Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen

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Welternährungsprogramm

World Food Programme

WFPlogo130.svg
Rechtsform UN Humanitarian Programme
Gründung 1960
Sitz Rom, ItalienItalien Italien
Leitung Ertharin Cousin
Website www.wfp.org
2-Euro-Gedenkmünze zum 40. Geburtstag des WFP

Das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen (englisch UN World Food Programme, WFP) ist die größte humanitäre Organisation der Welt. WFP gehört wie UNICEF, die WHO oder die FAO zu den Vereinten Nationen. WFP ist die wichtigste Institution der Vereinten Nationen im Kampf gegen den globalen Hunger. 2011 hat WFP 99,1 Millionen Menschen mit Ernährungshilfe in 75 Ländern unterstützt. Größtenteils handelt es sich dabei um die Versorgung von Menschen in Not mit Nahrungsmitteln nach Naturkatastrophen, Dürren oder gewalttätigen Konflikten. Außerdem hilft WFP auch Menschen in Gebieten mit dauerhaft schlechter Ernhährungslage und führt dort Entwicklungsprojekte durch. Hierzu zählen Schulspeisungsprogramme [1] für etwa 25 Millionen Kinder pro Jahr in 60 Ländern, oder so genannte Food-for-Work-Programme, bei denen Menschen Nahrungsmittel als Ausgleich für ihre verrichtetete Arbeit erhalten, die der nachhaltigen Entwicklung dienen – etwa dem Bau von Brunnen oder Bewässerungskanälen.

Neben acht Verbindungsbüros in den wichtigsten Geberstaaten (u.a. in Berlin für den deutschsprachigen Raum), gibt es weltweit über 70 Länderbüros, in denen WFP die Arbeit vor Ort koordiniert. [2]

Inhaltsverzeichnis

Organisation [Bearbeiten]

Das Hauptquartier des WFP liegt in der italienischen Hauptstadt Rom. Die Organisation beschäftigt circa 15.000 Mitarbeiter, wovon 90% der Mitarbeiter in den Projektländern arbeiteten.[3] WFP wird derzeit von der Exekutivdirektorin Ertharin Cousin geführt. Der Leiter des Verbindungsbüros in Berlin ist Ralf Südhoff. [4]

WFP verfügt nur über einen sehr geringen festen Etat. Die Organisation finanziert sich überwiegend aus freiwilligen Zuwendungen von Geberstaaten, die in der Regel bestimmte Programme gezielt finanzieren. Außerdem sind Spenden von Unternehmen und Privatpersonen von Bedeutung. Noch im Jahr 2007 betrug der Etat der Organisation knapp 3 Milliarden US-Dollar. Im Zuge der Welternährungskrise stieg es 2008 auf 5 Milliarden US-Dollar. Für 2010 wurde mit Ausgaben in Höhe von fast 6 Milliarden US-Dollar gerechnet, tatsächliche Spenden beliefen sich auf etwa 3,82 Milliarden US-Dollar. [5] Die Zuwendungen erfolgen überwiegend in Barmitteln, teils auch in Sachspenden. Gesteuert wird WFP vom so genannten „Exekutivrat“. Hier sind 36 Staaten abwechselnd vertreten, zurzeit auch Deutschland. 2011 war Deutschland der viertgrößte Geber von WFP.[6]

Geschichte [Bearbeiten]

Eine Lockheed C-130 der UN liefert Nahrung aus

Die Gründung von WFP wurde 1961 von der UN-Generalversammlung und der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation (FAO) beschlossen, um die Nahrungsmittelversorgung in Kriegs- und Katastrophengebieten zu sichern. 1963 nahm WFP seine Arbeit offiziell auf. Neben WFP sitzen mit der FAO und dem IFAD (International Fund for Agricultural Development) zwei UN-Sonderorganisationen in Rom, die sich mit dem Thema Ernährung befassen. Heute ist WFP die weltweit größte Organisation zur Versorgung von hungernden Menschen. Im Laufe der Jahrzehnte entstand eine enge Zusammenarbeit zwischen WFP und zahlreichen internationalen Hilfsorganisationen und nichtstaatlichen Organisationen. WFP arbeitet im Schnitt jedes Jahr mit ca. 3.000 Nichtregierungsorganisationen zusammen.

WFP ist auch für den Betrieb des UN Humanitarian Air Service (UNHAS) zuständig. UNHAS befördert Personal und Sachgüter von zahlreichen Hilfsorganisationen mit Flugzeugen in Krisengebiete wie etwa im Sudan, in Afghanistan oder in Westafrika.

Programm [Bearbeiten]

WFP besitzt einen humanitären und unpolitischen Auftrag. Es hilft dort, wo Menschen von Hunger betroffen sind und die jeweilige nationale Regierung um Hilfe bittet - unabhängig von den politischen Umständen. In den letzten Jahren sind integrative Ansätze, die Entwicklungszusammenarbeit und Ernährungshilfe vereinen, zunehmend wichtiger geworden. So kaufte WFP 2010 in den Entwicklungsländern lokal Nahrungsmittel im Wert von 975 Millionen US-Dollar (83 % der Gesamtmenge) auf und investierte so in die dortige Landwirtschaft. [7] In diesen Kontext fällt auch die von WFP gestartete Initiative „Purchase for Progress“ (P4P). Dieses Pilotprojekt soll durch den lokalen Ankauf von Nahrungsmitteln bei Kleinbauern die lokalen und nationalen Märkte in den von Ernährungsunsicherheit betroffenen Ländern stärken, die Produktivität der Kleinbauern erhöhen und sie so von Hunger und Armut zu befreien.

Die Arbeit von WFP in Katastrophen- und Krisengebieten ist oftmals gefährlich. So wurden im Sudan 2008 über 80 Lastwagenfahrer des WFP überfallen und entführt, zwei Fahrer wurden ermordet. Auch in Somalia wurden Anfang 2009 zwei einheimische WFP-Mitarbeiter ermordet. Der dortige Einsatz erlangte auch im Zuge der Piraterie am Horn von Afrika und der internationalen Marinemissionen „Atalanta“, die auch die Schiffe des WFP schützen sollen, eine gewisse Bekanntheit.

Millennium-Entwicklungsziele [Bearbeiten]

Hunger ist das größte Gesundheitsrisiko weltweit. Mehr Menschen sterben jährlich an Hunger, als an AIDS, Malaria und Tuberkulose zusammen. Genau deshalb ist die Zahl der Hungernden zu halbieren, das erste der Millenniums-Entwicklungsziele. [8]

Ein wichtiges Hauptziel des Welternährungsprogramms ist es, die Zahl der an Hunger und Armut leidenden Menschen im Vergleich von 1990 bis 2015 zu halbieren, um so die UN-Millenniumsziele aus dem Jahr 2000 zu erreichen. [9]

Hungernde weltweit [Bearbeiten]

Die Zahl der Hungernden hat im Vergleich zu 1990 bereits abgenommen. Aber das Milleniumsentwicklungsziel wurde noch nicht erreicht. Momentan leiden 868 Millionen Menschen an Hunger. Das sind im Vergleich zu 1990 136 Millionen Hungernde weniger.[10]

Anzahl der Hungernden weltweit[11]

1990-1992 1 Mrd.

1999-2001 919 Mio.

2004-2006 898 Mio.

2007-2009 867 Mio.

2010-2012 868 Mio.

Gemessen in Prozent an der Weltbevölkerung[12]

1990-1992 18.6 %

1999-2001 15.0 %

2004-2006 13.8 %

2007-2009 12.9 %

2010-2012 12.5 %

Welternährungskrise [Bearbeiten]

Im Jahr 2008 kam es bei Nahrungsmitteln zu drastischen Preissteigerungen, teils um mehrere hundert Prozent. In zahlreichen Ländern brachen deshalb sogar so genannte Hungerrevolten aus, in Haiti stürzte die Regierung. Im Zuge der Welternährungskrise wurde auch das WFP stark gefordert. Im Laufe des Jahres 2008 musste es seine Operationen massiv ausweiten und sein Budget nahezu verdoppeln. So unterstützte WFP im Jahre 2008 102 Millionen Menschen in 78 Ländern mit Ernährungshilfe. 2012 musste WFP über 90 Millionen Menschen in 75 Ländern mit Ernährungshilfe unterstützen.[13]

Obwohl das extrem hohe Preisniveau mittlerweile gesunken ist, kostet Getreide immer noch deutlich mehr als vor der Nahrungsmittelkrise. Dies trifft Menschen in Armut, die schon vorher zwei Drittel bis drei Viertel ihres Einkommens für Essen ausgeben mussten, sehr hart. Die Welternährungskrise gefährdet somit auch die bisherigen Erfolge im Kampf gegen den Hunger: Noch vor 30 Jahren hungerte mehr als jeder dritte Mensch auf der Erde. Heute ist es noch jeder sechste, und das trotz Welternährungs-, Wirtschafts- und Finanzkrise und einer massiven Zunahme der Weltbevölkerung.[14]

In Entwicklungsländern tragen Nahrungsmittelspekulationen oft zu schwankenden und teuren Preisen bei. Familien in Entwicklungsländern müssen oft bis zu 70 % ihres Einkommens für Nahrungsmittel ausgeben. Wenn die Nahrungsmittelpreise steigen und sie mehr Geld für Essen ausgeben, haben sie weniger Mittel für Bildung, Gesundheit, Kleidung und Wohnkosten zur Verfügung. [15]

Siehe auch [Bearbeiten]

Einzelnachweise [Bearbeiten]

  1. Schulspeisungprogramme, zusätzlicher Text.
  2. Länderbüros, zusätzlicher Text.
  3. Mitarbeiter, zusätzlicher Text.
  4. Ralf Südhoff, zusätzlicher Text.
  5. Ausgaben, zusätzlicher Text.
  6. Geber, zusätzlicher Text.
  7. Entwicklung, zusätzlicher Text.
  8. Fakten über Hunger, zusätzlicher Text.
  9. Sicherheitsnetze, Sicherheitsnetze.
  10. [1], Hungerbericht 2012
  11. [2], Neue Hungerzahlen
  12. [3], Neue Hungerzahlen
  13. [4], Arbeit WFP
  14. [5], Hunger
  15. [6], Preise Nahrungsmittel

Weblinks [Bearbeiten]