Berti Vogts

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Berti Vogts

Berti Vogts 2012

Spielerinformationen
Voller Name Hans-Hubert Vogts
Geburtstag 30. Dezember 1946
Geburtsort BüttgenDeutschland
Größe 168 cm
Position Abwehr
Vereine in der Jugend
1954–1965 VfR Büttgen
Vereine als Aktiver
Jahre Verein Spiele (Tore)1
1965–1979 Borussia Mönchengladbach 419 (33)
Nationalmannschaft
1967–1978 Deutschland 96 0(1)
Stationen als Trainer
1979–1990
1990–1998
2000–2001
2001–2002
2002–2004
2007–2008
2008–
Deutschland U-21
Deutschland
Bayer 04 Leverkusen
Kuwait
Schottland
Nigeria
Aserbaidschan
1 Angegeben sind nur Liga-Spiele.

Hans-Hubert „Berti“ Vogts (* 30. Dezember 1946 in Büttgen; Spitzname Terrier) ist ein ehemaliger deutscher Fußballspieler und heutiger Fußballtrainer.

Berti Vogts spielte innerhalb von 14 Jahren 419-mal in der Fußball-Bundesliga für Borussia Mönchengladbach. Kein anderer Spieler war in der Bundesliga häufiger für diesen Verein aktiv. Als Mannschaftskapitän führte er die Borussia 1975 und 1979 jeweils zum UEFA-Pokal-Sieg und war beim Gewinn aller fünf Meisterschaften des Vereins Teil der Mannschaft; mit der Nationalmannschaft kam er 96-mal zum Einsatz und wurde Europameister 1972 und Weltmeister 1974.

Er trainierte die Nationalmannschaften von Deutschland, Kuwait, Schottland (er war der einzige Nichtschotte, der jemals Trainer dieser Nationalmannschaft war), Nigeria und ist derzeit Trainer von Aserbaidschan. Sein größter Erfolg als Trainer war der Gewinn der Europameisterschaft 1996.

Spielerkarriere[Bearbeiten]

Vereinskarriere[Bearbeiten]

Vogts begann seine fußballerische Karriere beim VfR Büttgen, für den er von 1954 bis 1965 spielte. Anschließend wechselte er zu Borussia Mönchengladbach und blieb dort bis 1979. Insgesamt bestritt er für diesen Verein 419 Bundesligaspiele und wurde fünfmal Deutscher Meister, einmal DFB-Pokalsieger und zweimal UEFA-Pokalsieger, wobei er als Verteidiger 33 Tore erzielte. Bei seinen 64 Europapokalspielen schoss er acht Tore.

Wegen seiner kämpferischen Einstellung und weil er seine Gegner stets attackierte, wurde Vogts auch der Terrier genannt. Er gilt als trainingsorientierter Spieler, der mit großem Fleiß zur Weltklasse gelangte.[1]

Nationalmannschaft[Bearbeiten]

Vogts und Weisweiler, Funkausstellung 1970 in Düsseldorf
Berti Vogts (links) beim Spiel gegen die Niederlande (1974)

In der Deutschen Fußballnationalmannschaft spielte Vogts von 1967 bis 1978. Sein erstes Länderspiel war das mit 0:1 verlorene EM-Qualifikationsspiel in Belgrad gegen Jugoslawien am 3. Mai 1967. Zuvor hatte er drei U-23-Länderspiele und neun Jugendländerspiele bestritten. Er absolvierte insgesamt 96 A-Länderspiele, in denen er ein Tor erzielte (beim 8:0 gegen Malta am 28. Februar 1976) und gehört damit zu den zehn Spielern mit den meisten Einsätzen in der Nationalmannschaft. Er kam in 85% der ausgetragenen Länderspiele zum Einsatz, lediglich Franz Beckenbauer erreichte von den Spielern mit mindestens 80 Länderspielen eine höhere Quote. Er stand dabei in 95 Spielen in der Startaufstellung und wurde lediglich dreimal ausgewechselt. Außerdem war er 20-mal Spielführer.

