XVII. Armee-Korps (Deutsches Kaiserreich)

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Generalkommando des XVII. Armee-Korps in Danzig

Das XVII. Armee-Korps war ein Großverband der Preußischen Armee.

Gliederung[Bearbeiten]

Das Korps war bis zu Beginn des Ersten Weltkrieges der I. Armee-Inspektion unterstellt. Sitz des Generalkommandos war bis zur Auflösung 1919 Danzig.

Friedensgliederung 1914[1][Bearbeiten]

General der Infanterie August von Lentze
General der Infanterie Georg von Braunschweig

Geschichte[Bearbeiten]

Durch Gesetz vom 27. Januar 1890 wurde die Trennung der West- und Ostpreußischen Provinz auch in militärischer Beziehung vorbereitet. Es bestimmte, dass ab dem 1. April 1890 die gesamte Heeresmacht des Deutschen Reiches aus zwanzig Armee-Korps bestehen sollte. Die hierauf sich begründende A.K.O. vom 1. Februar besagt: „Es sind neuzubilden das XVI. und XVII. Armee-Korps. Letzteres tritt zur I. Armee-Inspektion und umfasst in militärischer Hinsicht das Gebiet der Landwehrbezirke: Schlawe, Stolp, Konitz, Thorn, Graudenz, Danzig, Pr. Stargard, Neustadt,Osterode, Dt. Eylau und Marienburg.“

Da sich die IV. (Halb)Bataillone nicht bewährten, wurde ein auf Änderung der Heeresleitung seitens der Reichsregierung eingebrachter Antrag im August 1896 angenommen. In jedem Armee-Korps sollte am 1. April 1897 eine neue Infanterie-Brigade aufgestellt werden. Jede Division hatte aus den Halbbataillonen ein Regiment à acht Kompanien zu bilden. Im Bereich des XVII. Armee-Korps entstand für die 35. Division die 87. Infanterie-Brigade, die aus den Infanterie-Regimentern Nr. 175 und 176 bestand.

Erster Weltkrieg[Bearbeiten]

Im August 1914 stand das XVII. Armee-Korps unter General der Kavallerie von Mackensen im Rahmen der 8. Armee (General von Prittwitz-Gaffron) in Ostpreußen und zählte 24 Bataillone Infanterie, acht Eskadronen Kavallerie, mit 160 Geschütze. Chef des Stabes war Oberstleutnant von Duncker. Die unterstellte 35. Division führte Generalleutnant Hennig und die 36. Division stand unter dem Kommando von Generalleutnant von Heineccius.[2]

Zu Kriegsbeginn deckte das Korps die Linie östlich der Weichsel im Raum Deutsch-Eylau an der Linie Thorn bis westlich von Soldau, mit Front nach Süden. Beim ersten Vorstoß wurde am 13. August vorübergehend Mlawa besetzt. Wegen der schnelleren Bedrohung der Ostgrenze von Ostpreußen wurde das Korps aber zur Verstärkung des bedrohten I. Korps ab 14. August nach Insterburg abtransportiert. Die leergewordene Front wurde darauf durch die Landwehrtruppen unter Generalmajor von Unger gesichert, der den Anschluß an das im Raum Ortelsburg liegende XX. Korps (Scholtz) hielt.[3]

Am 19. August 1914 griffen die Russen in der Schlacht bei Gumbinnen an mehreren Stellen an, konnten jedoch überall abgewehrt werden. Das XVII. Korps war nach einem Nachtmarsch von 25 Kilometer bei Plicken (35. Division) und südlich davon bei Girnen (36. Division) eingerückt. Am 20. August erfolgte der deutsche Gegenangriff, am Nordflügel war der Angriff des I. Armee-Korps erfolgreich. Der rechte Flügel der russischen 1. Armee (20. Korps und Teile des 3.) wurde dabei zurückgedrängt. Im Mittelabschnitt an der Angerapp wurde Mackensens Korps nach Anfangserfolgen durch das russische 3. und 4. Korps jedoch unter schweren Verlusten in die Ausgangsstellung Walterkehmen-Perkallen-Plicken zurückgeworfen. Den rechten Flügel bei Angerburg hielt das I. Reserve-Korps unter von Below.[4]

August von Mackensen

Nach der Armeeübernahme durch General der Infanterie von Hindenburg am 23. August wurde das Korps nach Süden umgruppiert und trat mit dem I. Reserve-Korps in die Schlacht von Tannenberg ein. Am 25. August marschierte das I. Armee-Korps am rechten Flügel des XX. beiderseits von Neidenburg auf. Um den Gegner im Süden in die Flanke zu stossen hatte das XVII. Korps eine Marschleistung von 50 Kilometer auf sich zu nehmen und marschierte über Groß-Schwansfeld mit der 36. Division voran auf Bischofstein vor. Das rechte Flügelkorps der russischen 2.Armee (6. Korps) marschierte gegenüber über Bischofsburg nordwärts, also direkt dem XVII. Armee-Korps entgegen. Am 26. August traf man zwischen Lautern und Groß-Koellen auf den Feind, auch das am rechten Flügel begleitende I. Reserve-Korps stiess mit der 36. Reserve-Division am Nordufer des Dadey-See auf den Gegner. Nach dem nötigen Abschwenken des Korps Below zur Verstärkung des Zentrums bei Allenstein setzte Mackensen seinen Südmarsch weiter fort. Das rechte Flügelkorps Samsonows wurde am 27. August bei Passenheim geschlagen und auf Ortelsburg zurückgeworfen. Am 28. August erreichte die Vorhut im Raum westlich von Willenberg die Verbindung zum gegenstoßenden I. Armee-Korps. Die Einkesselung der russischen 2. Armee wurde bis zum 31. August erfolgreich abgeschlossen.

Am 9. September stand das Korps während der Schlacht an den Masuren im Raum Lötzen am südlichen Flügel der 8. Armee. Die 35. Division konnte im schweren Kampf bis zum Abend die Stellungen der Russen bei Kruglanken durchbrechen. Nördlich von Angerburg ansetzend öffnete dem Korps der Angriff des XX. Korps den Eingang in die Seenenge bei Ogonken. Bereits am 11. September befanden sich die Masse der russischen 1. Armee auf den Rückzug über die Angerapp, am Südflügel hielt der Gegner vor dem XVII. Korps aber aus taktischen Gründen länger stand. Am Abend stand die 8. Armee an der Linie Tolmingkehmen–Goldap (I. Korps) über Gaweiten (XVII. Korps) nach Szabienen-Darkehmen (XX. Korps) bis Nemmersdorf (XI. Korps). Die 35. Division erreichte abends Kleszowen, die 36. Division konnte östlich und nördlich Szabienen nicht vorankommen.[5]

Anfang November 1914 wurde Generalleutnant von Pannewitz zum neuen Kommandierenden General des Korps ernannt. Im Verband der deutschen 9. Armee kämpfte das XVII. Korps im November 1914 bei Kutno, in der Schlacht um Lodz sowie an der Rawka und Bzura. Als Teil der Armeegruppe Gallwitz stand das Korps ab 13. Juli 1915 in der Narew-Offensive. Der Gruppe Pannewitz war jetzt auch die 1. Garde-Reserve-Division unterstellt, bereits am ersten Tag gelang die Eroberung von Przasnysz. Anschließend durchbrach das Korps die Bogate-Stellung, überschritt zwischen Różan und Pułtusk den Narew und konnten die russischen Streitkräfte bei Wonsewo Anfang August 1915 erneut zurückdrängen. Nach weiteren Gefechten und Schlachten kam der Vormarsch in den litauischen Sümpfen zum Erliegen. Im Oktober 1915 kam das Korps die Westfront und lag in Stellungskämpfen zwischen Somme und Oise.

In der am 1. Juli 1916 beginnenden Schlacht an der Somme hielt das Generalkommando des XVII. Korps als „Gruppe Pannewitz“ den südlich der Somme ringenden Abschnitt der 2. Armee. Die unterstellte 121., 11. sowie die 35. und 36. Division verteidigten den Abschnitt Estrees-Lihons-Chaulnes bis nach Andechy und konnten in schweren Abwehrkämpfen den überwiegenend Teil dieser Stellungen gegen die Angriffe der inneren Flügel der französischen 6 und 10. Armee in Richtung auf Peronne behaupten.

Am 7. September 1916 übernahm General Fleck die Führung des XVII. Korps. Anfang November hielt das Korps mit der unterstellten 35. Division und 15. Reserve-Division gegenüber dem französischen X. Korps etwa die neue Linie ChillyFouquescourt-Parvillers.

Kommandierender General[Bearbeiten]

Das Generalkommando stand unter Führung eines Kommandierenden Generals.

Dienstgrad Name Datum[6]
Generalleutnant/
General der Infanterie
August von Lentze 24. März 1890 bis 1. April 1902
General der Infanterie Georg von Braunschweig 03. April 1902 bis 26. Januar 1908
General der Kavallerie August von Mackensen 27. Januar 1908 bis 1. November 1914
Generalleutnant/
General der Infanterie
Günther von Pannewitz 02. November 1914 bis 6. September 1916
Generalleutnant Paul Fleck 07. September 1916 bis 18. Februar 1918
Generalleutnant Richard von Webern 19. Februar bis 22. Juni 1918
Generalleutnant Günther von Etzel 23. Juni bis 26. August 1918
(mit der Führung beauftragt)
Generalleutnant Axel von Petersdorff 27. August bis 27. Dezember 1918
General der Infanterie Otto von Below 28. Dezember 1918 bis 26. Juni 1919

Fahnen/Fahnenschmuck[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Kriegsministerium, Geheime Kriegs-Kanzlei (Redaktion): Rangliste der Königlich Preußischen Armee und des XIII. (Königlich Württembergischen) Armeekorps für 1914. […] Nach dem Stande vom 6. Mai 1914. […], Verlag Ernst Siegfried Mittler und Sohn, Berlin 1914. S. 101ff.
  2. Reichsarchiv: Der Weltkrieg 1914–1918. Band II: Die Befreiung Ostpreußens. E.S. Mittler und Sohn, Berlin 1925, S. 359.
  3. Reichsarchiv: Der Weltkrieg 1914–1918. Band II: Die Befreiung Ostpreußens. E.S. Mittler und Sohn, Berlin 1925, S. 60.
  4. Reichsarchiv: Der Weltkrieg 1914–1918. Band II: Die Befreiung Ostpreußens. E.S. Mittler und Sohn, Berlin 1925, S. 89f.
  5. Reichsarchiv: Der Weltkrieg 1914–1918. Band II: Die Befreiung Ostpreußens. E.S. Mittler und Sohn, Berlin 1925, S. 297.
  6. Dermot Bradley (Hrsg.), Günter Wegner: Stellenbesetzung der Deutschen Heere 1815–1939. Band 1: Die Höheren Kommandostellen 1815–1939. Biblio Verlag. Osnabrück 1990. ISBN 3-7648-1780-1. S. 80.