Ohorn

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Dieser Artikel behandelt die Gemeinde Ohorn in Sachsen, für den Schriftsteller Anton Ohorn, siehe dort.
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Ohorn
Ohorn
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Ohorn hervorgehoben
51.17514.050555555556366Koordinaten: 51° 11′ N, 14° 3′ O
Basisdaten
Bundesland: Sachsen
Landkreis: Bautzen
Verwaltungs-
gemeinschaft:
Pulsnitz
Höhe: 366 m ü. NHN
Fläche: 12,07 km²
Einwohner: 2340 (31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 194 Einwohner je km²
Postleitzahl: 01896
Vorwahl: 035955
Kfz-Kennzeichen: BZ, BIW, HY, KM
Gemeindeschlüssel: 14 6 25 410
Gemeindegliederung: 5 Ortsteile
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Gemeindeverwaltung Ohorn
Schulstr. 2
01896 Ohorn
Webpräsenz: www.ohorn-sachsen.de
Bürgermeisterin: Sonja Kunze (parteilos)
Lage der Gemeinde Ohorn im Landkreis Bautzen
Tschechien Dresden Landkreis Görlitz Landkreis Meißen Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge Arnsdorf Bautzen Bernsdorf Bischofswerda Bretnig-Hauswalde Burkau Crostwitz Cunewalde Demitz-Thumitz Doberschau-Gaußig Elsterheide Elstra Frankenthal (Sachsen) Göda Großdubrau Großharthau Großnaundorf Großpostwitz Großröhrsdorf Malschwitz Haselbachtal Hochkirch Hoyerswerda Kamenz Königsbrück Königswartha Kubschütz Laußnitz Lauta Lichtenberg (Lausitz) Lohsa Malschwitz Nebelschütz Neschwitz Neukirch (bei Königsbrück) Neukirch/Lausitz Obergurig Ohorn Oßling Ottendorf-Okrilla Panschwitz-Kuckau Pulsnitz Puschwitz Radeberg Radibor Räckelwitz Ralbitz-Rosenthal Rammenau Schirgiswalde-Kirschau Schmölln-Putzkau Schönteichen Schwepnitz Sohland an der Spree Spreetal Steina (Sachsen) Steinigtwolmsdorf Wachau (Sachsen) Weißenberg Wilthen Wittichenau Brandenburg PolenKarte
Über dieses Bild

Ohorn ist eine Gemeinde in Sachsen und Teil der Verwaltungsgemeinschaft Pulsnitz.

Geographie und Verkehr[Bearbeiten]

Die Gemeinde befindet sich etwa zwei Kilometer südöstlich von Pulsnitz und 30 Kilometer nordöstlich der Landeshauptstadt Dresden. Die Bundesautobahn 4 verläuft durch das Gemeindegebiet und ist über den Anschluss Ohorn zu erreichen. Ohorn liegt an den Ausläufern des Westlausitzer Berglandes, im Tal der Pulsnitz, die auch hier, am Westhang des Tannebergs auf ca. 360 Metern Höhe, entspringt. Der Tanneberg gehört zur Hochstein-Bergkette. Der Hochstein selbst erreicht eine Höhe von 449 Metern.

Ortsgliederung[Bearbeiten]

Ohorn besteht aus den Ortsteilen:

  • Fuchsbelle
  • Gickelsberg
  • Mitteldorf
  • Oberdorf
  • Röderhäuser

Geschichte und Entwicklung[Bearbeiten]

Es waren deutsche Ritter um 1110, die Bauern und Handwerker aus Thüringen, Hessen, Franken und Bayern in die Gegend des Pulsnitztales riefen. Dadurch entstand am Südwesthang des Schleißbergs eine kleine Siedlung von etwa 20 Hektar Größe. Die Pulsnitz galt als eine wichtige Lebensgrundlage. Die erste urkundliche Erwähnung des Ortes erfolgte allerdings erst im Jahre 1349 im Lehensbuch Friedrichs des Strengen als Ahorn,[2] der heutige Ortsname bezeichnet also eine „Siedlung zu/bei dem Ahornbaum oder -gehölz“.

1537 wird das Ohorner Rittergut als Vorwerk Pulsnitzer Herrschaft erwähnt. Heute stehen vom Gut nur noch das Herrenhaus (in welchem heute ein Pflegeheim untergebracht ist) und einige zu Wohnhäusern umgebaute Rittergutsgebäude, sowie der Park im englischen Stil. Da durch Ohorn die Grenze des Bistums Meißen und des Königreichs Böhmens verlief, war der Ort den immer wiederkehrenden Kriegsereignissen und Raubzügen der Jahrhunderte ausgeliefert. Zudem verringerten häufig auftretende Seuchen die Einwohnerzahl. Allein im Jahre 1680 starb ein Fünftel der Ohorner Bevölkerung an der Pest.

1661 wurde von der Rittergutsherrschaft der Bau eines Schulhauses genehmigt. Der erste belegte Schulbau stammt aus der Zeit um 1750. Ab 1745 setzte in Ohorn ein grundlegender gesellschaftlicher Wandel ein, nachdem Michael Prescher die Bandweberei in Ohorn einführte. Nach 1800 entwickelte sich Ohorn zu einem industriell geprägten Ort, was sich auch in der Bevölkerungsentwicklung widerspiegelte. 1885 lebten hier bereits 2000 Menschen.

Der heute noch bestehende Turnverein wurde 1865 gegründet. Im gleichen Jahr entstand auch ein Gesangsverein, der inzwischen nicht mehr existiert. 1895 wurde die Pflichtfeuerwehr zur Freiwilligen Feuerwehr Ohorn. Die vielen neuentstandenen Hausweber benötigten bessere Maschinen, deshalb gründete sich 1873 der Betrieb C. H. Schäfer, der zur damaligen Zeit Webstühle produzierte. Heute erzeugt dieser Betrieb Maschinenteile und ist einer der größten Arbeitgeber Ohorns.

1827 und 1879 wurde jeweils ein größeres Schulhaus in Ohorn erbaut. Die erste Busverbindung schuf der Schmied Bernhard Mocke 1912, indem er den ersten Postautobus in Sachsen baute. Die Linie verband die Städte Pulsnitz und Königsbrück. 1925 entstand aus dem Obergasthof das Rathaus des Ortes. Fünf Jahre später wurde in der ehemaligen Dampfmühle des Rittergutes der Betsaal errichtet. Bereits 1939 wurde Ohorn an die von Dresden bis nach Breslau geplante Autobahn, heute die Bundesautobahn 4, angeschlossen.

Politik[Bearbeiten]

Gemeinderatswahl 2009[3]
Wahlbeteiligung: 43,2 % (2004: 46,4 %)
 %
50
40
30
20
10
0
42,3 %
26,0 %
17,0 %
14,8 %
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2004
 %p
 16
 14
 12
 10
   8
   6
   4
   2
   0
  -2
  -4
  -6
  -8
-10
+1,5 %p
-7,6 %p
-8,6 %p
+14,8 %p

Seit der Kommunalwahl am 7. Juni 2009 verteilen sich die 14 Sitze im Gemeinderat folgendermaßen auf die einzelnen Gruppierungen:

Am 22. September 2013 wurde Sonja Kunze (parteilos) mit 66,9 % der gültigen Stimmen zur neuen Bürgermeisterin gewählt. Sie löste damit Frank Jäger (Freie Liste Sport) ab.

Sehenswertes[Bearbeiten]

Ortsteil Gickelsberg mit Schwedenstein vom Schleißberg aus
  • Schleißberg mit Schleißbergbaude
  • Schwedenstein mit Aussichtsturm und Bergwirtschaft
  • Tannebergaussicht mit Schutzhütte
  • Heimatmuseum
  • Kirchlehn
  • Buschmühlenteich (zum Gondeln)

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Heute gibt es in Ohorn noch zwei produzierende Bauern und eine Agrargenossenschaft. Webereien existieren im Ort nur noch wenige.

Bildung[Bearbeiten]

Die Gemeinde Ohorn verfügt über eine Grundschule und einen Kindergarten.

Söhne und Töchter der Gemeinde[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Cornelius Gurlitt: Ohorn. In: Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Königreichs Sachsen. 35. Heft: Amtshauptmannschaft Kamenz (Land). C. C. Meinhold, Dresden 1912, S. 258.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Ohorn – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Aktuelle Einwohnerzahlen nach Gemeinden 2013 (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. Ernst Eichler: Historisches Ortsnamenbuch von Sachsen. Band II: M–Z. Akademie-Verlag, Berlin 2001, S. 132
  3. http://www.statistik.sachsen.de/wpr_neu/pkg_w04_ver.prc_ver?p_bz_bzid=GR09&p_ebene=GE&p_ort=14625410