Als Höhepunkt seiner Länderspielkarriere gilt der Gewinn der Fußball-Weltmeisterschaft 1974 in Deutschland. Bei der gewonnenen Europameisterschaft 1972 gehörte er zum Kader, kam aber verletzungsbedingt nicht zum Einsatz. 1976 erreichte die Nationalmannschaft das Endspiel um die Europameisterschaft, verlor jedoch im Elfmeterschießen. Seine Länderspielkarriere endete am 21. Juni 1978 mit dem mit 2:3 verlorenen WM-Zwischenrundenspiel gegen Österreich in Argentinien, bei dem er ein Eigentor schoss. Nach dem Turnier, in dem er die deutsche Mannschaft als Kapitän anführte, hat Vogts in Bezug auf die herrschende Militärjunta gesagt „Argentinien ist ein Land, in dem Ordnung herrscht. Ich habe keinen einzigen politischen Gefangenen gesehen.“ [2]

Trainerkarriere[Bearbeiten]

Nach seiner aktiven Fußballerkarriere wurde Vogts zunächst von 1979 bis 1990 Nachwuchs- bzw. Jugendtrainer beim DFB, bevor er von 1986 bis 1990 unter Teamchef Franz Beckenbauer dem für die Nationalmannschaft zuständigen Trainerstab angehörte. Von 1990 bis 1998 war er Bundestrainer. Dabei stand er in 102 Spielen (66 Siege, 24 Remis, 12 Niederlagen) an der Seitenlinie. Vogts erreichte zwar nach Helmut Schön die meisten Siege als Bundestrainer, saß jedoch auch nach Schön die meisten Spiele als Bundestrainer auf der Bank, wenn man die Reichstrainerzeit von Sepp Herberger nicht mitzählt. Er erreichte als Bundestrainer sowohl mit alter Punktwertung (2 Punkte pro Spiel) als auch mit neuer Wertung (3 Punkte) nach dem aktuellen Bundestrainer Joachim Löw die zweitbeste Quote aller Bundestrainer (1,53 bzw. 2,18 Punkte pro Spiel). Während seiner Amtszeit oft sehr umstritten, blieb sein größter Erfolg in acht Jahren als Bundestrainer – abgesehen von drei erfolgreich bestrittenen Turnierqualifikationen – der Gewinn des Titels bei der Fußball-Europameisterschaft 1996 in England. Zudem wurde Deutschland unter seiner Leitung Vize-Europameister bei der EM 1992 in Schweden und gewann 1993 in den USA den nur wenig in Erinnerung gebliebenen U.S. Cup (Gegner: Brasilien, USA, England), der in jenem Jahr den Charakter eines Vorbereitungsturniers für die Fußballweltmeisterschaft 1994 hatte. Bei den Weltmeisterschaften 1994 in den USA und 1998 in Frankreich erreichten die von Vogts geführten Nationalmannschaften jeweils das Viertelfinale.

Der als Spieler durchaus populäre Vogts hatte als Bundestrainer bei den Medien und der Fußballanhängerschaft stets einen schweren Stand. Ursachen dafür wurden unter anderem in einem bisweilen als ungeschickt empfundenen Umgang mit den Medien oder auch in begrenzten Fähigkeiten bei der Führung von charakterlich schwierigen Spielern gesehen. Nach dem unerwarteten Ausscheiden als ein Turnierfavorit bei der WM 1994 im Viertelfinale gegen Bulgarien und öffentlich ausgetragenen Querelen innerhalb der Mannschaft, z. B. um die Spielerfrauen oder den damaligen Nationaltorwart Bodo Illgner, soll ihn nach eigenen Angaben nur ein Telefonat mit dem damaligen Bundeskanzler Helmut Kohl und die Solidarität des DFB-Präsidenten Egidius Braun vom Rücktritt abgehalten haben. Mit dem Titelgewinn bei der EM 1996 erreichte seine Popularität als Bundestrainer dann ihren Höhepunkt, sank jedoch nach dem Ausscheiden Deutschlands im Viertelfinale der WM 1998 wieder rapide ab. Vogts’ Bestrebungen, dennoch im Amt zu bleiben, um einen erforderlichen Neuaufbau der Nationalmannschaft noch selbst betreiben zu können, erwiesen sich nach einem ernüchternd verlaufenen Lehrgang auf der Insel Malta Anfang September 1998 (2:1 gegen Malta, 1:1 gegen Rumänien) als nicht mehr realisierbar.

