AGM-65 Maverick

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Ein A-10-Pilot inspiziert eine AGM-65G

Die AGM-65 Maverick ist eine taktische Luft-Boden-Rakete, die für Luftnahunterstützung, Panzerabwehr und Unterbindung feindlicher Truppenbewegungen entwickelt wurde. Sie kann gegen ein großes Spektrum taktischer Ziele, zum Beispiel Panzerfahrzeuge, Flugabwehr, Schiffe, Transporteinrichtungen und Treibstofflager eingesetzt werden. Hersteller sind die US-amerikanischen Unternehmen Hughes Aircraft und Raytheon. Das Gegenstück zur Maverick aus russischer Produktion ist die AS-10 Karen.

Maverick-Versionen[Bearbeiten]

  • Maverick A – Die AGM-65A war die erste Produktionsversion aus dem Jahr 1972. Sie benutzt ein elektro-optisches Lenksystem, dessen wesentliches Bauteil eine Art schwenkbare TV-Kamera in der Nase der Rakete ist. So lange die Rakete noch im Gestell hängt, überträgt sie ein TV-Bild ins Cockpit, mit dessen Hilfe der Pilot zielen kann. Alternativ kann die Kamera auch automatisch auf ein vom Bordradar anvisiertes Ziel ausgerichtet werden. Nach dem Start fliegt die Rakete dann das Ziel an, indem versucht wird, den Unterschied zwischen dem Schwenkwinkel der Kamera und der Bewegungsrichtung der Rakete auszunullen. Wenn sich das Ziel bewegen sollte, äußert sich das für die Rakete darin, dass sich das Ziel aus dem Sucher der Kamera herausbewegt. Indem das Ziel immer zentriert gehalten wird, lässt sich dies ausgleichen.
Optik einer Maverick B
  • Maverick B – Das Modell B besitzt zusätzlich die Fähigkeit, das ins Cockpit übertragene Bild zu vergrößern, um die Zielerfassung zu erleichtern.
  • Maverick D – Die Version D geht auf die US Navy zurück, inzwischen wird sie aber auch von der Air Force eingesetzt. Die TV-Kamera wurde durch einen bildgebenden Infrarot-Sucher ersetzt, daher kann die Rakete auch bei Nacht oder schlechtem Wetter eingesetzt werden. Es kann zwischen dreifacher und sechsfacher Vergrößerung gewählt werden. Die Erstlieferung erfolgte 1983.
  • Maverick E – Die Maverick E ist eine Version für das US Marine Corps und verwendet eine lasergestützte Lenkung. Außer dem abfeuernden oder anderen Luftfahrzeugen kann dabei auch eine Bodeneinheit das Ziel „beleuchten“. Die Rakete sucht nach dem Start in einem Sektor von 7 × 10 Meilen nach Laser-Reflexionen und fliegt dann darauf zu.
  • Maverick F – Modell F ist wieder eine infrarotgesteuerte Navy-Version, allerdings mit größerem Gefechtskopf (136-kg-Durchschlags-Kopf statt 57-kg-Hohlladung) und einem auf das Anvisieren von Schiffen optimierten Sucher. Dieser verwendet nicht mehr die Infrarotbilder zur Zielverfolgung, sondern steuert direkt auf die Wärmequelle zu.
  • Maverick G – Die Maverick G stammt aus dem Jahr 1989 und wird auch von der Air Force eingesetzt, sie besitzt neben einem größeren Gefechtskopf einen vom Modell D adaptierten IR-Sucher. Sucher und Software sind aber auf die Verfolgung größerer Ziele optimiert.
  • Maverick K – Das Programm Maverick K hat das Ziel, seit langer Zeit gelagerte Waffen mit neuen Suchern auf CCD-Basis (wie bei handelsüblichen Videokameras) auszurüsten, da man einen Alterungsprozess im Lenksystem erwartete. Ursprünglich richtete sich das Programm auf die ersten AGM-65A, aber bei einer Probezerlegung von sechs dieser Raketen wurde überraschend festgestellt, dass die AGM-65A in besserem Zustand waren als die jüngeren B-, D- und G-Versionen. Ursache war, dass die älteren Raketen sowohl innen als auch außen gegen Korrosion geschützt waren, die jüngeren Raketen jedoch aus Kostengründen nur außen geschützt wurden und daher innen korrodiert waren. Die AGM 65 K ist optisch gelenkt, über den Videosensor im Suchkopf wird der Zielbereich auf einem Monitor im Cockpit dreifach vergrößert dargestellt. Der Schütze wählt nun das Ziel aus und schaltet dann den Suchkopf auf.

AGM-65 werden typischerweise von Flugzeugen der Typen A-10 Thunderbolt II, F-15 Strike Eagle und F-16 Fighting Falcon eingesetzt, so beispielsweise in den Irakkriegen 1991 und 2003, wo sie eine große Rolle bei der Bekämpfung der irakischen mechanisierten Einheiten spielten. Ihre Trefferquote liegt laut der US Air Force bei etwa 85 %.

Die Bundeswehr beschaffte für die Luftwaffe von 1982 bis 1996 rund 860 Stück.

Technische Daten[Bearbeiten]

AGM-65 Maverick (Grafik)

Kenngröße Daten der AGM-65
Hauptfunktion: Taktische Luft-Boden-Rakete
Hersteller: Hughes Aircraft; Raytheon Company
Länge: 2,49 m
Durchmesser: 30,5 cm
Spannweite: 0,71 m
Startgewicht: AGM-65A/B: 207,90 kg, D: 218,25 kg, E/F: 287,4 kg, G: 301,50 kg
Antrieb: AGM-65A: zweistufiger Feststoff-Raketenmotor Thiokol TX-481, AGM-65G: TX-633-Raketenmotor
Geschwindigkeit: 1.150 km/h
Reichweite: 27 km (effektiv bis 16 km)
Lenkung: elektro-optisch bei Modell A und B; bildgebendes Infrarot in D- und G-Versionen; Laser-Lenkung beim E-Modell; Infrarot bei Modell F.
Gefechtskopf: 57-kg-Hohlladung mit Kontaktzünder; neuere Modelle (F-K) mit 136-kg-Hohlladung und verzögerter Zündung
Zündung: Annäherungs- und Aufschlagzünder
Stückkosten: 269.000 US-Dollar (AGM-65G), 64.100 US-Dollar (AGM-65B)
Indienststellung: 1972 (AGM-65A) bei der US Air Force

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: AGM-65 Maverick – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
  • AGM-65 auf: designation-systems.net