Efringen-Kirchen

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Wappen Deutschlandkarte
Efringen-Kirchen
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Efringen-Kirchen hervorgehoben

Koordinaten: 47° 39′ N, 7° 34′ O

Basisdaten
Bundesland: Baden-Württemberg
Regierungsbezirk: Freiburg
Landkreis: Lörrach
Höhe: 258 m ü. NHN
Fläche: 43,75 km2
Einwohner: 8697 (31. Dez. 2020)[1]
Bevölkerungsdichte: 199 Einwohner je km2
Postleitzahl: 79588
Vorwahl: 07628
Kfz-Kennzeichen:
Gemeindeschlüssel: 08 3 36 014
Gemeindegliederung: 9 Ortsteile
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Hauptstraße 26
79588 Efringen-Kirchen
Website: www.efringen-kirchen.de
Bürgermeister: Philipp Schmid
Lage der Gemeinde Efringen-Kirchen im Landkreis Lörrach
FrankreichSchweizLandkreis WaldshutLandkreis Breisgau-HochschwarzwaldFreiburg im BreisgauAiternBad BellingenBinzenBöllenEfringen-KirchenEfringen-KirchenEimeldingenFischingen (Baden)FröhndGrenzach-WyhlenZell im WiesentalHäg-EhrsbergHasel (Baden)Hausen im WiesentalInzlingenKandernKleines WiesentalLörrachMalsburg-MarzellMaulburgRheinfelden (Baden)RümmingenRümmingenSchallbachSchliengenSchönau im SchwarzwaldSchönau im SchwarzwaldSchönau im SchwarzwaldSchönau im SchwarzwaldSchönau im SchwarzwaldSchönau im SchwarzwaldSchönenberg (Schwarzwald)SchopfheimSchwörstadtSteinen (Baden)TodtnauTunauUtzenfeldWeil am RheinWembachWembachWembachWieden (Schwarzwald)WittlingenWittlingenZell im WiesentalZell im WiesentalZell im WiesentalKarte
Über dieses Bild

Efringen-Kirchen ist eine Gemeinde im Landkreis Lörrach und die westlichste Gemeinde Baden-Württembergs. Die Gemeinde entstand 1942 durch Zusammenschluss der beiden alten Dörfer Efringen und Kirchen.[2]

Die damalige Gemeinde Efringen-Kirchen entspricht dem heutigen Ortsteil Efringen-Kirchen. Mit der Gemeindereform von 1974 wurden acht bis dahin selbständige Gemeinden als neue Ortsteile eingemeindet. Somit besteht die Gemeinde Efringen-Kirchen heute aus neun Ortsteilen.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Efringen-Kirchen liegt in der Oberrheinebene in 240 bis 396 Meter Höhe und grenzt direkt an den Rhein, der hier die Grenze zu Frankreich bildet. Es ist Teil des Markgräfler Landes.

Nachbargemeinden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Karte des Gemeindegebietes von Efringen-Kirchen

Die Gemeinde grenzt im Norden an Bad Bellingen und die Stadt Kandern, im Osten an Schallbach und Fischingen, im Süden an Eimeldingen und die Stadt Weil am Rhein sowie im Westen an die französischen Gemeinden Rosenau und Kembs. Mit einer Exklave grenzt es zudem an die Gemeinde Binzen.

Ortsteile[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde Efringen-Kirchen besteht heute aus neun Ortsteilen:[3]

Geologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die große Gemarkung von Efringen-Kirchen (mit Blansingen, Egringen, Huttingen, Istein, Kleinkems, Mappach, Maugenhard, Welmlingen, Wintersweiler) erstreckt sich über drei unterschiedliche Landschaftsräume. Sie hat Anteil an:

  • der Schotterebene des Rheins
  • der Jurascholle des Isteiner Klotzes
  • dem lössbedeckten Tertiärhügelland (südliches Markgräfler Hügelland)

Alle diese Einheiten befinden sich in der Rheingrabenzone; Isteiner Klotz und Tertiärhügelland gehören zu den Schwarzwaldvorbergen.[21]

Große Teile der Gemarkungen von Efringen, Kirchen, Istein und Kleinkems liegen auf den Schottern, die der Rhein in der letzten Kaltzeit hierher verfrachtete. Da er diese später teilweise wieder ausgeräumt und umgelagert hat, weist die Schotterebene verschiedene Niveaus auf, die durch mehr oder weniger markante Raine - ehemalige Flussufer -voneinander abgegrenzt werden. Das höchste - von der nacheiszeitlichen Erosion verschonte - Niveau ist das der würmkaltzeitlichen Aufschüttung, die Niederterrasse. Ihre Terrassenkante, das Hochgestade, setzt am Fuß des Schafbergs westlich des Engebachs ein, wird durch dessen Tälchen unterbrochen und folgt dem Hölzeleweg, bis es wieder durch das Feuerbachtal durchschnitten wird. Längs der Baslerstraße ist es als eine bis über 15 m hohe Geländestufe erkennbar und zieht als bewaldeter Rain bis zur Gemarkungsgrenze an der Kander weiter. Nordwestlich und südöstlich des Kirchener Ortskerns lassen sich innerhalb der Niederterrasse zwei Höhenstufen unterscheiden. Der höheren Ebene ist etwas unterhalb der Friedrich-Rottra-Straße ein kleines tieferes Feld vorgelagert. Ein entsprechendes Feld östlich des Feuerbachtales wird durch den Kapfrain abgegrenzt. Diese Erosionsfelder sind bereits im Eiszeitalter entstanden. Erst nacheiszeitlich geschaffen wurden dagegen die der Niederterrasse vorgelagerten Schotterflächen, die Aue mit dem Strombett und ein etwas höheres Feld (von den Holzmatten bis zum Gewann Mahd, das sog. Märkter Feld).[22] Ein massiver Eingriff in die Auenlandschaft bedeutete die Tullasche Rheinkorrektion.

Der Isteiner Klotz ist eine durch mehrere, vorwiegend SW-NO-streichende Verwerfungen zerlegte, leicht kuppelförmig herausgewölbte Jurakalkscholle der Schwarzwaldvorbergzone.[23] Geologisch gesehen, gehört zu ihm das ganze Gebiet, in dem Oberjurakalke (Oxfordium) über Tage anstehen, also auch noch der Osthang des Engebachtales. Der in einem Flachmeer entstandene Jurakalk (Oxfordkalk/Malm) besteht unten aus massigem Korallenkalk (der nach oben hin Jaspisknollen enthält), oben aus gebanktem Nerineenkalk. Diese in den Steinbrüchen abgebauten Kalke werden von Schichten der frühen tertiären Grabenfüllung (Eozän und Oligozän) und einer Lössdecke überlagert. Für die Stützmauern im Rebberg über Efringen wurden sowohl die hellen Oxfordkalke als auch die tertiären, zum Teil konglomeratischen Kalksandsteine verwendet. Letztere sind nach Otto Wittmann als durchgehendes, durch Verwerfungen mehrfach höhenversetztes Felsband sowohl im Isteiner als auch im Efringer Rebberg auszumachen.[24] Aufgelassener Steinbruch auf die geröllführenden Kalksandsteine in der Kachel !

Eine in der Landschaft erkennbare tektonische Struktur im Isteiner Klotz ist der Isteiner Graben (die breite Hangmulde über Istein und das Gelände um das Huttinger Tälchen). In ihm lagern die Schichten etwa 50 m tiefer als am Grünberg oder am Kapf.[25] Auf einem Sporn, einem kleinen zwischengeschalteten Horst im Graben, liegt die Isteiner Kirche.

Umgeben ist der Isteiner Klotz im Norden, Osten und Südosten vom Markgräfler Tertiärhügelland. Unter der Lössdecke, die kaum Einblicke in den tieferen Untergrund gestattet, liegt ein Mosaik unterschiedlich geneigter, in verschiedener Höhenlage befindlicher Tertiärschollen. Besonders tief liegen diese im knapp vier km breiten Bamlacher Graben, der, NW-SO streichend, im N begrenzt wird durch eine Verwerfung Hertingen – Holzen – Hammerstein, im Süden durch Störungen, die bei Rheinweiler einsetzen und sich über den Katzenberg bis zur Hochscholle des Läufelbergs (Läufelberghorst) fortsetzen. Oligozänschichten , die auf dem Isteiner Klotz in über 300 m NN lagern, wurden bei einer Bohrung im Bamlacher Graben (bei Maugenhard) in über 300 m Tiefe angetroffen.[26] Die Tertiärschollen bestehen aus Sedimenten, die im Rheingraben unter teils marinen, teils festländischen Bedingungen abgesetzt wurden. Im heutigen Rheinbett zeigt sich bei den Isteiner Schwellen der an einer N-S-Verwerfung in die Rheingrabentiefe versenkte Oxfordkalk des Klotzes. Bei den Kirchener Schwellen hat der seit der Begradigung sich eintiefende Rhein Tertiär freigelegt.

Hochgelegene Schotter auf dem Wintersweiler Katzenberg und im Eichwald sind die Hinterlassenschaft eines Flusses des älteren Eiszeitalters.[27] Der im Markgräfler Hügelland allgegenwärtige Löss ist ein Sediment aus Feinstmaterial, das in den Kaltzeiten aus den Schotterflächen des Rheins ausgeblasen und im Umland deponiert wurde. Bei Huttingen ergab eine Bohrung eine Mächtigkeit von 26 m! Der Lössüberdeckung sind die weich ausgeglichenen Reliefformen des Tertiärhügellandes zu verdanken. Der von Hertingen her kommende Engebach fließt deshalb zunächst, wie auch der Feuerbach, in einem weiten Muldental. Erst beim Eintritt in den Bereich des Isteiner Klotzes unterhalb Welmlingen verengt sich das Engebachtal in den widerständigen Oxfordkalken. Das ausgeglichene Relief des Markgräfler Tertiärhügellandes ist nicht allein der Lössüberdeckung zuzuschreiben. Auf den vorwiegend weichen Tertiärschichten kam es in der Würmkaltzeit zu starkem Bodenfließen (Solifluktion), was bereits zu ausgeglichenen Hangformen führte.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bis zum 18. Jahrhundert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bodenfunde in Efringen-Kirchen bezeugen, dass das Gebiet schon in der Steinzeit und während der römischen und alemannischen Zeit besiedelt war. Am Isteiner Klotz wurde in der Jungsteinzeit, zwischen 4200 und 4100 v. Chr., Feuerstein abgebaut. Bei Bauarbeiten an der Rheintalbahn wurde ein römischer Brunnen aus dem 2. oder 3. Jahrhundert entdeckt.[28] Urkundlich erstmals erwähnt wurde der Ort Kirchen 815, der Ort Efringen 1113. Kirchen kam 1007 durch König Heinrich II. an das Kloster St. Georgen im Schwarzwald. Die Dörfer Efringen und Kirchen sowie Eimeldingen wurden 1431 für 1650 Gulden vom Ritter Reich von Reichenstein an Wilhelm Markgraf von Hachberg-Sausenberg verkauft.[29] Die badischen Markgrafen erhielten aber bald die Landeshoheit. Efringen unterstand lange dem Kloster St. Blasien.

19. und 20. Jahrhundert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Trotz Einführung der Reformation durch die markgräfliche Landeshoheit hielt dieses bis zum Reichsdeputationshauptschluss von 1803 an seinen Rechten fest.

