Santa Maria Val Müstair

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Santa Maria Val Müstair
Wappen von Santa Maria Val Müstair
Basisdaten
Staat: Schweiz
Kanton: Graubünden (GR)
Bezirk: Innw
Kreis: Münstertal
Gemeinde: Val Müstairi2
Postleitzahl: 7536
Koordinaten: 828762 / 16554146.60194110.4249991375Koordinaten: 46° 36′ 7″ N, 10° 25′ 30″ O; CH1903: 828762 / 165541
Höhe: 1'375 m ü. M.
Fläche: 41.60 km²
Einwohner: 346 (31. Dezember 2007)
Einwohnerdichte: 8 Einw. pro km²
Website: www.stamaria.ch
Santa Maria Val Müstair

Santa Maria Val Müstair

Karte
Santa Maria Val Müstair (Schweiz)
Santa Maria Val Müstair
ww
Gemeindestand vor der Fusion am 1. Januar 2009

Santa Maria Val Müstair ( [ˌsantɐˌmariɐ̯ ˌvalmyˈʃtaɪ̯r]?/i; bis 1995 offiziell Santa Maria im Münstertal genannt) war bis zum 31. Dezember 2008 eine politische Gemeinde im Kreis Val Müstair im Bezirk Inn des Kantons Graubünden in der Schweiz.

Per 1. Januar 2009 hat Santa Maria Val Müstair mit den übrigen Schweizer Gemeinden der Talschaft (Fuldera, , Müstair, Tschierv und Valchava) zur Gemeinde Val Müstair fusioniert.

Geographie[Bearbeiten]

Santa Maria war vor der Fusion die südlichste Gemeinde des Bezirks Inn. Der Ort liegt an der Kreuzung der Passstrassen über den Ofenpass und den Umbrailpass und grenzt an Südtirol. Der Ortskern von Sta. Maria liegt auf 1'375 m ü. M. Der höchste Punkt des früheren Gemeindegebietes ist der Piz Umbrail mit 3'033 m. Weiter zählen die Fraktionen Sielva, Pizzet, Pütschai, Craistas und Büglios zum früheren Gemeindegebiet.

Bevölkerung[Bearbeiten]

1850 zählte Santa Maria noch 437 Einwohner. Seitdem ist die Zahl der Einwohner mehr oder weniger stetig auf den heutigen Stand von 348 gesunken.

Sprachen[Bearbeiten]

Ortssprache ist das Jauer, eine bündnerromanische Mundart. Doch hatte die Gemeinde bereits im späten 19. Jahrhundert eine deutschsprachige Minderheit. Dennoch ist die Gemeinde bis heute überwiegend romanischsprachig geblieben. Die Mehrheitsverhältnisse haben sich allerdings verschoben. Romanisch bezeichneten 1880 81 %, 1910 63 % und 1941 74 % als ihre Muttersprache. Zwischen 1910 und 1970 wuchs der Anteil der Romanischsprachigen ständig an. So gaben 1970 81 % der Bevölkerung Romanisch als ihre Umgangssprache an. Danach wuchs der Anteil der deutschsprachigen Minderheit bis ins Jahr 1990 markant (von 18 % auf 29 %). Seither hat sich die Sprachenlage stabilisiert. Dies zeigt auch folgende Tabelle.

Sprachen in Sta. Maria
Sprachen Volkszählung 1980 Volkszählung 1990 Volkszählung 2000
Anzahl Anteil Anzahl Anteil Anzahl Anteil
Deutsch 78 20,31 % 106 28,73 % 83 25,38 %
Rätoromanisch 295 76,82 % 259 70,19 % 228 69,72 %
Italienisch 5 1,30 % 3 0,81 % 2 0,61 %
Einwohner 384 100 % 369 100 % 327 100 %

Die Gemeindeversammlungen werden in romanischer Sprache abgehalten und amtliche Publikationen erfolgen ebenfalls in romanisch. 1990 konnten sich 83 % und im Jahr 2000 82 % auf Romanisch verständigen.

Religionen – Konfessionen[Bearbeiten]

Mit 54 % bilden die Protestanten eine kleine Mehrheit gegenüber den 41 % der Katholiken. Die Reformation wurde bereits früh, zwischen 1526 und 1530, eingeführt. Doch schloss sich nur ein Teil der Bewohner der neuen Lehre an. Somit entstand eine nahezu paritätische Gemeinde.

Herkunft und Nationalität[Bearbeiten]

Von den Ende 2005 354 Bewohnern waren 330 Schweizer Staatsangehörige.

Gesundheit[Bearbeiten]

Die Gesundheitsversorgung im Val Müstair besorgt das Ospidal Val Müstair in Santa Maria. Das Spital ist mit 85 Angestellten und vier Ärzten das zweitkleinste Schweizer Spital (nach dem Spital von Promontogno im Bergell), aber der grösste Arbeitgeber des Tals. Es dient als Akutspital für ambulante Eingriffe, Pflegeheim, Hausarztpraxis und Zentrale des Rettungsdienstes.[1]

Wirtschaft[Bearbeiten]

Kleinste Bar der Welt

Eine wichtige Einnahmequelle des Orts ist der Tourismus. Seit dem 8. Dezember 2006 befindet sich in Sta. Maria auch die kleinste Bar der Welt (Guinness World Record) mit dem Namen „Smallest Whisky Bar on earth“, sie löste damit eine Bar in Colorado Springs/USA ab. Die Bar bietet auf nur 8,53 m² weit über 200 internationale Whisky-Sorten an, ein Whisky-Museum wurde angebaut. Seit 2007 werden unter eigenem Label Whiskysorten produziert. [2]

Wichtiger Ausbildungsbetrieb und zugleich Kulturträger ist die Handweberei Tessanda.

Geschichte[Bearbeiten]

Nachdem Karl der Grosse mit göttlicher Hilfe einem schrecklichen Unwetter entkommen war, setzte er gemäss der Legende im Jahre 801 mit dem Bau einer Kapelle den Grundstein der Gemeinde.

In Dokumenten wird die Gemeinde Santa Maria erstmals 1167/70 als Capellam sancte Maria in Silvaplana erwähnt. Dabei handelte es sich um eine Kapelle. Nach und nach entstand im Umkreis der Kapelle das Dorf.

Einige Daten:

  • Im Juni 1499 wurde das Dorf durch kaiserlich-österreichische Truppen zerstört.
  • 1526 und 1530 wurde in der Gemeinde die Reformation eingeführt.
  • Im Jahr 1630 forderte die Pest 460 Tote.
  • Am 27. April 1764 wurde der äussere Teil des Dorfes durch Brandstiftung gänzlich zerstört.
  • 1898–1901 wurde die Umbrailstrasse gebaut. Mit ihrer Fertigstellung setzte der Tourismus ein.
  • Während des Ersten Weltkrieges wurde der Umbrail und seine Umgebung zur Überwachung der österreichisch-italienischen Frontlinie durch die Schweizer Armee genutzt.
  • Im Sommer 2003 wurden bei einem Grossbrand mehrere Häuser des Dorfkerns zerstört.

Kunst, Kultur[Bearbeiten]

Auf dem Umbrailpass kann man einen 30 km langen militärhistorischen Wanderweg begehen. Er führt den Besucher zu verschiedenen Stellungen aus der Zeit des Ersten Weltkrieges. Zahlreiche Informationstafeln erklären sowohl die militärischen Anlagen als auch die Vorkommnisse an und neben der Front. Mitten im Dorf wurde im Haus der Jugendherberge (Chasa Plaz) ein Museum zur Geschichte der Grenzbesetzung 1914/18 eingerichtet.[3]

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

  • Not Bott (* 14. Mai 1927 in Valchava, † 24. November 1998 in Poschiavo), Holzbildhauer. Kunst am Bau und Platzgestaltung[4]

Bilder[Bearbeiten]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Santa Maria Val Müstair – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Rebekka Haefeli: Das Zwergspital im fernen Osten, Neue Zürcher Zeitung vom 25. Februar 2012, S. 17
  2. smallestwhiskybaronearth.com: Smallest Whisky Bar on earth, Zugriff am 26. Mai 2011
  3. stelvio-umbrail.ch: Stelvio-Umbrail 14/18-Mit uns in die Geschichte wandern, Zugriff am 26. Mai 2011
  4. Not Bott auf www.sikart.ch
  5. Hotel Chasa Capol
  6. Hotel Crusch Alba
  7. Wohnhaus Ritter