Nach Vogts’ Rücktritt als Nationaltrainer im September 1998 wurde er am 9. November 2000 Cheftrainer von Bayer 04 Leverkusen. Dort erreichte er jedoch trotz guter Mannschaft (u. a. Robert Kovač, Jens Nowotny, Carsten Ramelow, Michael Ballack, Bernd Schneider, Zé Roberto, Ulf Kirsten und Oliver Neuville) und zeitweiliger Tabellenführung am Saisonende nur den vierten Platz in der Bundesliga und ging am 21. Mai 2001. Danach erfolgte ein etwa halbjähriger Einsatz vom 12. August 2001 bis 28. Februar 2002 als Nationaltrainer von Kuwait (zehn Spiele). Schließlich berief ihn der schottische Fußballverband am 1. März 2002 als ersten nichtschottischen Trainer zum Nationaltrainer von Schottland, wo er einen Neuaufbau der schottischen Mannschaft mit jungen Spielern durchführen sollte. Unter Verzicht auf etablierte Spieler verpasste er jedoch die Qualifikation für die EM 2004. Nach schlechtem Start in die Qualifikationsrunde für die WM 2006 mit nur zwei Punkten aus drei Spielen trat Vogts am 1. November 2004 nach 32 Spielen, davon zwei gegen Deutschland in der Qualifikation für die EM 2004, zurück. Vogts begründete in der Öffentlichkeit die Beendigung seiner Tätigkeit als Nationaltrainer nicht mit dem ausgebliebenen sportlichen Erfolg der (auch vor und nach seiner Amtszeit nicht sonderlich erfolgreichen) schottischen Nationalmannschaft. Er erklärte vielmehr, für viele Sportjournalisten überraschend, dass durch andauernde Belästigungen und Schmähungen aufdringlicher schottischer Fußballfans, die sogar seine Privatsphäre angetastet hätten, die zur Fortführung seiner Arbeit notwendige ruhige und sachliche Atmosphäre nicht mehr gegeben gewesen wäre.

Im Januar 2007 unterschrieb Vogts einen Vertrag beim nigerianischen Fußballverband. Am 1. März 2007 übernahm er dort das Amt des Nationaltrainers. Ziel war es, die Mannschaft zur WM 2010 zu führen. Als Assistenten verpflichtete er Thomas Häßler und Uli Stein. Am 24. März 2007 gewann die nigerianische Nationalmannschaft ihr erstes Spiel unter dem deutschen Trio mit 1:0 gegen Uganda. Beim Africa Cup 2008 erreichte sein Team nur knapp die Endrunde und schied im Viertelfinale gegen Ghana aus. Immer wieder kritisierte Vogts den nigerianischen Verband für ausstehende Prämien und Gehälter für sich und seine Spieler. Am 20. Februar 2008 legte Vogts das Amt des Cheftrainers Nigerias nach 15 Spielen nieder.

Am 4. April 2008 unterschrieb er als Trainer der aserbaidschanischen Nationalmannschaft einen Vertrag mit Laufzeit bis 2009. Nach erfolgreichen Resultaten wurde der Vertrag mit der AFFA bis zum Ende der Qualifikationsrunde zur EM 2012 verlängert. Dabei traf er sowohl in der Qualifikation für die WM 2010 als auch in der Qualifikation für die EM 2012 auf die deutsche Mannschaft. Er ist damit der erste deutsche Trainer, der sechsmal mit einer anderen Nationalmannschaft gegen Deutschland antrat. Am 11. November 2011 saß er beim Spiel gegen Albanien zum 200. Mal als Nationaltrainer auf der Bank, davon 41-mal für Aserbaidschan. Nur fünf Nationaltrainer haben mehr Länderspiele. Ende Oktober 2011 hatte Vogts zunächst seinen Abschied aus Aserbaidschan angekündigt, am 30. November verlängerte er aber seinen Vertrag bis 2014.[3][4] Im Dezember 2013 verlängerte er seinen Vertrag um zwei weitere Jahre und führt Aserbaidschan in die Qualifikation zur EM 2016.[5] Vogts agierte während der FIFA Fußball-Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien, bei der die USA in der Vorrunde auch auf Deutschland traf, als Scout und Technischer Berater für die Fußballnationalmannschaft der Vereinigten Staaten.[6]

Privates[Bearbeiten]

Vogts verlor im Alter von zwölf Jahren seine Eltern und lebte danach in finanziell sehr bescheidenen Verhältnissen bei seiner Tante, bei der er seine restliche Jugend verbrachte. Er machte als 19-Jähriger eine Lehre in der Metallverarbeitung (Werkzeugmacher). Nach der Lehre begann er, bei Borussia Mönchengladbach Fußball zu spielen. Einige Beobachter meinen, der Trainer Hennes Weisweiler sei dann einige Jahre für ihn so etwas wie eine Vaterfigur gewesen. Näheres findet sich in der Biographie „Berti Vogts“ von Hans Blickensdörfer und in seiner Autobiographie „Klein, aber oho“.

Vogts ist geschieden und hat einen Sohn. Ende Februar 2007 wurde Vogts für sechs Jahre in den Kirchenvorstand seiner Heimatgemeinde St. Dionysius in Kleinenbroich gewählt.

Verschiedenes[Bearbeiten]

1994 sang Stefan Raab in seiner Sendung Vivasion während der Berichterstattung zur Fußball-Weltmeisterschaft live einen spöttischen Rap-Song über den damals amtierenden und mit seiner Nationalmannschaft an der WM teilnehmenden Bundestrainer Berti Vogts. Kurz darauf veröffentlichte er diesen Song als Stefan Raab & die Bekloppten unter dem Titel Böörti Böörti Vogts; der Song erreichte im Juli 1994 Platz vier der deutschen Hitparade.

Auf der Single Bayern hat verloren (1995) der Band Norbert und die Feiglinge existiert ein weiterer Song über Vogts mit dem Titel Mitleid mit Berti Vogts.

Vogts hatte 1977 einen Gastauftritt in der Folge 8 von Didi als Torwart wider Willen aus der Reihe Nonstop Nonsens mit Dieter Hallervorden. Einen weiteren Kurzauftritt hatte er in der Tatort-Folge 403 des NDR (Habgier, Erstausstrahlung: 10. Januar 1999), bei dem er seinem Nachbarn das von dem kleinen Axel vor die Tür gesetzte Kaninchen zurückbringt.

Erfolge und Ehrungen[Bearbeiten]

als Spieler

als Trainer

  • Vize-Europameister 1992
  • Europameister 1996

DFB-Team

  • Weltmeister 1990

Ehrungen

Quellen[Bearbeiten]

  1. Schlußpfiff für den Fußballprofi Berti Vogts – Ende einer Karriere. In: Die Zeit, Nr. 33/1978
  2. Peter Burkhardt: Jubel in Hörweite der Folterkammern. In: Süddeutsche Zeitung, 25. Juni 2008
  3. FIFA.com: Vogts vor Abschied aus dem Kaukasus
  4. FIFA.com: Vogts bleibt doch Nationaltrainer
  5. dfb.de: „Ex-Bundestrainer Vogts verlängert in Aserbaidschan“
  6. Spiegel Online: Klinsmann holt Vogts als Berater vom 31. März 2014

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Berti Vogts – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien