Rammenau

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Wappen Deutschlandkarte
Die Gemeinde Rammenau führt kein Wappen
Rammenau
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Rammenau hervorgehoben
51.1514.133333333333296Koordinaten: 51° 9′ N, 14° 8′ O
Basisdaten
Bundesland: Sachsen
Landkreis: Bautzen
Verwaltungs-
gemeinschaft:
Bischofswerda
Höhe: 296 m ü. NN
Fläche: 10,76 km²
Einwohner:

1437 (31. Dez. 2011)[1]

Bevölkerungsdichte: 134 Einwohner je km²
Postleitzahl: 01877
Vorwahl: 03594
Kfz-Kennzeichen: BZ, BIW, HY, KMVorlage:Infobox Gemeinde in Deutschland/Wartung/Kfz enthält Leerzeichen
Gemeindeschlüssel: 14 6 25 510
Gemeindegliederung: 8 Ortsteile
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Hauptstraße 16
01877 Rammenau
Webpräsenz: www.rammenau.de
Bürgermeisterin: Hiltrud Snelinski (parteilos)
Lage der Gemeinde Rammenau im Landkreis Bautzen
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Über dieses Bild

Rammenau (obersorbisch Ramnou bzw. Ramnow) ist ein Ort und die zugehörige Gemeinde im Landkreis Bautzen. Zusammen mit der Nachbarstadt Bischofswerda bildet Rammenau die Verwaltungsgemeinschaft Bischofswerda.

Bekannt ist das Dorf für seine weitläufige barocke Landschlossanlage, das Barockschloss Rammenau, sowie als Geburtsort des Philosophen Johann Gottlieb Fichte.

Inhaltsverzeichnis

Geografie [Bearbeiten]

Rammenau liegt etwa 4 km nordwestlich der Großen Kreisstadt Bischofswerda am Grunabach nahe der Bundesautobahn 4. Im bewaldeten nördlichen Gemeindeteil entspringt die Große Röder.

Der Ort wird begrenzt von Burkau im Nordosten, Bischofswerda im Südosten, Frankenthal im Südwesten, Bretnig-Hauswalde im Westen sowie Ohorn und Elstra im Norden.

Gemeindegliederung [Bearbeiten]

Zur Gemeinde gehören neben dem Kernort mit

  • Kurzecke („Die kurzen Äcker“, Erschließung ab ca. 1150)
  • Aue (1810)

die folgenden Ortsteile:

  • Schaudorf (1769) mit
    • Niederschaudorf (1792)
  • Oberrammenau (1793)
  • Niederdorf mit
    • Beigut (1796)
    • Randsiedlung (1930)
  • Röderbrunn (1823)
  • Waldscheibe (1833)
  • Tanneberg (1835)
  • Siedlung (1925)

Namensherkunft [Bearbeiten]

Der Ortsname leitet sich entweder von Ramm (Widder, Schafbock), Ramo bzw. Ramjen (Eigenname) oder einem Wort, welches so viel wie sumpfiges bzw. feuchtes Land bedeutet, ab.[2] Eine andere Deutung führt den Namen auf das altsorbische Wort rame(n) (Arm), im übertragenen Sinne also „Dorf am Wasserarm“, zurück.[3]

Geschichte [Bearbeiten]

Rammenau, ein Waldhufendorf, wurde gegen 1150 in sumpfigem Gelände von thüringisch-fränkischen Siedlern gegründet und 1213/1228 erstmals in der Oberlausitzer Grenzurkunde unter dem Namen Ramnou bzw. Ramnow als Herrensitz erwähnt. Es war westliches Grenzdorf des Sechsstädtebundes.

Rammenau gehörte bis zum 15. Jahrhundert zu den Besitzungen der Herren von Kamenz, 1395 wurde ein Rittergut aus einfachen Fachwerkbauten errichtet. Weitere Besitzerfamilien bis 1717 waren von Ponickau, von Staupitz und von Seydewitz. In Fronarbeit entstanden im frühen 17. Jahrhundert aus morastigen Erlenbrüchen mehrere Teiche im Ort.

Im Jahre 1642, während des Dreißigjährigen Krieges, wurden die Kirche und das Pfarrhaus durch plündernde schwedische Soldaten niedergebrannt, damit gingen unwiederbringliche historische Informationen in den Kirchenbüchern verloren. Nach schleppender Bauzeit wurde 1749 endlich die neue, heutige Kirche geweiht.

Nach dem Konkurs von Heinrich von Seydewitz erwarb Ferdinand von Knoch 1717 das alte Rittergut, ließ es abreißen und begann ab 1721 an derselben Stelle mit einem neuen Schlossbau. Auch von Knoch ereilte das Schicksal seines Vorgängers, so gelangten Rittergut und Schloss 1744 an die von Hoffmanns, welche versuchten, die Landwirtschaft als Einnahmequelle zu etablieren. Bis 1880 gehörte ihnen das Gut, unterbrochen durch den zwischenzeitlichen Besitz von 1794 bis 1820 durch den preußischen Rittmeister Friedrich von Kleist. Im 18. Jahrhundert, nach dem Siebenjährigen Krieg, wuchsen Weberei und Bevölkerung und brauchten Platz, die Herrschaft ihrerseits benötigte neue Untertanen und Steuergelder: Durch Bodenverkäufe sowie Rodungen wurden Siedler von auswärts angelockt und die für Rammenau charakteristische Aufspaltung in viele Ortsteile begann.

In diese Zeit von Leibeigenschaft und totaler Abhängigkeit von der Schlossherrschaft wurde der bekannteste Sohn des Ortes, Johann Gottlieb Fichte, 1762 hineingeboren, konnte aber durch eine Fügung glücklicher Umstände dieses Milieu verlassen.

Nach endgültiger Abschaffung der Frondienste 1835 waren weitere Schlossbesitzer die Familien von Posern sowie von Helldorff (bis 1945), nun entwickelten sich nach dem Ende der schlimmsten Ausbeutung auch Hausweberei, Wirtshäuser, Kramläden, Fleischereien und Bäckereien. Mitte des 19. Jahrhunderts war Rammenau zu einem Weberdorf geworden, 1861 gab es 148 Leineweber und 3 Bandweber (neben 18 Bauern, 24 Landwirtschaften mit 86 Knechten und Mägden sowie 70 Tagesarbeitern).

Die Schlossherrschaft verhinderte um 1900 die über Rammenau geplante Trassenführung der Bahnstrecke Kamenz–Bischofswerda, so ging die große industrielle Entwicklung an Rammenau vorbei und es blieb ein Dorf der kleinen Bauern, Landwirte, Hausweber, Maurer und Steinarbeiter. Auch nach dem Ende der Leineweberei nach dem Ersten Weltkrieg entstanden in wirtschaftlich schweren Zeiten noch zwei neue Siedlungen.

Wirtschaft [Bearbeiten]

Zahlreiche Handwerks- und Gewerbebetriebe sind in Rammenau ansässig, unter anderem ein Fenster- und Türenhersteller. Der Ort besitzt ein Gewerbegebiet.

Politik [Bearbeiten]

Bereits seit 1986 ist Hiltrud Snelinski (parteilos) Bürgermeisterin der Gemeinde. Seit 2001 übt sie diese Funktion ehrenamtlich aus.

Alle 12 Sitze des Gemeinderates gingen bei den Kommunalwahlen vom 7. Juni 2009 an Kandidaten der Initiative für Rammenau, die sich als einzige Liste zur Wahl stellte. Die klassischen, sonst in der Region agierenden Parteien spielen in Rammenau keine Rolle.

Sehenswürdigkeiten [Bearbeiten]

Galerie [Bearbeiten]

Vereine [Bearbeiten]

Folgende Vereine sind im Ort aktiv:

  • Rammenauer Heimatverein e.V.
  • Sportverein 1910 Edelweiß Rammenau e.V.
  • Judo- und Sportverein Rammenau 1985 e.V.
  • Gemischter Chor Rammenau e.V.
  • Motorradclub
  • Rammenauer Faschingsclub e.V.

Sonstiges [Bearbeiten]

Im Juli 2012 gewann die Gemeinde Rammenau den 8. Sächsischen Landeswettbewerb Unser Dorf hat Zukunft und wird den Freistaat damit 2013 im Bundeswettstreit vertreten. Laut Umweltminister Frank Kupfer punktete der Ort vor allem mit „einer vielseitigen und langfristig angelegten Dorfentwicklung“.[4]

Persönlichkeiten [Bearbeiten]

Einzelnachweise [Bearbeiten]

  1. Statistisches Landesamt des Freistaates Sachsen – Bevölkerung des Freistaates Sachsen jeweils am Monatsende ausgewählter Berichtsmonate nach Gemeinden (Hilfe dazu)
  2. Helmut Petzold: In der Chronik geblättert in Das Rammenauer Brevier, 1988, Museum Barockschloss Rammenau in Zusammenarbeit mit dem Fichte-Freundeskreis, S. 3
  3. Rammenau. In: Lausitzer Bergland um Pulsnitz und Bischofswerda. 1. Auflage. Akademie-Verlag Berlin, Berlin 1983 (Werte unserer Heimat. Band 40). S. 103.
  4. Sächsische Zeitung - Rammenau ist Sachsens bestes Dorf. 18. Juli 2012, abgerufen am 19. Mai 2013.

Literatur [Bearbeiten]

  • Rammenau. In: Lausitzer Bergland um Pulsnitz und Bischofswerda. 1. Auflage. Akademie-Verlag Berlin, Berlin 1983 (Werte unserer Heimat. Band 40).
  • Rammenau. In: August Schumann: Vollständiges Staats-, Post- und Zeitungslexikon von Sachsen. 8. Band, Zwickau 1821, S. 747 f.
  • Rammenau. In: Markgrafenthum Oberlausitz, Expedition des Albums Sächsischer Rittergüter und Schlösser, Leipzig 1859. S. 65–67 (Expedition des Ritterschaftlichen Album-Vereins: Album der Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen. Band 3.; Volltext auf Wikisource, Digitalisat der SLUB Dresden)
  • Roswitha Förster: Barockschloss Rammenau, Edition Leipzig 2002, ISBN 3-361-00551-5
  • Gottfried Nitzsche: Sagen und Geschichten der Massenei, Oberlausitzer Verlag, ISBN 3-933827-25-6
  • Helmut Petzold: No onser Gusche - Geschichtn ’m eäberlausitzer Mundart, ISBN 3-7444-0106-5, Zentralhaus-Publikationen, Leipzig 1989 (Mundartbuch)
  • Helmut Petzold: Erinnerungen an mein grünes Dorf, 1988, Museum Barockschloss Rammenau in Zusammenarbeit mit dem Fichte-Freundeskreis
  • Helmut Petzold: Das Rammenauer Brevier, 1988, Museum Barockschloss Rammenau in Zusammenarbeit mit dem Fichte-Freundeskreis
  • Schlossarchiv Rammenau
  • Cornelius Gurlitt: Rammenau. In: Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Königreichs Sachsen. 32. Heft: Amtshauptmannschaft Bautzen (II. Teil). C. C. Meinhold, Dresden 1908, S. 253.

Weblinks [Bearbeiten]

 Commons: Rammenau – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien