Abellio (Unternehmen)

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Abellio GmbH
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Rechtsform GmbH
Gründung 2004
Sitz Berlin

Leitung

  • Stephan Krenz (Vorsitzender der Geschäftsführung)
  • Dirk Snel
  • Roman Müller
Branche Verkehr
Website www.abellio.de

Die Abellio GmbH ist ein Verkehrsunternehmen mit Sitz in Berlin und eine Tochtergesellschaft der Abellio Transport Holding aus Utrecht, die wiederum die Aktivitäten der niederländischen Staatseisenbahn Nederlandse Spoorwegen im Personenverkehr außerhalb der Niederlande koordiniert.

Abellio betreibt Schienenpersonennahverkehr in Nordrhein-Westfalen und Mitteldeutschland sowie über die Westfalenbahn GmbH auch in Niedersachsen. In Baden-Württemberg wird Abellio 2019 den operativen Betrieb im Stuttgarter Netz aufnehmen. Bis 2014 wurden über Tochterunternehmen in Hessen und Sachsen auch Buslinien betrieben. Im Zuge der Unternehmensstrategie, sich verstärkt im Schienenverkehr zu engagieren, wurden die Busgeschäfte veräußert. Darüber hinaus ist Abellio über die Beteiligung an der PTS GmbH im Reinigungs- und Sicherheitsgewerbe aktiv.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Logo 2004–2009
Bus des bis 2013 zur Abellio Bus GmbH gehörenden Verkehrsunternehmens Werner im Wormser Busbahnhof

Das Unternehmen entstand 2004 als gemeinsame Tochtergesellschaft der städtischen Essener Versorgungs- und Verkehrsgesellschaft mbH (EVV), zu der auch die Essener Verkehrs-AG (EVAG) gehört, und des Essener Busunternehmers Mesenhohl. Vorgänger war die 2001 gegründete EVAG-Betriebsgesellschaft mbH (EVBG), in die der EVAG-Fahr- und Werkstattbetrieb ausgegliedert wurde. Die Gründung von Abellio erfolgte, um in den bundesweiten Wettbewerb um Verkehrsleistungen einsteigen zu können. Daher war der EVAG-Betrieb auch nicht Teil des Unternehmens Abellio, sondern in der EVV-Tochter meoline GmbH organisiert. Geschäftsführer des neuen Unternehmens wurde der bisherige EVAG-Geschäftsführer Wolfgang Meyer. Abellio gewann in der Folge in Nordrhein-Westfalen mehrere Ausschreibungen für den Eisenbahnverkehr und war über eine Reihe von zugekauften Omnibusunternehmen in mehreren Bundesländern auch im Busverkehr tätig. 2005 wurden 75,1 % des Unternehmens an die britische Investorengruppe Star Capital Partners verkauft. 12,36 % hielt weiterhin die EVV. Weitere Gesellschaftsanteile hielt das Abellio-Management.

Als Hauptwerkstatt reaktivierte Abellio ein früheres Bundesbahn-Werk am Standort Hagen-Eckesey. Hier wurden zunächst insgesamt acht Millionen Euro investiert, um die Fahrzeuge zu beheimaten und die Wartungs- und Instandhaltungsarbeiten durchzuführen.

Die erste Betriebsaufnahme erfolgte im Dezember 2005 im Emscher-Ruhrtal-Netz auf der heutigen Glückauf-Bahn, damals Nokia-Bahn. Hier kommen seitdem Triebzüge vom Typ Alstom Coradia LINT zum Einsatz, die sich im Eigentum des Unternehmens befinden. Diese Linie war vom Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) für zwölf Jahre ausgeschrieben worden. Zum gleichen Zeitpunkt fand auch die Betriebsaufnahme auf der Ruhr-Lenne-Bahn zwischen Essen und Hagen statt. Hier betrug die ursprüngliche Vertragsdauer zunächst nur zwei Jahre, so dass man bei Abellio von einer Investition in Neufahrzeuge abgesehen hat. Stattdessen kamen alte n-Wagen und D-Zug-Abteilwagen zum Einsatz, die man sich teilweise aus ganz Deutschland gemietet hatte. Insgesamt drei davon wurden in der Hagener Werkstatt zu Steuerwagen umgebaut, um als Wendezug betrieben werden zu können. Schub- bzw. Zuglok waren gemietete Fahrzeuge vom Typ Siemens ES64U2. Eigentümer war das heutige Unternehmen MRCE, das damals noch unter dem Namen Dispolok aktiv war und im Eigentum der Siemens AG stand.

Im Rahmen der Neuausschreibung des Ruhr-Sieg-Netzes für zwölf Jahre, von Dezember 2007 bis Dezember 2019, wurde auch die Ruhr-Lenne-Bahn erneut vergeben. Abellio hat die Linie wiederholt gewinnen können und die Leasinggesellschaft CB-Rail (heute Ascendos) mit der Anschaffung von insgesamt zwanzig Triebzüge vom Typ Stadler FLIRT beauftragt. Erstmals kam dabei auch die zweiteilige Variante zum Einsatz, die bis dahin nur auf dem Papier bestand.

Mit der Betriebsaufnahme im Ruhr-Sieg-Netz wurden zwischen Hagen, Siegen und Essen die n-Wagen abgelöst. Neu am Betriebskonzept ist eine regelmäßige Flügelung der Züge aus Hagen kommend in Letmathe: Dort fährt ein Teil stets nach Iserlohn, der andere stets nach Siegen. Dadurch konnte der Aufgabenträger NWL die Zahl der Zugkilometer reduzieren, ohne dabei jedoch das Gesamtangebot zu verschlechtern.

Im Jahr 2005 beteiligte man sich zudem an der Gründung der Westfalenbahn und trat so auch in der Region Nordwestdeutschland in den Markt ein. Als einer von vier gleichberechtigten Gesellschaftern fährt die Westfalenbahn ebenfalls seit 2007 im nördlichen Nordrhein-Westfalen sowie in Niedersachsen. Auch hier kommen Stadler FLIRT zum Einsatz, die sich im Eigentum von Alpha Trains befinden.

Im November 2008 wurde bekannt gegeben, dass die bisherigen Eigentümer der Abellio GmbH aus dem Unternehmen aussteigen und sämtliche Geschäftsanteile an die niederländische Staatseisenbahn verkaufen. Am 7. November 2008 wurde die Übernahme beim Bundeskartellamt zur Genehmigung angemeldet[1], welche am 24. November 2008 bedingungslos erteilt wurde. Im weiteren Verlauf wurde Abellio der zentrale Markenname sämtlicher Aktivitäten der niederländischen Staatseisenbahn im Personenverkehr außerhalb der Niederlande. Geschäftsführer Meyer verließ das Unternehmen zum Jahresende 2008.

Mit Wirkung zum 1. Januar 2009 wurde Shaun Mills Geschäftsführer der Abellio GmbH. Unter dessen Führung hat das Unternehmen sich im Jahr 2009 an der Vergabe der damaligen Linie RB 47 (Der Müngstener) beteiligt und konnte mit Wirkung zu Dezember 2013 das Netz weiter vergrößern. Dabei kam, auch aus den Erfahrungen der Finanzkrise ab 2007 erstmals ein neues Investitionsmodell zum Einsatz, das auf dem Prinzip Sale-Lease-Back basiert. Abellio hat die Fahrzeuge vom Typ Coradia LINT angeschafft und unmittelbar nach der Auslieferung an den Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) verkauft – der die Fahrzeuge dann an Abellio vermietet hat. Durch dieses Konstrukt ist der VRR den Banken gegenüber der Kreditnehmer. Ziel des Aufgabenträgers war es, seine eigene Kreditwürdigkeit für alle Akteure gleichermaßen zur Verfügung zu stellen. Der endgültige Zuschlag wurde im November 2010 erteilt.

Im Jahr 2009 kam es zudem in einem langjährigen Streit zwischen VRR und DB Regio NRW zu einer außergerichtlichen Einigung. Diese hätte eine langfristige Direktvergabe zugunsten der Deutschen Bahn vorgesehen. Damals hat Abellio juristische Schritte gegen diese Planungen eingeleitet. Sowohl die Vergabekammer Münster als auch das Oberlandesgericht Düsseldorf erklärten die Vergabe für rechtswidrig. Da es aus dem Jahr eine anderslautende Entscheidung des Oberlandesgerichtes Brandenburg gab, wurde der Fall dem Bundesgerichtshof vorgelegt. Am 8. Februar 2011 urteilte der Bundesgerichtshof in dieser Sache.[2] Das Urteil besagt, dass Verkehrsleistungen im Schienenpersonennahverkehr (SPNV) fortan europaweit ausgeschrieben werden müssen und das Vergaberecht strikt einzuhalten ist. Direktvergaben sind damit zukünftig unterbunden und die teils milliardenschweren Aufträge dürfen nicht mehr formlos an ein vom Aufgabenträger ausgesuchtes Unternehmen vergeben werden.

Im Jahr 2012 erhielt Abellio den Zuschlag zum Betrieb des Saale-Thüringen-Südharz-Netzes, woraufhin die Abellio Rail Mitteldeutschland GmbH mit Sitz in Halle gegründet wurde. In Sangerhausen errichtete Abellio eine neue Betriebswerkstatt. Im STS-Netz kommen seit Dezember 2015 35 E-Talent 2 von Bombardier zum Einsatz (Drei- und Fünfteiler). 2018 wird Abellio Rail Mitteldeutschland den Betrieb im Diesel-Netz Sachsen-Anhalt übernehmen. Dabei sollen Triebfahrzeuge vom Typ Alstom Coradia LINT zum Einsatz kommen.

Auch in NRW expandierte Abellio weiter: Im Jahr 2013 erhielt die Abellio Rail NRW den Zuschlag zum Betrieb des Niederrhein-Netzes inkl. grenzüberschreitendem Verkehr nach Arnheim (Niederlande) ab Dezember 2016. In den nächsten Jahren wird Abellio zudem die Linien RE 1 und RE 11 des Rhein-Ruhr-Expresses betrieben sowie gemeinsam mit Keolis (Eurobahn) die S-Bahn Rhein-Ruhr befahren.

In Baden-Württemberg wird Abellio ab Juni 2019 das Neckartal im Stuttgarter Netz befahren.[3]

Im Mai 2015 verlegte die Abellio GmbH seine Deutschlandzentrale von Essen nach Berlin. Als Grund für den Umzug nannte das Unternehmen die deutschlandweite Ausrichtung sowie die Nähe zu politischen Gremien und Branchenverbänden sowie Vertretungen der Bundesländer. [4]

Im Juli 2017 kündigte Abellio an, künftig Alleingesellschafter der WestfalenBahn zu sein. Die bisherigen Gesellschafter (moBiel GmbH, Mindener Kreisbahnen GmbH und die Verkehrsbetriebe Extertal GmbH) übertragen dazu ihre jeweilige Beteiligung an der WestfalenBahn vollständig an die Abellio GmbH.

Struktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stadler Flirt der Abellio Rail NRW in Essen Hbf
Talent 2 von Abellio Rail Mitteldeutschland

Die Struktur des Konzerns in Deutschland ist wie folgt:

Veränderungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2006 wurden die beiden Beteiligungsgesellschaften Abellio Bus GmbH für den Omnibusverkehr und Abellio Rail GmbH für den Eisenbahnverkehr gegründet, um die verschiedenen Beteiligungen nach Sparten zu ordnen.[7] Ab 2010 begann Abellio, seine Beteiligungen im Bereich Bus zu verringern. Im Jahr 2010 übernahm die Familie Mesenhohl die 49-%-Beteiligung der Abellio an der Meobus, Essen. Die restlichen 51 % dieser Gesellschaft wurden auch zuvor schon von ihr gehalten.[8]

Im April 2011 wurde die Beteiligung von 34 % an der OBS Omnibusbetrieb Saalekreis an die beiden anderen Gesellschafter Vetter und HAVAG abgegeben.[9]

Mit Wirkung vom 1. Januar 2013 übernahm die CVAG alle Geschäftsanteile der ETP Euro Traffic Partner, die zuvor zu je 25 % von Abellio, der CVAG sowie zwei sächsischen Regionalbusgesellschaften gehalten wurden.[10]

Im April 2013 gab Abellio bekannt, dass es sich strategisch neu ausrichten will: Demnach wolle sich Abellio künftig ausschließlich auf den Schienenpersonennahverkehr konzentrieren. Der Konzern suchte deshalb für die drei verbleibenden eigenen Busgesellschaften KVG, VM und Werner einen Käufer.[11] Am 1. November 2013 hat der Schweizer Finanzinvestor Transport Capital die Busunternehmen VM und Werner übernommen.[12] Die verbleibende KVG wurde im Oktober 2014 an Rhenus Veniro verkauft.[13]

Die ABELLIO Rail GmbH wurde Mitte Juni 2014 mit der Abellio GmbH verschmolzen.

Die Abellio Rail Südwest GmbH entstand Ende August 2014 aus der am 2. Mai 2003 in Frankfurt gegründeten NedBahnen Deutschland GmbH mit seit Mitte 2010 Sitz in Essen. Am 22. April 2015 verlegte sie ihren Sitz nach Berlin, gewann die Ausschreibung des Loses 1 der Stuttgarter Netze, und verlegte am 26. September 2016 ihren Sitz nach Stuttgart und benannte sich in Abellio Rail Baden-Württemberg GmbH um.

Tätigkeit im Vereinigten Königreich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Abellio (transport company) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. NedRailways will Abellio übernehmen. In: www.eurailpress.de. 14. November 2008. Abgerufen am 24. Dezember 2015.
  2. Bundesgerichtshof, Urteil vom 8. Februar 2011, Aktenzeichen X ZB 4/10
  3. Neue Betreiber für SPNV des Stuttgarter Netzes. Abgerufen am 21. September 2016.
  4. Abellio Deutschland zieht nach Berlin. 18. September 2014. Abgerufen am 24. Dezember 2015.
  5. http://www.abellio.de/de/baden-wuerttemberg/ueber-abellio-baden-wuerttemberg/unternehmensvorstellung
  6. Stefan Hennigfeld: Abellio übernimmt Westfalenbahn. Eisenbahnjournal Zughalt.de, 12. Juli 2017; abgerufen am 12. Juli 2017.
  7. Meldung im Portal ÖPNV-Wettbewerb
  8. Meldung im Portal ÖPNV-Wettbewerb
  9. Eintrag im Portal ÖPNV-Wettbewerb
  10. Richtungslampe, Mitarbeiterzeitung der CVAG, 58. Jahrgang, Nr. 4 (August 2013), S. 8
  11. Pressemitteilung auf abellio.de: Abellio Deutschland vor strategischer Neuausrichtung. Abellio Deutschland, 10. April 2013; abgerufen am 25. April 2013.
  12. Meldung des Roten Renner: VM/WERNER: Verkauf in die Schweiz. Roter Renner, 2. November 2013; abgerufen am 2. November 2013.
  13. Verkauf der Kraftverkehrsgesellschaft Dreiländereck an Rhenus Veniro abgeschlossen. 2. Januar 2015; abgerufen am 17. Februar 2015 (Pressemitteilung auf www.rhenus-veniro.de).