Monsterwelle

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Monsterwelle in der französischen Biskaya, etwa bei 200 Metern Wassertiefe

Monsterwellen (auch Riesenwellen, Kaventsmänner oder Freakwaves von englisch freak wave, engl. auch rogue waves) sind außergewöhnlich hohe, einzelne marine Wasserwellen.

Mit Höhen von über 25 Metern werden solche Monsterwellen etwa doppelt so hoch wie gewöhnliche hohe Wellen auf See, zudem ist die Wellenflanke oft sehr steil. Die enorme Höhe und die hohe Geschwindigkeit solcher Wellen erzeugen enorme Anprallkräfte. Kleinere Schiffe können „verschluckt“ oder „zerschlagen“ werden.

Größere Schiffe können durch die enormen Kräfte, infolge der Schäden an den Aufbauten oder durch zerborstene Fenster manövrierunfähig werden. Selbst für Großschiffe stellen Monsterwellen aufgrund der außerordentlichen und sehr schnell wechselnden Belastungen der trägen Schiffskörper eine ernste Gefahr bis hin zum Zerbrechen dar.

Lange Zeit galten Monsterwellen als Seemannsgarn, bis Satellitenaufnahmen und andere Messungen ihre Existenz bewiesen. Erst seit 1995 sind sie anerkannt und werden intensiv erforscht.

Beschreibung[Bearbeiten]

Geschichte[Bearbeiten]

Bis 1995 galten Monsterwellen, über die schon seit Jahrhunderten von Seeleuten berichtet wird, als reine Erfindungen („Seemannsgarn“). Verluste von Schiffen wurden schlechter Wartung oder mangelnden seemännischen Fähigkeiten zugeschrieben, auch wenn es Fälle gab, bei denen diese Begründungen nicht ausreichten. Zwei Ereignisse mit eindeutig dokumentierten Monsterwellen führten dazu, dass deren Existenz nicht mehr in Frage gestellt und wissenschaftliche Forschungen betrieben werden: So wurde in der Neujahrsnacht 1995 von der automatischen Wellenmessanlage der norwegischen Ölbohrplattform Draupner-E während eines Sturms in der Nordsee eine einzelne Welle mit 26 m Höhe gemeldet. Knapp zehn Monate später, am 11. September 1995, wurde der britische Luxusliner Queen Elizabeth 2 auf dem Weg von Cherbourg nach New York über der Neufundlandbank von Monsterwellen getroffen.[1] Damit wurde klar, dass es Monsterwellen gibt, und in den folgenden Jahren wurden Berichte und Forschungen ausgewertet.

Die von der wissenschaftlichen Forschung zuvor bestimmte maximale Höhe natürlicher Ozeanwellen von 15 m war zugleich Maßstab für die Auslegung der Belastbarkeit von Schiffen im Schiffbau auf 16,5 m. Erst ein Forschungsauftrag der Versicherungen, die für den Verlust von Schiffen aufzukommen hatten, brachte neue Erkenntnisse.

Stand der Forschung[Bearbeiten]

Seegang setzt sich grundsätzlich aus Komponenten unterschiedlicher Wellenlänge – und damit Ausbreitungsgeschwindigkeit (siehe dazu auch Phasengeschwindigkeit) – und Richtung zusammen. Die momentane lokale Wasserstandshöhe ist statistisch nach dem zentralen Grenzwertsatz normalverteilt. Dabei bezeichnet man heuristisch die vierfache Varianz als signifikante Wellenhöhe, die intuitiv empfundene Seegangshöhe (auch H1/3, genaugenommen 3,78\sigma, das heißt die im Mittel größte Höhendifferenz von Wellental zu Wellenberg von drei Wellen). Die Normalverteilung lässt aber auch viel größere Höhendifferenzen zu, die nur sehr selten vorkommen, deren Häufigkeit bei der Normalverteilung aber genau bestimmt werden kann. Während man früher davon ausging, dass sehr hohe Wellen („Jahrhundertwelle“) eher seltener auftreten, als es der Normalverteilung entspricht, führen neuere Beobachtungen und theoretische Ansätze zu dem Schluss, dass sie wesentlich häufiger auftreten. Die Ursache hierfür liegt darin, dass die Überlagerung der Elementarwellen nicht linear ist, wie es der Zentrale Grenzwertsatz voraussetzt. Insgesamt wird die Verteilung seltener hoher Wellen in Abweichung von der Normalverteilung noch nicht vollständig verstanden.

Monsterwellen überschreiten die „signifikante Wellenhöhe“, also den Mittelwert der höchsten Wellen in einem Seegang, um mindestens das Doppelte und haben eine vergleichsweise kurze Wellenlänge. Dies führt zu einem massiven Aufprall, der zu schweren Verwüstungen oder zum Untergang eines Schiffes führen kann. Zufällig an Steilküsten auftreffend, können sie auch Menschen und Tiere mitreißen.

Physikalische Entstehung einer Monsterwelle

Drei Arten von Monsterwellen sind bisher bekannt:[2]

  1. der Kaventsmann (engl. rogue wave), eine große, relativ schnelle Welle, die nicht der Richtung des normalen Seegangs folgt;
  2. die Drei Schwestern (engl. Three Sisters), drei schnell aufeinander folgende große Wellen, in deren schmalen Tälern Schiffe nicht den nötigen Auftrieb entwickeln können und dann von der zweiten oder spätestens dritten Woge überrollt werden. Es ist unklar, ob dieses Phänomen immer aus exakt drei Wellen besteht oder ob Varianten mit zwei, vier oder fünf Wellen vorkommen;
  3. die Weiße Wand (engl. white walls), eine sehr steile Welle, von deren Kamm die Gischt herabsprüht, gefolgt von einem tiefen Wellental.

Um Monsterwellen erklären zu können, sind komplexe Modelle notwendig. So wandte Alfred Osborne, Professor der Physik an der Universität Turin, erstmals 1965 die quantenmechanistische Schrödingergleichung zur Beschreibung der nichtlinearen Ausbreitung von Hochseewellen an. Entsprechend diesen Gleichungen entsteht die Monsterwelle eher zufällig aufgrund von Welleninstabilitäten, indem sie lokal aus ihren umgebenden Wellenzügen Energie absaugt und dadurch viel höher als die umgebenden Wellen werden kann. Seine frühen Arbeiten wurden von Ozeanografen nur wenig beachtet. Osborne verwarf diese Berechnungsmethode bis 1995, als auf der Ölbohrplattform Draupner-E in der Nordsee eine einzelne Welle registriert wurde, die exakt Osbornes Vorhersagen entsprochen hatte. Die Nichtlinearität von Wasserwellen ist seitdem anerkannt und wird seit etwa 2001 von Schiffbauern berücksichtigt.

Monsterwellen konzentrieren sich zudem vielfach in Gegenden mit Meeresströmungen. Starker Wind gegen die Richtung der Meeresströmung macht die Entstehung hohen Seegangs wahrscheinlicher. Eine Dünung kann ebenfalls gegen eine Meeresströmung laufen. Dabei werden die Wellen kürzer, aber steiler und höher. Kommen dann noch Überlagerungen hinzu, entstehen große Wellen. Auch Seegebiete, in denen die Wassertiefe plötzlich abnimmt, sind bekannt für gefährlichen Seegang. Die Seegebiete südöstlich und östlich von Südafrika sowie die Südspitze Südamerikas (Kap Hoorn) sind berüchtigt für das Auftreten von Monsterwellen.

Riesenwellen können auf senkrecht von oben aufgenommenen Satellitenbildern von normalen Wellen durch die steile Vorderfront unterschieden werden. Normale Wellen haben keinen so starken Kontrast, der die Wellenhöhe repräsentiert, und sind auf beiden Seiten gleich steil. Man vermutet, dass diese Monsterwellen durch Überlagerung von mehreren normalen Wellen mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten entstehen. Dabei können Wellen bis zu 40 Metern Höhe entstehen. Warum gerade an gewissen Stellen wie Kap Hoorn häufiger solche Riesenwellen beobachtet werden, wird seit einigen Jahren erforscht.

Bei Radarmessungen in der Nordsee wurden erstmals Monsterwellen nachgewiesen. Die Messungen wurden unter anderem von Prof. Julian Wolfram von der Heriot-Watt Universität Edinburgh auf der Ölplattform „Draupner“ durchgeführt und man registrierte innerhalb von zwölf Jahren 466 Monsterwellen. Mit den europäischen Umweltsatelliten ERS-1 und -2 wurden im Rahmen des MaxWave-Projekts weltweit Radarmessungen vorgenommen und dabei in drei Wochen zehn Wellen gemessen, die mehr als 25 m Höhe hatten. Damit wurde nachgewiesen, dass Monsterwellen häufiger auftreten als vermutet. Einige der Forscher glauben danach, dass die meisten der rund 200 Großschiffe mit über 200 Metern Länge, die in den letzten 20 Jahren gesunken sind, direkt oder indirekt durch solche Wellen versenkt wurden.

Inzwischen gibt es auch Anhaltspunkte dafür, dass Monsterwellen durch Wellenbrechung an Hindernissen im Rahmen einer linearen Theorie und nicht durch (nichtlineare) Resonanzeffekte entstehen.[3] Dies wurde in einer Simulation von Wellen und deren Brechung an im Vergleich zur Wellenlänge kleinen Metallkegel-Hindernissen durch Mikrowellen im Labor festgestellt.

Besondere Gefahren durch Riesenwellen[Bearbeiten]

Bei den sogenannten Monsterwellen ist nicht nur die Größe dieser Wellenart ein Problem, sondern insbesondere deren Charakteristik. Sie verfügen über eine sehr steile Flanke und eine relativ hohe Geschwindigkeit. Aufgrund der Eigenträgheit eines Schiffes kann dieses eine solche Welle nicht einfach überfahren, sondern wird von ihr regelrecht überrollt (Brecherwelle). Die hierbei auftretenden Belastungen sind erheblich höher als bei normalen Sturmwellen. Während die meisten Schiffe auf einen Wasserdruck von maximal 150 kN/m² ausgelegt sind, kann bei einem direkten Treffer durch eine solche Welle ein Druck von weit über 1 MN/m² entstehen. Selbst bei einem Frontaltreffer taucht das Schiff tief in die Welle ein; der Wasserschlag trifft in der Regel, bedingt durch die Höhe der Welle, die Aufbauten, welche nicht für einen solch hohen Anprall ausgelegt sind.

Ein weiteres Problem sind die kurze Wellenlänge und daraus folgen die großen, in schneller Folge vorauseilenden und nachfolgenden Wellentäler. Das Schiff wird erfasst und am Bug (bei Frontaltreffern) sehr schnell angehoben. Es durchbricht die Welle, um wieder in ein steiles Tal zu geraten, während der Mittelteil und das Heck zu diesem Zeitpunkt noch unter voller Belastung der Welle stehen. Da Schiffe nicht auf Punktbelastbarkeit ausgelegt sind, kann das Schiff an seinem „freiliegenden“, nicht durch Auftrieb gestützten Bug infolge des Eigengewichts zerbrechen.

Wird das Schiff seitlich getroffen, ist ein Kentern fast unvermeidlich.

Abgrenzung zu Tsunamis[Bearbeiten]

Monsterwellen haben wenig mit Tsunamis gemein. Während ein Tsunami durch plötzliche Bewegungen des Meeresbodens (Seebeben, Vulkanausbruch, Hangrutsch), also Verdrängungswasser, entsteht, ist an einer Monsterwelle nur Oberflächenwasser beteiligt. Da die Wellenhöhe eines Tsunami auf offenem Meer niedrig ist (nur bis zu einem Meter) und die Wellenlänge sehr lang (mehrere hundert km), läuft der Tsunami unter einem Schiff so sanft durch, dass die Welle von Menschen auf dem Schiff zumeist nicht bemerkt wird. Eine Monsterwelle jedoch türmt sich auch auf hoher See zu einer Wasserwand auf.

Erreicht ein Tsunami flache Küstenregionen, kann er sich zu einer Wasserwand von mehr als 50 Meter Höhe auftürmen und die Welle kann wegen ihrer großen Länge weit ins Landesinnere vordringen. Eine Monsterwelle dagegen fällt zusammen, sobald sie auf Land trifft.[4][5]

Vorhersagen besonders gefährdeter Gebiete[Bearbeiten]

Ein 2008 entworfenes Simulationsmodell von Tim Janssen (SFSU) und Thomas Herbers (NPS) soll zeigen, wo und warum solche Riesenwellen entstehen.[6] So gehören Küstenzonen mit stark schwankenden Meerestiefen und unterschiedlichen Strömungsverhältnissen zu den anfälligen Seegebieten, in denen unberechenbar große Wellen auftreten können. Sandbänke und Strömungsverhältnisse sind dafür verantwortlich, dass Wellen ihre Richtung und Geschwindigkeit ändern. In „Wellenbrennpunkten“ kann sich Energie an einem bestimmten Punkt sammeln wie das Licht unter einer Lupe. Wenn eine Welle, so Janssen gegenüber der BBC, über eine Sandbank oder eine andere Strömung ziehe, könnten solche „Wellenbrennpunkte“ zur Wirkung gelangen. Das Computermodell soll Hotspots erkennen, an denen solche Strömungsüberlagerungen auftreten. Es kommt zu dem Ergebnis, dass an einem Hotspot drei extreme Wellen auf tausend normale kommen, während sich in einem normalen Wellenfeld nur alle 10.000 Wellen drei extremere Varianten finden. Bisher ist das Modell der Forscher rein theoretischer Natur, eine Prüfung der Zuverlässigkeit ist an einem Abschnitt der Cortes Bank knapp 200 Kilometer vor der Küste von Südkalifornien mittels realer Messdaten geplant. Die Cortes Bank gilt als eine Zone, in der sich unterschiedliche Energieströme im Meer kreuzen.

Für die Schifffahrt wäre ein Modell, das Zonen mit hoher Monsterwellen-Wahrscheinlichkeit relativ genau eruiert, von hohem Nutzen, könnte man dann doch Seewege nach der Wahrscheinlichkeit solcher „Freak-Wellen“ ausrichten. Doch dafür muss sich erst die Tauglichkeit des kalifornischen Erklärungsmodells erweisen.

Gegenmanöver[Bearbeiten]

Bis vor kurzem galt es als sinnvollste Gegenmaßnahme, die Welle mit voller Maschinenkraft möglichst frontal anzugehen, da dieser Bereich des Schiffes für die höchsten Belastungen ausgelegt ist und die Welle zerschneidet. Neueste Erkenntnisse deuten darauf hin, dass dies nicht das Optimum darstellt, sondern die Welle − sofern sie früh genug erkannt wird und ein Manöver überhaupt noch möglich ist − analog zur Technik des Überfahrens einer Düne mit einem Geländewagen leicht schräg anzuschneiden sei. Zwar entsteht hierdurch eine extreme Druckbelastung des Vorderbugs durch die Wassermassen, die Gefahr des Durchbrechens des Schiffes ist jedoch deutlich geringer und bei genügend kleinem Winkel ist auch die Wahrscheinlichkeit des Kenterns nicht sehr hoch.

Berichte und Katastrophen[Bearbeiten]

  • Auf seiner Jungfernfahrt wurde der deutsche Schnelldampfer Kronprinz Wilhelm, damals der modernste und schnellste Atlantikliner der Welt, am 18. September 1901, dem Tag der Abfahrt von Cherbourg in Frankreich nach New York, bei schwerer See von einer riesigen Welle frontal getroffen und erlitt dabei besonders an den vorderen Aufbauten erhebliche Beschädigungen. Unter anderem wurden ein Ventilator auf dem Vordeck und ein weiterer auf dem Sonnendeck weggespült. Die Welle schlug ein Loch in die Wand der Bibliothek unterhalb von Ruderhaus und Kapitänskajüte. Teile der Bibliothek sowie zwei von drei Fenstern dort wurden zerstört. Außerdem wurde ein Fenster auf der Brücke (normalerweise ca. 20 Meter über dem Meeresspiegel) eingeschlagen.[7]
  • Im Februar 1909 steigerte sich eine bereits anhaltende, tagelange Schlechtwetterfront mit extremen Windböen und starkem Seegang zu einem Unwetter, das den britischen Schnelldampfer Lusitania auf der Fahrt von Queenstown in Irland nach New York mit bis zu 25 Meter hohen Wellen konfrontierte. Die Wellen beschädigten die Kommandobrücke und Aufbauten.[8]
  • Im Februar 1926 wurde die Olympic im Nordatlantik von einer Welle getroffen, die zahlreiche Schäden, unter anderem vier zerstörte Brückenfenster (normalerweise ca. 24 Meter über dem Meeresspiegel), verursachte.
  • Im Februar 1933 sichtete ein wachhabender Offizier des US-Navy-Tankers Ramapo auf dem Weg von Manila nach San Diego in stürmischer See eine 34 Meter hohe einzelne Welle.[9]
  • 1934 wurde die Majestic, damals das größte Schiff der Welt, im Nordatlantik von einer großen Welle getroffen, von der unter anderem der Kapitän auf der Brücke (normalerweise circa 30 Meter über dem Meeresspiegel) schwer verletzt wurde.
  • Eine ungewöhnlich hohe Welle traf am 18. September 1973 im Nordatlantik auf dem Weg von New York nach Palma de Mallorca die Raffaello, das zu dieser Zeit mit 45.933 BRT größte italienische Fahrgastschiff. Die Welle zerschlug unter anderem einige Fenster des Speisesaals (normalerweise etwa 20 m über dem Meeresspiegel) und richtete dort erhebliche Sachschäden an. Da der Speisesaal in diesem Augenblick nicht belegt war, kamen Menschen nicht zu Schaden.[10]
  • Große Aufmerksamkeit erregte um Weihnachten 1978 der Fall des deutschen LASH-Frachtschiffs München, das mit 28 Mann Besatzung im Atlantik nördlich der Azoren spurlos verschwand. Die Seeamtsverhandlung ergab, dass vermutlich eine Riesenwelle das Schiff zunächst manövrierunfähig machte und dann untergehen ließ. Aus Deformationen an einem in 20 m Höhe angebrachten und später geborgenen Rettungsboot konnte man auf Wellenhöhe und -energie Rückschlüsse ziehen.
  • Am 9. September 1980 sank auf ähnlich rätselhafte Weise der englische Massengutfrachter Derbyshire im Pazifik, im so genannten Teufelsmeer südlich von Japan; es ist das bisher größte unter diesen Umständen verloren gegangene Schiff. Untersuchungen zufolge könnte der Untergang auf Monsterwellen zurückzuführen sein. Er ereignete sich so schnell, dass kein Hilferuf mehr gesendet werden konnte.
  • Eine Monsterwelle versenkte vermutlich am 15. Februar 1982 auch die Bohrinsel Ocean Ranger. Sie zerschmetterte ein Fenster und verursachte einen folgenschweren Wassereinbruch. Dadurch entstand ein Kurzschluss im Kontrollraum für die Pumpen, die die Plattform stabilisierten. In der Folge kenterte und sank die als unsinkbar geltende Bohrinsel. Die gesamte 84-köpfige Mannschaft kam in der tosenden See um.
  • Im Oktober 1991 ging die Andrea Gail, ein kleiner, im Schwertfischfang eingesetzter Trawler, im Hurrikan Grace verloren. Es wird vermutet, dass das Schiff von einer Monsterwelle getroffen wurde. Diese Begebenheit wurde einige Jahre später von Wolfgang Petersen als Der Sturm (auf Basis des gleichnamigen Buchs von Sebastian Junger) verfilmt.
  • In der Neujahrsnacht 1995 meldete die automatische Wellenmessanlage der norwegischen Ölbohrplattform Draupner-E in der Nordsee in einem Sturm mit 12 m hohen Wellen eine einzelne Welle mit 26 m Höhe. Damit war bewiesen, dass es Monsterwellen gibt, und in den folgenden Jahren wurden Berichte und Forschungen ausgewertet.
  • Am 11. September 1995 wurde der britische Luxusliner Queen Elizabeth 2 auf dem Weg von Cherbourg nach New York über der Neufundlandbank von Riesenwellen getroffen. Nach Aussagen der Besatzung, die von den Daten einer kanadischen Wetterboje gestützt werden, handelte es sich hierbei um ein „Drei-Schwestern“-Phänomen mit Wellenhöhen von 28 bis 29 Metern (nach anderen Berichten hatte eine Welle eine Höhe von 33 m) und einer Periode von 13 Sekunden. Kapitän Ronald Warwick beschrieb sie als „riesige Wasserwand… Es sah aus, als würden wir direkt in die weißen Klippen von Dover steuern.“[11]
  • In der Nähe der Insel Rockall, 250 Kilometer westlich von Schottland, hat das Forschungsschiff RRS Discovery (nicht zu verwechseln mit einem wesentlich älteren Forschungsschiff desselben Namens) am 8. Februar 2000 bis zu 29,10 Meter hohe Wellen dokumentiert. Diese Wellen traten außerdem in Gruppen auf; zuvor hatte man angenommen, dass Monsterwellen nur einzeln auftreten.
  • Im Südatlantik vor Argentinien wurden den Kreuzfahrtschiffen Bremen (am 22. Februar 2001) und Caledonian Star (am 2. März 2001) durch 35 Meter hohe Wellen jeweils die Brücken zerstört; sie entgingen nur knapp dem Untergang. Goran Persson, der erste Offizier der Caledonian Star beschrieb die Welle als „…Berg, wie eine Mauer aus Wasser.“[12] Die Bremen trieb daraufhin zwei Stunden lang manövrierunfähig auf offener See.[13] Dieses Seegebiet hat keine nennenswerte Meeresströmung, also war die gefundene Theorie nicht ausreichend. Zudem war bewiesen, dass sich Monsterwellen nicht auf bestimmte Gebiete beschränken.
  • Am 16. April 2005 wurde die Norwegian Dawn, ein 2200 Passagiere fassendes Kreuzfahrtschiff, auf der Rückreise von den Bahamas nach New York von einer sehr großen Welle getroffen. Diese Welle soll etwa 21 Meter hoch gewesen sein. Sie zerschlug Fenster, riss Whirlpools über Bord und überflutete 62 Kabinen. Vier Passagiere erlitten leichte Verletzungen.
  • Am 23. Juni 2008 wurde der japanische Fischkutter Suwa Maru No. 58 im Kuroshio-Strom östlich von Japan von einer Monsterwelle versenkt. Nur drei Fischer überlebten. Wissenschaftler analysierten im Nachhinein diesen Vorfall genauer und stellten fest, dass es sich um eine Monsterwelle gehandelt haben muss. Diese Erkenntnisse decken sich mit den Aussagen der Überlebenden.[14]

Monsterwellen in der Optik[Bearbeiten]

Das plötzliche Auftreten von extremen Wellenausreißern (Rogue Waves oder Freak Waves) aufgrund nichtlinearer Wechselwirkung wurde 2007 auch in der Glasfaseroptik nachgewiesen, also einem ganz anderen Bereich von Wellenphänomenen (D. Solli u.a. , University of California, Los Angeles)[15][16][17]. Bei Anregung mit relativ schwachen Pulsen roten Lichts wurde bisweilen ein Übergang ins Superkontinuum (weißes Licht mit breitem Wellenlängenspektrum) beobachtet, wie er sonst in der nichtlinearen Optik nur nach Anregung mit Pulsen hoher Intensität auftrat. Man erhofft sich bei allen Unterschieden aus dem Studium von Monsterwellen in der Optik auch Rückschlüsse auf das Phänomen bei Wasserwellen.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Fiktionale Texte[Bearbeiten]

  • Paul Gallico: Der Untergang der Poseidon (The Poseidon Adventure), Roman, 1969

Nonfiktionale Texte[Bearbeiten]

  • Susan Casey: Monsterwellen. Auf der Suche nach der Urgewalt des Meeres. München 2011 (Dt. Fassung) ISBN 978-3-426-27461-3
  • Stefan Krücken, Achim Multhaupt:Orkanfahrt - 25 Kapitäne erzählen ihre besten Geschichten 2007 Ankerherz Verlag ISBN 978-3-940138-00-2
  • Lars Schmitz-Eggen: Monsterwellen – Wenn Schiffe spurlos verschwinden (Das Rätsel um die Freak Waves), Edition Walfisch Verlagsgesellschaft mbH, 2005, ISBN 978-3-938737-12-5

Artikel in Zeitungen und Zeitschriften bzw. deren Webpräsenz[Bearbeiten]

Film und Fernsehen[Bearbeiten]

Filme[Bearbeiten]

Dokumentationen[Bearbeiten]

Quellen und Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. „Report of Ronald Warwick, Captain of the Queen Elizabeth 2“ – Reportage im Englischen Fernsehen auf BBC Two (14. November 2002)
  2. „Kaventsmann, weiße Wand und drei Schwestern“ – Reportage im Deutschlandfunk (29. Dezember 2002)
  3. „Der Ursprung der Monsterwellen“ in Wissenschaft aktuell (24. September 2009). Der Artikel bezieht sich auf Forschungen an der Universität Marburg: Höhmann, Kuhl, Stöckmann, Heller, Kaplan, Freak waves in the linear regime: a microwave study, Physical Review Letters, Band 104, 2010, 093901, Online, pdf
  4. Beschreibung der Entstehungsmöglichkeiten von Monsterwellen – der Artikel umfasst verschiedene Theorien sowie Literaturverweise (englisch)
  5. „Albtraum Monsterwellen – es gibt sie…“ im Hamburger Abendblatt (28. Juli 2004)
  6. T. T. Janssen, T. H. C. Herbers: Nonlinear Wave Statistics in a Focal Zone. In: Journal of Physical Oceanography, Volume 39, Issue 8 (August 2009) pp. 1948-1964. Zitiert nach news.orf.at vom 23. August 2009.
  7. The New York Times vom 26. September 1901, S. 16
  8. The New York Times vom 15. Februar 1909, S. 1
  9. Craig B. Smith: Extreme waves. National Academies Press, 2006. ISBN 0309100623. S. 212.
  10. Ultima Hora vom 21. September 1973, Seite 3 (Tageszeitung in Palma de Mallorca)
  11. zum MaxWave-Projekt der ESA
  12. „Die Monsterwellen auf dem Meer – Schiffe in Seenot“ in der Phoenix Dokumentation im Jahr 2004 von Zoe Heron
  13. „Riesenwelle überspült die 'Bremen' “ im Hamburger Abendblatt (28. Juli 2004)
  14. https://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,604544,00.html, Spiegel-Online-Artikel vom 3. Februar 2009
  15. Monsterwellen in Glasfasern, Physik Journal Online, 2007
  16. D. R. Solli, C. Ropers, P. Koonath, B. Jalali: Optical rogue waves, Nature 450, 1054 (2007)
  17. Dong-Il Yeom, Benjamin J. Eggleton, Rogue waves surface in light, Nature 450, 953 (2007)
  18. BBC Dokumentation Freak Waves vom 14. November 2002 auf spiegel.tv

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Monsterwellen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien