Sanok

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Sanok (Begriffsklärung) aufgeführt.
Sanok
Wappen von Sanok
Sanok (Polen)
Sanok
Sanok
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Karpatenvorland
Landkreis: Sanok
Fläche: 38,15 km²
Geographische Lage: 49° 35′ N, 22° 12′ O49.58333333333322.2Koordinaten: 49° 35′ 0″ N, 22° 12′ 0″ O
Einwohner: 39.227
(30. Jun. 2013)[1]
Postleitzahl: 38-500 bis 38-512
Telefonvorwahl: (+48) 13
Kfz-Kennzeichen: RSA
Wirtschaft und Verkehr
Straße: DK28 MedykaPrzemyśl-JasłoNowy Sącz-Wadowice-Zator
Nächster int. Flughafen: Rzeszów-Jasionka
Gemeinde
Gemeindeart: Stadtgemeinde
Einwohner: 39.227
(30. Jun. 2013)[2]
Gemeindenummer (GUS): 1817011
Verwaltung (Stand: 2007)
Bürgermeister: Wojciech Blecharczyk
Adresse: Rynek 1
38-500 Sanok
Webpräsenz: www.sanok.pl
Luftaufnahme: Sanok – Blick in Richtung Norden;
Mitte: Das Franziskanerkloster Sanok

Die Freie Königsstadt Sanok (ukrainisch: Сянік; jiddisch: Sonik; latein: Sanocum) ist eine Stadt in Polen in der Woiwodschaft Karpatenvorland.

Geografie[Bearbeiten]

Die Stadt liegt im äußersten Südosten Polens, am San in den Waldkarpaten. Die Grenze zur Slowakei im Süden ist 30 km entfernt (Radoszyce-Palota), die zur Ukraine im Osten ist 60 km entfernt (Krościenko).

Geschichte[Bearbeiten]

Frühzeit[Bearbeiten]

Bereits 1600 bis 1400 v. Chr. gab es an der Stelle des heutigen Sanok eine Siedlung der frühen Bronzezeit (Alföld-Linearkeramik). Später, etwa vom 2. Jahrhundert v. Chr. bis zum 2. Jahrhundert nach Christus während der Latènezeit siedelten die Kelten (Púchov-Kultur) auf dem Gelände der heutigen Stadt.[3] Etwa vom 2. bis 4. Jahrhundert nach Christus reichte die Zeit der Lugier. Ab dem 10. Jahrhundert ließen sich die Lendizen (Lendizi) dauerhaft dort nieder.

Mittelalter[Bearbeiten]

Bereits im 9. Jahrhundert gibt es eine Burg an der Stelle des heutigen Sanok. Die erste urkundliche Erwähnung der Burg findet sich 1150, zur damaligen Zeit ist das Gebiet Teil der Kiewer Rus. Darin ist die Eroberung von Burg und Umgebung durch den ungarischen König Géza II. vermerkt.

In der Mitte des 12. Jahrhunderts wird an der Stelle des heutigen Sanok erneut eine Burg errichtet, sie dient auch als Verwaltungszentrum für das Umland. 1205 trifft sich hier der ungarische König Andreas II. mit Anna, einer Prinzessin der Rus. 1231 wird das Gebiet der Stadt mit einem Fürstentum der Rus zum Fürstentum Sanok-Wolhynien vereint.

Spätmittelalter und Frühe Neuzeit[Bearbeiten]

Am 20. Januar 1339 bekommt die Stadt das Stadtrecht nach Magdeburger Recht[4] von dem Halitscher Fürsten Bolesław Jerzy II Trojdenowicz verliehen. Ein Jahr später wird die Stadt Teil des Herzogtums Przemyśl.

Im 14. Jahrhundert beginnt die Blütezeit der Stadt, die bis ins 16. Jahrhundert andauert. 1344, während der Expansion Polens unter Kasimir dem Großen, wird auch Sanok Teil des polnischen Königreiches. Am 25. April 1366 bestätigt Kasimir die Stadtrechte. Zu dieser Zeit wird die Stadt Hauptstadt des Sanoker Landes, das sich von den Quellen des San bis zu den Städten Błażowa und Krosno erstreckt. Dieses Gebiet ist seinerseits Teil der Woiwodschaft Ruthenien. Die Burg ist Sitz des Land- und Kreisgerichtes und weiterer Verwaltungsbehörden.

1368 erhält die Stadt das Recht, jährlich ab dem Freitag vor Pfingsten einen achttägigen Jahrmarkt zu abzuhalten. 1377 lädt Wladislaus II. von Oppeln Franziskaner nach Sanok ein, die schließlich 1384 in ein Kloster innerhalb der Stadtmauern gründen. Zu Beginn des 15. Jahrhunderts erhält der Ort das Recht auf einen weiteren Jahrmarkt am Tag Mariä Geburt am 8. September. Am 2. Mai 1417 heiratet der polnische König Władysław II. Jagiełło in der Pfarrkirche von Sanok Elisabeth von Pilitza. Nach dem Tod Wladyslaws 1434 zieht sich seine letzte Frau Sophie Holszanska auf die Burg Sanok zurück.

1470 wütet der erste große Brand. 1487 wird ein Krankenhaus gestiftet, das die Gebäude der Franziskaner nutzt. 1498 wütet erneut ein Feuer in der Stadt und zerstört große Teile. Auch 1514 brennt es wieder. Im selben Jahr befreit Sigismund der Alte die Stadt von einigen Abgaben und genehmigt einen weiteren Jahrmarkt.

1523–1548 erfolgt der Umbau der gotischen Burg im Stil der Renaissance. 1549 sucht erneut ein Brand die Stadt heim. 1566 bricht ein großer Brand aus und legt schließlich fast die gesamte Stadt in Schutt und Asche. Nur die Burg, das Franziskanerkloster, fünf Häuser und der obere Teil der Stadt bleiben verschont.

1624 wird die Stadt von Tataren angegriffen. 1640 wird ein Franziskanerkloster im Barockstil errichtet. Während des Schwedisch-Polnischen Kriegs wird auch Sanok von den Schweden angegriffen. Kurz darauf erreicht 1657 die Armee unter Georg II. Rákóczi aus Siebenbürgen die Stadt.

Galizien, 1772–1914, Kais. Kön. *Sanoker Kreis* Amt

Galizische Zeit[Bearbeiten]

Infolge der Ersten Teilung Polens 1772 fällt die Stadt an Österreich. Erst 1798 wird Sanok Sitz eines Landkreises in der Provinz Galizien.

1782 vernichtet ein Brand das Rathaus, die Pfarrkirche und rund 70 andere Häuser. Zwei Jahre später wird der Bau einer Kirche im Stil des Klassizismus begonnen und 1789 abgeschlossen.

Um 1845 gründen Walenty Lipiński und Mateusz Beksiński in Sanok eine Kesselschmiede, die 1886 zu einer Fabrik erweitert wird. 1894 bis 1895 wird im Stadtteil Posada Olchowska eine Fabrik für Kessel- und Maschinenbau errichtet.

Karol Pollak gründet 1848 eine Druckerei, hier wird 1855 unter der Redaktion von Kazimierz Józef Turowski das erste Heft der Biblioteka Polska (Polnische Bibliothek) gedruckt. Karol Pollak richtet 1861 auch die erste Bibliothek des Ortes ein.

Der Anschluss an das Schienennetz erfolgt 1872, damit hat die Stadt Anbindung nach Chyrów und bis nach Ungarn. 1874–1878 wird eine neue Pfarrkirche erbaut.

2. Podhale-Schützen-Regiment Sanok, (1936)

Im 20. Jahrhundert[Bearbeiten]

Bis zum Ende des Ersten Weltkrieges, in dem Sanok stark zerstört wird, war die Stadt eine Garnison der k.u.k. Armee. Stationiert waren hier das III. Bataillon des k.u.k. Inf.Rgmt. Nr. 45 und das III. Bataillon des k.k. Landwehr Inf.Rgmt. Nr. 18.

1918 fällt die Stadt an das neu erstandene Polen. Die Wirtschaft belebt sich, so werden etwa ein Gummi- und ein Akkumulatorenwerk errichtet. 1934 wird das Heimatmuseum eröffnet.

Im Zuge des deutschen Überfalls auf Polen zu Beginn des Zweiten Weltkrieges wird Sanok am 9. September 1939 besetzt. Die Stadt ist zunächst Grenzstadt zwischen dem sowjetisch besetzten Teil Polens und dem Generalgouvernement. 1940 beginnt die polnische Untergrundbewegung sich zu formieren. Bis 1942 verlaufen hier Kurierwege nach Ungarn, die Polnische Heimatarmee (Armia Krajowa) führt vor Ort einige Störmanöver durch.

Die in der Region um Sanok und innerhalb der Stadt ansässigen großen Minderheiten der Boyken, Lemken und Ukrainer werden teilweise zur Kollaboration mit den deutschen Besatzern gezwungen. Im Jahre 1943 wird von der deutschen Besatzungsmacht und den SS-Behörden die Aufstellung der Waffen-SS-Division Galizien befohlen. Ukrainer, Lemken und Volksdeutsche treten bei. Am 3. August 1944 wurde die Stadt von der Roten Armee erobert. Im Bieszczady südlich von Sanok kämpft die ukrainische Untergrundarmee (UPA) noch bis 1948. 1947 führt die Aktion Weichsel zur Zwangsumsiedlung der Boyken und Lemken nach Westpolen.

Durch eine Verwaltungsreform fällt Sanok am 2. Juni 1975 unter die Hoheit der Woiwodschaft Krosno.

Autosan-Verwaltungsgebäude in Sanok

Am 29. September 1980 wird in der Busfabrik Autosan eine unabhängige Gewerkschaft gegründet, was den Anfang der Solidarność-Bewegung in Sanok bedeutet.

Am 6. September 1983 wird die Stadt Sitz eines neuen orthodoxen Bistums. Im Rahmen einer erneuten Verwaltungsreform 1999 wird Sanok Teil der Wojewodschaft Karpatenvorland.

Heute zählt Sanok ca. 40.000 Einwohner, deren Zahl von Jahr zu Jahr wächst. Erholungsmöglichkeiten bietet ihnen ein Park mit ca. 12 ha Fläche, die landschaftlich reizvollen Bergregionen des Słonne-Gebirge sowie zahlreiche Sport- und Freizeitmöglichkeiten. Touristen, die sich für Ikonen und hölzerne griechisch-orthodoxe Kirchen begeistern, können von Sanok aus zur sogenannten "Ikonenroute" aufbrechen. Eine weitere Attraktion ist das größte Museum der Volksbauweise im Lande, das Objekte der Holzarchitektur zeigt. Hier befinden sich 120 Sakral- und weltliche Bauten aus dem 17. bis 19. Jahrhundert. Ihr Weg gabelt sich an zwei Flüssen und führt an diesen entlang – nördlicher Teil am Fluss San, südlicher Teil am Fluss Osława, bis an die slowakische Grenze. Von hier aus kann mit dem Zug Medzilaborce, Prešov und Budapest erreicht werden.

Industrie[Bearbeiten]

Die bekanntesten Unternehmen am Ort sind wohl der Autosan, Stomil Sanok mit Pass Gummiwerke und das Erdgasunternehmen PGNiG von Sanok.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

Jahr 1589 1883 1939 2000
Einwohnerzahl 1.700 5.181 15.600 41.401

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Die Sanoker Knappenkapelle (Erdgasunternehmen PGNiG von Sanok, 2008)

Museen[Bearbeiten]

Bauwerke[Bearbeiten]

  • Burg im Stil der Renaissance, grundlegend umgebaut im 16. Jahrhundert.
  • Gasthof, (Ende des 18. Jahrhunderts), Sitz des Heimatmuseums
  • orthodoxer Dom der Dreifaltigkeit, errichtet 1784 mit zahlreichen Ikonen
  • Franziskanerkloster erbaut Anfang des 17. Jahrhunderts
  • Rathaus errichtet im 18. Jahrhundert
  • Pfarrkirche, 1874–1887 an der Stelle eines Vorgängerbaus errichtet
Zentraler Marktplatz von Sanok

Sport[Bearbeiten]

Hockey Club Sanok, Arena-Sanok 2007

Bildung und Forschung[Bearbeiten]

Die Schulen von Sanok:

  • Die Staatliche Fachhochschule
  • I. Allgemeinbildende Oberschule
  • II. Allgemeinbildende Oberschule
  • Berufskolleg für technische Fachschulen
  • Berufskolleg für mechanische Fachschulen
  • Berufskolleg für Bauschulen
  • Mittelschulen (polnisch gimnazjum) Nr. 1 bis 5
  • Fremdsprachenlehrkolleg
  • Anstalt für praktische Bildung

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Persönlichkeiten, die mit der Stadt verbunden sind[Bearbeiten]

  • Wincenty Pol (* 1807, † 1877), polnischer Dichter, lebte ab 1832 in der Umgebung von Sanok
  • Sebastian von Felsztyn (* ca. 1480-1490; † 1552), Komponist und Musiktheoretiker

Verweise[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Akta Grodzkie i Ziemskie, Lwów, 1868
  • Adam Fastnacht: Osadnictwo Ziemi Sanockiej, 1946
  • Jerzy Kwiatek, Teofil Lijewski: Leksykon Miast Polskich, Warschau, 1998, ISBN 83-7079-926-4
  • Kurt Lück: Deutsche Aufbaukräfte in der Entwicklung Polens. Forschungen zur deutsch-polnischen Nachbarschaft im ostmitteleuropäischen Raum, Posen 1934, S. 584–606 (Vorsicht: nationalsozialistisches Machwerk!)

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Sanok – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Sanok – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Wikivoyage: Sanok – Reiseführer

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. Population. Size and Structure by Territorial Division. As of June 30, 2013. Główny Urząd Statystyczny (GUS) (PDF), abgerufen am 10. November 2013.
  2. Population. Size and Structure by Territorial Division. As of June 30, 2013. Główny Urząd Statystyczny (GUS) (PDF), abgerufen am 10. November 2013.
  3. „Es ist möglich, eine Gruppe der Latènekultur (keltische Besiedlung im Oberen Theißbecken) abzusondern. Bisher wurden ca. 160 Fundstellen registriert. Sie sind in unterschiedliche Kategorien zu unterteilen, die folgende umfassen: Siedlungen, Produktionsstätten, Bestattungen, wie Gräberfelder und einzelne Gräber, und Horte (Niederlegungen von Münzen und Werkzeugen). Hinzu kommen drei Oppida: Zemplin, Bückszentlászló und Galish-Lovacka. Die chronologische Einordnung dieser Gruppe erfolgt in LT B1-LT D1/D2. Von besonderem Interesse ist das Problem, welcher Bezug zwischen dieser Gruppe und der Fundstellengruppe in Südostpolen besteht. Materielle Verbindungen sind auch in alten Schriftquellen dokumentiert. Diese erlauben es, die Gruppe der Oberen Theiß als Stamm der Anarti und die von Südostpolen als Anartophracti zu bestimmen, wobei letztere Teil des ersteren Stammes waren.“ Marek Olędzki: La Tine culture in the Upper Tisza Basin = La Culture de la Tene dans le Bassin de la Haute Tisza. In: Ethnographisch-archäologische Zeitschrift, ISSN 0012-7477
  4. Stadtprivileg in Latein – Quellentexte [in:] Digitalbibliothek von AGAD, Nr 7226.
  5. KH Sanok (pl)