XVII. Armee-Korps (Deutsches Kaiserreich)

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Generalkommando des XVII. Armee-Korps in Danzig

Das XVII. Armee-Korps war ein Großverband der Preußischen Armee.

Gliederung[Bearbeiten]

Das Korps war bis zu Beginn des Ersten Weltkrieges der I. Armee-Inspektion unterstellt. Sitz des Generalkommandos war bis zur Auflösung 1919 Danzig.

Friedensgliederung 1914[1][Bearbeiten]

Fahnen der Linien-Infanterie-Regimenter[Bearbeiten]

Muster
Muster (Jäger)

Das Mittelfeld der Fahne war von silbernen Lorbeerzweigen umwunden. Über ihm befand sich die Königskrone unter der sich ein silbernes Spruchband, „Pro Gloria et Patria“, befand. Das Mittelfeld selbst zierte der alte friderizianische bewehrte schwarze Adler. In den vier Ecken befanden sich, in Gold oder Silber ausgeführt, die mit Palmenzweigen umwundenen, ebenfalls gekrönten Namenszüge, der zum Zeitpunkt der Verleihung regierenden Könige. Zwischen den Eckmedaillons befanden sich vier Seitenflammen. Diese befanden sich erstmals auf den 1808 verliehenen Fahnen.[2]

Für die große Menge an Linien-Infanterie-Regimentern wurde von Kaiser Wilhelm II. per Ordre vom 18. Dezember 1890 bestimmt, dass die Farbe der Fahnentücher sich nach der der Achselklappen zu richten habe. Hierdurch wurde innerhalb des Korps eine Gleichförmigkeit erzielt. Abweichend von diesen wurde für die Jäger-Bataillone, leichte Infanterie, die grüne Farbe für die Fahnen nach dem Linienmuster bestimmt.

Das XVII. Korps trug gelbe Achselklappen.

Des Weiteren wurden grundlegende Anordnungen über die zukünftige Gestaltung der Fahnen- und Standartentücher erlassen. Die Fahnen waren in Zukunft in Gold oder Silber, je nach Knopffarbe des Truppenteils, bestickt. Die gemalten Tücher hatten nur eine geringe Haltbarkeit bewiesen. Gleichfalls wurde angeordnet, das die Fahnen in deren Abmessungen um 16 cm, ergo deren Fläche auf 126 cm², verringert werden sollten. Der im Mittelfeld befindliche „preußische Kriegsadler“ sollte wieder seine friderizianische Gestalt erhalten. Die Krone, der Schwertknauf und das Blitzbündel des Adlers waren stets in Gold zu halten.

In der Folgezeit wurden vier Arten von Fahnen unterschieden:

  1. Gardefahnen
  2. Garde-Grenadierfahnen
  3. Fahnen für die Grenadier-Regimenter
  4. Fahnen für die neuen Linien-Regimenter

Das Mittelfeld, die vier Eckmedaillons (sie waren von der Knopffarbe durchwirkt) und das Spruchband hatten die Farbe der Achselklappen. Die vier Keile waren weiß mit schwarzen Rändern.[3]

Anlässlich der Jahrhundertfeier erließ der Kaiser den Befehl, er wolle den Fahnen und Standarten, deren Tücher ruhmreich im Felde standen, die Tücher erneuern. In der Folgezeit, d. h. in den nächsten 7 Jahren, fand die feierliche Weihe der neuen Feldzeichen in der Ruhmeshalle des Berliner Zeughauses statt.[4] Sie wurden dann anlässlich der Kaiserparade, die den Kaisermanövern vorausging, den Truppen feierlichst übergeben.[5]

Fahnenschmuck[Bearbeiten]

Die Fahnenstangen waren schwarz und maßen mit deren Spitze etwa 3 Meter. In der Spitze befand sich der Namenszug des zur Zeit der Verleihung regierenden Königs. Da die Fahne ein Symbol darstellte, wurden auch ihr, wie dem Offizier und Mann an der Front, Auszeichnungen und Orden verliehen.

So wurden auf Befehl Friedrich Wilhelm III. nach den Befreiungskriegen diejenigen Fahnen, die an der Front gestanden hatten, ein Eisernes Kreuz. An die Stelle des Namenszuges trat die von zwei Lorbeerzweigen umgebene erwähnte Auszeichnung in einer schlank gehaltenen Spitze. Die Füsilier-Bataillone, die ohne Fahne ausgerückt waren, erhielten diese Auszeichnung nicht.

