Reichertshofen

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Reichertshofen (Begriffsklärung) aufgeführt.
Wappen Deutschlandkarte
Wappen des Marktes Reichertshofen
Reichertshofen
Deutschlandkarte, Position des Marktes Reichertshofen hervorgehoben
48.65888888888911.466388888889381Koordinaten: 48° 40′ N, 11° 28′ O
Basisdaten
Bundesland: Bayern
Regierungsbezirk: Oberbayern
Landkreis: Pfaffenhofen an der Ilm
Verwaltungs-
gemeinschaft:
Reichertshofen
Höhe: 381 m ü. NHN
Fläche: 36,9 km²
Einwohner: 7781 (31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 211 Einwohner je km²
Postleitzahl: 85084
Vorwahl: 08453
Kfz-Kennzeichen: PAF
Gemeindeschlüssel: 09 1 86 147
Adresse der
Marktverwaltung:
Schloßgasse 5
85084 Reichertshofen
Webpräsenz: www.reichertshofen.de
Bürgermeister: Michael Franken (JWU)
Lage des Marktes Reichertshofen im Landkreis Pfaffenhofen an der Ilm
Ingolstadt Landkreis Aichach-Friedberg Landkreis Dachau Landkreis Eichstätt Landkreis Freising Landkreis Kelheim Landkreis Neuburg-Schrobenhausen Baar-Ebenhausen Ernsgaden Geisenfeld Gerolsbach Hettenshausen Hohenwart Ilmmünster Jetzendorf Manching Münchsmünster Pfaffenhofen an der Ilm Pörnbach Reichertshausen Reichertshofen Rohrbach (Ilm) Scheyern Schweitenkirchen Vohburg an der Donau WolnzachKarte
Über dieses Bild

Vorlage:Infobox Gemeinde in Deutschland/Wartung/Markt

Reichertshofen ist ein Markt im oberbayerischen Landkreis Pfaffenhofen an der Ilm und bildet mit der Gemeinde Pörnbach die Verwaltungsgemeinschaft Reichertshofen.

Geografie[Bearbeiten]

Das Unterzentrum Reichertshofen liegt in der Planungsregion Ingolstadt, an der Paar.

Ortsteile sind Agelsberg, Au am Aign, Dörfl, Gotteshofen, Hög, Langenbruck, Ronnweg, Starkertshofen, Sankt Kastl, Stöffel, Winden am Aign, Wolnhofen, Siedlung Feilenmoos und Walding. Es existieren folgende Gemarkungen: Feilenforst, Gotteshofen, Hög, Langenbruck, Reichertshofen, Winden am Aign.

Geschichte[Bearbeiten]

Reichertshofen wurde urkundlich erstmals um das Jahr 1100 in einer schriftlich fixierten Zeugennennung („N. de Rikershouen“) erwähnt. 1310 wird eine Burg Herzog Ludwigs IV., des späteren Kaisers Ludwig der Bayer, erwähnt. Das Marktrecht erhielt der Ort 1449 vom niederbayerischen Herzog Heinrich dem Reichen.[2] Reichertshofen besaß ein Marktgericht mit magistratischen Eigenrechten. Es wurde 1505 Pflegamt des neugegründeten wittelsbachischen Fürstentums Pfalz-Neuburg und war von 1542 bis 1547 und erneut ab 1552 evangelisch bis es 1617 der Rekatholisierung durch Wolfgang Wilhelm anheimfiel.

Auf dem Höhepunkt der frühneuzeitlichen Hexenverfolgung kam es 1589/1590 zu einer Welle von Prozessen, deren Ausgang nicht überliefert ist.[3] Nachdem in einer weiteren Verfolgungswelle in den Jahren 1628 bis 1630 51 der insgesamt 80 Beschuldigten hingerichtet worden waren,[4] wurde der zuständige Pfleger Jakob Kracker 1631 wegen Untreue und Diebstahls verklagt.[5] Zu einer weiteren Hinrichtung wegen Hexerei kam es 1645,[6] während sechs Beschuldigte, die 1661 verhört und gefoltert wurden, wieder freikamen.[7]

Auch als das Fürstentum ab 1777 in Personalunion mit Bayern regiert wurde, blieb das Pflegamt zunächst bestehen und wurde erst 1808 bei der vollständigen Integration Pfalz-Neuburgs in das Königreich Bayern aufgehoben. Im Zuge der Verwaltungsreformen in Bayern entstand mit dem Gemeindeedikt von 1818 die heutige politische Gemeinde. Am 1. Juli 1972 erfolgte die Auflösung des bisherigen Landkreises Ingolstadt. Der Markt Reichertshofen kam zum Landkreis Pfaffenhofen an der Ilm.

