Clubhouse (App)

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Clubhouse
Basisdaten

Entwickler Alpha Exploration Co.
Erscheinungsjahr 2020
Aktuelle Version 0.1.25[1]
(22. Januar 2021)
Betriebssystem iOS
Kategorie Soziales Netzwerk
Lizenz Freeware
joinclubhouse.com

Clubhouse ist eine audio-basierte Social-Network-App, die 2020 vom Softwareunternehmen Alpha Exploration Co. veröffentlicht wurde. Derzeit (Februar 2021) ist sie nur für iOS verfügbar. Die App steht wegen mangelnden Datenschutzes, fehlender Moderation und rechtlicher Mängel in der Kritik.

Funktionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Clubhouse ist eine Audio-Plattform. In digitalen, sogenannten „Räumen“ können Menschen live miteinander diskutieren.[2][3] Die Nutzung ist bisher (Stand Februar 2021) nur für iPhone-Nutzer möglich, nachdem man eine Einladung (Invite) von bereits registrierten Nutzern erhalten hat. Registrierte Nutzer können sich ein Profil anlegen, gemeinsam neue „Räume“ eröffnen und ihre Gespräche in einem Kalender ankündigen, sodass andere zuhören können.[4] Dabei leitet ein Moderator die Diskussionen, indem er Zuhörer zu Sprechern macht oder sie wieder stummschaltet. Zuhörer können dem Moderator ein Handzeichen geben, wenn sie zum Sprecher ernannt werden wollen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Clubhouse wurde von dem Stanford-Absolventen und ehemaligen Pinterest-Mitarbeiter Paul Davison und dem ehemaligen Google-Mitarbeiter Rohan Seth gegründet.[5][6][7] Die App ist seit Frühjahr 2020 erhältlich und weiterhin im Beta-Stadium (Stand Februar 2021).[4] Ende Dezember hatte sie 600.000 Nutzer.[4]

Zu dem Zeitpunkt wurde das Unternehmen nach einem Investment der Wagniskapitalgesellschaft Andreessen Horowitz in Höhe von 12 Millionen US-Dollar mit knapp 100 Millionen US-Dollar bewertet.[8][9][10]

In Deutschland blieb die App bis Anfang Januar 2021 kaum genutzt, bis über eine Telegram-Gruppe der Podcast-Moderatoren Philipp Klöckner und Philipp Gloeckler als Growth-Hacking-Maßnahme zum gegenseitigen Einladen aufgerufen wurde und viele deutsche Influencer auf der Plattform aktiv wurden.[11][12][13] Als Tipping-Point gelten die Postings der Influencerin Ann-Katrin Schmitz, die über ihren Instagram-Account „Himbeersahnetorte“ und auf LinkedIn ihre insgesamt fast 140.000 Follower am 16. Januar 2021 auf Clubhouse hinwies.[11] Am 19. Januar 2021 war die App die am häufigsten heruntergeladene iOS-Anwendung in Deutschland.[5]

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den USA wird Clubhouse beispielsweise von Prominenten wie Oprah Winfrey, Drake, Kevin Hart oder Tiffany Haddish genutzt.[14][15] In Deutschland befanden sich im Januar 2021 zunächst vor allem Influencer sowie Menschen aus den Bereichen Medien, Journalismus, Marketing und Politik unter den Nutzern, beispielsweise Saskia Esken, Christian Lindner, Bodo Ramelow, Dorothee Bär, Joko Winterscheidt oder Olli Schulz.[14][16]

Verschiedene Medien begründeten den Hype um die App mit dem Fear-of-missing-out-Effekt – der Angst, etwas zu verpassen.[4][17][11] Dies sei laut Markus Beckedahl auch durch die Einladungspolitik bedingt, die eine Form von Exklusivität erzeuge.[18]

Insbesondere einige Politiker traten auf Clubhouse anfangs ungewöhnlich privat, bürgernah und ungezwungen auf. So sangen bei einer Gelegenheit etwa der thüringische Ministerpräsident Bodo Ramelow und der CDU-Politiker Philipp Amthor spontan Volkslieder. Nachdem Ramelow jedoch in einem Clubhouse-Raum auch freizügig verkündet hatte, dass er in Ministerpräsidentenkonferenz-Runden Candy Crush spiele und Angela Merkel als „Merkelchen“ bezeichnete, entbrannte eine tagelange Plattform-interne und anschließend auch mediale Debatte: Zum einen warfen Kritiker Ramelow vor, die Corona-Pandemie offenbar nicht ernst zu nehmen, sowie Merkel sexistisch herabgewürdigt zu haben. Zum anderen wurde darüber diskutiert, ob das in den Räumen Gesagte vertraulich („unter drei“ / nach Chatham House Regeln) zu behandeln sei. Hintergrund war der Artikel in Die Welt, in dem erstmals öffentlich von dem Abend berichtet wurde. Später entschuldigte sich Ramelow für die Aussage gegenüber Merkel. Beobachter werteten den Skandal jedoch als wahrscheinliches Ende der vormals intimen Runden mit Politikern.[19][20]

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach Einschätzung des Hamburger Datenschutzbeauftragten Johannes Caspar verstößt die App gegen die Datenschutz-Grundverordnung, da unter anderem kein Ansprechpartner für Datenschutzanfragen genannt werde und die Datensammlung ohne „klare Zwecksetzung“ erfolge. Zudem sei problematisch, dass Nutzer automatisch aus ihrem Kontaktbuch Daten Dritter mit der App teilen würden.[21][14] Auch die saarländische Datenschutzbeauftragte Monika Grethel sowie Dirk Engling vom Chaos Computer Club kritisierten, dass Kontaktinformationen von Personen, die selbst nicht Teilnehmer des Dienstes seien, mit der App geteilt würden.[22][23]

Die ZDF-Moderatorin Dunja Hayali kritisierte, dass die künstliche Verknappung den Großteil des Publikums aussperre.[6] Der Aktivist Raul Krauthausen kritisierte, dass die App gehörlose Menschen ausschließe.[23]

Zudem kritisierten US-Medien, dass rechtsextreme, rassistische oder sexistische Äußerungen auf der Plattform ungeahndet blieben.[14][3][17][24]

Der Verbraucherzentrale Bundesverband verschickte Ende Januar 2021 eine Abmahnung an die Entwickler-Firma der App, Alpha Exploration Co., wegen „gravierender rechtlicher Mängel“. Der Dienst würde in Deutschland „ohne das erforderliche Impressum betrieben“ und die „Allgemeinen Geschäftsbedingungen und die Datenschutzhinweise lägen nicht wie vorgeschrieben auf Deutsch vor.“ Auch Verstöße gegen die Datenschutz-Grundverordnung wurden bemängelt.[25]

Die Stiftung Warentest kam in einer Auswertung im Februar 2021 zu dem Schluss, die App sammle „unnötig viele Nutzerdaten und verstößt mit ihrer Datenschutzerklärung gegen die Datenschutzgrundverordnung.“[26]

In China wurde die App im Februar 2021 gesperrt, nachdem sich über mehrere Tage hinweg freimütige und offen moderierte Debatten über Tabuthemen wie die Verfolgung der Uiguren, die Proteste in Hongkong 2019/2020, den Taiwan-Konflikt oder das Massaker auf dem Tian’anmen-Platz 1989 entwickelt hatten.[27]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Clubhouse: Drop-in audio chat. In: apps.apple.com. App Store, abgerufen am 20. Januar 2021 (amerikanisches Englisch).
  2. Alexander Demling, Larissa Holzki, Stephan Scheuer: Soziales Netzwerk zum Hören: Clubhouse: Was steckt hinter der neuen Hype-App? In: Handelsblatt.com. 18. Januar 2021, abgerufen am 20. Januar 2021.
  3. a b Sören Brinkmann: Social-Audio-App „Clubhouse“ – Der digitale Country Club. In: Deutschlandfunk. 21. Januar 2021, abgerufen am 20. Januar 2021.
  4. a b c d Henrik Oerding: Willkommen im Club. In: Zeit.de. 18. Januar 2021, abgerufen am 20. Januar 2021.
  5. a b Corinna Budras, Roland Lindner, Gustav Theile: Clubhouse-App: Willkommen im Vereinshaus. In: FAZ.net. 19. Januar 2021, abgerufen am 20. Januar 2021.
  6. a b Alexander Kühn, Anton Rainer: Clubhouse als neuer Social-Media-Hype: Eliten unter sich. In: Spiegel.de. 19. Januar 2021, abgerufen am 20. Januar 2021.
  7. Erin Griffith, Taylor Lorenz: The Hot New Thing in Clubby Silicon Valley? An App Called Clubhouse. In: The New York Times. 19. Mai 2020, ISSN 0362-4331 (nytimes.com [abgerufen am 20. Januar 2021]).
  8. Ari Levy, Salvador Rodriguez: Silicon Valley is going crazy for Clubhouse, a social media app with 1,500 users that's already worth $100 million. 20. Mai 2020, abgerufen am 19. Januar 2021 (englisch).
  9. Arielle Pardes: What Is Clubhouse, and Why Does Silicon Valley Care? In: Wired. 22. Mai 2020, abgerufen am 20. Januar 2021 (englisch).
  10. Michael Moorstedt: Hören und gehört werden. In: Süddeutsche Zeitung. 24. Mai 2020, abgerufen am 20. Januar 2021.
  11. a b c Roland Eisenbrand: Wie zwei deutsche Digital-Nerds den aktuellen Clubhouse-Hype ins Rollen gebracht haben. In: omr.com. 20. Januar 2021, abgerufen am 20. Januar 2021.
  12. Vicky Isabelle Bargel: Inside Clubhouse: Das steckt hinter dem Hype um die App. In: T3n. 23. Januar 2021, abgerufen am 26. Januar 2021.
  13. Lena Herrmann: Doppelgänger-Podcast: Clubhouse ist wie Corona. In: Werben & Verkaufen. 20. Januar 2021, abgerufen am 26. Januar 2021.
  14. a b c d Was Datenschützer an der neuen Audio-App Clubhouse bemängeln. In: Tagesschau.de. 19. Januar 2021, abgerufen am 20. Januar 2021.
  15. Joanna Whitehead: Everything you need to know about Clubhouse, the exclusive new social media app. In: The Independent. 8. Januar 2021, abgerufen am 20. Januar 2021 (englisch).
  16. Carsten Behrendt: Neue Audio-App: Mittendrin im Hype um Clubhouse. In: Zdf.de. 18. Januar 2021, abgerufen am 20. Januar 2021.
  17. a b Elliot Douglas: Clubhouse: Audio-networking hype app thrives on elitism. In: Deutsche Welle. 20. Januar 2021, abgerufen am 20. Januar 2021 (britisches Englisch).
  18. Tobias Krone: Nur auf Einladung! Der Hype um die neue App Clubhouse. In: Bayerischer Rundfunk. 18. Januar 2021, abgerufen am 10. Februar 2021.
  19. https://m.focus.de/politik/deutschland/brisante-einblicke-candy-crush-und-merkelchen-ramelow-auftritt-in-clubhouse-runde-sorgt-fuer-wirbel_id_12903669.html
  20. https://de.euronews.com/2021/01/24/clubhouse-app-amthor-singt-und-ramelow-erzahlt-von-candy-crush
  21. Larissa Holzki, Stephan Scheuer: Audio-Plattform: Datenschützer: Hype-App Clubhouse verstößt gegen europäische Regeln. In: Handelsblatt.com. 19. Januar 2021, abgerufen am 20. Januar 2021.
  22. Stefan Krempl: Social-Media-App: Datenschützer machen bei Clubhouse große Fragezeichen. In: Heise online. 21. Januar 2021, abgerufen am 21. Januar 2021.
  23. a b Florian Prokop: Was die neue Social-Media-App „Clubhouse“ kann. In: Rbb24. 19. Januar 2021, abgerufen am 21. Januar 2021.
  24. Thomas Moßburger: Hype-App „Clubhouse“: Zutritt nur für Coole – und Hassprediger? In: Bayerischer Rundfunk. 18. Januar 2021, abgerufen am 21. Januar 2021.
  25. Verbraucherschützer mahnen Clubhouse ab. In: Zeit.de. 27. Januar 2021, abgerufen am 28. Januar 2021.
  26. Test.de (10. Februar 2021): Clubhouse im Datenschutz-Check. Gehypte Chat-App plaudert Nutzerdaten aus.
  27. Friederike Böge: China sperrt die App Clubhouse. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 8. Februar 2021, abgerufen am 8. Februar 2021.