Nach dem Kriege von 1870/71 wurde anlässlich des Einzuges der siegreichen Truppen am 16. Juni 1871 in Berlin angeordnet, dass die Fahnen der am Kriege teilnehmenden Truppenteile, sofern sie noch kein 1813er Kreuz hatten, eines bekamen. Dieses war jedoch nicht von Lorbeerzweigen umgeben, sondern, in einer breiteren Spitze stehend, von einem Lorbeerkranz. Am 11. April 1872 wurde diese Auszeichnung auch jenen Fahnen verliehen, die bestimmungsgemäß ihre Fahnen beim Ausmarsch zurückgelassen hatten[6] Die einzige Fahne, die diese Auszeichnung nicht erhielt, war die des II. Bataillons des 8. Pommerschen Infanterie-Regiments Nr. 61. Bei der Schlacht an der Lisaine wurde sie vor Dijon vom Feinde erobert.

Zu jeder Fahne gehörte ferner, ein 3,7 cm breites Band, welches Banderole genannte wurde. Es trug die Landesfarben schwarz-weiß und lief in zwei gleichfarbigen Quasten aus. Es wurde an der Fahne befestigt, indem man es um die Spitze schlung. Erhielt das Feldzeichen ein Kriegsband, so ersetzte dies die Banderole. Es wurden folgende Fahnenbänder verliehen:

Außer mit Bändern waren die preußischen Feldzeichen auch mit Ringen, Erkennungs- oder Gedenkringe, geziert.

Die Ersteren geben den Besitzer des betreffenden Truppenteils mit schwarzen Buchstaben auf messingnen Ringen an, also z. B. II IR 162 = II. Bataillon Infanterie-Regiment 162. Sie wurden 1837 eingeführt, weil die Fahnen wegen ihres gleichen Aussehens der Tücher nur schwer zu Unterscheiden waren. Unter König Wilhelm wurde neben des Regiments auch die Bataillonsbezeichnung hinzugefügt.

Als Beispiel für einen der Letzteren verbleiben wir bei der o. g. Fahne. Bei den Gefechten in Loigny, seinerzeit noch als Fahne des Füsilier-Bataillons der 76er (III/76), wurde sie beschädigt. Als die Fahne am 23. Mai 1872 dem Kaiser in Berlin vorgestellt wurde, verfügte dieser, das sie neben dem Eisernen Kreuz einen silbernen Gedenkring mit der Gravierung „Loigny (Orleans) 2. Dezember 1870“ erhalten sollte.

Per AKO vom 14. Dezember 1899 wurde an den schwarz-silbernen Bändern der Banderole möglichst nahe der Quasten das Anbringen einer Spange befohlen. Sie sollten ein sichtbares Zeichen für die Einheit des Reiches sein. Sie bestanden aus vergoldeten Metallplatten. Auf der Vorderseite hatten sie den gekrönten Namenszug (WR), auf der Rückseite den Stiftungstag des Truppenteils und das Datum 1. Januar 1900. Am 1. August 1914 sollte die deutsche Armee aus 25 Armeekorps bestehen.

General der Infanterie August von Lentze
General der Infanterie Georg von Braunschweig

Geschichte[Bearbeiten]

Durch Gesetz vom 27. Januar 1890 wurde die Trennung der West- und Ostpreußischen Provinz auch in militärischer Beziehung vorbereitet. Es bestimmte, dass ab dem 1. April 1890 die gesamte Heeresmacht des Deutschen Reiches aus zwanzig Armee-Korps bestehen sollte.

Die hierauf sich begründende A.K.O. vom 1. Februar besagt: Es sind neuzubilden das XVI. und XVII. Armee-Korps. Letzteres tritt zur I. Armee-Inspektion und umfasst in militärischer Hinsicht das Gebiet der Landwehrbezirke: Schlawe, Stolp, Konitz, Thorn, Graudenz, Danzig, Pr. Stargard, Neustadt,Osterode, Dt. Eylau und Marienburg.

Da sich die IV. (Halb)Bataillone nicht bewährten, wurde ein auf Änderung der Heeresleitung seitens der Reichsregierung eingebrachter Antrag im August 1896 angenommen. In jedem Armee-Korps sollte am 1. April 1897 eine neue Infanterie-Brigade aufgestellt werden. Jede Division hatte aus den Halbbataillonen ein Regiment à 8 Kompanien zu bilden. Im Bereich des XVII. Armee-Korps entstand für die 35. Division die 87. Infanterie-Brigade, die aus den Infanterie-Regimentern Nr. 175 und Nr. 176 bestand.

Erster Weltkrieg[Bearbeiten]

Im August 1914 stand das XVII. Armee-Korps unter General der Kavallerie von Mackensen im Rahmen der 8. Armee (General von Prittwitz-Gaffron) in Ostpreußen und zählte 24 Bataillone Infanterie, 8 Schwadronen Kavallerie, mit 160 Geschütze. Chef des Stabes war Oberstleutnant von Duncker. Die unterstellte 35. Division führte Generalleutnant Hennig und die 36. Division stand unter dem Kommando von Generalleutnant von Heineccius.[7]

Zu Kriegsbeginn deckte das Korps die Linie östlich der Weichsel im Raum Deutsch-Eylau an der Linie Thorn bis westlich von Soldau, mit Front nach Süden. Beim ersten Vorstoß wurde am 13. August vorübergehend Mlawa besetzt. Wegen der schnelleren Bedrohung der Ostgrenze von Ostpreußen wurde das Korps aber zur Verstärkung des bedrohten I. Korps ab 14. August nach Insterburg abtransportiert. Die leergewordene Front wurde darauf durch die Landwehrtruppen unter Generalmajor von Unger gesichert, der den Anschluß an das im Raum Ortelsburg liegende XX. Korps (Scholtz) hielt. [8]

Am 19. August 1914 griffen die Russen in der Schlacht bei Gumbinnen an mehreren Stellen an, konnten jedoch überall abgewehrt werden. Das XVII. Korps war nach einem Nachtmarsch von 25 Kilometer bei Plicken (35. Division) und südlich davon bei Girnen (36. Division) eingerückt. Am 20. August erfolgte der deutsche Gegenangriff, am Nordflügel war der Angriff des I. Armee-Korps erfolgreich. Der rechte Flügel der russischen 1. Armee (20. Korps und Teile des 3.) wurde dabei zurückgedrängt. Im Mittelabschnitt an der Angerapp wurde Mackensens Korps nach Anfangserfolgen durch das russische 3. und 4. Korps jedoch unter schweren Verlusten in die Ausgangsstellung Walterkehmen-Perkallen-Plicken zurückgeworfen. Den rechten Flügel bei Angerburg hielt das I. Reserve-Korps unter von Below. [9]

August von Mackensen

Nach der Armeeübernahme durch General der Infanterie von Hindenburg am 23. August wurde das Korps nach Süden umgruppiert und trat mit dem I. Reserve-Korps in die Schlacht von Tannenberg ein. Am 25. August marschierte das I. Armee-Korps am rechten Flügel des XX. beiderseits von Neidenburg auf. Um den Gegner im Süden in die Flanke zu stossen hatte das XVII. Korps eine Marschleistung von 50 Kilometer auf sich zu nehmen und marschierte über Groß-Schwansfeld mit der 36. Division voran auf Bischofstein vor. Das rechte Flügelkorps der russischen 2.Armee (6. Korps) marschierte gegenüber über Bischofsburg nordwärts, also direkt dem XVII. Armeekorps entgegen. Am 26. August traf man zwischen Lautern und Groß-Koellen auf den Feind, auch das am rechten Flügel begleitende I. Reserve-Korps stiess mit der 36. Reserve-Division am Nordufer des Dadey-See auf den Gegner. Nach dem nötigen Abschwenken des Korps Below zur Verstärkung des Zentrums bei Allenstein setzte Mackensen seinen Südmarsch weiter fort. Das rechte Flügelkorps Samsonows wurde am 27. August bei Passenheim geschlagen und auf Ortelsburg zurückgeworfen. Am 28. August erreichte die Vorhut im Raum westlich von Willenberg die Verbindung zum gegenstoßenden I. Armee-Korps. Die Einkesselung der russischen 2. Armee wurde bis zum 31. August erfolgreich abgeschlossen.

Am 9. September stand das Korps während der Schlacht an den Masuren im Raum Lötzen am südlichen Flügel der 8. Armee. Die 35. Division konnte im schweren Kampf bis zum Abend die Stellungen der Russen bei Kruglanken durchbrechen. Nördlich von Angerburg ansetzend öffnete dem Korps der Angriff des XX. Korps den Eingang in die Seenenge bei Ogonken. Bereits am 11. September befanden sich die Masse der russischen 1. Armee auf den Rückzug über die Angerapp, am Südflügel hielt der Gegner vor dem XVII. Korps aber aus taktischen Gründen länger stand. Am Abend stand die 8. Armee an der Linie Tolmingkehmen – Goldap (I. Korps) über Gaweiten (XVII. Korps) nach Szabienen-Darkehmen (XX. Korps) bis Nemmersdorf (XI. Korps). Die 35. Division erreichte abends Kleszowen, die 36. Division konnte östlich und nördlich Szabienen nicht vorankommen. [10]

Anfang November 1914 wurde Generalleutnant von Pannewitz zum neuen Kommandierenden General des Korps ernannt. Im Verband der deutschen 9. Armee kämpfte das XVII. Korps im November 1914 bei Kutno, in der Schlacht um Lodz sowie an der Rawka und Bzura. Als Teil der Armeegruppe Gallwitz stand das Korps ab 13. Juli 1915 in der Narew-Offensive. Der Gruppe Pannewitz war jetzt auch die 1. Garde-Reserve-Division unterstellt, bereits am ersten Tag gelang die Eroberung von Przasnysz. Anschließend durchbrach das Korps die Bogate-Stellung, überschritt zwischen Różan und Pułtusk den Narew und konnten die russischen Streitkräfte bei Wonsewo Anfang August 1915 erneut zurückdrängen. Nach weiteren Gefechten und Schlachten kam der Vormarsch in den litauischen Sümpfen zum Erliegen. Im Oktober 1915 kam das Korps die Westfront und lag in Stellungskämpfen zwischen Somme und Oise.

In der am 1. Juli 1916 beginnenden Schlacht an der Somme hielt das Generalkommando des XVII. Korps als „Gruppe Pannewitz“ den südlich der Somme ringenden Abschnitt der 2. Armee. Die unterstellte 121., 11. sowie die 35. und 36. Division verteidigten den Abschnitt Estrees-Lihons-Chaulnes bis nach Andechy und konnten in schweren Abwehrkämpfen den überwiegenend Teil dieser Stellungen gegen die Angriffe der inneren Flügel der französischen 6 und 10. Armee in Richtung auf Peronne behaupten.

Am 7. September 1916 übernahm General Fleck die Führung des XVII. Korps. Anfang November hielt das Korps mit der unterstellten 35. Division und 15. Reserve-Division gegenüber dem französischen X. Korps etwa die neue Linie ChillyFouquescourt-Parvillers.

Kommandierender General[Bearbeiten]

Das Generalkommando stand unter Führung eines Kommandierenden Generals.

Dienstgrad Name Datum[11]
Generalleutnant/General der Infanterie August von Lentze 24. März 1890 bis 1. April 1902
General der Infanterie Georg von Braunschweig 3. April 1902 bis 26. Januar 1908
General der Kavallerie August von Mackensen 27. Januar 1908 bis 1. November 1914
Generalleutnant/General der Infanterie Günther von Pannewitz 2. November 1914 bis 6. September 1916
Generalleutnant Paul Fleck 7. September 1916 bis 18. Februar 1918
Generalleutnant Richard von Webern 19. Februar bis 22. Juni 1918
Generalleutnant Günther von Etzel 23. Juni bis 26. August 1918 (mit der Führung beauftragt)
Generalleutnant Axel von Petersdorff 27. August bis 27. Dezember 1918
General der Infanterie Otto von Below 28. Dezember 1918 bis 26. Juni 1919

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Kriegsministerium, Geheime Kriegs-Kanzlei (Redaktion): Rangliste der Königlich Preußischen Armee und des XIII. (Königlich Württembergischen) Armeekorps für 1914. [...] Nach dem Stande vom 6. Mai 1914. [...], Verlag Ernst Siegfried Mittler und Sohn, Berlin o.J., S. 101 ff.
  2. Gustaf Lehmenn: Geschichte der Königlich Preußischen Fahnen und Standarten seit dem Jahre 1807.; 1895 Berlin, E.S. Mittler & Sohn
  3. Martin Lezius: Fahnen und Standarten der alten preußischen Armee; Frankh'sche Verlagsbuchhandlung, Stuttgart 1935
  4. Fahnenverleihung: 28. August 1904
  5. Kaiserparade: 4. September 1904
  6. Wie z. B. die Jäger-Bataillone Nr. 1-11
  7. Reichsarchiv: Band II Die Befreiung Ostpreußens, Mittler und Sohn, Berlin 1925, S. 359
  8. Reichsarchiv: Band II Die Befreiung Ostpreußens, Mittler und Sohn, Berlin 1925, S. 60
  9. Reichsarchiv: Band II Die Befreiung Ostpreußens, Mittler und Sohn, Berlin 1925, S. 89 f.
  10. Reichsarchiv Band II Die Befreiung Ostpreußens, Mittler und Sohn, Berlin 1925, S. 297
  11. Dermot Bradley (Hrsg.), Günter Wegner: Stellenbesetzung der Deutschen Heere 1815-1939. Band 1: Die Höheren Kommandostellen 1815-1939. Biblio Verlag. Osnabrück 1990. ISBN 3-7648-1780-1. S. 80.