Rammenau

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Wappen Deutschlandkarte
Die Gemeinde Rammenau führt kein Wappen
Rammenau
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Rammenau hervorgehoben
51.1514.133333333333296Koordinaten: 51° 9′ N, 14° 8′ O
Basisdaten
Bundesland: Sachsen
Landkreis: Bautzen
Verwaltungs-
gemeinschaft:
Bischofswerda
Höhe: 296 m ü. NHN
Fläche: 10,76 km²
Einwohner: 1414 (31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 131 Einwohner je km²
Postleitzahl: 01877
Vorwahl: 03594
Kfz-Kennzeichen: BZ, BIW, HY, KM
Gemeindeschlüssel: 14 6 25 510
Gemeindegliederung: 8 Ortsteile
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Hauptstraße 16
01877 Rammenau
Webpräsenz: www.rammenau.de
Bürgermeisterin: Hiltrud Snelinski (parteilos)
Lage der Gemeinde Rammenau im Landkreis Bautzen
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Rammenau (obersorbisch Ramnou bzw. Ramnow) ist ein Ort und die zugehörige Gemeinde im Landkreis Bautzen. Zusammen mit der Nachbarstadt Bischofswerda bildet Rammenau die Verwaltungsgemeinschaft Bischofswerda.

Bekannt ist das Dorf für seine weitläufige barocke Landschlossanlage, das Barockschloss Rammenau, sowie als Geburtsort des Philosophen Johann Gottlieb Fichte.

Geographie[Bearbeiten]

Geographische Lage[Bearbeiten]

Rammenau liegt etwa 4 km nordwestlich der Großen Kreisstadt Bischofswerda am Grunabach nahe der Bundesautobahn 4. Im bewaldeten nördlichen Gemeindeteil entspringt die Große Röder.

Gemeindegliederung[Bearbeiten]

Zur Gemeinde gehören neben dem Kernort mit

  • Kurzecke („Die kurzen Äcker“, Erschließung ab ca. 1150)
  • Aue (1810)

die folgenden Ortsteile:

  • Schaudorf (1769) mit
    • Niederschaudorf (1792)
  • Oberrammenau (1793)
  • Niederdorf mit
    • Beigut (1796)
    • Randsiedlung (1930)
  • Röderbrunn (1823)
  • Waldscheibe (1833)
  • Tanneberg (1835)
  • Siedlung (1925)

Nachbarorte[Bearbeiten]

Der Ort wird begrenzt von Burkau im Nordosten, Bischofswerda im Südosten, Frankenthal im Südwesten, Bretnig-Hauswalde im Westen sowie Ohorn und Elstra im Norden.

Geschichte[Bearbeiten]

Namensherkunft[Bearbeiten]

Der Ortsname leitet sich entweder von Ramm (Widder, Schafbock), Ramo bzw. Ramjen (Eigenname) oder einem Wort, welches so viel wie sumpfiges bzw. feuchtes Land bedeutet, ab.[2] Eine andere Deutung führt den Namen auf das altsorbische Wort rame(n) (Arm), im übertragenen Sinne also „Dorf am Wasserarm“, zurück.[3]

Geschichtliche Entwicklung[Bearbeiten]

Rammenau, ein Waldhufendorf, wurde gegen 1150 in sumpfigem Gelände von thüringisch-fränkischen Siedlern gegründet und 1213/1228 erstmals in der Oberlausitzer Grenzurkunde unter dem Namen Ramnou bzw. Ramnow als Herrensitz erwähnt. Es war westliches Grenzdorf des Sechsstädtebundes.

Rammenau gehörte bis zum 15. Jahrhundert zu den Besitzungen der Herren von Kamenz, 1395 wurde ein Rittergut aus einfachen Fachwerkbauten errichtet. Weitere Besitzerfamilien bis 1717 waren von Ponickau, von Staupitz und von Seydewitz. In Fronarbeit entstanden im frühen 17. Jahrhundert aus morastigen Erlenbrüchen mehrere Teiche im Ort.

Im Jahre 1642, während des Dreißigjährigen Krieges, wurden die Kirche und das Pfarrhaus durch plündernde schwedische Soldaten niedergebrannt, damit gingen unwiederbringliche historische Informationen in den Kirchenbüchern verloren. Nach schleppender Bauzeit wurde 1749 endlich die neue, heutige Kirche geweiht.

