Erich Ribbeck

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Erich Ribbeck
Spielerinformationen
Voller Name Erich Ribbeck
Geburtstag 13. Juni 1937
Geburtsort WuppertalDeutschland
Größe 184 cm
Position Abwehr
Vereine in der Jugend
SSV 1904 Wuppertal
Vereine als Aktiver
Jahre Verein Spiele (Tore)1
1959–1962
1962–1965
Wuppertaler SV
SC Viktoria Köln
Stationen als Trainer
1965–1967
1967–1968
1968–1973
1973–1978
1978–1984
1984–1985
1985–1988
1992–1993
1995–1996
1998–2000
Borussia Mönchengladbach (Co-Trainer)
Rot-Weiss Essen
Eintracht Frankfurt
1. FC Kaiserslautern
Deutschland (Assistent)
Borussia Dortmund
Bayer 04 Leverkusen
FC Bayern München
Bayer 04 Leverkusen
Deutschland
1 Angegeben sind nur Liga-Spiele.
Stand: Mai 2012

Erich Ribbeck (* 13. Juni 1937 in Wuppertal) ist ein ehemaliger deutscher Fußballspieler und -trainer. Zwischenzeitlich betätigte er sich auch im Sportmanagement. Sein gepflegtes Auftreten und seine zivilisierten Umgangsformen brachten ihm zunächst in der Boulevardpresse die Beinamen „Sir Erich“ und später „Gentleman“ ein.

Als Spieler trat er unter anderem für den SC Viktoria Köln in der seinerzeit erstklassigen Oberliga West an. Als Trainer gewann er mit Bayer 04 Leverkusen den UEFA-Pokal 1988 und damit den ersten Titel des Vereins. Mit dem FC Bayern München wurde er Vizemeister. Ende der 1990er Jahre wurde er deutscher Nationaltrainer und betreute die DFB-Auswahl bis zum Ende der Fußball-Europameisterschaft 2000.

Karriere[Bearbeiten]

Karriere als Spieler[Bearbeiten]

Als Spieler war er ursprünglich beim SSV 1904 Wuppertal und seit 1959 bei dessen Nachfolgeverein Wuppertaler SV aktiv und stieg mit dem Verein nach der Saison 1961/62, als der WSV unter Trainer Robert Gebhardt die Vizemeisterschaft hinter Bayer 04 Leverkusen errang, in die seinerzeit erstklassige Oberliga West auf. Insgesamt bestritt Ribbeck 104 Einsätze für den WSV. Seinen ersten Vertrag beim WSV bekam er zunächst als Torwart.

Der Verteidiger wechselte zur Saison 1962/63, auch aufgrund des inzwischen begonnenen Sportstudiums in Köln, zu der von seinem Dozenten Hennes Weisweiler trainierten Viktoria Köln und spielte dabei 21 Mal neben dem jugoslawischen Weltklassetorwart Vladimir Beara und Spielern wie Gero Bisanz, Willibert Kremer, Carl-Heinz Rühl und Jürgen Sundermann. 1965 hatte Ribbeck ein Angebot von Bayer Leverkusen und hatte bereits sein Ehrenwort gegeben, zu wechseln, als er ein Angebot von Hertha BSC bekam, welches Ribbeck annehmen wollte. Aufgrund von nicht genehmigten Handgeldzahlungen an Spieler wurde Hertha vom DFB aus der Bundesliga entfernt, der Vertrag mit Ribbeck wurde deshalb hinfällig. Ribbeck beendete deshalb seine Karriere als Aktiver bei der Viktoria nach 34 Einsätzen in der damals zweitklassigen Regionalliga West im Jahr 1965.[1] Zwischenzeitlich hatte Ribbeck unter Hennes Weisweiler seinen Fußballlehrerschein gemacht.

Anfänge als Co-Trainer, Bundesligatrainer und Assistent des Bundestrainers[Bearbeiten]

Ribbeck begann seine Trainerkarriere in direktem Anschluss an seine Zeit als Fußballer als Assistent von Hennes Weisweiler, der die gerade in die Bundesliga aufgestiegene Borussia Mönchengladbach trainierte. So wurde er Co-Trainer der Mannschaft, gegen die er einige Monate vorher noch selbst gespielt hatte. Gleichzeitig wurde Ribbeck Trainer der Amateurmannschaft der Borussia. Außerdem arbeitete Ribbeck vormittags als Sportlehrer an einem Gymnasium in Remscheid.

1967 erhielt der 30-jährige Ribbeck beim seinerzeitigen Bundesligaabsteiger Rot-Weiss Essen dann seinen ersten Cheftrainerposten. Er führte den Verein auf den zweiten Platz der Regionalliga West, scheiterte aber in der Bundesliga Aufstiegsrunde an Hertha BSC Berlin.

Ab der folgenden Saison trainierte er bis 1973 als Nachfolger von Elek Schwartz fünf Jahre lang Eintracht Frankfurt, abgesehen von einer Qualifikation zum UEFA-Pokal, ohne größeren Erfolg. Für den Posten in Frankfurt hatte Ribbeck sich aus dem Schuldienst beurlauben lassen. Die Frankfurter Mannschaft war in jener Zeit geprägt von Spielern wie Jürgen Grabowski und Bernd Hölzenbein, die ein Jahr nach seinem Weggang aus Frankfurt die Fußball-Weltmeisterschaft 1974 gewinnen sollten.

1973 fand quasi ein Trainertausch zwischen Frankfurt und dem 1. FC Kaiserslautern statt. Ribbeck wurde Chef bei den Pfälzern, während Dietrich Weise vom Betzenberg zur Eintracht ging und die Frankfurter schließlich zu zwei Triumphen im DFB-Pokal führte. Mit 1826 Tagen im Dienst der Eintracht hält Ribbeck jedoch den Rekord als Trainer mit der längsten Amtsperiode bei den Hessen.[2]

Gleich zu Beginn seiner Tätigkeit beim 1.FCK stand ein 7:4-Sieg im Bundesligaspiel gegen Bayern München, der einen festen Platz in den Vereinsannalen gefunden hat, da ein 1:4-Rückstand aufgeholt werden konnte. Mit dem seinerzeitigen Bayern-Trainer Udo Lattek verband Ribbeck eine persönliche Freundschaft. Ribbeck führte die Lauterer 1976 zudem ins DFB-Pokal-Finale, in dem der Hamburger SV mit 2:0 die Oberhand behielt und in der nächsten Saison auch im Europapokal der Pokalsieger triumphierte. Die Finalteilnahme ist der größte Erfolg Ribbecks im deutschen Pokalwettbewerb. Die Bundesligaplatzierungen jener Jahre (6., 13., 7., 13., 8.) hingegen brachten dem Pfälzer Traditionsverein nicht voran, Ribbeck wurde 1978 von Karl-Heinz Feldkamp ersetzt, der die Mannschaft zur UEFA-Pokal-Teilnahme und in späteren Jahren zu Meisterschaft und Pokalsieg führte.

Ribbeck selbst wurde Assistent des damals gerade Helmut Schön im Amt nachgefolgten neuen deutschen Bundestrainers Jupp Derwall. In den folgenden Jahren hatte er so Teilhabe am Gewinn der Fußball-Europameisterschaft 1980 in Italien und der Vizeweltmeisterschaft 1982 in Spanien. Das Ende des Trainergespanns folgte aber nach der wenig erfolgreichen Europameisterschaft 1984 in Frankreich, nach der die Ära von Teamchef Franz Beckenbauer begann. Ribbeck, der selbst Hoffnungen auf die Bundestrainerposition gehegt hatte, bat enttäuscht um die vorzeitige Auflösung seines Vertrages.

Ribbeck löste im Oktober 1984 bei Borussia Dortmund den nach neun Bundesliga-Spieltagen entlassenen Timo Konietzka ab. Am Ende der Saison waren die Dortmunder 14. und nur einen Punkt vor dem zu den Relegationsspielen verpflichtenden Tabellenplatz. Der Ungar Pál Csernai wurde sein Nachfolger bei den Schwarz-Gelben. Ribbeck nahm 1985 ein Angebot von Bayer Leverkusen an.

Erfolg im UEFA-Pokal 1988[Bearbeiten]

Mit seinem neuen Verein Bayer 04 Leverkusen feierte er 1988 mit dem Gewinn des UEFA-Pokals seinen größten Erfolg. Im Viertelfinale setzten sich die Leverkusener im Rückspiel mit einem 1:0-Sieg beim FC Barcelona durch; im Halbfinale erneut knapp dank eines 1:0-Heimerfolges gegen Werder Bremen nach einem Unentschieden im Hinspiel. Bei den Endspielen gegen RCD Español Barcelona – das Finale wurde noch mit Hin- und Rückspiel ausgespielt – wurde es noch enger. Nach einer 0:3-Niederlage bei den Katalanen stand es im Rückspiel zur Pause noch 0:0, doch konnten die Leverkusener, angeführt von Kapitän Wolfgang Rolff, in der zweiten Halbzeit im damaligen Ulrich-Haberland-Stadion den Rückstand aus dem Hinspiel mit teils glücklichen Toren ausgleichen. Im anschließenden Elfmeterschießen behielten sie mit 3:2 die Oberhand. Dadurch sicherte Ribbecks Team dem Verein den ersten bedeutenden Titel. Am Ende der Saison musste er dennoch dem Niederländer Rinus Michels weichen, da die erreichten Platzierungen (6., 6., 8.) nicht den Ansprüchen des Werksvereins genügten.

Ribbeck übernahm daraufhin – zunächst bis April 1989 – das Amt des Sportdirektors beim Hamburger SV und war danach bis 1991 Beauftragter für Sportkommunikation beim Automobilhersteller Opel, der seinerzeit im Sportsponsoring sehr aktiv war und dessen Namenszug in den 1990er-Jahren unter anderem auf der Brust der Spieler des FC Bayern München und des AC Mailand prangte.

Der FC Bayern sollte ihn schließlich im März 1992 als Nachfolger von Søren Lerby verpflichten. Unter Ribbeck beendeten die Bayern die Saison noch als Zehnter. In der folgenden Saison konnte er Bayern mit dem Italien-Heimkehrer Lothar Matthäus zur Vizemeisterschaft führen. Ribbeck erreichte damit die beste Bundesligaplatzierung seiner Trainerlaufbahn. Bis zur Winterpause der Saison 1993/94 setzte sich innerhalb des Bayern-Managements jedoch die Ansicht durch, dass Ribbeck den immerwährenden Meisterschaftsambitionen der Isarstädter eher hinderlich wäre und so wurde er kurz vor Jahresende von Vizepräsident Franz Beckenbauer abgelöst, der die Mannschaft schließlich zur ersten Meisterschaft seit 1990 führte.

Zur Mitte der Rückrunde 1994/95 wurde Ribbeck erneut von den inzwischen in die Mittelmäßigkeit abgeglittenen Leverkusenern verpflichtet, um Dragoslav Stepanović abzulösen – am Ende wurde Bayer Leverkusen Siebter. Ribbeck konnte nicht an seine Erfolge der ersten Amtszeit anknüpfen. Trotz großer Namen wie Rudi Völler, Ulf Kirsten und Bernd Schuster kämpfte das Team während der gesamten Saison 1995/96 gegen den Abstieg. Ende April 1996, als die Mannschaft auf dem 13. Platz und nur drei Punkte von einem Abstiegsplatz entfernt war, wurde Ribbeck wieder entlassen. Dies war seine erst zweite vorzeitige Entlassung in über 20 Trainerjahren. Notnagel Peter Hermann übernahm bis zum Saisonende, ehe Christoph Daum kam. Ribbeck setzte sich daraufhin einstweilen auf Teneriffa zur Ruhe.

Bundestrainer[Bearbeiten]

Am 9. September 1998 wurde Ribbeck schließlich Nachfolger von Berti Vogts als Bundestrainer und war mit 61 Jahren der älteste Debütant in diesem Amt. Sein Assistent und engster Mitarbeiter wurde der frühere Nationalspieler Uli Stielike. Ribbeck haftete von Anfang an das Image eines Kompromisskandidaten an, auch weil eine zwischenzeitlich vorgesehene Einsetzung des 1974er Weltmeisters Paul Breitner als Teamchef wegen persönlicher Querelen zwischen diesem und DFB-Präsident Egidius Braun scheiterte.

