Franck Ribéry

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Franck Ribéry

Ribéry (Juli 2013)

Spielerinformationen
Voller Name Franck Henry Pierre Ribéry
Geburtstag 7. April 1983
Geburtsort Boulogne-sur-MerFrankreich
Größe 170 cm
Position Mittelfeldspieler
Vereine in der Jugend
1989–1995
1995–1999
1999–2000
FC Conti Boulogne
OSC Lille
US Boulogne
Vereine als Aktiver
Jahre Verein Spiele (Tore)1
2000–2002
2002–2003
2003–2004
2004–2005
2005
2005–2007
2007–
US Boulogne
Olympique Alès
Stade Brestois
FC Metz
Galatasaray Istanbul
Olympique Marseille
FC Bayern München
29 0(6)
18 0(1)
35 0(3)
20 0(2)
14 0(0)
60 (11)
178 (63)
Nationalmannschaft2
2004–2006
2006–
Frankreich U-21
Frankreich
13 0(2)
81 (16)
1 Angegeben sind nur Liga-Spiele.
Stand: Saisonende 2013/14
2 Stand: 5. März 2014

Franck Henry Pierre Ribéry[1] (* 7. April 1983 in Boulogne-sur-Mer) ist ein französischer Fußballspieler. Seit 2007 steht er beim FC Bayern München unter Vertrag.

Karriere

Jugend und Karriereanfänge

Ribéry wuchs mit seinen drei Geschwistern in einfachen Verhältnissen auf. Im Alter von zwei Jahren erlitt Ribéry bei einem Autounfall schwere Schnittverletzungen, deren Narben noch heute in seinem Gesicht erkennbar sind. Er begann als Sechsjähriger, beim FC Conti Boulogne Fußball zu spielen.[2] Mit zwölf Jahren wechselte er aus Boulogne in die Jugend-Abteilung des OSC Lille;[3] aufgrund von Schulproblemen musste er das Internat jedoch nach vier Jahren wieder verlassen. Im Anschluss spielte er in unterklassigen Ligen bei US Boulogne, Olympique Alès und Stade Brest. Nebenbei war er als Bauarbeiter tätig, um sich seinen Lebensunterhalt zu verdienen.

Durchbruch im Profibereich

2004 unterschrieb er seinen ersten Profivertrag beim FC Metz. Am 7. August 2004 gab Ribéry im Spiel gegen den FC Nantes sein Debüt in der Ligue 1. In Metz spielte er unter Trainer Jean Fernandez eine hervorragende Hinrunde und war bester Vorlagengeber. Für eine Ablöse von fünf Millionen Euro holte ihn Galatasaray Istanbul im Januar 2005 an den Bosporus, wo er sich einen Stammplatz erkämpfte. Während der FC Metz ohne Ribéry beinahe in die Ligue 2 abgestiegen wäre, erspielte Ribéry sich große Sympathien in der Türkei. Mit Galatasaray gewann er 2005 seinen ersten Titel: Das Endspiel um den Türkischen Pokal wurde 5:1 gewonnen, wobei Ribéry einen Treffer erzielte.

Ribéry im Trikot von Olympique Marseille. Erstligaspiel gegen den OSC Lille am 29. Oktober 2005.

Zu Beginn der Saison 2005/06 sicherte sich Olympique Marseille seine Dienste. Da Ribéry, wie er gegenüber der Presse erklärte, bereits seit Februar in Istanbul keinen Lohn erhalten hatte, konnte er den Vertrag auflösen und ablösefrei wechseln. Galatasaray leitete rechtliche Schritte dagegen ein und bestritt Ribérys Aussagen. Am 25. April 2007 urteilte der Internationale Sportgerichtshof (CAS), dass der ablösefreie Wechsel Ribérys rechtens gewesen sei.

In Marseille reifte Ribéry unter dem damaligen Trainer Jean Fernandez schnell zum Führungsspieler heran und zog mit seiner Mannschaft durch den Erfolg im UI-Cup in den UEFA-Pokal ein. Aufgrund seiner Schnelligkeit und Spielübersicht wurde Ribéry zum Leistungsträger der Südfranzosen. Nachdem sich Olympique Lyon intensiv um die Verpflichtung Ribérys zur Saison 2006/07 bemüht hatte, erklärte Olympique Marseille ihn für unverkäuflich.

Wechsel zum FC Bayern München

Champions-League-Finale FC Bayern München gegen FC Chelsea 2012. Im Vordergrund (v. l. n. r.): Franck Ribéry, Juan Mata und Jérôme Boateng.

