Efim Bogoljubow

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Efim Bogoljubow

Efim Bogoljubow (russisch Ефим Дмитриевич Боголюбов/ Jefim Dmitrijewitsch Bogoljubow, wiss. Transliteration Efim Dmitrievič Bogoljubov; * 14. April 1889 in Stanislawtschik, Kiewer Gouvernement, Russisches Kaiserreich; † 18. Juni 1952 in Triberg im Schwarzwald) war ein russisch-deutscher Schachgroßmeister.

Leben[Bearbeiten]

Jugend im Zarenreich[Bearbeiten]

Bogoljubow, der Theologie und Landwirtschaft studiert hatte und mit Schach erst als 18-Jähriger in Kontakt kam, entschloss sich zu einer Berufsschachspielerkarriere.

Seine ersten Erfolge in Turnieren datieren auf das Jahr 1909: in Kiew gewann er das Klubturnier und in Odessa wurde er Zweiter bei der Südrussischen Meisterschaft. 1911 wurde er Meister von Kiew und nahm an Turnieren in Sankt Petersburg und Warschau teil (Vierter hinter u. a. Akiba Rubinstein). In Vilnius 1912 wurde er Zweiter im Hauptturnier und siegte im selben Jahr in Łódź. 1913 besiegte er an gleicher Stelle Georg Salwe in einem Wettkampf mit 6:4 (+5, -3, =2) und erhielt den Titel Russischer Meister.

Erster Weltkrieg und neuer Wohnsitz in Deutschland[Bearbeiten]

Bei Beginn des Ersten Weltkriegs 1914 hielt er sich bei seinem ersten Turnier im Ausland in Mannheim auf und wurde in Triberg wie auch Alexander Aljechin, Alexei Selesnjow und Ilja Rabinowitsch interniert. Bogoljubow heiratete eine Deutsche und blieb während und auch nach dem Krieg in Triberg. Aus der Zeit von 1914 bis 1919 sind zahlreiche Partien von lokalen Turnieren und Wettkämpfen Bogoljubows mit anderen Internierten erhalten.

Im Jahr 1919 gewann Bogoljubow in Berlin und wurde Dritter in Stockholm. 1920 unterlag er in einem Wettkampf in Stockholm und Göteborg Akiba Rubinstein mit 5,5:6,5 (+4, -5, =3), gewann jedoch ein Match gegen Aaron Nimzowitsch in Göteborg mit 3:1. 1921 gewann er in Kiel, 1922 in Piešťany vor Alexander Aljechin, im selben Jahr in Hastings. In Karlsbad 1923 gewann er gemeinsam mit Alexander Aljechin und Géza Maróczy.

Von Oktober 1920 bis August 1921 siegte er in einem Fernschachwettkampf gegen Spieler und Schachklubs aus Schweden (+19, =5, -1).

Auf dem Weg zur Weltklasse und die Weltmeisterschaftskämpfe[Bearbeiten]

Die deutsche Staatsbürgerschaft erhielt er 1927.[1] Vorher war er Bürger der Sowjetunion und spielte auch an UdSSR-Meisterschaften: 1924 und 1925 wurde er UdSSR-Meister. Seinen größten Erfolg feierte er 1925 in Moskau, als er das internationale Turnier vor José Raúl Capablanca und Emanuel Lasker gewann. 1928 gewann er vor Capablanca in Bad Kissingen.

Im April/Mai 1928 und zur Jahreswende 1928/1929 besiegte Bogoljubow in zwei von der FIDE organisierten Wettkämpfen den späteren Weltmeister und Niederländer Max Euwe (Spielorte waren verschiedene Städte der Niederlande) mit jeweils 5,5:4,5 (+3, -2, =5 und +2, -1, =7). Dies brachte ihm den Titel Champion des Weltschachbundes ein.[2] Seine Erfolge ermunterten Mäzene in Deutschland und den Niederlanden, einen Weltmeisterschaftskampf gegen Alexander Aljechin zu finanzieren, der 1929 zustande kam. Bogoljubow unterlag deutlich mit 9,5:15,5 (+5, -11, =9).

1925 in Breslau vor Aaron Nimzowitsch und Akiba Rubinstein,[3] 1931 in Swinemünde nach Stichkampf mit Ludwig Rödl[4] und 1933 in Bad Pyrmont vor Rödl und Georg Kieninger[5] gewann Bogoljubow die Einzelmeisterschaften von Deutschland. 1927 wurde er Zweiter bei der deutschen Meisterschaft in Magdeburg (Spielmann Erster).[6] 1932 unterlag er Rudolf Spielmann mit 4,5:5,5 (+3, -4, =3) am Semmering. 1934 fanden sich in Deutschland wieder schachbegeisterte Mäzene, die einen Wettkampf gegen Weltmeister Aljechin organisierten: diesmal unterlag Bogoljubow mit 10,5:15,5 (+3, -8, =15).

Bester Schachspieler in Deutschland[Bearbeiten]

Bogoljubows beste Zeit war vorbei, obwohl er weiterhin als stärkster Spieler in Deutschland galt. Die Teilnahme an der „Meisterschaft von Deutschland“ wurde ihm aber nach 1933 verwehrt, da er nach damals geltenden Gesetzen zwar deutscher Staatsangehöriger, aber nicht „deutschen Blutes“ war. In der Zeit bis zum Zweiten Weltkrieg gewann er 1935 in Bad Nauheim[7] und Bad Saarow, 1936, 1937 und 1938 in Bad Elster, 1938 in Karlsruhe, 1939 in Stuttgart.[8] Im selben Jahr unterlag er in einem Wettkampf dem vielversprechenden Jungtalent Erich Eliskases mit 8,5:11,5 (+3, -6, =11). 1941 unterlag er in Karlsbad Max Euwe mit 3,5:6,5 (+2, -5, =3). Während des Krieges wurde Bogoljubow ins Generalgouvernement eingeladen, wo er neben verschiedenen Turnieren und Schachveranstaltungen, an denen er teilnahm, auch eine Tätigkeit als Übersetzer in der Krakauer Verwaltung ausübte. Dies wurde ihm nach dem Krieg von der FIDE übelgenommen. Bei der Verleihung des Großmeistertitels im Jahr 1950 an verdiente Meister wurde er übergangen. Erst 1951 erhielt er den Titel.[9]

Schwere Nachkriegszeit[Bearbeiten]

Im Nachkriegsdeutschland war Bogoljubow als Berufsspieler auf ständige Teilnahme an Turnieren angewiesen, musste er doch seine Ehefrau und zwei Töchter ernähren: Er gewann 1947 in Lüneburg, Kassel und Flensburg. 1949 gewann er zum dritten und letzten Mal (nach 1931 und 1933) das Turnier um die Meisterschaft von Deutschland in Bad Pyrmont.[10] Noch im gleichen Jahr siegte er beim gut besetzten Turnier in Oldenburg punktgleich mit Elmars Zemgalis. 1950 und 1951 besiegte er die damaligen deutschen Spitzenspieler Georg Kieninger und Walter Niephaus in Zweikämpfen in Schwelm mit 5:3 (+3, -1, =4) und Baden-Baden mit 5:1 (+5, -1, =0). In Zürich 1951 gelang ihm ein 3:3 (+2, -2, =2) gegen den argentinischen Großmeister Herman Pilnik. Er starb unmittelbar nach seiner Rückkehr von einem internationalen Schachturnier in Belgrad am 18. Juni 1952.

Theoriebeitrag[Bearbeiten]

Nach Bogoljubow wurde eine Schacheröffnung benannt: die Bogoljubow-Indische Verteidigung: 1.d2-d4 Sg8-f6 2.c2-c4 e7-e6 3.Sg1-f3 Lf8-b4+. Auch eine Variante im schottischen Vierspringerspiel (1. e2-e4 e7-e5 2. Sg1-f3 Sb8-c6 3.Sb1-c3 Sg8-f6 4. d2-d4 Lf8-b4) ist unter anderem nach ihm benannt (Morphy-Bogoljubow-Variante).

Bekannte Partien[Bearbeiten]

Historische Elo-Zahl[Bearbeiten]

Bogoljubows beste historische Elo-Zahl war 2768. Diese erreichte er 1927. Demnach war er kurzfristig auch die Nummer 1 der Weltrangliste.

Komposition[Bearbeiten]

In seinen späten Jahren schuf Bogoljubow auch einige Schachkompositionen, etwa die folgende.

Efim D. Bogoljubow
Badische Illustrierte, 1951
Solid white.svg a b c d e f g h Solid white.svg
8 a8 b8 c8 d8 e8 f8 g8 h8 8
7 a7 b7 c7 d7 e7 f7 g7 h7 7
6 a6 b6 c6 d6 e6 f6 g6 h6 6
5 a5 b5 c5 d5 e5 f5 g5 h5 5
4 a4 b4 c4 d4 e4 f4 g4 h4 4
3 a3 b3 c3 d3 e3 f3 g3 h3 3
2 a2 b2 c2 d2 e2 f2 g2 h2 2
1 a1 b1 c1 d1 e1 f1 g1 h1 1
a b c d e f g h
Matt in drei Zügen




Lösung:

1.e2-e3! (nimmt dem König die Felder d4 und f4) h3-h2
2.Tc5xe5+ Ke6xe5
3.Da3-e7 matt
Auf beliebige schwarze Königszüge im ersten Zug folgt ebenfalls 2.Txe5 und 3.De7 matt (bzw. 1...Ke7 2.Txe5+ Kd8 3.Da/f8 matt)

Werke[Bearbeiten]

  • Schach-Schule. Verlag Konkordia, Bühl/Baden 1925
  • Klassische Schachpartien aus modernen Zeiten, 3 Bde. Berlin/Leipzig 1926–1928
  • Das Internationale Schachturnier Moskau 1925. Berlin/Leipzig 1927
  • Die moderne Eröffnung d2-d4! Triberg 1928
  • Schachkampf um die Weltmeisterschaft. Karlsruhe 1935

Literatur[Bearbeiten]

  • Alfred Brinckmann: Großmeister Bogoljubow. de Gruyter, Berlin 1953
  • W. A. Tscharuschin: Odna, no plamennaja strast [Eine, aber eine glühende Leidenschaft]. Nischni Nowgorod 1995.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Efim Bogoljubow – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Klaus Lindörfer: Großes Schach-Lexikon. Mosaik-Verlag München 1981, S. 43, ISBN 84-499-8080-1
  2. E. Bogoljubow: Schachkampf um die Weltmeisterschaft zwischen Dr. A. Aljechin (Paris) und E. Bogoljubow (Triberg) in Deutschland 1934. Macklotsche Druckerei und Verlag, Karlsruhe 1935.
  3. Deutsche Schacheinzelmeisterschaft 1925 in Breslau auf TeleSchach (Kreuztabelle und Partien)
  4. Deutsche Einzelmeisterschaft 1931 in Swinemünde auf TeleSchach (Tabelle und Partien)
  5. Deutsche Schacheinzelmeisterschaft 1933 in Bad Pyrmonat Kreuztabelle und sämtliche Partien auf TeleSchach
  6. Deutsche Schacheinzelmeisterschaft 1927 in Magdeburg auf TeleSchach (Kreuztabelle und Partien)
  7. Das Internationale Turnier 1935 in Bad Nauheim auf TeleSchach
  8. Das Internationale Turnier 1939 in Stuttgart auf TeleSchach
  9. Willy Iclicki: FIDE Golden book 1924-2002. Euroadria, Slovenia, 2002, S. 74
  10. Deutsche Schacheinzelmeisterschaft 1949 in Bad Pyrmont. Kreuztabelle und sämtliche Partien auf TeleSchach