Thriller

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Psychothriller ist eine Weiterleitung auf diesen Artikel. Zum E-Books-Verlag siehe Psychothriller (Verlag).
Dieser Artikel behandelt das Roman- und Filmgenre. Zu weiteren Bedeutungen siehe Thriller (Begriffsklärung).

Der Thriller [ˈθɹɪlə] (Lehnwort aus engl. the thrill = der Schauer, das Durchschauern, die Erregung, die Sensation, das spannende Erlebnis)[1] ist sowohl ein Roman- als auch ein Filmgenre mit verschiedenen, sich teilweise überlappenden Subgenres. Charakteristisch für Thriller ist das Erzeugen eines Thrills, einer Spannung, die nicht nur in kurzen Passagen, sondern während des gesamten Handlungsverlaufs präsent ist, ein beständiges Spiel zwischen Anspannung und Erleichterung.[2] Häufig anzutreffen sind weitläufige Spannungsbögen, Cliffhanger und Red Herrings.

Charakteristika[Bearbeiten]

Thriller überschneiden sich mit dem Mystery-Genre sowie dem Kriminalroman oder -film, unterscheiden sich hiervon jedoch aufgrund ihrer Handlungen und Spannungskurven. In Thrillern muss sich der Held meist gegen moralische, seelische oder physische Gewalteinwirkung durch seinen Gegenspieler behaupten, während dies in Kriminalgeschichten weniger der Fall ist. Auch ist im Kriminalroman meist die Aufklärung des Verbrechens der Höhepunkt, während im Thriller erst der darauf folgende, oft sehr knappe, aber endgültige Sieg über den Widersacher den Höhepunkt darstellt, mit dem der Held sich selbst und womöglich auch andere rettet. In Thrillern, die durch Film noir oder Tragödien beeinflusst wurden, stirbt der Held oft auch beim Besiegen seines Gegners.

Normalerweise wird in Thrillern viel Wert auf die Beschreibung der Handlung gelegt. Werden hingegen die Figuren und deren Psyche ebenso stark oder gar stärker betont, spricht man von einem Psychothriller. Meist ist hier ein emotionaler Konflikt zwischen mehreren Personen oder auch ein Konflikt innerhalb einer Person Thema, beispielsweise aufgrund früherer Erlebnisse. Typische Merkmale von Psychothrillern sind der Einsatz der Bewusstseinsstromtechnik, ein Erzähler oder die ausgedehnte Thematisierung einer Vorgeschichte.

Bekannte Vertreter des Thrillergenres sind Alfred Hitchcock mit Filmen wie Psycho oder die Autoren Tom Clancy, Patricia Highsmith, Matthew Reilly, Ken Follett sowie Dan Brown mit Illuminati und Sakrileg, das Autorengespann Douglas Preston & Lincoln Child, Scott McBain sowie Eric Ambler, der als einer der Mitbegründer des Genres gilt. Auch die Fernsehserien 24 und Lost gehören dem Thrillergenre an.

Subgenres im Film[Bearbeiten]

Psychothriller[Bearbeiten]

Im Psychothriller ist der Konflikt, der sich zwischen den Hauptfiguren entfaltet, eher geistig oder emotional als physisch. In vielen Psychothrillern ist das zentrale Thema des Films die Wahrnehmung der Hauptfigur, die z. B. zu entdecken versucht, was Wahrheit und was Täuschung ist.

Eines von vielen klassischen Motiven im Psychothriller ist die Intrige, die ein Täter spinnt, um eine reiche, aber einsame und psychisch labile Frau, die ihm vertraut, in den Wahnsinn oder in den Selbstmord zu treiben, weil er dadurch an ihr Vermögen zu gelangen hofft. Einschlägige Filmbeispiele sind Das Haus der Lady Alquist (1944), Ein Toter spielt Klavier (1961) und Wiegenlied für eine Leiche (1964). Eine ungewöhnliche Variation dieses Motivs bietet der Film Die Nacht der tausend Augen (1973), in dem sich das vermeintliche Opfer am Ende selbst als die Mörderin erweist. Eine weitere Variation bietet der Film Zeugin des Mordes (1954), in dem die Hauptfigur in den Wahnsinn getrieben werden soll, um als Zeugin eines Verbrechens unglaubwürdig zu werden.

In anderen Psychothrillern stehen die Wahrnehmung und die Gefühle einer Frau im Mittelpunkt, die fürchtet, dass eine Person, der sie bisher vertraut hat, ihren Tod plant. Als begründet erweist sich dieser Verdacht z. B. in den Filmen Du lebst noch 105 Minuten (1948), Getäuscht (1991) und Fear – Wenn Liebe Angst macht (1996). Gelegentlich stellt sich auch heraus, dass der Verdacht unbegründet war, z. B. in Verdacht (1941).

Politthriller[Bearbeiten]

Der Politthriller unterscheidet sich vom klassischen Thriller dadurch, dass sich die Handlung der Geschichte mit Verwicklungen auf staatlicher Ebene, mit terroristischen Anschlägen, Spionage oder kriminellen Machenschaften staatlicher Institutionen oder deren Vertretern beschäftigt. Dies geschieht durch Einarbeitung von fiktiven politischen Ereignissen, die in existierenden oder fiktiven Ländern stattfinden. Die dargestellten Ereignisse nehmen mitunter Bezug auf reale politische Ereignisse der Vergangenheit.

Das Filmgenre des Politthrillers hatte seine Blütezeit in den späten 1960er und den 1970er Jahren, vor allem in Frankreich und Italien. Hier gilt vor allem Costa Gavras mit den Filmen Z (1968), Der unsichtbare Aufstand (1972) und Vermißt (1982) als der Protagonist dieses Genres.[3] In Italien war es die Verknüpfung von Mafia und Politik, die zu Filmen wie Francesco Rosis Wer erschoss Salvatore G.? (1962) und Damiano Damianis Der Tag der Eule (1967) inspirierte. Als Klassiker gelten bereits Die drei Tage des Condor (1975) und I wie Ikarus, (1979). Aus jüngerer Zeit sind es JFK – Tatort Dallas (1991) und Thirteen Days (2000), sowie der vielfach ausgezeichnete Streifen Hotel Ruanda (2004).

Erotikthriller[Bearbeiten]

Siehe auch: Erotikfilm

Das Subgenre des Erotikthrillers etablierte sich nach dem weltweiten Erfolg von Eine verhängnisvolle Affäre (1987) und Basic Instinct (1992) mit Sharon Stone, woraufhin zahlreiche weitere Filme entstanden, darunter Sliver (1993), Die letzte Verführung (1994) und Jade (1995).[4] Nach dieser Welle entstanden zwar weitere Filme, wie z. B. In the Cut (2003) mit Meg Ryan, allerdings fanden diese ihre Verbreitung bereits eher über Video und DVD als das Kino. Gleichzeitig entstehen seitdem vermehrt billigere Filme, die von vornherein für die schnelle Vermarktung vorgesehen sind und einen größeren Fokus auf die Erotik selbst legen, wobei meist die sexuelle Emanzipation der Protagonistin im Vordergrund steht.[4]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Thriller – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Karl Breul: Cassell’s German and English Dictionary. London 1952. S. 593.
  2. Simon Ofenloch: Über den Thriller. ARTE, 16. Februar 2011, abgerufen am 23. Oktober 2013.
  3. Anand Parthasarathy: A nightmare revisited. In: The Hindu. 5. Mai 2006, abgerufen am 23. Oktober 2013 (englisch): „But if there is one cinematic master of the political thriller, that is surely the French filmmaker Constantin Costa-Gavras.“
  4. a b Marcus Stiglegger: Erotikthriller. In: Lexikon der Filmbegriffe. Hans J. Wulff und Theo Bender, abgerufen am 23. Oktober 2013.