Am 9. August 1968 stürzte beim Ortsteil Langenbruck ein Passagierflugzeug auf die Autobahn. Dabei kamen 48 Menschen ums Leben. (→ British-Eagle-Flug 802)

siehe auch: Liste der Baudenkmäler in Reichertshofen

Eingemeindungen[Bearbeiten]

Am 1. Mai 1971 schloss sich die bis dahin selbständige Gemeinde Gotteshofen dem Markt Reichertshofen an. Am 1. Juli 1972 wurden die östlichen Nachbargemeinden Hög, Langenbruck und Winden am Aign eingegliedert.[8]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

  • 1970: 4497 Einwohner
  • 1987: 5624 Einwohner
  • 2001: 7423 Einwohner
  • 2007: 7518 Einwohner
  • 2012: 7684 Einwohner

Die Einwohnerzahlen beziehen sich auf das heutige Gemeindegebiet.

Politik[Bearbeiten]

Bürgermeister ist Michael Franken (JWU).

Die Gemeindesteuereinnahmen betrugen im Jahr 2010 insgesamt 5640 T€, davon 597 T€ Grundsteuern, 1436 T€ Gewerbesteuer (netto), 3218 T€ Gemeindeanteil an der Gewerbesteuer und 378 T€ Gemeindeanteil an der Umsatzsteuer.

Im Gemeinderat sind zurzeit folgende Parteien und Wählergruppen vertreten: CSU, JWU, SPD, FWG und LUB.

Wappen[Bearbeiten]

Das Wappen zeigt „auf blauem Grund zwei silberne abgewendete Reiherhälse mit roten Schnäbeln.“

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Wirtschaft sowie Land- und Forstwirtschaft[Bearbeiten]

Stand 1998 existieren nach der amtlichen Statistik im produzierenden Gewerbe 766 und im Bereich Handel und Verkehr 412 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am Arbeitsort. Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am Wohnort gibt es demnach insgesamt 2465. Im verarbeitenden Gewerbe arbeiten 24 Betriebe, im Bauhauptgewerbe zehn. Zudem bestehen - Stand 1999 - 102 landwirtschaftliche Betriebe mit einer agrarisch genutzten Fläche von 1670 ha, davon 1237 ha Ackerfläche und 430 ha Dauergrünfläche.

Verkehr[Bearbeiten]

Reichertshofen liegt im Umland Ingolstadts sehr zentral zwischen den großen Wirtschaftsstandorten Nürnberg, München, Augsburg und Regensburg am Kreuzungspunkt der Bundesstraßen 13 und 300. Für den Fernverkehr existiert mit der BAB-Ausfahrt Langenbruck direkter Anschluss an die A 9. Schienengebunden bestehen Personen- und Gütertransportmöglichkeiten über den Bahnhof Baar-Ebenhausen, der an der Bahnstrecke München-Nürnberg liegt. Bis 2011 besaß die Gemeinde einen eigenen Bahnhof. Im Zuge der Ertüchtigung der Strecke München-Ingolstadt für höhere Geschwindigkeiten wurde die ziemlich enge Kurve vor dem ursprünglichen Bahnhof aufgeweitet, der Bahnhof um einige hundert Meter in die Nachbargemeinde Baar-Ebenhausen verlegt und entsprechend umbenannt. Der nächstgelegene Flughafen ist der ca. neun Kilometer entfernte Fliegerhorst Ingolstadt/Manching und der Flughafen München (ca. 40 Km).

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bayerisches Landesamt für Statistik – Tabelle 12411-001: Fortschreibung des Bevölkerungsstandes: Bevölkerung: Gemeinden, Stichtage (letzten 6) vom 18. September 2014 (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2.  Johann Nepomuk von Raiser: Die Wappen der Städte und Märkte, dann der marktberechtigten Orte im Oberdonau-Kreis des Königreichs Bayern. Lauter, Augsburg 1834, S. 105 (Digitalisat, abgerufen am 3. Juli 2013).
  3.  Wolfgang Behringer: Hexenverfolgung in Bayern. Volksmagie, Glaubenseifer und Staatsräson in der frühen Neuzeit. 3., verbesserte und um ein Nachwort ergänzte Auflage. Oldenbourg, München 1997, ISBN 3-486-53903-5, S. 139 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  4.  Behringer: Hexenverfolgung in Bayern. München 1997, S. 65, 450.
  5.  Sigmund Riezler: Geschichte der Hexenprozesse in Bayern. Cotta, Stuttgart 1896, S. 220 (Digitalisat, abgerufen am 10. Juli 2013).
  6.  Behringer: Hexenverfolgung in Bayern. München 1997, S. 454.
  7.  Behringer: Hexenverfolgung in Bayern. München 1997, S. 350, 455.
  8.  Wilhelm Volkert (Hrsg.): Handbuch der bayerischen Ämter, Gemeinden und Gerichte 1799–1980. C.H.Beck’sche Verlagsbuchhandlung, München 1983, ISBN 3-406-09669-7, S. 490.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Reichertshofen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien