Gittelde

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Dieser Artikel behandelt den Ort Gittelde. Zum Adelsgeschlecht siehe Gittelde (Adelsgeschlecht).
Gittelde
Gemeinde Bad Grund
Wappen von Gittelde
Koordinaten: 51° 48′ 1″ N, 10° 11′ 15″ O
Höhe: 190 m ü. NHN
Fläche: 12,55 km²
Einwohner: 1879 (31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 150 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. März 2013
Postleitzahl: 37539
Vorwahl: 05327
Gittelde (Niedersachsen)
Gittelde

Lage von Gittelde in Niedersachsen

St. Mauritiuskirche
St. Mauritiuskirche

Gittelde ist ein Ortsteil der Gemeinde Bad Grund (Harz) im Landkreis Göttingen in Niedersachsen. Zu Gittelde gehört auch das südlich liegende Dorf Teichhütte.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gittelde liegt jeweils etwas westlich des Oberharzes und Naturparks Harz. Es befindet sich am Söse-Zufluss Markau. Die nächsten Ortschaften sind im Norden Münchehof (im Landkreis Goslar) im Westen Windhausen und im Süden Teichhütte bzw. Osterode am Harz.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

St. Johanneskirche

Mittelalter und frühe Neuzeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

953 wurde der Ort erstmals urkundlich erwähnt, Otto I. tauschte damals den billungischen Besitz ein und schenkte diesem dem Mauritiuskloster in Magdeburg.[2] Im Jahr 965 erhielt durch Otto der Ort Gittelde Münz- und Zollrechte. Nachdem Magdeburg die Schenkung Ottos erhielt, erbauten sie im Bereich des einstigen billungischen Hofes die Mauritius-Kirche, neben der auch zugleich der Markt entstand. Als Vögte für seinen Hof setzte der Magdeburger Bischof die Grafen von Katlenburg ein. Nach dem Tod der Grafen zu Beginn des 12. Jahrhunderts, traten die Welfen ihr Erbe an, denen es gelang, deren einstigen Besitz, mithilfe der Vogteirechte, dem Magdeburger Bistum zu entfremden. Für die Zeit vor der Jahrtausendwende lassen sich mehrere Adelsfamilien nachweisen, die in Gittelde begütert waren. So traf man damals die Liudolfinger, Immedinger und die Billunger als Inhaber von Besitz an. Ab 1143 tritt die Familie derer von Gittelde auf. 1244 verzichtete Adolf II. von Dassel zugunsten von Bischof Siegfried III. auf seine Zehntrechte in Gittelde und Eisdorf. Zugleich verzichtete der Mainzer Bischof seinerseits darauf nach Absprache mit Herzog Otto I. zugunsten des Jacobiklosters Osterode.[3] In Gittelde wurde eine landesherrliche Eisenhütte betrieben, die in gemeinsamen Eigentum der Landesherren von Braunschweig-Wolfenbüttel und Hannover stand. Einst verbunden mit der Bergmannssiedlung Bad Grund, wurde diese 1532 von Gittelde getrennt und zur eigenständigen Bergstadt erhoben. Im Dreißigjährigen Krieg erlitt Gittelde zahlreiche Zerstörungen und Verwüstungen, weitere schwere Schäden brachte die Brandkatastrophe des Jahres 1718. Allmählich ging die Metallgewinnung zurück, bis 1838 die Eisenfaktorei den Handel einstellte, während jene in Teichhütte bis 1868 im Betrieb verblieb.[4]

Mögliche Burganlage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bezeichnungen wie "Kaiser-Garten", "Kaiserhof", und "Altes Schloss" im Bereich der Johanniskirche und des Friedhofs ließen die Vermutung aufkommen, dass früher in Gittelde eine Burg existiert haben könnte. Probegrabungen im Jahre 1953 ergaben, dass man im Untergrund des Kirchhofes mehrere Trockenmauern von etwa einem Meter Breite entdeckte. Sie verliefen jeweils unter dem Turm beziehungsweise dem Chorfundament der Kirche.[5] Da diese Mauern älteren Datums als das Gotteshaus sind, könnten sie von einer Befestigungsanlage stammen. Zudem ist die Johanniskirche älter als die Moritzkirche, die erst gebaut wurde, nachdem Gittelde 953 an das Moritzkloster zu Magdeburg gelangte. Die Johanniskirche wurde noch 1240 als Burgkapelle bezeichnet. Zu Zeiten Merians in der Mitte des 17. Jahrhunderts besaß sie Mauerwerk mit Wendeltreppen und Gewölben. Urkundliche Belege für die Existenz einer Burg fehlen jedoch.

Neuere Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 1. Juli 1972 wurde die Nachbargemeinde Teichhütte in den Flecken Gittelde eingegliedert.[6]

Zum 1. März 2013 schlossen sich die Mitgliedsgemeinden der Samtgemeinde Bad Grund (Harz) zur neuen Gemeinde Bad Grund (Harz) zusammen, darunter auch der Flecken Gittelde.

Zur Entwicklung des Postwesens in Gittelde siehe: Postgeschichte von Gittelde.

Name[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Alte Bezeichnungen des Ortes sind 965 Getlide, 973 Getlide, 973-975 Getlithi, 1149 Getlethe, 1154 Widego de Getlide, 1169 Getlethe und 1192 Gehtlethe. Jürgen Udolph vermutet, dass der Ortsname aus dem altgermanischen Element „-ithi“ wie in den Ortsnamen von Sehnde, Lehrte, Lengede, Grohnde gebildet wird. Betrachtet man die geographische Lage von Gittelde und anderen Orten wie Geitelde, Gitter und Geisleden, so ist unverkennbar, dass alle vier in einer Senke, einem Tal liegen, das als Pass und Durchgang, Hohlweg gedient hat: der Pass-Charakter von Gittelde ist auch heute noch am Verlauf der B 243, der Landstraße und der Nord-Süd-Eisenbahnverbindung zu erkennen. Auch die Ableitung des Wortes aus der germanischen und anderen Sprachen wie dem Englischen lässt darauf schließen.[7]

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ortsratswahl 2016[8]
Wahlbeteiligung: 53,08 % (2013: 64,18 %)
 %
60
50
40
30
20
10
0
57,25 %
37,15 %
5,60 %
n. k.
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2013
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 12
 10
   8
   6
   4
   2
   0
  -2
  -4
  -6
  -8
-10
+11,95 %p
-5,50 %p
+2,84 %p
-9,29 %p

Ortsrat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ortsrat setzt sich aus sieben Ratsfrauen und Ratsherren zusammen (Veränderungen zu 2013).

(Stand: Kommunalwahl am 11. September 2016)

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Entwurf des Wappens von Gittelde stammt von dem in Isernhagen geborenen und später in Hannover lebenden Heraldiker und Wappenmaler Gustav Völker, der schon die Wappen von Großburgwedel, Mellendorf, Wunstorf und vielen anderen Ortschaften in der Region Hannover[9] entworfen hat. Das Wappen von Gittelde wurde anlässlich eines Jubiläums eingeführt, und zwar bei Gelegenheit der 1000-Jahr-Feier. Der Rat nahm es am 27. April 1953 an und der niedersächsische Innenminister Richard Borowski genehmigte es am 30. Mai desselben Jahres.[10]