Nachdem bereits das erste Spiel der Nationalmannschaft unter Ribbeck, ein Europameisterschafts-Qualifikationsspiel in Bursa gegen die Türkei, mit 0:1 verloren gegangen war, kam es in den folgenden beiden Jahren zu weiteren herben Niederlagen, wie beispielsweise zweimal gegen die USA (0:3 und 0:2) sowie gegen Brasilien, als die DFB-Elf (allerdings nur mit einer B-Auswahl angetreten) mit 0:4 unterlag. Erfolge gab es nur gegen weniger bedeutende Fußballnationen. Nach einem 0:0 im Rückspiel gegen die Türkei war Deutschland aber dennoch mit zwei Punkten Vorsprung vor dieser für die in den Niederlanden und Belgien stattfindende EM 2000 qualifiziert.

Bereits im Vorfeld des Turniers kam es zu Auseinandersetzungen innerhalb der deutschen Mannschaft,[3] in der sich eine Opposition gegen Ribbeck formierte.[4] Beim Turnier selbst, bei dem Ribbeck den 39-jährigen Lothar Matthäus als klassischen Libero einsetzte und damit neben der Türkei das einzige Team aufbot, das noch mit diesem als veraltet geltenden System spielte, kam es zum Fiasko für die DFB-Auswahl: Im ersten Gruppenspiel konnte Deutschland gegen Rumänien nach einem raschen 0:1-Rückstand zwar noch ein 1:1-Unentschieden erzwingen. Danach gab es mit einem 0:1 gegen England und einem 0:3 gegen Portugal, das bereits für die nächste Runde qualifiziert war und auf den Einsatz von Stars wie Luís Figo und Rui Costa verzichtete, aber nur noch Niederlagen. Die Nationalelf schied als Gruppenletzter bereits nach der Vorrunde aus. Es war das schlechteste Abschneiden einer deutschen Mannschaft bei einem großen Turnier seit dem Erstrunden-Aus gegen die Schweiz bei der WM 1938 unter Reichstrainer Sepp Herberger.

Ribbeck, der während seiner Amtszeit im übrigen mit einer reichhaltigen Auswahl von Kuriosa und Binsenweisheiten zum Zitatenschatz des deutschen Fußballs beigetragen hat, konnte sich der dem Europaturnier folgenden hartnäckigen Infragestellung seiner Person nicht lange widersetzen und trat am 21. Juni 2000 vom Amt zurück. Seine Bilanz ist mit zehn Siegen, sechs Unentschieden und acht Niederlagen die schlechteste aller bisherigen Bundestrainer. Er ist der einzige, der die Mehrzahl seiner Spiele nicht gewinnen konnte. Er wurde durch den Leverkusener Sportdirektor Rudi Völler ersetzt, der nur vorübergehend für Christoph Daum die Verantwortung übernehmen sollte, dann aber, bedingt durch die Kokain-Affäre von Daum, bis 2004 im Amt blieb. Der „Trainerfindungsprozess“, ein Wort jener Zeit, war dann noch wesentlich komplexer und von schärferen öffentlichen Diskussionen begleitet als bei Ribbecks eigener Ernennung.

Persönliches[Bearbeiten]

Erich Ribbeck ist verheiratet mit Ulla, mit der er eine Tochter und einen Sohn sowie sechs Enkelkinder hat. Er pendelt zwischen dem rheinischen Pulheim und der kanarischen Insel Teneriffa. Ribbeck unterstützte das Sozialprojekt „Wir helfen Afrika“ zur Fußball-Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika und war dessen Stadtpate für Lindau.[5]

Erfolge als Trainer[Bearbeiten]

Mit der Nationalmannschaft[Bearbeiten]

Mit seinen Vereinen[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Knieriem/Grüne: Spielerlexikon 1890-1963, Agon-Verlag, Kassel 2006, S. 313, ISBN 3-89784-148-7
  2. Knackt Funkel den Ribbeck-Rekord? vom 9. Dezember 2008 auf bild.de
  3. Erichs Glücksrad – Aufstellungen nach dem Zufallsprinzip. Der Spiegel 24/2000
  4. Ribbeck, der Kaffeehaus-Trainer. Der Spiegel 25/2000
  5. Lindauer helfen Afrika Stadtpate Erich Ribbeck, Wir helfen Afrika e.V.

Literatur[Bearbeiten]

„Plötzlich war ich Netzers Trainer“ -ausführliches Interview in: RevierSport 3/2013, S. 42 f.

Weblinks[Bearbeiten]