Am 8. November 1848 wurde der Abschnitt Schliengen–Efringen der Rheintalbahn eröffnet. Am 22. Januar 1851 erfolgte dann die Verlängerung bis Haltingen. Bis zum Versailler Vertrag 1919 hatten beide Gemeinden auch linksrheinische Besitzungen.

Efringen und Kirchen wurden 1942 zur Gemeinde Efringen-Kirchen zusammengeschlossen. Am 1. Oktober 1974 wurden die damals selbständigen Gemeinden und heutigen Ortsteile Efringen-Kirchen, Blansingen, Egringen, Huttingen, Istein, Kleinkems, Mappach (mit Maugenhard)[30], Welmlingen und Wintersweiler zur neuen Gemeinde Efringen-Kirchen vereinigt.[31]

Geschichte der eingemeindeten Ortsteile[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blansingen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blansingen
Blansingen, Dorfbrunnen

Die erste urkundliche Erwähnung Blansingens stammt von 1094. Damals gingen Teile des Dorfes in den Besitz des Klosters St. Georgen im Schwarzwald über. 1464 ging der Ort an die Markgrafen von Hachberg-Sausenberg über. Die romanische Peterskirche in Blansingen geht auf das Jahr 1173 zurück, wo sie erstmals erwähnt wird. Bemerkenswert sind die Bilderwände aus dem 15. Jahrhundert.

Egringen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Egringen
Egringen, gut erhaltenes Ortsbild

Bereits 758 wurde Egringen erstmals unter dem Namen Aguringas urkundlich erwähnt. Ein Großteil des Ortes kam schon vor der ersten Jahrtausendwende an das Kloster St. Gallen. Im 14. Jahrhundert kam der Ort an die Markgrafen, die die Freiherren von Grünenberg belehnten. Die wichtigsten Sehenswürdigkeiten sind die Zehntenscheuer, die Kirche (Ersterwähnung um 775, Standort war unbekannt), das Stapflehuus, die alte Mühle und das Rathaus.

Huttingen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Huttingen
Huttingen, Ortsbild

Als letzter Teilort wurde Huttingen erst 1274 erstmals urkundlich erwähnt. Er gehörte damals den Markgrafen von Hachberg. Diese traten die Oberherrschaft 1365 an das Fürstbistum Basel ab. Erst durch die Säkularisation aufgrund des Reichsdeputationshauptschlusses kam der Ort 1803 an das Großherzogtum Baden.

Istein[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Istein
Istein

1139 wurde Istein erstmals urkundlich erwähnt, als Papst Innozenz II. dem Fürstbistum Basel den Ort als Eigentum bestätigte. Wie Huttingen gehörte er bis 1803 zur fürstbischöflichen Landvogtei Schliengen, bevor er 1803 an Baden kam.

Zu Istein gehört der Hausberg Isteiner Klotz, zu dessen Überwindung die Bahn früher drei Tunnel (Klotzentunnel, Kirchbergtunnel und Hardbergtunnel) und in jüngster Zeit den Katzenbergtunnel bauen musste. Der 1845 fertiggestellte Klotzentunnel war einer der ersten Eisenbahntunnel. Auf dem Isteiner Klotz wurden für beide Weltkriege große Befestigungsanlagen gebaut, da man von dort oben bis weit ins Elsass beobachten und schießen konnte. In der Jungsteinzeit wurde am Isteiner Klotz Feuerstein abgebaut.

Die Isteiner Schwellen, ein gefährliches Hindernis für die Schifffahrt auf dem Rhein nach Basel, waren ein wichtiger Grund für den Bau des Rheinseitenkanals von Weil am Rhein bis Breisach. Heute sind die Isteiner Schwellen ein beliebter Platz zum Baden im Rhein.

Istein lebt hauptsächlich vom Weinbau, Spargelzucht und dem Kalkwerk. Die Ortschaft ist mit ca. 1200 Einwohnern der zweitgrößte Teilort der Gemeinde Efringen-Kirchen. Es gibt viele historische Fachwerkhäuser, das älteste aus dem Jahr 1553. Berühmt ist die Isteiner Fasnacht, das Fasnachtsfeuer auf dem Isteiner Klotz und das Chlimsefest, das in Schaltjahren an Pfingsten stattfindet.

Kleinkems[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kleinkems
Ortsbild Kleinkems

Die älteste erhaltene Urkunde (1086) erwähnt Kleinkems unter dem Namen Kambiz als Schenkung an das Kloster Sankt Georgen im Schwarzwald. Ab 1103 gehörte es den Herren von Rötteln. Im Jahr 1939 wurde am Isteiner Klotz eine Höhle entdeckt, die als Bergwerk aus der Jungsteinzeit zum Abbau von Feuerstein und Jaspis anzusehen ist.
siehe auch Vollenburg

Mappach[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mappach
Mappach, spätgotischer Chorturm , ehem. Schulhaus

Mappach wurde erstmals 874 urkundlich erwähnt. Es gehörte lange dem Fürstbistum Basel, kam aber 1803 an Baden.

Mappach , Kirche, ehem. Schulhaus.jpg

Die Fresken im Chorraum der evangelischen Kirche wurden in den 1930er Jahren wiederentdeckt und stammen etwa aus der Zeit um 1500.

Welmlingen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Welmlingen
Welmlingen, Ortsbild

Wie Efringen wurde auch Welmlingen 1113 erstmals urkundlich erwähnt, als die Herren von Waldeck ihre Rechte an dem Ort an das Kloster St. Blasien abtraten. Die landesherrlichen Rechte lagen seit dem 14. Jahrhundert bei der Herrschaft Rötteln.

Wintersweiler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wintersweiler
Wintersweiler, Rathaus und Kirche

909 wurde Wintersweiler erstmals im St. Galler Urkundenbuch als Witireswilare erwähnt. Es gehörte später ebenfalls zur Herrschaft Rötteln. Aber bereits 1386 erwarb Rudolf III. von Hachberg-Sausenberg den Ort. Im Dreißigjährigen Krieg hatte der Ort unter Missernten und Plünderungen durchziehender Truppen und zusätzlich unter der Pest im Jahr 1639 zu leiden. Die Bewohner fanden teilweise Schutz in Basel. In den Jahren 1650 und 1750 belegen die Kirchenbücher Zuwanderungen aus der Schweiz. Die heutige Kirche des Ortes stammt aus dem Jahr 1765.

Religion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit Ausnahme der heutigen Ortsteile Huttingen und Istein, die dem Bistum Basel zugehörig waren und daher römisch-katholisch blieben, ist das Gebiet der heutigen Gemeinde seit der Reformation evangelisch geprägt. Heute gibt es drei evangelische Pfarrämter, eine Chrischona-Gemeinde und eine katholische Gemeinde mit Sitz in Istein. Gemäß Zensus 2011 waren 50,3 % der Bewohner von Efringen-Kirchen evangelisch, 23,4 % katholisch und 26,3 % gehörten einer anderen oder keiner Religionsgemeinschaft an.[32]

Der Ortsteil Kirchen war durch einen Erlass des Markgrafen seit 1720 „Judenschutzplatz“. Die jüdische Gemeinde, die seit 1865 einen eigenen Friedhof im Gewann Kehlacker hatte, stellte zeitweise ca. 20 % der Einwohner des Ortes. Sie wurde durch die Nationalsozialisten zerstört. Nach 1945 und noch im 21. Jahrhundert kam es zu Schändungen des jüdischen Friedhofs (1965, 1973, 1977 und 2003).[33]

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeinderat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kommunalwahl vom 26. Mai 2019 führte bei einer Wahlbeteiligung von 64,8 % (2014: 54,9 %) zu folgendem Ergebnis:

Partei / Liste Stimmenanteil Sitze Ergebnis 2014
CDU / Unabhängige 35,7 % 7 39,9 %, 10 Sitze
Bündnis 90/Die Grünen 24,3 % 5 21,5 %, 5 Sitze
FDP / Freie Bürger 23,9 % 5 21,2 %, 5 Sitze
SPD 16,0 % 3 17,4 %, 4 Sitze

Bürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei der Bürgermeisterwahl am 21. Dezember 2014 wurde Philipp Schmid im zweiten Wahlgang mit 54 % der abgegebenen gültigen Stimmen zum Bürgermeister gewählt.[34]

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kleinkems

Blasonierung: „Gespalten, vorne in Rot ein linksgewendeter aufrechter goldener Löwe, hinten in Silber ein roter Baselstab.“ Während der Löwe die Herrschaft Rötteln symbolisiert, steht der Baselstab für das frühere Fürstbistum Basel. Damit nimmt das Wappen Bezug auf frühere Besitzverhältnisse.

Kleinkems
Kleinkems
Kleinkems

Die Wappen der ehemals selbständigen Gemeinden werden heute nicht mehr verwendet: Das Efringer Wappen zeigte einen goldenen gestürzten Drudenfuß (Pentagramm) auf rotem Grund, auf dem Wappen von Kirchen war eine Kirche zu sehen, das Wappen der 1942 gebildeten Gemeinde Efringen-Kirchen war eine Kombination dieser beiden Wappen in anderer Farbgebung.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Alte Schule

Museen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 1993 gibt es in Efringen-Kirchen das Museum in der „Alten Schule“. Schwerpunkte der Dauerausstellung sind der Markgräfler Jaspis, mittel- und jungsteinzeitliche Funde (Höhlen am Isteiner Klotz, Jaspisbergwerk von Kleinkems), Landesvermessung des 18. Jahrhunderts, Dorfleben um 1900 und ausgewählte Werke bedeutender Künstler der Region.

Peterskirche in Blansingen

Gedenkstätten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am Eingang zum Jüdischen Friedhof des Ortsteils Kirchen erinnert eine Gedenktafel an 21 namentlich aufgeführte Bürger des Ortes und Mitglieder der Jüdischen Gemeinde, die in der Zeit des Nationalsozialismus Opfer der Shoa wurden.[35]

Bauwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rathaus Egringen

Die Peterskirche in Blansingen verfügt über Fresken aus der Zeit um 1440. Die St. Gallus-Kirche in Egringen stammt teilweise aus dem 13. Jahrhundert.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Efringen-Kirchen liegt an der Rheintalbahn (MannheimBasel). Der Ausbau der Rheintalbahn erfolgt unter anderem durch die größte Einzelbaumaßnahme der Deutschen Bahn, den Katzenbergtunnel, dessen Südportal etwa einen Kilometer östlich Efringens liegt und der 2012 für den Verkehr freigegeben wurde. Die Tunnelbohrungen wurden im Herbst 2007 abgeschlossen.

Regionalzüge der DB Regio AG halten an den Bahnhöfen Kleinkems, Istein und Efringen-Kirchen.

Die Bundesautobahn 5 (AlsfeldWeil am Rhein) und die Bundesstraße 3 (Buxtehude – Weil am Rhein), die das Gemeindegebiet durchqueren, binden Efringen-Kirchen an das überregionale Straßennetz an.