Nach dem Konkurs von Heinrich von Seydewitz erwarb Ferdinand von Knoch 1717 das alte Rittergut, ließ es abreißen und begann ab 1721 an derselben Stelle mit einem neuen Schlossbau. Auch von Knoch ereilte das Schicksal seines Vorgängers, so gelangten Rittergut und Schloss 1744 an die von Hoffmanns, welche versuchten, die Landwirtschaft als Einnahmequelle zu etablieren. Bis 1880 gehörte ihnen das Gut, unterbrochen durch den zwischenzeitlichen Besitz von 1794 bis 1820 durch den preußischen Rittmeister Friedrich von Kleist. Im 18. Jahrhundert, nach dem Siebenjährigen Krieg, wuchsen Weberei und Bevölkerung und brauchten Platz, die Herrschaft ihrerseits benötigte neue Untertanen und Steuergelder: Durch Bodenverkäufe sowie Rodungen wurden Siedler von auswärts angelockt und die für Rammenau charakteristische Aufspaltung in viele Ortsteile begann.

In diese Zeit von Leibeigenschaft und totaler Abhängigkeit von der Schlossherrschaft wurde der bekannteste Sohn des Ortes, der spätere Philosoph Johann Gottlieb Fichte, 1762 hineingeboren, konnte aber durch glückliche Umstände und die Förderung eines Verwandten des Gutsherren dieses Milieu verlassen und eine höhere Schulbildung erlangen.

Nach endgültiger Abschaffung der Frondienste 1835 waren weitere Schlossbesitzer die Familien von Posern sowie von Helldorff (bis 1945). Nun entwickelten sich auch hier Hausweberei, Wirtshäuser, Kramläden, Fleischereien und Bäckereien, begünstigt durch ein Gesetz über die Gewerbefreiheit. Mitte des 19. Jahrhunderts war Rammenau zu einem Weberdorf geworden, 1861 gab es 148 Leineweber und 3 Bandweber (neben 18 Bauern, 24 Landwirtschaften mit 86 Knechten und Mägden sowie 70 Tagelöhnern).

Die Schlossherrschaft verhinderte um 1900 die über Rammenau geplante Trassenführung der Bahnstrecke Kamenz–Bischofswerda, so ging die große industrielle Entwicklung an Rammenau vorbei und es blieb ein Dorf der kleinen Bauern, Landwirte, Hausweber, Maurer und Steinarbeiter. Auch nach dem Ende der Leineweberei nach dem Ersten Weltkrieg entstanden in wirtschaftlich schweren Zeiten noch zwei neue Siedlungen.

Politik[Bearbeiten]

Gemeinderat[Bearbeiten]

9 der 12 Sitze des Gemeinderates gingen bei den Kommunalwahlen am 25. Mai 2014 an Kandidaten der Initiative für Rammenau, die anderen 3 an Vereine für Rammenau. Die klassischen, sonst in der Region agierenden Parteien spielen in Rammenau keine Rolle.

Bürgermeister[Bearbeiten]

Bereits seit 1986 ist Hiltrud Snelinski (parteilos) Bürgermeisterin der Gemeinde. Seit 2001 übt sie diese Funktion ehrenamtlich aus.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Das Barockschloss Rammenau gilt als eines der schönsten barocken Landschlösser Sachsens. Es wurde von 1721 bis 1731 von Johann Christoph Knöffel errichtet und diente dem Botaniker und Entomologen Johann Centurius Graf von Hoffmannsegg als Alterssitz. Hinter dem Schloss befindet sich der fünf Hektar große, in einen Englischen Landschaftsgarten umgestaltete Schlosspark mit dem alten Johann-Gottlieb-Fichte-Denkmal von 1862. 1972 wurde hier der DEFA-Film Aus dem Leben eines Taugenichts mit Dean Reed gedreht.

Das Neue Fichtedenkmal wurde 1912 durch den Sächsischen Kunstverein gestiftet. Die Bronzebüste in einer Rundbank aus Sandstein wurde durch den Bildhauer Walter Sintenis aus Dresden geschaffen.[4]

Die Alte Schmiede ist seit dem August 2010 im Dorfzentrum für Besucher geöffnet. Im Gebäude befinden sich die Blockstube, die Gemeindebibliothek und die Tourismusinformation mit Schmiedeladen.

Das Alte Gefängnis wurde 1774 als zweite Schule Rammenaus erbaut. Hier waren um 1800 bis zu 200 Schüler angemeldet, die jedoch häufig fehlten. Eine allgemeine Schulpflicht wurde erst 1835 eingeführt. Der Feldsteinbau der zweiten Schule wurde 1851 zum Teil abgerissen und zur Schulscheune umgebaut. Der Nachtwächter Rammenaus schloss hier gelegentlich über Nacht auch Gesetzesbrecher und Trunkenbolde zum Ausnüchtern ein, was dem Gebäude den Namen „Altes Gefängnis“ einbrachte. Um 1920/1930 wurde es im Volksmund auch „Hundeloch“ genannt.[5] Im Gebäude befinden sich eine Ausstellung zur Ortsgeschichte und wechselnde Ausstellungen auf dem Dachboden, daneben befindet sich ein Bauern- und Kräutergarten.

