone 3 (wenig gefährdet).[3]

Die Nachbargemeinden sind im Uhrzeigersinn Nettuno (RM), Aprilia, Cisterna di Latina, Sermoneta, Sezze, Pontinia und Sabaudia.

Bezirke[Bearbeiten]

Latina ist in die sieben Stadtbezirke Latina Centro (Zentrum), Latina Ovest (West), Latina Est (Ost), Latina Mare (Meeresküste), Latina Nord, Latina Sud und Latina Scalo (Bahnhof) eingeteilt. Die Bezirke haben jeweils einen Präsidenten und 20 Bezirksräte, die gleichzeitig mit dem Stadtrat gewählt werden.[4]

Verkehr[Bearbeiten]

Latina ist mit den Staatsstraßen 7, Via Appia (Rom-Caserta-Brindisi), 148, Via Pontina (Rom-Terracina) und 156, Via dei Monti Lepini (Latina-Frosinone) in das Fernstraßennetz eingebunden.

Der Bahnhof Latina-Scalo, 9 km nördlich des Stadtzentrums, liegt an der Bahnstrecke Roma–Formia–Napoli.

Geschichte[Bearbeiten]

Historisches Wappen von Littoria

Ab 1930 ließ Benito Mussolini die Pontinischen Sümpfe südlich von Rom trockenlegen und die gewonnenen landwirtschaftlichen Gebiete mit Bauersfamilien aus Friaul und Venetien besiedeln. Die Stadtgründung Littorias, wie Latina ursprünglich hieß, stand zunächst im Widerspruch zur bisherigen anti-urbanistischen faschistischen Propaganda mit ihrer Überhöhung des bäuerlichen Landlebens, war aber notwendig geworden, da die geplante dezentrale Infrastruktur die Verwaltung und Versorgung der neu gewonnenen Gebiete nicht sicherstellen konnte. Am 30. Juni 1932 legte der Kommissar für die Trockenlegung Orsolini Cencelli den Grundstein für das neue administrative Zentrum, als Stadtplaner wurde der wenig bekannte Architekt Oriolo Frezzotti verpflichtet.[5]

Die Stadt entstand auf einem Grundriss in der Form eines Oktogons. Die Gebäude wurden, im Gegensatz zu den etwas späteren Gründungen wie etwa Sabaudia, in der ersten Bauphase noch in einem betont einfachen und ländlichen Stil gehalten und wegen der offensichtlichen Unvereinbarkeit mit der offiziellen Parteilinie auch ohne publizistische Begleitung errichtet. Erst gegen Ende des Jahres integrierte Mussolini die Stadtgründungen als landwirtschaftliche Gemeindezentren (Centri comunali agricoli) in das ideologische Konzept der Trockenlegung. Bereits am 18. Dezember 1932 weihte er vom Rathausbalkon die neue Stadt Littoria mit großem propagandistischen Aufwand ein. Unter den geänderten Vorzeichen entstanden nun auch moderne Bauten wie das Postamt von Angiolo Mazzoni (1934). Littoria wurde 1934 Hauptstadt der neu gegründeten gleichnamigen Provinz.

Der Name Littoria leitete sich von den Liktorenbündeln her, die ein zentrales Symbol der italienischen Faschisten sind. Aus diesem Grund wurde die Stadt 1946 in Latina umbenannt.

Wirtschaft[Bearbeiten]

In Latina befindet sich pharmazeutische und chemische Industrie, Käseproduktion, ein starker Dienstleistungssektor und das 1987 abgeschaltete Kernkraftwerk Latina sowie das Kernkraftwerk CIRENE, dessen Bau 1987 abgebrochen wurde. Die beiden Kernkraftwerke liegen aber weit außerhalb der Stadt. Die italienische Luftwaffe unterhält auf dem Flugplatz von Latina eine Flugschule und die NATO hat hier ihre Technische Schule (NATO Communication and Information System School, NCISS).

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten]

Jahr 1881 1901 1921 1936 1951 1971 1991 2001 2011
Einwohner 509 916 1.227 19.654 35.187 78.210 106.200 107.898 120.091

Quelle: ISTAT

Politik[Bearbeiten]

Palazzo Comunale (Rathaus) bei der Einweihung 1932

Vincenzo Zaccheo (PdL bis 2008 Alleanza Nazionale)[6] wurde im Mai 2002 zum Bürgermeister gewählt und im Mai 2007 im Amt bestätigt. Trotz eines Skandals aus dem Jahr 2005, als auf seine Anregung hin ein großes Mosaik in den Laubengängen des Rathauses angelegt wurde, das den faschistischen Führer Benito Mussolini verherrlicht.[7] Sein Mitte-rechts-Bündnis stellte auch mit 25 von 40 Sitzen die Mehrheit im Gemeinderat. Seine Stadtregierung wurde im April 2010 zum Rücktritt gezwungen, nachdem in der Fernsehsendung Striscia la notizia der Mitschnitt eines vertraulichen Gesprächs von Zaccheo veröffentlicht wurde, in dem er sich bei Regionspräsidentin Renata Polverini über einen Parteikollegen beschwerte, worauf 22 Stadträte ihren Rücktritt erklärten. [8] Bei der vorgezogenen Neuwahl am 15./16. Mai 2011 gewann Giovanni Di Giorgi (PdL) den Bürgermeisterposten, dessen Mitte-rechts-Bündnis auch 21 der 32 Gemeinderäte stellt.[9]

Wappen[Bearbeiten]

Das Wappen stellt auf blauem Schild den Turm des Palazzo Comunale dar, der sich aus einem Sumpf erhebt. Er wird von zwei goldenen Getreidebündeln umrahmt. Auf einem Band ist das Stadtmotto Latina olim palus (Latina einst ein Sumpf) zu lesen. Das Wappen spielt auf die Stadtgründung in den trockengelegten Pontinischen Sümpfen an.[10]

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Religion[Bearbeiten]

Latina ist Sitz des römisch-katholischen Bistums Latina-Terracina-Sezze-Priverno.

Sport[Bearbeiten]

Der Giro d’Italia 1992 machte Station in Latina. Dabei gewann Guido Bontempi die achte Etappe.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Latina – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistiche demografiche ISTAT. Monatliche Bevölkerungsstatistiken des Istituto Nazionale di Statistica, Stand 31. Dezember 2012.
  2. commune.latina.it
  3. Italienischer Zivilschutz
  4. Homepage der Stadt Latina
  5. zur Stadtgründung vgl. Daniela Spiegel: Die neuen Städte in den Pontinischen Sümpfen. In: Aram Mattioli, Gerald Steinacher (Hrsg.): Für den Faschismus bauen: Architektur und Städtebau im Italien Mussolinis. Luzern, Orell Füssli 2009, S. 111–136, ISBN 978-3-280-06115-2
  6. Ital. Abgeordnetenhaus
  7. Deutschland Radio
  8. «Striscia la notizia» intercetta fuorionda tra la Polverini e sindaco di Latina. In: Corriere della Sera, 15. April 2010. Abgerufen am 15. Mai 2011.
  9. Information des Innenministeriums
  10. Homepage der Stadt Latina
  11. Onlinezeitung sportlatina.it abgerufen am 20. März 2011 (italienisch)