Im Juni 2007 wechselte Ribéry jedoch zum FC Bayern München.[4] Er unterschrieb einen Vierjahresvertrag bis 2011 und erhielt die Rückennummer 7, die zuvor Mehmet Scholl getragen hatte. Über die Ablöse vereinbarten die Vereine Stillschweigen - von den Medien wurde eine Summe von 25 Mio. Euro kolportiert; damit wäre er zum damaligen Zeitpunkt der teuerste Transfer der Bundesliga-Geschichte gewesen.

Seine erste Saison 2007/08 verlief sehr erfolgreich. Mit den Bayern gewann er das Double, bestehend aus Deutscher Meisterschaft und DFB-Pokal-Sieg. Ribéry erzielte elf Treffer in 28 Ligaspielen, dazu kamen drei weitere Tore in der UEFA Europa League, in der die Bayern das Halbfinale erreichten. Am Ende der Saison wurde Ribéry zum Fußballer des Jahres in Deutschland und Frankreich gewählt.

Nach einer schwächeren Spielzeit 2008/09, in der er dennoch immerhin neun Tore in 25 Spielen erzielte, wurde Ribéry in der Saison 2009/10 unter Trainer Louis van Gaal erneut Deutscher Meister und DFB-Pokalsieger. Bei der Meisterfeier auf dem Münchener Rathausbalkon verkündete er den jubelnden Fans mit den Worten „Isch habe gemacht fünf Jahre mehr!“ seine vorzeitige Vertragsverlängerung bis 2015. Vor allem Real Madrid war zuvor sehr an einer Verpflichtung des Franzosen interessiert.[5] Im Finale der UEFA Champions League 2010 gegen Inter Mailand, das mit 0:2 verloren ging, fehlte er aufgrund einer roten Karte, die er im Halbfinal-Hinspiel gegen Olympique Lyon wegen eines Fouls an Lisandro López erhalten hatte. Auch ein Einspruch der Bayern beim CAS konnte die Sperre der UEFA nicht verhindern.

Trotz der titellosen Saison 2010/11 war Ribéry 2011 mit 11,4 Mio. Euro Einnahmen der am höchsten bezahlte Sportler Frankreichs.[6] In der darauf folgenden Saison 2011/12 absolvierte Ribéry am 20. August 2011 seinen 100. Bundesligaeinsatz im Spiel gegen den Hamburger SV, bei dem er ebenfalls ein Tor erzielte. In dieser Saison erzielte er in 32 Partien zwölf Tore und bereitete weitere 21 Tore vor, was ihn zum besten Scorer der Liga machte. Wie schon in der Vorsaison gewannen die Bayern jedoch keinen der großen Titel. Sowohl in der Meisterschaft als auch im Finale des DFB-Pokals musste man sich Borussia Dortmund geschlagen geben. Und auch im Champions-League-Finale in der heimischen Allianz Arena, in dem Ribéry bis zur 97. Minute mitwirkte, unterlagen die Bayern im Elfmeterschießen gegen den FC Chelsea.

Die Saison 2012/13 war die erfolgreichste in Ribérys Karriere. Neben dem erneuten Gewinn des Doubles aus Meisterschaft und Pokal erreichten die Bayern unter Trainer Jupp Heynckes erneut das Finale der Champions League, in dem mit einem 2:1-Sieg über Borussia Dortmund im nunmehr dritten Anlauf der Gewinn des wichtigsten europäischen Vereinspokals glückte. Mit 13 Toren und 27 Torvorlagen in 52 Pflichtspielen hatte Ribéry erheblichen Anteil an diesem Erfolg. Nach der Saison verlängerte er seinen Vertrag in München um weitere zwei Jahre bis 2017. Bei der Wahl zu Europas Fußballer des Jahres konnte sich Ribéry im August 2013 gegen Lionel Messi und Cristiano Ronaldo durchsetzen.[7] In der zweiten Kalenderhälfte gewann er mit den Bayern zudem den UEFA Super Cup sowie die FIFA-Klub-Weltmeisterschaft, bei der er mit dem Goldenen Ball als bester Spieler ausgezeichnet wurde.[8] Am Jahresende wurde Ribéry zum dritten Mal zu Frankreichs Fußballer des Jahres gewählt.[9] Bei der Wahl zum Weltfußballer des Jahres erreichte er den dritten Platz hinter Ronaldo und Messi.[10] Ferner wurde Ribéry in die FIFA/FIFPro World XI sowie ins UEFA Team of the Year gewählt.[11][12]

2013/14 gewann Ribéry mit Bayern München erneut das Double aus Meisterschaft und DFB-Pokalsieg.

