Trident (SLBM)

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Trident (SLBM)

Trident II beim Start von einem getauchten U-Boot
Trident II beim Start von einem getauchten U-Boot

Allgemeine Angaben
Typ: U-Boot-gestützte ballistische Rakete
Heimische Bezeichnung: UGM-96A Trident I (C4)
UGM-133A Trident I (D5)
Herkunftsland: Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Vereinigte Staaten
Hersteller: Lockheed Martin
Entwicklung: UGM-96: 1974
UGM-133: 1983
Indienststellung: UGM-96: 1979
UGM-133: 1990
Einsatzzeit: UGM-96: 1979–2005
UGM-133: im Dienst
Technische Daten
Länge: UGM-96: 10,39 m
UGM-133: 13,58 m
Durchmesser: UGM-96: 1.880 mm
UGM-133: 2.110 mm
Gefechtsgewicht: UGM-96: 33.000 kg
UGM-133: 58.900 kg
Antrieb:
Erste Stufe:
Zweite Stufe:
Dritte Stufe:

Feststoffraketentriebwerk
Feststoffraketentriebwerk
Feststoffraketentriebwerk
Geschwindigkeit: UGM-96: unbekannt
UGM-133: 21.000 km/h
Reichweite: UGM-96: 7.400 km
UGM-133: 11.300 km
Ausstattung
Lenkung: INS und Astronavigation
Gefechtskopf: UGM-96: 6–14 MIRV Nukleargefechtsköpfe mit je 100 kt
UGM-133: 8–14 MIRV Nukleargefechtsköpfe mit je 475 kt
Zünder: Programmierter Zünder
Waffenplattformen: U-Boote
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Trident bezeichnet eine Klasse von U-Boot-gestützten ballistische Interkontinentalrakete (SLBM) aus den USA. Die Raketen tragen die Bezeichnung UGM-96 Trident I und UGM-133 Trident II.

Entwicklung[Bearbeiten]

Im Rahmen des Programmes ULMS (Undersea Long-Range Missile System) begannen 1971 die Vorarbeiten zur Entwicklung der Trident I. Ziel dieses Programm war es, auf der Basis der erfolgreich eingeführten UGM-73 Poseidon, eine neue U-Boot-gestützte ballistische Rakete mit einer größeren Reichweite zu entwickeln. Die Trident I (C4) sollte auf den U-Booten der Lafayette-Klasse die Poseidon-Raketen ersetzten. Aus diesem Grund sollte sie über dieselben Abmessungen wie die Poseidon verfügen. Auch sollte sie mit dem Startsystem auf den zukünftigen U-Booten der Ohio-Klasse kompatibel sein.[1] Die Trident II (D5) sollte eine wesentlich größere Rakete, mit einer erheblich gesteigerten Reichweite werden. Trident II sollte auf den zukünftigen U-Booten der Ohio-Klasse zum Einsatz kommen. Der Entwicklungsauftrag wurde 1974 der Firma Lockheed zugesprochen. Der erste Teststart einer Trident I erfolgte im Januar 1977. Der erste Teststart ab einem U-Boot erfolgte im Juli 1979. Die ersten Trident I wurde 1979 auf der USS Francis Scott Key (SSBN-657) in Betrieb genommen. Der erste Teststart einer Trident II erfolgte im Januar 1987. Der erste Teststart ab einem U-Boot erfolgte im März 1989. Mit der Installation der ersten Raketen auf einem U-Boote der Ohio-Klasse wurde im März 1990 die Initial Operating Capability erreicht.[2]

Im Rahmen des sog. Polaris Sales Agreement beteiligte sich das Vereinigte Königreich mit 2,5 Milliarden US-Dollar an der Entwicklung der Trident II. Ab dem Jahr 1992 wurde die Trident II auf den U-Booten der Vanguard-Klasse der Royal Navy installiert.[3][4]

Während die Trident I als eine Zweitschlagswaffe klassifiziert wird, so ist die treffsicherere Trident II eine Erstschlagswaffe.[3]

Raketen[Bearbeiten]

Die Trident-Raketen sind dreistufige Raketen mit Feststoffantrieb. Die dritte Stufe ist der Wiedereintrittskörperträger (engl. Post Boost Vehicle).[5] Die Antriebsstufen sind übereinander angebracht und zünden der Reihe nach. Die Raketenkörper sind aus gewichtssparenden Verbundwerkstoffen auf der Basis von Kevlar hergestellt. Die Raketen können aus dem aufgetauchten oder aus dem getauchten U-Boot verschossen werden. Die Raketen können einzeln oder in Serie gestartet werden.[1] Erfolgt der Abschuss unter Wasser, werden die Raketen mittels Gasdruck aus den Startsilos geschossen. Nach einer Strecke von rund 10 m erfolgt die Zündung der ersten Raketenstufe und die Rakete bewegt sich Richtung Wasseroberfläche. Nach dem Durchstoßen der Wasseroberfläche wird an der Raketenspitze ein sog. „Aerospike“ ausgefahren.[2] Dieses reduziert beim durchfliegen der unteren Atmosphärenschichten den Luftwiderstand an der Raketenspitze um rund 50 %. Die Steuerung der Trident-Raketen erfolgt mittels verschiedener unabhängig arbeitenden Trägheitsnavigationsplattformen. Die Trident II-Rakete erhält nach dem Start zusätzlich Positionsdaten durch das NAVSTAR GPS.[5] Wenn die Raketen eine höhere Flugbahn erreicht haben, kommt zusätzlich ein optisches Astronavigation-System zum Einsatz. Nach dem Ausbrennen der ersten beiden Antriebsstufen (engl. boost phase) steigt die dritte Stufe mit dem Wiedereintrittskörperträger auf einer ballistischen Kurve weiter. Dann wird die ogivale Verkleidung der Raketenspitze abgetrennt und der Wiedereintrittskörperträger wird freigelegt. Jetzt kann dieser die letzten Positionsänderungen vornehmen. Die MIRV-Wiedereintrittskörper sind mit Sprengbolzen am Wiedereintrittskörperträger befestigt und werden durch eine kleine Ladung komprimierten Gases vom Träger gestartet. Die Wiedereintrittskörper werden in einer Sequenz, bei der der Träger zwischendurch jeweils Kurskorrekturen durchführt, auf ihre individuellen ballistischen Flugbahnen entlassen.[5]

Trident I kann bis zu 14 unabhängige MK 4 MIRV-Wiedereintrittskörper tragen. Der Start-I-Vertrag beschränkt aber die maximale Anzahl auf 6 Wiedereintrittskörper.[6] Die MK 4 Wiedereintrittskörper sind mit einem thermonuklearen W86 Sprengkopf bestückt. Dieser hat eine Sprengleistung von 100 kt. Die Wiedereintrittskörper erreichen eine Präzision (CEP) von 220–450 m (je nach Schussdistanz).[4]

Trident II kann bis zu 14 unabhängige MK 5 MIRV-Wiedereintrittskörper tragen. Der Start-I-Vertrag beschränkt aber die maximale Anzahl auf 8 Wiedereintrittskörper.[6] Die MK 5 Wiedereintrittskörper sind mit einem thermonuklearen W88 Sprengkopf bestückt. Dieser hat eine Sprengleistung von 475 kt. Die Wiedereintrittskörper erreichen eine Präzision (CEP) von 90–120  m (je nach Schussdistanz). Daneben kann die Trident II auch mit den älteren MK 4 Wiedereintrittskörper der Trident I bestückt werden. Die MK 4 und MK 5 Wiedereintrittskörper können in der Luft oder bei Bodenkontakt zur Detonation gebracht werden. Die Trident II hat die höchste Treffergenauigkeit aller U-Boot basierten US-amerikanischen Interkontinentalraketen.[2][6]

Die britischen Trident II auf den Booten der Vanguard-Klasse tragen 1–3 Mk 4 MIRV-Wiedereintrittskörper mit einer Sprengleistung von 100 kt.[7]

Einsatz[Bearbeiten]

Trident I ersetzte die UGM-73 Poseidon auf 12 U-Booten der Lafayette-Klasse. Ebenso wurde sie auf den ersten U-Booten der Ohio-Klasse stationiert. Insgesamt wurden bei Lockheed rund 600 Trident I produziert. Die maximale auf U-Booten stationierte Anzahl Trident I lag bei 384 Raketen im Jahr 1984. Ihr Einsatz war bis in das frühe 21. Jahrhundert geplant. Sie wurde ab 2005 komplett durch die Trident II ersetzt. Bis 1986 wurden insgesamt 117 Flugtests durchgeführt und dabei 222 Raketen verschossen. Demnach hatte die Trident I eine Startzuverlässigkeit von 85 % (34 Teststarts schlugen fehl). Zuletzt verschoss die USS Ohio (SSBN-726) am 9. Dezember 2001 vier Raketen dieses Typs.

Trident II wurde ab 1990 bei der U.S. Navy eingeführt und seit dem Jahr 2008 tragen die U-Boote der Ohio-Klasse nur noch die Trident II. Zwischen 1989 und 2007 wurden 425 Raketen im Rahmen des Originalvertrages für die US Navy gefertigt. Ursprünglich waren 540 Raketen geplant. Durch die Einsatzzeitverlängerung der Ohio-Klasse-SSBN auf 45 Jahre wurde auch eine Verlängerung der Dienstzeit der Trident II nötig. Daher bestellte die US Navy im Jahr 2007 108 neue Trident II D5LE (LE – Life Extended – einsatzzeitverlängert) für einen Gesamtwert von 15 Milliarden Dollar. Die ersten 12 Raketen wurden 2008 geliefert, die restlichen sollen bis 2012 folgen und ab 2013 ältere Raketen ersetzen, welche bei Testflügen verbraucht werden sollen.[7][8] Seit 1987 wurden von den USA 127 Tests durchgeführt, wonach die Trident II eine Startzuverlässigkeit von 96 % hatte, also zuverlässiger als die Trident I ist. Die letzten Testflüge einer Trident II D5 fanden am 14. und 16. April 2012 (je zwei Starts) vom amerikanischen SSBN USS Maryland (SSBN-738) statt. Damit flog die Trident II D5 142-mal erfolgreich in Folge.[9]

Die Trident II als Waffe des „Global Strike“[Bearbeiten]

Die im Rahmen der Militärdoktrin Joint Vision 2020 der US-Streitkräfte entwickelte Strategie des „Global Strike“ sieht seit einiger Zeit auch vor, die ursprünglich ausschließlich als Kernwaffen-Trägermittel entwickelten SLBMs der Trident-Klasse mit konventionellen Sprengköpfen zu bestücken, um genau definierte Ziele punktgenau und rasch zerstören zu können. Um nicht mit dem Völkerrecht in Konflikt zu kommen, wurde dem US-Senat vorgeschlagen, den Start-I-Vertrag nach 2009 (1991 noch mit der damaligen Sowjetunion geschlossen und 1994 in Kraft getreten) nicht zu verlängern.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b designation-systems.net, Zugriff: 3. Februar 2014
  2. a b c designation-systems.net, Zugriff: 3. Februar 2014
  3. a b fas.org, Zugriff: 3. Februar 2014
  4. a b missilethreat.com, Zugriff: 3. Februar 2014
  5. a b c astronautix.com, Zugriff: 3. Februar 2014
  6. a b c fas.org, Zugriff: 3. Februar 2014
  7. a b – US Nuclear Forces 2009
  8. Trident II D5 – aktuelle Entwicklungen – bei globalsecurity.org
  9. Trident II D5 Missile's Reliability Record Reaches 142 Successful Test Flights