Lothar Matthäus

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Lothar Matthäus

Lothar Matthäus 2012 in der Sendung Markus Lanz

Spielerinformationen
Voller Name Lothar Herbert Matthäus
Geburtstag 21. März 1961
Geburtsort ErlangenDeutschland
Größe 174 cm
Position Mittelfeldspieler/Libero
Vereine in der Jugend
1971–1979 1. FC Herzogenaurach
Vereine als Aktiver
Jahre Verein Spiele (Tore)1
1978–1979
1979–1984
1984–1988
1988–1992
1992–2000
2000
1. FC Herzogenaurach
Borussia M'gladbach
FC Bayern München
Inter Mailand
FC Bayern München
NY/NJ Metro Stars
22 (20)
162 (36)
113 (57)
115 (40)
189 (28)
16 0(0)
Nationalmannschaft
1979
1979–1981
1979–1983
1980–2000
Deutschland U-18
Deutschland B
Deutschland U-21
Deutschland
9 0(3)
4 0(1)
15 0(2)
150 (23)
Stationen als Trainer
2001–2002
2002–2003
2004–2005
2006
2006–2007
2008–2009
2010–2011
SK Rapid Wien
FK Partizan Belgrad
Ungarn
CA Paranaense
FC Red Bull Salzburg (Co-Trainer)
Maccabi Netanya
Bulgarien
1 Angegeben sind nur Liga-Spiele.

Lothar Herbert Matthäus (* 21. März 1961 in Erlangen) ist ein ehemaliger deutscher Fußballspieler und -trainer. Zuletzt war er Nationaltrainer von Bulgarien.

Matthäus nahm während seiner aktiven Karriere an fünf Weltmeisterschaften teil (1982, 1986, 1990, 1994, 1998) und ist mit 150 Länderspielen deutscher Rekordnationalspieler.[1] Er gehört dadurch zum Kreis der Spieler mit mehr als 100 Länderspielen und führt unter den deutschen Spielern mit großem Abstand vor dem noch aktiven Miroslav Klose. Als Kapitän führte er Deutschland 1990 zum dritten WM-Titel und ist einer von vier Ehrenspielführern der Nationalmannschaft. Des Weiteren war er 1990 Europas Fußballer des Jahres und im Jahr darauf Weltfußballer des Jahres. Als Vereinsspieler war er u. a. für Borussia Mönchengladbach, den FC Bayern München und Inter Mailand aktiv.

2001 begann er seine Karriere als Trainer. Nachdem er im September 2011 nach einem Jahr als Trainer der bulgarischen Fußballnationalmannschaft entlassen wurde, ist er derzeit ohne Trainer-Vertrag.

Jugend[Bearbeiten]

Im Alter von neun Jahren begann Matthäus beim örtlichen 1. FC Herzogenaurach mit dem Fußballspielen und durchlief die Jugendabteilung des Vereins. Nach dem Ende seiner Schulzeit begann er mit einer Lehre zum Raumausstatter, konzentrierte sich aber weiterhin auf den Fußball. Mit 18 Jahren wurde er deutscher A-Jugendnationalspieler.

Karriere als Spieler[Bearbeiten]

Durchbruch in Gladbach und Sprung in die Nationalelf[Bearbeiten]

Im Sommer 1979 wurde der 18-jährige Matthäus von dem Erstligisten Borussia Mönchengladbach verpflichtet. Hier setzte er sich unter seinem Trainer und Förderer Jupp Heynckes auf Anhieb durch und schaffte den Sprung in die Stammelf im zentralen Mittelfeld. Gleich in seiner ersten Saison erreichte Matthäus mit der Mannschaft das Finale des UEFA-Pokals, das gegen Eintracht Frankfurt verloren wurde.

Nationaltrainer Jupp Derwall nominierte Matthäus in den Kader für die Fußball-Europameisterschaft 1980 in Italien. Matthäus gab in dem Turnier, das die deutsche Nationalmannschaft gewann, sein Länderspieldebüt, als er am 14. Juni 1980 in Neapel beim Stand von 3:0 im Gruppenspiel gegen die Niederlande in der 73. Minute eingewechselt wurde.[2] Der Mönchengladbacher verursachte in der 79. Minute einen Foulelfmeter; das Spiel endete mit einem knappen 3:2-Sieg. Dieser Einsatz war Matthäus' einziger Auftritt im Turnier, auch weil auf derselben Position Bernd Schuster als Spielmacher ein überragendes Turnier spielte.

In den folgenden Jahren spielte er mit Gladbach meist im Mittelfeld der Liga und bestätigte seinen Status als Nationalspieler durch konstante Leistungen. 1982 gehörte er zum Kader der DFB-Elf bei der WM in Spanien. Obwohl Deutschland Vize-Weltmeister wurde (1:3-Niederlage im Finale gegen Italien), verlief die Endrunde für Matthäus persönlich nicht zufriedenstellend, da er lediglich in der Vorrunde zweimal eingewechselt wurde und ansonsten auf der Bank bleiben musste. Trainer Derwall hatte sich mit Paul Breitner ausgesöhnt, der in die Mannschaft zurückkehrte und die Rolle im zentralen Mittelfeld übernahm.

1983/84 spielte Mönchengladbach eine starke Runde, die am Ende mit dem dritten Tabellenplatz und dem Einzug ins DFB-Pokalfinale gekrönt wurde, in dem man auf den FC Bayern München traf. Matthäus hatte inzwischen einen Vertrag bei Bayern München für die neue Saison unterschrieben und diesen Wechsel bereits vor dem Finale bekannt gegeben. Somit fand das Finale zwischen seinem alten und seinem neuen Verein statt. Im Elfmeterschießen – nach regulärer Spielzeit stand es 1:1 – verschoss er seinen Elfmeter. Auch Norbert Ringels verschoss und die Bayern gewannen den Pokal (6:7 n. E.).

1984 spielte er bei der Europameisterschaft in Frankreich bereits sein drittes großes Turnier. Matthäus hatte sich in der Gruppenphase zwar einen Stammplatz erkämpft, doch eine schwache deutsche Elf kam nicht über die Gruppenphase hinaus. Außerdem wurde er während des Turnierverlaufs zusammen mit seinem Gladbacher Vereinskollegen Hans-Günter Bruns als erster DFB-Spieler überhaupt zu einer Geldstrafe (1000 DM) verurteilt, weil er nachts heimlich das Quartier verlassen hatte und in einer Gaststätte erkannt worden war.

Erste Titel und Durchbruch in der Nationalmannschaft[Bearbeiten]

Der FC Bayern München zahlte im Sommer 1984 2,4 Millionen DM Ablöse an Mönchengladbach für Matthäus. Die Erwartungen an ihn waren groß, denn die Mannschaft hatte gerade mit Karl-Heinz Rummenigge und Paul Breitner ihre Topspieler verloren. Die entstandene Lücke im Mittelfeld sollte nun Matthäus schließen. Udo Lattek formte eine neue Mannschaft und Matthäus reifte unter ihm zu einem Mittelfeldspieler von internationalem Format. Als Spielgestalter und Antreiber führte er die Mannschaft gleich in seiner ersten Saison zur Meisterschaft 1985. 1986 wurde er erneut mit Bayern Deutscher Meister und gewann zusätzlich noch den DFB-Pokal.

Der neue DFB-Teamchef Franz Beckenbauer übertrug Matthäus nun auch in der Nationalmannschaft mehr Verantwortung. Er fuhr im Sommer 1986 als Stammspieler zur Weltmeisterschaft nach Mexiko. Dort bildete er mit dem routinierten Felix Magath ein Duo im zentralen Mittelfeld. Im Achtelfinale gegen Marokko traf Matthäus drei Minuten vor Schluss mit einem 30-Meter-Freistoß zum 1:0-Sieg. Nach Siegen über Mexiko und Frankreich zog die deutsche Mannschaft in das WM-Finale ein, wo sie auf Argentinien traf. Matthäus wurde von Beckenbauer mit der Bewachung des argentinischen Stars Diego Maradona beauftragt. Deutschland verlor am Ende 2:3 und wurde wie 1982 nur Vize-Weltmeister.

Mit der deutschen Meisterschaft 1987 komplettierte er den Titel-Hattrick mit den Bayern und stand im Finale des Europapokals der Landesmeister, wo die Mannschaft mit 1:2 gegen den FC Porto verlor. Zuvor, am 25. März 1987, führte Matthäus die Nationalmannschaft zum ersten Mal als Kapitän auf das Spielfeld.

Im Frühjahr 1988 gab Lothar Matthäus seinen Wechsel zu Inter Mailand bekannt. Der italienische Spitzenclub bezahlte 8,4 Millionen DM Ablöse für Matthäus. Zuvor war Matthäus bei der EM-Endrunde 1988 im eigenen Land erstmals bei einem großen Turnier Kapitän der DFB-Elf, die im Halbfinale mit 1:2 gegen die Niederlande unterlag.

Weltmeister in Italien und auf dem Höhepunkt der Karriere[Bearbeiten]

Unter Inters Trainer Giovanni Trapattoni entwickelte sich Matthäus als Spieler und Führungspersönlichkeit weiter. In der italienischen Serie A, die damals als stärkste Liga der Welt galt, schaffte er den Sprung zum Weltstar. Am Ende seiner ersten Saison in Italien gewann er mit Inter 1989 die italienische Meisterschaft – seit neun Jahren hatte Inter keine Meisterschaft mehr geholt – und galt neben Diego Maradona als bester Spieler der Liga.

Im folgenden Jahr fand die Weltmeisterschaft 1990 in Italien statt. Matthäus führte im Mittelfeld Regie und erzielte vier Tore. Deutschland erreichte zum dritten Mal nacheinander ein WM-Finale, in dem Argentinien mit 1:0 besiegt wurde. 1990 war der Höhepunkt der Karriere von Matthäus, der in diesem Jahr noch vier persönliche Auszeichnungen erhielt: Deutschlands Fußballer des Jahres, Europas Fußballer des Jahres, (inoffizieller) Weltfußballer und Weltsportler des Jahres.

Auch im Verein hielt die Siegesserie an. Inter besiegte im Finale des UEFA-Pokals 1991 den AS Rom, wobei Matthäus einen Treffer zum Erfolg beisteuerte. Zudem wurde er zum ersten offiziellen Weltfußballer des Jahres gewählt. Einige Monate nach diesem Erfolg – Matthäus war sich mit Juventus Turin über einen Vereinswechsel einig – zog er sich am 12. April 1992 im Spiel gegen Parma[3] einen Kreuzbandriss zu. Der DFB-Kapitän musste deshalb seine Teilnahme an der Europameisterschaft 1992 absagen, wo Deutschland im Finale Dänemark unterlag. Inter rechnete mit seiner Rückkehr frühestens Ende des Jahres. Nach einer Operation bei Dr. Steadman in Vail (Colorado) in den USA trainierte Matthäus „heimlich“ in den Bergen und arbeitete täglich mehrere Stunden für sein Comeback. Juventus Turin zog aufgrund der Verletzung sein Angebot zurück. Dafür zeigte aber Bayern München Interesse, und nach einem Angebot über 4,2 Millionen D-Mark Ablöse wechselte Matthäus im August 1992 wieder zum FC Bayern München. Bedingung der Zustimmung des Inter-Präsidenten Pellegrinis zu diesem Wechsel war zudem die schriftliche Erklärung Matthäus', zukünftig für keinen anderen italienischen Verein zu spielen.[4]

Rückkehr nach Deutschland und Wechsel auf die Liberoposition[Bearbeiten]

Schon am 19. September 1992, nur fünf Monate nach seinem Kreuzbandriss, feierte er sein Comeback in der Fußball-Bundesliga. Am 21. November erzielte er im Spiel bei Bayer 04 Leverkusen das Tor des Jahres. Die Meisterschaft 1993 wurde hinter Werder Bremen nur knapp verpasst.

Nach schwachen Darbietungen der DFB-Elf bei einer Nordamerika-Reise reagierte Nationaltrainer Berti Vogts auf die mäßigen Abwehrleistungen und baute sein System um. Matthäus wurde aus dem zentralen Mittelfeld zurückbeordert und spielte von nun an Libero, Andreas Möller sollte die Lücke im Mittelfeld schließen. Bald wurde er auch bei den Bayern neuer Libero. Diese Umstellung zahlte sich aus, da er auch von dieser Position Einfluss auf das Spiel nehmen konnte. Er schaltete sich weiterhin ins Offensivspiel ein und leitete Angriffszüge und Konterchancen ein. 1994 führte Franz Beckenbauer als Interims-Coach die Bayern nach vier Jahren wieder zur deutschen Meisterschaft.

Matthäus’ Führungstreffer per Strafstoß im WM-Viertelfinale 1994 gegen Bulgarien

Im Sommer 1994 flog Matthäus zum zweiten Mal bei einer WM als Kapitän der Nationalmannschaft zur Weltmeisterschaft in die USA. Deutschland wurde zwar recht souverän Gruppensieger, doch war die deutsche Defensive überaus anfällig. Beim Sieg im Achtelfinale (3:2 über Belgien) musste Matthäus in der Halbzeit angeschlagen in der Kabine bleiben. Im Viertelfinale kam gegen Bulgarien das frühe Aus; Matthäus hatte seine Mannschaft zwar in Führung gebracht, doch ein Doppelschlag der Bulgaren bedeutete das Ausscheiden.

Matthäus blieb das Verletzungspech treu: Anfang 1995 zog er sich in einem Freundschaftsspiel einen Riss der Achillessehne zu, der ihn für mehrere Monate zum Zuschauen zwang. Das Fehlen ihres Abwehrchefs machte sich bei den Bayern bemerkbar, für die die Saison 1994/95 enttäuschend verlief. Ende 1995 kehrte Matthäus wieder zurück, wobei einige Kritiker vermuteten, mit nun schon 34 Jahren werde er nach dieser zweiten schweren Verletzung nicht mehr seine Topform erreichen. Doch Matthäus kämpfte sich zurück und fand zu alter Leistungsstärke zurück. 1996 besiegten die Bayern Girondins Bordeaux im Finale des UEFA-Pokals und Matthäus gewann zum zweiten Mal diesen Pokal.

Da Matthäus nie offiziell aus der DFB-Elf zurückgetreten war, rechnete man mit seiner Nominierung für die EM 1996. Doch er hatte sich mit Bundestrainer Vogts überworfen, dessen engster Vertrauter in der Mannschaft Kapitän Jürgen Klinsmann war. Zwischen Matthäus und Klinsmann, die zu dieser Zeit bei Bayern München – wie schon vorher bei Inter Mailand – im selben Verein spielten, herrschte eine Konfliktsituation. Im Sommer 1996 veröffentlichte Matthäus in der Bild ein „geheimes Tagebuch“, in dem er Interna aus der Mannschaft des FC Bayern, insbesondere von Klinsmann, öffentlich machte. Dies führte zu seiner Absetzung als Kapitän des FC Bayern München. Unbeeindruckt von diesen Querelen um seine Person knüpfte er in den folgenden Jahren wieder an sein Leistungsniveau an. 1997 gewann er unter Trainer Trapattoni seine fünfte Meisterschaft. Nach der verletzungsbedingten Absage von Matthias Sammer für die WM 1998 und einer Kampagne der Bild-Zeitung zugunsten von Matthäus holte Berti Vogts ihn kurz vor dem Turnier in den Kader zurück. Er bestritt zum ersten Mal seit fast vier Jahren wieder ein Länderspiel.

Fünfte WM-Teilnahme und langsamer Karriereausklang[Bearbeiten]

Mit 37 Jahren nahm Matthäus bei der Weltmeisterschaft 1998 zum fünften und letzten Mal an einer WM teil. Als Matthäus im zweiten Gruppenspiel nach dem 0:2-Rückstand gegen Jugoslawien in der Halbzeit eingewechselt wurde, kam die deutsche Elf noch zu einem 2:2-Unentschieden. Gegen den Iran stand er in der Anfangs-Elf und Deutschland gewann die Gruppe. Im Achtelfinale gegen Mexiko spielte Matthäus wieder Libero. Deutschland erreichte das Viertelfinale, in dem man von der Überraschungsmannschaft aus Kroatien mit 0:3 aus dem Turnier geworfen wurde. Es war Matthäus' letztes WM-Spiel, wobei er mit seinem 25. Einsatz einen neuen Weltrekord aufgestellt hatte.[5]

Im Anschluss an die enttäuschende WM übernahm Erich Ribbeck den Posten des Bundestrainers und überredete Matthäus, seine Karriere in der Nationalmannschaft fortzusetzen. Mit Ottmar Hitzfeld übernahm auch im Verein ein neuer Trainer die Regie in München, der ebenfalls auf den Routinier setzte. Er spielte im Alter von 38 Jahren noch mal eine Saison auf hohem Niveau und wurde 1999 zu Deutschlands Fußballer des Jahres gewählt, während die Bayern unangefochten den Meistertitel errangen. Einen Schock erlebten die Bayern, als sie im Finale der UEFA Champions League nach einer 1:0-Führung noch in letzter Sekunde gegen Manchester United 1:2 unterlagen. Matthäus hatte sich ob des sicher geglaubten Sieges kurz vor Schluss auswechseln lassen. Zum zweiten Mal in seiner Karriere blieb ihm ein Erfolg in Europas Königsklasse verwehrt. Sein letztes Pflichtspiel für die Bayern absolvierte er am 8. März 2000 im Champions-League-Spiel gegen Real Madrid, das mit 4:1 gewonnen wurde.

Danach wechselte er in die Major League Soccer zu den New York Metro Stars. Dort spielte er von März bis September 2000 und erreichte mit der Mannschaft die Play-Off-Spiele. Am 13. Mai 2005 trat er für ein Spiel für den 1. FC Lokomotive Leipzig im Stadtpokal-Halbfinale an. Mit diesem Spiel beendete er seine Karriere als Fußballer.

Matthäus wurde von Trainer Ribbeck in das Aufgebot für die EM 2000 berufen. Er gab gleichzeitig bekannt, nach dem Turnier aus der Nationalmannschaft auszuscheiden. Nach dem schlechten Abschneiden der deutschen Elf – sie schied in der Vorrunde aus – wurde Matthäus in der Presse stark kritisiert, der Wechsel in die USA sei ein Fehler gewesen, dort hätte er stark abgebaut. Das letzte Gruppenspiel gegen Portugal, das 0:3 verloren wurde, war sein letztes von insgesamt 150 Länderspielen.

Damit war er über 20 Jahre, so lang wie kein anderer deutscher Nationalspieler in der Nationalmannschaft aktiv und hat als bisher einziger deutscher Nationalspieler an fünf Weltmeisterschaften teilgenommen. Sein Rekord bezüglich der Zeitspanne als Nationalspieler wurde 2010 von Jari Litmanen übertroffen, der 21 Jahre für Finnland spielte.

Trainer[Bearbeiten]

Lothar Matthäus (2002)

Seit der Saison 2001/02 war Matthäus bei mehreren Mannschaften als Trainer tätig.

Rapid Wien[Bearbeiten]

Seine erste Station war der SK Rapid Wien (6. September 2001 bis 10. Mai 2002). Mit den Wienern erreichte er den achten Tabellenplatz – die schlechteste Platzierung seit der Einführung der österreichischen Meisterschaft 1911 für den Verein. Anschließend wurde er wegen öffentlicher vereinsschädigender Aussagen entlassen, ohne dass sein restliches Gehalt ausgezahlt wurde. Ein Versuch von Matthäus, das Gehalt und zusätzliche Gelder vom Verein wegen Rufschädigung einzuklagen (insgesamt ca. 2 Mio. Euro), schlug fehl.

Partizan Belgrad[Bearbeiten]

Seine nächste Trainerstation war Partizan (22. Dezember 2002–13. Dezember 2003). Die Belgrader führte er zur Meisterschaft in Serbien-Montenegro und schaffte anschließend mit der Mannschaft auch die Qualifikation zur Champions League (u. a. über Newcastle United).

Nationaltrainer von Ungarn[Bearbeiten]

Vom 1. Januar 2004 bis zum 31. Dezember 2005 war Matthäus Nationaltrainer der ungarischen Fußballnationalmannschaft. In dieser Zeit konnte Matthäus einen Achtungserfolg erzielen, als Ungarn die DFB-Auswahl in einem Länderspiel anlässlich des 50-jährigen Jubiläums des WM-Endspiels von 1954 in Bern am 6. Juni 2004 in Kaiserslautern mit 2:0 bezwang. Die Qualifikation für die WM 2006 in Deutschland wurde nach einem vierten Platz in der Qualifikationsgruppe verfehlt.

2005 war Matthäus für den TV-Sender RTL 2 als Trainer der Amateurmannschaft Borussia Banana tätig.

Atlético Paranaense in Brasilien[Bearbeiten]

Ab Februar 2006 trainierte er kurzzeitig den brasilianischen Erstligaverein Atlético Paranaense in Curitiba und verkündete nach nur etwas mehr als einem Monat aus familiären Gründen während eines Heimaturlaubs in Europa seinen Rücktritt. Kurz zuvor hatte Matthäus aufgrund einer Schiedsrichterbeleidigung eine 30-tägige Sperre hinnehmen müssen.

Red Bull Salzburg[Bearbeiten]

Im Mai 2006 unterschrieb er einen Vertrag beim FC Red Bull Salzburg und war als Co-Trainer an der Seite von Giovanni Trapattoni tätig, bis der Vorstand die Zusammenarbeit am 12. Juni 2007 wegen „unterschiedlicher Auffassungen“ beendete.

Maccabi Netanya in Israel[Bearbeiten]

Mitte April 2008 unterschrieb Matthäus einen Zweijahresvertrag beim israelischen Erstligisten Maccabi Netanya. Er trat seine neue Trainerstelle im Juli 2008 an. Ende April 2009 gab Maccabi Netanya bekannt, dass der bis 2010 datierte Vertrag mit Lothar Matthäus zum Saisonende aufgelöst werde. Grund hierfür war nach offiziellen Angaben die wirtschaftliche Situation des Vereins. Maccabi Netanya belegte in der Saison 2008/09 den vierten Tabellenplatz.

Im Juni 2009 wurde Matthäus vom ungarischen Verein FC Fehérvár umworben, der ihm einen Zweijahresvertrag mit Option auf ein drittes Jahr anbot,[6] im Oktober 2009 vom argentinischen Club Racing Club Avellaneda.[7] Matthäus konnte sich aber mit keinem der Vereine auf einen Vertrag einigen.

Lothar Matthäus in Sofia (2010)
Lothar Matthäus während des Spiels Bulgarien–Serbien am 17. November 2010

Nach dem frühen Scheitern der kamerunischen Nationalmannschaft bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2010 war Matthäus als Nachfolger für den zurückgetretenen Nationaltrainer Paul Le Guen in der engeren Auswahl. Der Verband sah aber von einer Verpflichtung ab.[8]

Nationaltrainer von Bulgarien[Bearbeiten]

Im September 2010 übernahm Matthäus als Nachfolger von Stanimir Stoilow die Bulgarische Fußballnationalmannschaft.[9] Er erhielt einen Einjahresvertrag mit einer Option für zwei weitere Jahre. Seine sportlichen Ziele in Bulgarien umriss er folgendermaßen:

„Unser Ziel ist bei der gegenwärtigen EM-Qualifikation mindestens der zweite Gruppenplatz. Nach Niederlagen gegen England und Montenegro ist das keine leichte Aufgabe. Jedoch bin ich der Meinung, dass wir dieses Ziel erreichen können. Für mich ist das eine große Herausforderung. Ich scheue mich nicht vor schwierigen Aufgaben. Langfristig streben wir die WM-Qualifikation für 2014 an“[10]

Matthäus betreute Bulgarien erstmals beim EM-Qualifikationsspiel am 8. Oktober 2010 gegen Wales,[11] das Bulgarien 1:0 gewann.[12] Nachdem Bulgarien in der Qualifikationsgruppe den letzten Platz belegte und die EM-Qualifikation verpasste, wurde Matthäus am 19. September 2011 entlassen.[13]

Arbeit als Kolumnist und TV-Experte[Bearbeiten]

Neben und zwischen seinen Trainer-Engagements arbeitete Matthäus als regelmäßiger Kolumnist für Sport Bild (2001–2009) und war immer wieder auch als TV-Experte tätig (für den Bezahlsender Premiere vor allem bei den WMs 2002 und 2006, für das ZDF bei der EM 2004, für Eurosport bei der EM 2008 und für den arabischen TV-Sender Al Jazeera bei der WM 2010). Seit Beginn der Bundesliga-Saison 2012/2013 ist er wieder als Experte beim Pay-TV Sender Sky Deutschland tätig.

Privates[Bearbeiten]

Der gelernte Raumausstatter hat drei Kinder; zwei Töchter aus der Ehe (1981–1992) mit seiner ersten Ehefrau Sylvia und einen Sohn aus der zweiten Ehe (1994–1999) mit Lolita Morena. Ab November 2003 war Matthäus in dritter Ehe mit der Serbin Marijana Kostić verheiratet. Im November 2007 trennte sich das Paar. Kurz darauf machte er seine Beziehung mit der 26 Jahre jüngeren Ukrainerin Kristina Liliana Čudinova (* 11. Dezember 1986 in Kiew) öffentlich, der Tochter des Eishockeyspielers Sergej Čudinov[14]. Am 1. Januar 2009 ging er mit ihr in Las Vegas seine vierte Ehe ein,[15] die am 2. Februar 2011 geschieden wurde.[16] Im März 2012 hatte er zusammen mit seiner damaligen Lebensgefährtin, der 23 Jahre jüngeren Polin Joanna Tuczyńska eine Gastrolle in der Fernsehserie Alarm für Cobra 11 – Die Autobahnpolizei, wo er sich selber spielte. Im Frühjahr 2012 ließ sich Matthäus von einem Kamerateam des deutschen Fernsehsenders VOX begleiten, das die sechsteilige Personality-Doku Lothar – immer am Ball drehte, die ab 24. Juni 2012 ausgestrahlt wurde.[17] Im November 2012 wurde bekannt, dass sich Lothar Matthäus und Joanna Tuczyńska getrennt haben.[18]

Erfolge als Spieler[Bearbeiten]

Vereinsmannschaften[Bearbeiten]

Nationale Meisterschaften[Bearbeiten]

Nationale Pokalwettbewerbe[Bearbeiten]

jeweils mit dem FC Bayern München

Europäische Pokalwettbewerbe[Bearbeiten]

Nationalmannschaft[Bearbeiten]

Erfolge als Trainer[Bearbeiten]

Vereinsmannschaften[Bearbeiten]

Auszeichnungen[Bearbeiten]

International[Bearbeiten]

National[Bearbeiten]

Rekorde[Bearbeiten]

  • Seit dem 17. November 1993 ist er Rekordnationalspieler des DFB, an diesem Tag übertraf er mit seinem 104. Länderspiel (Deutschland – Brasilien 2:1) die von Franz Beckenbauer am 23. Februar 1977 vorgelegte Marke. Am 23. Februar 2000 überbot er mit seinem 144. Spiel den europäischen Rekord von Thomas Ravelli und blieb bis zum 22. August 2007 mit 150 Spielen europäischer Rekordnationalspieler. Er wurde von Martin Reim (Estland) abgelöst.
  • Matthäus nahm an fünf Weltmeisterschaften teil und hält mit der Teilnahme an 25 WM-Spielen den Rekord der meisten WM-Einsätze.
  • Er ist der bisher älteste Spieler, der in der deutschen Nationalmannschaft gespielt hat. Bei seinem letzten Länderspiel war Matthäus 39 Jahre alt. Mit 38 Jahren und 128 Tagen ist er zudem der älteste Torschütze der Nationalmannschaft. Sein letztes Tor erzielte er am 28. Juli 1999 beim Confed-Cup in Mexiko gegen Neuseeland zum 2:0-Endstand.

Elfmeter-Trivia[Bearbeiten]

  • Bis zum 25. Juni 2005 war Matthäus mit acht Elfmetertoren bester Strafstoßschütze der Nationalmannschaft, bevor er von Michael Ballack übertroffen wurde.[19][20]
  • Matthäus hatte bereits vor dem Finale zwischen Bayern München und Mönchengladbach im DFB-Pokal 1984 seinen Wechsel von Mönchengladbach zu den Bayern bekannt gegeben. Pikanterweise fand das Finale zwischen seinem alten und seinem neuen Verein statt. Im entscheidenden Elfmeterschießen schoss Matthäus seinen Elfmeter für Mönchengladbach über das Tor, und die Bayern gewannen den Pokal.
  • Im Finale des DFB-Pokal 1999 gegen Werder Bremen trat Matthäus im Elfmeterschießen zunächst nicht an. Erst als es nach den ersten fünf Schützen noch unentschieden stand, erklärte er sich bereit, als sechster Schütze einen Elfmeter zu übernehmen. Der Torwart von Bremen, Frank Rost, hielt den Elfmeter, und Bremen wurde Pokalsieger. Lothar Matthäus ist damit der bisher einzige Spieler, der zweimal im Elfmeterschießen eines DFB-Pokal-Endspiels verschoss.
  • Im WM-Finale 1990 gegen Argentinien brach Matthäus die Sohle seines Schuhs auseinander. In der Pause musste er daher ein komplett neues, nicht eingelaufenes Paar Schuhe anziehen. Als es in der 85. Minute beim Stand von 0:0 einen Elfmeter für Deutschland gab, war eigentlich Matthäus als Schütze vorgesehen (er hatte zuvor bereits im Viertel- und im Halbfinale je einen Elfmeter verwandelt). Jedoch fühlte er sich nach eigenen Angaben aufgrund des Schuhwechsels unsicher und überließ Andreas Brehme den Ball, der ihn dann verwandelte und Deutschland den Weltmeistertitel einbrachte.[21]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Lothar Matthäus – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Die meisten Länderspiele für Deutschland, FUSSBALL-WM-total, 14. August 2013
  2. Statistik zum Spiel Deutschland-Niederlande; Deutscher Fußball-Bund, abgerufen am 5. April 2010
  3. "Autogramme", Sport-Bild vom 29. Dezember 1992, S.21
  4. "Lothar Matthäus - 1992 hat mein Leben verändert", Sport-Bild vom 29. Dezember 1992, S.12f
  5. WM-Rekordspieler, FUSSBALL-WM-total, Juli 2010
  6. Matthäus sagt Fehervar ab; kicker.de, abgerufen am 28. Juni 2009
  7. Matthäus erteilt Absage; kicker.de, abgerufen am 28. Oktober 2009
  8. Eigentlich bin ich ganz einfach gestrickt; welt.de, abgerufen am 2. August 2010
  9. http://topsport.ibox.bg/news/id_854076175
  10. Radio Bulgarien: Matthäus als neuer bulgarischer Fußball-Trainer vorgestellt; Meldung vom 27. September 2010.
  11. Matthäus neuer Trainer von Bulgarien; Meldung auf news.de
  12. Meldung auf kicker.de
  13. Matthäus ist nicht mehr bulgarischer Nationalcoach; Meldung auf welt.de
  14. Main-Post: Null-Punkte-Wochenende für die Mighty Dogs vom 17. Oktober 2010
  15. Matthäus heiratet zum vierten Mal; Bericht im 20 Minuten
  16. Ehe-Aus: Lothar und Liliana geschieden in Spiegel Online vom 3. Februar 2011
  17. Lothar - immer am Ball - VOX.de, 17. Mai 2012
  18. Lothar Matthäus und Joanna Tuzcynska: Aus, aus, aus - die Liebe ist aus, stern.de vom 19. November 2012
  19. Spielerinfo Ballack dfb.de, abgerufen am 24. Juni 2012
  20. Spielerinfo Matthäus dfb.de, abgerufen am 24. Juni 2012
  21. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatInterview Lothar Matthäus. In: FIFA.com. Abgerufen am 17. Juli 2009.
Vorgänger Amt Nachfolger

Ruud Gullit
Weltfußballer des Jahres
1990, 1991

Marco van Basten

Marco van Basten
Europas Fußballer des Jahres
1990

Jean-Pierre Papin

Thomas Häßler
Oliver Bierhoff
Deutschlands Fußballer des Jahres
1990
1999

Stefan Kuntz
Oliver Kahn