Das Kriegerdenkmal wurde auf einem Ehrenhain auf den ehemaligen Schulteichwiesen an der Johann-Gottlieb-Fichte-Straße errichtet. Das Granitmahnmal erinnert an die 72 im Ersten Weltkrieg gefallenen Soldaten des Ortes. Zwei Sandsteinreliefs zeigen einen „sterbenden Krieger als vergehendes Leben“ und eine „stillende Mutter als entstehendes Leben“.[6]

Wirtschaft[Bearbeiten]

Zahlreiche Handwerks- und Gewerbebetriebe sind in Rammenau ansässig, unter anderem ein Fenster- und Türenhersteller. Der Ort besitzt ein Gewerbegebiet.

Sonstiges[Bearbeiten]

Im Juli 2012 gewann die Gemeinde Rammenau den 8. Sächsischen Landeswettbewerb Unser Dorf hat Zukunft und vertrat den Freistaat damit im Folgejahr im Bundeswettstreit. Laut Umweltminister Frank Kupfer punktete der Ort vor allem mit „einer vielseitigen und langfristig angelegten Dorfentwicklung“.[7]

Im Juni 2013 gewann Rammenau zusammen mit acht anderen Dörfern auch die Goldmedaille im Bundeswettbewerb und wurde im Januar 2014 auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin dafür ausgezeichnet.[8]

Vereine[Bearbeiten]

Folgende Vereine prägen das kulturelle und sportliche Leben des Ortes besonders:

  • Rammenauer Heimatverein e.V.
  • Sportverein 1910 Edelweiß Rammenau e.V.
  • Judo- und Sportverein Rammenau 1985 e.V.
  • Gemischter Chor Rammenau e.V.
  • Rammenauer Faschingsclub e.V.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Rammenau. In: Lausitzer Bergland um Pulsnitz und Bischofswerda (= Werte unserer Heimat. Band 40). 1. Auflage. Akademie Verlag, Berlin 1983.
  • Rammenau. In: August Schumann: Vollständiges Staats-, Post- und Zeitungslexikon von Sachsen. 8. Band, Zwickau 1821, S. 747 f.
  • Rammenau. In: Markgrafenthum Oberlausitz, Expedition des Albums Sächsischer Rittergüter und Schlösser, Leipzig 1859. S. 65–67 (Expedition des Ritterschaftlichen Album-Vereins: Album der Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen. Band 3.; Volltext auf Wikisource, Digitalisat der SLUB Dresden)
  • Roswitha Förster: Barockschloss Rammenau, Edition Leipzig 2002, ISBN 3-361-00551-5
  • Gottfried Nitzsche: Sagen und Geschichten der Massenei, Oberlausitzer Verlag, ISBN 3-933827-25-6
  • Helmut Petzold: No onser Gusche - Geschichtn ’m eäberlausitzer Mundart, ISBN 3-7444-0106-5, Zentralhaus-Publikationen, Leipzig 1989 (Mundartbuch)
  • Helmut Petzold: Erinnerungen an mein grünes Dorf, 1988, Museum Barockschloss Rammenau in Zusammenarbeit mit dem Fichte-Freundeskreis
  • Helmut Petzold: Das Rammenauer Brevier, 1988, Museum Barockschloss Rammenau in Zusammenarbeit mit dem Fichte-Freundeskreis
  • Schlossarchiv Rammenau
  • Cornelius Gurlitt: Rammenau. In: Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Königreichs Sachsen. 32. Heft: Amtshauptmannschaft Bautzen (II. Teil). C. C. Meinhold, Dresden 1908, S. 253.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Rammenau – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Aktuelle Einwohnerzahlen nach Gemeinden 2013 (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. Helmut Petzold: In der Chronik geblättert in Das Rammenauer Brevier, 1988, Museum Barockschloss Rammenau in Zusammenarbeit mit dem Fichte-Freundeskreis, S. 3
  3. Rammenau. In: Lausitzer Bergland um Pulsnitz und Bischofswerda (= Werte unserer Heimat. Band 40). 1. Auflage. Akademie Verlag, Berlin 1983, S. 103.
  4. Text der Informationstafel am Neuen Fichte-Denkmal: Foto bei Wikimedia Commons
  5. Text einer Informationstafel der Ausstellung
  6. Text der Informationstafel am Kriegerdenkmal: Foto bei Wikimedia Commons
  7. Sächsische Zeitung - Rammenau ist Sachsens bestes Dorf. 18. Juli 2012, abgerufen am 19. Mai 2013.
  8. Bundessieger im Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ stehen fest. 26. Juni 2013, abgerufen am 26. Juni 2013 (PDF; 41 kB).