Târgu Mureș

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Târgu Mureș
Neumarkt am Mieresch
Marosvásárhely
Wappen von Târgu Mureș
Târgu Mureș (Rumänien)
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Basisdaten
Staat: Rumänien
Historische Region: Siebenbürgen
Kreis: Mureș
Koordinaten: 46° 32′ N, 24° 34′ O46.53333333333324.566666666667320Koordinaten: 46° 32′ 0″ N, 24° 34′ 0″ O
Zeitzone: OEZ (UTC+2)
Höhe: 320 m
Fläche: 50 km²
Einwohner: 127.849 (20. Oktober 2011)
Bevölkerungsdichte: 2.557 Einwohner je km²
Postleitzahl: 540xxx
Telefonvorwahl: (+40) 02 65
Kfz-Kennzeichen: MS
Struktur und Verwaltung (Stand: 2012)
Gemeindeart: Munizipium
Gliederung: 2 Gemarkungen/Katastralgemeinden: Mureșeni, Remetea
Bürgermeister: Dorin Florea (ApMS)
Postanschrift: Piața Victoriei, nr. 3
loc. Târgu Mureș, jud. Mureș, RO–540026
Website:
Târgu Mureș(rotes Viereck) - Rumänien - Nachbarorte: Turda, Mediaș, Sibiu
Mehrsprachiges Ortsschild: Rumänisch, Ungarisch, Deutsch
Panoramablick auf Târgu Mureș

Târgu Mureș [ˈtɨrɡu ˈmureʃ] (ältere Schreibweise Tîrgu Mureș; deutsch Neumarkt am Mieresch, ungarisch Marosvásárhely [ˈmɒroʃvaːʃaːrhɛj]) ist eine Stadt in Siebenbürgen, Rumänien. Sie ist Hauptstadt des Kreises Mureș.

Geographische Lage[Bearbeiten]

Neumarkt befindet sich am Fluss Mureș (dt. Mieresch, ung. Maros) in der historischen Region dem Komitat Maros-Torda. Die Umgebung ist durch Berge und Wälder geprägt. Neben einigen Seen, Bächen und Flüssen wie dem Mureș gibt es auch unterirdische Gewässer.

Das kontinental-gemäßigte Klima erzeugt große jahreszeitliche Temperaturschwankungen mit heißen, trockenen Sommern und kalten Wintern.

Geschichte[Bearbeiten]

Die ältesten archäologischen Hinweise auf die Besiedlung des heutigen Stadtterritoriums stammen aus dem Neolithikum, der Bronze- und der Eisenzeit. Außer den skythischen sind auch noch dakische und römische Spuren vorhanden.

Târgu Mureș wurde von den Szeklern gegründet. Urkundlich ist es im Jahr 1300 als Forum Siculorum, 1332 als Novum Forum Siculorum erwähnt. Die Geschichte der Stadt wurde wie die ganz Siebenbürgens vom Königreich Ungarn, vom Fürstentum Siebenbürgen bzw. seit Ende des 17. Jahrhunderts von Österreich-Ungarn bestimmt. 1482 erhielt der Ort das Recht, Märkte abzuhalten. 1492 ist die erste Schule erwähnt. Seit dem 15. Jahrhundert fanden hier häufig die siebenbürgischen Landtage statt. Auf einem dieser Landtage wurde 1571 die Glaubensfreiheit für das Fürstentum Siebenbürgen erklärt. Um 1600 hatte die Stadt mehrfach unter Einfällen türkischer und österreichischer Truppen zu leiden. Von 1605 bis 1652 wurde die Burg errichtet.

Im 19. Jahrhundert setzte die Industrialisierung der Stadt ein; 1871 erhielt Târgu Mureș durch die Inbetriebnahme der Bahnstrecke von Alba Iulia Anschluss an das Eisenbahnnetz.

1918 (vertraglich 1920) wurde die Stadt ein Teil Rumäniens. Infolge des Zweiten Wiener Schiedsspruchs wurde Târgu Mureș von 1940 bis 1944 zwischenzeitlich nochmal ein Teil Ungarns. Nach der kommunistischen Machtübernahme im Ergebnis des Zweiten Weltkrieges wurde die Industrieansiedlung forciert; es entstanden Großbetriebe in den Branchen Chemie, Maschinenbau, Lebensmittel- und Holzverarbeitung.[1]

Bevölkerung[Bearbeiten]

Im Jahr 1850 lebten in der Stadt erst 7.855 Menschen, davon etwa 80 % Ungarn. 1910 wohnten in der damals immer noch zu Ungarn gehörenden Stadt neben den 22.790 (89,3 %) Ungarn 1717 Rumänen (= 6,7 %) und 606 Deutsche (= 2,4 %), insgesamt 25.517 Einwohner. Allerdings wurden damals aus politischen Gründen die meisten Juden als Ungarn gerechnet; bei der ersten Volkszählung unter rumänischer Herrschaft (1920) bezeichneten sich 3246 Bürger (d. h. mehr als 10 %) als Juden. 1941 – unter zwischenzeitlich ungarischer Herrschaft – lebten in der Stadt 44.933 Menschen, von denen sich nur noch 1756 als Rumänen bezeichneten (gegenüber 9795 im Jahr 1930), was auf der Flucht einiger Rumänen, vor allem aber auf einer taktisch begründeten Änderung der angegebenen Nationalität beruhte. Nur noch 514 Juden wurden registriert. 1948 lebten in Târgu Mureș wieder 762 Juden, sowohl Überlebende der Stadtgemeinde als auch Zugezogene aus anderen Teilen Rumäniens.