Wappen von Gittelde
Wappenbeschreibung: „In Rot zwei abgewendete silberne Schlüssel, belegt mit einer silbernen Münze, darauf eine aus drei „Dächern“ aufsteigende und in ein Kreuz auslaufende Spitze sowie die Umschrift „Gelithiespening“.“
Wappenbegründung: Die Schlüssel wurden dem Wappen Dietrichs von Gittelde entnommen. Er gehörte der ortsadligen Familie an, die von 1154 bis zu ihrem Aussterben im Mannesstamm 1626 die Geschicke des Ortes maßgeblich bestimmte. Am 1. Juli 1972 gelangte der Flecken im Zuge der Gebietsreform an den Kreis Osterode. Bei dem Geldstück handelt es sich um ein charakteristisches Gepräge der alten Gittelder Münzstätte.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Portalbau des Mundloches des Ernst-August-Stollen in Gittelde
  • St. Mauritiuskirche
  • St. Johanneskirche
  • Zahlreiche gut erhaltene Fachwerkhäuser
  • Ernst-August-Stollen, erbaut 1851–1864. Er hat eine Länge von 26 km und diente zur Entwässerung der Harzer Bergbaugruben.
  • Bahnhofsgebäude aus dem 19. Jahrhundert
  • Burgruine Stauffenburg etwa 2 km nördlich des Ortes auf dem Stauffenberg nahe Münchehof.
  • Heimatmuseum

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gittelde liegt direkt an der Bundesstraße 243, die von Osterode am Harz nach Seesen führt.

Es hat einen Bahnhof an der Bahnstrecke Herzberg–Seesen. Früher zweigte hier die Bahnstrecke Gittelde–Bad Grund ab.

Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Gittelde befindet sich eine Grundschule.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Mirja Steinkamp: Die Eisenhütte Gittelde 1700–1787. Franz Steiner, Stuttgart 1997 (Beiträge zur Wirtschafts- und Sozialgeschichte Bd. 78) ISBN 3-515-07165-2
  • Ernst Andreas Friedrich: Der Kaiserhof in Gittelde. S. 64–66, in: Wenn Steine reden könnten. Band IV, Landbuch-Verlag, Hannover 1998, ISBN 3-7842-0558-5
  • Bodo Biegling: Der Flecken Gittelde Geschichte im Flecken Gittelde (gesammelte historische Berichte) Band 1 und Band 2
  • 1000 Jahre Gittelde Festschrift. Festtage vom 12.-15. Juno 1953
  • Uwe Kipp: Gittelder Pfennige. Die Geschichte der Münzstätte Gittelde und ihrer Prägung.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Gittelde – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Landesamt für Statistik Niedersachsen
  2. Mechthild Schulze: Die Burgen am West- und Südrand des Oberharzes. In: Römisch-Germanisches Zentralmuseum Mainz (Hrsg.): Führer zu vor- und frühgeschichtlichen Denkmälern. Westlicher Harz, Clausthal-Zellerfeld, Osterode, Seesen. Band 36. Philipp von Zabern, Mainz 1978, ISBN 3-8053-0305-X, S. 42 f.
  3. H. Sudendorf: Urkundenbuch zur Geschichte der Herzöge von Braunschweig und Lüneburg und ihrer Lande, Erster Theil, 1859, S. 20
  4. Hans Pusen: Niedersachsen. Das Berg- und Hügelland im Süden. 2. Auflage. Sigmaringendorf 1987, ISBN 3-8235-1002-9, S. 319.
  5. Erhard Kühlhorn: Historisch-Landeskundliche Exkursionskarte. Blatt Osterode am Harz. Lax, Hildesheim 1970, S. 74 f.
  6. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 268.
  7. Der Ortsnamenforscher auf NDR 1 Niedersachsen, Recherche Jürgen Udolph
  8. Webseite der Kommunalen Dienste Göttingen, abgerufen am 29. September 2016
  9. Landkreis Hannover: Wappenbuch Landkreis Hannover. Im Selbstverlag des Autors veröffentlicht, Hannover 1985
  10. Arnold Rabbow: Braunschweigisches Wappenbuch - Mit Gandersheim, Gifhorn, Goslar, Helmstedt, Peine, Salzgitter, Wolfenbüttel und Wolfsburg. Verlag: Eckensberger & Co, Braunschweig 1977