Palermo Shooting
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| Filmdaten | |
|---|---|
| Deutscher Titel: | Palermo Shooting |
| Originaltitel: | Palermo Shooting |
| Produktionsland: | Deutschland, Italien |
| Erscheinungsjahr: | 2008 |
| Länge: | 108[1] Minuten |
| Originalsprache: | Englisch Deutsch Italienisch |
| Altersfreigabe: | FSK 12[1] |
| Stab | |
| Regie: | Wim Wenders |
| Drehbuch: | Norman Ohler, Wim Wenders |
| Produktion: | Gian-Piero Ringel |
| Musik: | Irmin Schmidt |
| Kamera: | Franz Lustig |
| Schnitt: | Peter Przygodda, Oli Weiss, Mirko Scheel |
| Besetzung | |
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Palermo Shooting ist ein Spielfilm des deutschen Regisseurs Wim Wenders aus dem Jahr 2008. Die Weltpremiere war am 24. Mai 2008 auf den 61. Filmfestspielen von Cannes, wo die Produktion im Wettbewerb um die Goldene Palme vertreten war, jedoch unprämiert blieb. Der deutsche Kinostart war am 20. November 2008.
Wim Wenders erzählt in seinem Psychodrama die Geschichte eines Fotografen, der beruflich und finanziell alles erreicht hat, jedoch vor Lebensangst und Unruhe den Zugang zur Realität verloren hat. Auf der Suche nach dem Sinn des Lebens, begibt er sich nach Palermo, wo er durch die Begegnung mit dem Tod zum Leben zurückfindet.
Inhaltsverzeichnis |
[Bearbeiten] Handlung
Finn ist ein international erfolgreicher Fotograf. Er hat ein großräumiges Atelier in einem Gebäude im Düsseldorfer Medienhafen gemietet. Mehrere Angestellte arbeiten für ihn, organisieren seine Ausstellungen und folgen seinen Anweisungen bei der digitalen Bildbearbeitung seiner Fotografien. Ein Manager und ein Berater koordinieren seine Termine. Demnächst sollen seine Bilder in einem Museum in São Paulo ausgestellt werden, das ein gesamtes Stockwerk dafür zur Verfügung stellt.
Prof. Finn Gilbert doziert zudem an der Kunstakademie. Mit einer Studentin streitet er sich heftig, weil Finn der Meinung ist, Fotografien bekämen erst dann eine Aussage, wenn man sie digital bearbeitet. Hinter einer reinen Ablichtung würde sich nichts verbergen, da die Dinge nur Oberfläche wären.
Finn trägt sein PDA, Mobiltelefon, Digitalkamera und MP3-Player in einem, ständig mit sich herum und hört Musik, wann immer es ihm möglich ist. Zusätzlich trägt er ständig eine Kamera bei sich und „schießt“ damit auf alles in seiner Umgebung.
Seine Exfrau hält sich nicht an die Vereinbarungen nach der Trennung und bewohnt weiterhin sein Haus. Deshalb verbringt Finn die meisten Nächte im Atelier, auf Partys oder im Büro des Managers. Finn kommt nicht zur Ruhe. Schlaf hält er für verlorene Zeit. Er verstrickt sich in Gedanken, träumt viel über die schwindende Zeit und den Tod, vor allem weil seine Mutter, an der er sehr hing, vor kurzem verstarb. Die Angst vor dem Wasser, die seine Mutter ihm als Kind übertragen hat, ist für Finn ebenfalls zum Problem geworden. Er will schwimmen lernen, doch der Einzelunterricht bei einer Trainerin im angemieteten Freibad zeigt wenig Erfolg.
Obwohl seine Berater der Ansicht sind, er würde seine Glaubwürdigkeit in der Kunstszene damit gefährden, findet Finn immer wieder Gefallen an kommerzieller Modefotografie. Nach einem hektischen Modeshooting mit einem großen Team im Düsseldorfer Hafen begutachtet er zusammen mit Milla die Aufnahmen. Sie zeigen das hochschwangere Starmodell, extravagant gekleidet und gestylt, in Mitten von Stahlwerkern und Modells. Milla findet die Aufnahmen zwar ausgefallen und verrückt, ist jedoch damit nicht zufrieden. Sie wünscht sich Fotos, auf denen man erkennt, dass Leben in ihr wächst, und schlägt ein weiteres Shooting vor, an einem „authentischen realen Ort“.
Nach einem Abend im „Club 3001“ und Sex mit Anke im Büro des Managers fährt Finn in seinem Austin-Healey über eine Rheinbrücke zurück zum Atelier. Er hört Musik über Ohrhörer und hält die Kamera für eine Panoramaaufnahme aus dem Dach des Cabriolets, als ihm ein Geisterfahrer entgegen kommt. In letzter Sekunde kann er ausweichen und schießt spontan ein Foto vom Gesicht des Mannes, der ihm vom Rücksitz des vorbeiziehenden Fahrzeuges aus anblickt. Von den Ereignissen geschockt, parkt er sein Auto etwas später am Straßenrand, nimmt seine Tasche und sucht die nächste Kneipe auf. Ständig in Gedanken die Bilder eines tragisch endenden Unfalls vor sich, wählt Finn in der Musikbox den Titel Some Kinda Love von The Velvet Underground. Daraufhin sieht er in Gedanken Lou Reed vor sich stehen, der ihm den Text vorspricht und ihn fragt, vor was er sich am meisten fürchte und ob das der Tod sei.
Finn geht weiter durch die nächtlichen Straßen und Parks von Düsseldorf, immer an den Tod denkend. Er geht im Traum an Grabkammern vorbei, in denen halbverweste Leichen liegen, seine Mutter auf dem Rücken tragend, die ihm die Augen zuhält. Mit dem Gedanken „Wie merkt man, dass man tot ist, wenn man nicht mehr träumt, oder nur noch träumt?“ wacht er im Morgengrauen in einem Baum in den Rheinauen auf. Unter ihm weidet eine Herde von Schafen. Sie wird gehütet von einem mit dunklem Anzug, Hut und Gamaschen bekleideten Banker, der den Schäfer-Job „gemietet“ hat, um sich die Zeit zu vertreiben, während er mittels seines Handys die Börse beobachtet. Mit dem Banker vertieft sich Finn in ein Gespräch über die Geschwindigkeit der Zeit. Dabei fährt auf dem Rhein ein Frachtschiff mit dem Namen „Palermo“ vorbei. Der Name kommt vom griechischen „Panormos“ und bedeutet „aller Hafen“, wie ihm der Banker erklärt.
Am nächsten Tag, schaut sich Finn Bilder von Palermo an, wo er noch nie gewesen ist, ordert kurzfristig den Privatjet eines Bekannten und fliegt mit einer Hand voll Mitarbeitern und Milla in die sizilianische Stadt. In einer Altbauwohnung macht er künstlerische Aktfotos der schwangeren Frau. Anschließend verabschiedet er sich von Milla und ordnet seinem Team an, alles abzubauen und nach Hause zu fliegen. Er selbst bleibt in Palermo und geht zunächst durch die Altstadt, dabei hört er Musik.
Am Quattro Canti stöpselt er die Ohrknöpfe aus, sieht auf sein Handy und liest: „23 Anrufe in Abwesenheit“ und denkt: „Wann war ich zuletzt anwesend, so richtig da?“ und nickt am Brunnen vor dem Castellamare ein. Erneut träumt er von einem Mann im langen grauen Kapuzenmantel, der ihn auslacht, weil Finn nicht fähig ist, nach seiner Kamera zu greifen. Vom plötzlichen hektischen Straßenlärm und einem Martinshorn schreckt Finn auf. Eine Frau spricht ihn an und zeigt aufgeregt auf ein Fenster im obersten Stock des gegenüberliegenden Palastes. Finn hält spontan seine Handykamera darauf und schießt ein Foto. Danach verfehlt ihn nur knapp ein Pfeil, der am Brunnen abprallt, danach jedoch verschwunden ist. Wieder im Hotel, wird Finn weiterhin von seinen Träumen geplagt, er besäuft sich, weint und denkt: „Es ist ein Scheißgefühl, wenn alles aus dem Leim geht.“
Auch am nächsten Tag, als er am Cortile della Morte eine Gestalt im Lodenumhang sieht und die Kamera auf sie hält, verfehlt ihn wieder knapp ein Pfeil. Kurz darauf begegnet er der in Palermo lebende Fotografin Letizia Battaglia, die ihm erzählt, dass es in Palermo viele Tote gibt, die sie fotografiert, um „sie zu ehren, an sie zu erinnern, damit sie nicht in Vergessenheit geraten“. Wenig später, als Finn auf dem Dach eines Hauses über der Stadt die Kamera auf einen über ihm kreisenden Greifvogel hält, wird er erneut beschossen. Diesmal trifft ein Pfeil seine Kamera, die im hohen Bogen durch die Luft fliegt, auf dem Boden landet und danach defekt ist. Der Pfeil löst sich in Luft auf, hat jedoch an der Kamera eine Delle hinterlassen.
Finn begegnet in der Altstadt der attraktiven Flavia, die mit einer roten Vespa unterwegs ist und ihn zeichnet, als er auf einer Bank liegend einschlafen ist. Wenig später sieht Finn ihr Fahrzeug am Hintereingang des Abatellis stehen, betritt das Museum und bittet sie um Hilfe. Flavia fährt mit Finn zum Hafen. Dort erzählt er ihr von dem „Irren im grauen Mantel“, der ihn scheinbar verfolgt. Plötzlich entdeckt er den mysteriösen Bogenschützen auf einem Baukran, wird im selben Moment an der linken Schulter getroffen und stürzt rückwärts ins Hafenbecken. Finn geht unter und mit ihm seine Kamera. Fast ist es für Finn zu Ende, denn er kann nicht schwimmen, aber Flavia leistet erste Hilfe und kann ihn ins Leben zürückholen. Die herbeieilenden Sanitäter halten Finn für einen Simulanten, als er ihnen von dem Schützen erzählt, zumal sie keine Wunde und kein Blut erkennen können.
Flavia nimmt Finn mit in ihre kleine Altbauwohnung neben dem Museum, gibt ihm trockene Kleider, die dem Maler gehörten, der einmal in der Wohnung gelebt hat und bietet Finn an, die Waschmaschine zu benutzen. Sie händigt ihm einen zweiten Wohnungsschlüssel aus und gibt ihm sein PDA zurück, das Finn vor dem Sturz ins Wasser verloren hat.
Flavia arbeitet seit zwei Jahren als Restauratorin am Fresko Il Trionfo della Morte (Der Triumph des Todes) im Museum des Palazzo Abatellis. Sie sieht Parallelen zu Finns Geschichte und den Pfeilen, die Bestandteil der Wandmalerei sind. Es sind seltsam durchsichtige Pfeile, die der Tod verschießt und die keine blutenden Wunden hinterlassen. Ihr größtes Problem, bei der Restauration dieses Freskos, bei dem das Gesicht des Reiters kaum erhalten blieb: „Was mache ich mit seinem Gesicht? Was hat der Tod für ein Gesicht.“
Beim Abendessen in Flavias Wohnung erzählt ihr Finn, dass er bis vor kurzem nur an Dinge geglaubt hätte, die er sehen kann, aber langsam beginne er zu zweifeln. Flavia hingegen sagt ihm, dass sie eigentlich nur an Dinge glaubt, die sie nicht sehen kann: „Gott, die Liebe und das Leben.“ Finn würde sie an ihren Freund erinnern, der während seiner Arbeit als Restaurator vom Dach fiel und verstarb. Seinen Tod könne sie bis heute nicht begreifen. Als sie Finn zum ersten Mal sah, hatte sie Angst, er würde lediglich in ihrer Einbildung existieren. Bevor Flavia in dieser Nacht das Licht ausmacht, sie liegen in getrennten Betten, sagt sie: „Es ist schön, die Nacht mit dir zu verbringen.“ Finn steht in der Nacht auf und geht erneut durch die Altstadt. Ohne Kopfhörer nimmt er das Leben wahr. Als die Marktstände öffnen, kauft er Obst, entspannt redet er mit den Händlern und spielt mit den Kindern Fußball in den Gassen.
Wieder zurück in Flavias Wohnung vergrößert Finn das Foto von seinem PDA am Rechner, das er am Quattro Canti mit dem Handy geschossen hat. Der Bogenschütze ist darauf in einem geöffneten Fenster im obersten Stock des Palazzo Monte di Pietà deutlich zu sehen, das Gesicht jedoch sehr unscharf aufgenommen. Finn kehrt darauf zum Quattro Canti zurück, um sich dort nochmals umzusehen. Von einem der Brunnen aus betrachtet er den Palast Monte di Pietà. In seinen Gedanken verfolgt er sich selbst auf dem Weg durch das Gebäude, sieht sich selbst als den Schützen, dessen Pfeil den am Brunnen sitzenden Finn direkt in den Kehlkopf trifft. Finn schreckt auf, eilt in das Gebäude, als Flavia auftaucht. Sie hält es für zu gefährlich, im Palast weiter nach dem Unbekannten zu suchen und überredet Finn die Stadt zu verlassen, um ihm einen ganz besonderen Ort zu zeigen.
Mit der Vespa fahren die beiden nach Gangi, wo Flavia eine glückliche Kindheit bei der Großmutter verbracht hat. Seit diese gestorben ist, war Flavia nicht mehr in dem Haus, das sie geerbt hat. Flavia will deshalb nunächst alleine in den Ort fahren und lässt Finn auf einem Hügel über der Ortschaft Gangi zurück. Erst in der Dämmerung zeigt sie Finn das Haus, in dem ihre Großmutter bis zuletzt als Ärztin gearbeitet hat. Der Strom ist abgeschaltet, es gibt nur eine Gaslaterne. Bald sitzen die beiden händchenhaltend im Bett. Flavia hat „Angst vor Eros und seinen Pfeilen“, sie geben sich einen freundschaftlichen Kuss, dann schläft sie ein.
Finn kann nicht schlafen, sondern steigt mit der Laterne in der Hand die Kellertreppe hinunter, öffnet eine Türe und befindet sich auf der Empore eines riesigen Archivs. Gegenüber steht ihm der Mann mit dem grauen Mantel, dessen Gesicht vom Licht der Gaslaterne hell angestrahlt wird. Er heißt Finn herzlich willkommen und sagt: „Hast aber lange gebraucht. Gut, dass du endlich den Eingang gefunden hast.“ Finns Frage, warum er auf ihn geschossen hätte, beantwortet er mit: „Wer hat zuerst geschossen? Es darf kein Bild von mir geben.“ Sein Name sei der Tod, Freund, Begleiter oder Wächter der Zeit. „Der Tod ist ein Pfeil aus der Zukunft, der auf dich zufliegt,“ sagt er und fragt Finn, warum er denn solche Angst hätte. Sein Name würde sehr bald in das Buch des Todes eingetragen werden.
Finn versucht zu flüchten, rennt die nicht endende Wendeltreppe hinunter, sein Hilfeschrei hallt durch den gigantischen Raum, den unendlich hohe Säulen stützen. Doch es nützt ihm nichts. Bald darauf steht die Gestalt des Todes wieder vor ihm und klärt ihn auf: „Hier gibt es keinen Ausweg, ich bin der Ausweg. Hier kann dich niemand hören, weit und breit nur du und ich, und ich bin in dir drin.“
Der Tod klagt über die viele Arbeit, die er habe: Aids, Kriege, Armut, Katastrophen, er komme nicht mehr nach. Er klagt zudem über das schlechte Bild, das die Menschen von ihm haben, obwohl er die Verbindungstüre sei und keine Sackgasse. Kein Mensch sei glücklich, bis er nicht tot sei. Da fragt ihn Finn: „Kann ich irgendwas für Sie tun?“ Davon ist der Tod beeindruckt, denn das hätte ihn zuvor nie jemand gefragt. Der Tod umarmt Finn väterlich und sagt: „Du konntest mir zeigen, dass du mich verstehst.“ Finn fragt zweifelnd: „Sie lassen mich gehen?“
Der Tod gibt Finn seine Kamera zurück, er solle ihn den Menschen so zeigen, dass sie ihn erkennen können. Der Tod lächelt, hell erleuchtet in die Kamera und Finn drückt ab. Das Gesicht des glatzköpfigen alten Mannes verwandelt sich während der Aufnahme in das Gesicht von Finns Mutter.
In der Schlussszene wacht Finn im Bett neben Flavia auf, betrachtet ihr hübsches Gesicht und lächelt zufrieden.
[Bearbeiten] Musik
Die Musik spielt in Palermo Shooting eine wichtige Rolle. Laut Wim Wenders,
„[…] lag die Musik von Anfang an allen Überlegungen zugrunde, sie war schon da, bevor es überhaupt ein Drehbuch gab. Sie war letztlich der Grund, weshalb ich diese Figur des Fotografen Finn und diese Geschichte überhaupt erfinden wollte.“
[Bearbeiten] Titelliste
- Dream (Song for Finn), Grinderman
- Busy Hope, Get Well Soon
- The Rip, Portishead
- Flavias Thema, Irmin Schmidt
- Freedom Hangs Like Heaven, Iron & Wine
- It′s a Departure, John Roderick
- The Black Light, Calexico
- Some Kinda Love, The Velvet Underground
- Beds in the East, Thom
- Trompete 2 Fresco, Irmin Schmidt
- Postcards From Italy, Beirut
- Quello Che Non Ho, Fabrizio De André
- We all Lose one Another, Jason Collet
- Torn and Brayed, Bonnie „Prince“ Billy & Matt Sweeney
- My Impropriety, Monta
- Let us Know, Sibylle Baier
- Cello 1, bei Flavia, Irmin Schmidt
- Quannu Moru, Rosa Balistreri
- Song for Frank, Grinderman
- Mysteries, Beth Gibbons
- Good Friday, Get Well Soon[2]
[Bearbeiten] Schauplätze
Wim Wenders ist in Düsseldorf aufgewachsen und zur Schule gegangen. Dennoch ist Palermo Shooting der erste Spielfilm, den Wenders zu einem großen Teil an Originalschauplätzen in Düsseldorf aufgenommen hat.
Drehort für die Aufnahmen von Finns Werkstatt und seines Streitgespräches mit der Studentin war die Zeche Zollverein in Essen, die heute als „Design Zentrum Nordrhein-Westfalen“ genutzt wird. Die Kneipenszene entstand im Neusser „Schwatte Päd“, dem ältesten Gasthaus am Niederrhein.
Auf Sizilien war neben der Stadt Palermo die tausend Meter hohe Ortschaft Gangi Schauplatz für das Ende des Films.
[Bearbeiten] Darsteller
Für die Rolle des Finn hatte sich Wenders für Campino, den Frontmann von Die Toten Hosen entschieden. Wenders hatte für die Band das Musikvideo zum Song Warum werde ich nicht satt vom Album Unsterblich gedreht. Der Text des Songs, der aus Campinos Feder stammt, weist Parallelen zur Figur des Finn auf.
Für die Rolle der Flavia hatte Wenders eine Frau gesucht, die wie die Madonna Annunziata (Maria der Verkündigung) auf dem Gemälde von Antonello da Messina aussieht. Seine Wahl fiel auf Giovanna Mezzogiorno.
Hollywoodstar Dennis Hopper, der den Tod in Person spielt, hat mit Wenders bereit 1977 in Der amerikanische Freund zusammengearbeitet.
Sebastian Blomberg spielt Finns Manager, Inga Busch seine Schwimmlehrerin, Jana Pallaske eine Filmstudentin und Udo Samel den schafehütenden Banker.
In Gastrollen sind Lou Reed, Milla Jovovich und Letizia Battaglia zu sehen. Als Statisten treten zudem die Bandmitglieder von „Die Toten Hosen“, Andreas von Holst, Andreas Meurer, Michael Breitkopf und Vom Ritchie sowie deren Manager Jochen Hülder und der Fotograf Peter Lindbergh in Erscheinung.
[Bearbeiten] Gekürzte Szenen
Die erste Fassung von Palermo Shooting war erst kurz vor der Premiere in Cannes fertig und 126 Minuten lang. Ein paar Wochen später führte das Team um Wim Wenders den Film nochmals in Köln vor 250 Leuten als Test vor. Danach kürzte Wenders den Film um 18 Minuten.
Ein Gespräch mit einem Obdachlosen, gespielt von Wolfgang Michael, der sich eigens dafür das Düsseldorfer Platt angeeignet hatte, enthielt zu viele Redundanzen zur anschließenden Kneipenszene mit Lou Reed. Den größten Teil der Kürzung betraf jedoch die Mitte des Films, in der Finn in der Altstadt von Palermo dem ehemaligen Bürgermeister Leoluca Orlando begegnet, der mit seinen philosophischen Worten über die Seele seiner Stadt die Aussage des Films vorneweg nimmt. Desweiteren wurden Einspielungen eines Cellokonzerts von Giovanni Sollima im Palazzo Butera, eine Partyszene und die Vorführung des Songs Ghost Dance bei einem Livekonzert von Patti Smith gestrichen.
[Bearbeiten] Kritiken
„In Palermo Shooting ist Wim Wenders ganz bei sich, so selbstverständlich wie schon lange nicht mehr. […] Es ist die Begegnung mit dem Tod, die die typische Wenders-Bewegung in Gang setzt: weg von den Oberflächenbildern, hin zu den Bildern, die berühren und ein Dahinter suchen.“
„Tatsächlich ist Wenders' Reflexion über Schein und Sein, über Leben und Tod sehr prätentiös geraten, die gestelzten Dialogsätze und schlaksigen Bewegungen des Hauptdarstellers passen nicht so recht zusammen.“
„Nach der Premiere von Palermo Shooting in Cannes schrieb eine Kritikerin, viele Sätze im Film seien derart pathetisch verschwurbelt, „dass man selbst im dunklen Kino die Augen senken möchte“. Das ist auch deshalb leicht ungerecht, weil schon Goethe auf seiner italienischen Reise ziemlich aus dem Häuschen geriet, als er durch Palermo strollte. Und so sollte man an diesem Wenders-Film gerade die Schamlosigkeit und den Mut lieben, mit denen sich der Regisseur in seine Fragen nach Lebenssinn und Sterbenmüssen verbohrt.“
„Reflexionen über den Verlust der Unschuld der Fotografie im Zeitalter digitaler Manipulierbarkeit werden mit der Story verwoben. Leider überlässt Wenders wenig der Fantasie … Alles wird doppelt und dreifach bebildert und erklärt. Am Ende bleibt der unaufgelöste Widerspruch, dass Finn seine Seele an die digitale Bildbearbeitung verlor, diese aber vom Regisseur selber mit großem Tamtam eingesetzt wird.“
„Das ist mal wieder Wasser, ach was: ein reißender Strom auf die Mühlen all derer, die Wim Wenders seit Jahr und Tag ankreiden, er könne keine Geschichten erzählen und könne seine verkanteten und bedeutungsschwangeren Bilder nur dann mit Leben füllen, wenn er einen ordentlichen Song auf dem Soundtrack habe, der den Rhythmus vorgibt. So gesehen, ist Palermo Shooting so Wenders, dass es weh tut, ein Rubik’s Cube um einen Glamour-Fotografen, der den Glamour so sehr verabscheut, dass er seinen Job nicht mehr guten Gewissens ausfüllen kann.“
„„Palermo Shooting“ ist in jeder Hinsicht Seniorenkino: Alte Autos, alte Kameras, alte Häuser, alte Männer, und auch Wenders' Bilder sehen alle mindestens 30 Jahre alt aus. Ein Quasselfilm, dessen erbärmliche Dialogqualität den Zuschauer von Anfang an quält.“
[Bearbeiten] Auszeichnungen
Die Cutter Peter Przygodda, Mirko Scheel und Oli Weiss erhielten 2009 eine Nominierung für den Deutschen Filmpreis.[8]
[Bearbeiten] Quellen
DVD Palermo Shooting mit Begleitinformationen über die Dreharbeiten, einer PDF-Datei und dem Dokumentarfilm Shooting Palermo von Hella Wenders. 88697 38267 9.
[Bearbeiten] Einzelnachweise
- ↑ a b Freigabekarte der SPIO
- ↑ Palermo Shooting (Soundtrack), City Slang (Universal), 2008, ASIN: B001H7M2T2.
- ↑ Süddeutsche Zeitung vom 19. November 2008 – Feuilleton – Seite 11 – „Der Tod lässt mit sich reden“.
- ↑ a b Zusammenstellung von Presse-Reaktionen auf film-zeit.de
- ↑ Spiegel online [1]
- ↑ musikexpress, Ausgabe Dezember 2008, Seite 94.
- ↑ Suchsland, Rüdiger. „Buhs und Gelächter für Wim Wenders“. 24. Mai 2008. Telepolis.de.
- ↑ vgl. Deutscher Filmpreis: Die Nominierungen im Überblick bei welt.de, 13. März 2009
[Bearbeiten] Weblinks
- Offizielle Filmseite
- Palermo Shooting in der deutschen und englischen Version der Internet Movie Database
- Filmprofil auf der offiziellen Webpräsenz der Filmfestspiele von Cannes (englisch)
- Interview mit Wim Wenders zu Palermo Shooting auf den Filmfestspielen Cannes 2008 – arte
- Constantin Magnis: „Das Glaubensbekenntnis des Wim Wenders“, Cicero, 19. Dezember 2008
Die Angst des Tormanns beim Elfmeter | Alice in den Städten | Falsche Bewegung | Im Lauf der Zeit | Der amerikanische Freund | Hammett | Paris, Texas | Der Himmel über Berlin | Bis ans Ende der Welt | In weiter Ferne, so nah! | Die Gebrüder Skladanowsky | Am Ende der Gewalt | Buena Vista Social Club | The Million Dollar Hotel | Land of Plenty | Don’t Come Knocking | Palermo Shooting