In der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg vollzog sich eine gravierende Verschiebung in der ethnischen Zusammensetzung der Stadt: 2002 waren von den 128.612 Einwohnern 63.673 Rumänen (= 49,5 %) und 61.707 Ungarn (Szekler) (= 48,0 %). Damit ist Târgu Mureș der Ort mit der größten ungarischen Minderheit in ganz Siebenbürgen und Rumänien.

Zur Stadt gehören verwaltungstechnisch die beiden Katastralgemeinden Mureșeni und Remetea, die 2002 zusammen etwa 21.000 Einwohner hatten.[2]

Wirtschaft und Bildung[Bearbeiten]

In der Industrie ist vor allem die Chemiebranche in dieser Region traditionell stark vertreten. 7,6 % der Menschen sind arbeitslos.

In Târgu Mureș gibt es folgende Hochschulen:

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

  • Der Kulturpalast, von 1911 bis 1913 im ungarischen Jugendstil erbaut – heute auch Sitz der Philharmonie – hat Majolika-Ziegeln. Die Fassade sowie das Innere sind mit bunten Mosaiken verziert. Im Palast befindet sich ein prachtvoller Spiegelsaal. Weiterhin beherbergt das Bauwerk ein interessantes Geschichts- und Kunstmuseum und steht unter Denkmalschutz.[8].
  • Auch das Rathaus ist im ungarischen Jugendstil erbaut.
  • Die Teleki-Bolyai-Bibliothek, 1799–1803 in barockem Stil gebaut, ist eine der bedeutendsten Bibliotheken in Siebenbürgen. Viele wertvolle alte Bücher sind hier zu sehen. In der Bibliothek befindet sich auch ein Museum, das an Farkas und János Bolyai erinnert, steht unter Denkmalschutz.[8]
  • Die Ursprünge der Reformierten Kirche gehen auf das 14. Jahrhundert zurück. Imposant zeigt sich die nach dem Anschluss an Rumänien erbaute orthodoxe Kathedrale. Unweit von dieser steht die sehenswerte katholische Kirche.
  • Die Mittelalterliche Burg mit der reformierten Kirche, im 15. Jahrhundert errichtet, stehen unter Denkmalschutz.[8]
  • Die römisch-katholische Kirche Sf. Anton der Minoriten, 1740–1767 errichtet und das Minoriten-Kloster 1750 errichtet und 1903 erneuert, stehen unter Denkmalschutz.[8]
  • Die Holzkirche Sf. Arhanghel Mihail, 1793 errichtet und 1814 erneuert, steht unter Denkmalschutz.[8]

Musikfestival[Bearbeiten]

Bilder[Bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten]

Luftverkehr[Bearbeiten]

Die Stadt verfügt über einen internationalen Flughafen mit Direktflügen in viele europäische Destinationen: (Barcelona, Memmingen, Beauvais, Bergamo, Budapest, Bukarest, Dortmund, Frankfurt-Hahn, London, Madrid, Rom) und in den Nahen Osten (Tel Aviv, Hurghada). Seit 2011 ist Târgu Mureș eine operative Basis der Billigfluggesellschaft Wizz Air.

Öffentlicher Verkehr[Bearbeiten]

Das städtische Unternehmen Siletina betreibt die Autobuslinien in der Stadt und in die Vororte.

Fernstraßen[Bearbeiten]

Târgu Mureș ist über die Europastraße E 60 aus Richtung Cluj-Napoca (Klausenburg); über die Nationalstraße DN 15 von Reghin (Sächsisch-Regen) kommend an die E 578, an das internationale Fernstraßennetz angebunden. Im Zuge des Baus der Autobahn A3 (Autostrada Transilvania) wird die Stadt auch an das Autobahnnetz angeschlossen werden.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Persönlichkeiten, die in der Stadt gewirkt haben[Bearbeiten]

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Angaben der offiziellen Homepage von Târgu Mureș:[9]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Târgu Mureș – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Website der Stadt, abgerufen am 3. November 2009
  2. Volkszählung 2002, abgerufen am 3. November 2009 (PDF; 1,2 MB)
  3. Webdarstellung der Medizinische und Pharmazeutische Universität Târgu Mureș
  4. Webdarstellung der Universität Petru Maior
  5. Webdarstellung der Universität der Künste Târgu Mureș
  6. Webdarstellung der Ökologische Universität Dimitrie Cantemir
  7. Webdarstellung der Universität Sapientia
  8. a b c d e Liste historischer Denkmäler des rumänischen Kulturministeriums, 2010 aktualisiert (rumänisch; PDF; 7,10 MB)
  9. Partnerstädte von Târgu Mureș