Nationalmannschaft

Franck Ribéry im Laufduell gegen James Milner beim EM-Gruppenspiel gegen England am 11. Juni 2012 (Endstand 1:1).

Ribéry wurde erstmals zum Testspiel der Équipe tricolore gegen Mexiko am 27. Mai 2006 aufgeboten. Danach kam er in den abschließenden beiden Testspielen zum Einsatz und reiste dann mit dem französischen WM-Kader nach Deutschland, dies allerdings aufgrund der Streitigkeiten mit Galatasaray (siehe oben) nur mit einer Sondergenehmigung der FIFA. Sein erstes Nationalmannschaftstor erzielte er im Achtelfinale der WM 2006 gegen Spanien, als er zum 1:1 ausglich. Ribéry wurde in allen Spielen außer im Achtelfinale aus- bzw. eingewechselt. Im Finale wurde er in der 100. Minute durch David Trezeguet ersetzt, welcher der einzige war, der im Elfmeterschießen nicht traf und damit Italien zum Titel "verhalf".

Auch bei der EM-Endrunde 2008 gehörte er zum französischen Aufgebot. Im letzten Gruppenspiel gegen Italien, das 0:2 verloren wurde und das vorzeitige Turnier-Aus für Frankreich bedeutete, musste Ribéry nach einem Zweikampf mit Gianluca Zambrotta in der 10. Spielminute mit einem Riss des Syndesmosebandes im linken Bein ausgewechselt werden. Nach operativer Versorgung und intensiver Rehabilitation konnte Ribéry nach 14 Wochen wieder in der Bundesliga eingesetzt werden. Bei der Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika stand er erneut im Kader der Équipe Tricolore. Das Team schied hier allerdings ohne Sieg und mit nur einem geschossenen Tor als Gruppenletzter aus. Ribéry stand dort als stellvertretender Spielführer und aufgrund seiner Beteiligung an den mannschaftsinternen Querelen im Zentrum der öffentlichen Kritik. Er wurde am 17. August 2010 von der Disziplinarkommission des französischen Verbands für drei A-Länderspiele aus der Nationalmannschaft ausgeschlossen,[13] worauf er mit Unverständnis reagierte, gleichzeitig aber seine Bereitschaft erklärte, weiterhin international für Frankreich zu spielen.[14]

In Frankreich hat Ribérys Ansehen aufgrund dieser Vorgänge und seiner Beteiligung an der „Prostituierten-Affäre“[15] stark gelitten. Bei einer Mitte Januar 2011 durchgeführten, repräsentativen Umfrage sprachen sich 43 % der Befragten dagegen aus, dass er wieder für die Nationalmannschaft berücksichtigt werden solle, während nur 32 % dies befürworteten. Allerdings überwog innerhalb der Teilgruppe der sehr an Fußball Interessierten die Zustimmung bei 62 zu 36.[16]

Am 13. Mai 2014 wurde Ribéry von Trainer Didier Deschamps in den Kader der französischen Nationalmannschaft für die Weltmeisterschaftsendrunde 2014 berufen,[17] musste jedoch wegen langwieriger Rückenbeschwerden letztendlich auf seine Teilnahme verzichten.[18]

Erfolge

Nationalmannschaft

Vereine

Ehrungen

Spielweise

Franck Ribéry im Zweikampf gegen Gilberto im Spiel gegen Hertha BSC (2007)

Ribéry zeichnet sich insbesondere durch seine Ballsicherheit, Schnelligkeit und Dribbelstärke aus. Er ist ein ausgezeichneter Torvorbereiter; in den Spielzeiten 2011/12 und 2012/13 erzielte er jeweils die meisten Assists in der Bundesliga.[19] Er ist ein beidfüßiger Spieler, erreicht also mit beiden Füßen eine in etwa gleiche Schusshärte und -präzision. Zudem verfügt er über eine starke Schusstechnik und -kraft und gilt als guter Freistoßschütze. In der Offensive kann er vielseitig eingesetzt werden, agiert aber bevorzugt im linken offensiven Mittelfeld.[20]

Privates

Ribéry konvertierte 2006 zum Islam. Sein muslimischer Name lautet Bilal Yusuf Mohammed. Seine Frau, Wahiba Belhami, stammt aus Algerien. Sie kennen sich seit ihrer Jugend und haben zwei Töchter und einen Sohn.

Sein über drei Jahre jüngerer Bruder François ist ebenfalls als Fußballspieler aktiv, kam aber noch nicht über die französische Drittklassigkeit hinaus. Zurzeit ist er bei Aviron Bayonnais engagiert. Sein Bruder Steven (* 1994) spielt seit November 2013 bei den U-19-Junioren des FC Bayern und steht mittlerweile im Kader der Regionalligamannschaft.[21]

Ribéry wurde in Frankreich angeklagt, 2009 in einem Münchener Hotel Sex mit einer minderjährigen Prostituierten (strafbar nach Artikel 225-12-1 des Code pénal) gehabt zu haben. Den sexuellen Kontakt bestritt er nicht, seiner Aussage zufolge hat er jedoch weder von der Minderjährigkeit der Betreffenden gewusst noch dass es sich um bezahlten Sex gehandelt habe. Mitangeklagt aus gleichem Grund waren auch ein Schwager von Ribéry und sein Nationalmannschaftskollege Karim Benzema. Der Strafprozess wurde nach mehrmonatiger Unterbrechung im Januar 2014 abgeschlossen. Alle drei Männer wurden freigesprochen, da keinem – so auch die Ansicht der Staatsanwaltschaft – nachzuweisen war, dass sie sich der Minderjährigkeit der Prostituierten bewusst waren.

Weblinks

 Commons: Franck Ribéry – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. fifa.com: FIFA World Cup Brasil Release List of Players (Stand: 16. Mai 2014)
  2. Player of the Week, http://thesoccerfield.com/ 15. Dezember 2010
  3. Douze ans aprés, Lille explique pourquoi Ribéry a été viré, www.foot01.com vom 30. September 2011
  4. fcbayern.de: Bayern verpflichten Franck Ribéry
  5. Nach dem Revolutiönchen: Franck Ribéry ist Frankreichs Hoffnungsträger Artikel bei 11freunde.de vom 15. Juni 2012
  6. Ribéry, sportif français le mieux payé Le Figaro Online, aufgerufen 3. März 2012 (fr)
  7. Bayern-Profi: Ribéry ist Europas Fußballer des Jahres. In: Spiegel Online. 29. August 2013, abgerufen am 13. Januar 2014.
  8. Ehrung für FC-Bayern-Profi: Goldene Trostkugel für Franck Ribéry. In: Süddeutsche.de. 22. Dezember 2013, abgerufen am 14. Januar 2014.
  9. Bayern-Profi jagt Henrys Rekord: Ribéry zum dritten Mal „Fußballer des Jahres“. In: Kicker Online. 10. Dezember 2013, abgerufen am 14. Januar 2014.
  10. Fifa-Ehrung: Cristiano Ronaldo ist Weltfußballer des Jahres. In: Spiegel Online. 13. Januar 2014, abgerufen am 13. Januar 2014.
  11. FIFA/FIFPro World XI 2013: Drei Bayern-Spieler in der Welt-Elf. In: Goal.com. 13. Januar 2014, abgerufen am 13. Januar 2014.
  12. UEFA-Team mit vier Deutschen. In: Sport1.de. 15. Januar 2014, abgerufen am 15. Januar 2014.
  13. Die Entscheidung der Disziplinarkommission auf der Seite der FFF; auf Deutsch auch bei Kicker.de
  14. Ribérys Stellungnahme bei France Football online
  15. Artikel „Wie Zahia D. Ribéry ins Offside laufen liess“ aus der Basler Zeitung
  16. Ergebnisse der Befragung durch TNS Sofres in France Football vom 1. Februar 2011, S. 10
  17. "Les Bleus": Mit Ribery, aber ohne Nasri, kicker.de (13. Mai 2014)
  18. Forfaits de Ribéry et Grenier, Cabella et Schneiderlin appelés, fff.fr, abgerufen am 10. Juni 2014 (französisch)
  19. Ribéry wieder bester Bundesliga-Vorbereiter, Vereinshomepage des FC Bayern, 5. Mai 2012
  20. Ribery bleibt das zentrale Thema, kicker.de, 19. August 2009
  21. [1] Spielerprofil von Steven Ribéry auf transfermarkt.de, abgerufen am 4. Juni 2014
Vorgänger Amt Nachfolger

Andrés Iniesta
UEFA Best Player in Europe
2013


Thierry Henry
Karim Benzema
Frankreichs Fußballer des Jahres
2007, 2008
2013

Yoann Gourcuff