Ansässige Unternehmen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kalkwerk Istein
  • Kalkwerk Istein wurde im Sommer 2015 von der HeidelbergCement AG an die belgische Lhoist-Gruppe verkauft,[36] die in Deutschland mit der Rheinkalk GmbH vertreten ist. Der Steinbruch im Kapf auf dem Hardberg ist rund zwei Kilometer vom Kalkwerk entfernt. In ihm befindet sich ein sehr reiner Oxfordien-Kalkstein, der vor etwa 160 Millionen Jahren aus Korallen und Muscheln entstanden ist. Der Steinbruch wurde 1982 neu erschlossen und würde bei einem Abbau von 720.000 Tonnen jährlich bis ins Jahr 2040 reichen.[37]

Bildung und Forschung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neben der Grund-, Werkreal- und Realschule Efringen-Kirchen hat Egringen eine reine Grundschule. Für die jüngsten Bewohner gibt es sechs kommunale und zwei evangelische (in Egringen und Wintersweiler) Kindergärten.

Außerdem besteht in Efringen eine Außenstelle des Freiburger Fraunhofer-Instituts für Kurzzeitdynamik (Ernst-Mach-Institut – EMI) der Fraunhofer-Gesellschaft.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Söhne und Töchter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blick über Mappach und das Feuerbachtal zum Hochblauen, halbrechts der Weiler Maugenhard

Ehrenbürger[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1957: Hermann Burte (1879–1960), deutscher Dichter und Maler, Verfechter völkischer Ideologie und Anhänger nationalsozialistischer Ideen

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Robert Lais: Die Höhle an der Kachelfluh bei Kleinkems im Badischen Oberland. Eine Jaspisgrube und Grabstätte der jüngeren Steinzeit. Mit Beiträgen von R. Bay Und H.G. Stehlin; Urban-Verlag Freiburg im Breisgau 1948.
  • Ortschronik Kleinkems. Beiträge zur Orts-, Landschafts-, Siedlungs- und Familiengeschichte. Herausgegeben von der Ortsverwaltung Kleinkems im Jahre 1978; Ortschronik und Ortssippenbuch.
  • Joseph Bader: Efringen. Eine breisgauische Dorfgeschichte, In: Badenia oder das badische Land und Volk, Zweiter Band, Heidelberg 1862, S. 376–391 in der Google-Buchsuche
  • Albert Köbele und Fritz Schülin: Ortssippenbuch Efringen-Kirchen, Kreis Lörrach in Baden, 1579–1957. 2. Auflage. Grafenhausen: Köbele 1968 (= Badische Ortssippenbücher 10)
  • Albert Köbele: Dorfsippenbuch Egringen, Kreis Lörrach in Baden, 1581–1957. Grafenhausen: Köbele 1957 (= Badische Ortssippenbücher 8)
  • Eugen Eble: Ortssippenbuch Istein und Huttingen, Kreis Lörrach in Baden. Grafenhausen: Köbele 1970 (= Badische Ortssippenbücher 24)
  • Walter Sick: Ortssippenbuch Kleinkems, Gemeinde Efringen-Kirchen, Kreis Lörrach/Baden. Grafenhausen: Köbele 1977 (= Badische Ortssippenbücher 40), Bearbeiteter Zeitraum 1584–1974
  • Helmut Fehse, Günter Henn und Dietmar Strohmeier: Ortsfamilienbuch Wintersweiler (1528–2014), Teilort der Gemeinde Efringen-Kirchen. Efringen-Kirchen: Ortsverwaltung Wintersweiler 2014 (= Badische Ortssippenbücher 164)
  • Felix Poeschel: Die Gesamtgemeinde Efringen-Kirchen. Dörfer im Wandel. In: Das Markgräflerland, Heft 1/1993, S. 5–8 Digitalisat der UB Freiburg
  • Hermann Schäfer: Aus der Ur- und Frühgeschichte von Efringen-Kirchen. In: Die Markgrafschaft, Heft 8/1962, S. 12–14 Digitalisat der UB Freiburg

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Statistisches Landesamt Baden-Württemberg – Bevölkerung nach Nationalität und Geschlecht am 31. Dezember 2020 (CSV-Datei) (Hilfe dazu).
  2. Eintrag Kirchen (Altgemeinde/Teilort) auf Landeskunde entdecken online – leobw
  3. Efringen-Kirchen: Ortsteile
  4. Eintrag Blansingen (Altgemeinde/Teilort) auf Landeskunde entdecken online – leobw
  5. Eintrag Sonnenhof (Wohnplatz) auf Landeskunde entdecken online – leobw
  6. Eintrag Britschenhöfe (Wohnplatz) auf Landeskunde entdecken online – leobw
  7. Eintrag Engemühle (Wohnplatz) auf Landeskunde entdecken online – leobw
  8. Eintrag Seebodenhof (Wohnplatz) auf Landeskunde entdecken online – leobw
  9. Eintrag Egringen (Altgemeinde/Teilort) auf Landeskunde entdecken online – leobw
  10. Eintrag Huttingen (Altgemeinde/Teilort) auf Landeskunde entdecken online – leobw
  11. Eintrag Kleinkems (Altgemeinde/Teilort) auf Landeskunde entdecken online – leobw
  12. Eintrag Vollenburg (Wüstung) auf Landeskunde entdecken online – leobw
  13. Eintrag Felsenmühle (Wüstung) auf Landeskunde entdecken online – leobw
  14. Eintrag Neuenburg (Wüstung) auf Landeskunde entdecken online – leobw
  15. Eintrag Mappach (Altgemeinde/Teilort) auf Landeskunde entdecken online – leobw
  16. Eintrag Maugenhard (Wohnplatz) auf Landeskunde entdecken online – leobw
  17. Eintrag Bübingen (Wüstung) auf Landeskunde entdecken online – leobw
  18. Eintrag Welmlingen (Altgemeinde/Teilort) auf Landeskunde entdecken online – leobw
  19. Eintrag Wintersweiler (Altgemeinde/Teilort) auf Landeskunde entdecken online – leobw
  20. Eintrag Bübingen (Wüstung) auf Landeskunde entdecken online – leobw
  21. LGRB Kartenviewer. Regierungspräsidium Freiburg i.Br. LGRB, abgerufen am 11. Juli 2021.
  22. Geologisches Landesamt Baden-Württemberg (Hrsg.): Geologische Karte 1:25 000, Blatt Lörrach. Nr. 8311. Stuttgart 1987.
  23. wie Anm. 21 Erläuterungen zu Blatt 8311. S. 64 - 76.
  24. wie Anm. 21. S. 33.
  25. wie Anm. 21, Abb. S. 73.
  26. wie Anm. 22, Querschnitt unter der Karte.
  27. wie Anm. 21, S. 59 - 50.
  28. Badische Zeitung Online – Bagger legen römischen Brunnen frei
  29. http://query.staatsarchiv.bs.ch/query/detail.aspx?ID=593124
  30. Eintrag Maugenhard (Wohnplatz) auf Landeskunde entdecken online – leobw
  31. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. W. Kohlhammer, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 521.
  32. https://ergebnisse.zensus2011.de/#dynTable:statUnit=PERSON;absRel=PROZENT;ags=083360014014;agsAxis=X;yAxis=RELIGION_KURZ
  33. Jüdischer Friedhof (Kirchen) bei Alemannia Judaica.
  34. http://www.swr.de/landesschau-aktuell/bw/suedbaden/wahl-in-efringen-kirchen-philipp-schmid-neuer-buergermeister/-/id=1552/nid=1552/did=14766656/zezcxm/index.html, abgerufen am 9. Februar 2015
  35. Gedenkstätten für die Opfer des Nationalsozialismus. Eine Dokumentation. Bd. I. Bonn 1995, ISBN 3-89331-208-0, S. 31.
  36. Efringen-Kirchen: Verkauf vollzogen: Das Kalkwerk Istein gehört der belgischen Lhoist. Badische Zeitung, 30. Juni 2015, abgerufen am 13. Mai 2017.
  37. HeidelbergCement: Kalkwerk Istein

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Efringen-Kirchen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien